Zum Inhalt

Gefühle - heilige Verachtung

Psalm 2,129.11.2015
SerieTeil 11 / 16(Negative) Gefühle
Gott nimmt das Böse nicht harmlos: Wer Spott sät, erntet Verachtung. Und doch landet sein ganzer Zorn nicht bei dir, sondern am Kreuz – damit du frei wirst.

Einleitung und Ausgangspunkt der Reihe

Wir haben uns letztes Mal in dieser Reihe über negative Gefühle schon über Verachtung unterhalten, und das Thema heute lautet heilige Verachtung. Ich weiß nicht, ob es euch geht wie mir, aber ich finde, das klingt ziemlich schräg. Heilige Verachtung – zwei Worte, die gar nicht so zusammenpassen wollen.
Warum passt das nicht? Letztes Mal haben wir uns angeschaut, wie kaputt machend Verachtung sein kann, wie Spott und Hohn dazu führen, dass Menschen in Selbstzweifel hineingeraten, dass sie in eine Opferrolle reinkommen, dass sie ihre Würde verlieren, vielleicht sogar ihre Menschlichkeit verlieren, dass sie isoliert werden. Das haben wir uns letztes Mal angeschaut. Ich glaube, jeder hat so innerlich gedacht: Es stimmt ja, an der einen oder anderen Stelle. Wenn man nicht der Supercoole war, der immer vorne dran stand, hat das irgendwo jeder erlebt.
Mir war es wichtig, darauf einzugehen, wie sich Verachtung manchmal als Tratschtante oder hinter Angeberei versteckt oder wie es uns leichtfällt, sie in Kritik einfließen zu lassen, in unserem Umgang miteinander. Stichwort Blameshifting, wenn ihr euch an dieses komische Wort noch erinnert.
Letztes Mal ist eine Sache völlig unter den Tisch gefallen. Die werde ich auch heute nicht weiter ausführen, aber ich will wenigstens kurz mal sagen, dass es die auch noch gibt. Ich habe letztes Mal immer davon gesprochen, dass man den anderen verachtet. Es gibt natürlich auch Selbstverachtung. So wie ich mit anderen umgehe, kann ich auch mit mir selber umgehen.
Warum machen Menschen das? Warum gehen Menschen mit sich selber selbstverachtend um? Warum weigern Menschen sich diese gottgegebene Herrlichkeit, die sie haben? Warum weigern Menschen sich, die zu feiern? Warum wollen sie unbedingt schlecht von sich denken? Warum können sie, und da merkt man es in meinen Augen ganz stark, warum können sie Lob nicht einfach annehmen? Warum müssen sie sich immer so als den kleinen Dummi darstellen, der sie gar nicht sind?
Wahrscheinlich gibt es, wenn man diese Fragen beantwortet, nicht die eine Antwort. Aber eine, die ich persönlich sehr schätze und die ich mir auch immer parat habe, wenn ich das bei jemandem merke, ist die: Da, wo wir auf Selbstverachtung treffen, dahinter steckt eigentlich etwas viel Tieferes. Eigentlich geht es dabei um die Frage: Wofür schäme ich mich?
Ich glaube, dass Menschen sich selber verachten, weil das der leichtere Weg ist, weil sie ihrer eigenen Scham nicht begegnen wollen. Es ist leichter, sich selber schlecht zu machen. Das ist kein gutes Gefühl, aber es ist ein weniger dramatisch schlechtes Gefühl, als sich seiner eigenen Scham zu stellen.
In manchem Leben gibt es etwas, und da muss man nicht Opfer von Missbrauch gewesen sein, da kann man auch Täter gewesen sein, was uns eine ganz tiefe Scham produziert hat. Wir werden im Rahmen dieser negativen Gefühle noch ein bisschen darauf eingehen. Und man erlebt das leider oft, dass wenn so etwas im Leben da ist und dann jemand sich entscheidet, darüber nicht nachdenken zu wollen, dass er dann in eine von zwei Richtungen geht. Die eine Richtung ist die, dass ich andere Menschen verachte. Ich werde wie so ein kleiner Terrier zu jemandem, der alle beißt, damit bloß keiner auf den Gedanken kommt, mich mal zu hinterfragen. Oder, und das ist der andere Weg, und wie gesagt, da lässt sich mehr zu sagen, das mache ich aber nicht heute, dass ich anfange, mich selber zu verachten.
Deshalb: Wenn ich auf Menschen treffe, die mit Selbstverachtung zu kämpfen haben, und da gibt es verschiedene Ausprägungen, wie man das sieht, dann frage ich häufig gerne: Sag mal, was gibt es in deiner Vergangenheit, für das du dich so sehr schämst, dass du jetzt so komisch reagierst? Also wenn ihr das in eurem Leben erlebt oder im Leben von Menschen, geht da mal weiter, durchdenkt das einfach mal weiter. Heute ist das nicht unser Thema.
Der Kern unserer Predigt heute ist ganz simpel zu fassen. Er heißt so: Gott ist ein Spötter. Ganz simpel: Gott ist ein Spötter, also Gott ist einer, der über seine Feinde lacht, der sich über sie lustig macht, der sie verachtet und sogar noch schlimmer: der sie demütigt und verflucht.
Vielleicht habt ihr euch schon mal gefragt: Warum macht mir beißender Spott und sarkastischer Humor so viel Spaß? Ja, also wenn man so diese Comedy-Liebhaber sieht, da gibt es so, ja, ich weiß nicht, wie es euch mit Comedy geht, vielleicht seid ihr Leute, die damit gar nichts anfangen können, aber irgendwo, wenn da so einer richtig einfach den Punkt trifft, wo du denkst: Ja, schön. Woher kommt das?
Und vielleicht hast du immer gedacht, diese Freude an Zynismus, an Sarkasmus, diese Freude kommt daher, dass ich halt einfach gefallen bin, Fleisch bin, es ist das Böse in mir. Und jetzt komme ich heute und sage dir: fast richtig. Fast richtig deshalb, weil sich in diese Liebe zu diesen, ja, zu bestimmten Formen der Verachtung etwas Zweites mit hineinmischt. Es ist nämlich so, dass der Gott, dem wir folgen, in seinem Charakter auch dieses Element der Verachtung trägt und dass deshalb, wenn wir auf Verachtung stoßen, es irgendwie so beide Seiten sind.
Auf der einen Seite merken wir: Der geht zu weit, die Seite vom letzten Mal. Auf der anderen Seite merken wir aber: Es gibt Verachtung, die einfach angebracht ist. Es ist richtig, sich an der Stelle nicht zu freuen. Es ist richtig, an der Stelle mal zu sagen: Wie blöd ist das denn, Freunde? Das kann doch nicht euer Ernst sein. So bescheuert kann es sein.
Es gibt diesen Bereich. Und es gibt diesen Bereich einfach deshalb, weil er in Gottes Charakter steckt. Und ich weiß nicht, wie es euch damit geht, wenn ich euch das so sage. Es ist schon ziemlich schwer, sich einen zornigen Gott vorzustellen, einen Gott, der uns bestraft. Das ist für viele von uns, glaube ich, schon gar nicht so einfach. Aber jetzt stellt euch mal einen Gott vor, dem es nicht genügt zu gewinnen, sondern der seine Feinde mit Gelächter, Spott und Erniedrigung überzieht.
Frage: Passt das noch in dein Gottesbild? Das ist eine ernst gemeinte Frage. Passt das noch in dein Gottesbild? Weil wenn nicht, dann musst du dein Gottesbild anpassen. Dann ist dein Gott einen Tick zu kuschelig.
Ich gebe euch jetzt ein paar Stellen, und die hören sich alle nicht nett an. Ich zeige euch jetzt, dass Gott tatsächlich einer ist, der über seine Feinde lacht. Das ist nicht polit, das ist also nicht freundlich. Wenn er so ist, dann stellt er sich hin. Psalm 2 heißt es, das ist im Blick geschrieben auf den Messias, auf die Kreuzigung: Warum toben die Nationen, Psalm 2,1, und sinnen Eitles die Völkerschaften? Es treten auf Könige der Erde und Fürsten tun sich zusammen gegen den Herrn und seinen Gesalbten.
Ja, die Menschen stellen sich hin und sagen: Wir bekämpfen Gott. Was macht Gott an der Stelle? Er schrickt und sagt: Huch, was passiert denn jetzt? Was werde ich denn jetzt machen? Die Menschen sind gegen mich. Huch, da ist Feindschaft im Land! Und dann sagen die Leute: Lasst uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke. Also die Menschen stellen sich hin, sie wollen mit Gott nichts zu tun haben. Und dann heißt es: Der im Himmel thront, lacht. Der Herr kriegt das mit. Also das muss man sich vorstellen: Auf der Erde tun sich die Menschen zusammen, wollen den Messias kreuzigen, versuchen eine intelligente Strategie zu entwickeln, wie kriegen wir den weg, wie überzeugen wir Pilatus, wie sorgen wir dafür, dass der uns nicht mehr im Wege steht, und Gott im Himmel lacht. Er schmunzelt nicht, er lacht. Er lacht sie aus. Der im Himmel thront lacht, der Herr spottet über sie.
Andere Stelle: Psalm 37,12. Mir geht es erst mal nur darum, dass ihr versteht, dass da Lachen ist, wenn Gott auf seine Feinde trifft. Er lacht. Psalm 37,12: Der Gottlose sinnt gegen den Gerechten, und mit seinen Zähnen knirscht er gegen ihn. Wer Gottloses versucht, überlegt: Wie kriege ich den Gerechten kaputt? Und dann Vers 13, Psalm 37,13: Der Herr lacht über ihn, denn er sieht, dass sein Tag kommt.
Gott sieht das, sieht dieses Bemühen des Gottlosen, den Gerechten kaputt zu machen, und Gott kann vor Schmunzeln und Lachen überhaupt nicht an sich halten. Was ist das für ein Dummkopf? Schaut euch das an! Ja, ehrlich, das ist doch lächerlich, ja? Der Himmel lacht über die, er lacht. Nicht nur ein: Oh ja, wirst schon sehen, was kommt, distanziert, die Rache ist mein. Nein, nein, Gott lacht!
Und Lachen ist immer noch so eine Sache. Jemanden auslachen ist fast noch die kleinste Stufe der Verachtung. Ist schon nicht nett, wenn ich mich jetzt irgendwo hinstelle und jemanden auslache, ist schon doof. Aber dieses Lachen, was hier beschrieben wird, das ist eben kein Schmunzeln, sondern ein brutales Auslachen.
Und es bleibt nicht dabei. Wenn du denkst, das ist alles, was Gott tut, mein Gottesbild ist fast noch gerettet, es ist noch nicht ganz so schlimm, wie Jürgen am Anfang behauptet hat, wir gehen weiter. Das waren meine ersten beiden Verse. Jetzt steigern wir das Ganze ein klein bisschen. Jetzt kommen wir vom Gelächter zur Erniedrigung.
Also es reicht mir nicht, den anderen auszulachen. Ich möchte, dass der andere in den Augen Dritter richtig blöd dasteht. Ich sorge dafür, dass nicht nur ich ihn aus der Distanz als Gott verlache, sondern dass alle, die ihn sehen, ihn auch auslachen.
Ich habe euch da eine Stelle mitgebracht aus Jeremia. Da spricht der Prophet im Namen Gottes über die Moabiter, und das ist diese prophetisch-poetische Sprache, in die man sich so ein bisschen hineinden muss, die sich einem nicht immer gleich erschließt, aber die in ihrer Bildgewaltigkeit das, was ich zum Ausdruck bringen möchte, einfach Bams, er sagt so: Oh ja, oh.
 Jeremia 48,25, das Urteil über das Volk der Moabiter: Jeremia 48,25, das Horn Moabs ist abgehauen. Hörner, ihr müsst euch das wie bei Wikingerhelmen vorstellen. Hörner stehen immer irgendwie für Kraft. Horn ist Kraft. Wenn Gott sagt, das Horn Moabs ist abgehauen, seine Kraft ist gebrochen und sein Arm ist zerschmettert, also er kann auch nicht mehr kämpfen, spricht der Herr.
Und jetzt kommt: Jetzt könnte man sagen, bis dahin ist es einfach nur ein Urteil, aber da bleibt Gott nicht stehen. Jetzt sagt Gott etwas, das hört sich erst mal ganz schräg an, und ich möchte euch, wenn ich das vorlese, bitten, an eine dunkle Gasse zu denken, wo jemand im Suff liegt neben den Mülltonnen in seinem eigenen Erbrochenen und um ihn herum stehen Leute und sagen: Haha, hast du den da gesehen? Das ist das Bild, was der Prophet Jeremia jetzt über Moab prophezeit. Das ist das, was Gott sich für dieses Volk wünscht. Nicht direkt das, aber erst einmal von dem Moment der Verachtung her.
Macht es betrunken, denn gegen den Herrn hat es groß getan, damit Moab hineinschlägt in sein Erbrochenes und auch selbst zum Gelächter wird. Das ist jetzt nicht so die Stelle, wo man die Anwendung für den Tag draus zieht, das ist mir auch klar, aber ihr versteht, worum es geht. Gott bleibt nicht stehen bei: Moab, du bist jetzt kaltgestellt, Moab, deine Zeit ist vorbei, sondern Gott geht einen Schritt weiter und sagt: Ich möchte, dass du zum Gelächter, zum Gespött wirst für andere. Das ist der Gott, mit dem wir es zu tun haben.
Gott gibt den Befehl, das stolze Volk der Moabiter nach dem Sieg auch noch zu demütigen. Der Apostel Paulus beschreibt das Prinzip dahinter. Das Prinzip stammt aus Galater 6,7, und es ist ein ganz umfassendes, immer wieder das Gleiche. Gott ist nicht kompliziert. Galater 6,7, eine dieser „Irrt euch nicht“-Verse, habt ihr im Sommer mal kurz drüber gepredigt: „Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht verspotten. Denn was ein Mensch sät, das wird er ernten.“
Und was glaubst du wohl, was du erntest, wenn du Spott säst? Verachtung! Was glaubst du, was du dann erntest? Du verspottest Gott. Du wagst es, das Wort gegen den lebendigen Gott zu erheben, gegen den Schöpfer von Himmel und Erde. Ihn lächerlich zu machen. Ich sage dir von hier vorne: Tu es nicht. Ich warne dich einfach: Tu es nicht. Denn wer Spott sät, wird Verachtung ernten.
Als ich in der Vorbereitung war, hat mich Robin auf einen Vers aufmerksam gemacht, der total hier reinpasst. 1. Samuel 2,30, quasi der alttestamentliche kleine Bruder von Galater 6,7. Da heißt es: Darum spricht der Herr, der Gott Israels: 1. Samuel 2,30 Die mich ehren, werde auch ich ehren, und alle denken: Oh, ist das schön. Und die mich verachten, sollen wieder verachtet werden.
Mach Gott bitte an der Stelle nicht zu klein und pack das 1. Samuel 2,30. Wenn es da nicht steht, dann müsste das jetzt jemand suchen und dann mal reinbrüllen, dass ich für die Aufnahme doch? Ja, genau, es ist nicht der ganze Vers. Ich lese nochmal vor: Darum spricht der Herr, der Gott Israels ... da habe ich was ausgelassen ... und dann am Ende heißt es dann: Die mich ehren, werde auch ich ehren, und die mich verachten, sollen wieder verachtet werden. Das müsste da stehen.
Und das ist das Prinzip. Ich verachte Gott, ja, was erwarte ich denn, dass Gott sagt: Hast du gut gemacht? Nein, ich kriege das, was ich reinstecke, tatsächlich wieder raus.
Ich weiß nicht, ob ihr euch über dieses Thema Zorn Gottes genug Gedanken gemacht habt, was das heißt, dass Gott zornig ist, was damit gemeint ist, wenn vom grimmigen Zorn Gottes des Allmächtigen die Rede ist. Mir ist eine Sache ganz wichtig, und das müssen wir festhalten: Den lieben Gott, bitte in Anführungs- und Schlusszeichen, den lieben Gott im Sinne eines Gottes, der nur lieb ist, der wie so ein seniler Großvater, der irgendwo in der Stube hockt und der kleine Enkel kann mit ihm machen, was er will, und er wird irgendwie nie laut, er lässt sich alles irgendwie gefallen, ob man ihn am Bart zupft oder mit kalter Milch übergießt, spielt keine Rolle – diese Art von lieben Gott, den gibt es nicht.
Gott ist kein Gott, der immer gute Miene zum bösen Spiel macht. Ich habe versucht, das mit modernen Worten zu beschreiben, wer Gott ist. Das gibt es in der Computersprache, wenn man Computerspiele macht, da gibt es Begriffe, die das gut auf den Punkt bringen. Das ist der sogenannte Endgegner oder das Bossmonster. Für die Älteren ist das jetzt ein bisschen weit weg, aber das ist Gott. Du begegnest Gott, und du begegnest dem Bossmonster deines Lebens, dem absoluten Endgegner. Er ist unbesiegbar.
Und das Verrückte ist: Die Liebe Gottes lädt seine Feinde ein, mit ihm Frieden zu schließen. Aber wenn die das nicht wollen, dann wird es total finster. Wisst ihr, wenn zornige Heiligkeit auf Sünde trifft, dann bleibt kein Raum für Gnade. Gottes, und ich habe es versucht bewusst jetzt auch in der Predigt ein bisschen mit brutaleren Worten zu formulieren, damit wir es einfach mal raffen: Gottes rasender Hass auf alles Böse geht so tief, dass er nicht aufhört, bevor sein Feind nicht gedemütigt am Boden liegt.
Gott liebt – und das ist für alle die, die jetzt schon in sich zusammensacken, weil sie so die sind, die nie so ganz glauben können, ob Gott sie lieb hat – Gott liebt hundert Prozent, mit hundert Prozent, mit allem geht Gott in seiner Liebe ins Rennen und sagt: Ich gebe alles, ich gebe mich selber ans Kreuz, damit du gerettet werden kannst. Hundert Prozent Liebe.
Aber dieser hundert Prozent Liebe steht auf der anderen Seite hundert Prozent Hass gegenüber. Wenn du sagst: Ich will diese Liebe, die mich gewinnen will, ich will die nicht, ich will mich nicht retten lassen, ich habe keine Lust auf diesen Gott, dann bleibt nur die Heiligkeit. Und in der Heiligkeit, da kommt Gottes Ablehnung gegen Sünde voll zum Tragen.
Und deswegen ist es wichtig, dass wir diese Bilder begreifen. Deswegen ist es wichtig, dass wir begreifen, was das heißt, wenn der Schreiber des Hebräerbriefes sagt: Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Es ist furchtbar, das ist kein Spaß, kein Zuckerschlecken, das ist nicht so eine Verhandlungssache, du kannst dich da nicht noch rausmogeln irgendwie, wenn du nur weißt, wenn du so Verhandlungsgeschick hast. Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.
Ich möchte euch noch einen Vers aus dem Alten Testament bringen, der diese Seite Gottes, diese heilige Verachtung von allem Bösen, deutlich auf den Punkt bringt. Es geht diesmal um Ninive. Dieser Vers ist noch ein bisschen gruseliger. In Nahum steht er, kleiner Prophet, Altes Testament, Nahum. Schaut im Inhaltsverzeichnis nach, wenn ihr das jetzt nicht klar habt. Man muss da jetzt nicht durchblättern, das Find ist zu klein dafür. Also Nahum, Kapitel 3, Vers 5.
Ihr müsst euch vorstellen: Jona, das ist der Prophet, der nach Ninive geschickt wird und da nicht hin will, das ist die Sache mit dem Fisch. Dann kommt er da an, predigt, und sie tun Buße. Und am Ende von Jona freut man sich für Ninive, und hundert Jahre später etwa kommt dann Nahum. Dann merkt man, dass diese Buße nicht tief gegangen ist. Nahum bringt nun die endgültige Vernichtungsbotschaft über Ninive. Das hört sich so an, und das Bild ist so grausam, es ist so pervers, dass man sich überlegen muss, was will der Prophet transportieren, wenn er so ein Bild gebraucht?
 Nahum 3,5: Siehe, ich will an dich, spricht der Herr der Heerscharen, ich werde deine Säume aufdecken, Kleidersäume, sprich das Kleid hochreißen, ich werde deine Säume aufdecken bis über dein Gesicht und werde den Nationen deine Blöße, deine Scham, deinen Schambereich sehen lassen und die Königreiche deine Schande. Ich werde Abscheuliches auf dich werfen, dich verächtlich behandeln und dich zur Schau stellen, und es wird geschehen: Jeder, der dich sieht, wird von dir wegfliehen und wird sagen: Ninive ist verwüstet, wer wird ihr Teilnahme bekunden, woher soll ich dir Tröster suchen?
Nochmal: Was für ein unglaublich grausames Bild ist das für das Schicksal einer Stadt, die nicht Buße tut. Ich werde dich nackt ausziehen, ich werde deine Demütigung jedem zeigen. Ich werde dich mit Dreck, eigentlich wörtlich mit Dung, bewerfen, bis du stinkst, über und über bekleidet. Ich werde dich verachten, dich bloßstellen, und niemand wird dir beistehen.
Warum macht Gott das? Warum spricht Gott so? Weil er damit die letzte Warnung ausspricht. Das ist die letzte Warnung an Ninive: Ihr Einwohner von Ninive, tut Buße, oder Gott wird euch auf die schlimmste, nur vorstellbare Weise demütigen und ohne Hoffnung auf Trost, geschweige denn auf Rettung vernichten.
Warum lässt Gott so ein abscheuliches Bild also? Ich hoffe, dass es euch ein bisschen noch abscheulich vorkommt. Wir leben in einer so von Horror und Schreckensnachrichten gekennzeichneten Welt, dass euch das vielleicht gar nicht mehr so dramatisch vorkommt. Überlege, was hier passiert, was hier beschrieben wird. Das ist Missbrauch, ein ganz abscheuliches, ekelhaftes Bild. Warum verwendet Gott das?
Antwort: Weil Gott will, dass der Mensch seinen Zorn fürchtet. Gott möchte nicht, dass du seinen Zorn respektierst, Gott möchte nicht, dass du seinen Zorn abnickst. Sondern er möchte, dass du ihn fürchtest. Gott will tatsächlich den Sünder einschüchtern. Er will ihm einen Schrecken einjagen. Er will, dass ihnen die Haare zu Berge stehen, dass sie im Hinblick auf die Konsequenzen ihrer eigenen Sünde echt erschaudern.
Aber wisst ihr was? Gott will noch mehr. In dem Moment, wo uns Angst und Bange wird, wenn wir begreifen, wie sauer er wirklich ist, wie Schlimmes um uns steht, in welcher Gefahr wir schweben, dann möchte er unseren Blick auf etwas ganz anderes lenken. Dann möchte er unseren Blick auf Jesus lenken.
Ich habe euch jetzt gezeigt, wie Gott den Sünder verlacht, wie er ihn verachtet, wie er ihn demütigt. Und jetzt muss uns klar sein: Dieser ganze Hass, diese Wut, diese grenzenlose Antipathie gegen alles Böse – genau das hat Jesus am Kreuz für uns getragen. Genau dort ist er nämlich zur Lachnummer geworden, wird verachtet, wird gedemütigt, er wird verflucht, und zwar nicht, weil Gott ihn hassen würde. Gott hat überhaupt nichts gegen Jesus, er liebt ihn. Aber er weiß, dass dieser heilige Zorn, diese grenzenlose Verachtung gegen alles Böse, es braucht, wenn wir gerettet werden wollen. Es braucht einen Blitzableiter, damit wir dieser Verachtung entgehen können.
Und genau das ist Jesus. Das Hohengelächter, der Spott, die Demütigung des Vaters, aller Gotteszorn, der eigentlich uns gegolten hätte, der entlädt sich auf Jesus. Gott der Sohn muss erleben, wie der Vater sich verächtlich von ihm abwendet und ihn im wahrsten Sinne des Wortes nackt und dreckig und blutverschmiert, schmerzverzerrt, schutzlos den Verunglimpfungen, den Beleidigungen von Menschen überlässt und in die Dunkelheit steckt, in die Dunkelheit hineinwirft, die uns gegolten hätte, wenn wir auch nur im Ansatz der Verachtung Gottes begegnen würden.
Das ist das, worum es geht. Auf der einen Seite die Verachtung zu sehen und dann rüber zu blicken ans Kreuz. Und wenn wir zutiefst verstanden haben, wie sehr Gott gegen Sünde ist, wenn diese Bilder aus dem Alten Testament, die gesprochen worden sind, um Menschen zu warnen, bei uns etwas angerichtet haben, uns mal kurz innehalten lassen, uns ein Verständnis dafür gegeben haben, was wir eigentlich an Schuld auf uns geladen haben, dann müssen wir zum Kreuz blicken. Wir dürfen da nicht stehen bleiben und begreifen, dass dieser ganze Zorn sich auf Jesus entladen hat.
 Galater 3,13: Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist; denn es steht geschrieben: Verflucht ist jeder, der am Holz hängt. Jesus ist zum Fluch geworden. Das bedeutet, dass er zum Gräuel geworden ist für Gott. Ja, alles, was verflucht ist, ist Gott ein Gräuel. Am Kreuz verliert Jesus in den Augen Gottes all seine Perfektion, all seine Schönheit, all seine Heiligkeit, all seine Reinheit. Warum? Weil er unsere Sünden auf sich nimmt. Und deswegen trifft ihn der Abscheu und der Ekel und die Feindschaft Gottes. Wir dürfen leben, weil er litt. Das dürfen wir nie vergessen.
Deswegen heißt es im ersten Petrusbrief auch, 1. Petrus 2,24, der unsere Sünden an seinem Leib selbst an das Holz hinaufgetragen hat – unsere Sünden, nicht seine – hat er ans Holz hinaufgetragen, ans Kreuz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben; durch dessen Striemen ihr geheilt worden seid. Unsere Heilung, unsere Rettung kommt von ihm. Wir dürfen das nie vergessen.
Unsere Hoffnung ist es, einmal Gott zu sehen. Weißt du, was du dann sehen wirst? Und das ist so schön: Wenn wir Gott sehen werden, dann werden wir in Augenblicken, die ausschließlich uns in Liebe zugetan sind. Wenn wir Gott sehen werden, dann wird in den Augen Gottes kein Stück Verachtung sein, und da ist nichts Geringschätziges drin. Warum? Weil das alles schon auf Jesus lag.
Wir werden nie das Ziel von Gottes Abneigung sein. Er wird uns nie verfluchen, er wird uns nie aus seiner Gegenwart treiben. Warum? Na ja, weil Jesus, Gott der Sohn, an unserer Stelle diese abgrundtiefe Verachtung und diesen unendlich heiligen Gotteszorn ertragen hat. Jesus hat das gemacht. Und indem er das alles erträgt, offenbart er uns eben nicht nur die Heiligkeit Gottes, die das Kreuz zwingend erfordert, um Menschen zu retten, sondern gleichzeitig auch die Liebe Gottes.
Versteht ihr, Gott zeigt uns auf der einen Seite etwas von seiner heiligen Verachtung für alles Böse, damit wir erschaudern. Aber es reicht Gott nicht, dass wir uns angesichts dieses Zorns, dass uns da der Schrecken in die Glieder fährt, das reicht ihm einfach nicht. Er will mehr. Er will, dass wir Gnade finden. Er will, dass aus Erschrecken Staunen und aus Staunen Anbetung wird.
Das ist das, was er will: dass wir zum Kreuz hinblicken und sagen: Boah, das kann doch nicht wahr sein, was Gott der Vater seinem Sohn da antut. Und in dem Moment, wo ich innerlich erschrecke, möchte er für einen Schritt weitergehen und sagen: Wow, was muss für eine Liebe in Gott dem Vater zu mir stecken, wenn er dem Sohn das antut? Was muss in einer Liebe von Gott dem Sohn stecken, wenn er sich für mich so hingibt? Wahnsinn!
Und aus diesem Staunen möchte Gott Anbetung produzieren. Vielleicht ist das das Geheimnis hinter Gottes Verachtung. Sie ist real, viel realer und brutaler und verschlingender, als wir uns das in unseren kühnsten Albträumen vorstellen können – deswegen diese Bilder –, aber sie will nicht das letzte Wort haben. Versteht ihr mich? Gottes Verachtung möchte nicht das letzte Wort haben. Gott will wirklich, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Ein erstes Fazit: Gott ist heilig, und als heiliger Gott hasst er Sünde. Jede Sünde, um genau zu sein. Er verachtet den, der ihn verachtet. Das heißt, Gott lässt den Menschen nicht über seine Haltung im Unklaren. Warum? Heißt so schön im ersten Thessalonicherbrief, damit wir uns aufmachen, dem kommenden Zorn zu entfliehen. Noch ist eine Zeit der Buße möglich, noch bricht das alles noch nicht in letzter Konsequenz über uns herein.
Jetzt haben wir uns letztes Mal angeschaut, wie unheilige Verachtung in unserem Leben sich einschleichen kann. Jetzt die Frage logischerweise: Wie kann das, was wir bei Gott gesehen haben, heilige Verachtung, wie können wir, die wir gerettet sind, die wir geliebte Kinder Gottes sind, diesen Aspekt des Charakters unseres himmlischen Vaters imitieren? Heilige Verachtung – wie kann man das leben?
Ich würde euch gern zwei Dinge vorstellen. Bevor ich das mache: Es gibt wahrscheinlich viel mehr Möglichkeiten. Die Psalmisten geben uns einen ganz guten Eindruck davon, was das heißt, das Böse zu verachten. Bevor ich das mache, eine Vorbemerkung: Niemand verlangt von einer Mutter, die ihre Tochter nach einem Jahr geißengefährdet, wo diese Tochter von Boko Haram entführt wurde, vergewaltigt wurde und sie wird nach einem Jahr schwanger und traumatisiert ihrer Mutter wiedergegeben. Niemand verlangt von dieser Mutter, dass sie jubelt. Es gibt Momente im Leben, die sind so grausam, da ist das Beste, was ich tun kann, Einstimmen in Gottes Verachtung für den Gottlosen.
Das ist für uns im Moment ziemlich weit weg, weil wir auf einer Insel der Glückseligen in Deutschland leben. Aber wenn du in Nordnigeria leben würdest, kann es sein, dass es dir öfter, als dir das lieb ist, so geht, dass du mit David beten möchtest: Mögest du Gott den Gottlosen töten, ihr Blutmenschen! „Weicht von mir, ihr, die mit Hinterlist von dir reden, vergeblich die Hand gegen dich erheben. Sollte ich nicht hassen, Herr, die dich hassen, und sollte mir nicht ekeln vor denen, die gegen dich aufstehen? Mit äußerstem Hass hasse ich sie, sie sind Feinde für mich.“
Ich bete, dass wir dieses Gebet aus Psalm 139, ab Vers 19, nie in unserem Leben beten müssen. Aber es gibt Christen, die Dinge erleben, wo diese Form von Verachtung der natürlichste und der richtigste Ausdruck ihrer Gottesbeziehung ist, wo sie mit diesem Schmerz zu Gott kommen und sich nur noch wünschen können, dass Gott mit ihren Feinden ein Ende macht. Für uns ist das weit weg, und ich hoffe und bete, dass Gott uns diese Momente erspart. Das ist das Extrem. Und wenn ihr je auf solche Stellen stoßt, versucht zu glauben, dass es im Leben von Christen Momente gibt, wo genau das passt.
Wir, die wir woanders leben, haben andere Möglichkeiten. Zwei Aspekte, wie man heilige Verachtung leben kann. Der erste Aspekt stammt aus dem Epheserbrief. Epheser 5,8 und dann springe ich zu Vers 11 beschreibt Paulus, wo wir herkommen. Er sagt: Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn; wandelt als Kinder des Lichts. Wir gehören zum Licht, wir gehören zur Wahrheit, wir gehören zu Gottes Wort, wir folgen Jesus nach. Wandelt im Licht, tut das Gute.
Wenn wir das tun, dann heißt es in Vers 11: Und habt nichts gemein mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, sondern, Punkt eins, bloßstellt sie vielmehr. Also eine Möglichkeit, heilige Verachtung zu leben, ist, das Böse bloßzustellen.
Was heißt bloßstellen? Na ja, das heißt, wir sind Kinder des Lichts, wir leben nicht nur anders, sondern wenn mich jemand fragt: Warum machst du das nicht? Ja, bloßstellen. Versteht ihr, bloßstellen hat sowas Fieses. Es hat sowas, ich habe mal ein paar Beispiele mitgebracht.
Wie, du hast das Finanzamt auf den Fehler hingewiesen, dass sie dir tausend Euro zu viel rückerstattet haben? Klar, ich bin doch kein Betrüger.
Wie, du hast vor deiner Ehe nicht mit deiner Freundin geschlafen? Klar, ich bin doch kein Unzüchtiger.
Wie, du gehst jeden Sonntag in den Gottesdienst? Klar, ich bin doch kein Heide.
Wie, du hast dich bei deinen Kindern dafür entschuldigt, dass du laut geworden bist? Klar, ich bin doch keiner, der seine Fehler verstecken muss.
Versteht ihr, ja, dieser zweite Nachsatz ist bloßstellen. Es ist dieser Schritt mehr. Ich zeige dem anderen, dass das, was er von mir verlangt, etwas ist, was ich nur bäh finde. Das will ich nicht. Damit will ich nichts zu tun haben. Ich mache es nicht nur. Ich bin nicht nur im Licht unterwegs, ich wandle nicht nur im Licht, und dann kriegt das, was weiß ich, meine Frau vom Finanzamt oder meine Freundin oder die Geschwister im Gottesdienst oder mein Kind mit, sondern wenn jemand konkret kommt, stelle ich es bloß.
Ich mache das nicht pampig, ich will den anderen auch nicht entehren, ich will nur deutlich sagen: Das, was du da ansprichst, damit will ich einfach gar nichts zu tun haben.
Wisst ihr, das ist in etwa so: Ich war Hausmeister. Und wenn der Winter weg ist und der Schnee schmilzt, bleibt der Kot liegen. Da musste man früher immer so zwei Tüten voll Kot aufsammeln. Und so ähnlich. Das war mein Job, weil meine Frau das nicht machen wollte. Und dann gehst du mit deiner Plastiktüte und deinem Handschuh da und manche so ein bisschen fester. Das machst du, wenn es noch leicht unter null Grad ist, das wäre super, dann kann man das besser aufwenden. Aber ich will damit nichts zu tun haben. Lass dich mit deinem Leben in Ruhe, ich will das nicht, ich finde das widerlich, ich finde das absolut widerlich. Das ist bloßstellen.
Und das ist eine Möglichkeit, wie wir heilige Verachtung leben können. Wir sind dazu berufen, die Werke der Finsternis, die tarnen sich manchmal als Spaß oder als Wahrheit oder die verstecken sich hinter Zeitgeist und hinter Mainstream, das machen doch alle so, ja klar, wir sind dazu berufen, die bloßzustellen. Du bist nicht dazu berufen, Menschen an der Stelle bloßzustellen, also sei vorsichtig. Aber du darfst schon mal deutlich sagen: Nee, sowas Blödes, ey, ich bin doch nicht verrückt.
Hallo, wo kommen wir denn da hin? Mann, ich brauche jeden Futzel Segen, den Gott mir geben kann. Ich bin doch nicht verblödet wegen diesen, was weiß ich, wegen den paar Kröten da Gott gegen mich aufzubringen. Wie bescheuert kann man denn da sein? Einfach mal deutlich machen, damit die unfruchtbaren Werke der Finsternis, in dem, was das Böse will, das Menschen tun, das ist da steckt Unfruchtbarkeit drin, das bringt niemandem was, da steckt Unbrauchbarkeit drin, da steckt Falschheit drin, und wir dürfen, und ich glaube, wir sind dazu berufen, das beim Namen zu nennen: Das taugt nichts.
Eine Möglichkeit: Pack die unfruchtbaren Werke der Finsternis in die Schmuddelecke, wo sie hingehören. So eine Möglichkeit, wie man das machen kann. Seid vorsichtig damit, aber macht es. Zeigt: Ja, will ich nicht.
Zweite Möglichkeit, die ist genauso schön: Auslachen! Also das eine ist bloßstellen, das andere ist auslachen. Das Böse ist real. Das Böse hat Macht, aber das Böse hat nicht das letzte Wort.
Was ist der größte Feind des Menschen? Ich habe den Eindruck, das merkt man erst, wenn man auf fünfzig zugeht, also zumindest kommt der Gedanke, dass das wirklich ein Feind ist, jetzt erst langsam in mein Gedächtnis. Es ist erstaunlich. Es ist der Tod. Und der Teufel benutzt den Tod in allen seinen Facetten, um immer wieder die gleiche Frage an den Menschen zu stellen. Die Frage lautet: Sag mal, kannst du Gott wirklich vertrauen? Schau doch mal, was Gott alles in deinem Leben zulässt, wie viel Leid da ist, und am Ende kommt der Tod, oder wenn es nicht dein Leben ist, das Leben der Leute, die du magst, schau mal, was Gott da alles zulässt. Kannst du Gott wirklich vertrauen?
Und die Frage ist gut, weil wenn wir keine Perspektive haben vom Kreuz her, dann sind wir geneigt, die Frage mit Nein zu beantworten. Nein, ich kann Gott nicht vertrauen. Ich brauche das Kreuz, ich muss wissen, dass Jesus für mich gestorben und auferstanden ist, damit ich den Tod und seine kleinen Tödchen, so die kleinen Tode, die es im Leben gibt, wo eine Beziehung stirbt, wo Gesundheit stirbt, ein Traum zerplatzt, ich eine Bewerbung nicht durchkriege oder eine Prüfung nicht schaffe – das sind so kleine Tode –, ich brauche das Kreuz und ich brauche Jesus, ich muss wissen, wie sehr er mich liebt, damit ich mich hinstellen kann, um dem Tod und seinen Verbündeten mitten ins Gesicht zu lachen.
Ich weiß nicht, ob ihr das manchmal tut. Es ist eine Frage der Perspektive. Das heißt, es mag sein, dass wir hier diesseits der Ewigkeit eine Weile leiden müssen. Aber mal ganz ehrlich, und jetzt lese ich euch eine Stelle aus dem Ersten Korintherbrief vor: 1. Korinther 15,54: Wenn aber dieses Vergängliche Unvergänglichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird ...
Also, wenn wir wirklich glauben, dass dieses Leben nicht alles ist, wenn wir wirklich glauben, dass einer für uns gestorben und auferstanden ist und uns einlädt, mit ihm durch den Tod hindurch zu rauschen, wie so ein ICE durch Kleinkleckersdorf einfach durch, wenn das unsere Hoffnung ist, wenn wir wissen, dass alles, was wir hier an Tod erleben, nicht ins Gewicht fallen wird gegenüber der Herrlichkeit, die einmal an uns geoffenbart werden soll, wenn wir wissen, wir sind so tief in Christus mit Gott verwoben, dass uns nichts und niemand mehr aus dieser Hand rauben kann, wenn aber dieses Vergängliche Unvergänglichkeit anziehen und diese Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: Verschlungen ist der Tod in Sieg.
Und jetzt kommt das, was ich mit Auslachen meine: Wo ist, Tod, dein Sieg? Haha, du kriegst mich nicht, du kriegst mich nicht. Wo ist, Tod, dein Stachel? Versteht ihr, Stachel? Skorpion, das ist das Bild dahinter. Irgendwas piekst, es tut arg weh und du stirbst. Haha, du brauchst die richtige Perspektive aufs Leben, dann kannst du all den Dingen, die dir hier begegnen, du wirst trotzdem heulen, Leid bleibt Leid, Sorge bleibt Sorge, Verlust bleibt Verlust, aber du trittst einen Schritt zurück und sagst: Warte mal, das ist ja nur Qualifying, das ist ja noch nicht mal die Hauptrunde, da ist ja noch gar nichts passiert eigentlich. Hey, ist ja super!
Und diese Perspektive, dieses: Weißt du was, Tod, du willst mir Angst machen, du mir? Das ist nicht dein Ernst, oder? Tod, du willst mir Angst machen? Hallo, weißt du nicht, mit wem du es zu tun hast? Weißt du nicht, wer vor dir steht? Weißt du nicht, wem ich angehöre? Weißt du nicht, was mein Herr dir angetan hat, Tod? Weißt du nicht, dass er dich geschnappt und dass er dich zerbrochen hat, dass er dir jede Macht geraubt hat? Ich werde mich doch von dir nicht einschüchtern lassen. Wo kommen wir denn dahin? Also, hallo, das geht ja gerade gar nicht, oder?
Und das ist, was ich meine, wenn heilige Verachtung auf dieses Leben trifft. Der Tod möchte mir Angst einjagen, er möchte mich umbringen, aber er kann es nicht. Wenn du ein Bild brauchst, wir haben gerade Weihnachten, der Tod ist von Jesus geknackt worden wie so eine Walnuss in so einem Maul von so einem großen Nussknacker. Kennt ihr die Dinger? Das steckt ins Maul, nur ... Das hat man heute, glaube ich, gar nicht mehr so. Aber ich habe die früher als Kind noch gehabt. Es sah so aus wie so ein Männchen, und da hast du vorne in das große Maul die Walnuss reingetan und dann hast du hinten gedrückt, und als Kind hast du ein bisschen draufgehauen, bis es endlich knack gemacht hat. Und das ist das, was an Golgatha passiert ist. Da ist der Tod geknackt worden wie so eine Walnuss.
Und deswegen die läppischen Versuche des Teufels, mir ein Bein zu stellen, mir Angst einzujagen, man, man, man – ach, das ist doch albern! Und wenn mir der Tod schon keine Angst mehr macht, ja, wie viel weniger die kleinen Geschwister Lüge, Mutlosigkeit, Krankheit, Trauer, Sorge.
Und wisst ihr, im konkreten Fall ist mir natürlich nicht zum Lachen zumute, ist doch logisch. Aber mein Tipp: Gönn dir mittendrin, mitten im Leid, gönn dir eine Portion gehässiges Grinsen. Ich weiß, das klingt nicht christlich, aber ich sage es trotzdem so. Stell dir einfach, wenn du mittendrin bist, ich hatte vorgestern plötzlich meine Hüfte anwehen, ich dachte: Bläh, du humpelst da immer so vor dich hin. Gönn dir, während du merkst: Ja, mein Verfallsdatum ist abgelaufen. Ich verstehe es, es wird jetzt immer öfter so sein. Der Prediger sagt das auch, ihr werdet keinen Spaß am Altwerden haben, okay, es fängt langsam an. Gönn dir mittendrin, während du dafür betest, dass es wieder besser wird, und während du dich ... gönn dir dieses gehässige Grinsen. Weißt du was, Teufel, das wird in der Ewigkeit null Rolle spielen, ja?
Best Case kriegst du noch dreißig Jahre Hüftschmerzen. Das ist schon das Beste, was du noch rausholen kannst. Vielleicht sind es vierzig oder muss ich schon richtig alt werden. Aber mehr kriegst du nicht, mehr kriegst du nicht, Ende. Und das meine ich: diese heilige Verachtung auf die plumpen Versuche der Gegenseite, uns aus der Bahn zu werfen, dieser Blick nach vorn und zu sagen: Ich freue mich auf den herrlichen Tag, wenn ich dem Herrn begegnen werde, wenn ich der Trauer verschlingenden Liebe Gottes begegnen werde. Und diese Freude nehme ich und lasse sie einfließen in Zeiten, die von Verlust geprägt sind, von Enttäuschung, von Schmerz.
Das Böse hat Macht, aber es hat nicht das letzte Wort. Das war es so ziemlich, was ich sagen wollte. Und ich fasse das nochmal, dieses zweite Fazit, kurz zusammen. Wir steigen ein in die heilige Verachtung des Bösen, wenn wir einerseits das Böse bloßstellen und wenn wir letztlich diese lächerlichen Einschüchterungsversuche des Teufels aus einer ewigen Perspektive heraus betrachten und verlachen. Wir machen beim Bösen einfach nicht mit. Wir lassen uns vom Bösen nicht in die Knie zwingen.
Und was hilft dabei? Und das ist eben das Komische: heilige Verachtung. Zu sagen: Das ist blöd, das taugt nicht, das ist einfach doof, das ist widerlich, diese feste Überzeugung: Das will ich nicht.
Bis dahin das zum Thema Verachtung. Ich habe noch einen Satz, den ich sagen muss: Es gibt noch etwas, was in diese Kategorie „Wie lebe ich heilige Verachtung“ hineingehört? Das werde ich in zwei, drei Wochen predigen, an anderer Stelle. Wenn ihr also sagt: Mich interessiert dieses Thema, dann hört euch bitte auf Frogwords folgende Predigt noch an, die heißt „Angeberei für Fortgeschrittene“ oder „sich seiner Schwachheiten rühmen“. Das ist auch noch so, und das gehört auch noch in diese Thematik mit rein. Es war nur viel zu groß, um jetzt zu sagen, wir schieben das noch hinterher. Aber wenn ihr merkt, ich muss das nochmal nacharbeiten, geht auf Frogwords, ihr findet das komplette Skript auf Frogwords. Ihr könnt das einfach herunterladen, durchlesen, überlegen: Wo stehe ich? Habe ich dieses Gottesbild, dass Gott wirklich heilig sein darf, und habe ich verstanden, dass ich im Blick auf Sünde da seine Antipathie voll teilen darf und dass es da Momente oder auch Möglichkeiten gibt, auch mal so ein bisschen gehässig zu sein?
Also für alle, die das immer schon sein wollten, ist erlaubt. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.