Liebe Freunde,
Anweisungen an einen Unterteufel, so heißt ein Buch von C.S. Lewis. Da
bringt ein Oberteufel einem Unterteufel bei, wie man am besten verhindern
kann, dass Menschen zum Glauben an Gott kommen. Eine wichtige Methode dabei
ist folgendes: nämlich die Menschen auf die Vergangenheit oder auf die
Zukunft zu orientieren und sie auf diese Art und Weise von der Gegenwart
abzulenken. Weil die Gegenwart ja die einzige Zeit ist, in der man mit Gott
in Berührung kommen kann.
Nur die Gegenwart zählt.
Wenn du schon Christ bist und mit Jesus schon gute Erfahrungen gemacht
hast, ist das ja schön und gut. Und wenn du vorhast, auch für den Rest
deines Lebens mit Jesus zu leben, ist das noch besser. Aber deine guten
Erfahrungen von früher und deine guten Absichten für später bedeuten ja
nicht allzu viel für heute.
Ich hab mal in einer alten Mühle so einen Müllerspruch gelesen. Da stand:
die Mühle dreht sich nicht mit dem Wind von gestern. Die Frage ist: wie
stehst du jetzt zu Gott? Was hast du heute mit ihm zu tun? Welche Rolle
spielt Jesus heute in deinem Leben?
Das wäre nicht das erste Mal, dass jemand in den Gottesdienst geht und sich
ein Kissen unter den Hintern schiebt und mit der Freundin kuschelt und
sagt: nun wollen wir mal sehen, welche von den alten Geschichten er nun
heute wieder einmal auspackt. Und auf einmal springt dich ein Wort aus der
Bibel an wie die Katze aus dem Sack und du begreifst: Mensch hier geht's
nicht um eine alte Geschichte, hier geht's um mich! Es geht um mein Leben
heute.
Ein Gottesdienst mit unerwarteter Wendung.
Ich erzähle euch heute von einem Gottesdienst, der sich ganz gemächlich so
abspulte wie eine alte Schallplatte, bis plötzlich an einer Stelle die
ganze Gemeinde hochflitzte wie von der Tarantel gestochen. Der Bericht
darüber steht im Lukasevangelium, Kapitel 4.
Der Gottesdienst fand Stadt in Nazareth. Das ist die Stadt, in der Jesus
aufgewachsen ist. Und ihr wisst ja, wie das ist, in so einem kleinen Nest,
jeder kennt jeden, also jeder kannte auch Jesus, den Sohn vom Zimmermann.
Jahrelang hatten sie den alle gesehen, wie er in kurzen Hosen barfuß auf
dem Marktplatz herumgehüpft ist, mit der übrigen Dorfjugend Räuber und
Gendarm gespielt hat. Vielleicht gab es auch irgendeine Stelle draußen an
der Synagoge, wo er irgendwelche Männchen in die Mauer hinein geritzt hat,
so wie ich das gemacht habe bei uns am Schweinestall.
Ich bin so halb auf dem Dorf aufgewachsen in Dresden, und mein Schulweg
führte mich durch das sogenannte Stinkegässel. Da waren links und rechts
Schweineställe, und die quiekten immer so. Und an die Wand von dem
Schweinestall hab ich als unholder Junge manchmal so üble Bemerkungen über
manchen mir unsympathischen Zeitgenossen hinein gekratzt. Ich bin viele
Jahre später, als erwachsener Mann, wieder einmal durch das Stinkegässel
gegangen, und hab nicht ohne Rührung einige Reste meiner frühkindlichen
Wandmalereien festgestellt. So ist das, wenn man nach einer gewissen Zeit
wieder an die Stätte seiner Jugend kommt.
Jesus war von zu Hause weggegangen und ist jetzt wieder einmal
zurückgekommen nach Nazareth. Er ist wieder einmal zu Hause bei Muttern, es
gab es sein Lieblingsessen - Kartoffelpuffer mit Apfelmus oder so, wie
üblich - und am Feiertag gab es Gottesdienst wie üblich, und Jesus trabt
mit. Setzt sich auf den Platz, auf dem er als Jugendlicher immer gesessen
hat, also dorthin, wo noch unter dem Platz sein Kaugummi aus der
Konfirmandenzeit klebt.
In der letzten Zeit war Jesus in den Nachbardörfern herum gewandert, hat
dort gewaltig gepredigt, und großen Eindruck auf die Leute gemacht. Aber
hier in Nazareth, da ist er kein Fremder, der Aufsehen erregt, da ist er
keine Attraktion, kein Star, hier ist er ein schlichter Mitbürger, weiter
gar nichts.
Und es ist auch nichts weiter Besonderes da dran, dass er im Gottesdienst
die Rolle des Lektors übernimmt, also einen Abschnitt aus der Bibel
vorliest. Dieses Recht hatte damals jedes Gemeindemitglied und der Bürger
Jesus hat dieses Recht eben für sich in Anspruch genommen.
Bis dahin ist eigentlich überhaupt nichts Auffälliges. Aber ab jetzt geht
es Schlag auf Schlag. Jesus verlangt, dass man ihm zum Vorlesen das Buch
Jesaja gibt. Das ist schon mal ungewöhnlich, denn normalerweise wurde am
Sabbat aus der Tora vorgelesen, und nicht aus den Propheten. Was Jesus
macht, ist also gegen die liturgische Ordnung. Es entspricht nicht dem
vorgeschriebenen Predigtplan, und schon werden die Leute stutzig. "Was geht
denn jetzt los? Was will denn der jetzt?"
Jesus klappt das Prophetenbuch auf beim Kapitel 61 und liest: der Geist des
Herrn ist bei mir, darum weil er mich gesalbt hat zu verkündigen das
Evangelium den Armen. Er hat mich gesandt zu predigen das Evangelium den
Gefangenen, dass sie los sein sollen, den Blinden, dass sie sehend werden,
und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkünden
das Gnadenjahr des Herrn.[1]
Jesus klappt das Buch zu, übergibt es wieder dem Kirchendiener und setzt
sich hin. Hinsetzen bedeutet: Jetzt will er reden, lehren, die Schrift
auslegen. Und jetzt machen seine Klassenkameraden, seine Freunde, und die
Frau Meier von nebenan, und die Kollegen vom Bau – jetzt machen die alle
Stielaugen. Vers 20: Alle Augen in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.
Und jetzt fällt ihnen ein, dass Jesus in letzter Zeit in den Nachbardörfern
als Redner aufgetreten ist. Und jetzt erwarten sie, dass er ihnen auch
einmal eine schöne Rede hält. Jetzt soll der Junge doch mal zeigen, was er
drauf hat. Und es erfasst sie so etwas Stolz und Patriotismus, sie sagen:
"Guck doch mal, was aus unserem Jesus geworden ist", so wie manche Dresdner
sagen: "Na guck einmal, der kleine Theo, früher hat er die Kühe auf der
Weide angebläkt, und nun bläkt er in der Kirche die Leute an."
Der ungeheuerliche Schluss der Kurzpredigt.
Aber im Gegensatz zu mir, der ich hier eine halbe Stunde predige, hält
Jesus nur eine Kurzpredigt. Zunächst einmal sagt er nur einen einzigen
Satz. Aber der hat es in sich. Und als er den raushaut, da explodiert die
ganze Versammlung. Nachdem Jesus die Verheißungen der Propheten vorgelesen
hat: Der Geist des Herrn ist auf mir, ich bin gesandt, den Armen das
Evangelium zu predigen, den Blinden, dass sie sehend werden, den
Gefangenen, dass sie frei werden und so weiter. Und als die jetzt alle mit
teetassengroßen Augen Jesus anstarren, da sagt er: Heute ist dieses Wort
der Schrift erfüllt vor euren Ohren[2].
Rumms, aus, basta, amen, das war's.
Ein paar Sekunden ist donnernde Stille, und dann bricht der Tumult los. Den
guten Leuten von Nazareth fängt an zu dämmern, welche Ungeheuerlichkeit der
Bürger Jesus da heute behauptet hat. Er hat gesagt, was der Prophet Jesaja
angekündigt hat, worauf ihr seit Jahrhunderten gewartet habt, das ist jetzt
vor euren Ohren erfüllt. Der Mann, von dem der Prophet Jesaja hier redet,
der bin Ich.
Seht ihr, das ist der Moment, vor dem der Teufel solche Höllenangst hat.
Der Moment, wenn es einem gelingt, das liturgische Schema zu durchbrechen,
und schlagartig klar zu machen: das, was hier in diesem Buch steht, das
gilt jetzt. Und warum die in der Hölle so einen Schiss haben, ist, weil sie
befürchten, dass ein paar von euch das, was hier in der Bibel steht,
glauben können, das gilt jetzt.
Wer sind die Armen, denen das Evangelium gepredigt werden soll.
Also, was steht hier: Jesus sagt: Gott hat mich auserwählt, das Evangelium
den Armen zu verkündigen. Wenn man einmal im Alten Testament beim Propheten
Jesaja, Kapitel 61 nachliest, da stellt man fest, dass dort für das Wort
"Arme" "Elende" steht. Den Elenden wird eine gute Nachricht gesagt. Das
Wort "Elend" bedeutet ursprünglich so viel wie "Ausland". Das ist also
ursprünglich eine Ortsbezeichnung, und wurde erst später Bezeichnung für
einen Zustand. Unsere Heimat ist bei Gott, im Vaterhaus. Ein Mensch, der
die Verbindung zu Gott, zum Vaterhaus abgebrochen hat, das ist der Mensch
im Ausland, im Elend. Der verlorene, der unglückliche, der sündige Mensch.
Auch das Wort Sünde war ursprünglich eine Ortsangabe. Der sündige Mensch
ist von Gott abgesondert, getrennt. Im Ausweis des sündigen Menschen da
steht unter der Rubrik "Familienstand" die Bezeichnung "geschieden".
Zwischen ihm und Gott ist der Ofen aus. Aber Jesus ist gekommen, um das
Feuer wieder anzumachen. Er kam mitten in das Elend der Menschen, wurde
selber ein Mensch und stellt jetzt die Menschen vor die Feststellung: wovon
seit Jahrhunderten geredet worden ist, was seit Jahrhunderten erhofft
worden ist, das geschieht jetzt.
Jesus proklamiert nicht ein Zukunftsprogramm, Er fordert nicht zu Aktionen
auf, Er stellt keine Pläne auf, sondern Er stellt einfach fest, die
Verheißung ist erfüllt! Die Heilszeit ist da.
Wenn du abhängig bist vom Alkohol und nicht mehr los kommst von der Droge
und nicht mehr herunter kommst von der Nadel und nicht mehr heraus kommst
aus deiner Krise: Jesus macht dich frei. Wenn du blind bist, das heißt wenn
du kein Land mehr siehst, wenn du keinen Ausweg mehr für dich siehst: Jesus
macht dich sehend, Er gibt dir seinen heiligen Geist, Er gibt dir eine neue
Perspektive, trotz Arbeitslosigkeit und trotz Treulosigkeit deiner Freundin
und trotz Unheilbarkeit deiner Krankheit. Und wenn du dich zerschlagen
fühlst, weil du deine Arbeit nicht mehr schaffst, weil du dein Problem
nicht mehr aushalten kannst, deine Einsamkeit, deine Sehnsucht nach dem
anderen Geschlecht, deine Suche nach einem Sinn des Lebens – Jesus stillt
den Durst deines Lebens.
Du hast es doch vorhin gerade mit dem letzten Lied der Band gesungen. Jesus
stillt den Durst deines Lebens. Jesus! Vertrau dich Ihm doch an. Lass Ihn
doch an dich ran. Rede Ihn doch an, nimm Ihn doch in Anspruch.
Eines der letzten Worte, das Jesus gesagt hat, in der Offenbarung, ganz am
Schluss der Bibel, das heißt: Wen da dürstet, der komme und wer will, der
nehme das Wasser des Lebens umsonst[3]. Mensch, Jesus kennt doch die
Sehnsüchte, die in dir drin sind, Er ist doch dein Schöpfer und Herr. Und
er weiß doch, was du in deinem Leben brauchst und wonach du dich sehnst. Er
möchte nur, dass du dich nicht an der falschen Quelle befriedigst, sondern
dass du zu ihm kommst, dem Herrn, dem Schöpfer des Lebens.
Was in diesem alten Buch drin steht, das gilt dir und das gilt dir jetzt.
Ich sage nicht, das Jesus alle deine Probleme löst. Davon ist überhaupt
nicht die Rede, im Gegenteil: Nachfolge bringt Nachteile. Und denke nicht,
dass du den Teufel los bist, wenn du Jesus nachfolgst. Im Gegenteil, dann
macht der Teufel ja erst recht gegen dich mobil. Kaum hat Jesus diesen Satz
gesagt – heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren – was
also bedeutet, was in der Bibel steht, das gilt jetzt, kaum hat er das
gesagt, da geht schon der Teufel los.
Der Unglaube bricht los.
Alle, so steht hier, alle fingen an zu reden. Erst war allgemeine
Begeisterung – begnadeter Redner und so – aber dann wird denen bewusst, was
Jesus gesagt hat. Und da kippt die Stimmung in der Versammlung plötzlich
um. Die Leute schubsen sich gegenseitig in die Seite und sagen: "Hast du
das gehört, was der eben behauptet hat. Der will die Erfüllung der Bibel,
der will der Messias sein! Den kennen wir doch! Wir wissen doch genau, wer
das ist, das ist doch der Jesus, der Sohn vom Josef, vom Zimmermann. Bei
dem wir in der Werkstatt immer die Sägespäne für unser Meerschweinchen
geholt haben. Der sagt, er kann blinde sehen Sie machen?! Der denkt wohl,
wir sind blind. Er kann doch mit seinen wir können doch mit unseren eigenen
Augen sehen, dass da hinten seine Brüder stehen. Mit denen wir zusammen
Fußball gespielt haben. Und seine Schwestern, mit denen wir im Flötenkreis
Mozarts Kleine Nacht Musik spielen[4]. Und der spielt sich auf, als wäre er
der Messias. Wir wissen genau, wo der wohnt, die Straße runter zweites Haus
links. Das wär doch ein Wunder, wenn der der Messias wäre. Und wenn er der
Messias wäre, dann soll er uns das doch einmal durch ein Wunder beweisen."
Aber Freunde, Jesus hat nicht gesagt, heute ist dieses Wort der Schrift
erfüllt vor euren Augen, sondern Er hat gesagt heute ist dieses Wort der
Schrift erfüllt vor euren Ohren. Die Leute verlangen ein Wunder, aber Jesus
verlangt von den Leuten Glauben. Deshalb geht Er auf ihre Forderung nach
einem Schauwunder nicht ein. Aber auf ihre Zweifel, ihre Fragen und ihre
Gedanken, darauf geht Jesus ein. Nun sagt er zu den Leuten: nun werdet ihr
zu mir das Sprichwort sagen, Arzt hilft dir selber. Denn wie große Dinge
haben wir gehört, die in Kapernaum geschehen sind, in der Nachbarstadt.
Mach doch so etwas auch einmal in deiner Vaterstadt[5].
Jesus sagt aber: Ich sage euch, kein Prophet gilt etwas in seinem
Vaterlande[6]. Und das ist eine Erfahrung, die viele von euch schon gemacht
haben oder noch machen werden. Bei einer Rüstzeit in einer fremden Stadt in
der Fußgängerzone im Chor so ein Lied mitsingen, das ist ja nicht das
Problem. Wenn du so in einem frommen Pulk drin stehst, mitten in einer
fremden Stadt, da kennt dich doch keiner. Aber zu Hause im Wohnzimmer,
zwischen der Tagesschau und dem Programm, was dann kommt, ein einziges Wort
von Gott einmal anzubringen, das ist unheimlich schwer.
Immerhin ist es ja einen Versuch wert, wenn du mal versuchen würdest, zu
Hause als Missionar aufzutreten. Vielleicht bist du als junger Mensch der
einzige, der seine Eltern noch zum Glauben führen kann.
Immerhin, Jesus war es einen Versuch wert, den Leuten aus seinem nächsten
Umfeld das wichtigste von Gott zu sagen. Auch wenn er damit nicht landen
konnte. Kein Prophet gilt etwas in seinem Vaterland.
Der Unglaube im eigenen Land und die Heidenmission.
Jesus ist sich darüber im Klaren, dass Er hier in Nazareth, wo Ihn alle so
gut kennen, keinen Glauben finden wird. Aber Er verlangt nun einmal
Glauben. Und deswegen sagt er den Bürgern von Nazareth: wenn ihr hier in
meiner Heimat Israel nicht glauben wollt, dann wird die messianische Zeit
eben außerhalb von Israel unter den Heiden anbrechen. Und er beruft sich
auf die Bibel, dass damals, zu Elias Zeiten, viele Aussätzige im Land
waren, aber nur einer, nämlich ein Ausländer, ein Heide, der Syrer Naeman
geheilt wurde. Und das es damals viele Witwen gab, aber am Ende eine
Ausländerin geheilt wurde. Und wenn euch die frohe Botschaft nicht
interessiert, so sagt Jesus, dann wird es eben die Heiden umso mehr
interessieren.
Nebenbei bemerkt, das ist die erste Predigt, über die das Lukasevangelium
ausführlich berichtet. Und gleich in dieser ersten Predigt redet Jesus von
der Heidenmission. In den üblichen kirchlichen Predigten hört man von
diesem Thema ja eher wenig. Für die deutschen Pfarrer sind die Ausländer
nur dann erwähnenswert, wenn sie benachteiligt werden.
Dabei besteht die eigentliche Benachteiligung für Millionen von Ausländern
in Deutschland und Milliarden von denen in der Welt darin, dass denen
verschwiegen wird, dass es einen Heiland und Retter gibt, der sie von der
Sünde befreien und in den Himmel bringen kann. Freunde, das oberste aller
Menschenrechte ist, zu erfahren, dass es einen Retter und Heiland gibt, für
jeden Menschen auf dieser Erde. Und von diesem wichtigsten Menschenrecht
hat Jesus gleich in seiner ersten Predigt gesprochen und die Weltmission
angekündigt. Aber in dem Augenblick als er sagt, dass es auch eine Rettung
für Ausländer gibt, da ist es mit dem Predigen aus. Bei dem Thema
Ausländermission, da packt die Leute so die Wut, dass sie Jesus packen und
zur Stadt hinaus schmeißen. Wenn sie schon kein Wunder von ihm zu sehen
kriegen, dann wollen sie wenigstens sein Blut zu sehen kriegen. Der Mann
soll auf der Stelle gelyncht werden. Sie stoßen ihn vor sich her auf den
Berg und wollen ihn hinunter stürzen. Das war so die Art, wie man früher
die Leute beseitigt hat. Zum Berg runter, Steine drauf.
Hat sich jemand bekehrt, hat sich jemand beschwert?
Eine seltsame Reaktion auf eine biblische Predigt – oder nur eine seltene?
Ich hab einmal gehört von einem Evangelisten, wenn dessen Schüler von der
Straßenpredigt zurückkamen, da hat er immer gesagt: "Hat sich jemand
bekehrt, hat sich jemand beschwert?" Und diese beiden Fragen sollte man
nach jeder Predigt stellen. Wenn beide Fragen mit "Nein" beantwortet werden
müssen, da muss wohl an der Predigt etwas nicht in Ordnung gewesen sein.
"Hat sich jemand bekehrt, hat sich jemand beschwert?" Bekehrt hat sich in
Nazareth kein einziger. Aber beschwert hat sich die ganze Gemeinde. Die
fanden das beschwerlich, die fanden das unerträglich, die fanden das
unzumutbar, dass so einer wie Jesus der Messias sein sollte. Sie fanden das
unmöglich, dass Er sie zur Umkehr aufforderte, dass sie an Ihn Glauben
sollten, dass sie Ihm nachfolgen sollten, dass Er der Retter sein sollte.
Sie wollten ein bisschen Religion, aber sie wollten keinen Retter.
Und ich frage dich, was willst denn du eigentlich hier in diesem
Gottesdienst? Ich höre heute immer wieder die These: Gottesdienst muss vor
allem Spaß machen, muss ein Happening sein, muss eine Love-Party sein, in
der Jesus gefeiert wird. Ich habe nichts dagegen, wenn Leute Jesus feiern –
aber Freunde, wir sollen doch niemals vergessen, dass Jesus nie gesagt hat:
"Kommt und feiert mich", sondern er hat gesagt: "Kommt, folgt mir nach, und
nehmt euer Kreuz auf euch.[7]" Und das einzige Mal, wo Er uns zu einer
Feier eingeladen hat, da ist das die Feier des Abendmahls, wo wir an seinen
Tod denken sollen. Weil er nämlich am Kreuz gestorben ist, um die
Menschheit zu erlösen. Weil Er dort die Sünde der Menschheit auf sich
genommen hat, deine und meine, damit wir ewig leben können. In Nazareth, da
wurde Jesus jedenfalls nicht gefeiert, da wurde Er gefeuert. Aber die
Stunde seines Todes war noch nicht gekommen. Er wurde abgeschoben, an den
äußersten Rand gedrängelt, an den Rand der Felsklippe, aber als die Ihn
runter kippen wollen, da kippt die Stimmung noch mal um.
Erst war die Stimmung umgekippt, als aus der brave sturen steifen Gemeinde
ein blutrünstiger Mob wurde, und jetzt, als Jesus gerade davon geredet hat,
dass Er den Zerschlagenen und Gefangenen die Freiheit bringt, da wird Er
wehrlos von der wütenden Menge hoch geschoben, taumelt gebeutelt zwischen
diesen Schreihälsen her. Er hat keine Bodyguards, er hat keine Helfer, er
hat keine Verteidiger, er hat keine Chance.
In dieser heiklen Situation, da zieht er nicht einfach eine Tarnkappe aus
der Tasche und verschwindet einfach, Er entwischt nicht im letzten Moment
wie im Krimi der Agent 007, sondern es steht hier in der Bibel: Es bildete
sich eine Gasse in der Masse und majestätisch geht er mitten durch sie
mitten hinweg.
Es erhebt sich keine Faust und keine Stimme und in unantastbarer Hoheit
geht Jesus seinen Weg. Die Erklärung für die Wirkung, die von Jesus ausgeht
auf seine Gegner und die seine Gegner verstummen lässt, die lesen wir in
Vers 14: durch die Kraft des Geistes.
Auch heute wird Jesus abgeschoben.
Bis zum heutigen Tage hat sich nichts daran geändert, dass die Leute immer
wieder versuchen, Jesus abzuschieben und zu kippen. Bis zum heutigen Tage
heißt es: Gott – na klar! Na, den brauchen wir irgendwie. Alle Parteien des
Deutschen Bundestages, mit Ausnahme der PDS, sind dafür, dass der Name
"Gott" in der deutschen Verfassung stehen bleibt. Auch wenn die gar nicht
an Gott glauben. Das macht sich schon irgendwie gut. "Gott, den können wir
schon irgendwie unterbringen. Aber Jesus, der eine Nase hat wie wir – der
soll der Sohn Gottes sein? Das lehnen wir ab!" Oder man sagt: "Wahrheit –
nun ja, sicher ist vieles wahr, was Jesus gesagt hat. Aber dass Er die
Wahrheit ist, die einzige Wahrheit, das kann doch nicht wahr sein!
Irgendwoher müssen doch die anderen, also der Allah und der Buddha und der
Krishna auch irgendwo Recht haben." Oder man sagt: "Gebote, Moral – oder
wie man heute sagt: Werte, die müssen doch irgendwie sein. Aber so
übertrieben wie Jesus, also kein Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe, das
kann man natürlich heute nicht mitmachen."
Und so wird Jesus von der Gesellschaft, von der allgemeinen Meinung, zum
Teil von der Kirche, immer wieder abgeschoben und zu so einem harmlosen
Bonsai-Jesus zurechtgestutzt, der keinem etwas zuleide tut. Jeder hat an
Ihm etwas auszusetzen, jeder meckert an Ihm rum, und jeder bastelt an Ihm
rum. Aber ich sage euch, es kommt der Tag, an dem Jesus wiederkommt als der
Richter dieser Welt, und dann wird es so sein wie am Ende dieser
Geschichte: dann werden, so sagt die Bibel, Himmel und Erde verschwinden,
vor seinem Anblick fliehen! Und dann wird der Chor der Meckerer verstummen,
und dann werden alle erkennen, und bekennen müssen, dass Jesus der Herr
ist. Auch du, wenn du jetzt noch hier sitzt, und dich noch gegen Jesus
wehrst oder Ihn bezweifelst.
Dann, wenn Jesus wiederkommt, dann gibt es keine Zweifel mehr. Sondern dann
wird vor allen Augen klar werden, dass der Jesus von Nazareth der Messias
der Welt ist. Und Er entscheidet dann über dein ewiges Schicksal. Und
deswegen lade ich dich heute zu Ihm ein, dass du dich heute für Ihn
entscheidest.
_
[1] Jesaja 61, 1-2
[2] Lukas 4, 21
[3] Offenbarung 22, 17
[4] Markus 6, 3
[5] Lukas 4, 23
[6] Lukas 4, 24
[7] Z.B. Matthäus 16, 24

