Serie•Teil 6 / 25Hebräerbrief
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einführung und Rückblick auf das Thema
Also, sechster Vortrag, Bibelwoche, Hebräerbrief, 4,1-13. Das grosse Kapitel oder das grosse Thema, das wir in Kapitel drei angerissen haben, wird jetzt fortgesetzt.
Halten wir noch einmal kurz fest, wo wir stehen geblieben sind. Der Autor warnt die Leser vor einem bösen Herz des Unglaubens, das sich hinter einer Fassade äusserlicher Zugehörigkeit zur Gemeinde versteckt. Und da macht er jetzt weiter.
Die Warnung vor dem Verpassen der Verheissung
Kapitel 4, Vers 1
Fürchten wir uns nun davor, dass nicht etwa, da die Verheißung, in seine Ruhe einzugehen, noch aussteht – man könnte auch übersetzen: noch besteht, noch gilt –, jemand von euch als zurückgeblieben erscheint.
Fürchten wir uns nun. Das klingt für uns eher ungewohnt. Aber Furcht hat in der Bibel einen Platz in der Beziehung mit Gott und seinem Wort. Der Autor möchte eine gesunde, göttliche Furcht bei den Hörern erzeugen, damit sie sich der Ernsthaftigkeit der Situation bewusst werden und darüber nachdenken, ob jeder in der Gemeinde wirklich gläubig ist.
Also das, was der Autor beschreibt, ist eine reale Gefahr, die man ernst nehmen muss, wenn man, wie wir das vorhin gesehen haben, füreinander eine liebevolle und geistliche Verantwortung übernehmen will.
Vom Alten Testament her hätte man – ich wiederhole noch einmal ein paar Punkte von vorhin – argumentieren können, dass mit dem Einzug Israels unter Josua das Volk in die verheißene Ruhe gekommen ist. Das Volk zieht ins Land Kanaan ein, und man hätte argumentieren können: 5. Mose, erinnert euch, das ist die Ruhe.
Aber Psalm 95 macht klar: David hat eine Ruhe vor Augen, die seiner eigenen Generation offenstand und die man nicht durch Unglauben und Rebellion verpassen durfte. Und dieses Angebot, die Ruhe – was das genau ist, komme ich gleich noch dazu –, dieses Angebot besteht immer noch. Das ist in Psalm 95 beschrieben, und es ist heute noch kein Auslaufmodell. Heute gibt es noch die Möglichkeit, in diese Ruhe einzugehen. Dummerweise heißt das auch: Es besteht immer noch die Chance, die Ruhe zu verpassen.
Das Evangelium als durchgehende Botschaft der Schrift
Vers 2
Denn auch uns ist eine gute Botschaft, das Evangelium, verkündigt worden, wie auch jenen. Gott verkündigt immer eine gute Botschaft. Es ist immer das Evangelium, das verkündigt wird. Es geht immer um das Thema Gerechtigkeit aus Glauben.
Das mag auf unterschiedliche Weise formuliert werden, aber im Alten Testament wird man auf die gleiche Weise gerettet wie im Neuen Testament. Es ist nicht so, dass man im Neuen Testament durch Glauben und im Alten Testament durch das Gesetz gerettet wird. Quatsch, gleich wieder vergessen. Man wird im Alten Testament durch Glauben gerettet und im Neuen Testament durch Glauben.
1. Mose 15,6: Abraham glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. Das ist unser Prototyp, an dem wir alles festmachen können. Und das zieht sich durch die ganze Bibel durch. Egal, ob wir an den Anfang schauen, zu Abel, oder bis ans Ende, wo die Letzten in der Offenbarung zum Glauben kommen. Es ist immer die Sache des Glaubens.
Denn auch uns ist eine gute Botschaft verkündigt worden, wie auch jenen. Aber das gehörte Wort nützte jenen nicht, weil es bei denen, die es hörten, sich nicht mit dem Glauben verband. Es geht noch einmal um die Wüstengeneration. Sie hört Gottes Verheißung, aber sie reagiert nicht darauf. Sie reagiert nicht mit Glauben.
Und was wir verstehen müssen: Zum Hören muss der Glaube kommen, damit das Hören etwas bewirkt. Als ich zum Glauben kam, hat mich ein Vers fasziniert. Ich glaube, es ist der Vers, den ich auch in evangelistischen Gesprächen am allermeisten verwende. Johannes 5,24.
Es ist ein guter Vers zum Auswendiglernen, wirklich. Ihr wisst, dass ich das gerne mag, das so ein bisschen zu promoten: Lernt Bibelferse auswendig, das lohnt sich echt. Den braucht man immer bei so Typen wie mir.
Hören und Glauben als Weg zum Leben
Ich komme aus dem evangelisch-landeskirchlichen Hintergrund, und meine Idee war: Solange ich hier auf der Erde bin, muss ich irgendwie ein gutes Leben leben, also ein bisschen weniger böse sein als die anderen. Und wenn ich dann am Ende beim Jüngsten Gericht ankomme, dann kann ich mit meinen guten Werken vor Gott glänzen, und dann lässt er mich bestimmt in den Himmel.
Das ist ein bisschen platt gesagt das, was ich nach meiner Konfirmation gedacht habe. Und gute Werke waren dann eben gute Werke: ein bisschen Gottesdienst, ein bisschen weniger klauen, meiner Freundin treu sein und so weiter.
Dann kam dieser Vers, zumindest im Rahmen meiner Bekehrung, und hat mir gezeigt, dass das völliger Nonsens ist. Dass das, woran ich glaube, Werksgerechtigkeit ist, und dass das, was Gott mir anbietet, Glaubensgerechtigkeit ist. Da heißt es in Johannes 5,24: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben.
Merkt ihr: Das ist etwas ganz anderes als: Ich muss mich anstrengen, gute Werke tun. Ich muss genau eine Sache in meinem Leben auf die Reihe bringen. Ich muss auf das Hören mit Glauben reagieren. Und in dem Moment, wo ich das tue, wo ich in meinem Herzen diesen Glaubensschritt wage, in dem Moment sagt der Herr Jesus über mich: Der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod, aus dem geistlichen Tod, in das ewige Leben übergegangen.
Für mich war das eine große Befreiung. Dieses Wissen, dass es diesen Moment gibt, in dem sich Hören mit Glauben verbindet. Und dann komme ich nicht ins Gericht, weil Jesus für mich gestorben ist. Er hat dieses Gericht für mich getragen. Und in diesem Moment beginnt ewiges Leben. Ewiges Leben ist nicht das, was irgendwann einmal startet, sondern jetzt, in dem Moment, wo sich Hören mit Glauben verbindet. Hören und Glauben rettet.
Deswegen reicht es auch heute nicht, Sonntag für Sonntag einfach eine Predigt zu hören. Sondern jede Predigt, die ihr hört, verlangt von euch eine Antwort, und diese Antwort muss Glaube sein.
Ob das eine evangelistische Predigt ist, auf die man so den ersten Schritt des Glaubens zu Gott hin macht, oder ob das am Sonntag eine Predigt ist, die uns herausfordert, in bestimmten Bereichen unseres Lebens neu zu glauben und zu wagen, spielt erst einmal keine Rolle.
Die Ruhe Gottes und ihre Bedeutung
Vers 3: Wir gehen nämlich in die Ruhe ein als die, die geglaubt haben.
Die Verheißung der Ruhe, wir wissen ja noch nicht ganz genau, was das ist, aber die Ruhe, die noch aussteht, und bei der wir aufpassen müssen, dass Menschen sie nicht verpassen: Diese Verheißung der Ruhe erfüllt sich in den Gläubigen.
Was ist diese Ruhe? Ich denke, dass es sich bei dieser Ruhe konzeptionell um etwas Ähnliches handelt wie das, was wir an anderer Stelle ewiges Leben nennen. Etwas, das in seiner Vollendung noch auf uns wartet, das aber heute schon hier anfängt.
Wer in der Ruhe angekommen ist, und das werden wir im Text gleich noch näher betrachten, der ist bei Gott angekommen. In der Ruhe anzukommen heißt, in der bedingungslosen Vaterliebe Gottes zu ruhen, befreit zu sein von der Todesfurcht, befreit zu sein von der Macht der Sünde.
Wer in dieser Ruhe angekommen ist, der hat aufgehört, sich selbst das ewige Leben verdienen zu wollen. Und er weiß um das, was Jesus alles für ihn getan hat. Er weiß, dass es Gottes Ruhe ist, in die er eingeht, also eine Ruhe, die wir uns nicht verdienen oder erarbeiten müssen, sondern mit der uns Gott beschenken will, und zwar in dem Moment, in dem wir glauben.
In die Ruhe eingehen bedeutet, Gott in seiner Ruhe zu begegnen.
Hebräer 4,3 weiter: Wie er gesagt hat: So schwor ich in meinem Zorn, sie sollen nimmermehr in meine Ruhe eingehen, obwohl die Werke von Grundlegung der Welt an geschaffen waren.
Es geht immer noch um die Ruhe Gottes. Und hier geht es darum, dass die Ruhe Gottes als Option mit der Schöpfung da ist. Also ist das nichts, wo Gott noch nicht fertig wäre, sondern die Ruhe Gottes steht seit der Schöpfung als Option bereit.
Gott war fertig mit seinen Werken, er war in die Ruhe eingegangen, er ist schon dort. Und gewissermaßen wartet er in seiner Ruhe darauf, dass wir zu ihm kommen.
Die Spannung zwischen Einladung und Ausschluss
Vers vier, denn er hat irgendwo, das ist süss, das ist 1. Mose 2,2, er hat irgendwo von dem siebten Tag so gesprochen: Und Gott ruhte am siebten Tag von allen seinen Werken.
Das ist die eine Seite der Medaille. Gott ruhte. Gott ist in seine Ruhe eingegangen. Gott sagt: Hey, hier stehe ich. Wenn er ein Bild braucht, nehmt den verlorenen Sohn, wie der Vater dasteht, mit offenen Armen. Das ist die Ruhe. Gott steht da und sagt: Hey, ich warte auf dich.
Wenn du es romantischer haben willst, nimm das Bild von den Bräutigern in Hohelied 6, der immer im Garten, immer am Ort der Liebe ist und sich einfach nur darauf wartet, dass die Braut zu ihm zurückkommt. Die hatten vorher so einen kleinen Ehekrach, ja, und deswegen war sie weg. Gott steht da, er lädt uns ein. Er ist angekommen in seiner Ruhe, es ist alles fertig, es ist alles bereitet.
Aber das ist eben nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite lesen wir im Psalm 95, Hebräer 4,5, und an dieser Stelle wiederum: Sie sollen nimmermehr in meine Ruhe eingehen.
Könnt ihr die Spannung sehen? Auf der einen Seite, Vers 3, wir gehen in die Ruhe ein. Vers 5, über das Volk Gottes in der Wüste: Sie sollen nimmermehr in meine Ruhe eingehen. Spannung, weil es nun dabei bleibt, dass einige in sie eingehen, wir aus Vers 3, und die, denen zuerst die gute Botschaft verkündigt worden ist, dass sie um des Ungehorsams willen nicht hineingegangen sind.
Ich hatte ja schon gesagt, die sind im doppelten Sinn nicht hineingegangen. Die Israeliten in der Wüste sind weder ins Land Kanaan noch in Gottes ewige Ruhe gekommen. Und der Gag ist: Wären sie gläubig gewesen, hätten sie beides bekommen. Hätten sie einfach nur Gott vertraut, dann hätten sie schon in der ersten Generation das Land eingenommen, und sie wären in Gottes ewiger geistlicher Ruhe auch gleich mitangekommen. Sie hätten beides gefunden: Frieden im Land und Frieden vor Gott.
Aber sie waren nicht gläubig. Ausnahme, ja, ganz wenige: Kaleb, Josua, es gibt schon vielleicht ein paar, aber die grosse Masse war einfach nicht gläubig.
Das Heute als erneute Gelegenheit
Und deshalb, weil dieser Zug im Volk da ist, dass man äußerlich zu Gott gehört, aber innerlich nicht, lässt Gott durch David Psalm 95 schreiben: Hebräer 4,7. Gott bestimmt wieder einen Tag, ein Heute, und sagt damit nach so langer Zeit, wie vorhin gesagt worden ist: Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht.
Der Tag, den Gott bestimmt, das Heute, ist der Tag, an dem Menschen diesen Psalm hören. Vier Jahrhunderte nach Mose fordert Gott durch die Worte Davids sein Volk auf, die Fehler der Väter nicht zu wiederholen, und macht ihnen eines ganz deutlich klar: Obwohl sie im Land Kanaan angekommen sind, sind sie im Blick auf Gott noch nicht am Ziel. Denn wenn Joshua sie in die Ruhe gebracht hätte, würde er danach nicht von einem anderen Tag geredet haben.
Wenn Joshua alles zum Thema Ruhe erfüllt hätte, mit der Tatsache, dass er das Volk ins Land Kanaan angeführt hat, dann hätte David das Thema Ruhe nicht noch einmal aufwärmen müssen. Das ist irgendwie logisch. Wenn mit dem Begriff Ruhe nur der Einzug ins verheißene Land gemeint wäre, dann hätte David nicht darauf Bezug nehmen müssen. Versteht ihr?
Die Hörer des Psalms stehen nicht in der Gefahr, die Ruhe, die Joshua dem Volk gebracht hat, zu verpassen. Sie lebten ja schon seit Generationen im Land, und David hatte dafür gesorgt, dass auch die letzten Feinde unterworfen waren. Aber Gott möchte, und das ist das, was David rüberbringen will, ihnen mehr schenken als Wohlstand und Frieden und eine gesicherte Rente. Gott möchte immer sich schenken. Versteht ihr? Nicht nur äußerlich gute Umstände. Gott will immer sich schenken, und Gott will von uns immer unser Herz haben, und nicht nur eine äußere Form von Gottesdienst, wie so ein Deal: Ich gebe dir einen Gottesdienst an den Zehnten, aber dafür musst du mein Leben segnen. Das ist Gott viel zu wenig.
Und deshalb ist die Ruhe, die das Volk Israel im Land genoss, ein Typos. Wisst ihr noch, da gibt es etwas im Alten Testament, was sich im Neuen Testament erfüllt. Da gibt es diese Ruhe, das Ankommen im Land, und jetzt merken wir: Das ist nur der Schatten, das ist so eine Art Vorgeschmack, so die kleine Schwester von der eigentlichen Ruhe, um die es Gott geht. Gott beschenkt sie mit dieser Ruhe im Land, aber er will sie eigentlich beschenken mit der Ruhe, die wir in ihm finden.
Und so ist das übrigens immer: Die Geschenke Gottes weisen immer auf ihn als den Geber aller guten Gaben hin. Zu sagen: Ich nehme Gottes gute Gaben, aber ich will ihn nicht, ist völlig absurd. Das geht am Ziel vorbei. Jede gute Gabe, die Gott dir schenkt, ist dazu da, damit du verstehst, er will sich an dich verschenken. Und wenn du weniger haben willst als ihn in deinem Leben, gehst du am Ziel des Lebens vorbei.
Also ist die Ruhe im Land ein Typos auf diese andere Ruhe, die viel wichtiger ist und in die man nicht hineingeht, indem man ein Land erobert und es sich dann gutgehen lässt. Mit der Landnahme war Gottes Verheißung noch nicht erfüllt, es war noch etwas offen.
Die Sabbatruhe als Ziel der Gemeinschaft mit Gott
Vers 9. Also bleibt noch eine Sabbatruhe dem Volk Gottes übrig, heißt es da. Und ich würde das Wort Sabbatruhe einen ganz kleinen Tick anders übersetzen wollen. Man kann es mit Sabbatfeier übersetzen, das trifft die Sache ein bisschen besser.
Im jüdischen Denken gehören nämlich Ruhe und Lobpreis immer zusammen. Der Sabbat ist nicht nur ein: „Oh ja, mal ausschlafen, ist auch gut.“ Das hatten wir gestern in der Fragerunde, da bin ich total dafür. Aber es ist immer ein Tag, der zu meiner Ruhe vor Gott gelebt wird. Es ist ein Tag für mich zum Ausruhen, es ist ein Tag für Gott, es ist ein Feiertag, eine Sabbatfeier.
Und hier ganz wichtig: Dieser Wechsel des Begriffes – vorher ging es immer um Ruhe und jetzt plötzlich Sabbatruhe oder Sabbatfeier – betont, dass die Ruhe, in die wir eingehen, ihrem Charakter nach Ruhe und Lobpreis ist. Wir ruhen nicht einfach aus, sondern wir begegnen Gott in seiner Sabbatruhe, und das für alle Ewigkeit. Das fängt heute an, in diesem Moment, wo ich mich bekehre, und es findet seine Vollendung da, wo Gott alles neu macht. Und nichts mehr diese Begegnung mit Gott behindert.
Heute ist die Begegnung mit Gott etwas, wo immer so ein Pfahl dabei ist. Es ist immer so dieses: Ich bin immer einen Tick zu müde, einen Tick zu unaufmerksam, einen Tick zu sehr beschäftigt mit anderen Dingen. Ich muss mir bewusst Zeit nehmen. Und wenn die Zeit dann rum ist, denke ich: Ja, es ist schon wieder vorbei. Es ist immer so dieser Blick auf die Uhr und auf den Terminplan und was das heute alles einschränkt, mit denen wir leben. Und doch ist die Ruhe echt.
Frage: Was ist der Kern dieser Sabbaterfahrung? Da heißt es in Vers 10: Denn wer in seine Ruhe eingegangen ist, der ist auch zur Ruhe gelangt von seinen Werken, wie Gott von seinen eigenen. Sechs Tage hat Gott darauf hingearbeitet, die Welt zu erschaffen, und dann war er fertig.
Jetzt kann man sagen: Natürlich hat Gott nie aufgehört, in und an der Welt zu wirken. Jesus sagt das in Johannes 5: Der Vater wirkt, und ich wirke. Ja klar, sitzt Gott nicht da und sagt: Ich lasse das mal laufen. Aber die Erschaffung, die war fertig, und Gott ist in seine Ruhe eingegangen. Und jetzt bietet er uns seine Ruhe an.
Kennzeichen der Menschen, die in seine Ruhe eingegangen sind, ist, dass sie von ihren Werken zur Ruhe gekommen sind. Sie sind am Ziel ihres Lebens angekommen. Ja, sie müssen noch für eine Weile auf dieser Welt leben. Aber wenn du in die Ruhe Gottes eingegangen bist, wenn du gläubig bist, dann gilt Folgendes: Du kannst nie mehr sein und haben als das, was du in Gottes Ruhe schon gefunden hast.
Wenn du in Christus bist, dann bin ich heute am Ziel meines Lebens angekommen. Ich bin ein überreich beschenktes, gerechtes, heiliges, erlöstes Kind Gottes, das ewiges Leben genießt. Mehr geht nicht. Amen. Ich bin alles, was man sein kann. Und ja, ich habe noch ein paar Jobs zu erledigen. Ich kann die Ruhe vielleicht auch noch nicht in der Tiefe genießen, wie das einmal in der Ewigkeit der Fall sein wird, und trotzdem bin ich am Ziel. Es ist nichts mehr für mich zu tun, weil Jesus alles getan hat.
Der Ernst des Glaubens und die Offenbarung des Wortes
Und deshalb, Vers 11: Lasst uns nun eifrig sein, in jene Ruhe einzugehen, damit nicht jemand nach demselben Beispiel des Ungehorsams falle.
Wir wissen schon: Wer eifrig sein will, in die Ruhe Gottes einzugehen, der muss glauben. Bei dem muss sich Hören mit Glauben verbinden. Die Wüstengeneration ist ein abschreckendes Beispiel. Sie ist das Beispiel für den Ungehorsam. Sie haben nicht geglaubt, und das hat man an ihrem Umgang mit Gott gemerkt. Sie haben gemurrt, sie haben Gott Vorwürfe gemacht, sie haben ihn versucht, seine Gebote ignoriert, sie haben mehr auf ihre eigene Kraft vertraut als auf Gott, sie haben gegen Gottes Leitung rebelliert usw. Und sie sind auf der Strecke geblieben.
Die Wüste mit ihren Herausforderungen ist für ihren Glauben zum Prüfstein geworden und hat ihr Urteil gesprochen: kein Glaube, Scheinglaube. Das, was sie für Glauben hielten, wurde als das offenbar, was es war: ein Lippenbekenntnis, ein Glaube ohne Wurzel, ein Glaube ohne echte Bindung an Gott.
Und jetzt beendet der Autor diesen Abschnitt und sagt: Täuschen wir uns nicht, niemand kann sich vor Gott und vor seinem Wort verstecken. Wenn so etwas im Leben eines Menschen da ist, so ein Unglaube, dann wird das immer offenbar werden. Wenn jemand denkt, er könne Gott täuschen, der irrt sich.
Und der Herr Jesus spricht davon, dass das Wort Gottes unser Richter sein wird. Bitte gib mir Johannes 12,48. Den Vers denke ich immer, wenn ich für Leute bete, die so aus der liberalen Theologie kommen. Also denke ich mir: Wissen Sie wirklich, was Sie tun?
Johannes 12,48: Wer mich verwirft, sagte der Herr Jesus, und meine Worte nicht annimmt, hat den, der ihn richtet. Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tag.
Es ist das Wort Gottes, das uns richten wird. Wir können uns also, solange wir auf der Erde leben, einreden, dass es völlig Wurst ist, was Jesus gesagt hat. Aber am Jüngsten Gericht wird Gottes Wort unser Richter sein.
Und es mag auch sein, dass in christlichen Kirchen, und das tut mir von Herzen weh, die Gebote Gottes überhaupt nicht mehr ernst genommen werden. Aber es ändert absolut nichts an ihrer Bedeutung. Menschen können sich hundertmal hinstellen und sagen: Das gilt nicht. Am Ende wird das Wort Gottes richten und sagen: Ich war immer da, ich bin der Maßstab, du wolltest mich nicht, dein Problem.
Die Durchdringungskraft von Gottes Wort und die abschliessende Mahnung
Dieses Wort Gottes wird abschließend beschrieben. In den Versen 12 und 13 heißt es das, und diese Verse sind sehr bekannt. Deshalb kann ich da kurz darüber hinweggehen und dann zum Schluss kommen.
Denn das Wort Gottes ist lebendig. Wenn Gott spricht, dann ist das kein totes Wort, wie die Worte eines Marc Aurel oder eines Voltaire, also von Menschen, die etwas gesagt haben. Das Wort Gottes ist lebendig. Es macht etwas mit mir.
Es kann sein, dass du das schon erlebt hast. Ich habe jetzt, er ist heute nicht da, der David, unser FSJler, der meinte vor kurzem mal: Jürgen, du glaubst gar nicht, ich habe irgendwie dreimal im letzten halben Jahr die Bibel so aufgeschlagen, und es kam immer der gleiche Vers. Da muss ich mal drüber nachdenken. Stimmt, da steht es: Das Wort Gottes ist lebendig. Es wird zu dir sprechen. Es wird dich da abholen, wo du bist. Es wird dich einen Schritt weiterführen. Es wird nicht leer zu dem zurückgehen, der es gesandt hat. Es wird in deinem Leben etwas machen.
Bis dahin, dass es in 1. Petrus 1,23 heißt, dass wir durch das lebendige und bleibende Wort Gottes wiedergeboren werden. Also hat das Wort Gottes so viel Macht, dass Menschen die Bibel lesen und sich bekehren können. Es ist wirksam, denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam. Hinter diesem Wort steckt eine Eigendynamik.
Ich habe früher Volkshochschulkurse gehalten, also habe ich quasi Bibelwochen für Ungläubige gemacht. Einfach so an der Volkshochschule, Römerbrief, baff, zehn Abende. Sie mussten auch Bibelverse auswendig lernen. Und ich habe am Anfang immer gesagt: Achtung, Sie lesen jetzt in der Bibel. Seien Sie nicht überrascht, wenn Sie den Eindruck haben, das spricht zu Ihnen. Das ist Bibel. Damit muss man rechnen, dass man etwas liest und den Eindruck hat, das trifft mich auf so einer ganz tiefen Ebene. Das hopst mich ein bisschen mehr an als mein Roman, den ich sonst vor dem Schlafengehen lese. Zumindest dann, wenn ich mich damit beschäftige, wenn ich es zulasse, dass das Wort zu mir spricht.
Es ist lebendig, und es ist schärfer als jedes zweischneidige Schwert. Es ist eine ganz gefährliche Waffe. Und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes. Das Wort Gottes dringt bis in die geheimsten Winkel unseres Menschseins vor. Seele und Geist ist der unsichtbare Teil, Gelenke und Mark das sichtbare. Aber das spielt keine Rolle. Das Wort Gottes kommt dahin in deinem Leben, wo es hin will. Da gibt es keine Stellen, wo du sagst: Da darfst du nicht hin.
Und das Wort ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens, also dessen, was wir denken und welche Motivation wir haben. Das Wort Gottes ist fähig und bereit, darüber zu richten. Und das liegt eben daran, dass es nicht nur Gottes Wort ist, sondern dass Gott mit seiner Autorität hinter ihm steht.
Und in Vers 12 geht es um das Wort Gottes, und jetzt springt in Vers 13 der Schwerpunkt zu Gott. Da heißt es nämlich: Und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar. Und Achtung, jetzt hat das Subjekt gewechselt. Es geht jetzt nicht mehr um das Wort Gottes, sondern um Gott. Also die Verbindung zwischen Gott und Gottes Wort ist so eng, dass es innerhalb von zwei Versen einen fließenden Übergang gibt. Und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles ist bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben. Und das ist Gott.
Das Wort Gottes ist der Richter, aber hinter dem Wort steht der, den man nicht von seinem Wort trennen kann: Gott selbst. Wer dem Wort begegnet, der begegnet Gott. Und das Wort zu verwerfen heißt, Gott zu verwerfen. Und wer Gott begegnet, der steht völlig entblößt da. Gott kennt jeden Gedanken, jedes Wort, jede Tat. Man kann Gott nicht täuschen, man kann sich vor ihm nicht verstecken.
Und deswegen ist es so wichtig, dass wir uns selber prüfen, wie es um uns und unseren Glauben steht. Denn wenn wir das nicht tun, wird Gott es tun.
Und lasst mich diesen Vortrag abschließen, bitte, mit einer kurzen praktischen seelsorgerlichen Betrachtung. Ich mache mir manchmal, wie sage ich das, Feinde ist zu viel. Ich bringe manchmal Leute gegen mich auf, weil ich ihnen eine hässliche Frage stelle. Eigentlich ist die Frage überhaupt nicht hässlich, sie ist total biblisch. Sie steht in Apostelgeschichte 19,2. Da trifft Paulus auf Jünger. Hm, Jünger, das klingt ja erst mal gut, das sind Leute, die Jesus nachfolgen. Aber er hat irgendwie den Eindruck, mit diesen Jüngern stimmt etwas nicht. Und er stellt ihnen diese Frage, sagt mal, habt ihr eigentlich, als ihr euch bekehrt habt, den Heiligen Geist empfangen?
Die Frage stelle ich auch manchmal. Und ich stelle diese Frage nach der Echtheit der Bekehrung, denn darum geht es wegen der Stellen, die wir heute betrachtet haben, wesentlich wegen Hebräer 3,12-13 und 4,1.11. Ich habe wirklich, ausgelöst durch diese Texte, Angst davor, dass neben mir in der Gemeinde jemand sitzen könnte, von dem ich immer irgendwie dachte: Der ist aber komisch. Kennt ihr dieses Gefühl? Er ist aber komisch, irgendetwas stimmt mit dem nicht. Aber ich habe mich nie getraut, ihm das zu sagen.
Und mich ermutigt dieser Text zu einer Nüchternheit, zu der Nüchternheit davon auszugehen, dass nicht alle Geschwister in der Gemeinde, in der ich bin, gläubig sind. Und deswegen der Tipp zum Schluss: Lasst uns damit anfangen, bei uns selber. Es geht ja immer darum, dass man erst den Balken aus seinem Auge nehmen soll. Also lasst uns selber die Frage ganz klar noch einmal stellen: Weiß ich, dass mein Glaube echt ist, dass ich wirklich den Heiligen Geist habe?
Das ist keine unheilige Frage, das ist eine kluge Frage. In 2. Korinther 13,5 heißt es: Prüft euch, ob ihr im Glauben seid, untersucht euch. Ich kann das rauskriegen. Ich kann wissen, dass ich gerettet bin. Das ist eine ganz, ganz, ganz wichtige Sache. Das muss ich irgendwie mal wissen, dass ich das bin.
Und wenn ich diese Frage für mich sauber beantwortet habe, wenn ich sicher bin, dass mein Glaube echt ist, und wenn du das nicht bist, morgen ist eine Fragerunde, dann hau die Frage rein, ja? Aber wenn ich das dann bin, wenn ich weiß, ich bin in Gottes Ruhe angekommen, dann ist es meine Aufgabe, mit den Geschwistern zu reden, von denen ich den Eindruck habe, dass ihnen vielleicht noch etwas fehlt.
Und ja, wir werden uns an der Stelle nicht immer Freunde machen. Aber witzigerweise sind die, die angekommen sind, die echt sind, die entspanntesten dabei. Komm doch zu mir und frag mich: Hast du den Heiligen Geist? Da sage ich: Ja. Kann ich auch erklären, woher ich das weiß. Das ist nicht schwer.
Naja, bei denen, die dann so ein bisschen fitzig reagieren, wäre ich an der Stelle ein Tick vorsichtig, aber ich würde es trotzdem tun. Ich würde den Mut zusprechen, oder ich möchte euch den Mut zusprechen, euch davor zu fürchten, dass jemand in der Gemeinde, ohne es zu merken, geistlich zurückbleibt und seine Chance auf Gottes ewige Ruhe verpasst. Und dass du vielleicht die Person bist, die ihn jetzt anspricht und mit ihrer Liebe, vielleicht auch mit dem Wort der Ermahnung, auf die Seite Gottes zieht, dass jemand, der noch so wankelmütig ist, der zu beiden Seiten hinkt, der noch nicht so wirklich die Entscheidung getroffen hat, dass der sagt: Ey, eigentlich hast du Recht, eigentlich hast du Recht, ich gehe jetzt hier, ich mache das jetzt ganz.
Und das wünsche ich euch, dass ihr euch das traut. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.
Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.

