
Johannesevangelium 3,22-30 - Wer Jesus in jedem Leben sein will
Johannes 3,22-3014.09.2020
Serie•Teil 17 / 44Johannes-Evangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein Blick auf den Anfang des Wirkens Jesu
Lasst uns heute miteinander eine Episode aus dem Leben des Herrn Jesus betrachten, die uns vor Augen führen soll, wer Jesus in jedem Leben sein soll.
Nach seiner Taufe wirkte der Herr Jesus etwa drei Jahre auf der Erde, und die meiste Zeit tat er das im Norden von Israel, in einem Gebiet, das man Galiläa nennt. Aber ganz am Anfang finden wir ihn im Süden. Und zwar, bis Johannes der Täufer ins Gefängnis geworfen wird, gehört Jesus irgendwie zu derselben Reformbewegung, die Johannes gegründet hatte.
Jesus war eigenständig, damit wir uns nicht falsch verstehen. Er war auch kein Jünger von Johannes dem Täufer. Aber wenn man es sich anschaut, dann wird man feststellen: Die Botschaft, die er am Anfang hatte, war sehr, sehr ähnlich zu dem, was Johannes der Täufer gepredigt hat.
Ich zeige euch das mal an zwei Beispielen, Matthäus 3 und Markus 1, im Vergleich.
Matthäus 3, das ist das, was Johannes der Täufer predigt. Da heißt es in den Versen 1 und 2: Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und predigte in der Wüste von Judäa und sprach: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.
So, das war Johannes der Täufer: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.
Jetzt schauen wir uns Markus 1, Vers 15 an: Nachdem aber Johannes überantwortet wurde, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium.
Also, ihr merkt: Die Botschaft der beiden ist ziemlich ähnlich. Aber nicht nur die Botschaft der beiden ist ähnlich, sondern Jesus tauft auch, beziehungsweise seine Jünger tun das in seinem Auftrag. Das heißt: Am Anfang, wenn Jesus als Messias anfängt zu wirken, habe ich auf der einen Seite Johannes den Täufer und auf der anderen Seite Jesus, und beide taufen.
Man kann sich vorstellen, wenn Jesus in diese Reformbewegung einsteigt und auch tauft, dass das irgendwann zum Konflikt führt.
Der aufkommende Streit um die Taufe
Aber wir können uns den Konflikt von Johannes dem Apostel selbst schildern lassen: Johannes 3,22-26.
Danach kamen Jesus und seine Jünger in das Land Judäa. Das ist der Süden, also die Gegend rund um Jerusalem. Und dort verweilte er mit ihnen und taufte. Aber auch Johannes taufte in Änon nahe bei Salim, weil dort viel Wasser war. Und sie kamen hin und wurden getauft; denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen.
Es entstand nun eine Streitfrage vonseiten der Jünger des Johannes mit einem Juden über die Reinigung. Reinigung meint hier die Taufe. Die Taufe von Johannes dem Täufer war eine Taufe zur Buße und demzufolge eine Taufe zur Reinigung von den Sünden.
Jetzt entsteht da ein Konflikt. Jemand anderes kommt zu den Jüngern von Johannes dem Täufer und fragt: Wie ist das denn mit eurer Taufe? Und dann, was machen die Jünger? Na, sie gehen zu Johannes, Vers 26: Und sie kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Rabbi, der jenseits des Jordan bei dir war, gemeint ist Jesus, dem du Zeugnis gegeben hast, siehe, der tauft, und alle kommen zu ihm.
Also die Jünger von Johannes dem Täufer haben ein Problem. Bis zum Auftreten von Jesus hatten sie das Monopol auf die Taufe zur Buße, zur Vergebung der Sünden. Und jetzt kommt Jesus mit seinen Jüngern, und der tauft auch. Und irgendwann stellen die Jünger von Johannes dem Täufer erschrocken fest, dass sich viel mehr Menschen von Jesus taufen lassen als von ihrem Rabbi.
Und das fällt eben auch nicht nur ihnen auf. Was tun? Na ja, was man halt immer tut: Erst mal zu Johannes gehen und petzen. Rabbi, der bei dir war, jenseits des Jordans, von dem du Zeugnis gegeben hast, siehe, der tauft, und alle kommen zu ihm.
Was wird wohl Johannes der Täufer tun, wenn seine Popularität schwindet? Und dass sie schwindet, das ist völlig klar. Aber wie wird er damit umgehen?
Die wahre Größe liegt im Zurücktreten
Und seine Antwort ist einfach genial. Sie ist nicht nur genial, sondern sie beschreibt, worauf es im Leben wirklich ankommt.
Und um die Antwort gleich vorwegzunehmen: Es kommt darauf an, dass wir Jesus in unserem Leben den Platz geben, der ihm zusteht. Und das ist nie der zweite Platz hinter unserem persönlichen Egotrip, sondern immer ganz vorne, die Pole Position. Jesus muss vorne sein, er muss den Ton angeben, er muss wichtig sein, nicht wir. Er muss groß rauskommen, nicht wir.
Deswegen heißt es in Johannes 3,27: Johannes antwortete und sprach: Ein Mensch kann nichts empfangen, auch nicht eins, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben. Ich lese das noch einmal vor: Ein Mensch kann nichts empfangen, auch nicht eins, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben.
Wenn es um unsere Berufung geht, dann suchen wir uns die nicht aus. Ob wir in Gottes Plan ein großes Licht sind oder ein kleines, ob wir lediglich im Kreis unserer Freunde und Nachbarn wirken oder in einem ganzen Stadtteil wie Haselhorst oder über die Stadtgrenzen hinaus, das suchen wir uns nicht aus.
Dass wir hier als Gemeinde in Haselhorst sein dürfen, zu einer Zeit, wo Tausende in diesen Stadtteil ziehen, das haben wir uns nicht ausgesucht. Damit ihr ein klein wenig einordnen könnt, was gerade hier passiert: In den nächsten zehn Jahren werden etwa 15 Menschen nach Haselhorst ziehen. Im Vergleich dazu: Letztes Jahr sind nach Potsdam gut 1200 Menschen gezogen. Dieselbe Menge, die letztes Jahr nach Potsdam gezogen ist, kommt allein dadurch nach Haselhorst, dass da vorne in der Paul-Stern-Straße diese knapp 500 Wohnungen bezogen werden. Und das wird die nächsten zehn Jahre auch so bleiben.
Jahr für Jahr werden nach Haselhorst unglaublich viele Menschen kommen, sodass wir als Stadtteil schneller wachsen werden als die Hauptstadt von Brandenburg. Das muss man sich einmal vorstellen: was das für eine Chance ist, neue Menschen zu treffen und ihnen das Evangelium zu predigen.
Und weil wir in so einer Chance drinstecken, deswegen ist es so wichtig, dass wir verstehen: Unsere Berufung wird uns gegeben. Wir können uns diese Berufung nicht aussuchen, wir können sie nur annehmen. Wir sind hier, wo ganz viele Leute hinziehen, also lasst uns evangelisieren. Und natürlich ist es superklug, wenn wir unsere Berufung annehmen, sei es als Gemeinde oder auch als Einzelne.
Johannes als Vorbild für eine klare Berufung
Johannes der Täufer wusste genau, wer er war. Wisst ihr noch, was er über sich sagt? Johannes 3,28: Ihr selbst gebt mir Zeugnis, dass ich sagte: Ich bin nicht der Christus, sondern ich bin vor ihm hergesandt.
Für Johannes ist das völlig klar: Ich bin nicht der Christus, ich bin nicht der Messias, ich bin nicht der, auf den alle warten. Ich bin vor ihm hergesandt, das ist seine Berufung. Seine Berufung ist es, ein Volk vorzubereiten auf die Ankunft des Christus. Das war sein Auftrag: Buße predigen und die taufen, die Buße tun wollten, um mit Gott neu anzufangen. Das war sein Leben, und nicht mehr.
Für Johannes den Täufer war klar: Irgendwann ist mein Auftrag erledigt, und dann werde ich, und das sagt der größte Prophet des alten Bundes, überflüssig. Und er bringt diesen Gedanken wunderschön durch ein tolles Bild zum Ausdruck. Johannes 3,29: Er sagt, der die Braut hat, und das ist der Messias, er ist der Bräutigam. Die Gemeinde ist die Braut. Der Messias ist der Bräutigam. Der die Braut hat, ist der Bräutigam. Der Freund des Bräutigams, und damit meint Johannes den Täufer sich selber. Der Freund des Bräutigams aber, der dasteht und ihn hört, ist hocherfreut über die Stimme des Bräutigams. Diese meine Freude nun ist erfüllt.
Das ist ein tolles Bild, oder? Wenn Johannes der Täufer sich mit Jesus vergleicht, dann denkt er an eine Hochzeit. Jesus ist der Bräutigam, Johannes der Täufer ist der Freund des Bräutigams. Und was ist die Aufgabe eines Freundes bei der Hochzeit? Na ja, er hat genau eine: Er soll sich mitfreuen, mehr nicht.
Also ganz ehrlich: Der Freund des Bräutigams ist bei der Hochzeit nicht wirklich wichtig. Wichtig ist der Bräutigam und natürlich die Braut. Selbst wenn der Freund des Bräutigams die beiden zusammengebracht haben sollte, spielt er während der ganzen Hochzeitsfeierlichkeiten einfach nur eine Nebenrolle. Wichtig ist im Bild, das Johannes gebraucht, der Bräutigam.
Natürlich ist in Wirklichkeit auch die Braut irgendwie wichtig, aber Johannes engt dieses Bild ja ganz bewusst ein, um über Jesus zu reden. Johannes der Täufer sieht sich so. Er sagt: Mein Auftrag ist es, alles vorzubereiten. Und deswegen hat er gepredigt, er hat getauft, weil er wusste, der Messias würde kommen. Und deswegen, als die Leute aus Jerusalem kommen und ihn fragen: Wer bist du eigentlich? Wir haben das in Johannes 1 schon gelesen, da sagt er: Ich bin die Stimme eines Rufenden in der Wüste: Macht gerade den Weg des Herrn. So beschreibt er sich. Ich bin die Stimme eines Rufenden: Macht gerade den Weg des Herrn. Das war sein Auftrag.
Ein Bild aus der Welt des Bauens
Meine Frau liest gerade ein Buch von Laura Ingalls über amerikanische Siedler und den Bau der Eisenbahn im neunzehnten Jahrhundert. Die Bücher von Laura Ingalls sind später verfilmt worden. Die Älteren unter uns kennen vielleicht die Serie „Unsere kleine Farm“.
In den Achtzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts wurde beim Bau der Eisenbahn ein neues High-Tech-Instrument eingesetzt, der sogenannte Scraper, genauer gesagt der Fresno Scraper. Eine Maschine zum Abtragen von Erdreich, eine Art Abkratzer. Der Scraper war eine Erfindung aus den Achtzigerjahren, mit der man grosse Mengen von Erdreich auf einfache Weise abtragen konnte.
Johannes der Täufer ist der Abkratzer, der Scraper für Jesus. Er macht den Weg des Herrn gerade. Der einzige Unterschied zur Eisenbahn: Der Weg ist kein Weg im eigentlichen Sinn. Es geht Johannes dem Täufer nicht um Erdaushub, sondern es geht ihm um Herzen. Die Stimme des Rufenden in der Wüste ruft zur Busse auf. Johannes der Täufer predigt, damit die Herzen von Menschen offen werden für die Begegnung mit Gott und mit dem Messias.
Johannes hinterfragt die Sünder. Und er hinterfragt die Religiösen. Und er fordert beide auf, Busse zu tun: die einen von ihrer Sünde und die anderen von ihrer Scheinheiligkeit. Johannes der Täufer weiss, dass nur ein Herz, das es ehrlich mit Gott meint, auch offen ist für das Evangelium. Nur ein solches Herz ist offen, an den Herrn Jesus zu glauben und den Herrn Jesus als Herrn ins eigene Leben aufzunehmen.
Und deshalb macht er seinen Job. Er weiss, wozu er da ist. Er weiss, dass er gekommen ist, Menschen auf die Ankunft des Messias vorzubereiten. Und weil er weiss, was sein Job, was seine Berufung ist, hat er überhaupt kein Problem damit, wenn der Messias anfängt, auch zu taufen, wenn mehr Leute zu ihm gehen. Wenn vielleicht wirklich Leute kommen, wie es passiert ist, und dann die Frage stellen, welche von den beiden Taufen denn die richtigere Taufe ist, welche denn die effektivere ist, die von Johannes oder die von diesem Newcomer, von Jesus, über den Johannes der Täufer gesagt hat, dass er einmal mit Heiligem Geist taufen würde, dass er der Sohn Gottes ist.
Johannes der Täufer hat null Probleme damit, dass Jesus gross rauskommt, weil das von Anfang an der Plan war. Und das war nicht nur der Plan für das Leben von Johannes dem Täufer, sondern das ist der Plan für jedes Leben, auch für meins und für deins. Es geht darum, dass wir so leben, dass Jesus gross rauskommt. Wenn wir das schaffen, vor allem dadurch, dass wir tun, was er sagt, so lieben, wie er geliebt hat, unsere Berufung annehmen und fleissig mit unseren Gaben Gottes Reich bauen, dann ist unser Leben ganz genau da, wo es hingehört. Dann sind wir richtig. Auch dann, wenn andere, wie bei Johannes dem Täufer, das vielleicht anders sehen. Wir sind richtig.
Die entscheidende Ausrichtung des Lebens
Und in diesem Sinne wünsche ich uns heute, wo wir Abendmahl feiern und uns daran erinnern, was der Herr Jesus für uns getan hat, dass wir jeden Tag eine Entscheidung treffen. Und zwar die Entscheidung, dass Jesus die absolute und unangefochtene Nummer eins in unserem Leben sein darf, dass es uns mehr um ihn geht als um uns, dass wir gerne unser Leben opfern, damit er groß herauskommt, und dass wir jeden Tag, wenn wir merken, dass wir uns selbst zu wichtig nehmen, darüber Buße tun.
Es geht um Jesus, um Jesus allein, denn nur er ist der Retter der Welt. Amen.
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