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Gesegnet, weil noch im Tod geborgen

Sprüche 14,3220.08.2018
Serie•Teil 2 / 14Blessed - gesegnet, weil...
Wenn alles zu viel wird: Wo versteckst du dich dann? Gott lädt nicht zum Durchbeißen ein, sondern zur Zuflucht – sogar noch im Sterben.

Einführung und Rückblick auf die letzte Predigt

Wer mich nicht kennt: Mein Name ist Jürgen Fischer. Wer Fragen zur Predigt hat, kann mich gerne danach ansprechen.
Ansonsten habe ich Notizen zur Predigt verteilt, so ungefähr fünfzig Stück. Es gibt noch ein paar mehr. Also wer jetzt gar keine hat, kann sich an die Moderatorin wenden. Sie weiß, dass draußen auf dem kleinen weißen Tisch noch welche liegen, und kann euch dann welche geben. Ihr könnt sie euch auch danach holen. Das ist nur so ein bisschen der Leitbibelfers und so zwei, drei Kernaussagen. Mehr ist das eigentlich nicht.
Letzte Woche begann wie gesagt die neue Predigtreihe blessed, gesegnet. Mein Leitgedanke in der ersten Predigt letzte Woche war ganz simpel. Ich wiederhole ihn noch einmal: Wir dürfen als Christen keinesfalls vergessen, dass wir in dieser Welt die am meisten gesegneten Menschen sind, die es gibt.
Oder wie Paulus das einfach mal so auf seine eher nüchterne Weise auf den Punkt bringen würde: Es ist Epheser 1,3. Gott hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt. So, baff. Also das, was der Himmel, was Gott an Segen bereithält, die Art von Segen, auf die es wirklich ankommt, weil sie nämlich unsere ewige Zukunft definiert, diesen Segen hat Gott vollständig über jeden Gläubigen ausgegossen.
Wir haben als Gläubige eine Sache verstanden, hoffe ich zumindest. Wer jetzt sagt, das habe ich noch nicht verstanden, unbedingt mit mir reden danach. Etwas, was der Prophet Jesaja folgendermaßen auf den Punkt bringt. Jesaja 65,17, da sagt er, oder eigentlich sagt das Gott durch Jesaja: Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, und das Frühere wird man nicht mehr denken, und es wird nicht mehr in den Sinn kommen.
Ich habe das heute Morgen meiner Frau gesagt. Da meinte sie: Sag mal, Schatz, heißt das, dass wir uns im Himmel nicht mehr kennen werden? Wir werden uns an das Frühere nicht mehr denken, uns nicht mehr erinnern? Da habe ich ihr gesagt: Nee, weißt du, Schatz, das wird so sein: Jetzt in diesem Leben begleiten wir uns so ein Stückchen miteinander, so wie ein Rollator. Wir helfen uns gegenseitig, dass wir ans Ziel kommen. Aber im Himmel, da wird es so sein, da werden wir springen, da brauchen wir keinen Rollator mehr. Da ist es schön. Da erinnern wir uns daran, was der Rollator für uns getan hat, aber wir werden in einer anderen Qualität von Leben leben.
Und dann wird man zurückdenken an die Zeit mit seinem Ehepartner oder mit der Gemeinschaft in der Gemeinde, und in einer gewissen Weise wird man einfach nicht mehr daran denken. Man wird sagen: Entschuldigung, das war schön, das war wertvoll, manchmal sicherlich auch, wenn man mit mir verheiratet ist, herausfordernd und nicht so wertvoll. Aber es wird eine Zeit kommen, die wird viel besser sein.
Und weil ich das verstanden habe, weil ich verstanden habe, dass Gott einmal ein neues Universum schaffen wird, eines ohne Sünde, ohne Krankheit, ohne Verfallsdatum, deswegen haben wir als Gläubige uns entschieden, alles daranzusetzen, um bei dieser Neuauflage von Schöpfung dabei zu sein. Die Zukunft, die Gott für die Gläubigen bereithält, ist der größte Segen, den ein Mensch für sich finden kann.
Aber damit hatten wir uns letzte Woche beschäftigt. Dieser Segen geht einher damit, dass wir Buße tun, dass wir glauben, dass wir uns an Jesus hängen, dass wir wirklich an Jesus hängen als Herrn, und dass wir dann erleben, wie Gott uns nicht erst in der Zukunft, sondern heute schon mit geistlichen Segnungen beschenkt.
Und im Rahmen dieser Predigtreihe, fragt mich bloß nicht, wie lang die wird, das ist im Moment so eine Idee, und die wächst so vor sich hin. Und immer wenn ich beim Beten eine neue Idee habe, kommt das auf eine lange Liste. Und irgendwann sage ich: Ich habe keine Lust mehr auf die Reihe, dann breche ich die ab. Das ist ja nicht schlimm. Aber jetzt machen wir es erst einmal so: Immer wenn ich dran bin, die nächsten Wochen nicht so oft, aber dann wieder im Herbst ein bisschen mehr, geht es um dieses Thema geistliche Segnungen, die Gott uns geschenkt hat.
Und heute möchte ich aus meiner Sicht gleich in die Vollen gehen. Ein Vers, über den ich lange schon predigen wollte, weil er so schön ist: Sprüche 14,32. In seinem Unglück wird der Gottlose umgestoßen, aber der Gerechte ist noch in seinem Tod geborgen.
Das habe ich jetzt nicht ausgewählt, weil wir heute den Geburtstag von Wolfgang feiern und Wolfgang hier zu den wirklich ältesten Geschwistern der Gemeinde zählt. Aber als ich davon hörte und dachte: Oh, das passt ja auch irgendwie, es passt auch daran zu denken, dass wir tatsächlich alle auf diesen Punkt zulaufen.
Ich sage den Vers nochmals: In seinem Unglück wird der Gottlose umgestoßen, aber der Gerechte ist noch in seinem Tod geborgen.

Erste Klärungen zum Verständnis des Verses

Drei ganz winzige Vorbemerkungen. Und keine Angst, ich werde das jetzt nicht immer mit den drei Vorbemerkungen machen, glaube ich zumindest. Wollen wir sehen.
Punkt eins: Der Gerechte ist in der Bibel, vor allem in der Weisheitsliteratur, also in Sprüche, Prediger und Hohelied, immer auch der Gläubige. Man kann biblisch nicht gerecht sein, ohne an Gott zu glauben. Und wer an Gott glaubt, der lebt auch gerecht. Diese beiden Konzepte, Gerechtigkeit und Glaube, gehen in der Bibel Hand in Hand. Und das ist eben nicht nur im Alten Testament so, sondern auch im Neuen Testament. Der Gläubige ist immer der, der auch eine Sehnsucht nach Gott hat, eine Sehnsucht nach Heiligkeit, einfach weil Gott ihm ein neues Herz geschenkt hat.
Punkt zwei: Wenn ihr sagt, ich würde mich gerne mit Weisheitsliteratur beschäftigen, die Sprüche, das wäre super, wenn ich da mehr zu hätte: www.frogwords.de. Der Kommentar zu den Sprüchen ist komplett online, studiert ihn. Es lohnt sich, gerade wenn ihr jung seid. Das Buch der Sprüche ist das Buch, das für Eltern geschrieben ist, um ihren Kindern Weisheit beizubringen. Und wenn du sagst: Hm, das habe ich nicht so erlebt, kein Problem, man kann das nachholen. Frogwords.de: Die kompletten 900 und etwas Verse sind kommentiert, ihr könnt sie Stück für Stück durcharbeiten, auch mit Anwendungsfragen dabei. Genießt es. Warum? Weil Salomon möchte, dass wir weise leben, vor allem dann, wenn wir jung sind, und dass wir unser Leben klug meistern.
Dritter Punkt: Auch das ist nichts Neues: Lernt Bibelferse auswendig. Klingt langweilig, klingt überholt, ist aber in meinen Augen der einfachste und effektivste Weg, um über die Bibel nachzudenken. Und es bringt in meinen Augen Ermutigung und Ausgewogenheit ins Leben und macht eben auch kompetent.

Was es bedeutet, sich bei Gott zu bergen

So, drei winzige Vorbemerkungen zurück zu unserem Thema: Gesegnet, weil noch im Tod geborgen.
Nochmal Sprüche 14,32: In seinem Unglück wird der Gottlose umgestoßen, aber der Gerechte ist noch in seinem Tod geborgen.
Was heißt eigentlich, sich bergen? Sich bergen heißt so viel wie sich verstecken. Also, wenn ich jetzt Angst vor euch hätte, dann würde ich mich hinter der Kanzel verstecken. Das ist bei meinen Proportionen, also bei meiner Größe, ein bisschen lustig. Aber ihr versteht ja: Die Kanzel ist zu klein. Wir müssen die mal größer machen, damit man sich dahinter verstecken kann.
Sich bergen heißt also: verstecken. Wenn ich mich bei jemandem berge, dann heißt das, ich überlasse mich seinem Schutz und seiner Fürsorge.
Ich glaube, ich muss niemanden hier davon überzeugen, dass es Lebenssituationen gibt, die einen überfordern. Wir kennen als Gemeinde die Themen Depression, Burnout, Panik, Zwang, Angst. Wir kennen das gut. Und kaum einer hier weiß nicht, wie sich das anfühlt, wenn Probleme über den Kopf wachsen.
Ich habe den Eindruck, dass es immer mehr Menschen gibt, die ein Leben führen, das man zu Recht als einen permanenten Ausnahmezustand bezeichnen könnte. Und das trotz technischer Fortschritte. Ich bin mir manchmal gar nicht ganz sicher, ob das Fortschritte sind. Aber trotz dieser sogenannten Fortschritte wird das Leben nicht leichter. Es wird nicht einfacher. Es wird nicht unkomplizierter. Es wird nicht erträglicher. Sondern mein Eindruck ist: Es ist das genaue Gegenteil.
Und wir stehen gerade an so einer Schwelle, wo immer mehr Menschen merken: Das ist einfach zu viel.
Und weil wir das Leben nicht ändern können, müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie wir mit diesem Druck umgehen.
Jetzt kann man natürlich sagen: Okay, wenn dieser Druck und die Probleme auf mich zukommen, dann verschließe ich einfach die Augen vor der Realität. Oder ich betäube mich. Das kann man gut mit Alkohol, das kann man mit Partys, das kann man mit Drogen oder mit Arbeit und Hobbys. Da kann man auch reinflüchten. Keine Ahnung, wo du jetzt sagst, das ist noch eine vermeintlich gute Idee, wie man mit Druck und Problemen umgeht.
Aber das Geniale bei Gott ist, dass Gott uns etwas anbietet für solche überfordernden Lebenssituationen. Er bietet uns etwas an, das komplett anders ist. Gott will uns segnen, aber nicht betäuben.
Und wenn sich Problem auf Problem häuft, wenn sich diese Dinge in unserem Leben einfach die Klinke in die Hand geben, dann müssen wir lernen, was Gott uns anbietet. Dann müssen wir lernen, uns bei Gott zu bergen. Das ist nämlich das, was Gott uns gibt.
Immanuel heißt: Gott mit uns. Gott mit uns.
Das, was Gott sagt, ist an keiner Stelle in der Bibel: Du musst dein Leben alleine meistern. Ist dir das klar? Nirgendwo steht in der Bibel: Weißt du was, du musst dein Leben alleine meistern. Das ist kein Anspruch, den Gott an uns hat.
Als Christ, und ich möchte das hier noch mal sagen, meine ich wieder, wie auch schon beim letzten Mal, nicht nur die, die es dem Namen nach sind, sondern ich meine die echten, in denen wirklich Gottes Geist wohnt und die ein neues Herz haben. Die wissen, dass ihnen ihre Sünden vergeben sind, und die wirklich Gott kennen.
Solche Christen haben, und jetzt kommt etwas, was zu scharf formuliert ist, da bin ich mir darüber im Klaren, aber ich finde es einfach schön. Und manchmal ist Ästhetik besser als Wahrheit, also zumindest in der Predigt, weil man sich leichter merken kann. Das ist einfach nur hyperbolisch formuliert, ihr werdet das schon verstehen. Die Psalmen sind voll davon.
Also: Als gläubiger Christ darf ich meine Schwäche feiern. Das ist es. Als gläubiger Christ darf ich meine Schwäche feiern, und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Weil Schwäche das ist, was mich in die Hände Gottes treibt. Und ein Stück weit ist alles, was mich in die Hände Gottes treibt, alles, was mich zurück zu Gott bringt, erst einmal gut.
Deswegen erlaubt mir diese etwas übertriebene Formulierung: Wir dürfen als Gläubige schwach sein, uns hilflos fühlen, keinen Ausweg wissen. Alles nicht schlimm, wenn es uns nur in Gottes Arme treibt. Wir dürfen uns bei ihm bergen.
Und ich glaube, das hat kaum jemand in der Bibel besser verstanden als David. Vielleicht muss man so viele Probleme und auch so viel Gegenwind erst einmal erfahren haben wie der gute David. Aber wenn man es dann hat, dann weiß man, wie Leben alleine funktioniert. Dann weiß man, dass in bestimmten Situationen einfach nur Gott helfen kann. Dass es einfach um die simple Frage geht:
Hast du es gelernt, dich in solchen Situationen bei Gott zu bergen, oder nicht?

David als Vorbild für Vertrauen in Krisen

Ich bringe euch mal vier Verse, nur aus den Psalmen. Und wenn euch das Thema interessiert, bitte studiert die Psalmen Davids. Schaut, wie oft er sich auf Gott wirft, in seine Arme wirft. Es ist absolut irre. Das ist mit einer Predigt jetzt hier nicht zu handeln. Bitte kümmert euch darum, lest durch die Psalmen. Ihr braucht nur die von David zu nehmen, dann seid ihr unglaublich fündig.
Also Psalm 18, Vers 3: Da sagt er, der Herr ist mein Fels und meine Burg und mein Retter. Einfach die Bilder sind schon toll: mein Fels, auf dem ich stehen kann, meine Burg, wo ich mich verstecken kann, mein Retter. Mein Gott ist mein Hort, jetzt kommt’s, bei dem ich mich berge, mein Schild, ja, hier ist so ein Schild von so einem Krieger gemeint, mein Schild und das Horn meines Heils, meine hohe Feste. Wow.
Oder Psalm 25,20: „Bewahre meine Seele und rette mich; lass mich nicht zerschanden werden, warum? Denn ich berge mich bei dir.“
Oder Psalm 57,2. Und ich hätte viel mehr nehmen können. Ich habe einfach mal so die besten vier rausgezogen: „Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig, denn bei dir birgt sich meine Seele, und im Schatten deiner Flügel berge ich mich, bis vorübergezogen ist das Verderben.“
Das ist cool, oder? Da kommt das Verderben, und er sagt: Wird mir zu viel, ich verstecke mich mal. Und er macht das bei Gott. Sich bergen heißt verstecken.
Ein letzter: Psalm 144, Vers 2: „Meine Gnade, meine Burg und meine Zuflucht, mein Retter, mein Schild und der, bei dem ich mich berge.“ So beschreibt David seinen Gott.
Und jetzt kann man David nicht unbedingt vorwerfen, ein Weichei gewesen zu sein. Also, er hatte genug Mut, einem Goliath gegenüberzutreten, und als Guerillakämpfer hat er wirklich Angst und Schrecken verbreitet. Er hatte seine Fehler, das ist keine Frage. Frauen waren so ein bisschen, das war nicht so seins, also schon zu viel seins, sagen wir es mal so. Er hat seine Fehler, aber Feigheit gehört definitiv nicht dazu.
Umso erstaunlicher, dass er in so vielen seiner Lieder immer wieder betont, wie wichtig es ihm ist, sich bei Gott zu bergen. Nochmal diese Idee: Sich bergen heißt sich verstecken. Alle diese Bilder, das Schild, die Burg, der Turm, hat immer damit zu tun, dass ich mich hinter jemandem verstecke. Wenn man sich so ein Schild vorstellt, da kann man sich noch aus diesem Römerfilm erinnern, da fliegen dann die Pfeile, und die verstecken sich dahinter. Das ist, was David meint. So birgt David sich bei Gott.
Es ist für ihn sogar ein Ausdruck von Gottesfurcht, sich bei Gott zu bergen. Weil ich Gott kenne, weil ich weiß, wie groß er ist, wie gütig er ist, deswegen, und weil ich ihn mehr fürchte als meine Probleme, deswegen berge ich mich bei ihm. Ich freue mich an Gott, und ich berge mich bei ihm. Ich will einfach nirgendwo anders sein, wenn ich in Problemen bin, weil nichts anderes ergibt Sinn.
 Psalm 118, Vers 8: „Es ist besser, sich bei dem Herrn zu bergen, als sich auf Menschen zu verlassen.“ Ist ja logisch, oder? Es ist besser, sich bei dem Herrn zu bergen, als sich auf Menschen zu verlassen. Warum? Menschen können dich im Stich lassen. Gott tut das nicht. Und deswegen dürfen wir ihm gehen, wir dürfen ihm unsere Sorgen abgeben, wir dürfen flehen, wir dürfen fasten, wir dürfen weinen, wir dürfen klagen, danken, bis er unser Herz zur Ruhe bringt.
Noch ein Ding von David, weil er einfach so voll ist, und nehmt das mit nach Hause und fresst euch einfach mal durch die David-Psalmen, okay? Psalm 61, die ersten fünf Verse, einfach noch mal, was da steht: Dem Chorleiter, auf Saitenspiel. Und dann von David:
„Höre, Gott, mein Schreien, horche auf mein Gebet. Vom Ende der Erde rufe ich zu dir, weil mein Herz verzagt. Du wollest mich auf den Felsen leiten, der mir zu hoch ist.“
Merk dir, da ist ein Fels, der zu hoch ist. Und er sagt: Leite mich da drauf, denn du bist mir eine Zuflucht geworden, ein starker Turm vor dem Feind. Ich möchte weilen in deinem Zelt in Ewigkeit, mich bergen im Schutz deiner Flügel.
David betet, schüttet sein Herz vor Gott aus, ist verzagt, sieht die Probleme wie riesige Felsen vor sich, aber er weiß auch, dass Gott seine Zuflucht ist. Und er sucht Gottes Nähe, und er sucht Gottes Sicherheit.

Praktische Wege, Gott als Zuflucht zu suchen

Frage: Wie birgt man sich bei Gott?
Zuerst einmal: Das ist keine extra geistliche Disziplin für die besonders Heiligen. Das darf jeder. Und ich möchte euch bitten, dass ihr mir glaubt: Sich bei Gott bergen zu können, ist eine Sache im Leben, die wir nicht schnell genug lernen können. Wenn du frisch gläubig geworden bist, dann brauchst du das ganz dringend und ganz schnell.
Also, wie birgt man sich bei Gott? Ich glaube, zuerst einmal brauchst du Zeit. Ich setze voraus, dass du Gott kennst. Wenn du Gott noch nicht kennst, geht das jetzt an dir vorbei. Aber wenn du Gott kennst, brauchst du Zeit. Du brauchst einen stillen Ort. Und dann heißt Bergen, dass ich mir die Zeit nehme, meine Zeit, das ist bei Leuten unterschiedlich, dass ich mir die Zeit nehme, meine Sorgen bei Gott abzugeben. Die Zeit, die ich ganz persönlich brauche, um Gott all das zu sagen, was auf meiner Seele brennt.
Und da sind wir irre unterschiedlich. Der eine macht das vielleicht ein bisschen plakativer, und der andere muss sich einfach stundenlang ausheulen. Hey, super, mach das! Und wenn ich dir persönlich etwas wünschen darf für dein geistliches Leben, dann wären das solche Zeiten. Und ich würde es wie David tun an deiner Stelle. Ich würde nicht nur meine Sorgen abgeben, ich würde mir auch überlegen: Wo habe ich eigentlich so meinen Beitrag zu diesen Sorgen geleistet? Es sind ja nicht immer die anderen schuld. Manchmal hat man ja selber auch so seinen Beitrag geleistet.
Und ich würde auch das, was die Bibel Sünden nennt, in meinem Leben gleich mitbekennen. Das werdet ihr bei David finden. Er macht das immer mal zwischendrin, dass er sagt: Übrigens, ja, war nicht so gut. Das ist total schön.
Und dann würde ich Gott anbeten. Ich würde mir Zeit nehmen, über Gottes Charakter nachzudenken. Hier meine Burg, meine Zuflucht, mein Schild, mein Fels. Vielleicht stehst du nicht so auf die antiken Beispiele, man könnte auch moderner sagen: mein Atomschutzbunker, mein Bodyguard, meine schusssichere Weste, mein persönlicher Chuck Norris. Es ist Wurst, was du da an der Stelle sagst, weil Gottes Charakter sich ja nicht geändert hat.
Es geht einfach darum: Wenn wir uns bei Gott bergen, dann geht es darum, dass wir, was Hosea so ausdrückt, dass es keinen anderen Retter als ihn gibt, uns das vor Augen führen. Dass wir Worte dafür finden. Dass wir mit Gott ins Gespräch darüber kommen, dass er unser Retter ist.
Ich glaube, dann macht es auch viel Sinn, einfach in der Bibel zu lesen. Bibelferse hervorzukramen, die mir zeigen, wie Gott ist, wie Gott mich sieht, auch ein bisschen, was ich von dieser Welt zu erwarten habe. Verse, die mir versichern, dass bei allem Schrott, der mir hier passiert, das Beste einfach noch kommt.
Das ist bei Gott sich bergen: Probleme abgeben, Sünden bekennen, Gottes Beschützercharakter feiern, hören, was Gottes Wort mir zu sagen hat, auf Gottes Frieden warten. Das bedeutet ganz praktisch, sich bei Gott bergen. Du kannst das nicht mit einem Stoßgebet. Das ist nichts, was man mal so zwischen Abwasch und Nachrichten dazwischenschiebt. Das braucht Zeit, aber es ist unglaublich wertvoll.
Als Gläubige haben wir das Vorrecht, blessed, gesegnet, gesegnet. Es ist einer der größten Segen, den ich mir überhaupt in meinem Leben nur vorstellen kann. Als Gläubige haben wir das Vorrecht, uns bei Gott bergen zu dürfen. Ich weiß nicht, ob ihr es macht, aber es ist ein unglaublicher Segen. Ich muss nicht alle Probleme alleine durchkämpfen. Ich muss nicht auf alle Sorgen eine Antwort haben. Ist das cool?
Sich einfach hinstellen zu dürfen und zu sagen: Keinen blassen Schimmer, was das soll. Ehrlich, ich bete für viele von euch, die haben Probleme, und ich habe keinen blassen Schimmer, was das soll. Ihr habt es auch nicht, es ist einfach so. Keinen blassen Schimmer, was das soll. Du darfst überfordert sein, du darfst dich fallen lassen.
David hat das anscheinend gemacht. Er sieht das Problem auf sich zurollen und denkt sich, David mit seinen 400 Mann im Gepäck oder wenn er König ist noch ein paar mehr, birgt sich bei Gott. Wir glauben manchmal, dass wir uns nicht verstecken dürfen, weil wir meinen, für alles verantwortlich zu sein. Weil wir meinen, alle Probleme selber lösen zu dürfen. Weil wir denken, wir müssen in unserem Leben irgendwie bis zum Äußersten gehen.
Wisst ihr, auch dann, wenn die Kräfte schon aufgebraucht sind, wenn wir schon lange im roten Bereich sind, wenn schon lange Metall auf Metall geht und wenn wir völlig überfordert sind und wir hören trotzdem nicht auf. Warum? Es gibt wahrscheinlich x Gründe, ich habe euch drei mitgebracht, meine Top drei.

Hindernisse, die uns vom Geborgen-Sein abhalten

Punkt eins: Innere Antreiber
Wir geben nicht zu, dass wir am Ende sind, weil es in uns eine Stimme gibt, die nicht aufhört zu sagen: mehr, mehr, mehr, mehr, mehr.
Und ich weiß witzigerweise gut, wovon ich rede. Mir selbst hat meine Biografie einen furchtbaren Streich gespielt. Als ich Bärbel heiratete – Bärbel war die Frau, von der mein Vater dachte, sie wäre für mich die falsche –, habe ich sie trotzdem geheiratet. Mein Vater hat mir zwei Geschenke mitgegeben. Und Geschenke ist hier mit großen Anführungs- und Schlusszeichen gemeint.
Geschenk Nummer eins: Er hat mir gesagt, dass ich nicht mehr sein Sohn bin, und hat jeglichen Kontakt abgebrochen.
Geschenk Nummer zwei: Er hat einen Satz gesagt, der mich zehn Jahre verfolgen sollte. Der ging etwa so: Wenn du die Frau heiratest, wirst du nie Karriere machen.
Und jetzt lacht ihr, wenn ihr so etwas hört, vielleicht. Es war dieser eine Satz, der mich dreimal in eine Doktorarbeit getrieben hat. Drei fruchtlose Ansätze, die durch Gottes Gnade rechtzeitig abgebrochen worden sind. Aber dieser Satz hat mich jahrelang verfolgt. Und ohne Gottes Hilfe wäre mein Leben vielleicht an dem Versuch gescheitert, meinem Vater zu beweisen, dass ich es doch geschafft habe, ein in seinen Augen erfolgreicher Sohn zu sein.
Innerer Antreiber.
Und deswegen die Frage: Welche Antreiber in deinem Leben verbieten dir, dich bei deinem Gott zu bergen? Welche Lügen glaubst du? Welche Ansprüche denkst du, erfüllen zu müssen, an denen du langsam aber sicher zerbrichst?
Wisst ihr, das eine ist es, dass das Leben mir zu viel wird. Da kann ich wenig dagegen tun. Das andere ist es, dass ich mir selber zu viel werde. Dass ich mir verbiete, bei Gott Geborgenheit und Ruhe in der Qualität zu finden, wie meine Seele das braucht. Dass ich mir verbiete, den Segen auch von Freundschaft zu genießen, den Gott mir verordnet hat. Auch von Gemeinschaft in der Gemeinde, die Gott mir schenken möchte. Dass ich mir selber verbiete, so viel Bibel zu lesen, dass ich ermutigt werde durch sein Wort.
Dass wir uns verbieten, für Probleme nicht zuständig zu sein. Nicht zuständig für die Probleme deines Ehepartners. Du bist ab einem gewissen Alter definitiv nicht mehr für die Probleme deiner Kinder verantwortlich. Du bist nicht verantwortlich für die Probleme der Geschwister hier in der Gemeinde. Das bist du nicht.
Vielleicht hast du eine kleine Möglichkeit zu helfen. Du kannst hier und da etwas sagen, ein bisschen Geld, ein bisschen Zeit investieren. Ja, mach das. Aber wenn du so eine Last auf dir spürst, wo du denkst: Die werde ich nie los, dann frage ich dich: Wo kommt dieser innere Antreiber her, der dir sagt, du musst das Leben anderer schultern? Wo kommt der her?
Oder sind das Stimmen in dir, die dir vielleicht nicht sagen: Du musst dich mehr um andere kümmern? Vielleicht sind es auch die Stimmen, die dir sagen: Du bist nie genug. Wen willst du gefallen? Wen willst du imitieren? Wessen Liebe möchtest du dir erarbeiten?
Da könnte man viel nachdenken. Das wäre eine eigene Predigt wert. Und vielleicht wird Boris uns irgendwann mal eine halten. Zumindest hat er vor, so in die Richtung mal zu gehen.
Mein Tipp vorneweg, einfach nur: Lass es. Lass es einfach. Du hast ein Recht darauf, dich bei Gott zu bergen.
Punkt eins: Innere Antreiber.
Punkt zwei: Gott ist, wo ich mich berge.
Und wenn ich mich nicht bei Gott berge, weil ich denke, ich darf das nicht, oder wenn ich sage, ich brauche das nicht, oder weil ich meine, Gott wäre nicht in der Lage, meine Probleme zu lösen, dann sagt das viel über meine Theologie und darüber, wem ich am meisten vertraue. Versteht ihr mich?
Wenn ich mich überhaupt nicht bei Gott berge, dann habe ich ein ziemlich schräges Gottesbild. Das ist mein Punkt Nummer zwei. Ich werde mich nämlich nur bei einem Gott bergen, den ich fürchte und von dem ich glaube, dass a) ich ihm wichtig bin, b) er weiß, was er tut, und c) ihm alle Dinge möglich sind.
Ich werde mich nur bei einem Gott bergen, der für Güte, Weisheit und Allmacht steht.
Und wenn ich mich nicht bei Gott berge, kann es sein, dass ich vielleicht im Grunde meines Herzens – das würden wir ja nie offensichtlich machen – irgendwo den Gedanken habe: Gott meint es nicht wirklich gut mit mir. Wenn ich mich bei ihm berge und mich da so ganz in seine Hände fallen lasse: Huch, was könnte dann mit meinem Leben passieren?
Oder dass wir vielleicht denken: Na ja, vielleicht ist Gott gar nicht so weise. Vielleicht weiß ich doch besser, wie ich mein Leben gemanagt bekomme.
Oder dass ich Gott einfach nicht zutraue, weil er nicht der allmächtige Gott ist, der diese Welt regiert, sondern dass ich sage: Ich möchte das lieber in meinen eigenen Händen halten.
Wenn ich denke, dass Gott es nicht gut mit mir meint, den Überblick verloren hat oder einfach nicht schafft, meine Probleme so gut zu lösen, wie ich das selber kann, dann werde ich mich nicht bei ihm bergen.
Also: Punkt eins innere Antreiber, Punkt zwei ein schräges Gottesbild, Punkt drei Dummheit. Dummheit.
Ja, also wir sind in diesen Dingen, in den geistlichen Dingen, ja nicht klüger als sonst im Leben. Es kann einfach passieren – ich weiß nicht, wie oft es mir schon passiert ist – man macht völligen Blödsinn, also man sündigt ja, und dann ist die Zeit rum mit der Sünde. Und dann schaut man auf das, was man getan hat, und dann denkt man sich: Warum habe ich das getan? Es macht gar keinen Sinn. Und warum habe ich nicht ein bisschen klüger in der Situation gehandelt?
Und die Antwort ist: Deshalb, weil ich dumm bin.
Von daher: Es gibt drei Top-Gründe, warum ich mich nicht bei Gott berge. Innere Antreiber, die es mir nicht erlauben. Punkt zwei: ein schräges Gottesbild. Punkt drei: Dummheit.
Also Vorsicht, wenn innere Antreiber, ein schräges Gottesbild und eigene Dummheit mich davon abhalten, bei Gott zur Ruhe zu kommen. Bitte Vorsicht.
Kommen wir zum Schluss.

Hoffnung über den Tod hinaus

Der Vers ist cool. Lernt den Vers auswendig, er ist so cool. In Sprüche 14 steht, dass wir uns auch dann noch bei Gott bergen dürfen, wenn für den Rest der Welt alle Hoffnung vorbei ist.
Es muss uns klar sein: Diese Welt kann über den Tod Witze machen. Ich hatte ein paar rausgesucht, aber ich habe sie alle wieder gestrichen, weil sie einfach zu dämlich sind. Diese Welt kann den Tod verdrängen. Wenn ich mit meinen ungläubigen Freunden rede, die leben in dieser Welt: der nächste Urlaub, das nächste Geschäft, hier leben sie. An den Tod denken? Nein, so weit sind wir weit weg. Nicht daran denken, das kann diese Welt. Aber unterm Strich: Hat diese Welt Angst vor dem Tod? Deswegen wünscht man auch den Leuten immer: Hauptsache gesund. Weil das scheint so das Gegenmittel gegen den Tod zu sein. Und irgendwie stimmt es ja auch: Solange du gesund bist, bist du nicht tot. Bedeutet aber unterm Strich, dass diese Welt Angst hat, ob sie das zugibt oder nicht.
Und jetzt kommt dieser Moment des Todes aber auf jeden Menschen zu. Und für diesen Moment ist dieser Spruch da. Sprüche 14,32. Wir werden ihn brauchen, wenn wir an den Totenbetten gläubiger Geschwister sitzen: In seinem Unglück wird der Gottlose umgestoßen, aber der Gerechte ist noch in seinem Tod geborgen.
Ich möchte euch von hier vorne das mitgeben. Und die Jungen werden so noch ewig hin, weißt du nicht, aber wahrscheinlich schon. Ab 50 garantiere ich euch, fangt ihr an, mehr darüber nachzudenken. Wie das danach wird, weiß ich nicht. Ich ahne, es wird noch mehr. Trotzdem: Ganz wichtig. Als Christen brauchen wir keine Angst vor dem Tod zu haben.
Wisst ihr, wenn wir es lernen, ein Leben lang, uns bei Gott zu bergen, dann wird es uns auch am Ende leicht fallen, diesen letzten Schritt des Glaubens zu gehen. Wenn wir immer und immer wieder, stellt euch das mal vor, ein Leben lang immer und immer wieder erfahren haben, dass Gott es schafft, in unseren schwierigsten Situationen zuerst unser Herz zur Ruhe zu bringen, uns dann auf seine Weise zu retten, mindestens aber durchzubringen, dann müssen wir vor dem Tod keine Angst haben.
Gott ist unser Freund, und er hat seinen Freunden versprochen, dass er uns nicht im Stich lässt. Gott hat versprochen, dass er uns aus der Gewalt des Todes retten wird, und er wird es tun. Wir werden auferstehen. Wir werden auferstehen, um einen neuen Himmel und eine neue Erde zu bewundern, zu bewohnen und zu genießen.
Und bis dahin dürfen, ich würde ja sagen müssen, egal was kommt, wir uns bei Gott bergen. Und wenn du in dir dieses Gefühl hast: Nee, das Problem ist zu klein, oder keine Ahnung, was dich davon abhält, dich immer wieder in die Hände Gottes zu werfen, mein Tipp von hier vorne: Mach es. Wirf dich da rein. Birg dich bei Gott. Lern das mehr, als du es brauchst. Eher mal: Oh, jetzt habe ich mich geborgen und habe es eigentlich nicht gebraucht, aber trotzdem schön. Ja, das ist wie Eheabende. Weißt du, du kannst nicht zu viele Eheabende haben. Dann hast du einen zu viel, na ja gut, kannst du mit leben. Zu wenig ist das Problem. Und so ist es auch bei Gott.
Birg dich bei Gott, und dann, ganz egal was kommt, und sei es der Tod, dürfen wir uns geborgen fühlen. Was für ein Segen. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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