
Ich freue mich, hier zu sein. Früher saß ich auch immer dort, wo ihr jetzt sitzt. Ich bin immer zu JuMiKo gekommen und war nach dem Abitur ein Jahr lang in Afrika mit Coworkers als Lernhelferin in einer Missionsfamilie.
Genau, diese Zeit war sehr, sehr wertvoll.
Seid ihr bereit? Dann würde ich sagen, ich bete noch kurz, und dann starten wir.
Ja, Jesus, es ist gut, heute hier zu sein. Ich danke dir, dass vor allem du hier bist.
Ich bete, dass du durch dein Wort zu uns sprichst, dass du uns ein Herz für dein Wort gibst und ein Wort für unser Herz. Du weißt genau, was du heute jedem von uns sagen möchtest.
Wir wollen das erwarten und darauf vertrauen, dass du es tust. Amen!
Die Frage nach echtem Commitment
Ja, committed – wie committed bist du wirklich, wenn es darum geht, was Jesus über Nachfolge sagt?
Als im letzten Jahr im September dieses Thema Yumiko bei mir hereingeflattert ist, hat es mich sehr angesprochen. Zu dieser Zeit habe ich gerade überlegt, welche nächsten Schritte in meinem Leben anstehen. Dabei habe ich mich wirklich gefragt: Wie committed bin ich eigentlich wirklich?
Wenn Jesus mich jetzt rufen würde, alles aufzugeben und zum Beispiel in ein anderes Land zu gehen, würde ich das tun? Wäre ich wirklich bereit, meine Zelte abzubrechen? Wäre ich bereit, etwas Außergewöhnliches zu tun? Was wäre ich bereit, für Jesus zu geben oder hinter mir zu lassen?
Denn als Jesus die Jünger berufen hat, hat er im wahrsten Sinne des Wortes gesagt: „Komm mit!“ Und sie haben es getan, sie sind mitgegangen.
Bin ich bereit, mein bequemes Sofa, das ich so liebe, zu verlassen? Ich liebe mein Leben so, wie es ist. Sonst sähe es ja nicht so aus. Aber ja, ich habe schon das Gefühl, dass man es sich als Christ bei uns recht bequem machen kann. Wir engagieren uns in der Jugendarbeit vor Ort, machen bei Aktionen mit und ja, wir meinen es schon ernst mit Jesus, oder? Wir sind committed, wir gehen ja sogar auf die Yumiko.
Aber wie committed sind wir wirklich, wenn es um ganz konkrete Schritte geht? Wenn wir für etwas gefragt werden, das vielleicht nicht so bequem ist, wenn es uns etwas kostet? Wäre ich bereit, auch ein ganz anderes Leben zu führen?
Wie nachfolgebereit sind wir?
Die radikale Nachfolge der Jünger
Die Jünger waren bereit, Jesus nachzufolgen. Sie folgten ihm ganz praktisch und unmittelbar. Wenn man sich das einmal genau überlegt, ist das wirklich beeindruckend. Es bedeutete, dass sie so gut wie alles hinter sich ließen: ihren Arbeitsplatz, ihre Familie, ihre Freunde und ihre Hobbys.
Ob Jesus ihnen versicherte, dass sie irgendwann wieder nach Hause zurückkehren oder Besuche machen könnten, steht nicht in der Bibel. Dort steht nur, dass sie mit Jesus zusammen waren. Sich diesem Rabbi anzuschließen, bedeutete, dass ihr Leben komplett umgekrempelt wurde. Sie würden mit ihm gehen, um so zu werden wie er, von ihm zu lernen und alles, was möglich war, von ihm abzuschauen. Sie folgten ihm überall hin und lebten so, wie er lebte.
Die Einheit im anderen Raum trägt die Überschrift „Obdachlos, arm und Single“. Genau das erwartete die Jünger. Sie würden mit Jesus umherreisen, ohne Hotel, maximal mit einem Zelt. Ich habe mir einmal eine aufblasbare Matte für Zeltlager gekauft – das war die beste Investition. Die Jünger hatten so etwas nicht. Auch hatten sie keinen gut bezahlten Job und verhandelten nicht um ein besseres Gehalt. Sie folgten Jesus in ein einfaches Leben.
Keine schicke Karre, sondern Wandern – wie stehst du zum Wandern? Jeden Tag in Sandalen über staubige Wege zu gehen und dabei mit allen möglichen Menschen konfrontiert zu werden. Die Komfortzone zu verlassen, immer wieder in Menschenmassen zu geraten, mit schweren Schicksalen konfrontiert zu sein und nie zu wissen, wo man morgen sein wird.
Da stellt sich die Frage: Warum sind sie mitgegangen? Was war so attraktiv daran, dass sie bereit waren, das alles auf sich zu nehmen? Was war ihr Grund?
Die Motivation zur Nachfolge
Ja, was war dein Grund, Jesus nachzufolgen? Ich vermute Folgendes: Wenn du Jesus erkannt hast, kannst du nicht anders. Wenn du geschmeckt hast, wie er ist und wie gut er ist, willst du einfach mit ihm sein. Du willst mit ihm gehen und bei ihm bleiben, auch wenn du nicht genau weißt, was sein Plan mit dir ist.
Und das ist okay. Die Jünger wussten das auch nicht. Jesus hat ihnen nämlich keine Landkarte in die Hand gedrückt, sondern er gab ihnen seine Führung. Ich glaube, so gibt er auch uns keinen Fünfjahresplan – auch wenn das manchmal cool wäre. Er zeigt uns höchstens den nächsten Schritt.
Warum? Weil es vor allem darauf ankommt, dass wir in Beziehung mit ihm sind. Ich glaube, das ist das größte Ziel, das Jesus für uns hat: dass wir mit ihm verbunden sind, dass wir in Abhängigkeit von ihm leben – übrigens die einzig gute Abhängigkeit, die es gibt.
Also, was die Jünger mit Jesus erlebt haben und was sie von ihm gehört haben, war so attraktiv, dass sie mitgegangen sind. Ihre Sehnsucht nach mehr davon war größer als ihre Angst vor dem, was kommt. Unterwegs haben sie dann mehr und mehr verstanden, was Nachfolge bedeutet.
Es ist nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen. Es geht nicht nur darum, Wunder zu erleben oder zu Festen eingeladen zu werden – auch wenn es manchmal Wein gab. Es ist auch noch etwas anderes, nämlich mehr als ein chilliges Leben. Bibelverse lettern oder im warmen Gemeindehaus chillen ist nett, aber das ist nur ein Teil dessen, was Leben mit Jesus heißt.
Jesus nachzufolgen ist ein Commitment.
Die Herausforderung der Nachfolge in Lukas 9
Ich habe uns einen Bibelvers mitgebracht, den ich sehr herausfordernd finde. Jesus sagt in Lukas 9,23-24 Folgendes:
sprach aber zu allen: „Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es retten.“
Ja, ich weiß nicht, wie es euch geht, wenn ihr das hört. Ich finde, das ist eine der herausforderndsten Bibelstellen. Auf jeden Fall krass. Wer Jesus nachfolgen will, der soll sich selbst verleugnen und sein Kreuz auf sich nehmen.
Erst mal: Jesus, was bedeutet das überhaupt? Und sieht unser Leben so aus? Verleugne ich mich täglich und nehme mein Kreuz auf mich?
Jesus hat genau das gemacht. Er hat sich selbst verleugnet und ist für uns bis ans Kreuz gegangen. Direkt vor diesem Vers hat Jesus angekündigt, dass er leiden und sterben wird. Sicherlich wäre er lieber vom Kreuz gestiegen, hätte er die Macht dazu gehabt – auf jeden Fall. Aber er ist nicht vom Kreuz gestiegen, sondern hat sein Kreuz auf sich genommen, aus Liebe zu jedem von uns.
Und er sagt, wer ihm nachfolgen will, der muss bereit sein, dasselbe zu tun.
Wenn wir die Apostelgeschichte lesen, dann wissen wir, warum Jesus das sagt. Die Jünger haben es nämlich tatsächlich das Leben gekostet, Jesus zu folgen. Mädels-Bastelabend in der Gemeinde oder Männeraktionstag klingt da schon ein bisschen chilliger, oder? Im Vergleich.
Mein Eindruck ist, dass wir echt committed sind, solange es uns nichts kostet. Den Segen nehmen wir schon gerne, oder? Er hört Gebete, wirkt Wunder, schenkt gute Gefühle und schönen Lobpreis. Und ja, das gehört auch dazu.
Jesus hat gesagt, dass er gekommen ist, um uns Leben in Fülle zu geben – erfülltes, ewiges Leben, schon jetzt hier auf dieser Erde, in ihm. Es ist ein Privileg und eine absolute Freude, zu ihm zu gehören und mit ihm zu leben.
Paulus sagt es ja nicht umsonst: „Freut euch im Herrn allewege, und abermals sage ich euch: Freut euch!“ (Philipper 4,4). Jesus ist unsere Freude, und er schenkt uns so viel Gutes.
Ich habe auch nichts gegen Waschelabende. Aber krass ist, dass Paulus diese Verse über die Freude nicht aus dem Urlaub auf Kreta schreibt, sondern während er im Gefängnis sitzt.
In Deutschland landen wir für unseren Glauben nicht im Gefängnis, aber ja, ich finde die Frage schon berechtigt: Was darf es uns kosten, mit Jesus zu leben? Welchen Einsatz sind wir bereit zu geben?
Gebe ich mich Jesus hin – ganz – oder eben doch nur bis zu dem Punkt, wie es meiner Lebensplanung und meinen Vorstellungen entspricht, meinem Freundeskreis, den ich habe, und meiner Lust?
Was bedeutet Nachfolge?
Ja, das führt mich zu der Frage: Was ist Nachfolge eigentlich? Ich glaube, dass es letztendlich die Frage ist: Was bedeutet es, Christ zu sein?
Wie würdest du sagen, was es eigentlich heißt, Christ zu sein? Bedeutet es, dass man in den Jugendkreis geht oder in die Kirche? Bedeutet es, dass man ein besserer Mensch wird oder dass wir uns anstrengen, so zu werden und zu sein wie Jesus? Nein, zu all dem nein.
Christ sein heißt, dass wir unser Leben in die Hände von Jesus geben. Er ist ab jetzt der Chef, nicht mehr ich. Dazu gehört auch die Bereitschaft, erstens mich selbst zu verleugnen, zweitens mein Kreuz auf mich zu nehmen und ihm zu folgen.
Falls ihr jetzt immer noch Fragezeichen im Gesicht habt, wie man das verstehen soll – mir ging es auch so in der Vorbereitung. Ich bin dann auf einen Vers gestoßen, der für mich der Schlüssel war, diese Worte von Jesus zu verstehen.
Ein Vers, den ihr vielleicht auch kennt, steht in Galater 2,20. Da schreibt Paulus Folgendes: „Ich bin mit Christus gekreuzigt. Nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich gegeben hat.“
Christsein bedeutet laut Paulus in diesem Vers, dass Jesus in uns lebt und mein Ego mit Jesus gekreuzigt ist. Mit anderen Worten: Wir haben uns auf das Abenteuer eingelassen, dass unser Ich jeden Tag stirbt und Christus in uns leben darf. Er gewinnt mehr und mehr Gestalt in uns.
Oder mit den Worten von Jesus gesagt: „Wer mir nachkommen will, der verleugnet sich selbst täglich.“ Also nicht mehr: Ich bin jetzt, habe nur noch mich selbst zum Ziel, sondern es gibt einen anderen Dreh- und Angelpunkt in meinem Leben. Nämlich meinen Herrn Jesus Christus, der mich so sehr liebt und alles für mich gegeben hat.
Die wahre Bedeutung des Sich-Verleugnens
Und genau das ist der Punkt. Ich finde, genau hier entscheidet sich alles.
Sich selbst zu verleugnen klingt zunächst negativ, beängstigend und unangenehm. Es fühlt sich an, als müsste man sich zurücknehmen und gar nicht mehr existieren. Wenn ich mich jemand anderem überlasse und dieser andere entscheidet, dann kann das doch nur schlecht für mich sein, oder?
Aber dieser Herr ist kein Tyrann und kein Sklaventreiber. Er ist nicht der schlechte Hirte, sondern der Gute. Ich habe einen guten Hirten zum Herrn. Nicht mehr ich bin der Dreh- und Angelpunkt meines Lebens, sondern mein Herr Jesus. Jetzt kommt’s: Er liebt mich so sehr und hat alles für mich gegeben. Das ist der Grund.
Genau deswegen kann ich mein Leben getrost in seine Hände legen. Sich selbst zu verleugnen heißt nicht, dass ich nicht mehr wichtig bin. Im Gegenteil, ich bin Jesus sehr wichtig. Es bedeutet vielmehr, dass ich mich mit allem, was ich bin, in die vertrauenswürdigen Hände des Mannes lege, der am Kreuz sein Leben für mich gegeben hat, der alles für mich vollbracht hat und der es liebt, etwas scheinbar Unmögliches zu tun – nämlich in mir zu leben, so dass mein Leben mehr und mehr seinem entspricht.
Nicht ich muss von mir aus Christ sein oder christlich leben, sondern er will sein Leben in mir und durch mich leben. Ich sage immer gern: Wo „Christ“ draufsteht, da sollte auch Christus drin sein. Sonst ist es eine Mogelpackung.
Wenn du sagst, dass du Christ bist, aber dein Leben aus dir selbst heraus lebst, dann vermute ich, dass sich dein Christsein vielleicht anstrengend, ermüdend oder manchmal auch langweilig anfühlt. Weil du es aus dir heraus lebst und nicht aus der Kraft von Jesus.
Es gibt einen Fackelträgerspruch, den ich sehr cool finde. Er heißt: „Christ sein ist nicht leicht, es ist unmöglich.“ Es ist unmöglich, weil du es nicht aus dir selbst kannst. Und das Gute ist: Du musst es auch nicht, denn es ist gar nicht so gedacht.
Jesus will in dir leben. Er will deine Quelle für alles sein – deine Freude, deine Liebe, deine Freundlichkeit, deine Kraft. Du bist eingeladen, nach dem Motto zu leben: „Ich kann es nicht, aber du, Herr, lebe in mir.“
Christ sein ist also nicht in erster Linie etwas, was du tust, sondern etwas, was du empfängst.
Hans-Peter Reuer, den ich in meiner Jugend viel gehört habe, hat mal gesagt – ich habe das irgendwie noch im Ohr, sogar mit seinem Dialekt: „Du ziehst jeden Morgen den Herrn Jesus an und fragst: ‚Herr, was werden wir heute tun?‘“
Ich denke, ich könnte vermuten, dass Jesus genau das meint, wenn er sagt, dass wir uns selbst verleugnen sollen: „Herr, was ist dein Wille heute für mein Leben? Es soll nicht um mich gehen, sondern um dich.“
Die Haltung des Abnehmens und Wachsens
Johannes der Täufer hat es sehr treffend auf den Punkt gebracht in Johannes 3,30: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“
Es ist eine gute Übung, sich das manchmal bewusst zu machen. Morgens habe ich mich oft hingestellt und gesagt: „Jesus, erfülle du mich, mehr von dir und weniger von mir.“ Dabei habe ich immer gemerkt, dass eine Freude in mir aufkommt. Das ist nichts Schlimmes, sondern etwas sehr Schönes.
Was zunächst vielleicht schlimm klingt – nämlich sich selbst zu verleugnen, wie es im Vers vorher heißt – ist am Ende das Beste, was uns passieren kann. Wir geben unser Ego hin, aber was wir gewinnen, ist Jesus, der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Unser Ego verfolgt oft sehr selbstsüchtige Ziele. Christus dagegen hat so viel bessere Ziele für uns. Jesus ist die absolute Freundlichkeit, pure Liebe. Er ist geduldig, gütig, vergibt, ist treu, beherrscht sich selbst und schenkt Frieden.
Wenn Jesus in mir zunimmt, dann nehmen all diese Eigenschaften in mir zu. Genau das ist es, was ich mir für mein Leben wünsche. Ich wünsche mir, dass das aus meinem Leben ausstrahlt.
Deshalb wirst du dich nicht verlieren, wenn du dich Jesus hingibst. Du wirst dich gewinnen, denn in der Beziehung zu Jesus ist alles. Dort ist Leben und Fülle. Er ist alles. Mit ihm zu leben ist ein Abenteuer – es ist nicht langweilig.
Manchmal gibt es Momente, in denen ich denke: „Boah, mein Christ, das ist irgendwie zu langweilig.“ Meistens ist das ein gutes Zeichen dafür, dass ich mich wieder einmal in etwas anderem verloren habe – in Verhaltensregeln oder darin, aus mir selbst heraus zu leben.
Dabei geht es in der Nachfolge um eine lebendige Beziehung zu Jesus. Da passiert etwas. Du lebst in ständiger Verbindung und Verbindung mit ihm. Das ist eigentlich nicht langweilig.
Das ist kein verschlafenes Christenleben, das vor sich hindümpelt. Es ist engagiert, wach und aktiv. Du stellst Fragen wie: „Wo willst du mich heute haben? Was werden wir heute tun, Herr? Was willst du durch mich tun? Was liegt dir auf dem Herzen?“
Du verbindest dich mit ihm, und das ist etwas Aktives – etwas, das den ganzen Tag über ständig passiert.
Die Herausforderung und Verheißung der Nachfolge
Wenn jemand mir nachfolgen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.
Jesus sagt, wenn wir unser Leben um seinetwillen verlieren, gewinnen wir es. Wenn wir uns ihm hingeben und er Herr in unserem Leben sein darf, ist das unser Gewinn. Ob unser Leben hier in Deutschland in normalen Bahnen verläuft und wir innerlich Prozesse durchlaufen, in denen wir Jesus mit hineinnehmen, ihn Herr sein lassen, uns zurückstellen und ihm den Vorrang geben, oder ob unser Leben wegen ihm konkret in Gefahr gerät und wir es tatsächlich verlieren – wir werden es gewinnen.
Paulus sagt in Philipper 1,21: Christus ist mein Leben, Sterben mein Gewinn. Paulus war bereit, Jesus sein Leben zu geben, selbst wenn es ihn das Leben kosten würde. Für ihn bedeutete das Opfer und Entbehrung. Wir wissen bereits, dass er oft im Gefängnis war, verfolgt und geschlagen wurde. Doch Paulus setzte auf das richtige Pferd und sammelte die wahren Schätze.
Er hätte auch ein ganz anderes Leben führen können, eines, das viel entspannter gewesen wäre. Er hätte seinem Ego folgen und nach allen möglichen Befriedigungen suchen können. Aber seine Erfahrung war: In Christus ist mein Leben – dort ist wahres Leben. Es gibt nichts Größeres, für das es sich zu leben lohnt. Das Füttern meines Egos erfüllte mich nicht so, wie Christus es kann. Und selbst wenn ich um Christi willen sterbe, ist es mein Gewinn.
Er schreibt auch in Philipper 3,8: Ja, wahrlich, ich achte alles für Schaden gegenüber der alles übertreffenden Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Alles andere ist nicht viel wert. Um seines Willen habe ich alles eingebüßt. Das hat Paulus viel gekostet, und er hält es für Dreck, damit er Christus gewinnt und in ihm erfunden werde. Das war seine Erfahrung.
Wenn wir unser Leben retten wollen, also auf uns selbst setzen – auf unsere Ziele, Wünsche, darauf, uns einen Namen zu machen, unsere Sicherheit zu schützen oder ein egoistisches Leben zu führen – dann setzen wir auf das falsche Pferd. Damit ist nichts gewonnen, wir werden dadurch verlieren.
Aber wenn wir auf Christus setzen, egal was es uns kosten mag, dann haben wir uns für den richtigen Schatz entschieden und werden unser Leben retten.
Die Herausforderung des Alltags und der echte Anspruch Jesu
Ich finde es ziemlich fair von Jesus, dass er uns sagt, dass es nicht unbedingt unsere Beliebtheit oder unsere Selbstverwirklichung und Sicherheit steigern wird, wenn wir zu ihm gehören.
Die entscheidende Frage ist deshalb: Gehe ich meinen Weg mit Jesus, egal durch welche Situationen und egal wohin? Wie committed sind wir wirklich? Bin ich, wenn es darauf ankommt, wirklich so committed, wie ich meine oder sage, es zu sein?
Ja, wir sind vielleicht nicht so in Gefahr wie andere Christen, die größeren Herausforderungen gegenüberstehen. Ich denke, wir sollten uns eher andere Fragen stellen. Zum Beispiel: Können wir unseren Stolz loslassen? Kann ich meine schlechten Angewohnheiten ablegen? Bin ich bereit, meinen Glauben mutig zu bekennen und dafür auch Nachteile in Kauf zu nehmen?
Welchen Anspruch darf Jesus eigentlich auf mein Leben erheben? Ich habe ihm mein Leben gegeben – bedeutet das nicht auch, dass er in meine Berufswahl sprechen darf, in meine Partnerwahl und dass ich auch meine Wünsche und Träume innerlich in seine Hände lege?
Ich durfte schon erleben, dass Gott mir Wünsche und Träume schenkt und dass er manchmal aus dem Nichts etwas in mein Leben hineinbringt, wofür ich mich weder beworben habe noch etwas dafür getan hätte. Aber ich erlebe auch, dass Jesus es manchmal nicht tut.
Und was ist dann? Bleibe ich dann fröhlich in der Beziehung mit ihm – um seines Willen – wenn es anders kommt, als ich dachte?
Ich finde die Frage richtig gut: Suche ich den Geber oder die Gaben? Geht es mir um Gott oder nur um die Segnungen? Und falls diese ausbleiben oder eben anders aussehen, kündige ich dann mein Commitment und gehe enttäuscht weg?
Ich finde, das ist wirklich ein Thema.
Enttäuschung und Vertrauen in der Nachfolge
Also, mit Anfang 20 gab es eine Situation, in der ich sehr überfordert war. Ich hatte eine klare Vorstellung davon, wie alles laufen würde und wie Gott mich führen würde. Ich vertraute voll und ganz darauf – doch dann kam alles ganz anders.
Was für mich noch schlimmer war als die Tatsache, dass es anders kam: Ich fühlte mich von Gott enttäuscht. Das hatte ich vorher noch nie erlebt. Ich kannte niemanden, der mir gesagt hätte, dass er von Gott enttäuscht war. Ich dachte sogar, dass man das nicht darf, dass es irgendwie falsch ist und man dieses Gefühl eigentlich wegmachen muss. Rückblickend weiß ich heute, dass ich mich vor allem selbst getäuscht habe. Aber damals war das mein Gefühl: Ich war so enttäuscht von Gott, und es tat sehr weh.
Wisst ihr was? Genau so kann es uns gehen. Wir können von Gott enttäuscht sein. Das bedeutet nicht, dass mit uns oder unserem Glauben etwas falsch ist. Schau mal in die Bibel, lies die Psalmen – dort findest du Worte enttäuschter Menschen. Es ist eine reale Erfahrung, dass wir Gott nicht immer verstehen, aus welchen Gründen auch immer.
Als es mir damals so ging, hatten wir im Jugendkreis einen Missionar aus Südkorea zu Gast. So etwas kommt nicht oft vor, aber diesmal war es so. Ich erinnere mich noch genau, wie er in seinem Vortrag plötzlich erzählte, dass er in einem Bereich von Gott enttäuscht war. Ich hörte das und dachte: Was? Du? Einem Missionar geht es so? Das kann doch fast nicht sein! Wie gesagt, ich hatte so etwas vorher noch nie von jemandem gehört. Plötzlich hörte ich besonders aufmerksam zu.
Und das war Balsam für meine Seele.
Das Leben, gerade wenn wir es mit Jesus ernst meinen, ist nicht immer einfach. Mein Eindruck ist auch, dass man manchmal genau deswegen kämpft, weil wir Gott vertrauen wollen. Manche Dinge kommen anders als erwartet, und ich glaube, damit müssen wir auf dieser Erde rechnen. Das hier ist noch nicht der Himmel.
Ich glaube, es hilft, das einzukalkulieren und offen dafür zu sein. So gehen wir im Fall der Fälle nicht enttäuscht weg, sondern gehen, auch wenn es schwerfällt, mit Jesus weiter. Wir können sagen: Jesus, ich verstehe das gerade nicht, aber ich habe dich schon so oft erlebt, dass du es gut mit mir meinst. Ich habe dir mein Leben gegeben, es ist in deiner Hand. Du bist immer noch der gute Hirte. So will ich auch jetzt vertrauen, dass du einen Weg für mich hast.
Nachfolge bedeutet nicht nur Freude, sondern auch Leiden
Nachfolge ist nicht nur „happy clappy“. An der Stelle heißt es ja auch nicht, dass Jesus sagt: „Wenn jemand mir nachkommen will, werde ich alle seine Wünsche erfüllen.“ Es steht nicht da, dass er alles zum Guten lenkt, wenn man nur genug betet.
Manchmal scheint es mir, dass wir als junge Christen denken, es stünde so, weil wir uns gerne diese schönen Bibelverse an die Wand hängen, die uns scheinbar bestätigen. Ja, es ist die absolute Wahrheit: Jesus ist der gute Hirte. Er hat gute Absichten mit uns, und sein Wille für uns ist gut.
Aber das heißt nicht, dass wir keinen Schmerz oder keine Tränen erleben werden. Herzen und Knochen können brechen. Uns wird nicht immer das Wasser den Berg hochlaufen. Wir dürfen Wunder erleben, ja. Aber wenn Jesus davon spricht, dass wir uns verleugnen und unser Kreuz auf uns nehmen sollen, dann kann das auch bedeuten, dass es nötig ist, unsere eigenen Vorstellungen immer wieder zurückzunehmen.
Wir müssen täglich unseren eigenen Weg loslassen und offen für seinen sein. Ja, auch das Leiden kann Teil unseres Weges sein. Krankheiten können auch Christen treffen. Wir können Menschen verlieren, und Gott erhört unsere Gebete nicht immer so, wie wir es uns wünschen.
Wir widmen uns nicht nur unseren Lieblingstätigkeiten, sondern sind auch bereit, Menschen wirklich zu dienen – Klos zu putzen oder Jesus vielleicht noch mehr von unseren Finanzen zur Verfügung zu stellen. Wir lieben nicht nur die, die uns lieben, was ja einfach ist, sondern auch die anderen.
Wir bleiben offen, wenn wir wieder in die Schule gehen, für den nervigen Mitschüler, der nicht immer einfach ist, oder für die anstrengende Kollegin auf der Arbeit. Auch in diesen Momenten ziehen wir durch und bleiben dem Weg und der Art von Jesus verpflichtet – gerade dann, wenn es nicht einfach ist und uns wirklich etwas kostet.
Unserem Ego, unseren Wünschen und unserem Stolz zu sterben, unser Kreuz auf uns zu nehmen, ist nicht einfach. Es hat immer mit Loslassen zu tun, mit der Bereitschaft, sich Jesus hinzugeben, sich zurückzunehmen, den Geber über die Gaben zu stellen und seiner Spur zu folgen statt „my earthly pleasures“.
Aber uns in Gottes Hand zu geben, wird immer das Beste sein, was wir tun können. Seinen Willen zu suchen, wird immer das Richtige sein. Er ist der gute Hirte. Er ist dein Hirte.
Die Frage nach dem persönlichen Commitment
Wie steht es um dein Commitment? Bist du bereit, dich selbst zu verleugnen, dein Kreuz auf dich zu nehmen und Jesus hingegeben zu leben? Bist du bereit, Dinge loszulassen und seinem Weg sowie seiner Art wirklich zu folgen?
Was ich an diesem Thema so wichtig und tröstlich finde und worauf ich beim Nachdenken am Ende immer wieder komme, ist: Gott sei Dank hängt unser Glaube nicht von unserem Commitment ab.
Als du mich vorher gefragt hast, wie stark mein Commitment ist, habe ich schon gemerkt: Ja, ich bin glaube ich schon committed, aber da ist absolut Luft nach oben. Wenn es allein von meinem Commitment abhängen würde, Leute, vergesst es.
Diese Worte von Jesus helfen total, den Fokus zu schärfen. Aber wenn das die Bedingung wäre, ob wir es schaffen oder nicht, dann wären wir alle verloren. Gott sei Dank ist es nicht so, dass wir uns selbst verleugnen müssen als Bedingung. Es zählt immer allein das, was Christus für uns vollbracht hat – nie unsere eigene Leistung, sondern immer allein er.
Gottes Treue trotz menschlicher Schwäche
Ein Beispiel dafür ist Petrus. Er wollte engagiert sein; so stelle ich mir ihn vor – ein Draufgängertyp. Doch anstatt sich zu verleugnen, wen hat er verleugnet? Jesus.
Und was hat Jesus gemacht? Er hat ihn nicht aus dem Team ausgeschlossen. Er hat ihn auch nicht beschämt und ihm nicht einmal Vorwürfe gemacht. Das finde ich wirklich beeindruckend.
Was hat er zu ihm gesagt? Erinnern Sie sich am See? Er fragte ihn: „Hast du mich immer noch lieb?“ Das war die einzige Voraussetzung. Dann hat sich an seiner Berufung nichts geändert. Er bot ihm weiterhin die Beziehung zu sich an. Das Einzige, was er respektiert, ist der freie Wille von Petrus. Aber wenn Petrus es will, kann er sicher sein: Jesus will ihn auch weiterhin. „Weide meine Lämmer“, sagte er.
In 2. Timotheus 2,13 heißt es: „Gott ist treu, selbst wenn wir untreu sind; denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“ Wie Gott zu uns steht, hängt nicht von uns ab, sondern einzig von ihm und seinem Charakter.
Gott ist treu. Er kann sich selbst nicht verleugnen. Er ist engagiert. Am Kreuz hat er einen Vertrag unterschrieben, und zu dem steht er. „Ich bin dir treu. Ich habe mich für dich gegeben, alles für dich gegeben, im Voraus bezahlt. Es kommt nicht auf dich an, sondern auf mich.“
Auf seinem Engagement steht alles. Es hängt nicht von mir ab, sondern von ihm. Und immer wieder stelle ich fest: Das ist eine so gute Botschaft, oder? Diese Botschaft hat mein Leben verändert – dass es nicht an mir liegt, sondern an ihm.
Die Kraft der Verbindung mit Jesus
Am Ende geht es nicht darum, wie committed wir sind. Commitment ist gut, absolut, aber worauf es ankommt, ist, dass wir mit Jesus verbunden sind. Denn getrennt von ihm können wir nichts tun.
Wir können committed sein, aber wenn es aus eigener Kraft geschieht, wird es irgendwann aufhören oder verpuffen. Im Vergleich dazu wird alles, was aus der Verbindung mit Jesus erwächst, bleibenden Wert haben und zum Segen sein. Leb nicht aus dir, sondern lebe aus ihm und sei gespannt, was er mit dir tun wird.
Als Petrus aus eigener Kraft für Jesus loslegen wollte, ist er dermassen auf die Nase gefallen, weil er nicht aus Christus und seiner Kraft gelebt und vertraut hat. Stattdessen hat er auf seine eigene Kraft und sein Ego gebaut. Aber nachdem er sich selbst gestorben war, nach der Verleugnung, hat er erkannt, dass er Christus braucht.
Habt ihr euch schon mal gefragt, warum die Fischfangsszene zweimal erzählt wird? Einmal am Anfang, als die Jünger berufen werden, und einmal nach der Auferstehung? Beim ersten Mal hat Petrus erkannt, was Jesus tun kann. Beim zweiten Mal hat er erkannt, dass er ohne Jesus nichts tun kann.
Jesus hat nicht gesagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, strengt euch nur ganz arg an, dann werdet ihr Frucht bringen.“ Er hat auch nicht gesagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, wenn ihr nur ständig committed seid, dann wird’s was.“
Nein, was hat er gesagt? Wisst ihr es? „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“ Wer in mir bleibt und ich in ihm.
Unser wichtigstes und wertvollstes Commitment ist und bleibt immer unsere Beziehung zum Herrn. Ihn zu suchen, auf ihn zu schauen, mich an ihm einfach zu freuen, den Tag immer wieder über mit ihm zu connecten – und das kannst du wirklich überall machen. Das ist das Wichtigste und das Schönste.
Und in dieser Verbindung zu bleiben und zu leben, genau in dieser Haltung, die wir vorher schon mal hatten: „Ich kann es nicht, aber du, Herr.“
Abschluss und Gebet
Ich komme zum Schluss. Wie committed bin ich wirklich?
Was ich gemerkt habe, als ich mir diese Frage gestellt habe, ist, dass da eine Sehnsucht in mir war. Eine Sehnsucht danach, hingegeben zu leben, also wirklich da zu sein, wo Jesus mich haben will. Genau das zu tun, wozu er mich gebrauchen will. Kein lauwarmes Christsein zu leben, sondern so eng mit ihm verbunden zu sein, dass mein Christsein nicht langweilig ist, sondern ein Abenteuer, in dem ich ihn erlebe.
Ganz ehrlich: Ist es nicht im Tiefsten unser Wunsch, Jesus zu erleben und von ihm gebraucht zu werden? Ich finde, es gibt nichts Schöneres. Und ich glaube, es beginnt mit einem einfachen Gebet: Jesus, ich gehöre dir, gebrauche du mich.
Ich bete noch mit uns: Jesus, ich danke dir so sehr für diese Erinnerung, dass es nicht um uns geht. Nicht um unseren Willen oder das, was wir irgendwie könnten, auch nicht um unsere Leistung. Es geht in allem um dich.
Ich finde, es ist eine so veränderte Perspektive, dass wir aus dir leben dürfen, du in uns. Wenn wir mit dir verbunden bleiben – das ist das, wo das Leben ist. Und das ist, wo das Abenteuer ist. Dort dürfen wir dich erleben, und dort wollen wir dich erleben.
Ich bete jetzt einfach, dass du uns ganz neu mit dir selbst füllst, mit dem, wer du bist. Dass wir wirklich aufhören, aus eigener Kraft zu leben, aus uns heraus, sondern in dieser Verbindung mit dir sind. Uns an dir freuen, mit dir verbunden sein und aus dieser Verbindung mit dir leben. Dann können wir hinausgehen, fröhlich und uns von dir gebrauchen lassen.
Ja, Herr, wir sind hier mit offenen Händen und wollen dich bitten: Ja, gebrauche du uns. Wir wollen dir zur Verfügung stehen. Danke, dass es nicht auf uns ankommt, sondern auf dich und das, was du zu tun vermagst. Du kannst so viel bewirken, auch in uns und mit uns. Dafür danke ich dir, dass du treu bist und dass alles an dir hängt.
Wir lieben dich, Jesus. Amen.