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Der unabhängige Gott

Gott braucht nichts – und liebt dich trotzdem. Warum?
Römer 11,3618.07.2026
EventTeil 2 / 3Esra Jugendtag 2026
Gott braucht dich nicht — und genau das befreit. Wer versteht, dass er aus Liebe und nicht aus Mangel geschaffen wurde, kann aufhören, sich etwas zu beweisen.

Einleitung und Hinführung zum Thema

Schön, dass es weitergeht in Gottes Wort. Ich hoffe, ihr seid alle soweit fit. Normalerweise ist es immer negativ, wenn man nach dem Mittagessen predigen muss oder soll, darf. Aber ihr habt ja jetzt ordentlich Sportprogramm, und ihr seid alle jung und frisch. Ich denke, ihr werdet alle gut wach sein und habt hoffentlich genug Kaffee intus.
Ich bete noch zum Anfang, und dann steigen wir ein in das nächste Thema. Wir haben es gerade gehört: Du bist ein Gott, der redet. Und das wollen wir jetzt auch wieder hören, sehen, schmecken, wie du zu uns redest, Herr, durch dein Wort, durch das, was du mir aufs Herz gelegt hast. Herr, gebrauche es zu deiner Ehre, zur Erbauung meiner Geschwister hier.
Am Vormittag haben wir angeschaut, ihr wisst es vielleicht noch, warum es so wichtig ist, Gott zu erkennen, was es bedeutet, Gott zu erkennen, wie wir Gott erkennen können und welche Folgen Gottes Erkenntnis mit sich bringt. Ich möchte jetzt in diesen zwei Nachmittagssessions gerne zwei Attribute Gottes mit euch anschauen.
Ich habe diesen ersten Vortrag überschrieben mit dem Titel: Der unabhängige Gott, der unabhängige Gott. Man kann auch sagen: der selbstgenugsame. Ich predige des Öfteren in unterschiedlichen Gemeinden und unterrichte auch unter anderem Dogmatik an einer theologischen Ausbildungsstätte in Dresden. Meine Erfahrung ist: Wenn ich über diesen Charakter Gottes spreche, herrscht da häufig großes und positives Erstaunen. Tatsächlich ist vielen Christen diese Wahrheit vom unabhängigen Gott gar nicht so bewusst, weil sie, glaube ich, in vielen Gemeinden auch unterbelichtet ist. Sie klingt zunächst doch erst einmal sehr herausfordernd, ist aber total heilsam für unser Leben.
Und ich möchte mir mit euch in diesem Vortrag drei Fragen näher anschauen, nämlich erstens: Was bedeutet es überhaupt, dass Gott unabhängig von seiner Schöpfung und selbstgenugsam ist? Zweitens: Warum hat Gott die Erde überhaupt geschaffen? Und drittens: Warum ist das alles für uns eine gute Nachricht?
Also, lasst uns einsteigen: Was bedeutet es, dass Gott unabhängig von seiner Schöpfung und selbstgenugsam ist?

Gottes Sein aus sich selbst heraus

In der Dogmatik oder systematischen Theologie, in der es, wie wir schon gehört haben, viel um das Wesen Gottes geht, spricht man bei diesem Charakterzug Gottes auch von der sogenannten Asseität. Ihr habt das hier vor euch, ihr könnt das lesen. Asseität leitet sich von zwei lateinischen Begriffen ab, nämlich a und se. Das bedeutet so viel wie: von sich, aus sich selbst.
Darunter versteht man also das Aus-sich-Sein, das Von-sich-Selbst-Sein, also etwas, das sein Sein nicht von anderswoher empfangen hat. Es ist ein unbedingtes Sein im Gegensatz zum bedingten, geschaffenen Sein, was uns alle hier mit einschließt. Ich weiß, das hört sich alles erst einmal hochkomplex und kompliziert an, aber im Endeffekt ist es das nicht.
Die Asseität Gottes meint, dass Gott in und aus sich selbst heraus existiert. Das bedeutet: Er ist nicht geschaffen, sondern selbstexistent. Und das lässt sich auch logisch gut erklären. Er ist vor allen Dingen, bevor es überhaupt etwas gab. Er ist die Ursache aller Dinge, und alle Dinge sind deshalb von ihm abhängig. Er existiert absolut unabhängig von irgendetwas oder von irgendjemandem.
Am Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Was lesen wir hier? Bevor es einen Anfang gab, gab es bereits Gott. Da war er bereits da. Also beginnt die Bibel mit dem Gott, der niemals begann, sondern schon immer war, immer ist und auch immer sein wird. Das übersteigt unseren Verstand, unser Verständnis.
Gott tritt nicht irgendwann in die Geschichte ein, sondern er selbst ist die Geschichte, in die wir eingebunden sind. Wegen ihm gibt es überhaupt Leben, wegen ihm gibt es überhaupt eine Geschichte. In Römer 11,36 schreibt Paulus: Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Ehre in Ewigkeit! Amen.
 Psalm 36,10: Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht. Auch hier sehen wir wieder: Von Gott geht alles aus. Er ist die Quelle des Lebens, und er bringt Licht, sodass wir überhaupt etwas sehen können. Er ist letztlich realer als alles andere.
Und in Johannes 5,26 spricht Jesus: Denn wie der Vater das Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn verliehen, das Leben in sich selbst zu haben. Der Vater und der Sohn haben von aller Ewigkeit her das Leben in sich selbst. Das ist eine gute Definition dessen, was Jesus hier sagt: was es heißt, dass Gott unabhängig ist. Er hat das Leben in sich selbst.
Auch der wohl bekannteste Name Gottes, den wir in der Bibel finden, nämlich Jahwe, der in unseren Bibeln meistens als HERR mit großen Buchstaben wiedergegeben wird, drückt diese Wahrheit der Asseität Gottes aus. Denn der Ursprung und die Bedeutung dieses Namens werden uns in 2. Mose 3,14-15 gezeigt, als Mose diese Begegnung mit Gott am Dornbusch hat, der nicht verbrennt. Ihr kennt diese Geschichte. Dort sagt Gott: Ich bin, der ich bin. Ich bin, der ich bin.
Das drückt die Tatsache aus, dass Gott immer derselbe bleibt, und der Name zeigt auch Gottes Selbstgenügsamkeit an. Gott ist der, der ewig Seiende, der von sich selbst her existiert und nicht von etwas anderem abhängig ist. Er ist der Unveränderliche und der treue Gott.
Und in Psalm 90,2-3 heißt es: Ehe die Berge wurden und du die Erde und den Erdkreis hervorbrachtest, ja, von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du Gott. Du lässt den Menschen zum Staub zurückkehren und sprichst: Kehrt zurück, ihr Menschenkinder!
Was sehen wir hier? Wir sehen hier einen starken Kontrast, der uns vor Augen gemalt wird, wie wir Menschen im Verhältnis zu Gott stehen. Die Asseität Gottes, die Unabhängigkeit Gottes, definiert Gottes Überlegenheit gegenüber der Menschheit.
Wenn ein Mensch, ihr könnt das ja mal testen, ich würde es euch aber nicht empfehlen, ein paar Tage kein Wasser oder ein paar Minuten keinen Sauerstoff hat, dann stirbt er. Klitzekleine Bakterien und Viren hauen uns um. Ich hatte vor kurzem einen Männerschnupfen, das war nicht schön. Ich habe mich ziemlich elend gefühlt, zur Freude meiner Frau. Nein, sie muss sich schmunzeln, wir Männer sind da so ein bisschen.
Aber egal: Wir haben Krankheit, wir sterben, wenn uns etwas fehlt. Selbst das Leben in sich selbst, alles kommt von ihm, von unserem Schöpfer, von unserem Gott. Wir leben in einer totalen Abhängigkeit von ihm. Und weil Gott von aller Ewigkeit her schon alles besitzt, weil er selbstgenügsam und unabhängig ist, gibt es auch nichts, was wir Menschen ihm geben könnten.
Denn könnten wir Gott etwas geben, was ihm mangelt, dann wäre Gott veränderlich. Und wir würden auch eine Art Gottstatus haben, weil wir ein Puzzlestück im Wesen Gottes wären, das er unbedingt noch benötigt, um komplett zu sein.
In Apostelgeschichte 17,24-25, da hält Paulus seine berühmte Rede auf dem Areopag in Athen, und da sagt er Folgendes: Der Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels, gibt allen Leben und Odem und alles.

Die Freiheit Gottes in der Schöpfung

Ihr Lieben, wir müssen uns lösen, vielleicht habt ihr das irgendwo schon einmal gehört: von diesem bedürftigen Gott, von dieser Vorstellung, dass Gott machtlos ist, wenn wir ihm nicht helfen. Ja, dass Gott dich braucht, um irgendwie seine Pläne zu vollbringen, das sind Lügen. Gott braucht absolut nichts. Das ist erst einmal wichtig, dass wir das verstehen. Gott muss sich kein Bedürfnis stillen, er ist nicht abhängig von mir.
Und diese Lüge ist vor allen Dingen im zwanzigsten Jahrhundert entstanden. Anstatt dass der Mensch abhängig von Gott ist, wird Gott so dargestellt, dass er von dem Männchen abhängig ist. Ja, das ist eine Selbstvergötterung des Männchens.
Und ja, der christliche Glaube hat sehr viel mit Gott und sehr viel mit dem Menschen zu tun. Das lesen wir durch die gesamte Bibel. Aber das habe ich heute auch schon gesagt: Nicht der Mensch, sondern Gott steht im Mittelpunkt der Geschichte.
Und letztlich steht die christliche Sicht auf den Menschen völlig im Gegensatz zur Sichtweise auf den Menschen, wie wir diese Sichtweise in unserer Gesellschaft finden. Zum einen sehen wir in unserer Gesellschaft, dass sie den Menschen zum Maß aller Dinge erhebt, der letztlich alles schaffen kann, wenn er nur will. Ja, man versucht, unsterblich zu werden. Aber die Bibel macht uns deutlich: Der Mensch hat absolut nichts, wenn es Gott ihm nicht geben würde. Das Geschöpf ist absolut abhängig von seinem Schöpfer.
Und gleichzeitig betrachtet ein Großteil unserer Gesellschaft den Menschen als ein Zufallsprodukt, den man beispielsweise auch im Bauch der Mutter töten kann, wenn er nicht ins Leben passt. Vielen Tieren wird mehr Wert und Würde in unserer Gesellschaft zugeschrieben als dem Männchen oder dem ungeborenen Lebewesen.
Aber während der Mensch absolut bedürftig ist und von Gott abhängig ist, ob er das nun wahrhaben will oder nicht – viele werden das natürlich leugnen –, ist unser Gott in unserer Gesellschaft vollkommen unabhängig von seiner Schöpfung. Er hat alles. Das bedeutet, dieses Wort drückt auch Selbstgenugsamkeit aus. Das Wort gibt es so direkt eigentlich gar nicht in unserem Sprachgebrauch. Das bedeutet so viel wie: Ich habe alles zur Genüge. Nicht zu verwechseln mit Selbstgenügsamkeit mit zwei Strichen noch über dem U, das bedeutet so viel wie: Ich gebe mich mit wenigen zufrieden. Gott ist selbstgenugsam.
Noch eine Schriftstelle: In Offenbarung 4,11 lesen wir Folgendes: Würdig bist du, o Herr, zu empfangen den Ruhm und die Ehre und die Macht, denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen sind sie und wurden sie geschaffen.
Was lesen wir hier? Hier lesen wir, dass Gott doch etwas von uns empfängt, nämlich Ruhm und Ehre und Macht. Aber letztlich sind das alles Realitäten, die er schon besitzt und die wir letztlich einfach anerkennen, dass ihm das gebührt. Und wir somit unserem Lebensziel folgen: Wir erinnern uns, Gott zu verherrlichen und sich für immer an ihm zu erfreuen. Das ist der Einblick in den Himmel, so wird es sein. Wir erkennen an, dass Gott alles gebührt. Wenn wir Dinge am Ende für Gott tun, dann tun wir das immer mit Ressourcen, die Gott uns geschenkt hat. Vollkommene Abhängigkeit.
Zudem lesen wir hier in Offenbarung 4, dass Gott alle Dinge geschaffen hat. Die Frage, die man sich jetzt natürlich stellen könnte, wenn er selbst genugsam ist und alles hat: Warum? Warum hat er überhaupt diese Erde gemacht? Warum hat er überhaupt uns gemacht?
Und da komme ich zu diesem zweiten Punkt: Warum hat Gott überhaupt die Erde geschaffen? Und da ist wichtig voranzustellen: Er hat sie nicht geschaffen, und ich denke, das ist jetzt klar geworden, weil er einen Mangel hat, sondern er hat sie geschaffen, weil er es wollte. Er hat Überfluss, weil er gerne gibt, die Quelle des lebendigen Wassers, ihr erinnert euch. Die Schöpfung war eine freie Entscheidung Gottes, die aus reiner Liebe heraus geschah. Und das liegt in seinem Wesen als dreieiniger Gott begründet.
Ich hoffe, ihr wisst es, dass wir einen dreieinigen Gott anbeten. Dazu haben wir vier Vorträge noch einmal extra zu diesem Thema. Aber eine kurze Definition dazu von Wayne Grudem, was es bedeutet: Gott existiert ewiglich als drei Personen, Vater, Sohn und Heiliger Geist, und jede Person ist vollkommen Gott, und es gibt nur einen Gott. Ganz, ganz wichtige Lehre.
Und Gott hat innerhalb dieser Dreieinigkeit die größte Freude und Liebe von Ewigkeit her, kein Mangel. Wir haben das heute schon gehört: Er ist ein glückseliger Gott, und das wird auch für immer so bleiben. Und das tiefste Wesen unseres, dieses dreieinigen Gottes, ist es, sich mitzuteilen, aus sich herauszugehen, zu lieben und Leben zu schenken. Der dreieinige Gott hortet sein Leben nicht, sondern er ist einer, der es verschenkt, wie er es in der Schöpfung und im Augenblick seiner großen Selbstoffenbarung am Kreuz auf Golgatha gezeigt hat. Und das Unfassbare ist: Wesen sich zu verschenken.
Im letzten Vers des sogenannten hohen priesterlichen Gebets in Johannes 17, also was Jesus gebetet hat, kurz vor seiner Gefangennahme und seiner Kreuzigung, da betet er Folgendes zu seinem Vater: Und ich habe ihnen deinen Namen verkündet und werde ihn verkünden, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen. Damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.
Das ist absolut gewaltig, was Jesus hier betet. Nochmal: Gott ist glückselig und sich selbst genug, und die Liebe, die Gott von aller Ewigkeit in sich hat, ist genug, um Gott damit zu füllen. 1. Johannes 4,8 und 16 sagt uns, dass Gott Liebe ist. Nicht die Liebe ist Gott, sondern Gott ist die Liebe, wichtiger Unterschied.
Und diese Liebe, die in Gott von aller Ewigkeit her ist, ist nun in denen, die zu Jesus gehören. Gott will uns mit hineinziehen in dieses heilige, glückselige Leben dieser Dreieinigkeit. Nicht falsch verstehen: Ja, wir sind keine Götter, aber wir sind geschaffen, um mit der Liebe des dreieinigen Gottes geliebt zu werden. Und wenn seine Liebe genug für ihn selbst ist, dann sollte sie für uns mehr als genug sein. Warum sind wir so unzufrieden? Diese Liebe wird kein Ende haben bis in alle Ewigkeit.
Und ihr Lieben, wenn Gott so ein Interesse und so eine Hingabe hat, mit uns zu sein, Gemeinschaft mit uns zu haben, obwohl er es nicht bräuchte, warum sind wir häufig so zögerlich darin, ihn immer mehr kennenzulernen, mit ihm Zeit zu verbringen? Warum haben wir so wenig Gemeinschaft mit ihm, obwohl wir ihn brauchen?

Gottes Ehre und der Sinn des Menschen

Ein wichtiger Punkt, den die Bibel uns klar macht, ist, dass Gott den Menschen zu seiner Ehre geschaffen hat. Wir lesen das zum Beispiel in Jesaja 43,7: Einen, der mit meinem Namen genannt ist und den ich zu meiner Ehre geschaffen habe, den ich gebildet und gemacht habe.
Dieses Streben Gottes nach seiner Ehre ist ein zentrales Element der Bibel. Wenn ihr euch also nach diesem Jugendtag daranmacht, die ganze Bibel auf Gottes Wesen hin zu lesen, werdet ihr diesem Element oft begegnen: Gott sucht seine eigene Ehre.
So lesen wir zum Beispiel einige Stellen. Psalm 25,11: Um deines Namens willen. Das bedeutet so viel wie: um deinetwillen. Jesaja 43: Ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen, und an deine Sünden will ich nie mehr gedenken. Jesaja 48: Um meines Namens willen bin ich langmütig, und um meiner Ehre willen halte ich mich zurück, dir zugute und dich nicht auszurotten.
Das sind nur einige, wirklich nur wenige Schriftstellen, die von der Zentralität der Ehre Gottes sprechen. Für viele, die das lesen oder hören, ist das ein Anstoß. Diese Gottzentriertheit wirkt auf sie wie Größenwahn. So egoistisch kann man doch nicht sein, denken sie. Es geht sogar so weit, dass Leute ihren Glauben deswegen aufgeben. Ich habe gehört von dem Schauspieler Brad Pitt, dass er daran Anstoß genommen hat, dass Gott seine Ehre sucht. Oder von der Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey, dass sie sich daran gestoßen hat, dass das Beste, was uns geschehen kann, darin besteht, dass Gott nach seiner Ehre strebt.
Denn wenn Gott nicht seine Ehre suchen würde, würde er die Ehre von irgendjemand anderem suchen. Das würde letztlich bedeuten, dass dieser andere Gott ist. Und wenn Gott nicht sagen würde, dass wir ihn ehren sollen und zu seiner Ehre geschaffen sind, dann würden wir die Ehre bei anderen Dingen suchen. Wir haben das schon gehört: Jeder Mensch gibt irgendetwas oder irgendjemandem die Ehre. Es gibt keinen Menschen, der das nicht tut.
Aber, und das ist das Entscheidende: Es gibt nichts Schöneres, keine höhere Form der Freude und der Erfüllung als Gott selbst. Wenn Gott also seine Ehre sucht und uns damit beauftragt, ihm gleichzutun, ist das letztlich ein Liebesdienst. Denn wenn wir nicht ihn ehren, suchen wir unsere Freude an etwas, das uns nicht in derselben Weise erfüllen kann.
Denn vor deinem Angesicht sind Freuden in Fülle, liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich. Es gibt nichts mehr, als was schon voll ist. Es gibt nichts, was länger ist als ewiglich. Gott allein bietet uns das an, nichts sonst im Universum.
Das Streben Gottes nach seiner Ehre ist deswegen vollkommen anders als das Streben des Menschen nach seiner Ehre. Wir müssen nur auf die jüngere Geschichte schauen und sehen, was das mit sich bringt. Wenn der Mensch nach seiner Ehre trachtet und sich auf den Thron Gottes stellt, sehen wir Leid, sehen wir Missbrauch, sehen wir Zerbruch, sehen wir Verderben.
Wenn Gott seine Ehre sucht und sich ins Zentrum stellt, sehen wir Freude in Fülle, Liebe bis in alle Ewigkeit.

Die gute Nachricht für unser Leben

Und aus diesen Wahrheiten, die wir eben gehört haben, dass Gott alles hat und nichts braucht, und dennoch die Welt und dich geschaffen hat, ergeben sich wunderbare Wahrheiten für uns. Und das ist der dritte Punkt: Warum ist das für uns eine gute Nachricht?
Der erste Punkt in diesem dritten Punkt ist: Es zeigt wahre Liebe und deine Bedeutsamkeit. Im 5. Mose 10 lesen wir Folgendes. Gott spricht: Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel und die Erde und alles, was in ihr ist, gehört dem Herrn, deinem Gott. Dennoch hat der Herr allein deinen Vätern sein Herz zugewandt, dass er sie liebte. Und er hat ihren Samen nach ihnen aus allen Völkern erwählt, nämlich euch, wie es heute der Fall ist.
Gott hat alles, und dennoch hat er sein Herz, seine Liebe, auf diese Menschen gelegt. Und diese Worte gelten auch dir. Wenn du Jesus Christus als deinen Herrn und Erlöser angenommen hast, dann hat dir Gott sein Herz zugewandt, und sein Wohlgefallen liegt auf dir. Ohne dass du irgendetwas dafür geleistet hast. Wir kommen im letzten Vortrag noch einmal darauf zu sprechen. Es ist ein Akt der Liebe und der Gnade Gottes.
Und obwohl Gott alles hat, ist es ebenso wahr, das können wir in der Bibel sehen, dass wir Gott wirkliche Freude bereiten können. Es ist eine der erstaunlichsten Tatsachen in der Bibel, dass Gott tatsächlich Freude an seinem Volk hat und darüber frohlockt. Zwei Bibelstellen dazu:
 Jesaja 62: Und du wirst eine Ehrenkrone in der Hand des Herrn sein und ein königliches Diadem in der Hand deines Gottes. Man wird dich nicht mehr Verlassene nennen, und dein Land nicht mehr als Wüste bezeichnen, sondern man wird dich nennen: Meine Lust ist an ihr, und dein Land: Vermählte. Und der Herr wird Lust an dir haben, und dein Land wird wieder vermählt sein. Denn wie ein junger Mann sich mit einer Jungfrau vermählt, so werden sich deine Söhne mit dir vermählen. Und wie sich ein Bräutigam an seiner Braut freut, so wird dein Gott sich an dir freuen.
Das spricht Gott über sein Volk.
Zephania 3,17: Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte ein Held, der rettet. Er wird sich über dich freuen mit Wonne, er wird still sein in seiner Liebe, er wird über dich jubelnd frohlocken.
Wenn du zu Jesus Christus gehörst, dann gilt das auch dir. Gott frohlockt über dich. Stell dir das mal vor. Und aus diesem Fakt ergibt sich auch unsere Bedeutung.
Der Theologe Wayne Grudem schreibt: Gott benötigt uns für nichts, und doch ist es die erstaunliche Tatsache unserer Existenz, des Volkes Gottes. Für Gott bedeutend sein heißt, bedeutend im allerhöchsten Sinne zu sein. Man kann sich keine größere persönliche Bedeutung mehr vorstellen. Du bist bedeutend für Gott, obwohl er dich eigentlich nicht braucht.
Und das ist der nächste Punkt: Aber Gott kann und er will dich gebrauchen. Ein Beispiel, was mir da immer wieder hilft, ist das der Evangelisation. Gott will, dass wir sein Evangelium in die Welt tragen. Aber er könnte das eigentlich auch ohne uns tun.
Eine Geschichte, die mir da einmal in den Sinn kommt, finden wir in Apostelgeschichte 10. Ihr kennt sie vielleicht: Cornelius, der Hauptmann, betet zu Gott, und Gott schickt dann einen Engel und sagt: Ich habe deine Gebete erhört. Schick ein paar Leute zu einem Mann namens Petrus und hol ihn her.
Währenddessen ist Petrus auf dem Dach und hat eine Vision vom Herrn. Vor der Haustür stehen Leute und sagen: Hier, Petrus, wir haben den Auftrag, oder wir suchen den Petrus. Petrus sagt: Hier bin ich, ich komme mit. Ich kann mir schon vorstellen, um was es geht.
Dann kommen sie zusammen zu Cornelius, dem Hauptmann. Petrus verkündigt das Evangelium, alle bekehren sich. Gott hätte das auch mit dem Engel einfach machen können. Er hätte Cornelius einfach das Evangelium bringen können. Aber nein, Gott wollte Petrus gebrauchen, um das Evangelium zu Cornelius in sein Haus zu bringen.
Und indem Gott Petrus gebraucht, schenkt er ihm eine Offenbarung seines Wesens. Petrus erkennt da zum ersten Mal, dass jeder in Gottes Reich kommen darf durch Jesus Christus. Und indem Gott uns gebraucht in unserem Leben, will er uns mehr von sich offenbaren. Wenn wir Menschen begegnen, wenn wir das Evangelium verkündigen und so weiter und so weiter, das können wir in der Bibel immer wieder sehen.
Wie lieb es ist, solch einem allmächtigen Gott dienen zu dürfen, Botschafter an seiner statt zu sein, wie es im 2. Korintherbrief heißt. Und das Wunderbare ist: Gott kann absolut jeden gebrauchen, der sich ihm zur Verfügung stellt. Das ist das Kriterium. Es liegt nicht an deinem Können, es liegt nicht an deinen Stärken, sondern es hängt an deiner Abhängigkeit zu Gott.
Das können wir in der Bibel immer wieder sehen. Ich habe letztens über die letzten Worte des Apostels Petrus gepredigt, wo er sagt: Wacht dagegen in der Gnade! Er wusste genau, was er damit meint. Erkennt richtig die Geschichte von Petrus, wie oft er hingefallen ist. Ein Großmaul: Ich gehe mit dir in den Tod, Jesus. Und dann wird es eng, und er leugnet dreimal, Jesus zu kennen.
Und wir sehen noch mehr Versagen von Petrus. Der wird aber verändert durch die Gnade Gottes und wird von Jesus gerufen, die Gemeinde zu bauen. Das tut Gott, und das sehen wir in der Kirchengeschichte immer wieder. Gott schreibt seine Geschichte, die Geschichte seiner Gemeinden.
Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel für meine Füße. Was für ein Haus wollt ihr mir denn bauen, oder wo ist der Ort, an dem ich ruhen soll? Denn dies hat alles meine Hand gemacht, und so ist dies alles geworden, spricht der Herr. Ich will aber den ansehen, der demütig und zerbrochenen Geistes ist und der zittert vor meinem Wort.
Diese Haltung ist es, die Gott will, um uns zu gebrauchen.

Befreiung vom Leistungsdenken

Da komme ich noch zum letzten Punkt unter diesem Punkt hinein, nämlich: Du musst nichts beweisen. Du musst nichts beweisen.
Dadurch, dass alles von Gott kommt, werde ich von meinem Leistungsdenken befreit. Seine Liebe ist nicht von deiner oder meiner Performance abhängig. Weil sie von ihm und seinem freien Entschluss ausgeht, wird sie nicht mehr oder weniger, wenn du etwas gut machst. Wie krass ist das?
Er ist sozusagen für uns gestorben, ohne dass wir ihm etwas bringen mussten. Er liebt, weil er sich dazu entschieden hat, weil es seinem Wesen entspricht, unabhängig von unserer Leistung und Performance. Das war vor unserer Bekehrung so, und das ist auch nach unserer Bekehrung so.
 1. Johannes 4,19
Wir lieben ihn, weil er uns zuerst geliebt hat. Wir lieben ihn, weil er uns zuerst geliebt hat. Gott liebt uns nicht, weil wir ihn zuerst geliebt haben, sondern weil er uns zuerst geliebt hat, lieben wir ihn. Und das ist eine ganz andere Basis, auf der wir aufbauen, auf der wir leben.
Wir müssen Gott nichts beweisen. Er hat uns bereits geliebt, als wir noch Sünder waren, so sagt es uns die Bibel.
 Römer 5,8
Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.
Das ist absolut grandios. Er hat uns nicht einfach nur gerettet, sondern, so lesen wir es zum Beispiel im Galaterbrief, wir sind nun auch versetzt in einen neuen Status: zu Söhnen und Töchtern Gottes, zu Erben Gottes, seines Reiches, ohne dass wir irgendetwas dafür getan haben. Wie hammer ist das!
Ein absolutes Fundament christlicher Heilsgewissheit ist nicht, wie sehr unsere Herzen an Gott hängen oder wie viel ich für ihn tue, sondern wie sehr sein Herz an uns hängt und was er für uns getan hat. Und aus dieser Wahrheit heraus, dass wir in Jesus alles haben, weil er alles hat, dass Jesus uns liebt und wir zuallererst zum Sein, für die Beziehung mit unserem wunderbaren Gott und nicht für einen bestimmten Zweck geschaffen wurden, werden wir letztlich von diesem Leistungsdenken, das uns irgendwie immer wieder einholt, befreit.
Und nur so, wenn wir diese Wahrheit verstehen und verinnerlicht haben, was ich gerade erzählt habe, bin ich überzeugt, werden wir wirklich in einen Dienst kommen, der Freude bringt, der Freude macht. Weil wir eben nicht mehr in diesem: Ich muss das jetzt tun, leben, sondern wir sehen diese Herrlichkeit Gottes, dass er alles besitzt, dass er uns liebt, und wir sind frei zu dienen, weil es eine Ehre ist, ihm zu dienen.
Und das wünsche ich uns allen, dass wir dahin kommen und das mehr und mehr erkennen.
Ich möchte noch mit uns beten.

Schlussgebet

Herr, ich danke dir dafür, dass du so ein wunderbarer Gott bist und dass du absolut unabhängig bist von allem. Nichts macht dich depressiv, was auf der Welt passiert. Dich schockiert nichts. Nichts überrascht dich, was heute in unserem Leben passiert ist oder was morgen in unserem Leben passieren wird. Du weißt es schon. Du hast selbst gesagt, was für eine Gnade es ist, dass du für uns eintrittst, und was für eine Gnade, dass wir zuerst bei dir sein dürfen, mit hineinkommen dürfen in diese Beziehung, um dann hinauszugehen und mit Freude dein Evangelium zu verkündigen und deine Gemeinde zu bauen. Dir wollen wir in allem die Ehre geben, was wir tun, ob wir essen oder trinken oder sonst etwas tun. Wir können alles zu deiner Ehre tun, und dafür danken wir dir, Jesus.