Richtige Fragen stellen.
Liebe Freunde, zwei Männer sitzen im Gasthaus und haben zu Mittag gegessen,
es kommt der Kellner zum kassieren und fragt den ersten: Was hatten sie?"
– Ein Bier und ein Schnitzel." Da fragt er den zweiten, der sagt: Ich
hatte Hunger und Durst". Um eine Frage richtig zu beantworten, da muss man
sie erst einmal richtig verstehen beziehungsweise sie richtig verstehen
wollen. Von der richtigen Beantwortung bestimmter Fragen hängt im Leben
eine ganze Menge ab.
Im Fernsehen kriegt ja der, der am meisten weiß, den ersten Preis, also zum
Beispiel: Was wissen Sie über die Umweltverschmutzung der Meere?" Antwort:
Ich hab neulich eine Dose Ölsardinen aufgemacht: innen nur Öl, alle Fische
tot."
Im Examen entscheiden deine Antworten darüber, was beruflich aus dir wird.
Da helfen dir dann nicht mehr solche Sprüche wie: Lieber eine Fünf als gar
keine persönliche Note." Sondern da geht's zur Sache.
In der Partnerschaft da entscheiden deine Antworten über das, was aus euch
beiden wird. Denn irgendwann kommt einmal der Tag, an dem dir dein Partner
die Frage stellt, die eine Frage, die Frage, die entscheidende Frage, auf
die alles ankommt, nämlich: Liebst du mich."
Jesu Frage an dich.
Das ist auch die Frage, die Jesus dir stellt. Die Er dir heute stellt, die
Er dir heute durch mich stellt. Also, ich frage dich mal: Liebst du
Jesus?" Ich weiß natürlich, dass viele von euch jetzt bei sich denken, also
so kann man das doch nicht sagen, so kann man das doch nicht fragen. Ja,
warum eigentlich nicht? Ich habe in meinem Leben eine ganze Menge Fehler
gemacht. Aber ein Fehler war bestimmt, dass ich diese Frage manchen Leuten
nicht gestellt habe. Ich habe zum Beispiel mit Vikaren zu tun gehabt in der
Ausbildung.
Ein Vikar, das ist so ein Zwischending zwischen Theologiestudent und
Pfarrer. So eine Art theo-logischer Teenager. So eine Mischung aus
kreativem Chaoten und autoritärer Amtsperson. Ich hab mit diesen jungen
Männern viel diskutiert. Ich hab denen viele Fragen gestellt, ich habe sie
gefragt: warum wollen Sie überhaupt Pfarrer werden? Was haben Sie für eine
Vorstellung, wenn sie später einmal Pfarrer sind? Was wollen Sie dann in
Ihrer Gemeinde als Hauptsache machen und so?
Aber die Frage, die eine Frage, entscheidende Frage, ohne die keiner
Pfarrer sein kann, die worauf es ankommt, die habe ich nicht gestellt. Wenn
ich diese gebildeten, gut ausgebildeten, manchmal auch eingebildeten
Theologen gefragt hätte: Lieben Sie Jesus?", da hätten die vielleicht
gelächelt, vielleicht ein bisschen unsicher auf ihrem Sitz hin und her
gerutscht, es wäre ihnen peinlich gewesen, und sie hätten zu mir gesagt:
Also, so geht das nicht, so kann man das doch nicht sagen. Das ist mir zu
fromm, das ist mir zu einfach, das ist mir zu pietistisch – so kann man das
doch nicht sagen. Also so direkt kann man sowas nicht fragen". Ja warum
eigentlich nicht?
Erstens mal ist es doch eine ganz einfache Frage, die man doch durchaus
beantworten kann, selbst wenn man Theologie studiert hat. Und zweitens hat
Jesus auch diese Frage gestellt. Und zwar gleich dreimal, und zwar dem
Petrus, das war sein engster Mitarbeiter. Der war ja nicht irgendwer. Wer
war Petrus? Petrus war von Haus aus Fischer. Pfoten wie so eine Flunder,
hartnäckig wie eine Schildkröte, der hatte ein Temperament wie eine
Kaulquappe aber eine Seele wie ein Goldfisch.
Und zu dem sagt Jesus eines Tages: Folge Mir nach!" Das war das erste
Wort, das er von Jesus gehört hat. Und dieses eine Wort genügte. Der Mann
steht auf und geht mit Jesus. Lässt alles stehen und liegen, und zieht
jetzt drei Jahre lang mit elf anderen jungen Männern zusammen mit Jesus
durch das Land. Die anderen hielt er für Versager, sich selber hielt er für
den Größten.
Petrus überschätzt sich – und versagt.
Und als die Geschichte mit Jesus anfing, brenzlig zu werden, da er erst mal
großfressig behauptet: Und wenn die anderen Dich alle verlassen, also ich
ganz bestimmt nicht." Und er hat nicht nur große Reden geschwungen, er hat
auch dann, als das Verhaftungskommando kam, ein Schwert geschwungen. Hat
als einziger Widerstand mit der Waffe geleistet. Ich meine, das war ja
immerhin was! Und als sie dann Jesus den Schauprozess gemacht haben, da hat
er im Hof des Gerichts-gebäudes herumgelungert . Sich so weit vorzuwagen,
das war ja schon was. Aber dann klappt er zusammen. Und ausgerechnet aus
Angst vor einer Frau. Der Petrus ist nicht von der Stasi verhört worden. Er
wurde nicht von seiner Familie getrennt, wie hunderttausende Christen in
den letzten Jahrzehnten. Er wurde nicht in ein Straflager gesteckt wie
Millionen andere Christen in Russland, in China, in Kambodscha und solchen
Ländern. Er wurde nicht jahrelang in der unterirdischen Zelle gehalten wie
manche Christen in Rumänien zum Beispiel. Er wurde nicht gefoltert, er
wurde nicht nervös gemacht durch Licht in der Nacht, wenig zu essen,
gemeine Folterung des Leibes und der Seele wie das ungezählte Christen über
sich haben ergehen lassen, bis sie entweder umgefallen sind oder eben in
den Tod gegangen sind, ohne Jesus Christus abzuleugnen. Beim Petrus war das
nicht so. Bei dem genügte schon die Bemerkung einer Scheuerfrau, um ihn zur
Leugnung seines Glaubens zu bringen. Im Gerichtsgebäude, da hatten sie so
eine kleine Raumpflegerin angestellt, und als die gerade mit dem Mülleimer
so zur Tür heraus marschiert, sieht die den Petrus und sagt: Hören Sie
mal, Sie waren doch auch dabei, bei der Jesus-Truppe."
Da lässt Petrus die Luft ab, wie so ein Luftballon, in den ein kleiner
Junge mit einer kleinen spitzen Nadel hineingestochen hat. Da sackt der
große Petrus zusammen und leugnet: Jesus? Nie gehört!" Er wird ein zweites
Mal gefragt, er leugnet wieder, und als sie zum dritten Mal zu ihm sagen:
Du warst doch auch bei diesen Jesus-People", da vergisst er alles, was er
in drei Jahren gelernt hat. Er vergisst seine gute Erziehung, er fällt
zurück in die rüde Sprache seiner vorchristlichen Zeit, fängt an zu fluchen
wie so ein Hochseefischer, und sagt: Nu gottverdammich noch einmal, ich
kenne den Menschen überhaupt nicht." Den Menschen! Er nennt Jesus noch
nicht einmal bei seinem Namen! Stell dir mal vor, einer sagt zu mir: Du
gehörst doch auch zu dem Wolfgang Tost[1]!" und ich sage: Was? Den
Menschen kenne ich nicht!" Es ist doch eine fiese Gemeinheit, wenn man
seinen Kumpel verleugnet, so tut als wenn man ihn nie kennengelernt hätte.
Ihr müsst euch das mal vorstellen, wer Jesus für Petrus gewesen ist. Sein
Freund, sein Meister, zu dem er mal in der größten Stunde seines Lebens
gesagt hat: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!" Davon ist
jetzt nichts mehr da, das ist alles vergessen, das ist alles Asche, das ist
alles weg. Es ist alles verleugnet. Petrus ist der absolute Versager. Vom
hohen Ross seiner Überheblichkeit fällt er runter in das tiefste Loch
seines Lebens. Das ist der totale Abfall von Jesus. Ich kenne diesen
Menschen nicht!" Als Jesus gekreuzigt wird ist er nicht dabei, als Er
beerdigt wird ist der Petrus nicht dabei.
Eine Abrechnung der anderen Art.
Jetzt ist er wieder dabei, in seiner alten Berufswelt zu arbeiten, als
Fischer. Er ist zum See Tiberias gegangen und dort will er wieder fischen.
Da kommt Jesus zu ihm, direkt zu seinem Arbeitsplatz. Es ist die erste
intensive Begegnung des Auferstandenen, der vom Grab herausgekommen ist,
mit diesem so tief gefallenen Petrus. Der absolute Sieger trifft auf den
absoluten Versager.
Petrus kann sich jetzt an allen fünf Fingern abzählen, was jetzt losgeht.
Jetzt wird Jesus zu ihm sagen: Du bist 'ne Pfeife, du hast versagt, du
hast Mich enttäuscht, hier hast du Parteibuch und Papiere, du bist
entlassen, zwischen uns ist alles aus!" Aber Jesus tut nie das, was zu
erwarten ist. Er tut immer das Ungewöhnliche - genau das, was gerade nicht
erwartet wird. Zum Beispiel, als sie ihn zum König machen wollen, da
machte Er nicht mit, sondern da machte Er sich davon. Als sie Ihn ans Kreuz
hängten, da gibt Er nicht auf, sondern Er vergibt sogar seinen Mördern. Als
sie Ihn ins Grab legten, war Er nicht lahmgelegt, sondern Er steht wieder
auf.
Und als Er jetzt dem Petrus begegnet, da macht Er ihm keinen Vorwurf,
sondern Er macht ihm eine Liebeserklärung. Er fragt ihn nicht nach seinem
Versagen von Vorgestern, sondern nach seiner Liebe von heute. Johannes-
Evangelium, Kapitel 21: Als sie nun gegessen hatten, spricht Jesus zu Simon
Petrus: Simon, Sohn des Johannes, hast du Mich lieber, als Mich die anderen
haben? Jesus tut hier nicht so, als gar nichts gewesen wäre. Er wischt das
Versagen des Petrus nicht einfach vom Tisch. Er schludert nicht einfach
über seine Sünde weg – im Gegenteil. Jesus nimmt sie unheimlich genau. Er
nimmt den Petrus hart ran. Aber nicht so wie die auf die plumpe Tour wie
wir: Wieso hast du denn versagt, warum bist du denn nicht linientreu
gewesen?" oder, was noch blöder ist: Was hast du dir denn dabei gedacht?"
Das ist immer die Frage, die Lehrer oder die Eltern stellen, wenn einer in
der Schule irgendeinen Mist gemacht hat. Jesus stellt nicht solche
idiotischen Fragen. Er stellt das anders an. Dezent, aber deutlich. Er
spricht das Versagen des Petrus nicht einfach aus, aber er spricht es
dreifach an.
Schon beim ersten Wort, das Jesus sagt, da weiß der Petrus Bescheid. Denn
Jesus redet ihn hier nicht an mit Petrus", das war ja der Name, den Jesus
ihm nach seiner Bekehrung gegeben hat. Sondern Er redet ihn mit seinem
alten Namen an: Simon, Sohn des Johannes". So hieß er vor seiner
Bekehrung, als er noch kein Kind Gottes gewesen ist. Und wenn Jesus ihn
hier so anredet, dann heißt das: Mein lieber Mann, mit dir muss Ich noch
einmal ganz von vorne anfangen". Mit dieser Anrede Simon" ist das ungefähr
so, wie wenn meine Lehrer zu mir Theodor" gesagt haben. Also eigentlich,
nach meinem Ausweis, heiße ich Theodor, aber mich haben schon immer alle
Theo genannt. Aber wenn mein Lehrer zu mir gesagt hat: Theodor!", da
wusste ich, dass etwas im Busch war. Das war Alarmstufe eins! Da war ich
bei irgendeiner Unbotmäßigkeit erwischt worden. Wenn Jesus hier sagt:
Simon, Sohn des Johannes", wenn er also hoch offiziell wird, dann will er
ihm damit klarmachen: Sünde, also deine Sünde – das ist eine offizielle
Sache, und die erledigt sich nicht von alleine. Sondern so etwas muss auch
offiziell erledigt werden. Sünde ist Trennung von Gott, und diese Trennung
hatte Petrus offiziell und öffentlich vollzogen, in dem er sich von Jesus
losgesagt hat.
Jesus nimmt jede Sünde blutig ernst. Sündenerkenntnis tut not.
Viele Menschen nehmen viele Sünden viel zu leicht. Jesus nimmt jede Sünde
ernst, blutig ernst. Er verblutet am Kreuz in aller Öffentlichkeit. Es
ging nicht anders. In der Bibel heißt es: es gibt keine Vergebung ohne
Blutvergießen[2]. Da musste erst einmal einer sterben, um den Schaden der
Menschheit und die Sünde des Petrus und deine Sünde aus der Welt schaffen
zu können. Und wenn Jesus ihn hier ganz offiziell mit seinem alten Namen
anredet, da möchte er schon mit dem ersten Wort in dem Petrus eine
Sehnsucht wecken. Die Sehnsucht nach Vergebung, nach Befreiung von der
alten Schuld. Nach einem neuen Leben, nach Heil. Viele Menschen, die sich
Christen nennen, die haben diese Sehnsucht nie verspürt – eben deswegen,
weil sie noch nie den Ernst der Sünde begriffen haben. Sünde ist doch keine
Panne – Sünde ist eine Katastrophe. Sünde ist Selbstmord! Das ist
Selbstausschliessung aus Gottes Reich. Sünde ist die Eintrittskarte in die
Hölle! Das ist der Garantieschein für ewige Verlorenheit. Auch hier in
diesem Gottesdienst sitzen immer wieder Menschen, die ihre Verlorenheit
noch nie erkannt haben.
Für diese Menschen ist ja dieser Gottesdienst. Und Gott sei Dank ist dieser
Gottesdienst immer wieder für solche Menschen der Punkt gewesen, wo sie
diese Verlorenheit erkannt haben. Und wo sie sich ihre Schuld von Jesus
haben vergeben lassen, und wiedergeboren wurden, ein neues Leben angefangen
haben. Ich höre manchmal von Leuten, die mir nach Jahren, nach Jahrzehnten
eine Postkarte schreiben, dass ihr Glaubensweg hier in diesem Gottesdienst
angefangen hat. Vor ein paar Tagen hat mir einer geschrieben, der war zu
DDR-Zeiten hier drin, das war ein Blinder. Der war damals auch geistlich
blind. Er war FDJ-Mitglied und Atheist. Und er hat hier zum ersten Mal von
Gott gehört. Und heute ist er ein Christ, der in einer Christlichen
Gemeinde lebt. Das ist der Sinn dieses Gottesdienstes, dass in euch eine
Sehnsucht entsteht, eine tiefe Sehnsucht nach Vergebung und einem neuen
Leben. Und diese Sehnsucht möchte ich in dir wecken, und deswegen frage ich
dich jetzt: weißt du, dass du durch deine Sünde vor Gott verloren bist?
Fürchtest du dich vor der Hölle? Leidest du unter deiner Schuld? Schämst du
dich für deine Sünde? Weißt du, dass nur Jesus dich vor der Hölle retten
kann und dass Er dich in den Himmel bringen will? Hast du Jesus schon
gebeten, dich zu retten? Sehnst du dich nach Rettung und nach Vergebung?
Dann komm doch, und gib Jesus, der damals mit ausgebreiteten Armen am Kreuz
hing, dein Leben. Er erwartet dich jetzt mit ausgebreiteten Armen.
"Jesu Therapie" mit Petrus.
Jesus sagt dem Petrus zunächst nicht: Hast du Mich lieb?", sondern er
sagt: Hast du Mich lieber als die anderen?". Das ist eine diskrete, aber
unüberhörbare Anspielung auf die Szene, wo Petrus sich wie ein
sieggewohnter Boxer aufgespielt hat mit dieser angeberischen Behauptung
Wenn die alle versagen, also ich ganz bestimmt nicht." An diese Arroganz,
als er sich für besser hielt als andere, erinnert ihn Jesus hier mit der
Frage: hast du Mich mehr lieb als die anderen." Und das Dritte, wodurch
Jesus den Petrus an seine Schuld erinnert - Er fragt ihn dreimal: Hast du
Mich lieb?" Dreimal hat Petrus Jesus verleugnet, dreimal fragt Jesus den
Petrus, hast du Mich lieb?". Er geht sozusagen mit seinem Jünger die
Stationen seiner Sünde noch einmal durch[3]. Und Er erspart ihm nicht,
jeden falschen Schritt noch einmal nachzuerleben.
Der Petrus begreift: Jesus war zwar gar nicht dabei, als er ihn verleugnet
hat, aber Er weiß alles. Jesus wusste es ja schon vorher. Er wusste alles
über Petrus, und Er weiß auch alles über dich. Ob deine Sünde, wie beim
Petrus, erst ein paar Tage oder Stunden zurückliegt oder Jahre, das spielt
keine Rolle. Jesus weiß Bescheid. Kein Mensch weiß, was und wie oft du
gesündigt hast, du hast es selber vielleicht schon vergessen, aber Jesus
weiß es.
Jesu Frage ist eine Liebeserklärung.
Deswegen ist auch Er der einzige, der dir deine Sünde bewusst machen kann,
nämlich durch seinen heiligen Geist. Jesus überführt hier den Petrus Punkt
für Punkt seiner Schuld. Aber er macht es nicht, indem er ihn nach seiner
Schuld fragt, sondern indem er ihn nach seiner Liebe fragt. Petrus, hast
du mich lieb?" Wer so fragt, der liebt den anderen. Niemals wird dir
jemand, dem du unsympathisch bist, oder verhasst oder gleichgültig, dir
diese Frage stellen. Wenn du in den Bus steigst und einen anderen rempelst
und dem auf die Füße latschst, da sagt er bestimmt nicht zu dir: Sagen Sie
mal, haben Sie mich lieb?"
Der denkt ganz etwas Anderes. Sondern wenn dich jemand fragt: Liebst du
mich?", dann ist das doch nur ein Zeichen, dass er dich liebt, schon bevor
du eine Antwort gibst. Die Frage: Liebst du mich?" ist in Wirklichkeit
eine Liebeserklärung. Wenn also Jesus den Petrus fragt: Liebst du mich?",
dann will Er ihm damit erklären: Ich jedenfalls habe dich lieb, nach wie
vor, und Ich will, dass es wieder gut ist zwischen uns beiden." Jesus liebt
dich und er möchte, dass es wieder gut ist zwischen dir und Ihm. Stell dir
das einmal vor. Er will das, obwohl er dein Versagen kennt. Er weiß alles
von dir, was die anderen alle hier nicht von dir wissen. Was deine Mutter
nicht weiß, und was deine Freundin nicht weiß - Er kennt sogar die
Gedanken, die nur du alleine in deinem Schädel gedacht hast. Was du schon
alles gemacht hast. Er kennt deinen Neid auf deine Klassenkameraden, deinen
Hass auf deine Eltern, deine Ausreden, deine Heuchelei, deine elende
Feigheit, deine ganze Erbärmlichkeit bis hin zu deiner Gottlosigkeit, kennt
Er alles. Und Er liebt dich trotzdem. Er liebt dich so wie du bist, aber er
möchte nicht, dass du bleibst wie du bist. Er möchte aus dir einen neuen
Menschen machen. Kannst du dir das vorstellen? Das kann man sich eben nicht
vorstellen, das übersteigt ja eben jede Vorstellung.
Kannst du ohne Jesus sein?
Aber Liebe läuft ja nicht über die Vorstellung, über den Verstand , sie
läuft über das Herz. Also frage ich dich jetzt, Hand aufs Herz: Hast du
Jesus lieb?" Weißt du, es geht hier nicht um Gefühle. Wenn es um Gefühle
geht, da genügt es, wenn du ein paar Bier hinein schüttest und anschließend
auf den Rummel gehst und fährst ein paar Runden mit der Berg-und-Tal-Bahn.
Da kannst du dich dort befriedigen. Nein, es geht hier um die ganz
nüchterne Frage: kannst du ohne Jesus überhaupt sein? Was bleibt von dir
übrig, wenn von deinem Leben Jesus abgezogen wird? Welche Rolle spielt Er
in deinem Leben? Welche Stelle hat Er in deinem Leben?
Hat er in deinem Leben die erste Stelle? Das ist die einzige Stelle, die Er
haben will. Er ist nicht bereit, die zweite oder irgendeine andere Stelle
einzunehmen. Entweder Jesus hat in deinem Leben die erste Stelle oder Er
hat gar keine. Und heute bewirbt Er sich bei dir um die erste Stelle in
deinem Leben. Er bewirbt sich um deine Liebe.
Hast du Mich lieb?
So lockt er dich aus der Tiefe deiner Schuld. Und er kommt nicht mit harter
Faust und haut in dein Leben rein, obwohl er dazu auch das Recht und die
Macht hätte. Aber es geht ja Jesus nicht um sein Recht, es geht Ihm um
deine Rettung. Deshalb kommt Er und deckt deine Sünde auf, in dem Er um
deine Liebe bittet: Hast du mich lieb?" Petrus antwortet auf diese Frage
jedes Mal: Ja, Herr, Du weißt doch, dass ich Dich liebhabe."
Das Wichtigste: Jesus nachfolgen. Das biblische Verständnis von Lobpreis.
Wenn es bei dir auch so ist, ja dann sag es ich doch mal. Jesus lieben
heißt, dass du seinen Willen tust, dass du ihm gehorchst, dass du ihm
nachfolgst. Und deshalb heißt das letzte Wort, was Jesus hier in dieser
Geschichte zu Petrus sagt: Folge mir nach!".
Das ist buchstäblich das letzte Wort, was Jesus zu Petrus spricht: Folge
mir nach." Aber bevor er das sagt, sagt er zu Petrus noch etwas anderes:
Ich sage dir, als du Jünger warst, da machtest du, was du wolltest und
gingst hin, wohin du wolltest. Wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände
ausstrecken und ein anderer wird dich führen, wo du nicht hinwillst. Das
sagte Jesus aber, um zu zeigen, mit welchem Tode Petrus Gott preisen würde.
Und als er das zu ihm gesagt hatte, sagt er zu ihm: Folge mir nach!"
Wir verstehen ja heute unter preisen", unter Lobpreis meistens etwas ganz
anderes. Es gibt Lobpreis-Gesänge, es gibt Lobpreis-Gesangsgruppen, es gibt
Lobpreis-Gottesdienste, wo die Menschen meistens mit ausgestreckten Armen
Gott preisen. Dagegen ist ja auch nichts zu sagen. Jedenfalls solange
nicht, solange nicht durch diese Art von Lobpreis übersehen und vergessen
wird, dass es in der Bibel noch eine ganz andere Art von Lobpreis gibt.
Nämlich die, von der Jesus hier redet. Nämlich, dass einer ins Leiden
geführt wird, dass er dorthin geführt wird, wo er nicht hin will: ins
Martyrium, in den Märtyrertod. Das ist jedenfalls der Lobpreis-
Gottesdienst, zu dem Petrus hier berufen wird, mit diesen abschließenden
Worten: Komm und folge mir nach."
Und so hat es Jesus im Johannes-Evangelium, ein paar Kapitel vorher, schon
gesagt, was für Ihn Verherrlichung Gottes ist: Darin wird mein Vater
verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger[4].
Jünger von Jesus sein, andauernd zu Jesus rufen, ihm nachfolgen, das ist
die Hauptsache. Und deshalb auch das letzte Wort, was Jesus hier zu Petrus
spricht: Folge mir nach!" Das ist buchstäblich das erste und letzte Wort,
das Jesus zu Petrus spricht, das er auch zu seinen Jüngern gesagt hat und
das Er hier im Johannes Evangelium zu seinen Jüngern sagt.
Vor allen Predigten, die Jesus gehalten hat, vor allen Wundern, die Er
getan hat, und vor allen Erlebnissen, die Er geteilt hat, da steht als
Erstes die Aufforderung: Folge mir nach!" Und nach allen Pleiten und nach
allem Schuldig werden, nach allem Versagen, nach allen Sündenbekenntnissen
und nach aller Sündenvergebung steht als letztes die Aufforderung: Folge
Mir nach!" Mit diesem Wort fängt Jesus an und mit diesem Wort hört Jesus
auf.
Ihr wisst ja, das erste und das letzte Wort sind immer von einem ganz
besonderen Gewicht. Und Jesus meint, es ist das Wichtigste für dich, dass
du Ihm nachfolgst. Bedenke doch bitte einmal, dass Er dich heute, egal in
welcher Situation du lebst, liebt. Er liebt dich, obwohl Er dein Versagen
kennt. Er weiß, wie du bisher versagt hast, Er weiß, dass du in Zukunft
wieder versagen wirst und Er liebt dich trotzdem. Vergiss das nicht, Er
liebt dich trotzdem.
_
[1] Wolfgang Tost ist Liedermacher und langjähriger Wegbegleiter von Theo
Lehmann – Anm. des Schreibers
[2] Hebräer 9, 22 – Anm. des Schreibers
[3] Vielleicht fühlte sich Petrus auch durch das in Vers 9 erwähnte
Kohlenfeuer, welches Jesus am Strand vorbereitet hatte, an das Kohlenfeuer
im Innenhof des Palastes des Hohepriesters erinnert. – Anm. des Schreibers
[4] Johannes 15, 8
