Einführung: Fragen zur Entstehung der Bibel und der Evangelien
Wann wurde die Bibel geschrieben? Wann sind die Evangelien entstanden? Sind all diese Schriften nur Sammlungen von Legenden, die erst Jahrhunderte später entstanden sind? Und stimmt es, dass Paulus das Christentum erfunden hat? Hat Jesus das in der Bibel gesagt? Das hat Paulus euch erzählt – nicht Jesus. Das ist die Lehre von Paulus, nicht die von Jesus.
Um ehrlich zu sein: Paulus war der höchste Apostel, der höchste Apostel Paulus. Der höchste Apostel von Satan, so sagt Bernd Flust. Bernd, glaubst du Paulus oder Jesus?
Halte dich gut fest, denn was wir inzwischen an archäologischen Funden haben, wird diese Frage ein für alle Mal beantworten. Am Ende dieses Beitrags kommt etwas, das du noch nie zuvor in einer Dokumentation gesehen hast.
Um die Nachfolge zu verteidigen, mach dich Hashtag Bibelfit. Ich bin Markus Voss, und hier machen wir drei Dinge: Wir versuchen, tiefer in die Bibel einzusteigen. Wir überlegen, wie du und ich Jesus im modernen Alltag nachfolgen können. Und wir beantworten taffe Fragen, die die Gesellschaft uns Christen stellt.
Zu all dem gibt es hier Dutzende kostenfreie Tools, Hörbücher, Onlinekurse, Tageschallenges und praktische Alltagsgegenstände, die du dir auf der Website kostenlos mitnehmen kannst. Finanziert wird all das durch kleine monatliche Spenden von Menschen wie dir und mir aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das ist sehr hilfreich, denn dieses Projekt steht noch am Anfang.
Die zentrale Bedeutung der Auferstehung Jesu für das Christentum
Für heute habt ihr in den Kommentaren gefragt, wann die Bibel geschrieben wurde. Sind das wirklich nur Jahrhunderte später entstandene Legendensammlungen, über die jemand irgendwann einmal gestolpert ist, wie bei den Brüdern Grimm? Oder wurde das tatsächlich um die Ereignisse herum aufgeschrieben, womöglich sogar von Augenzeugen der Geschehnisse selbst?
Das könnten du und ich jetzt auf verschiedene Weisen aufzeigen. Aber ich dachte, wir machen es uns mal absichtlich schwer und kämpfen mit harten Bandagen. Weißt du, es geht um die Genesis – das erste Buch Moses, das erste Buch der Bibel. Ob die Genesis jetzt fünfzig Jahre früher oder später geschrieben wurde, ob das Buch Esra in diesem oder jenem Jahrzehnt entstand oder die Offenbarung, das letzte Buch der Bibel, im Jahr neunzig oder fünfundneunzig, das sind alles berechtigte und legitime Fragen.
Wenn du im Christentum, im biblischen Christentum, wirklich ans Eingemachte willst, dann musst du an die Auferstehung von Jesus heran. Das ist das zentrale Ereignis im Christentum. Deshalb heißt es ja Christentum und nicht Gottentum. Deshalb steht in Kirchen ein Kreuz und nicht eine Krippe. Deshalb ist Ostern der wichtigste Tag im Kirchenjahr und nicht Weihnachten.
Diese Auferstehung von Jesus ist absolut entscheidend. So sehr, dass Paulus im 1. Korinther 15,17 sogar schreibt – ich übersetze mal frei: Wäre Jesus nicht auferstanden, dann wäre es völlig überflüssig, dass ihr euch für das jüngste Gericht an ihm festklammert, weil er euch nicht helfen könnte und ihr noch in euren Sünden verhaftet wärt.
Das heißt also, du merkst schon, es dreht sich alles um diese Auferstehung. Deshalb ist die Frage: Wie nah sind die christlichen Berichte zur Auferstehung an dem Ereignis selbst? Dran, okay?
Es gibt auch nichtchristliche Berichte zu Jesu Leben, Tod und Auferstehung. Aber heute schauen wir uns wirklich nur an, wann, wie früh und wie nah genau diese Dinge aufgeschrieben wurden, die du in deiner Bibel findest.
Bedeutung der frühen Niederschriften und Verbreitung der Schriften
Wann wurde das hier geschrieben?
Bevor wir starten, kann die Community hier kurz dabei helfen, dass solche christlichen Inhalte in sozialen Medien nicht verborgen bleiben. Bist du gerade auf Instagram, dann doppeltippe doch mal rasch auf dein Handy. Auf YouTube ist es sogar noch besser, das spricht sich inzwischen herum. Indem du die Glocke unter diesem Video drückst, bekommt YouTube ein Signal und zeigt auch nicht-christlichen Nutzern mehr christliche Inhalte an, die sie ansprechen könnten. Ziemlich gut, oder? Also drück kurz die Glocke – das ist anonym und bewirkt wirklich etwas. Vielen Dank.
Wann das geschrieben wurde, ist grundsätzlich eine sehr berechtigte Frage.
Vor einem Monat haben wir uns den archäologischen Befund angesehen. Dabei habe ich dir beispielhaft einige Methoden aus der modernen Textkritik gezeigt, mit denen du und ich heute tatsächlich bis auf den Buchstaben genau rekonstruieren können, was in den ursprünglichen Texten, in den allerersten Handschriften stand. Das ist sehr, sehr wertvoll. Der wissenschaftliche Fortschritt der letzten anderthalb Jahrhunderte in diesem Bereich ist beeindruckend, wirklich.
Aber das ist nur die halbe Miete. Nur weil wir exakt wissen, was aufgeschrieben wurde, heißt das ja noch nicht automatisch, dass das, was aufgeschrieben wurde, auch wirklich passiert ist.
Um das beurteilen zu können, ist es sehr wichtig zu wissen, wann diese Berichte zum allerersten Mal überhaupt aufgetaucht sind. Es könnte ja tatsächlich sein, dass es, wie beim Buddha in Nordindien oder bei den Gebrüdern Grimm in Hessen, einfach spätere Legenden waren, die irgendwann nach Hunderten von Jahren von irgendjemandem gesammelt wurden.
Wenn das so wäre, hätte das natürlich eine weitaus geringere Glaubwürdigkeit. Darüber haben du und ich hier schon häufiger gesprochen.
Kritik an Verschwörungstheorien und Bedeutung früher Berichte
Jetzt muss man wissen: Im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert gab es immer wieder Leute, die aufgrund einer politisch-religiösen Agenda behaupteten, die gesamte Bibel sei eigentlich von ganz anderen Personen geschrieben worden. Wenn es nicht traurig wäre, könnte man darüber eigentlich nur lachen.
Jahrhunderte später, beim Konzil von Nicaea, habe die römisch-katholische Kirche für alle Christen festgelegt, dass dies so sei. Das sei ein abgekartetes Spiel gewesen.
Wenn wir jedoch im Umkehrschluss zeigen könnten, dass es sich nicht um jahrhundertespätere Legendensammlungen handelt, und auch nicht um Texte, die von der Kirche oder irgendeinem Konzil Jahrhunderte später in Auftrag gegeben wurden, dann sieht die Welt plötzlich ganz anders aus. Das ist ganz logisch.
Geschichtsverfälschung Jahrhunderte später ist leicht möglich. Ein Beispiel dafür ist die Donatio Constantini, die sogenannte konstantinische Schenkung. Dieses Dokument wurde im achten Jahrhundert verfasst und behauptet, dass Kaiser Konstantin aus dem vierten Jahrhundert, also etwa im Jahr 300, dem Papst die Macht über die Stadt Rom und das gesamte Weströmische Reich gegeben habe.
Das stimmt natürlich von vorne bis hinten nicht. Man fand das jedoch erst viel später heraus und konnte es erst viel später widerlegen.
Das heißt: Je früher die ersten Berichte niedergeschrieben wurden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie authentisch sind. Noch einmal: Das ist keine Garantie, aber grundsätzlich können wir festhalten, dass mit jedem Jahr, das die Berichte früher datiert, ihre inhaltliche Glaubwürdigkeit steigt.
Vergleich mit anderen antiken Texten und Historien
Dann schauen wir uns das mal an. Abgesehen von allem Religiösen: Was sind denn repräsentative Beispiele für historische Maßstäbe und Zeitabstände zwischen frühen Manuskripten, die wir heute haben, und den eigentlichen Geschehnissen, die sie beschreiben?
Beim Philosophen Platon stammen die frühesten Manuskripte, die wir besitzen, aus einer Zeit etwa 1200 Jahre nach den Originalen, also nach dem Zeitpunkt, als sie damals niedergeschrieben wurden. Das heißt, es liegen ungefähr 1200 Jahre dazwischen. Das ist eine lange Zeit – etwa so lange wie von heute bis zur konstantinischen Schenkung oder vom heutigen Tag bis zum Frühmittelalter. Zwischen Platons Niederschrift und den Manuskripten, die wir heute von ihm haben, liegen also rund 1200 Jahre.
Bei Homers Beschreibung der Trojanischen Kriege stammen die frühesten Manuskripte, die wir heute besitzen, aus dem zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Früher nannte man das „zweites Jahrhundert nach Christus“. Diese Manuskripte beschreiben aber in der Ilias zum Beispiel die Geschehnisse des Trojanischen Krieges, die etwa 800 Jahre vor unserer Zeitrechnung stattgefunden haben. Das ergibt einen Zeitabstand von über 1000 Jahren. Das entspricht ungefähr dem Zeitraum von heute bis zur damaligen Jahrtausendwende im Mittelalter, etwa bis zum großen Schisma, der großen Kirchenspaltung im elften Jahrhundert. Das ist wirklich viel Zeit.
Vielleicht denkst du jetzt: Das sind historische Ereignisse. Aber haben wir auch etwas, das mit den Berichten über das Leben Jesu vergleichbar ist? Wie sieht es zum Beispiel mit anderen antiken Biografien aus?
Gut, dass du fragst. Eine der prägnantesten Personen der antiken Weltgeschichte ist Alexander der Große gewesen. Alexander der Große hat beinahe die damals für ihn bekannte gesamte Welt erobert. Die große, maßgebliche Biografie über sein Leben hat der griechische Gelehrte Plutarch geschrieben.
Der Punkt ist aber: Alexander der Große ist im Jahr 323 vor unserer Zeitrechnung gestorben. Plutarch hingegen ist ungefähr im Jahr 125 nach unserer Zeitrechnung gestorben. Das heißt also, Plutarch hat etwa 400 Jahre nach Alexander dem Großen gelebt. Vierhundert Jahre!
Das bedeutet, dass die wichtigste Biografie über Alexander den Großen etwa 400 Jahre nach den Ereignissen verfasst wurde. Behalte diese Zahl von 400 Jahren im Hinterkopf, denn so laufen solche Dinge normalerweise ab. Ein Zeitabstand von 400 Jahren ist für antike Historienforschung durchaus üblich.
Obwohl dieser Zeitabstand so groß ist – das entspricht ungefähr dem Zeitraum von heute, in den Corona-Zeiten, bis zum Beginn des Dreißigjährigen Kriegs –, wird die Biografie von Plutarch über Alexander den Großen bis heute als Ausgangspunkt genommen, um das Leben Alexanders und Episoden daraus zu rekonstruieren. Diese Biografie gilt in den großen Zusammenhängen nach wie vor als überwiegend zuverlässig.
Das heißt also: Wenn wir einen Abstand von 400 Jahren hätten zwischen dem Leben Jesu und dem ersten schriftlichen Bericht darüber, würden die meisten antiken Historiker das als völlig normal ansehen. Behalte das mit den 400 Jahren im Hinterkopf, denn das wird in ein paar Minuten noch sehr wichtig.
Verbreitung der neutestamentlichen Schriften und zeitliche Einordnung
Der Punkt ist jetzt: Die meisten Schriften des Neuen Testaments hatten sich nachweislich bereits nach weniger als 150 Jahren in allen größeren Städten Europas verbreitet. Das heißt, nach etwa 150 Jahren hatten die meisten Schriften des Neuen Testaments praktisch alle Bevölkerungsschichten des gesamten Römischen Reichs erreicht – in Europa, Nordafrika und Vorderasien.
Das bedeutet, dass diese Schriften schon nach 150 Jahren sehr weit verbreitet waren.
Wenn die Schriften des Neuen Testaments also nach 150 Jahren schon so weit verbreitet waren, stellt sich die Frage: Wann wurden sie eigentlich zum ersten Mal niedergeschrieben? Denn das Neue Testament hätte nicht annähernd die Zeit gehabt, sich so weit zu verbreiten, wenn es erst 400 Jahre später niedergeschrieben worden wäre. Das ist logistisch und mathematisch schlicht nicht möglich.
Als Autor kann ich aus persönlicher Erfahrung sagen: Bitte unterschätzt nicht, wie viel Zeit selbst heutzutage, in der Ära der Digitalisierung, eine erfolgreiche Marketingkampagne in Anspruch nimmt. Das ist wirklich aufwendig.
Vielleicht denkst du jetzt: Ja, überzeugt, das Neue Testament kann nicht erst Hunderte Jahre später aufgeschrieben worden sein, das kann ich in jedem besseren Schulbuch nachlesen. Aber vielleicht ist es trotzdem eine spätere Legende. Wann wurde es also tatsächlich zum ersten Mal niedergeschrieben?
Die ältesten Manuskripte und ihre Bedeutung
Gut, dass du fragst. Für alle, die gerade mit dir zusammen das hier hören oder sehen und denen die Glaubwürdigkeit des christlichen Glaubens am Herzen liegt oder die einfach ehrlich Suchende sind – das ist doch total legitim.
Du kannst dir gern mein letztes Buch „Kein Gott ist auch keine Lösung“ gratis als Hörbuch und E-Book über den Link unter diesem Video mitnehmen. Darin gehe ich einfach verständlich und für Laien ohne jegliches Vorwissen darauf ein. Ja, du musst nicht studiert haben, keine anderen Sprachen sprechen oder Ähnliches. Ich erkläre für theologische Laien, warum ich als früherer Atheist Schritt für Schritt zu der Überzeugung gelangt bin, dass das Christentum – ausgerechnet das biblische Christentum – mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die eine zutreffende Weltanschauung ist. Außerdem erläutere ich, warum andere Weltanschauungen, die dem biblischen Christentum widersprechen, sehr wahrscheinlich nicht zutreffend sind. Und natürlich auch, warum ich hier tue, was ich tue – abgesehen von meinen achtstelligen Influencer-Einnahmen natürlich. Spaß beiseite.
Dieses Buch hier stand dieses Jahr mehrere Wochen am Stück auf Platz eins der Amazon-Bestsellerliste für Fachbücher Christentum. Es wurde von zahlreichen christlichen Nachrichtenportalen hochgelobt und wird heute noch täglich heruntergeladen, während wir sprechen. Es wird teilweise sogar in Jugendstunden, Konfirmanden- und Religionsunterricht benutzt.
Du kannst es dir gern als Hörbuch und E-Book gratis mitnehmen. Dank der Hilfe aller Menschen, die hier spenden, kann ich dir das einfach öffentlich und vor allem kostenfrei schenken. Danke an alle, die das ermöglichen.
Kommen wir also ans Eingemachte: Jesus’ Kreuzigung und Auferstehung, um die es hier ja geht, fanden wahrscheinlich vom 7. April bis 9. April des Jahres 30 in der Jerusalemer Oststadt statt. Warum sich Historiker da sehr sicher sind, dazu gehe ich in einem eigenen Video ein, das sich schon vorbereitet hat. Drücke gern die Glocke, dann wird dir das angezeigt.
Wie nah kommen jetzt die schriftlichen Berichte, die wir im Neuen Testament haben, an dieses Datum heran? Deswegen würde ich sagen: Los geht’s!
Ich habe das hier, was wir jetzt machen, schon mehreren Menschen gezeigt. Selbst diejenigen, die keine Ahnung von Geschichte haben und sich sonst auch gar nicht dafür interessieren würden, sagen, dass das eines der faszinierendsten Dinge ist, die sie jemals gehört haben. Ihnen war die Tragweite davon überhaupt nicht klar.
Deswegen arbeiten wir uns mal rückwärts vor und schauen uns quasi im Livestream an, wie weit wir diese Ereignisse zurückverfolgen können. Mach dich auf etwas gefasst.
Der Codex Sinaiticus wird auf circa das Jahr 330 datiert. Was ist der Codex Sinaiticus und warum ist er wichtig? Der Codex Sinaiticus ist die vorerst älteste gefundene Abschrift des gesamten Neuen Testaments, die vollständig erhalten ist.
Etwa aus dem Jahr 200 stammt das sogenannte P6. Mit solchen Bezeichnungen werden Papyrusmanuskripte wissenschaftlich erfasst. Das ist die vorerst älteste gefundene vollständige Abschrift vom Johannesevangelium. Das gesamte Johannesevangelium, das älteste, das vollständig gefunden wurde, ist der sogenannte P6, Papyrus 6, aus dem Jahr 200.
Erst vor einigen Monaten, also letztes Jahr, wurde ein Manuskript vom Markus-Evangelium gefunden, das zu stammen scheint aus dem Jahr 170.
Jetzt ein bisschen Hintergrundwissen für die Nerds: Der Codex Sinaiticus wurde 1844 zum ersten Mal entdeckt. Und 1859, also ungefähr 15 Jahre später, wurde er zum ersten Mal datiert. Selbst 2009, also vor gar nicht so langer Zeit, wurden noch neue Teile davon entdeckt – nämlich vom Alten Testament, vom Buch Josua.
Das bedeutet also, dass die Forschung dazu – vor Corona, denn während Corona ist natürlich vieles zum Erliegen gekommen – seit anderthalb Jahrhunderten ununterbrochen weitergeht. Und wir finden vor Corona im Durchschnitt alle paar Wochen neue, ältere und frühere Manuskripte, die noch näher an den ursprünglichen Ereignissen liegen als all das, was alle Forscher und Historiker vor dir und mir wussten. Was für eine Zeit, am Leben zu sein!
Dazu haben wir Berichte aus zweiter Hand von Leuten, die die Augenzeugen und die Apostel gesprochen hatten und deren Berichte außerhalb der Bibel weitergegeben haben.
Ein paar Namen jetzt, ein bisschen Name-Dropping: Beim Johannesevangelium denke ich zum Beispiel an Ignatius, der im Jahr 117 gestorben ist, an Polykarp, gestorben 155, an Irenäus, gestorben 202, und an Hippolyt, gestorben 235.
Bei Petrus denke ich an Linus, gestorben in den 70er Jahren, an Clemens, gestorben 99, an Pius, gestorben 154, und an Justinus Martyr, gestorben 165.
Warum ist das relevant, warum diese Namen und Zahlen? Weil diese nichtbiblischen Berichte exakt das decken und bestätigen, was wir von den neutestamentlichen Berichten über die Aussagen der Augenzeugen selbst dokumentiert haben.
Zeitliche Nähe der Berichte und historische Ereignisse
Das bedeutet im Klartext: Wir befinden uns jetzt in einem Zeitraum von etwa 170 bis 150 nach unserer Zeitrechnung, aus dem wir gesicherte Aussagen haben. Zur Erinnerung: Die Kreuzigung und mutmaßliche Auferstehung Jesu fanden im Jahr 30 statt. Ich sage mutmaßlich, weil wir Christen natürlich glauben, dass das passiert ist. Wenn man jedoch Übernatürliches ausschließt, wird das schwierig.
Spätestens aus dem Jahr 125, wahrscheinlich eher um das Jahr 100, stammt der sogenannte P52. Vielleicht erinnerst du dich noch: P kennzeichnet immer die Papyrusfunde, also die Papyrusmanuskripte. Der P52 ist vorerst die älteste gefundene handschriftliche Abschrift aus dem Johannesevangelium.
Warum ist das so wichtig? Das ist erstaunlich, weil der P52 bislang das früheste gefundene handschriftliche Manuskript ist, das wir je entdeckt haben. Ironischerweise stammt es nicht von einem der ganz frühen Texte des Neuen Testaments, wie zum Beispiel dem Markus-Evangelium, sondern von einem der spätesten Texte, nämlich vom Johannesevangelium.
Spielen wir mal kurz Sherlock Holmes: Wann wurde das Johannesevangelium niedergeschrieben? In den meisten einschlägigen Standardwerken findet man die Angabe, dass das Johannesevangelium spätestens im Jahr 95 verfasst wurde. Es gibt auch gute Argumente, die eine Entstehung zwischen 64 und 70 plausibel machen – also grob 35 Jahre nach der Auferstehung. Aber das ist ein anderes Thema.
Selbst wenn wir nun die weitesten Zeitspannen annehmen, liegen zwischen dem spätestmöglichen Abschriftdatum des P52 – also etwa 125 nach unserer Zeitrechnung, denn eine Abschrift kann erst entstehen, nachdem das Original niedergeschrieben wurde – und dem frühestmöglichen Entstehungsdatum des Johannesevangeliums, also den 60er Jahren, gerade einmal 60 Jahre.
60 Jahre! Wenn du noch die 400 Jahre im Hinterkopf hast, die zwischen Alexander dem Großen und den ersten schriftlichen Berichten liegen, brauchst du diese jetzt nicht mehr. Historisch gesehen ist das so nah, als würdest du heute einen Augenzeugenbericht über den Vietnamkrieg oder den Bau der Berliner Mauer lesen.
Wenn das der bislang früheste Textpunkt ist – und das von einem der spätesten niedergeschriebenen Texte –, dann wirft das direkt die Frage auf: Wie früh sind denn dann die frühesten Texte entstanden?
Historische Ereignisse im Kontext der frühen Christenheit
Einige von uns hier kennen die nächsten Punkte noch aus dem Geschichtsunterricht. Im August des Jahres 70 unserer Zeitrechnung ereignet sich das fürchterlichste Erlebnis der jüdischen Geschichte vor dem Holocaust, vor der Shoah.
Wir heute, du und ich, können uns nicht ernsthaft und sinnvoll vorstellen, wie markerschütternd schrecklich sich dieses Trauma damals eingebrannt haben muss. Es war die Zerstörung des Nationalheiligtums, die Zerstörung des Tempels und der Hauptstadt als trauriger, bitterer Höhepunkt – oder besser gesagt Tiefpunkt – der über drei Jahre währenden Genozide und Völkermorde der römischen Militärdiktatur an der unterdrückten und versklavten israelischen und jüdischen Bevölkerung.
Das spielte sich ab zwischen 67 und 70 unserer Zeitrechnung. Flavius Josephus wird später davon schreiben, dass den Römern schlicht das Holz ausging, um jüdische Männer und Frauen weiter zu kreuzigen. Dazu könnten du und ich jetzt noch viel sagen. Ich habe auch ein eigenes Video hier auf dieser Plattform, auf diesem Kanal, auf diesem Account über römische Kreuzigung und wie eine römische Kreuzigung eigentlich tatsächlich konkret ablief. Wenn du das sehen willst, dann drück ja an die Glocke, dann wird dir das Ganze auch angezeigt.
Aber erst mal nur so viel: Das war die dramatische Folge damals von einem gescheiterten Aufstand der Israeliten gegen die römische Besatzungsmacht im Jahr 66. Ja, wir sind im Jahr 66. Im Jahr 65 wird Petrus, Petrus der Chefapostel, Simon Petrus, in Rom an einem Kreuz zu Tode gefoltert. Im Juli 64, wahrscheinlich irgendwo zwischen dem 19. und 26. Juli, wird der Apostel Paulus in Rom geköpft. Und um das Jahr 62 wird Jakobus, der Bruder von Jesus, wohl erst von der Jerusalemer Tempelanlage viele Meter in die Tiefe gestürzt auf den Steinboden. Er stirbt nicht gleich an seinen Verletzungen, danach wird er erschlagen.
Warum erzähle ich dir diese grauenhaften Dinge? Weißt du, das neutestamentliche Buch, das die ersten Jahre der Jungchristenheit beschreibt, ist die sogenannte Apostelgeschichte oder auch das Buch der Akte der Apostel. In dieser Apostelgeschichte wird ausführlich über mehrere Seiten die Ermordung des Christen Stephanus beschrieben, der eine maßgebliche Rolle in der Jerusalemer christlichen Community spielte. Es wird auch beschrieben, dass Jakobus, der Bruder von Johannes, getötet wird.
Jetzt denkst du vielleicht: Okay, das ist tragisch. Aber was hat das mit der Frage zu tun, wann denn die Bibel geschrieben wurde? Naja, einiges. Denn das heißt, dass wir wissen, dass Lukas, der die Apostelgeschichte geschrieben hat, definitiv auch schwierige und schmerzhafte Erfahrungen offen und ausführlich anspricht.
Was dabei aber sehr seltsam ist: In der Apostelgeschichte wird nicht von den Paulusbriefen gesprochen, obwohl diese in der späteren Christenheit bis heute eine maßgebliche Rolle spielen und bis heute einen Großteil des gesamten Neuen Testaments ausmachen. Davon ist mit keinem Wort die Rede in der Apostelgeschichte.
Das allein muss jetzt nicht automatisch etwas bedeuten, aber wenn Paulus die Hauptfigur der Apostelgeschichte ist – und das ist er – und seine Briefe sein mit Abstand einflussreichstes Lebenswerk sind, dann ist dieses Schweigen über die Paulusbriefe schon etwas, das jedem historischen Ermittler stark auffällt und einen Verdacht nahelegt.
Stattdessen wird in der Apostelgeschichte ausführlich das schwierige und konfliktbeladene Verhältnis beschrieben zwischen Christen in der Jerusalemer Gemeinde, die vorher Juden waren, und Christen, die vorher keine Juden waren. Das ist ein großes Thema, ein kultureller Konflikt.
Aber dieser Konflikt hat sich spätestens nach dem römischen Völkermord und der Zerstörung Jerusalems erledigt, weil es dann keine Jerusalemer Gemeinde mehr gibt. Das ist traurig, aber auch logisch.
Was dabei sehr seltsam ist: Diese Eroberung Israels, die Belagerung Jerusalems, überhaupt der Genozid an Gottes auserwähltem Volk und die Zerstörung des Nationalheiligtums in den Jahren 66 bis 70 – all das wird mit keiner einzigen Silbe in der Apostelgeschichte erwähnt. Gar nicht, nicht mit einem Wort, obwohl das zusammen mit der Auferstehung von Jesus damals doch das markanteste Ereignis in Israel in dem gesamten Jahrhundert war.
Du findest auch nicht mal die Spur, nicht mal die Andeutung von Nero, von Kaiser Nero, Neros Genozid und Völkermord und versuchter Ausrottung der Christen in Rom ab dem Jahr 64. Das findest du nicht. Im Gegenteil, es ist noch viel absurder: In der Apostelgeschichte wird berichtet, dass die Christen bemüht sind, Rom zu erreichen. Warum? Weil sie denken, dass sie dort in Sicherheit wären gegenüber lokaler Verfolgung in Kleinasien, dem heutigen Türkei.
Ist dir klar, wie absurd das ist? In der Apostelgeschichte betrachten Christen Rom als sicheren Hafen. Das ist im Licht dessen, was danach passiert ist – ab dem Jahr 64 – dümmer geht es kaum.
Du findest keine einzige Erwähnung davon, was genau Paulus eigentlich in Rom gemacht hat. Dass es in keiner Silbe in der Apostelgeschichte erwähnt wird, obwohl die Berichterstattung in der Apostelgeschichte Kapitel für Kapitel darauf hinarbeitet, dass Paulus endlich Rom erreicht, ist bemerkenswert.
Das sind alles Dinge, bei denen du dir als historischer Ermittler denkst: Hä? Wenn die Apostelgeschichte jetzt geschrieben worden wäre, nachdem Paulus getötet worden war, nach dem Völkermord an den Juden in Jerusalem, nachdem der ganze Bericht auch darauf hinarbeitet, dass Paulus endlich nach Rom kommt – und nach Neros Genozid an den Christen –, wenn das alles dann nachgeschrieben worden wäre, wo doch im Raum für Christen die Falle zugeschnappt hat im Großraum Rom, obwohl in der Apostelgeschichte die Christen gerade versuchen, nach Rom zu kommen: Warum ist dann in den ursprünglichen Berichten keine einzige Bemerkung dazu zu finden? Nicht einmal irgendeine von Lukas, aber dutzende Randnotizen und Erläuterungen – keine einzige Silbe. Wieso?
Es kommt ja noch besser: Jeder hier, der die Apostelgeschichte liest oder mal gelesen hat, weiß doch Seite um Seite, dass Lukas, der Autor der Apostelgeschichte, kein Blatt vor den Mund nimmt, was die Leidenswege von wichtigen Persönlichkeiten angeht.
Dann schau dir einfach mal die drei Hauptfiguren der Apostelgeschichte an, die drei zentralen Persönlichkeiten, deren Geschichte er schreibt: Jakobus, Petrus, Paulus – Jakobus, Petrus, Paulus.
Mit keiner einzigen Silbe wird vom Ende, vom Tod der drei Hauptfiguren der Apostelgeschichte erzählt. Keine Spur, keine Spur von Jakobus’ Tod, der um 62 passiert ist. Keine Spur von Petrus’ Tod, der um 65 passiert ist. Keine Spur von Paulus’ Tod, der um 64 passiert ist. Von all dem nicht ein einziges Wort.
Gedankenexperiment zur Datierung der Apostelgeschichte
Deshalb habe ich eine ganz ernsthafte Frage an dich – ein Gedankenexperiment.
Stell dir vor, du bist bei deinen Großeltern zu Besuch. Du hilfst ihnen, ihren Dachboden auszuräumen. Dabei fällt dir ein Buch in die Hand, das die Geschichte der ostdeutschen Stadt Dresden behandelt. Das Buch ist etwas älter, in Frakturschrift geschrieben, und du kannst das Veröffentlichungsdatum gerade nicht genau erkennen.
Du blätterst durch das Buch und bemerkst, dass darin mit keinem einzigen Wort Corona erwähnt wird. Ebenso wenig findest du etwas über die Montagsdemos, die Wende oder die DDR. Kein einziges Wort wird über den Maueraufbau verloren. Du findest nichts über den Wiederaufbau der Altstadt oder der Frauenkirche, nichts über die Fliegerangriffe und auch nichts über die Machtergreifung der Nazis.
Weißt du, was ich meine? Mal ganz ehrlich: Was würdest du denken, wann dieses Buch geschrieben wurde? Vor oder nach dem Zweiten Weltkrieg? Verstehst du, worauf ich hinaus will?
Deshalb gehen wir mal ganz konservativ davon aus, dass die Apostelgeschichte im Jahr 62 geschrieben wurde – direkt vor dem Beginn dieser dramatischen Ereignisse. Nicht einen Monat vorher, aber auch nicht später. Lass dir das mal auf der Zunge zergehen.
Hast du noch die Sache mit der Biografie von Alexander dem Großen im Hinterkopf? Diese wurde etwa 400 Jahre nach den Ereignissen aufgeschrieben und gilt dennoch in großen Zusammenhängen als weitgehend glaubwürdig. Das liegt daran, dass es für diese Epoche normal war, Ereignisse erst nach langer Zeit schriftlich festzuhalten.
Jesus wurde am Freitag, dem 7. April des Jahres 30, gekreuzigt. Alles deutet darauf hin, dass das biblische Buch der Apostelgeschichte spätestens im Jahr 62 geschrieben wurde. Das bedeutet, es sind etwa 32 Jahre zwischen der Kreuzigung und der Abfassung der Apostelgeschichte vergangen.
Zweiunddreißig Jahre – das ist schon eine lange Zeit, oder?
Die Evangelien und ihre Entstehungszeit
Jetzt denkst du vielleicht: Okay, das ist ja wirklich beeindruckend, gebe ich zu, aber ich dachte, hier geht es um Jesus und um die Augenzeugenberichte zu seinem Leben, zu seinem Tod und zu seiner Auferstehung, um die Evangelien. Wissen wir über die irgendetwas?
Oh ja, mein Freund, hold my arm mal kurz. Ich will dir nur ganz kurz eine Verschnaufpause geben, damit du die Glocke unter diesem Video drücken kannst, damit das auch andere Menschen sehen können. Denn jetzt haben du und ich nämlich eine vorsichtige, zurückhaltende Idee, wann die Apostelgeschichte geschrieben wurde.
Ja, die Frage ist jetzt: Können du und ich von diesem Sprungbrett aus – ja, wir wissen, die Apostelgeschichte muss spätestens um 62 geschrieben worden sein – können wir jetzt von da aus nach irgendetwas greifen, das vorherkommt? Ja, ja! Denn was wurde denn vorher geschrieben? Das Lukasevangelium.
Kein heutiger Historiker bezweifelt, dass die Apostelgeschichte im Stil, im Ton und in der Selbstbezeichnung wirklich der zweite Teil eines Doppelbands, einer doppelbändigen Geschichtsschreibung vom gleichen Autor Lukas ist. Er hat erst das Lukasevangelium geschrieben und dann die Apostelgeschichte.
So, warte mal, denkst du jetzt vielleicht: Ja? Das heißt also, das Lukasevangelium wäre ja vor der Apostelgeschichte. Wann genau wurde denn dann bitte das Lukasevangelium geschrieben? Das muss ja vor 62 gewesen sein.
Pass auf, Sherlock: Das Gute ist, dass wir hier eine ganze Reihe an Hinweisen haben. Einen starken Hinweis findest du im ersten Timotheusbrief, Kapitel 5, wo Paulus einen Satz anfängt mit den Worten: „Denn die Schrift sagt, denn die Schrift sagt.“ Hm, das ist ja an sich sowieso schon mal spannend, denn was immer Paulus jetzt als Nächstes nennt, da wissen du und ich ja gleich schon mal, dass das autoritative heilige Schrift ist. Und dann bringt er ein Zitat: „Du sollst dem Ochsen, der drischt, nicht das Maul zubinden.“
Okay, wer jetzt seine Bibel ganz genau kennt, bibelfit ist oder eine Bibel mit guten Anmerkungen am Rand hat, der weiß, dass das ein Zitat aus Deuteronomium 25 ist, aus dem fünften Buch Mose. Das ist also aus Deuteronomium. Ja, das Deuteronomium wird als Heilige Schrift behandelt. Das ist wenig überraschend, das hat Jesus ja selbst auch als Heilige Schrift behandelt.
Aber schau mal, wie es im ersten Timotheusbrief im zweiten Zitat weitergeht, wo Paulus ebenfalls aus der Schrift zitiert und sagt: „Der Arbeiter ist seines Lohnes wert.“ „Der Arbeiter ist seines Lohnes wert.“ Vom Gefühl her denkst du jetzt vielleicht, das könnte aus dem Buch der Sprüche kommen. Ist es aber nicht. Kommt es aus Deuteronomium? Auch nicht. Kommt es aus den Propheten? Nein. Aus dem Psalm? Auch nicht. Alles nicht.
Der Clou ist: Nirgendwo im Alten Testament kommt das vor, auch nicht in den Apokryphen, nirgendwo. Es gibt aber eine Stelle, an der das vorkommt – und zwar nicht irgendwie, sondern Wort für Wort, genau so. Halte ich fest: Im Lukasevangelium.
Was? Ja, ganz genau. Paulus zitiert hier also ein ihm zu seinen Lebzeiten bereits bekanntes neutestamentliches Lukasevangelium. Das heißt also, das Lukasevangelium muss es schon gegeben haben, bevor er den ersten Timotheusbrief schreibt, und er nennt das Lukasevangelium Heilige Schrift.
Es kommt noch besser: Die meisten Historiker sind sich einig, dass der erste Brief von Paulus an die Korinther, an die Christen in der Hafenstadt Korinth, irgendwann um das Jahr 53 geschrieben wurde. Selbst die skeptischsten Wissenschaftler unterschreiben, dass dieser Brief definitiv von Paulus ist.
Es gibt auch noch andere Briefe, bei denen das eine Zeit lang mal angezweifelt wird, aber dazu ein andermal. Der erste Korintherbrief hat nie zu diesen angezweifelten Briefen dazugehört. Hier sind sich von Anfang an alle einig, dass der definitiv dazugehört.
In dem, was in unseren heutigen Bibeln Kapitel 11 vom ersten Korintherbrief ist, findest du die Abendmahlsworte. Die Abendmahlsworte in 1. Korinther 11, wo Paulus zitiert: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis.“ Okay, jetzt findest du in allen vier Evangelien leicht unterschiedliche Abendmahlsberichte, aber du findest nur einen einzigen mit genau dieser Formulierung „zu meinem Gedächtnis“. Hm, jetzt rate mal wo.
Richtig, wieder im Lukasevangelium. Paulus zitiert also hier wieder Lukas. All das und noch mehr zusammengenommen haben wir keinen ernsthaften Grund, davon auszugehen, dass das Lukasevangelium massiv später wäre als der erste Korintherbrief aus dem Jahr 53.
Im Gegenteil: Wir haben jeden Grund, davon auszugehen, dass das Lukasevangelium vor dem ersten Korintherbrief, also vor dem Jahr 53, niedergeschrieben wurde. Aber wir wollen mal nichts überstürzen. Wir bleiben mal ganz ruhig, die Füße auf dem Boden, wir bleiben mal auf dem Teppich und halten nur fest, dass das Lukasevangelium im Jahr 52 geschrieben wurde. Wir machen jetzt keine Spekulation, dass es noch früher gewesen sein könnte oder Ähnliches, wir nehmen nur das spätestmögliche gesicherte Datum.
Dazu kommen noch folgende bemerkenswerte Beobachtungen, und ich will dabei auf etwas ganz Bestimmtes hinaus: Weißt du, der Lukas, der Lukas ist Historiker. Als Historiker arbeitet er mit anderen Quellen, das heißt, er schaut sich andere Texte an, die vor ihm da waren, und die zitiert er.
So, das heißt, er zitiert andere Quellen, und es gibt keine Quelle, die er noch häufiger zitiert als das Markusevangelium. Je nachdem, wie du es zählst, macht das Markusevangelium bei Lukas bis zu zweiundvierzig Prozent von seinen gesamten Berichten aus – bis zu 350 Verse. So viel zum Thema Plagiatsaffäre: Über 350 Verse von Markus finden sich bei Lukas.
Das ist sowieso schon kurios. Noch kurioser ist aber, dass dieselben Geschehnisse, die Lukas mal von Markus übernimmt, zitiert, bei Markus in einer ganz anderen Reihenfolge beschrieben werden.
Jetzt denkst du dir vielleicht: Na ja, okay, was soll's? Na ja, nicht so einfach, denn denk mal an die Einleitung vom Lukasevangelium. Die Einleitung vom Lukasevangelium, die du und ich wahrscheinlich die meisten Jahre unseres Lebens einfach überblättert haben.
Aber wenn du da reinschaust in den griechischen Text, dann heißt es dort: Edoxin kamoi paekolothikoti anothen pasinakribos kathekseis soi grapsai kratiste Theophile.
So, freie Übersetzung auf Deutsch: Deshalb, sehr geehrter Herr Theophilus, schien es auch mir eine gute Idee zu sein, nachdem ich all diese Angelegenheiten endlich von Anfang an verstanden hatte, sie Ihnen, dem Herrn Theophilus, sorgfältig chronologisch aufzuschreiben.
Jetzt denkst du vielleicht, ich würde aus einer Mücke einen Elefanten machen. Frag dich mal selbst: Warum ist es so, dass Lukas, der als Historiker auftritt, das in seiner Einleitung so auffällig, in den ersten paar Sätzen, so auffällig betont, dass er ausgerechnet chronologisch berichtet?
Ein säkulares Gegenbeispiel, mal nichts mit Religion oder so: Vor einiger Zeit hatte ich Handwerker bei mir zu Hause, mein alter Herd war kaputtgegangen und ich musste den neuen Herd anschließen.
Ja, das war ein bisschen umständlicher, weil der irgendwie eingebaut werden musste, da gab es ein Starkstromkabel und so weiter. Jedenfalls habe ich mir das nicht zugetraut, und ich dachte so: Boah, ja, das kostet Geld und alles, aber Starkstromkabel, das ist mir irgendwie zu heiß, na ja, okay.
Jedenfalls, nach ungefähr anderthalb Stunden war der dann fertig, und da hat mir einer von denen berichtet: „Herr Voss, ich habe jetzt Ihren neuen Herd angeschlossen.“ So, okay. Danach hat er gesagt: „Ich habe ihn richtig herum angeschlossen, so dass er auch funktioniert und ungefährlich ist.“
Ich weiß nicht mehr, was es war, aber ich fand diese Aussage in dem Zusammenhang irgendwie so ein bisschen kurios. Also habe ich nachgefragt: „Cool, danke. Sagen Sie, gibt es irgendeinen Grund, den ich wissen sollte, warum Sie das mit dem ‚richtig herum‘ sagen und ‚funktioniert‘ und ‚ungefährlich‘ so betonen? Ich dachte, das wäre Ihr Job.“
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, denn der Handwerker erklärte mir sofort, zu meiner großen Überraschung, dass der alte Herd vorher nämlich falsch herum angeschlossen gewesen war.
Das heißt, über ein halbes Jahrzehnt, dass ich in der Wohnung gelebt habe, lag da ein Starkstromkabel offen, mit ungefähr ein bis zwei Zentimeter Abstand vom Metallgehäuse entfernt, und hat da gehangen.
Das heißt, ein falscher Stoß, der gesamte Herd ist elektrisiert. Naja, muss ich nicht zu Ende führen, ne?
Das heißt, ja, es gab einen sehr guten Grund, warum dieser Handwerker so betont hatte, dass es richtig herum ist, dass es funktioniert und dass es ungefährlich ist, weil das eben nicht die Ausgangssituation war.
Lukas schreibt mit großer Wahrscheinlichkeit nach Markus, nach dem Markusevangelium. Noch dazu schreibt er an Leute, die das Markusevangelium schon kannten, neben dem Herrn Theophilus, dem er sowieso das Buch widmet.
Und um auf diese Unterschiede vorweg einzugehen, damit die Leute sich beim Lesen, beim Vorlesen, beim Hören auch nicht im Nachhinein wundern, spricht er das gleich am Anfang direkt an.
Das heißt, es spricht sehr viel dafür, dass Lukas, das Lukasevangelium, dass er das 22 Jahre nach Jesu Kreuzigung zum ersten Mal niedergeschrieben hat – wenn überhaupt.
Lass das mal sacken und dann denk noch mal an die 400 Jahre mit Alexander dem Großen. Das ist übel, denkst du jetzt vielleicht.
Denn wenn das Lukasevangelium für Leute geschrieben ist, die schon ans Markusevangelium gewöhnt waren, wie lange genau war dann eigentlich das Markusevangelium schon im Umlauf?
Du findest noch mehr Fakten dazu im Buch „Kein Gott ist auch keine Lösung“, das du dir gratis mitnehmen kannst über den Link unter diesem Video.
Aber die entscheidenden Eckdaten sind die hier: Mehrere Jahre werden es gewesen sein, genau kann ich es dir im Augenblick nicht sagen. Bevor wir dann noch weitere frühere Funde haben – die haben wir noch nicht gefunden –, lass uns auch da wieder auf dem Teppich bleiben, zurückhaltend sein und nur Mitte der Vierzigerjahre vermuten.
Vermutung ja, aber eine begründete Vermutung. Es gibt ein paar Indizien, die das sehr gut unterstützen würden.
Zum Beispiel würde dazu passen, dass das Markusevangelium sehr kurz geschrieben wurde, sechzehn Kapitel in den heutigen Bibeln.
Und in vielen Punkten ist – hm, das klingt jetzt respektlos, ist es – na ja, ein bisschen durcheinander. Das heißt, es ist auch so, dass der Autor Markus, wenn du das Markusevangelium im Griechischen liest, kaum Adverbien nutzt.
Er beschreibt, er schmückt das kaum auf, er hat kaum Beschreibungen drin, wie Menschen bestimmte Vorgänge vollziehen oder Ähnliches, sondern stattdessen beschreibt er vor allem den Ablauf der Dinge kurz und knapp mit Verben.
Das heißt, er schreibt ganz grob, fast so ein bisschen, als würde er unter Eile schreiben.
Dazu kommt auch, dass Markus in seinen Berichten die Identität von verschiedenen Personen anonymisiert, wie ich das manchmal hier mache, wenn ich Bilder einblende oder auch Personen zeige oder aus irgendwelchen Websites zitiere.
Aus rechtlichen Gründen anonymisiere oder schwärze ich manchmal Sachen, um ganz sicherzugehen, dass das okay ist.
Das heißt, genauso ist es so, dass Markus an entscheidenden Punkten die Identität verschiedener Schlüsselpersonen anonymisiert, die an den Schlüsselpunkten seines Berichts eine entscheidende Rolle spielen und die eigentlich gar nicht für die damaligen Leute unbekannt sein können.
Nur mal ein paar Beispiele: Zum Beispiel Maria, die Jesus vor seiner Gefangennahme gesalbt hat, die ist da weggeblört, sie ist zensiert, sie ist zumindest anonymisiert.
Ihr Bruder, ihr Bruder, Jesus' Kindheitsfreund Lazarus, von dem wir wissen, dass er vom Synhedrion, vom Hohen Rat, gesucht wurde auf polizeiliche Anordnung.
Die beiden sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Mitte der Vierzigerjahre noch am Leben, und deswegen leuchtet das auch total ein, dass Markus die Absicht hat, durch die Anonymität ihr Leib und Leben einfach zu schützen.
Außerdem kommt dazu, dass Markus den Petrus, den Petrus, den Chefapostel, den Chefjünger, an einer ganzen Reihe von Stellen ein bisschen freundlicher darstellt, ein bisschen sympathischer und auch ein bisschen würdevoller rüberkommen lässt, als wir Petrus vielleicht aus anderen Berichten kennen.
Das würde sehr gut zu frühen Berichten passen, dass Petrus für Markus ein primärer Informant war und er seinen Informanten nicht unter den Bus werfen wollte.
Jetzt denkt der eine oder andere, der mit dir zusammen das hier sieht und hört, vielleicht: Ja, Mann, ist ja schön und gut, falls mich das wirklich mal interessiert, kann ich es irgendwann mal nachschlagen. Ja, gibt es ein gutes Buch zu.
Aber warum erzählst du mir all das?
Na, du, pass auf, ganz einfach, weil Jesus nachweislich ermordet wurde am siebten April des Jahres 30, möglicherweise auch am dritten April des Jahres 33.
Wie gesagt, zur Datierungsfrage habe ich ein eigenes Video in Vorbereitung, drücke ja an die Glocke, dann wird dir das auch angezeigt.
Das bedeutet also: 30 oder 33 wurde Jesus ermordet.
Das bedeutet also, wir sind bei den Augenzeugenberichten vom Markusevangelium dabei, die niedergeschrieben worden sind innerhalb von zwölf Jahren, nachdem diese Dinge passiert sind.
Zwölf Jahre.
Zwölf Jahre, weißt du noch? 400 Jahre Alexander der Große – zwölf Jahre, soll das ein Witz sein?
Vor zwölf Jahren habe ich Abi gemacht. Und ich könnte dir heute noch alle Vor- und Nachnamen von allen 104 Leuten aus meinem Abi-Jahrgang erzählen.
Damit will ich sagen: Zwölf Jahre, das ist nicht lang.
Und ich wette mit dir, du könntest noch eine ganze Reihe von Geschehnissen detailliert erzählen, könntest einfach ein paar Geschichten aus deiner Kindheit berichten oder von früher, die sogar noch weitaus länger als zwölf Jahre zurückliegen – erst recht, wenn das Ereignisse waren, die für dein Leben wirklich prägend waren.
Und das Beste, das Beste haben du und ich uns jetzt für den Schluss von diesem Input aufgehoben.
Also drück die Glocke und schnall dich an.
Ich will nämlich nicht, dass du denkst, dass das, was du und ich gleich miteinander besprechen oder auch jetzt schon besprochen haben, irgend so ein arkanes Geheimwissen wäre, das nur Eingeweihten mit einem goldenen Schlüssel zugänglich wäre, nachdem sie sieben Jahre lang Altgriechisch und Hebräisch studiert haben oder so ein Quark.
Das ist nicht so.
Sondern dank des öffentlichen akademischen Bildungssystems in Deutschland ist dieses Wissen hier jedem von uns zugänglich.
Wir kommen jetzt zum Höhepunkt von diesem Video, wo ich dir zeigen werde, dass das Christentum nachweislich nicht von Paulus erfunden wurde, sondern schon lange vor Paulus zurückgeht.
Ich zeige dir jetzt, wo die ältesten und frühesten Texte im Neuen Testament stehen und dass die ersten Berichte zu Jesu Auferstehung auf wenige Monate, möglicherweise sogar wenige Wochen nach der Auferstehung zurückgehen.
Warum machen wir das?
Ich möchte, dass du mit begründetem Selbstbewusstsein hier rausgehst aus diesem Video, bevor du es weitergibst.
Ich möchte, dass du all das hier auch in der Lage bist, selbst zu überprüfen.
Du kannst dir die Zusammenfassung in meinem Bestsellerbuch über die Wahrheit des Christentums gratis mitnehmen, über den Link hier unter diesem Video.
Oder du kannst dem selbst auf den Grund gehen.
Und das meine ich genau so, wie ich es sage, das ist wirklich ernst gemeint, weißt du?
Selbst wenn du mal Bibelschulen und private Träger nicht mitzählen würdest, gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz – die meisten von uns sind ja hier aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – an die 50 theologische Fakultäten an öffentlichen staatlichen Hochschulen.
50!
Jede einzelne von denen hat eine eigene Abteilung in ihrer jeweiligen Universitätsbibliothek, wenn nicht sogar eine eigene Bibliothek.
Dazu kommt noch mal eine größere Anzahl von historischen Instituten an Fakultäten, historischen Fakultäten, historischen Instituten, überall verteilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
So, und in praktisch jeder dieser Universitätsbibliotheken kannst du als freier Steuerzahler, als Bürger, einfach ein- und ausgehen und kannst dir selbst ansehen, mit deinen eigenen Augen, mit deinen eigenen Ohren kannst du dir selbst anhören, selbst angucken, die Bücher selbst in die Hand nehmen, die Papers, die Journals – alles selbst tun –, was die weltweit führenden Forscher auf einem Gebiet zu einer Frage herausgearbeitet haben und was derzeit der aktuelle Stand der Forschung ist zu einem Thema.
Die Forschungsliteratur dazu ist so weit verbreitet, ist noch nicht alles digitalisiert, aber we're working on it.
Das heißt, das kannst du in jeder größeren Universitätsbibliothek mit einer geisteswissenschaftlichen Abteilung finden, okay?
Das heißt, pass auf: Du musst dich gar nicht auf irgendwelche Internetverschwörungstheorien oder abgefahrenen YouTube-Videos verlassen.
Du musst dich davon überhaupt nicht einschüchtern lassen oder von dem, was der ehemalige Mitbewohner des Cousins, des Neffen deines Bruders mal gehört hat.
Das ist alles völlig irrelevant.
Du kannst dem einfach selbst auf den Grund gehen.
Und um dir dafür Mut zu machen, um dir das zu zeigen, habe ich mir einen Tag freigenommen.
Ich bin für dich in Thüringen nach Jena gefahren, zur Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Das ist ein öffentliches Gebäude, das unter Einhaltung von Corona-Maßnahmen für jeden Menschen öffentlich zugänglich ist.
Dann bin ich in die geisteswissenschaftliche Abteilung gegangen, wo die Regale voll liegen von renommierter Fachliteratur zum Neuen Testament.
Weil der Text, dem ich für dich auf den Grund gehen wollte, ist der erste Korintherbrief, Kapitel 15.
Zum Hintergrund: Es gibt wahrscheinlich drei Briefe an die Korinther, im Neuen Testament befinden sich zwei davon.
Hier geht es jedenfalls um den ersten Korintherbrief.
Der erste Korintherbrief ist so eine Art Q&A, so eine Art Frage-Antwort mit Paulus, von den FAQs, also von den meistgestellten Fragen von den Christen in Korinth zum christlichen Glauben, zum christlichen Leben.
Aber der erste Korintherbrief ist doch noch viel mehr als das, viel, viel mehr.
Denn du findest nämlich im Neuen Testament mehrere Stellen, wo die Autoren selbst Sachen zitieren, die lange vor ihnen da waren – haben wir, glaube ich, gerade schon gesehen.
Ein berühmtes Beispiel ist der sogenannte Philippa-Hymnus, wo Paulus ein wahrscheinlich gesungenes Gebet von frühen Christen zitiert.
Ein anderes, weniger bekanntes, aber viel, viel bedeutsameres Beispiel ist ein alter, sehr alter und früher Bericht in einem christlichen Bekenntnis, das Paulus selbst überliefert bekommen hat und das vor ihm schon lange, lange vorlag und das auch schon lange verbreitet war, bevor er es zum ersten Mal im ersten Korintherbrief zitiert.
Hm, das heißt, das ist also ein mündlicher Bericht, der auf wenige Monate, möglicherweise sogar wenige Wochen nach der Auferstehung von Jesus zurückgehen kann.
So, und wenn dem so ist, dann widerlegt das ja völlig, völlig, was manche unserer muslimischen Gesprächspartner dazu behaupten.
„Hat das Jesus gesagt in der Bibel? Das hat der Paulus gedichtet, euch mit Jesus. Das ist die Lehre von Paulus, nicht von Jesus. Paulus war der höchste Apostel, der höchste Apostel von Satan, Bernd Flust. Bernd, glaubst du Paulus oder Jesus?“
Hier also, was die Forscher zu dem zu sagen haben, was Paulus im ersten Korintherbrief zitiert.
Professor Doktor William Orr und Professor Doktor James Walter sagen dazu: „It is likely that Paul here reflects a general conviction developed from the Church's treatment.“ Also: Es ist wahrscheinlich, dass Paulus hier eine grundsätzliche Überzeugung widerspiegelt, die unter der frühen Christenheit vorherrschend war.
Paul received the facts that he is relating from Christians who preceded him.
Ja, Paulus hat also Fakten erhalten, die er von Christen, die ihm vorausgegangen sind, erhielt.
Die Koryphäe zum Neuen Testament, Professor Doktor Eckhart Schnabel, schreibt dazu: Das hier, was wir von Paulus da haben, ist ein Zitat der Tradition vom Tod und von der Auferstehung Jesu.
Paulus hat das, was er den Korinthern in erster Linie überliefert, auch selbst angenommen, von den Jesusbekennern, die er verfolgt und verhört hat.
Darauf kommen wir in einer Sekunde zurück.
Doktor Eugen Walter fasst es so zusammen: Als Paulus zum Missionieren begann, gab es in der Kirche – damit ist die frühe Christenheit gemeint – bereits einen Bestand fest geprägter Formulierungen.
Diese Tatsache einer solchen mündlichen Überlieferung lange vor der Niederschrift der Evangelien gehört zu den wichtigsten Erkenntnissen der gegenwärtigen Bibelwissenschaft.
Professor Doktor Marlies Gielen von der Universität Salzburg und Professor Doktor Helmut Marklein von der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften fassen dazu zusammen:
Zitat: „In einem seltenen Konsens wird angenommen, dass Paulus von Vers 3b an folgend eine Tradition zitiert, also etwas, was er bereits vorgefunden hat.“
Professor Doktor Andreas Lindemann von der Göttinger Akademie der Wissenschaften schreibt dazu, dass Paulus eine ihm überlieferte Formel zitiert an der Stelle im ersten Korintherbrief. Das kann nicht bezweifelt werden.
Der Bibelwissenschaftler Doktor Walter Kleiber, der später Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland war, hat dazu ermittelt:
Zitat: „Paulus hat diese Sätze wohl schon nach seiner Bekehrung in Damaskus, spätestens aber bei seinem ersten Besuch in Jerusalem kennengelernt. Es ist eine Art frühes Glaubensbekenntnis.“
Als ich für dich in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek war, habe ich einerseits gesucht nach Mehrheitsmeinungen, was der Konsens in der Forschung ist, aber andererseits auch bewusst nach Minderheitsmeinungen.
Hier zum Beispiel mehrere namhafte Forscher, die sehr liberale Positionen vertreten, mit denen die meisten hier – ich eingeschlossen – nicht automatisch d’accord gehen werden.
Lass uns trotzdem mal hören, was selbst diese liberalen Forscher zu sagen haben.
Also eine bekannte Liberale, das heißt gegenüber frühen Datierungen sehr kritische, Professorin Doktor Luise Schottroff von der University of Berkeley, schreibt dazu:
„Das Evangelium, das Paulus als grundlegend nach Korinth mitbrachte, ist ihm selbst schon überliefert worden.“
Und der Liberale, also frühen Datierungen gegenüber sehr kritische, Professor Doktor Jakob Krämer der Universität Wien, der bis zu seinem Tod einer der renommiertesten Bibelwissenschaftler Mitteleuropas war, schreibt dazu:
„Diese Wortwahl in dem, was Paulus dort zitiert, weist mehrere Wörter und Formulierungen auf, die zur ältesten Verkündigung der Auferstehung Christi gehören.“
Puh, kann den ganzen Tag so weitergehen.
Was nehmen wir also daraus mit?
Dazu fasst Professor Doktor Gordon Fee von der University of British Columbia zusammen:
„It is generally agreed that in verses three to five, Paul is repeating a very early creedal formulation that was common to the entire Church, well formed before Paul came on the scene.“
Es herrscht allgemeine Zustimmung, dass in den Versen 3 bis 5 Paulus ein sehr frühes Glaubensbekenntnis wiederholt, das damals der gesamten Christenheit bekannt war.
Es war bereits geformt, lange bevor Paulus überhaupt auf die Bühne trat.
Und Professor Doktor Christian Wolff von der Humboldt-Universität Berlin fasst dazu zusammen:
Paulus zitiert eine in ihrem Wortlaut fest geprägte Tradition.
Das hohe Alter des Traditionsstücks ist allgemein anerkannt, die Entstehung wird meist in Jerusalem oder Antiochien lokalisiert.
Was hat das jetzt zu bedeuten?
Das hier, weil Paulus um das Jahr 33, ja, also Jesus ist gestorben im Jahr 30, und im Jahr 33 ist es so, dass Paulus selbst erst zum Glauben gekommen war.
Und das hier, was Paulus dort zitiert, war vorher schon kursiert, war vorher schon verbreitet, während Paulus Christen für ein bis zwei Jahre verfolgte.
Dann muss das, was er hier zitiert, schon verbreitet worden sein im ersten Jahr nach der Auferstehung, nach der Kreuzigung von Jesus.
Also gehen diese Texte, ja, die Paulus da zitiert, auf wenige Monate nach der Kreuzigung und Auferstehung von Jesus zurück.
Das ist weit vor dem Neuen Testament, weit vor dem Neuen Testament.
Und was ist das, was Paulus da eigentlich zitiert?
Also folgendes, wir gehen es mal ganz kurz durch.
Paulus schreibt dazu, jetzt kommt das, was er zitiert, was er von den Christen vor ihm übernommen hatte, nämlich:
Als Erstes und Grundlegendes, also es geht um etwas wirklich sehr Wichtiges, Elementares:
Christus ist für unsere Sünden gestorben.
Das heißt, die Realität der Sünde ist angesprochen, dass es echte Vergehen gibt und dass Jesus stellvertretend gestorben ist.
Das ist also keine Erfindung von irgendwelchen abgehalfterten mittelalterlichen Theologen, das ist etwas, was die ersten Christen wenige Monate oder Wochen nach der Kreuzigung und möglichen Auferstehung von Jesus geglaubt haben.
Und dann geht es weiter: „Nach den Schriften“ ist Christus für unsere Sünden gestorben.
Mit diesen Schriften ist das gemeint, was du in deiner Bibel kennst als das Alte Testament.
Das heißt, das Alte Testament war eine selbstverständliche Glaubensgrundlage für die ersten Christen.
Und du und ich heute – wie viele Christen heute in Mitteleuropa lesen ihr Altes Testament? Wie viele haben das in ihrem Leben zweimal durchgelesen? Das ist peinlich.
Jedenfalls geht das weiter, was Paulus zitiert:
Er, Jesus Christus, wurde begraben, er wurde mit seinem Körper leiblich begraben und er wurde auferweckt am dritten Tag.
Also genauso, wie er mit seinem Körper begraben wurde, wurde er mit seinem Körper leiblich, körperlich auferweckt am dritten Tag, am dritten Tag, nach den Schriften.
Da haben wir es wieder, zweimal: „Nach den Schriften.“
Wieder Achtung: Es gibt heilige Schriften, und es ist sehr wichtig, die zu studieren, die zu kennen.
Warum? Weil die unter anderem Prophezeiungen enthalten.
Diese heiligen Schriften sind autoritativ und gültig.
Dann zitiert Paulus weiter: „Er ist Kephas erschienen.“ Kephas, also gemeint ist Simon Petrus, und dann den Zwölfen, also den Aposteln.
Das heißt, die Apostel und das, was die Apostel zu sagen haben, deren Autorität, die wir ja heute verewigt finden in den Augenzeugenberichten der Apostel in den Evangelien, das ist auch autoritativ und gültig.
Merkst du was?
Es gibt da so ein paar wenige Texte, die die unverzichtbaren Kernbestandteile des Christentums enthalten, zum Beispiel Apostelgeschichte 2 oder Hebräer 6 und eben auch hier 1. Korinther 15.
Darüber werden wir nächstes Jahr im nächsten Buch ganz ausführlich sprechen.
Deswegen jetzt erst mal Fazit.
Doktor Franz Josef Ortkemper, der Direktor des Stuttgarter Bibelwerks, hat herausgearbeitet: Dieser Text, den wir gerade gelesen haben aus 1. Korinther 15, enthält das älteste uns bekannte christliche Glaubensbekenntnis.
Und schließlich Professor Eduard Meyer, der Ehrendoktorwürde von Oxford und Harvard erhalten hat, bevor er später zum Rektor der Humboldt-Universität in Berlin ernannt wurde, stellt dazu fest:
Das, was wir gerade gesehen haben, was Paulus zitiert, ist das älteste Dokument der Kirche, der Christenheit überhaupt.
All das, mein Freund, meine Freundin, um zu sagen:
Gemessen an allen gängigen historischen Maßstäben sind die Berichte, die du heute im Neuen Testament gebündelt findest, extrem umfangreich belegt und extrem früh niedergeschrieben.
Also, lass dich nicht einschüchtern.
Was du glaubst, das hat Hand und Fuß.
