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SO FOLGST DU NACH

MIT PETER KRELL
05.06.2026
Warum fühlt sich Nachfolge oft wie Druck an? Jesus macht dich zuerst angenommen – nicht deine Leistung. Genau daraus wächst ein neues Leben, das nicht sucht, sondern gibt.

Einleitung und Vorstellung des Gesprächs

Willkommen beim überkonfessionellen Bibelverdienst. Um Christen in der Nachfolge zu stärken, erstellen wir kostenfreie Infomaterialien.
Zieh gern alles aus diesem Video raus, was du kannst. Vor allem aber werden dir die Infomaterialien auf der Website helfen. Die nehmen sich jeden Tag Menschen mit, die neu im Glauben sind, aber auch tausende Menschen, die schon seit Jahrzehnten Jesus nachfolgen. Alles steht schon gratis für dich bereit. Dafür kannst du freiwilligen monatlichen Unterstützern aus dem ganzen Land danken, Menschen wie du und ich.
Wer auch möchte, dass Videos wie dieses in Deutschland, Österreich und der Schweiz weiter ausgespielt und nicht verborgen werden, der sollte jetzt auf diese Glocke drücken, die unten rechts unter diesem Video ist. Vielen Dank an alle Unterstützer, ob mit Glocke, Geld oder Gebet. Sehr wichtig: Es macht einen spürbaren Unterschied, und dieses Video ist für dich.
Es ist etwas Wunderbares, wenn ein Mensch Christ wird. Im Lukas-Evangelium 15,10 sagt Jesus, dass da Freude bei den Engeln Gottes im Himmel ist, wenn ein Sünder Buße tut. Die Wiedergeburt ist ein Wunder Gottes.
Aber wie geht es eigentlich nach der Bekehrung weiter? Viele Menschen, die neu im christlichen Glauben sind, stellen sich genau diese Frage. Und viele Christen, die schon länger Jesus nachfolgen, fragen sich auch, wie sie Geschwistern, die neu im Glauben sind, konkret dabei helfen können. Genau darum soll es in diesem Video gehen.
Deshalb habe ich mir einen echten Experten für dieses Thema eingeladen: Peter Krell. Peter ist Pastor der Hoffnungskirche Kaiserslautern und beliebter Konferenzredner. Wenn du noch keine Predigt von ihm gehört hast, dann solltest du das unbedingt nachholen. Außerdem betreibt er gemeinsam mit Pastor Michael Wiesche den Puritaner-Podcast, unbedingte Hörempfehlung. Zudem ist Peter verheiratet und Papa von vier Kindern.
Aber warum ist Peter ein Experte für das heutige Thema? Nun, Peter hat gemeinsam mit Florian Gostner dieses Buch hier geschrieben: Christ und jetzt? Starthilfe für dein Leben mit Jesus. Das Buch ist bei unseren Freunden im Werbemedien Verlag erschienen und behandelt genau die eingangs erwähnte Thematik. Freut euch also auf ein interessantes Gespräch über zentrale Wahrheiten des christlichen Glaubens.
Ja, lieber Peter, ich freue mich, dass du heute hier mein Gast bist. Und wir wollen über ein Buch reden und über den Inhalt dieses Buchs, welches du geschrieben hast mit Florian Gostner. Nämlich das heißt Christ und jetzt? Starthilfe für dein Leben mit Jesus. Ein total wichtiges Thema.
Aber bevor wir da reingehen, hätte ich mal noch eine ganz andere Frage. Vielleicht schaut dir der eine oder andere auch zu, der sich fragt: Ja, wie werde ich denn überhaupt erst mal Christ, und warum sollte ich überhaupt Christ werden?
Thomas, ich freue mich auch, das jetzt hier mit dir in dem Format machen zu dürfen. Und es ist auch eine super Einstiegsfrage. Wenn man fragt, wie werde ich Christ, dann würde ich direkt auf die Worte von Jesus verweisen, der am meisten davon spricht, entweder mit der Formulierung, ihm nachzufolgen, oder an ihn zu glauben. Und das ist, wie Christsein beginnt: wenn man versteht, und das ist die absolute Basis, wer Jesus Christus für mich persönlich ist und dass er vor allen Dingen eine Relevanz für mich persönlich hat. Dass er, wie er selbst sagt, der einzige Weg zum Vater ist, dass er Weg, Wahrheit und Leben ist. Dann ruft er mich auch dazu auf, an ihn zu glauben. Das bedeutet nicht reiner Kopfglaube, sondern das bedeutet Herzensvertrauen auf ihn als meinen Retter und Herrn.
Und das ist dann der Beginn: wenn ich verstehe, wer Jesus ist, und mich dieser Jesus begeistert und mir auch zeigt, wer ich vor Gott bin, dann folgt darauf der Ruf, wirklich Jesus Christus nachzufolgen. Das bedeutet, auf ihn zu hören, auf das, was er gesagt hat, zu hören, was für uns niedergeschrieben ist in der Bibel, und wirklich sein Nachfolger zu sein und durch ihn mit Gott versöhnt zu sein.
Und das knüpft, glaube ich, an die Folgefrage an, die du gerade gestellt hast, nämlich: Warum sollte jemand Christ sein? Nun, wir alle wissen, mit dieser Welt stimmt etwas nicht. Und das Leben ist zutiefst zerbrechlich, das Leben ist endlich, und wir brauchen eine Lösung. Insofern ist Jesus mit dem Selbstanspruch aufgetreten, als Sohn Gottes, dass er gekommen ist, um wirklich eine Lösung zu schaffen. Oder biblisch gesprochen: eine Erlösung. Also eine absolute, endgültige Lösung, die uns wirklich einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet. Also aus der Gottesferne, aus der Entfremdung von Gott, aber auch aus der Endlichkeit des Lebens, sodass wir durch Jesus ewiges Leben bei Gott haben dürfen. So würde ich es jetzt mal formulieren.
Ja, danke, Dion. Dann wird man sozusagen Christ, hoffentlich, und entscheidet sich für diese Nachfolge mit Jesus. Und da setzt ja quasi euer Buch jetzt ein. Vielleicht kannst du mal sagen: Was war der Auslöser für das Buch? Warum habt ihr das geschrieben?
Ja, also ich denke, vor circa fünf Jahren war bei mir der erste Gedanke nicht an ein Buch ursprünglich, sondern an so eine Art Kurs für meine Gemeinde. Weil ich gemerkt habe: Die Situation, in der das in meinem Kopf entstanden ist, war, dass wir immer wieder Leute getauft haben. Und vor der Taufe gab es dann so eine Art Grundkurs des Glaubens. Da haben wir aber vor allen Dingen noch nicht direkt über die Nachfolge gesprochen, die nach der Bekehrung oder nach dem Gläubigwerden kommt, sondern wir haben wirklich über die frohe Botschaft von Jesus gesprochen. Dass wir als Menschen ein Problem haben, dass wir vor Gott Sünder sind, dass wir Vergebung und ein neues Herz brauchen und so weiter.
Und dann haben wir die Leute, die das wirklich im Herzen angenommen haben und entschieden waren, ihr Leben Jesus zu geben, getauft. Danach wollte ich den Leuten gerne etwas an die Hand geben, entweder so selbst zum Lesen oder auch durch einen Anschlusskurs, der dann wirklich über praktische Nachfolge spricht.
Dann bin ich natürlich direkt ins Internet gegangen und habe geguckt. Man findet zwar viele Bücher über einzelne Aspekte der Nachfolge, jetzt zum Beispiel ein Buch über Gebet, ein Buch über Gemeindezugehörigkeit oder man hat vielleicht auch mehrere Themen in einem Buch. Aber die Sprache, in der das geschrieben ist, ist schon so ein bisschen schwierig für jemanden, der damit noch nie irgendwas zu tun hatte, sage ich mal, oder schwierig für beispielsweise junge Teenager.
Und da kam so die Idee, ein möglichst umfängliches, also so ein ganzheitliches Buch zu schreiben, das in einfacher Sprache schon einen recht guten Überblick über Nachfolge gibt und auch wirklich für Jugendliche und junge Teenager lesbar ist. So war mein Grundgedanke. Das hatte ich dann, wie gesagt, vor knapp fünf Jahren mal so ein bisschen auf Papier gebracht. Das blieb dann aber ein paar Jahre liegen.
Irgendwann habe ich dann Alex Reindl vom Werbum Verlag persönlich kennengelernt. Und irgendwann kam das dann ins Gespräch, und ich habe ihm das zugeschickt. Ihre Antwort war: Ja, das klingt interessant, wir würden das eigentlich gerne angehen, aber es muss noch überarbeitet werden. Und dann habe ich gesagt: Boah, Leute, jetzt noch mal so viel Zeit reinstecken, schwierig.
Und da kam halt Flo Gosner ins Spiel. Flo Gosner ist vom Werbum-Team. Dann haben wir ein paar Videocalls gehabt. Eines der faszinierendsten Dinge an der ganzen Sache ist: Ich habe Flo Gosner bis heute noch nicht einmal face to face, also in echt, vor mir gehabt. Total verrückt, weil er in den Staaten lebt. Und so haben wir dann wirklich alles über Videocall gemacht, haben uns aber kennen und schätzen gelernt.
Und gerade weil Flo immer wieder so richtig gute Anregungen und Ideen hatte, kam dann bei mir so die Idee: Eigentlich wäre er doch der perfekte Kandidat, um das zu überarbeiten. Ich habe dann diese Idee einfach mal platziert, und daraus ist dann letztendlich die Co-Autorenschaft entstanden. Flo hat dann letztendlich noch einiges an Arbeit in das Manuskript reininvestiert, und ich wurde dann eigentlich nur noch in den letzten Zügen noch mal so mit an Bord genommen und habe hier und da ein bisschen Feinarbeit mitgemacht. Genau.
Coole Geschichte, danke für das Mitreinnehmen. Wie kann man jetzt das Buch, also es ist ja schon ein praktisches Buch, es geht um Nachfolge, ganz praktisch verwenden? Ist es gedacht, eher in der Gruppe zu lesen oder für sich alleine? Was sind da auch deine Gedanken gewesen?
Ja, ich glaube tatsächlich, dass das Buch vielseitig einsetzbar ist. Also zum einen kann ich sagen: Ich persönlich lese es jetzt gerade meinen zwei ältesten Kindern vor. Mein Sohn ist acht, meine Tochter neun. Eigentlich dachte ich, vielleicht noch ein bisschen zu früh oder halt zu jung vom Alter. Aber wir sind jetzt knapp bei der Hälfte vom Buch, und ich bin total begeistert, weil ich dann auch so beim Lesen und im Gespräch mit ihnen merke: Hey, die können das wirklich verstehen.
Und das war für mich auch ein echt schöner Moment, weil das ja auch das Ziel von dem Buch war. Insofern glaube ich tatsächlich, dass das für christliche Eltern, die Kinder haben, die so in diesem Alter beispielsweise acht, neun, zehn, elf, zwölf, dreizehn sind oder auch älter, eine gute Hilfe sein kann. Sie können ihren Kindern das Buch schenken oder es mit ihren Kindern gemeinsam lesen oder es ihnen vorlesen.
Ich merke auch, dass das meine Kinder ins Nachdenken darüber bringt, wo sie jetzt genau stehen. Denn das Buch spricht jetzt nicht über die Bekehrung, aber es zeigt, wie Christsein sich quasi auch anfühlt, wie das erfahren wird, wenn ich mit Jesus verbunden bin, und wie Christsein praktisch ausgelebt wird. Das hilft ihnen echt, sich auch zu reflektieren. Dafür bin ich total dankbar.
Also das wäre ein Kontext: Familie, vielleicht auch Familienandacht. Dann werden wir jetzt auch anfangen, das Buch bei uns in der Gemeinde unseren frisch getauften Geschwistern zu schenken. Und das schenken wir dann jeweils ihnen und auch ihren Taufpartnern. Also bei uns in der Kirche gibt es Taufpartner, und das bekommen dann beide mit der Idee, dass sie das im Anschluss an die Taufe gemeinsam lesen und dann quasi auch so eine Jesusbeziehungs- oder Jüngerschaftsbeziehung miteinander pflegen und darüber auch ins Gespräch kommen.
Dafür haben wir halt auch am Ende von jedem Kapitel so ein paar Anwendungsfragen, die jeweils dabei helfen können, auch ins Gespräch zu kommen. Also insofern wäre das ein weiterer Kontext, jetzt eher so in der Gemeinde für Leute, die frisch bekehrt, frisch getauft sind.
Aber ich würde auch sagen: Wenn man jetzt zum Beispiel einen Hauskreis mit jungen Erwachsenen hat, dann könnte man das auch so in einer kleinen Gruppe miteinander betrachten, Kapitel für Kapitel. Ich glaube, ein schöner Aspekt des Buchs ist, dass die Kapitel wirklich recht kurz sind. Also auch für die, die eigentlich gar nicht so die Leseratten sind, kann das wirklich eine Hilfe sein und so ein Einstieg in die ganze christliche Lesewelt, wenn sie dann das Buch in so kleinen Häppchen sich auch zu Gemüte führen können. Insofern auch ein Kreis junger Erwachsener oder ein Hauskreis, eine Teenie-Gruppe, das wäre auch ein Kontext, wo ich mir vorstellen könnte, dass das Buch hilfreich sein könnte.
Ja, und wir gehen gleich noch näher darauf ein, was inhaltlich so drinsteht. Wenn man jetzt aber das Buch aufschlägt, dann sieht man erst mal ganz am Anfang: Ihr habt das Buch in drei große Teile eingeteilt, drei große Themenkomplexe. Vielleicht sagst du noch mal ein paar Sätze dazu, warum diese Einteilung?
Ja, also meine ursprüngliche Idee war eine Zweiteilung, und Flo hat dann daraus eine Dreiteilung vorgenommen. Und ich bin sehr froh darüber, dass wir es jetzt so gemacht haben. Also die drei großen Teile, die bauen aufeinander auf, ja.
Ich lese mal kurz vor: Teil eins ist Was Gott für dich getan hat. Teil zwei ist Wie du mit Gott lebst. Und Teil drei ist Wie Gott dich gebraucht.
Der Teil eins ist eigentlich die Anwendung des Evangeliums für den Alltag eines Christen. Also quasi statt dass wir einfach mit dem Doing beginnen, so: Okay, als Christ, Starthilfe für deine Nachfolge, okay, du musst ab jetzt oder solltest ab jetzt Bibel lesen und beten und zu einer Gemeinde gehören und so weiter. Das schafft ja nicht die richtige Atmosphäre. Das schafft dann eher eine To-do-Liste.
Deswegen ist Teil eins erst mal: Was Gott für dich getan hat. Und das sind die ersten drei Kapitel. Die drehen sich eigentlich um Vater, Sohn und Geist. Es redet davon, dass wir jetzt mit Gott versöhnt sind und ihn Vater nennen dürfen. Kapitel zwei hat die Aussage, dass wir jetzt mit Jesus verbunden sind oder sogar in Christus sind und eine neue Identität haben, auch einen, ich sage mal, in Jesus gegründeten Wert, der meinen Alltag prägt. Dass ich nicht mehr Anerkennung oder Geld oder Erfolg oder Followern oder sonst was hinterherrennen muss, weil ich Jesus habe und er mich bereits liebt.
Und dann kommt auch das Kapitel drei mit dem Heiligen Geist, dass Gott mir wirklich sich selbst schenkt, seine Gegenwart, seine Hilfe, seine Zusage durch den Heiligen Geist, der jetzt täglich, jeden Moment mein Beistand ist. Und das schafft quasi erst mal die richtige Atmosphäre der Nachfolge: Gott ist jetzt für mich, wer kann gegen mich sein, um es mal mit Römer 8 zu sagen.
Und dann der zweite Teil redet davon, wie du mit Gott lebst, also wie kann ich jetzt meine Beziehung zu Gott ausdrücken und auch die Beziehung mit ihm erfahren? Das drückt sich dann aus einerseits dadurch, dass ich Gottes Stimme höre, dass ich ihm zuhöre durch das Lesen seines Wortes, das Hören von Predigten usw. Aber auch, dass ich mit Gott spreche, dass ich mich ihm gegenüber aufrichtig und von ganzem Herzen und so, wie mein Herz auch beschaffen ist, ihm gegenüber ausdrücke im Gebet.
Aber auch, und das ist dann das dritte Kapitel im zweiten Teil, dass ich jetzt, weil ich mit Gott versöhnt bin, auch zu denen gehöre, die er erlöst hat: das ist seine Gemeinde. Und diese weltweite Schar der Erlösten drückt sich in Ortsgemeinden aus, weshalb ich den Wunsch haben sollte, jetzt auch Teil einer christlichen Ortsgemeinde zu sein und da auch Geschwister zu haben, denen ich dienen darf, die auch für mich da sind, mit denen ich gemeinsam Gott besser kennenlernen kann. Das ist dann so der zweite Teil.
Und der dritte Teil ist sozusagen eher der Blick in die Welt, der Blick auf gute Werke, dahin, dass Gott mich auch wirklich gebrauchen will. Und da beschäftigen wir uns zum einen mit dem Thema Gaben, also Gott hat jeden von uns begabt, und wir dürfen und sollen unsere Gaben einsetzen. Dann auch ein Kapitel über Zeitgebrauch: Wie sieht jetzt eigentlich so eine christliche Lebensgestaltung aus? Und dann ist das dritte Kapitel in diesem Teil drei: Verwalte deinen Besitz. Also wie sollte ich eigentlich jetzt mit dem umgehen, was Gott mir gegeben hat, egal ob jetzt das Geld auf meinem Konto oder das, was ich besitze, das Auto, das ich fahren darf und so weiter. Und dann schließt es mit dem Gedanken, anderen von Jesus zu erzählen.
Ja, insofern glaube ich, ist das so ein Buchaufbau, der in sich wirklich schlüssig ist. Es beginnt bei Gott und wer ich jetzt für ihn bin. Es geht weiter mit, wie ich jetzt mit meinem Gott lebe. Und dann endet es mit, wie Gott mich jetzt auch gebrauchen will.

Die Grundlage des Glaubens und der Aufbau des Buches

Ja, sehr gut. Und da wollen wir jetzt gerne noch ein bisschen tiefer einsteigen und uns ein paar Wahrheiten, wichtige Wahrheiten, anschauen.
Für mich persönlich ist die Rechtfertigungslehre eine ganz heilsame Lehre für mein Glaubensleben. Und ich erlebe immer wieder, auch wenn ich mit Christen rede, dass manche es gar nicht so richtig verstanden haben: Was bedeutet das eigentlich? Was steht dahinter? Aber ich glaube, dass es total wichtig ist, um ins Christenleben hineinzukommen, diese Lehre zu ergreifen und immer wieder dahin zurückzukehren und sich das vor Augen zu malen.
Und da würde ich dich einfach gern mal bitten, dass du uns noch mal erzählst: Was bedeutet Rechtfertigung? Weil ich schreibe das ja auch in eurem Buch. Und warum ist diese Lehre letztlich so wichtig auch für unser Christenleben?
Also die Lehre der Rechtfertigung ist für uns eine ganz grundlegende Lehre und eine herrliche Wahrheit. Denn Rechtfertigung besagt, dass ich durch Jesus vor Gott allein durch das Vertrauen in Jesus für gerecht erklärt werde. Also im Gegensatz zu Religionen und Überzeugungen, die letztendlich auf meiner Leistung aufbauen, das heißt, wo ich mir dann etwas erarbeiten muss, ist es bei Jesus genau umgekehrt. Da darf ich sagen: Jesus hat alles für mich getan, Jesus hat alles am Kreuz für mich vollbracht. Er wünscht sich jetzt von mir, dass ich einfach auf sein Werk vertraue und dadurch seine Gerechtigkeit zugesprochen bekomme.
Das bedeutet quasi: Wenn Gott auf mich sieht und ich aber mit Jesus durch den Glauben verbunden bin, dann sieht der Vater seinen Sohn in mir mit seiner perfekten Gerechtigkeit. So dass ich sagen kann: Noch bevor ich eine gute Tat als Christ getan habe, darf ich bereits wissen, dass ich mit Gott versöhnt und in seinen Augen für gerecht erklärt bin.
Also sozusagen habe ich nicht nur Vergebung der Schuld, sondern auch einen neuen Stand vor Gott, den Jesus für mich erarbeitet hat, sozusagen den Jesus für mich möglich gemacht hat. Und so würde ich es ausdrücken: Die befreiende Nachricht ist, ey, du bist jetzt schon, wenn du an Jesus glaubst, bei Gott hundert Prozent angenommen. Und du wirst, auch wenn du jetzt als Christ Fortschritte machst und Jesus ähnlicher wirst, dadurch nicht dazu führen, dass der Vater dich danach irgendwie noch mehr angenommen hat oder noch mehr liebt. Sondern ich bin jetzt schon maximal geliebt, weil mir die gleiche Liebe gehört, die der Vater für seinen Sohn hat. Das ist Evangelium, das ist die frohe Botschaft. Insofern sind Rechtfertigung und frohe Botschaft ganz nah beieinander.
Wichtiger und tiefer Punkt von Peter. Hilf gern mit, dass mehr Menschen diesen Beitrag sehen. Wir haben dafür alles schon vorbereitet, damit du jetzt gern diese Glocke hier unten rechts unter diesem Video drücken kannst und der Algorithmus den Rest erledigt. Vielen Dank an alle, die das machen. Das ist auch eine schöne Wertschätzung für die Klarheit von Peter. Danke dafür!
Wunderbar, Halleluja! Da muss man sich wirklich immer wieder auf der Zunge zergehen lassen, diese Wahrheit. Und im Zusammenhang mit Rechtfertigung schreibt er auf Seite 25 Folgendes: Weil du weißt, dass du bedingungslos geliebt bist, musst du nicht mehr nach Anerkennung, Annahme und Bestätigung suchen. Das macht dich frei, andere Menschen wirklich zu lieben, anstatt sie für deine Zwecke zu benutzen.
Kannst du noch mal erläutern, was das konkret mit dem Thema Rechtfertigung zu tun hat? Jeder von uns sucht ja so seinen Platz in der Welt, und jeder von uns muss letztendlich irgendetwas finden, worin er so seinen persönlichen Wert festmacht.
Ja, und wenn ich meinen Wert beispielsweise darin suche, wie toll Leute mich finden, dann kann es schnell passieren, dass ich mich mit meinem Insta-Account identifiziere. So dass ich, wenn ich morgens aufwache, auf Insta gehe und dann 59 neue Follower habe, mich richtig gut fühle. Toller Start in den Tag. Oder wenn ich dann morgens auf Insta gehe und feststelle: Ey, ich habe irgendwie nur minus dreizehn Follower, dann startet mein Tag halt mies.
Und darin ist ja eigentlich letztendlich die Suche, geliebt, angenommen und wertgeschätzt zu sein. Wenn ich das aber in allerhöchstem Maße bereits bei Jesus habe und mir dessen bewusst bin, was natürlich auch wichtig ist, und mir dessen bewusst bin, dass ich das bei Jesus und durch Jesus mit dem Vater habe, dann befreit mich das davon, meinen Wert in anderen Dingen zu suchen.
Und da hat jeder von uns, glaube ich, so seine persönliche Neigung: Der eine sucht es halt in seinem Kontostand, der andere eher in seiner Position, der andere wiederum in Schönheit, in seinem Besitz, in einem schönen Haus und Garten, wie auch immer. Und da wird Jesus halt wirklich praktisch. Denn wenn ich damit starten darf, dass er an meiner Seite ist und ich bei ihm angenommen bin, dann fallen da wirklich so diese Fesseln von mir ab, Sklave irgendwelcher unerfüllter Sehnsüchte in dieser Welt zu sein.
Ja, und jetzt hat man diese Wahrheit ergriffen: Ja, ich bin gerecht in Christus. Wie geht es jetzt weiter? Wie kann man sich Jesusnachfolge vorstellen? Bedeutet das, dass ich jetzt Gebote einhalte? Erzähl mal.
Ja, also das bedeutet es definitiv, aber das ist nur die Frucht von etwas und nicht die Basis. Ich denke, das Neue Testament, wenn es darüber spricht, was es bedeutet, Christ zu sein, dann redet das nicht nur von dem Tun, von der Praxis, sondern es redet ganz viel über das Sein. Und das ist spannend.
Wir haben im Neuen Testament ja viele Briefe, die an Christen beziehungsweise an Gemeinden geschrieben wurden. Und in diesen Briefen wird, obwohl sie an Christen adressiert sind, ganz viel darüber gesprochen, wahrscheinlich allem voran im Römerbrief, wer wir jetzt als Christen sind. Und da wird zum Beispiel auch die Frage gestellt: Wisst ihr nicht, dass wir, die wir in Christus getauft sind, in seinen Tod getauft sind?
Also Christen müssen sozusagen lernen, wer sie jetzt sind. Und um jetzt mal beim Römerbrief zu bleiben: Der Römerbrief zeigt nämlich wunderbar, dass dieses Verständnis davon, wer ich jetzt tatsächlich bin, und das zu verinnerlichen, die Basis meiner praktischen Nachfolge ist. Und das ist ja so: Römer 1 bis 11, das ist wirklich so die frohe Botschaft und wer ich in Christus bin, genauso Epheser 1 bis 3. Und dann Römer 12 bis 16 und Epheser 4 bis 6, da baut das dann darauf auf, dass, weil wir jetzt in Christus sind, weil wir jetzt für die Sünde gestorben sind, weil wir jetzt den Heiligen Geist haben, wir doch jetzt so und so leben.
Dann schaut es erst in die Praxis. Das heißt: Ich denke, Christsein, also Nachfolge, bedeutet zuallererst mal, immer mehr zu verstehen, wer ich jetzt bin in Jesus. Und ich glaube, manchmal laufen wir Christen Gefahr, diesen Grundlagenschritt einfach zu überspringen. Ja, wir wollen direkt irgendwie zum Doing, wir wollen direkt zu den Ergebnissen, wir wollen direkt zur Veränderung. Aber das funktioniert null Prozent, wenn ich den ersten Schritt auslasse. Und das ist wirklich, wer ich jetzt in Jesus bin.
Und ich sage es jetzt auch mal so: Was für ein Potenzial ich in Jesus habe! Also wenn der auferstandene Christus in mir lebt und ich das auch verstehen darf, dann ist da eine ganz andere Motivation, dann ist da eine ganz andere Hoffnung in mir, das auch praktisch auszuleben.
Und darauf aufbauend kommen dann wirklich so die praktischen Aspekte des Christseins, dass ich jetzt, und manchmal wird das im Neuen Testament als ein Ablegen und Anziehen beschrieben, dass ich zum Beispiel jetzt Verhaltensweisen, die eigentlich zu meinem alten Leben ohne Jesus gehört haben, dass ich da, wo sie jetzt irgendwie noch an mir hängen wie so Angelhaken oder so, dass ich das jetzt nach und nach wirklich ablege. Und dass ich stattdessen, also während ich jetzt zum Beispiel Lüge ablege, Habsucht ablege und so weiter, dass ich da jetzt stattdessen Christi Wesen anziehe, ihm mehr Raum gebe und die Wahrheit rede, großzügig mit anderen umgehe, nicht mehr von Neid zerfressen bin, sondern mich mit dem Glück der anderen freue und so weiter und so fort.

Geistliche Mittel, Schrift und Gebet

Ja, wir sind mitten drin in der Nachfolge, und ihr schreibt in eurem Buch auch von einem Begriff namens Gnadenmittel. Das ist, glaube ich, so ein Begriff, den man jetzt nicht alltäglich hört, unbedingt in der Gemeinde. Was kann man sich unter Gnadenmittel vorstellen, und inwiefern helfen sie mir?
Also ich würde es vielleicht mit einem kleinen Pflänzchen vergleichen. Du kannst eine wunderschöne Pflanze im Zimmer stehen haben, und diese Pflanze ist ja lebendig. Deswegen stellen wir uns das ja auch mal ins Zimmer, weil im Gegensatz zu meinem Tisch und meinem Laptop ist da einfach so Leben in meinem Zimmer. Das bedeutet, diese Pflanze ist vielleicht lebendig und blüht vielleicht sogar. Aber wenn ich sie einfach nur stehen lasse, dann werde ich mit der Zeit merken: Oh, die Blätter, die fangen dann zu welken, die Blüten fallen ab und so weiter, der Boden trocknet immer mehr aus, und die Pflanze geht ein.
Und sozusagen genauso wie die Pflanze für gewöhnlich Sonnenlicht und Wasser braucht, so sind wir als Christen auch nicht wie so autonome Roboter, die jetzt einfach aus sich selbst herauslaufen, sondern wir sind abhängig von Gott. Und deswegen hat Gott uns Gnadenmittel gegeben, von denen er versprochen hat, dass sie uns im Glauben stärken werden. Genauso wie eine Pflanze durch die neue Begießung mit Wasser erfrischt wird und gestärkt wird und weiter wachsen kann, so hat Gott uns Dinge gegeben, die uns im Glauben wachsen lassen. Und das ist halt allem voran sein Wort, wo Gott auch versprochen hat, dass es die Kraft hat, uns zu verändern, uns heilig zu machen. Das ist das Gebet, durch das Gott uns auch begegnet und durch das wir Gemeinschaft mit Gott haben dürfen. Und halt auch die Gemeinde, in der Gott wohnt durch seinen Heiligen Geist und in der Gott gegenwärtig ist und wirkt.
Herr Werder, du hast gerade schon erwähnt ein Gnadenmittel oder wir wollen uns jetzt mal die Gnadenmittel auch anschauen. Ein Gnadenmittel ist die Bibel. Uns beim Bibelverdienst ist die Bibel natürlich auch sehr wichtig, das sagt ja auch schon unser Name. Wir wünschen uns, dass Leute die Bibel lesen, sie verstehen und auch dann natürlich danach handeln. Sag uns doch noch mal, warum ist es so wichtig, dieses Buch zu lesen?
Ja, also ich würde sagen, die Bibel selbst erhebt hundertfach den Anspruch, dass sie tatsächlich das Wort Gottes ist und dass sie Gottes Wort und Wahrheit an uns kommuniziert. Etliche Male hast du in der Bibel Formulierungen wie: „So spricht der Herr“ oder „Das Wort des Herrn erging an den Propheten Jeremia“ oder an Mose usw. Und das ist schon ein gewaltiger Anspruch. Dadurch grenzt sich die Bibel von allem anderen ab in dieser Welt, dass sie beansprucht, wirklich Gottes Selbstoffenbarung an uns zu sein.
Und das ist auch etwas, was das Christentum zutiefst ausmacht. Das Christentum ist eine Offenbarungsreligion. Also im Gegensatz dazu, dass der Mensch sich auf die Suche nach Gott macht, auf die Suche nach Erleuchtung durch Meditieren, durch auf Berge hinaufsteigen und was es nicht alles schon gab in der Geschichte, ist es vielmehr Gott, der zu uns herabkommt, der wirklich verständlich durch sein Wort zu uns spricht. Und das hat ja dann auch seinen Höhepunkt in dem fleischgewordenen Wort Gottes, Jesus Christus. Und Jesus Christus, der Sohn Gottes, als er hier auf der Welt sein irdisches Leben lebte, da hat er auch über die schriftlichen Worte Gottes, damals noch allein im Alten Testament, gesprochen, und er hat diese Worte als Wort Gottes bestätigt.
Das bedeutet, wenn wir die Bibel in die Hand nehmen, dann haben wir da die Worte Gottes vor uns. Unter anderem sagt dieses Wort auch in einem ganz wichtigen Vers, 2. Timotheus 3,16, dass alle Schrift von Gott eingegeben ist und den Nutzen hat, uns zu lehren, uns zurechtzuweisen, uns zu korrigieren und uns zu unterweisen in der Gerechtigkeit. Und dann heißt es, damit der Mensch Gottes vollkommen sei und für jedes gute Werk völlig ausgerüstet. Das ist, was die Bibel mit uns macht. Sie gibt uns wirklich die Worte Gottes, aber sie verändert uns auch, so dass wir für die Dinge ausgerüstet werden, die wir brauchen, um ein Leben mit Gott und zu seiner Ehre zu führen.
Es ist so, man weiß darum, dass die Bibel das Wort Gottes ist, also ein kostbarer Schatz. In Psalm 119 steht ja auch, dass das Wort Gottes wie ist, als ob man fette Beute findet, so ein Stück weit. Und ich finde das so ein wunderbares Bild. Und trotzdem fällt es vielen Christen nicht so leicht, Bibel zu lesen. Es müssen jetzt nicht mal unbedingt Leute sein, die neu im Glauben sind, die vielleicht sich auch fragen: Wo fängt man an? Ich verstehe viel nicht. Was für Tipps gibst du ganz allgemein an die Geschwister, die hier zuschauen, für das Bibellesen?
Ja, ich bin da bis heute auch noch ein Schüler. Das mal vorneweg. Ich glaube, das ist gut zu sagen, auch als Ermutigung für andere, die immer noch das Gefühl haben, dass sie da viel zu lernen haben. Und das sollten wir auch bleiben, bis zuletzt, dass wir Lernende bleiben.
Ich würde auf jeden Fall dazu ermutigen, lieber kleine Schritte auf täglicher Basis zu gehen, als einmal die Woche ein Buch der Bibel am Stück zu lesen. Ich denke, Gott hat uns als Gewohnheitswesen erschaffen, und das ist eine ganz große Gnade, weil Gewohnheiten den großen Vorteil haben, dass Dinge sich in unserem Leben automatisieren können. Ich denke, deswegen wäre es gut, wenn man wirklich klein anfängt, aber doch versucht, morgens zumindest mal diese kurze Zeit im Wort zu haben.
Und da würde ich grundsätzlich empfehlen, dass man, statt dass man sozusagen rumhüpft in der Bibel, Bücher am Stück liest, also Abschnitt für Abschnitt oder Kapitel für Kapitel, damit man auch lernt, die Bibel unter Beachtung des Kontextes zu lesen. Denn dann verstehe ich auch am besten, was gesagt wird. Mein erster Tipp wäre somit: Versuche, eine Gewohnheit, eine tägliche Gewohnheit aufzubauen. Und das kann mit ganz kleinen Schritten beginnen, aber täglich.
Dann zweitens: Lies am besten die Bibel fortlaufend, also Abschnitt für Abschnitt, so dass man durch ganze Bücher und so letztendlich auch durch die ganze Bibel liest. Bücher, die ich zu Beginn empfehlen würde, wären auf jeden Fall ein Evangelium, weil da sind wir direkt so mit dem Leben und Wirken von Jesus Christus konfrontiert oder dürfen es lesen und kennenlernen. Aber auch das Buch der Psalmen ist für mich ein ganz großer Goldschatz, weil die Psalmen sind ja sozusagen das Gesangsbuch des Volkes Gottes, es ist das Gebetsbuch von Gottes Volk. Und die Psalmen, die haben so einen doppelten Nutzen, finde ich. Denn zum einen siehst du in diesen Gebeten, die ja auch von Gottes Geist inspiriert sind, also Gebete, die Gott mir auch gibt, damit ich sie beten darf, da stelle ich zum einen fest: Da steckt ganz viel drin über Gott. Und gleichzeitig ist es ja aber auch in Gebetsform geschrieben, und es hilft mir auch ungemein darin, mich vor Gott auszudrücken, mich Gott zu nahen, auch zu sehen, was ich alles beten darf. Ja, also wenn ich mich gerade von Gott verlassen fühle, dann darf ich sagen: Herr, wo bist du? Herr, wann greifst du endlich ein? Und so weiter. Das einfach mal so als, wo man vielleicht anfangen könnte.
Und letzter Tipp zum Bibellesen wäre: Versuch, gerade auch am Morgen ist das sehr gut, dich auf vielleicht einen Vers oder einen Satz mal kurz zu fokussieren, mal kurz drüber nachzudenken, was da drinsteckt, und das auch mit in den Tag zu nehmen. Ja, also jetzt beispielsweise vor einigen Tagen, da habe ich Psalm 3,4 so verinnerlicht. Ich habe den Psalm 3 gelesen, und bei Vers 4 bin ich hängen geblieben, wo es heißt: Du aber, Herr, bist ein Schild um mich her, meine Ehre und der mein Haupt emporhebt. Und gerade dieser letzte Teil, der hat mich bewegt, dass ich einen Gott habe, der mich nicht niederdrückt, sondern der vielmehr derjenige ist, und das ist ja ein wunderbares Bild, so erhebt mein Haupt empor. Wenn ich gerade den Kopf hängen lasse, habe ich einen Vater, der mich aufrichtet. Und das dann so in den Tag mitzunehmen, auch in Situationen, wo ich vielleicht Gefahr laufe, entmutigt zu sein oder hoffnungslos zu sein, zu sehen: Ey, das ist mein Gott. Und das ermutigt mich, mich jetzt an ihn zu wenden, weil er richtet mich auf, so dass ich dann letztendlich auch etwas mitnehme in mein Leben. Das wären jetzt mal so ein paar Grundsätze, die ich nennen würde zum Bibellesen.
Ja, vielen Dank. Du hast gerade auch schon von Gebet gesprochen, von den Psalmen, und ich glaube, für viele ist, wie ich schon gesagt habe, Bibellesen eine Herausforderung. Aber mein Eindruck ist zumindest, geht es mir persönlich so, dass Gebet auch eine größere Herausforderung ist. Vielleicht kannst du mal sagen, was ist Gebet eigentlich konkret und was ist es auch nicht, und warum ist das so eine große Herausforderung?
Also Gebet ist zuallererst, zuallererst, das ist jetzt so ein bisschen die Sprache des New City Katechismus: Gebet bedeutet, unser Herz vor Gott auszuschütten. Das ist eine wunderbare Formulierung, weil das zeigt, es geht nicht zwingend um Worte. Herz ausschütten kann auch etwas sein, was in der Stille stattfindet, ohne Worte, dass du einfach quasi mit dem, wie du gerade bist und wie du fühlst, dass du das einfach vor Gott bringst.
Insofern: Gebet ist nicht zwingend Worte. Gebet ist nicht zwingend irgendwelche auswendig gelernten oder vorformulierten Gebete nachzusprechen. Das ist in allererster Linie wirklich etwas zutiefst Persönliches, als wie man jetzt gerade ist, so vor Gott zu kommen und das dann aber auch vor ihm zu bringen, natürlich auch mit Worten, weil Gott uns auch einfach als Sprachwesen gemacht hat, die sich durch Worte ausdrücken. Und das sehen wir auch in den Psalmen, dass da also durch Worte Gebete ausgedrückt werden, aber eben auch beispielsweise Psalm 42, dass da das Herz ausgeschüttet wird.
Ich denke, Gebet ist nicht in erster Linie so ein reines Stillwerden oder ein Warten darauf, dass man jetzt irgendwie eine Offenbarung von Gott bekommt. Ich glaube, Gott wirkt in unserem Gebet. Ich glaube, Gott kann uns ein Bewusstsein für seine Nähe und Gegenwart schenken im Gebet. Ich glaube auch, dass Gott uns beim Beten konkrete Gedanken schenkt, die wirklich von seinem Geist kommen, Ideen, die wir gerade brauchen, oder auch uns eine bestimmte Sünde aufzuzeigen, auf die der Geist Gottes uns jetzt aufmerksam machen möchte, weil er diese Sünde bekämpfen möchte oder irgendwie so in die Richtung. Aber vorrangig und zuallererst ist das Gebet das Ausschütten des Herzens vor Gott.
Und wenn du fragst, warum ist das Gebet für so viele von uns so eine Herausforderung, dann denke ich, das Gebet ist in gewisser Weise die geistlichste Handlung, die wir tun können. Also weißt du, im Gebet, da bewegst du dich nicht großartig, im Gebet siehst du nicht auf dem Bildschirm oder ein tolles Bild in der Natur, sondern oftmals sind die Augen geschlossen. So, es ist wie, als würde man einen Schritt aus diesem ganzen Alltag, aus dieser Welt wegtun, alles mal dicht machen. Und da wir aber auch in einem Zeitalter leben, was so visuell ist, wo wir überall Eindrücke bekommen, glaube ich, ist das für uns auch jetzt nochmal besonders schwer, damit zufrieden zu sein, einfach nur still zu werden, mal alles auszuklammern und diese Stille zuzulassen und auszuhalten. Ich glaube, das ist wirklich eine große Herausforderung.
Ich glaube, Gott versteht uns auch dahingehend, dass es für eine Herausforderung ist, obwohl Gebet ja eigentlich das Herrlichste sein sollte, was es gibt, weil Gott, der Allmächtige, hört mir gerade zu. Wie verrückt ist das denn? Insofern würde ich sagen, auch was das Gebet betrifft, das müssen wir auch lernen, und da müssen wir auch drin wachsen, und ich glaube, das ist auch in Ordnung. Wichtig ist nur, dass wir da dranbleiben und dass wir wirklich danach streben, Menschen des Gebets zu werden, weil Gebet ist einfach, da fängt Gott an zu handeln.
Und auch gerade jetzt kurz vor unserem Videocall habe ich mir eigentlich auch noch mal gesagt: Ey, werd noch mal kurz still, geh hier noch mal auf die Knie und bete. Und dann kommt aber dies und jenes, und dann wurde es letztendlich doch nur so ein relativ kurzes Gebet hier auf dem Stuhl. Das ist nicht ohne. Da müssen wir kämpfen, da müssen wir wachsen, dranbleiben.
Ja, du hast Peter selber gehört, wie wichtig, aber auch wie umkämpft Gebet ist. Deshalb haben wir für dich hier deine Mindmap zum Entwickeln einer Gebetsroutine entworfen. Damit haben schon Hunderte von Menschen beten gelernt und neu beten gelernt. Da siehst du, welche Arten von Gebet es in der Bibel gibt, und wir helfen dir damit, auf dieser Grundlage deine eigenen Gebetsanliegen zu formulieren. Das ist der erste Link unter dem Video, nimm sie dir gern gratis mit, klick einfach dafür auf den ersten Link unter dem Video. Und weiter mit Peter.
Weiß wovon du sprichst ja, danke da auch für deine Ehrlichkeit. Aber vielleicht kannst du jetzt auch noch mal da ein paar Tipps geben, das beim Bibellesen, was hilft dir vielleicht ganz persönlich beim Gebet?
Also was ungemein hilft beim Beten ist, wenn du ein menschliches Gegenüber hast. Weil wenn jemand mit dir zusammen betet, da stehst du nicht einfach mal eben, ohne dein Gebet fertiggesprochen zu haben, auf und erledigst was. Du bist da in gewisser Weise an einen Mitmenschen gebunden, und das hat etwas Wunderbares. Also ich merke manchmal, so als würde ich mit einem höheren Fokus beten, wenn andere Geschwister mit mir beten.
Und nicht nur das, sondern es ist auch deshalb ein Segen, mit anderen Christen zu beten, weil ich glaube, jeder von uns hat so seine Standardgebete oder so Bereiche, für die er betet. Und dann bete ich mal in einem Hauskreis mit einer Glaubensschwester zusammen, und die vergießt dann plötzlich neben mir Tränen im Gebet für die verfolgten Christen in aller Welt. Und ich höre dem zu, ich bete total mit und denke mir aber gleichzeitig: Ey Mann, wann habe ich zuletzt mal für unsere verfolgten Geschwister gebetet? Und das darf ich dann so mitnehmen, ich darf daraus lernen. Also mit anderen zusammen beten, das ist ein absoluter Jackpot, dass es so Gewinn bringt. Und ich glaube, das sollten wir nutzen, wenn wir mit anderen Christen Zeit verbringen, wenn wir sonntags Gäste da haben oder christliche Freunde besuchen, dass wir nicht einfach nur reden und machen, sondern dass wir auch sagen: Hey, komm, lass uns doch mal hier zu Beginn oder zum Abschluss Jesus das nochmal abgeben oder Jesus einladen. Das wäre, glaube ich, das ist für mich wichtig und hilfreich.
Dann aber auch wirklich Gebete der Bibel zu nehmen, von denen ich weiß, das sind Gebete, die Gott gefallen. Also ich darf einerseits wirklich sagen, was mich bewegt, und andererseits will ich aber auch auf eine Art und Weise beten, wie ich glaube oder wissen darf, dass das meinem Vater im Himmel Freude macht, dass es ihm gefällt. Und da ist für mich persönlich das Vaterunser total wichtig geworden in den letzten Jahren. Ich bin mit dem Vaterunser groß geworden. Ich glaube, die meisten tun das noch heute, dass man im Religionsunterricht oder Kommunion, was auch immer, da lernt man das Vaterunser auswendig, und da wurde ich so ein bisschen geschädigt. Also ich habe das auswendig gelernt, und es war einfach immer nur ein Runterrattern, bis ich dann ein kleines Büchlein von Martin Luther in die Hand bekommen habe, wie man beten soll. Und da spricht er darüber, wie das Vaterunser eigentlich die perfekte Grundlage zum persönlichen Gebet ist, nicht nur im Sinne dessen, dass man es aufsagt, sondern auch, dass man es nimmt als ein Muster, um seine eigenen persönlichen Gebete zu formulieren. Insofern: Das Vaterunser ist ein großer Segen für mich.
Und für mich persönlich ist auch ein Buch sehr, sehr hilfreich, was ich jetzt seit vier Jahren jeden einzelnen Morgen benutze: Das Tal der Weitsicht, was ein Buch ist, was viele, viele kurze Puritanergebete beinhaltet. Und das hilft mir ungemein, morgens, wenn ich noch nicht nur äußerlich, sondern auch seelisch so ein bisschen zerknittert bin, so ein bisschen verschlafen bin, einfach mal zu lesen und dann festzustellen: Oh ja, ich lese es nicht nur, ich fange an, das selbst zu beten. Das kann man natürlich genauso mit den Psalmen der Bibel machen. Von daher, das wären so ein paar praktische Hilfen, die ich nennen würde.
Ja, okay, vielleicht würde ich noch eins nennen, und zwar: Es ist wirklich auch hilfreich, sich das eine oder andere aufzuschreiben. Also sei es, dass man jetzt wirklich für eine Person oder für ein bestimmtes Anliegen wirklich, dass man sich daran erinnern will, da auch möglichst täglich für zu beten, dann ist das auch sehr, sehr hilfreich, nicht nur um sich daran zu erinnern, sondern auch um festzustellen, wenn Gott geantwortet oder das Gebet erhört hat.
Ja, sehr gut. Ja, das Buch Das Tal der Weitsicht kann ich auch noch mal unterstreichen, das nutze ich auch sehr häufig. Täglich ganz, aber schon mindestens ein, zwei, dreimal die Woche. Ich muss sagen, ich muss da auch manchmal einfach innehalten beim Gebet, weil die Sätze manchmal so tief gehen und so eine Wortgewalt in den Gebeten steckt, das ist wirklich richtig gut, aber auch herausfordernd, muss man auch dazu sagen. Aber es hilft einem auch beim persönlichen Wachstum und sich zu fokussieren. Also danke dir für deine Tipps.
Auf Seite 70 schreibt ihr in eurem Buch einen Absatz, der mich persönlich ziemlich erwischt hat. Ich lese den mal vor: Ihr schreibt dort, wie wir mit unserem Handy umgehen, sollte eigentlich unser Umgang mit Gott im Gebet sein. Wir sollten Gott am Morgen suchen, ihm volle Aufmerksamkeit geben und den ganzen Tag über immer wieder zu ihm kommen. Stattdessen haben wir unserem Smartphone in diesem Sinn eigentlich den Platz gegeben, der Gott gehört.
Das hat wirklich auch bei mir sehr reingehauen, weil das Smartphone ist gefühlt allgegenwärtig, und wir hatten das gerade schon: Das Gebet ist eh schon ein Kampf, ich denke, fast einer der größten geistlichen Kämpfe um diese Zeit mit Gott, und das Smartphone hilft uns jetzt nicht unbedingt dabei, dort siegreich hervorzugehen. Deswegen einfach mal eine Frage an dich: Was für Tipps, vielleicht doch was du selber pflegst, hast du an die Leute, die hier zuhören, im Umgang mit dem Smartphone? Also es betrifft ja eigentlich nicht nur das Gebet, sondern auch mein Bibellesen. Wie kann ich gesund mit meinem Smartphone umgehen?
Ich sag mal, du und ich, wir sind ja so die Generation, die die Smartphones bei ihrem Aufkommen dann kennengelernt haben. Wir wussten damals noch nicht so gut, was für ein krasses Suchtpotenzial das auch hat, so würde ich jetzt mal behaupten. Und wenn sich das dann über viele Jahre so, wenn das über viele Jahre gewachsen ist, dann ist das echt nicht ohne, da Grenzen zu setzen.
Ich habe tatsächlich manchmal schon gedacht, wäre es für mich vielleicht das Beste, wenn ich völlig auf ein Smartphone verzichte beziehungsweise das so abgespeckt benutze, dass da keine Versuchungen, was Zeitverschwendung oder das ganze Thema Dopaminausschüttung angeht, dass ich da einfach ein bisschen besser aufgestellt bin. Gleichzeitig ist es herausfordernd, weil es halt auch so viel Gutes, Kommunikationsmöglichkeiten auch für mich als Pastor ist das mega hilfreich, so zu arbeiten. Das ist tatsächlich sehr herausfordernd.
Du hattest das gepostet bei Insta, dass dich dieser Abschnitt getroffen hat, und ich habe deinen Post gesehen, und mein erster Gedanke war: Ey, du hast dann in den letzten Tagen Rückschritte gemacht und weißt du, du zitierst mich. Als Autor, der darauf aufmerksam macht, und ich muss feststellen, ey. Und ich sage das deshalb, weil natürlich möchte ich auch das Leben, was ich selbst geschrieben habe und danach streben, und gleichzeitig kann sich das doch einschleichen, dass du dann da wieder rückfällig wirst oder halt Schritte rückwärts machst. Und für mich hilft es tatsächlich, dass du da wieder rückfällig wirst, oder halt Schritte rückwärts machst, und für mich hilft immer wieder, mit meiner Frau darüber auszutauschen. Also wir versuchen so eine kurze tägliche Zeit zu haben, wo wir auch miteinander zumindest kurz sprechen, auch über sowas zu reflektieren.
Und so ein paar praktische Schritte sind halt auch hilfreich, dass man sich fest vornimmt, das Smartphone zum Beispiel nicht mit ins Badezimmer, nicht mit ins Schlafzimmer zu nehmen, sondern dass es so einen festen Platz in der Wohnung hat. Und man das wirklich versucht im Zaum zu halten und alle möglichen Hilfsmittel dafür nimmt, dass es das tut. Das ist ja keine leere Behauptung, das sind etliche Artikel und Studien und so, die zeigen das ja mittlerweile, dass wenn du nicht bewusst deinem Smartphone Grenzen setzt, dann wirst du irgendwann an dem Punkt sein, wo du 500 Mal am Tag draufschaust. Und dadurch machst du ja wirklich auch so dein Gehirn, das beeinflusst dein Glücksempfinden, das beeinflusst, wie dein Gehirn kalibriert ist, wie es funktioniert. Und da müssen wir echt aufpassen, dass das nicht, wie du halt auch schon gelesen hast, dass das letztendlich wie so Jesus im Alltag total ersetzt.
Wir beim Bibeldienst betonen wir immer wieder, wie wichtig es ist, dass wirklich jeder Christ zu einer Gemeinde gehört, zu einer Ortsgemeinde gehört, und zwar Inhalte ersetzen keine Gemeinschaft aus Fleisch und Blut, sie sind unterstützend. Sag du doch mal, warum also ihr beschreibt das ja auch in dem Buch, warum ist ja für jeden Christen Ortsgemeinde dringend notwendig?
Zuallererst, weil Jesus das sagt und weil Gott das in seinem Wort ganz klar macht. Christus ist das Haupt, wir als Gemeinde sind sein Leib, und so Kapitel wie beispielsweise 1. Korinther 12 zeigen, dass wir als Christen nicht einfach Individuen vor Gott sind. Gott sieht uns auch als Individuen, er sieht nicht einfach die große Masse, er sieht mich persönlich, das ist etwas Wunderbares. Aber Gott sieht uns als sein Volk, und das zeigen auch diese neutestamentlichen Bilder.
Jesus sagt: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Und bei einer Rebe ist ja dann auch so, so viele Trauben, die hängen zusammen, die sind miteinander verbunden. Oder wir sind das Haus Gottes, wieder so ein Singularwort, so wir gemeinsam machen eine Einheit aus. Oder wir sind die Braut Christi. Ja, wir sind zwar einzelne Glieder, einzelne Individuen, aber wir sind eine Braut, wir sind ein Leib, wir sind ein Haus usw. Und das drückt sich halt auch in Ortsgemeinden aus, dort ist eine Gemeinschaft von Gläubigen.
Also erst mal schlicht und ergreifend, weil Gott das sagt, ist es wichtig. Zweitens, weil wir auch gemeinsam aneinander hängen, also wir sollen einander dienen. Und da kommen diese vielen, vielen, ich meine mindestens über 50 Einander-Befehle im Neuen Testament vor. Wir sollen einander dienen, einander vergeben, einander annehmen, einander ertragen, einander aufrichten, aufeinander Acht haben und so weiter, allem voran einander lieben. Und dann ist natürlich die Frage: Okay, ich lese das in der Bibel, mit wem kann ich das denn machen?
Und da gibt es zwar wirklich schmerzhafte Beispiele, wir hören immer wieder von Muslimen, die dann über das Internet im Iran, Saudi-Arabien zum Glauben kommen, und die haben überhaupt nicht den Luxus, dass sie andere Christen kennen. Aber hier ist das nicht der Fall. Also hier können wir mit anderen Christen verbunden sein. Bis vielleicht auf wenige Ausnahmen, wenn man jetzt in einem Dorf wohnt, wo es keine Kirche gibt, man ist schon 92 Jahre alt und gar nicht mehr mobil, ja, natürlich ist das dann im einzelnen Fall sehr herausfordernd. Aber insofern ist das eine wichtige Realität, dass wir dann auch wissen müssen: Mit wem soll ich denn diese Einanders ausleben? Und auch das spricht für eine feste Zugehörigkeit zu einer Ortsgemeinde.
Und der dritte Punkt ist auch: Wir haben durch die Zugehörigkeit zueinander als Christen, die dann auch sichtbar werden durch Ortsgemeinden, haben wir auch einen gemeinsamen Strahleffekt. Jesus sagt im Johannesevangelium am Ende von Kapitel 13: Daran wird die Welt erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. Also es ist ganz spannend, weil Jesus sagt da nicht: Wenn ihr die Welt liebt, wird die Welt erkennen, dass ihr meine Jünger seid, sondern wenn ihr Liebe untereinander habt. Das bedeutet, die Welt nimmt Christen dann auch sichtbar durch die Kirche wahr, und sie sollten sagen: Ey, da ist eine Liebe unter diesen Menschen füreinander, die ich nirgendwo anders, nicht im Fußballverein, nicht an meiner Arbeitsstelle, nicht in meiner Schulklasse oder sonst irgendwo gesehen habe. Und das sollte sie davon überzeugen, dass sie Jünger von Jesus Christus sind. Also das wären jetzt mal so drei Aspekte, die ich nennen würde.

Nachfolge im Alltag, Gemeinde und gute Werke

Sehr gut, ich möchte gerne noch einmal auf eine Wahrheit zurückkommen, die wir auch schon ein wenig angeschnitten oder erklärt hatten, nämlich das Thema Rechtfertigung und auch die Gebote Gottes. Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass auch Menschen, die frisch im Glauben sind, das verstehen.
Ihr schreibt da auf Seite 89 folgenden Satz: Natürlich bist du nicht errettet aufgrund deiner guten Werke, aber Gott hat dich errettet zu guten Werken. Ich glaube, das ist ein Satz, der sich wirklich tief in unser Herz einbrennen sollte. Wenn wir da Dinge vertauschen, wird es ziemlich ungesund mit unserer Nachfolge.
Kannst du noch einmal sagen, warum dieser Satz so wichtig ist und welche Wahrheit dahintersteht? Der Satz bezieht sich ja auf Epheser 2,10, wo davon die Rede ist, dass wir als Christen in Christus Jesus zu guten Werken geschaffen sind, die Gott für uns vorbereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.
Das drückt ja genau aus: Wir sind nicht durch unsere guten Werke gerettet, aber wir sind jetzt durch christliche Gnade errettet. Und diese Gnade wirkt in uns und verändert uns so, dass wir von Gott tatsächlich auch mit der Absicht erlöst wurden, jetzt ein anderes Leben zu führen. Ein Leben voller guter Werke oder, anders gesprochen, voller guter, süßer Früchte. So soll auch etwas von Gott durch uns in dieser Welt sichtbar werden.
Das müssen wir aber immer vorsichtig trennen. Denn es kann ja auch sein, und da haben wir, glaube ich, auch schon öfter miteinander darüber ausgetauscht, dass sich meine Herzens-Theologie unterschwellig langsam verändert. Dann denke ich vielleicht, vor allem wenn ich als Christ lebe: Jetzt lese ich meine Bibel, jetzt gehe ich sonntags in den Gottesdienst. Und wenn ich dann aber schlechte Tage habe, denke ich: Oh Mensch, jetzt liebt Gott mich vermutlich weniger, weil ich da besser unterwegs war, da war ich noch konsequenter, und jetzt habe ich so versagt.
Da müssen wir natürlich sauber trennen, dass die Heiligung oder das veränderte Leben, die guten Werke, eine Frucht unserer Rechtfertigung sind und nicht die Basis für unsere Rechtfertigung. Deswegen brauchen wir auch als Christen immer wieder diese herrliche Erinnerung an das Evangelium: dass wir eben nicht deswegen geliebt und angenommen sind, weil wir etwas gut gemacht haben oder weil wir Gutes tun, sondern weil Jesus das alles für uns getan hat.
Und das befreit uns dann, aus Dankbarkeit und aus Liebe heraus ein anderes Leben zu führen. Nicht mehr aus Angst um uns selbst, um unser ewiges Schicksal oder aus Angst, bei Gott angenommen zu sein, sondern wirklich aus Freude und Dankbarkeit.
Auf Seite 92 schreibt ihr dann noch einen anderen interessanten Satz: Gott ist ein Gott, der sein Königreich durch Dienen aufbaut, nicht durch Unterdrücken. Meine Frage wäre: Inwiefern sollte diese Wahrheit Auswirkungen auf mein Leben als Christ haben?
Man sieht ja in den Evangelien, wenn Jesus mit seinen Jüngern unterwegs ist, dass er wirklich König ist, wirklich Herr. Das sagt er auch seinen Jüngern. Ein super Kapitel genau zu dieser Thematik ist Johannes 13, wo Jesus seinen Jüngern die Füße wäscht. Dann sagt er aber auch: Ihr nennt mich Herr, und ihr tut recht daran, denn ich bin es.
Jesus ist Herr, aber er hat sich zum Diener gemacht. Und im Kontext dieser Begebenheit streiten die Jünger ja darum, wer von ihnen der Größte ist. Insofern hat unser Herr Jesus wirklich eine völlig neue Art von Heldentum in diese Welt hineingebracht.
Davor war das Bild eher das eines Eroberers, der alles, was sich ihm in den Weg stellt, alle seine Feinde, überwindet, erobert und besiegt. Und Jesus ist einfach der, der durch Fußwaschung und letztendlich durch seinen Kreuzestod den Sieg erringt. Das ist eine völlig weltfremde Philosophie, die aber so herrlich ist, vor allem wenn wir das ganz persönlich von Jesus erfahren.
Jesus begegnet mir als König, aber nicht einfach nur mit dem Zeigefinger oder dem Herrscherstab der Unterwerfung und Forderung. Sondern er sagt mir: Als du mich nicht geliebt hast, bin ich als König von meinem Thron herabgestiegen und bin für dich in die Tiefe hinab, bis in die aller tiefste Tiefe, bis zum Tod am Kreuz, um dir größtmöglichen Dienst zu erweisen. Dienst an deiner Seele, Dienst bis in alle Ewigkeit.
Und das sollte ja etwas mit uns als Christen machen, dass wir in diesem Dienst von Jesus, der es auch hätte völlig anders machen können, so viel Schönheit und Herrlichkeit sehen, dass es uns dazu bewegt, es auch so tun zu wollen. Dass ich dann, egal ob als Freund, Familienvater oder Ehemann, etwas Schönes darin sehe, mich zu demütigen, mich selbst nicht zu wichtig zu nehmen, sondern den anderen zu dienen. Und darin wahre Größe zu sehen, die Gott dann auch vielleicht gebraucht, um etwas dadurch zu verändern.
Das ist auch eine Form, wie wir anderen dienen können: durch die Gaben, die uns der Herr gegeben hat. Was denkst du, hat jeder Christ eine Gabe? Man erlebt das ja doch immer wieder, dass sich Leute zurückziehen oder sagen: Ich habe eh nichts zu geben. Was sind da deine Gedanken dazu?
Jesus erzählt ja unter anderem das Gleichnis mit den Talenten, wo er davon spricht, dass es mehrere Diener gab und sie alle eine unterschiedliche Anzahl an Talenten anvertraut bekommen hatten. Der eine hatte eins, der andere zwei, dann kam noch einer, der hatte, glaube ich, fünf. Das zeigt uns zum einen: Jedem wurde von Gott etwas anvertraut. Das ist eine Aussage davon, dass jeder etwas von Gott Anvertrautes hat, Gaben.
Zum anderen: Nein, wir sind nicht alle gleich. Gott hat in seiner Weisheit auch das so gemacht, dass dem einen vielleicht mehr gegeben ist als dem anderen. Das ist nicht ungerecht, im Gegenteil, es hat etwas sehr Befreiendes. Ich darf auch wissen: Gott fordert nicht von mir pauschal etwas, was er auch von allen anderen fordert. Gott weiß vielleicht, dass ich eine schwierige Kindheit hatte oder dass mein Vater abgehauen ist – also jetzt nicht meiner, aber vielleicht im Leben eines anderen. Und Gott möchte, dass wir wirklich mit dem treu sind, was er jedem Einzelnen gegeben hat.
Das bedeutet: Jeder hat etwas, was ihm von Gott gegeben ist, als Gabe oder Gaben, und damit möchte Gott, dass wir treue Verwalter sind. So kann jeder Einzelne sich fragen: Was sind denn vielleicht meine persönlichen Gaben, die ich habe? Und da macht es wirklich auch Sinn, mal seine Freunde zu fragen: Ey, siehst du irgendetwas in meinem Leben, wo du sagen würdest, ich kann das besser als andere? Oder ich habe da eine Fähigkeit, die du bei mir sozusagen überdurchschnittlich siehst?
So, denke ich, kann man mit der Zeit besser verstehen, was Gott einem an Begabung gegeben hat, um das dann natürlich auch gezielt einzusetzen.
Aber grundsätzlich, Thomas, denke ich, weil da kommen ja auch Beispiele: Leute warten auf ihre ganz besondere Berufung, oder jemand sagt: Ja, ich kann halt singen, aber unser Lobpreisteam ist schon voll, also kann ich nichts machen. Und da ist wirklich so ein Grundappell, würde ich sagen: Fang einfach an zu dienen. Du musst nicht unbedingt mit den Sachen anfangen zu dienen, wo du total gut drin bist.
Mein Vater hat oft gesagt: Jeder Christ kann zumindest diese zwei Dinge: dienen und geben. Das kann jeder. Und dann ist es total sinnvoll und gut und richtig, einfach damit anzufangen und dann zu schauen, wie Gott das weiterführt.
Sehr guter Punkt, danke dir. Noch ein anderes Thema, was ihr in eurem Buch erwähnt: Ihr erwähnt eine lateinische Phrase, nämlich Coram Deo, was so viel bedeutet wie vor Gottes Angesicht. Besonders die Reformatoren haben diesen Begriff auch sehr stark geprägt. Kannst du uns noch einmal mit hineinnehmen: Was bedeutet das, vor Gottes Angesicht? Was bedeutet diese Phrase, und welche Auswirkung hat diese Wahrheit, wenn wir sie auch ergreifen, für unseren Alltag als Christ?
Ja, also der Ausdruck an sich kommt aus der Heiligen Schrift, aus der Bibel. Beispielsweise in 2. Korinther 3 und 4 ist das mehrmals der Fall. Da redet Paulus davon, dass wir vor Gott in Christus reden. Im Kontext geht es um seinen Dienst der Verkündigung. Da sagt er: Leute, alles, was wir sagen, wir reden das vor Gott. Sozusagen: Wir tun euch nicht irgendetwas aufs Brot schmieren, wir versuchen da nicht irgendwie, euch zu betrügen, euch das Geld aus den Taschen zu ziehen oder sonst etwas, sondern wir reden in dem Bewusstsein, dass alles, was wir sagen, vor Gott ist.
Und das ist eigentlich auch, worum es bei dieser Phrase geht: dass wir Christen darin wachsen sollten zu verstehen, den ganzen Tag befinde ich mich vor dem Angesicht Gottes. Mein Gott ist allgegenwärtig, und ich möchte in dem Bewusstsein handeln, leben und arbeiten, dass Gottes Angesicht auf mir ruht.
Und das hat als Auswirkung, und das war ja auch ein wichtiger Punkt der Reformation, dass ich auch wirklich so ein Leben leben darf. Selbst die natürlichsten, vergänglichsten, irdischsten Angelegenheiten darf ich vor Gott und für Gott zu seiner Ehre tun. Damals war das ja dann so: Wenn du wirklich geistlich bist, dann geh ins Kloster, mach Wallfahrten, Pilgerfahrten, geh in den geistlichen Dienst, lebe das Zölibat, also verbiete dir selbst zu heiraten und so weiter. Das wurde dann völlig auf einem viel höheren Level gesehen als jetzt zum Beispiel Bauer zu sein, der seine Felder bestellt und einer so vergänglichen Tätigkeit nachgeht.
Und da ist wichtig, dass wir sehen: Alles, was wir tun, wenn die Sache an sich moralisch nicht verwerflich ist, sondern einen guten Nutzen hat, dann dürfen wir das alles wirklich in dem Bewusstsein tun: Ich tue das vor Gott. Und das ist auch ganz entscheidend, zum Beispiel in Kolosser 4. Da ist die Rede von dem, was es ja damals im römischen Reich gab: von christlichen Sklaven beziehungsweise Sklaven, die Christen geworden waren. Die hatten jetzt vielleicht teilweise Gedanken wie: Okay, ich bin ja jetzt in Jesus, oder ich bin jetzt ein Königskind, also ich bin kein Sklave mehr. Oder sie haben ihre irdischen Herren ein bisschen verteufelt, gehasst, verachtet.
Und da sagt Paulus: Ey, was ihr für diese Leute tut, ob sie jetzt gerecht oder ungerecht sind, seid nicht Diener von Menschen. Ihr tut das letztendlich von Herzen für den Herrn. Das heißt: Habt gar nicht so eure irdischen Herren oder modern gesprochen eure Vorgesetzten vor Augen, sondern denkt an euren himmlischen Vater und daran, dass er alles, was ihr tut, wenn ihr es von Herzen für ihn tut, wertschätzt. Und er wird es auch zu seiner Zeit auf seine Weise belohnen. Und das ist etwas sehr Befreiendes. Also es ist quasi nichts Bedrohliches. Coram Deo, dass Gott mich alle Zeit sieht? Nein, ich bin ja angenommenes Kind Gottes. Deswegen ist Coram Deo etwas herrlich Befreiendes, dass ich weiß: Sein Antlitz ruht auf mir, und er sieht alles, was ich tue, und er wertschätzt auch alles, was ich tue.
Du hast vorhin deinen Vater zitiert, der gesagt hat, zwei Dinge kann jeder Christ tun, nämlich dienen und geben. Geben ist ein spannender Bereich, den ihr auch ansprecht, nämlich das Thema Besitz, was für viele Leute in der Welt ein Thema ist, bei dem sie sagen: Da lasse ich nichts ran an meinen Besitz. Aber inwiefern sollen wir Christen da anders denken über das Thema Besitz, und wie können wir sozusagen vielleicht anderen damit dienen, oder wie kann sich das konkret in unserem Leben zeigen?
Also Jesus wird ja im Neuen Testament zitiert, dass er gesagt hat: Geben ist seliger als Nehmen. Also das ist wohl eines der grundlegendsten Dinge. Es ist eine völlige Täuschung, wenn wir denken, dass Dinge zu nehmen oder mehr Dinge zu haben glücklich macht und dass das Geben quasi wehtut oder etwas Schlechtes ist oder ein notwendiges Übel. Es ist genau umgekehrt. Ein Mensch, der gibt, der wird glücklich. Das ist einfach eine gottgegebene Gesetzmäßigkeit.
Und ich denke, die Bibel sagt ja einiges darüber, dass wir gebende, also freigiebige Menschen sein sollen. Gott hat uns das wertvollste Geschenk gemacht, was es im Universum gibt, nämlich den Sohn Gottes. Und wir sollen auch jetzt zu seiner Ehre freigiebig sein. Wir sollen das imitieren, was Jesus gelebt hat, was auch dem Wesen Gottes entspricht.
Und natürlich auch hier in einer gefallenen Welt sind wir im Kontext von viel Not, Armut und Bedürftigkeit. Da sollten wir freigiebige Menschen sein. Ich denke, das geht damit einher, dass man Gott seinen Teil gibt. Das sehen wir auch an vielen Stellen, zum Beispiel 2. Korinther 8 und 9. Da sollen wir auch etwas in unsere Gemeinde hineintragen oder auch das Evangelium oder die Mission in der Welt unterstützen.
Christen sehen es ja durchaus unterschiedlich, ob das jetzt, ich sage mal ein bisschen pauschal, minutiös der Zehnte ist oder ob es eher allgemein um eine christliche Freigiebigkeit geht. Ich glaube, es sollte auf jeden Fall ein opferbereites Geben sein. Also ich glaube, das ist es, was wir im Neuen Testament sehen: dass es eben kein vorsichtiges, penibles, zurückhaltendes Geben ist, sondern wirklich um ein Geben geht, das das Geben Gottes widerspiegelt.
Und da heißt es ja auch: Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott freut sich daran, wenn wir nicht geizig oder zurückhaltend oder missmutig, sondern eben fröhlich geben. Also wir sollten einen Teil direkt Gott geben. Und wenn wir jetzt mal von den zehn Prozent oder dem Zehnten sprechen, dann haben wir sozusagen in etwa noch neunzig Prozent übrig. Und das sollten wir dann aber nicht als etwas sehen, was jetzt einfach mir gehört, sondern auch dafür hat Gott einen Plan, dass ich es treu verwalten soll.
Ich denke, Gottes Weg ist der Weg des Segens. Es ist der beste Weg. Und das kann auch bedeuten, dass ich jetzt zum Beispiel, wenn ich Gäste zu Hause habe, großzügig auftische, dass ich großzügige Gaben austeile oder dass ich jemandem, von dem ich weiß, der ist gerade ein bisschen finanziell in der Misere, darüber bete und nachdenke, ob ich dieser Person etwas Gutes tue. Ja, das wären jetzt so ein paar Gedanken. Ich glaube, dass Gott einen guten Plan damit hat.
Und es steht auch in 2. Korinther 9: Gott will das, was wir geben, vermehren, und er will uns alles geben, damit wir noch reichlicher geben können. Also da bedeutet das letztendlich: Ich möchte mit dem, was Gott mir in Form von Geld und Besitz, Hab und Gut anvertraut hat, freigiebig zu seiner Ehre umgehen. Und die Details davon, wie das jetzt für jeden Einzelnen aussieht, das darf man einfach für sich selbst auch so mit der Bibel, vielleicht auch unter Rat anderer Geschwister, unter Rat der eigenen Pastoren und Hirten, dann für sich herausfinden.
Ich kann das auch bezeugen, dass ihr das auch lebt. Wir durften auch schon bei euch eure Gastfreundschaft genießen, und es war sehr schön. Und ich durfte auch schon deine leckeren Tomaten aus Italien genießen. Also vielen Dank dafür.
Noch eine andere Sache, die wir jetzt noch gar nicht angesprochen haben, ist das Thema Evangelium. Also wir haben das Evangelium angeschnitten, aber wie gehe ich dann damit um, wenn ich das Evangelium gehört habe? Ruft Jesus uns dazu auf, das Evangelium weiterzugeben. Und ich glaube, zumindest auch mein Empfinden: Auch das ist nicht der einfachste Bereich für jeden. Es gibt natürlich Leute, die haben wirklich eine Gabe der Evangelisation. Aber was würdest du jemandem mitgeben, dem das schwerfällt, das Evangelium weiterzugeben? Warum ist das so wichtig? Und vielleicht hast du auch noch die eine oder andere Hilfestellung zu diesem Thema.
Ja, ich denke, es ist schwer. Und ich glaube, wenn wir davon sprechen, Zeugen für Jesus in dieser Welt zu sein, dann tue ich mich ganz schwer damit, irgendwelche pauschalen Regeln zu geben. Denn ich sehe in der Bibel teilweise auch richtig abgefahrene Sachen, die sich nicht in irgendein System einordnen lassen.
Ich denke an Jona, der dann in Ninive eine Predigt hält, und vielleicht ist es ja auch nur eine Zusammenfassung, aber seine Botschaft wird ja mit den Worten wiedergegeben: Hey Leute, noch 40 Tage, und diese Stadt wird zerstört. Und das rüttelt diese Stadt so wach, dass da eine Veränderung passiert.
Oder Jesus: Da kommt ein reicher junger Mann zu ihm, und Jesus sagt ihm nicht das einfache Evangelium „Glaube an mich und folge mir“, sondern er sagt: Verkauf alles, was du hast, und gib es den Armen. Natürlich hat das für ihn in dem Moment total Sinn gemacht, weil Jesus wusste, dass das Herz dieses Mannes total an seinem Besitz hängt. Hätte Jesus dem einfach gesagt: Ja, glaube an mich und folge mir nach, dann hätte er das vermutlich irgendwie auf eine Art und Weise gemacht, aber sein Herz wäre weiter bei seinem Reichtum, bei seinem Besitz gewesen. Und Jesus legt seinen Finger in die Wunde und sagt: Verkauf alles, was du hast.
Also ich glaube, wir müssen einerseits darauf achten, dass das wichtigste Element in der Evangelisation die Fülle des Heiligen Geistes ist. Der Geist Gottes kann uns Dinge offenbaren, Worte auf die Zunge legen, eine Weisheit geben in unserem Gespräch, die wir selbst nicht haben und die vielleicht genau nötig ist.
Dennoch macht es aber Sinn, gewisse Dinge auch schlicht und ergreifend zu lernen. Also es wäre sehr hilfreich, wenn wir, sofern wir die Möglichkeit haben und ins Gespräch mit jemandem kommen, das Evangelium erklären können. Dass wir sagen können: Was ist denn eigentlich diese christliche Botschaft, und was bedeutet das für mich?
Und so eine ganz einfache Art, sich das einzuprägen, sind vier Punkte: Gott, Mensch, Christus, Glaube.
Gott: Er ist der Schöpfer von allem. Er hat auch dich gemacht. Das bedeutet, du bist sein Wesen, du bist auch zu ihm hin, für ihn geschaffen, für die Gemeinschaft mit ihm. Das ist eine allerhöchste Bestimmung.
Zweitens Mensch: Der Mensch ist von Gott entfremdet, weil er sich schon in den Anfängen in Adam von Gott abgewandt hat und jetzt getrennt ist von Gott. Das ist der Grund für all die Grausamkeiten, Kriege, den Zerbruch und die Trennung, die wir in der Welt sehen. Und so sind wir verloren und werden auch ewig von Gott getrennt sein, wenn es keine Rettung für uns gibt.
Aber Punkt drei: Jesus. Gott hat seinen eigenen Sohn gesandt, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Das bedeutet: Durch Jesus kannst du wirklich zurück zum Vater kommen. Jesus ist gestorben, um uns die Gebote, die wir gebrochen haben, unsere Schuld vor Gott, wieder gutzumachen, indem er in den Tod ging anstelle von uns, indem er sich unter die Strafe Gottes stellte anstelle von uns.
Sodass, und das ist dann der letzte Punkt, Glaube: Wenn du jetzt dein altes Leben ohne Gott loslassen möchtest, deine alten Sünden loslassen möchtest und dich Jesus Christus anvertrauen möchtest, ihm folgen möchtest, an ihn glaubst, dann darfst du wissen: Dann bist du Kind Gottes, hast ewiges Leben, und du darfst ab עכשיו und für alle Zeiten mit Jesus verbunden sein, so in etwa.
Also das macht dann schon Sinn, dass man das Evangelium schlicht und ergreifend erklären kann. Und ja, auch vielleicht ein paar Bibelstellen auswendig zu lernen, die einem dann dabei helfen, Personen auch in der Bibel aufzuzeigen.
Ja, sehr gut. Vielleicht noch ein letzter Gedanke: Ich glaube, das, was wir hier gehört haben, was du erzählt hast, das ist für jeden Christen relevant. Auch als ich das Buch gelesen habe, war es für mich als jemand, der schon länger mit Jesus geht, sehr erfrischend, dass es gut ist, sich immer wieder auf diese einfachen und doch so wichtigen Fundamente zurückzubesinnen, sich darauf zu fokussieren und auch sein Leben zu prüfen: Wo steht man da jetzt eigentlich?
Aber wenn jetzt hier auch Leute zugehört haben, die jetzt wie wir schon länger mit dem Herrn gehen, was möchtest du ihnen sagen? Warum lohnt es sich so sehr, in Frischbekehrte zu investieren, wenn man das so sagen kann, Frischbekehrte in Anführungsstrichen? Und wie kann man das ganz praktisch tun, neben dem Buch natürlich?
Ich glaube, dass es auf jeden Fall etwas sehr Erfüllendes hat, sich in andere Gläubige, gerade auch in jüngere Christen, zu investieren, weil das einfach so der Kern des Missionsauftrags ist: Wir sollen Jünger machen. Und ich glaube, da, wo wir das ausleben, da ist auch einfach so eine Erfüllung darin, weil wir eben auch das Bewusstsein haben: Ich tue hier gerade das, wozu Jesus mich in diese Welt gesandt hat. Das ist etwas Wunderbares.
Es ist aber auch total hilfreich und heilsam, weil es uns als ältere Gläubige davor bewahrt, nur noch in irgendwelchen hohen theologischen Sphären zu schweben, irgendwelche altkirchlichen Fragestellungen zu wälzen und uns von den Basics zu entfernen. Denn wenn ich mit jungen Gläubigen spreche, dann geht es um die Basics. Und das merke ich auch immer wieder, wenn junge Christen zum Beispiel nach dem Gottesdienst auf mich zukommen oder hier und da im Gespräch.
Dann rede ich und bin in dem Moment eigentlich so derjenige, der die Unterweisung, der den Rat gibt. Und das, was ich rede, geht aber auch in meine Ohren hinein und macht mein Herz wiederum neu warm und hält das Evangelium auch in meinem eigenen Herzen lebendig. Deswegen denke ich, das hat wirklich so einen doppelten Effekt: Ich bin Jesus gehorsam, aber ich rege auch gleichzeitig meine eigene Nachfolge an oder belebe sie.