Markus 12,41-4426.08.2026
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Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Gott wird Mensch, Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Die Szene im Tempel und der Blick auf die Opfergaben
Episode 744: Die Gabe der armen Witwe
Markus 12,41
Und er setzte sich dem Schatzkasten gegenüber und sah, wie die Volksmenge Geld in den Schatzkasten einlegte. Und viele Reiche legten viel ein.
Die Weherufe gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer liegen hinter uns, und Jesus bleibt noch etwas im Tempel. Im Tempel selbst gab es Schatzkästen, das heißt Sammelbehälter für das Einsammeln von Spenden. Einem dieser Opferkästen setzt sich Jesus gegenüber und schaut zu, wie die Pilger Geld einwerfen. Unter ihnen sind auch viele Reiche, die viel spenden.
Markus 12,42
Und eine arme Witwe kam und legte zwei Lepta ein, das ist ein Quadrans.
Da haben wir sie, die zentrale Figur, um die sich jetzt alles dreht: eine ansonsten unbekannte arme Witwe. Witwen gehörten in der antiken Welt häufig zu den sozial besonders gefährdeten Gruppen. Der unmittelbare Zusammenhang verschärft diesen Gedanken noch, weil Jesus kurz zuvor die Schriftgelehrten so kennzeichnet, Markus 12,40, die die Häuser der Witwen verschlingen und zum Schein lange Gebete halten. Also auf der einen Seite die habgierigen Schriftgelehrten, vor denen Jesus nachdrücklich warnt, und auf der anderen Seite diese eine arme Witwe.
Die wirft zwei Lepta in den Opferkasten, und Markus erklärt seinen nichtjüdischen Lesern: Zwei Lepta entsprechen einem Quadrans. Ein Lepton ist eine äußerst kleine Kupfermünze, eine Umrechnung ist schwer möglich. Vielleicht könnte man es so probieren: Ein Lepton war ungefähr ein Hundertachtundzwanzigstel eines Denars. Wenn man den Denar als Tageslohn eines Arbeiters ansetzt, sind zwei Lepta ein Vierundsechzigstel eines Tageslohns.
Nimmt man einen Tageslohn von hundertsechzig Euro, dann reden wir über zwei Euro fünfzig. Wichtig ist: Das ist nur eine didaktische Annäherung. Die antike und moderne Kaufkraft sind nicht direkt miteinander vergleichbar. Preise für Nahrung, Wohnen, Arbeit und soziale Absicherung funktionierten damals völlig anders. Während zum Beispiel ein größerer Teil des Einkommens für Grundnahrungsmittel aufgewendet wurde, gab es keinen mit heute vergleichbaren Wohnungsmarkt. Man lebte in Haushalten zusammen. Eine gesetzliche Renten-, Arbeitslosen- oder Krankenversicherung fehlte auch völlig. Schutz lief über Familie, Verwandtschaft, die Dorfgemeinschaft oder die religiöse Armenfürsorge, für die Almosen gegeben worden waren.
Trotzdem können wir festhalten: Viele Reiche legten viel ein, und die arme Witwe nur zwei Lepta. Den winzigen Bruchteil eines Tageslohns.
Die überraschende Bewertung Jesu
Markus 12,43
Und er rief seine Jünger herbei und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, diese arme Witwe hat mehr eingelegt als alle, die in den Schatzkasten eingelegt haben.
Wieder einmal wird mit „wahrlich“, also „Amen“, eine bedeutende Aussage eingeleitet. Jesus sieht die arme Witwe, ruft seine Jünger herbei und sagt: Wahrlich, ich sage euch, diese arme Witwe hat mehr eingelegt als alle, die in den Schatzkasten eingelegt haben. Also auch mehr als die vielen Reichen. Und genau das ist auch die Pointe der Geschichte.
Wir merken sofort, dass Jesus hier nicht über einen absoluten Geldbetrag redet. Der ist ja gerade bei der Witwe ausgesprochen gering. Jesus bewertet die Gabe nach einem anderen Maßstab. Es geht nicht um die Summe selbst, sondern um das Verhältnis der Gabe zu den verfügbaren Mitteln.
Das ist insofern interessant, weil der Herr Jesus dadurch die Maßstäbe von Großzügigkeit relativiert. Ein großer Betrag kann in seinen Augen nicht viel sein, während ein winziger Betrag für ihn womöglich ein großes Vermögen darstellt. Der Herr sagt nicht, dass die Reichen heuchlerisch oder böse gegeben hätten. Der Text kontrastiert zunächst nur Überfluss und Armut, nicht automatisch auch gute und schlechte Motive.
Wenn es heißt, diese arme Witwe hat mehr eingelegt, dann ist das „mehr“ kein mathematisches Mehr, sondern ein Mehr gemessen an dem, was die Gabe die Person kostet. Hören wir uns deshalb die Begründung für die Beurteilung an: Denn alle haben von ihrem Überfluss eingelegt, diese aber hat aus ihrem Mangel alles, was sie hatte, eingelegt, ihren ganzen Lebensunterhalt.
Das ist die Begründung. Die Reichen geben von ihrem Überfluss, die Witwe hingegen aus ihrem Mangel, und zwar alles, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt. Wir müssen uns das gut merken. Gott beurteilt eine Spende nicht nach ihrer Kaufkraft, sondern danach, was sie für den Gebenden bedeutet.
Hier gibt eine arme Witwe das, was sie für den Tag hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt. Sie hält nichts zurück, und das ist in Gottes Augen mehr als das, was alle Reichen gegeben haben, weil es aus dem Mangel heraus gegeben wurde. Es macht für Gott einen Unterschied, ob jemand gibt und Überfluss hat, oder ob er gibt und Mangel leidet und sein Geben diesen Mangel noch verstärkt.
Was diese kleine Erzählung für den Glauben bedeutet
Hören wir uns die Episode noch einmal an: Lukas 21,1-4.
Er blickte aber auf und sah die Reichen, wie sie ihre Gaben in den Schatzkasten legten. Er sah aber auch eine arme Witwe, die zwei Schärflein dort einlegte. Und er sprach: In Wahrheit sage ich euch, dass diese arme Witwe mehr eingelegt hat als alle. Denn alle diese haben von ihrem Überfluss eingelegt zu den Gaben, diese aber hat aus ihrem Mangel heraus den ganzen Lebensunterhalt, den sie hatte, eingelegt.
Was können wir von dieser kleinen Episode mitnehmen?
Erstens: Gott bewertet deine Gabe nicht primär nach ihrer Höhe, sondern danach, was sie den Gebenden tatsächlich kostet. Und das gilt nicht nur für Geld, sondern auch für Zeit, Kraft und alles, was wir sonst haben, um es Gott zur Verfügung zu stellen. Das ist dann auch der Grund dafür, dass wir uns nicht vergleichen dürfen. Oder um Paulus zu zitieren: „Jeder wird seine eigene Bürde tragen.“
Es kann sein, dass die zehn Minuten Gebet der Alleinerziehenden, die kaum weiß, wie sie ihr Leben mit all den Aufgaben meistern soll, vor Gott mehr zählen als die eine Stunde Gebet des Rentners, dem trotzdem noch Zeit für ein Hobby bleibt.
Zweitens: Die Witwe steht für radikale Hingabe. Sie gibt über das hinaus, was ökonomisch vernünftig erscheint. Gerade darin liegt aber die Provokation: Liebe rechnet nicht immer, und Nachfolge lässt sich nicht immer auf das sichere, vernünftige Maß begrenzen. Jesusjünger dürfen auch mal ein bisschen gaga sein. Aber vielleicht ist das nicht alles.
Drittens: Die Witwe gibt das, wovon sie leben sollte, während die religiösen Autoritäten kurz zuvor dafür verurteilt wurden, die Häuser der Witwen zu verschlingen. So sehr die Witwe zu einem Vorbild für Hingabe wird, so sehr steckt in dem Ereignis auch Kritik an den Umständen. Dass sie nur zwei Lepta hat und sich entscheiden muss, ob sie Gott ehrt oder sich etwas zu essen kauft, wirft kein gutes Licht auf den Umgang mit armen Witwen.
Oder sagen wir es so: Ja, Jesus ehrt die Großzügigkeit der armen Witwe, aber er entschuldigt damit kein religiöses System, das Menschen zwingt, sich zwischen Gottesverehrung und Existenzsicherung zu entscheiden.
Was könntest du jetzt tun? Nimm dir Zeit, um über die Qualität deiner Spenden nachzudenken. Ist Nachfolge für dich wenigstens manchmal kostspielig?
Das war’s für heute. Wenn du ihn noch nicht kennst, mach dich doch mit meinem YouTube-Kanal vertraut.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.
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