Rückblick auf Ablenkung und geistliches Leben
Habt ihr noch einmal Power für eine letzte Runde? Ich hoffe es sehr.
Also, ein kleiner Rückblick: Falls ihr es noch nicht mitbekommen habt – wir leben in einer lauten, hektischen Welt, einer Welt voller Ablenkungen. Diese Ablenkungen verhindern sehr schnell, dass wir Gottes Stimme wahrnehmen und hören können.
In Teil 2 haben wir uns einige praktische Ideen angeschaut, wie wir ein störungsärmeres Umfeld schaffen können. Wir haben überlegt, wie wir Ablenkungen aus unserem Leben verbannen und vielleicht Möglichkeiten erleben können, um Gott zu begegnen. Das wollen wir jetzt noch einmal vertiefen.
Ich möchte in dieser Session mit euch darüber nachdenken, wie wir ein Umfeld schaffen können, in dem geistliches Leben gedeihen und aufblühen kann. Dabei möchte ich euch an ein Zitat von Dallas Willard erinnern, der sagte: „Eile ist der größte Feind von geistlichem Leben in unseren Tagen. Du musst die Eile erbarmungslos aus deinem Leben vertreiben.“
In den Liedern, die wir gerade gesungen haben – wenn ihr bewusst mitsingt –, werdet ihr feststellen, dass es darin sehr oft darum geht: „Ja, ich will dich kennen.“ Das ist der Wunsch, den wir zum Ausdruck bringen. Ich hoffe, ihr meint das ernst, wenn ihr sagt: „Ich möchte Jesus kennenlernen und immer mehr kennenlernen.“
Wenn wir uns das anschauen, sehen wir, dass wir es mit einem Problem zu tun haben: der Hektik, der Eile und den Ablenkungen unseres Alltags. Was Dallas Willard sagt, ist im Endeffekt eine aktive Aufforderung. Es ist nicht so, dass man sich einfach zurücklehnt und schaut, was passiert. Nein, es ist eine aktive Aufforderung.
Wir müssen die Eile erbarmungslos vertreiben. Das heißt, wir müssen ein Umfeld oder eine Struktur schaffen, in der wir leben können, damit geistliches Leben möglich wird. Und genau das möchte ich mit euch jetzt gerne noch einmal an ein paar Möglichkeiten anschauen. Und...
Paulus’ Lebensrückblick und geistliche Orientierung
Ich möchte mit euch in den Text aus dem Philipperbrief, Kapitel 3, eintauchen. Paulus gibt uns hier einen wirklich interessanten Einblick in sein Leben. Er zeigt uns, wo er herkommt, wie er unterwegs ist und welche geistlichen Prinzipien seinen Weg bestimmen. Er erzählt, wie er sein Leben lebt und was ihn antreibt.
Ich möchte mit euch ab Philipper 3,7 lesen. Ich habe euch den Text mitgebracht. Paulus schreibt an die Gemeinde in Philippi: „Die Dinge, die ich damals für Gewinn hielt, haben mir, wenn ich sie von Christus her betrachte, nichts als Verlust gebracht.“
Paulus schreibt hier an eine junge Gemeinde in Griechenland. Er freut sich über ihre Entwicklung, doch sie haben ein Problem. Es kommen Leute, sogenannte Judaisten, die behaupten, Jesus sei gut, aber man brauche auch die Beschneidung und müsse sich an das Gesetz halten, um richtig unterwegs zu sein. Die Gemeinde stand in der Gefahr, diesem Denken zu folgen und zu glauben, Jesus allein reiche nicht aus.
Paulus sagt dem entgegen deutlich: Stopp, das ist Quatsch! Er lässt die Gemeinde in sein Leben blicken und fragt: Wisst ihr, wo ich eigentlich herkomme? Er zählt in Kapitel 3 alles auf, wie sein Leben vorher aussah: Er ist ein reiner Hebräer aus dem Stamm Benjamin, beschnitten am achten Tag, nach dem Gesetz tadellos in der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert.
Er war ein Hardcore-Pharisäer, einer der Strengsten unter den Pharisäern. Er hatte unter den besten Lehrern gelernt und lebte streng nach dem Gesetz. Das war sein Leben vorher. Er hat genau das getan, was diese Leute predigen.
Doch jetzt kommt er zu dem Schluss: Die Dinge, die ich damals für Gewinn hielt, waren nichts wert. Er dachte, das würde ihm Leben geben, Ansehen bei Gott verschaffen und ihm das bringen, wonach er suchte. Aber wenn er das mit dem vergleicht, was er in Jesus hat, ist alles andere Mist, nichts zählt, nichts ist wertvoll.
Ich habe dabei auch an Menschen gedacht, die sich von einer digitalen Abhängigkeit erholen oder erholt haben. Sie sagen, die Dinge, die ich früher für Gewinn hielt – all die Zeit, die ich in soziale Netzwerke gesteckt habe –, sind von Christus her betrachtet nichts als Verlust. Sie haben dort kein Leben gefunden, sondern nur bei Jesus.
Paulus schaut zurück auf sein Leben und macht einen Rückblick: Da komme ich her. Das hat mir nichts gebracht, aber das, was ich jetzt habe, bringt mir alles. Die Frage ist: Was siehst du, wenn du auf dein Leben schaust? Was willst du sehen? Was bringen dir zwei, drei, vier oder fünf Stunden Handyzeit am Tag? Wo führt das hin? Wo findest du Leben?
In Vers 8 heißt es weiter: „Mehr noch, Jesus Christus, meinen Herrn, zu kennen, ist so unüberbietbar groß, dass ich, wenn ich mich auf irgendwas anderes verlassen würde, nur verlieren könnte. Seinetwegen habe ich allem, was mir früher Gewinn schien, den Rücken gekehrt. Es ist in meinen Augen nichts anderes als Müll, denn der Gewinn, nach dem ich strebe, ist Christus. Es ist mein tiefster Wunsch, mit ihm verbunden zu sein.“
Paulus hatte eine krasse Begegnung mit Jesus. Er war ein Hardcore-Pharisäer, der sogar einen Mord mitangesehen und befürwortet hatte. Er ließ sich Briefe geben, um Christen zu verfolgen und gefangen zu nehmen. Doch auf dem Weg nach Damaskus begegnete ihm Jesus. Dieses Licht blendete ihn, er fiel um. Jesus fragte ihn: „Warum verfolgst du mich?“ In diesem Moment kehrte Paulus um, sein gesamtes Wertesystem wurde auf den Kopf gestellt.
Er erkannte, dass alles, wofür er bisher gelebt hatte, nichtig war. Moralisch hatte er ein gutes Leben geführt, aber jetzt lernte er Jesus kennen, und Jesus wurde sein Leben. In ihm fand er alles, wonach er gesucht hatte. Deshalb war alles andere im Vergleich dazu wertlos.
Paulus’ Wertesystem wurde durch diese Begegnung mit Jesus völlig verändert. Das ist das große Potenzial, das wir auch erleben können. Ich wünsche mir, dass wir diese Begegnung mit Jesus erleben und uns nicht mit wenig zufrieden geben, sondern sagen: Jesus, du bist der Größte.
In Vers 10 sagt Paulus: „Ich möchte Christus immer besser kennenlernen.“ Genau das haben wir gerade gesungen. Ihr wollt es scheinbar auch, genauso wie Paulus. Er schreibt weiter: „Ich möchte die Kraft erfahren, mit der Gott ihn von den Toten auferweckt hat. Ich möchte an seinem Leiden teilhaben, damit ich ihm bis in sein Sterben ähnlich werde.“
Das zeigt die Leidenschaft von Paulus. Er war schon tief mit Jesus verbunden, hatte viele Begegnungen mit ihm, aber er wollte immer mehr. Er wollte Jesus noch besser kennenlernen, seinen Weg bis zum Ende gehen, selbst wenn das Leiden und Tod bedeutet.
Paulus hat so tief verinnerlicht, aus was er gerettet wurde und wie großartig das Evangelium ist. Je mehr er sich mit Jesus beschäftigt, desto mehr will er von ihm. Jesus wirkt wie ein Magnet: Je näher man ihm kommt, desto stärker wird die Anziehungskraft.
Wenn wir gegenüber Jesus gleichgültig sind, liegt das vielleicht daran, dass wir uns nicht die Zeit nehmen, ihn anzuschauen. Wir sind zu weit weg von diesem Magneten. Wir müssen näher zu ihm kommen.
Paulus richtet sein ganzes Leben darauf aus, Jesus immer besser zu erkennen. Er weiß, dass die Qualität seines Lebens hier und auch im kommenden Leben allein von Jesus abhängt. Er will nichts anderes wissen als Jesus.
Vielleicht denkst du jetzt: „Das ist mir zu krass, ich bin nicht wie Paulus.“ Das ist völlig in Ordnung. Paulus zeigt uns aber einen wichtigen Einblick in sein Leben. Bei ihm hat es nicht einfach Klick gemacht, sondern er ist gewachsen. Er ist immer mehr zu Jesus hingewachsen.
In Vers 12 sagt Paulus: „Es ist nicht so, dass ich alles schon erreicht habe oder am Ziel bin. Aber ich setze alles daran, ans Ziel zu kommen und Besitz zu ergreifen von dem, was Jesus Christus von mir Besitz ergriffen hat.“
Paulus sieht sich als jemanden, der auf dem Weg ist. Er ist noch nicht fertig, noch nicht am Ziel, aber er arbeitet mit ganzer Kraft daran. Er ist „work in progress“. Er läuft Schritt für Schritt seinem Ziel entgegen.
Manche denken, wenn sie sich bekehrt haben, sei alles erledigt. Aber Paulus zeigt: Es ist ein Weg, eine Reise. Es ist nicht nur ein Moment, sondern ein Leben unterwegs mit Jesus.
In Vers 13 sagt Paulus: „Ich lasse das, was hinter mir liegt, bewusst zurück, konzentriere mich auf das, was vor mir liegt, und laufe mit ganzer Kraft dem Ziel entgegen.“
Er lässt seine Vergangenheit hinter sich. Paulus hatte eine schlimme Vergangenheit, war an Verfolgung und Leid beteiligt. Doch das bestimmt ihn nicht mehr. Er schaut nach vorne, auf Jesus, sein Ziel.
Wir sind oft abgelenkt. Paulus vergleicht das mit einem Läufer, der Schritt für Schritt auf sein Ziel zuläuft. Wenn man einen Marathon läuft, will man nicht Umwege machen, sondern den schnellsten Weg.
Paulus läuft seinem Sieg entgegen, nicht für Ruhm oder Geld, sondern für das Leben, die Teilhabe an der himmlischen Welt. Er ist berufen, und sein Denken ist erfüllt von der Hoffnung auf das Leben mit Jesus.
Paulus hat im Evangelium seinen größten Schatz gefunden. Das ist vergleichbar mit der Vorfreude auf einen Sommerurlaub, der das Denken füllt.
Stellt euch vor, ihr lebt in einer Gemeinschaft, die immer wieder von dem träumt, was mit Jesus kommt, von der neuen Welt, dem neuen Eden, der Gartenstadt. Das würde euer Denken und Handeln verändern.
Wir müssen uns fragen: Von was sind wir ergriffen? Paulus sagt: „Ich bin von Jesus ergriffen.“ Er bestimmt mein Denken und Handeln.
Wir sind oft zu abgelenkt, zu hektisch, zu beschäftigt, um unsere Gedanken auf Gott zu fokussieren. Doch in den Sprüchen heißt es: „Unbedachter Eifer ist nicht gut. Wer es allzu eilig hat, tritt fehl.“
Wir sind eifrig darin, Likes zu sammeln, Spiele zu spielen, Videos zu schauen – aber wir sind oft unbedacht und zu schnell unterwegs.
Was können wir tun? Vielleicht sehnst du dich nach mehr, nach einer Begegnung mit Jesus, nach Veränderung.
Der erste Schritt ist zu erkennen, dass wir nichts aus eigener Kraft tun können. Gottes Begegnung, Veränderung und Sein Geist in uns sind Gnade – ein Geschenk. Wir müssen uns beschenken lassen.
Gott ist gnädig und gibt uns gerne. Er hat sich in Christus schon geschenkt. Wir dürfen wissen, dass er diese Beziehung will und uns begegnen möchte.
Was wir tun können, ist, ein Umfeld zu schaffen, in dem Begegnung mit Gott möglich ist.
Mir fällt dazu der Film „Der Marsianer“ ein. Kennt den jemand? Dort lebt ein Astronaut in einem lebensfeindlichen Umfeld und muss sich einen geschützten Raum schaffen, um zu überleben. Er baut ein Zelt, sorgt für Sauerstoff, Wasser und Nahrung.
So funktioniert geistliches Leben auch. Wir leben in einem geistlichen Krieg, in einem lebensfeindlichen Umfeld. Der Teufel tut alles, um uns abzulenken und zu verhindern, dass wir geistliche Früchte tragen.
Wir müssen uns einen geschützten Raum schaffen, ein Zelt, in dem geistliches Leben wachsen kann. Der Vorteil ist, dass wir Gott auf unserer Seite haben.
Ich möchte euch ein Framework vorstellen, wie wir das machen können. Es macht aber nur Sinn, wenn der Wunsch nach Erneuerung da ist. Es ist kein Automatismus.
Das Prinzip lautet: Du kannst Jesus um dein Leben organisieren oder du organisierst dein Leben um Jesus.
Stellt euch vor, dieses Glas hier ist euer Leben. Ihr könnt es mit verschiedenen Dingen füllen: Prioritäten, wichtige Dinge, Nebensächlichkeiten und Zeitvertreib.
Wenn ihr zuerst den Sand, also die kleinen Zeitvertreibe, einfüllt, ist das Glas schon halb voll. Dann bleibt kaum noch Platz für Wichtiges.
Viele versuchen, Jesus in ihr bereits volles Leben einzubauen – als Add-on. Das führt zu Stress.
Besser ist es, dein Leben um Jesus zu organisieren. Jesus wird der Mittelpunkt, und alles andere ordnet sich darum.
Dieses Prinzip ist alt und stammt aus der klösterlichen Tradition, etwa vom heiligen Benedikt. Eine Lebensregel ist ein Gerüst, das wie ein Rankgerüst einer Pflanze das Wachstum lenkt.
Eine Lebensregel ist ein Set an Übungen, das hilft, den Glauben wachsen zu lassen und Früchte zu bringen.
Es geht darum, dein Leben um Jesus herum zu organisieren: Zeiten der Begegnung, Stille, Gebet, Arbeit, Gemeinschaft, Spiel und Ruhe – alles aus freudiger Gemeinschaft mit Gott.
Jesus selbst lebte nach festen Strukturen, zum Beispiel Zeiten der Stille.
Ein weiteres Beispiel ist Daniel aus dem Alten Testament. Er betete dreimal am Tag und blieb so im Glauben stark.
Wenn wir Wachstum im Glauben wollen, sind solche Strukturen hilfreich.
Jesus zu folgen muss in deinen Terminplan passen, sonst wird es nicht stattfinden.
Viele sagen: „Ich habe keine Zeit.“ Doch woher kommen die zweieinhalb Stunden Social Media am Tag? Woher kommt die Zeit für Netflix?
Die Frage ist, wie wir Zeit neu ordnen, um zuerst nach dem Reich Gottes zu trachten statt nach Unterhaltung.
Jesus nachzufolgen ist eine Beziehung, und Beziehungen brauchen Zeit.
Stell dir vor, dein Partner bittet dich um Zeit, und du sagst immer wieder ab wegen anderer Dinge. Dein Freund würde dir sagen: „Du hast Zeit, hör auf, sie für falsche Dinge zu verschwenden.“
So ist es auch mit Jesus. Die Einladung steht: Willst du diese Beziehung? Oder bist du zu beschäftigt?
Es geht nicht um Gesetzlichkeit, sondern um Beziehung. Wenn ich mit meiner Frau einen romantischen Abend verbringe, geht es nicht ums Essen, sondern um unsere Beziehung.
Die Dinge, die ich vorstelle, sind Hilfen, um Raum für Begegnung mit Jesus zu schaffen.
Diese Hilfen nennen wir geistliche Disziplinen.
Ich stelle euch drei vertikale Streben vor: Gottes Wort, Gebet und Gemeinschaft.
Diese drei sind Kerntrainings für den Glauben, vergleichbar mit den Grundübungen im Fitnesstraining.
Wenn du Jesus besser kennenlernen willst, musst du das trainieren.
Gottes Wort bedeutet tägliche Begegnung mit Gott in der Bibel. Ihr könnt einen Bibelleseplan machen oder einzelne Texte langsam lesen.
Gebet ist die Antwort auf Gottes Wort. Du redest mit Gott, fragst nach, diskutierst mit ihm.
Stille ist auch wichtig, um Gott zu hören.
Diese drei – Gottes Wort, Gebet und Gemeinschaft – sind der große Stein, um den sich alles andere aufbaut.
Gemeinschaft ist mehr als nur Spaß haben. Es geht um geistliche Gemeinschaft: eine kleine Gruppe oder ein Freund, mit dem du dich tief austauschen kannst, der dich ermutigt und mit dem du betest.
Ich habe erlebt, wie Gemeinschaft motiviert und antreibt. Allein ist es viel schwerer.
Geistliche Gemeinschaft ist ein starker Katalysator.
Ihr könnt euch in kleinen Gruppen treffen, gemeinsam Bibel lesen, euch austauschen, Sünden bekennen und füreinander beten.
Auch eine Zweierschaft mit täglichem kurzem Austausch per Videoanruf kann viel bewirken.
Jesus war immer in Gemeinschaft unterwegs. Das zeigt uns, wie wichtig das ist.
Neben den drei Gs gibt es drei Querstreben: Ruhe, Reflexion und Rechenschaft.
Diese greifen ineinander.
Zur Ruhe haben wir heute Morgen schon viel gesagt. Ein paar praktische Tipps: Abends das Handy ausmachen, keine Arbeit nach 18 Uhr, einen freien Tag in der Woche (Sabbat) einplanen.
Wir müssen Ruhephasen schaffen, um geistlich gesund zu bleiben.
Reflexion bedeutet, über dein Leben, deinen Charakter, deine Gefühle nachzudenken.
Wenn du das nicht tust, sammelt sich vieles an und bricht irgendwann unkontrolliert aus.
Reflexion hilft, dein Herz zu öffnen und Gott Raum zu geben, zu dir zu sprechen.
Viele Menschen wissen gar nicht, wie es ihnen geht, weil sie nicht reflektieren.
Tagebuchschreiben ist eine gute Möglichkeit zur Reflexion.
Es kann täglich oder wöchentlich sein. Es hilft, sich selbst besser zu verstehen und mit Gott in Kontakt zu bleiben.
Rechenschaft ist eng mit Gemeinschaft verbunden.
Es bedeutet, dass jemand in deinem Leben dich fragt: Wie läuft es? Wo bist du angreifbar?
Diese Person hilft dir, auf dem Weg zu bleiben.
Ich habe viele junge Männer begleitet, die mit Kämpfen wie Pornografie zu tun hatten. Rechenschaft war ein wichtiger Punkt.
Wenn du Dinge versteckst und allein machst, bist du in Gefahr, vom Teufel weggeführt zu werden.
Gute Gemeinschaft und Rechenschaft schützen davor.
Also: Drei Kernworkouts – Gottes Wort, Gebet, Gemeinschaft – und drei Zusatzstreben – Ruhe, Reflexion, Rechenschaft.
Das ist ein Gerüst, um deinen Glauben wachsen zu lassen.
Es geht nicht um Leistung oder Heiligkeit, sondern darum, Raum zu schaffen, in dem Begegnung mit Jesus möglich wird.
Zum Schluss möchte ich euch zeigen, wie ich das in meinem Leben umsetze.
Ich habe tägliche Dinge: Stille und Gebet, Bibellesen, Reflexion.
Ich starte jeden Morgen mit Stille und Gebet, lese Bibel, weil ich mit Gott reden will.
Ich versuche, abends noch einmal Zeit mit Gott zu verbringen.
Das gelingt nicht immer, aber ich trainiere es.
Wöchentlich habe ich Bibelstudium, Eheabend, Gebetskreis, Kleingruppe, Fastentage und Sabbat.
Monatlich telefoniere ich mit einem Mentor, habe einen stillen Nachmittag, Date Night mit meiner Frau und Freundestreffen.
Jährlich plane ich Männerwochenenden und stille Wochenenden.
Ich bin noch nicht perfekt, aber ich habe ein Gerüst, das mir gut tut.
Jeder muss sein eigenes Gerüst bauen.
Eine Studentin namens Anne hat zum Beispiel tägliche 30 Minuten Bibel und Gebet, wöchentliche Minigruppe, Jüngerschaftsbeziehung und Mitarbeit in der Gemeinde.
Sie hat auch monatliche und jährliche geistliche Aktivitäten.
Ich ermutige euch, nicht alles auf einmal zu machen, sondern Schritt für Schritt.
Wenn Bibellesen und Gebet noch nicht fest sind, fangt damit an und macht es vielleicht in Gemeinschaft oder mit Rechenschaft.
Sagt nicht: „Ich mache das später.“ Ihr werdet nie mehr Zeit haben als jetzt.
Fragt mal Rentner, ob sie mehr Zeit haben. Nein.
Lernt jetzt, Jesus Raum zu geben.
Je mehr ihr trainiert, desto mehr macht es Spaß.
Es geht nicht um die Übungen an sich, sondern darum, Raum für Begegnung mit Jesus zu schaffen.
Ich wünsche euch, dass ihr begeisterte, hingegebene Jesusnachfolger werdet, die in dieser digitalen Welt gefestigt sind und Leben in Jesus finden.
So könnt ihr ein Licht sein in einer Welt, die nach Leben sucht und oft in die Irre geht.
Zum Schluss ein Vers aus Philipper 3,17: „Folgt meinem Beispiel, Geschwister, und richtet euch an denen aus, deren Leben dem Vorbild entspricht, das ihr an uns habt.“
Lasst uns beten:
Lieber Vater, wir danken dir, dass wir dich kennen dürfen. Wir bitten, dass du deine Arme weiter nach uns ausstreckst und uns näher zu dir ziehst. Hilf uns, immer näher zu dir zu kommen und mehr von dir zu erfahren.
Wir wünschen uns diesen Hunger nach dir, den du stillst und zugleich vermehrst, weil wir schmecken, wie gut es mit dir ist.
Hilf uns, Schritte auf dich zuzugehen, nicht aus Pflicht, sondern aus Liebe, weil wir sehen, wie gut du bist.
Bewahre uns davor, in Gesetzlichkeit zu verfallen, sondern führe uns in Beziehung zu dir.
Danke, Jesus, für dein Vorbild, für dein Leben und die Gerechtigkeit, die du uns schenkst.
Danke, dass du uns annimmst, wie wir sind, ohne Leistung, dass wir eingeladen sind, deine Schule zu besuchen und Beziehung mit dir zu haben.
Danke, Vater, dass du uns willst und leidenschaftlich liebst.
Segne unsere Gemeinschaften, unsere Jugendgruppen, dass sie die Kraft nutzen, sich gegenseitig zu ermutigen und gemeinsam diesen Weg zu gehen.
Hilf uns, in diesem feindlichen Umfeld geistlich zu wachsen und Früchte zu bringen.
Danke für deine Gnade, deine Stärke und deinen Segen. Amen.
Das Streben nach tieferem Kennenlernen Christi
Dann heißt es in Vers 10: Wir überspringen mal zwei Verse, da sagt er: Ja, ich möchte Christus immer besser kennenlernen. Genau das haben wir gerade eben gesungen. Ihr wollt es scheinbar auch, genauso wie Paulus.
Ich möchte die Kraft, mit der Gott ihn von den Toten auferweckt hat, an mir selbst erfahren. Da weiß ich schon gar nicht mehr, ob wir alle Amen sagen. Und ich möchte an seinem Leiden teilhaben, so dass ich ihm bis in sein Sterben hinein ähnlich werde.
Und da fängt es dann schon an, dass du sagst: Wow, alter Paulus, du warst schon echt krass unterwegs. Aber wenn ihr euch das überlegt, Paulus hat diesen unglaublichen, leidenschaftlichen Wunsch: Er will Jesus immer besser kennenlernen.
Und ich denke mir so: Alter Paulus, ey, ich meine, du hast doch Jesus schon so krass gekannt. Also was du hier für Zeug schreibst und wo du angekommen bist in deinem Leben, da träume ich von – diese Hingabe, diese Liebe und das, was du erlebt hast.
Ihr müsst euch mal überlegen, was er mit Jesus erlebt hat. Er hatte diese krasse Eins-zu-eins-Begegnung. Dann begegnet ihm Jesus immer wieder, tröstet ihn, spricht zu ihm. Er legt ihm irgendwie auch das Evangelium aus. Da wird uns jetzt nicht viel dazu gesagt, was da passiert ist, aber er hat krasse Begegnungen mit Jesus, von denen ich mir denke: Wow, das will ich auch.
Stellt euch vor, der ist sogar im Paradies gewesen. Und du denkst dir: Ey Paulus, meinst du nicht, dass mal irgendwann genug ist? Also ich meine, jetzt sei doch mal zufrieden mit dem, was du hast und so.
Aber Paulus sagt: Nee, ich will immer weiter. Und er geht so weit, dass er sagt: Ich will, wenn der Tod dazu dient, dass ich dich besser kennenlerne, dann soll es so sein. Ich will in deinem Leiden gleichgestaltet werden. Ich will, ich will immer mehr von dir.
Ich habe so einen Hunger nach dir, ich habe so eine Leidenschaft nach dir, weil ich weiß, wie sehr du mich liebst.
Paulus hat so tief verinnerlicht, aus was er gerettet wurde, wie großartig und wie wunderschön dieses Evangelium ist, das Jesus gebracht hat, diese gute Botschaft. Wie sie in jeden Bereich seines Lebens reingeht, wie sie in jeden Bereich unseres Lebens reingeht.
Und je mehr er sich das anschaut, es macht den Anschein, je mehr er sich da reinversenkt, umso mehr will er davon. Jesus ist wie so ein Magnet: Je näher du zu ihm hingehst, umso größer wird die Anziehungskraft. Du willst immer näher hingehen und immer mehr von ihm erkennen, weil du immer mehr siehst, wie unfassbar schön und groß Jesus ist.
Und wenn wir eine Gleichgültigkeit gegenüber Jesus haben, dann liegt es vielleicht genau daran, dass wir uns nicht die Zeit nehmen, ihn anzuschauen. Dass wir noch zu weit weg sind von ihm, von diesem Magneten. Dass wir aus dieser Anziehungskraft raus sind. Und dann müssen wir rein in diese Anziehungskraft, damit wir wieder ganz nah zu ihm hinkommen können.
So hat Paulus alles, was er hat – und er hat es von Herzen gesagt – alles, was er hat, richtet er darauf aus, diesen Jesus immer mehr zu erkennen. Weil er genau wusste, dass die Qualität nicht nur seines Lebens hier auf der Welt, sondern auch die Qualität seines kommenden Lebens allein von dieser einen Person abhängt: von Jesus Christus und von sonst gar nichts.
Und er sagt: Ich will auch nichts anderes wissen als nur Jesus.
Der Weg des Wachstums im Glauben
Und vielleicht denkst du jetzt: Boah, das ist mir echt total abgefahren, so bin ich einfach nicht. Also, ich bin kein Paulus. Das ist total in Ordnung, ich bin auch kein Paulus.
Paulus gibt uns aber einen sehr interessanten Einblick in sein Leben. Bei ihm hat es ja nicht einfach nur Klick gemacht. Er hatte diese krasse Begegnung, und da ist ziemlich viel passiert. Aber danach begann auch ein Wachstum bei Paulus. Er ist immer mehr zu Jesus hingewachsen.
Und da lässt er uns in dieses Wachstum hineinschauen. Es fängt in Vers 12 an. Da sagt Paulus: Es ist also nicht etwa so, dass ich das alles schon erreicht hätte und schon am Ziel wäre. Aber ich setze alles daran, ans Ziel zu kommen und von diesen Dingen Besitz zu ergreifen, nachdem Jesus Christus von mir Besitz ergriffen hat.
Geschwister, ich bilde mir nicht ein, das Ziel schon erreicht zu haben. Eins aber tue ich: Ich lasse das, was hinter mir liegt, bewusst zurück. Ich konzentriere mich völlig auf das, was vor mir liegt, und laufe mit ganzer Kraft dem Ziel entgegen, um den Siegespreis zu bekommen. Den Preis, der in der Teilhabe an der himmlischen Welt besteht, zu der uns Gott durch Jesus Christus berufen hat.
Es ist nicht so, dass ich alles schon erreicht hätte und schon am Ziel wäre. Paulus hat eine ganz klare Sicht auf seinen Weg. Er sagt: Leute, ich bin auf dem Weg. Ich bin nicht fertig, ich bin noch nicht abgeschlossen, ich bin immer noch ein Work in Progress. Da ist immer noch Entwicklung. Ich bin auf dem Weg.
Also schätzt mich nicht falsch ein, aber ich bin mit ganzer Kraft unterwegs. Und das ist es, was Paulus so besonders macht. Ich glaube, manche von euch liegen einem Irrtum auf. Manche von euch meinen: Hey, ich habe mich doch bekehrt. Vielleicht habt ihr sogar eine Bibel, in der ihr ein Datum eintragen könnt, an dem ihr das Gebet gesprochen habt, um euer Leben an Jesus zu übergeben.
Und dann denkt ihr: Jetzt passt doch alles. Ich habe doch hier unterschrieben, wo ich unterschreiben soll, alles passt. Und jetzt kann ich mein Leben weitermachen, wie ich möchte. Aber der Punkt ist: Darum geht es nicht.
Es ist cool, wenn ihr diesen Moment erlebt, und das ist wichtig. Ich hatte diesen Moment nicht; bei mir war das eine lange Spanne. Aber wenn du diesen Augenblick hast, wo du sagst: Das ist der Moment, wo ich mich zu Jesus hinwende – mega! Wir brauchen auf jeden Fall einen Startpunkt.
Aber es ist genau das: Es ist ein Startpunkt. Ein Startpunkt in ein Leben unterwegs, in ein Leben auf dem Weg. Es ist nicht eine Unterschrift und dann mache ich weiter wie bisher.
Weißt du, wenn du Ja sagst zu Jesus, dann sagst du Ja zu einem neuen Lifestyle. Wenn du Ja sagst zu Jesus, dann sagst du Ja zu einer Reise, du sagst Ja zu einem Weg, den du gehen möchtest.
Weißt du, du sagst Ja zu einem Lehrer, den du haben möchtest. Du sagst Ja: Jesus, ich möchte dir folgen, ich möchte von dir lernen, ich möchte dein Schüler sein, und du sollst mein Meister sein. Ich möchte mit dir unterwegs sein.
Und all das, ihr Lieben, hat immer, immer, immer mit Bewegung zu tun. Christsein bedeutet, in Bewegung zu sein.
Die ersten Christen wurden überhaupt nicht Christen genannt. Das waren die Leute des Weges. Das heißt, sie haben das schon voll verstanden: Die Leute sind auf dem Weg.
Und Paulus macht das voll klar: Ich bin noch nicht am Ziel, ich bin unterwegs. Sein Antrieb ist ganz klar: Ich bin unterwegs, weil ich von einer Person ergriffen worden bin. Jesus hat mich gepackt, und deshalb habe ich meine Sachen gepackt, und ich folge ihm jetzt nach. Und...
Konzentration auf das Ziel trotz Ablenkungen
Dann kommt in Vers 13 dieses sehr wichtige Prinzip, das Paulus hier vorstellt. Er sagt: Geschwister, ich bilde mir nicht ein, das Ziel schon erreicht zu haben. Eins aber tue ich: Ich lasse das, was hinter mir liegt, bewusst zurück. Ich konzentriere mich völlig auf das, was vor mir liegt, und laufe mit ganzer Kraft dem Ziel entgegen.
Was er damit sagt: Meine Vergangenheit liegt hinter mir. Paulus hatte eine üble Vergangenheit. So gesehen war er ein Mörder oder zumindest an Mord beteiligt. Er ließ Leute, die jetzt seine Geschwister waren, verfolgen, ins Gefängnis werfen und viel Leid verursachen. Aber er sagt: Das ist vorbei, das bestimmt mich nicht mehr.
Ich kann mir vorstellen, dass diese Vergangenheit immer wieder in ihm hochkam. Das liest man auch ein bisschen in seinen Briefen. Es war etwas, das ihn immer wieder bedrückt hat. Aber es hat ihn nicht mehr bestimmt. Das war für ihn vorbei. Er sagte: Jetzt beginnt etwas Neues. Meine Vergangenheit liegt hinter mir, mein Blick ist jetzt auf Jesus gerichtet. Er ist mein Ziel und bestimmt mich.
Dem Hier und Jetzt laufe ich mit ganzer Kraft diesem Ziel entgegen. Ich setze alles ein, um Jesus näher und näher zu kommen.
Ich wiederhole es einfach noch einmal: Unser Problem ist, dass wir zu abgelenkt sind. Wir sind nicht konzentriert auf diesem Weg, wir laufen nicht fokussiert. Wir sind sehr abgelenkt. Ja, wir laufen mal hierhin, dann dorthin, und denken: Hey, das ist doch auch cool, das gibt mir Leben, das will ich auch. Wir sind nicht geradewegs unterwegs. Das ist unser Problem: Wir sind abgelenkt.
Paulus vergleicht das hier mit einem Läufer, der einem Ziel Schritt für Schritt entgegenläuft. Ich habe es zwar noch nie gemacht, aber wenn du mal einen Marathon läufst, glaube ich nicht, dass du Lust hast, irgendwelche Umwege zu laufen. Du läufst den schnellsten Weg, den es gibt, weil du ankommen willst.
Paulus läuft Schritt für Schritt. Sein Gewinn ist nicht ein Ehrenkranz, nicht Ruhm, Ehre oder Geld, wofür wir vielleicht laufen würden. Sein Gewinn ist Leben – das Leben schlechthin. Er sagt, es ist die Teilhabe an der himmlischen Welt. Er läuft seiner ewigen Zukunft und Hoffnung entgegen.
Das bedeutet nicht, dass er sich das Leben durch seinen Lauf verdienen muss. Darum geht es nicht. Es ist nur ein Vergleich, den er benutzt. Er ist berufen worden, und sein Denken ist jetzt erfüllt von dem, was es bedeutet, mit Jesus zusammen im Hier und Jetzt und irgendwann auch in der neuen Welt leben zu dürfen.
Paulus hatte im Evangelium seinen größten Schatz gefunden. Das ist so, als würdest du dich riesig auf deinen Sommerurlaub freuen. Wer von euch hat schon seinen Sommerurlaub gebucht? Oh, schon ganz schön viele. Nicht schlecht.
Als ich noch in der Schule war, bin ich mit meinen Kumpels mal nach England gefahren. Wir haben den Urlaub sehr früh gebucht und uns einen Kalender gemacht. Darauf haben wir 250 Tage rückwärts gezählt. Jeden Morgen haben wir einen Tag abgehakt – 250 Tage rückwärts.
Leute, das hat unser Denken gefüllt. Wir waren quasi schon die ganze Zeit in England, bevor wir eigentlich dort ankamen, weil wir uns so darauf gefreut haben: Was wird da alles sein? Wie cool wird das sein? Was werden wir erleben? Was werden wir machen? Das hat unser Denken erfüllt.
Jetzt stellt euch mal vor, ihr würdet in einer Gemeinschaft leben, in der ihr immer wieder von dem träumt, was noch kommt. Von dem träumt, was unser Leben mit Jesus ausmacht, von dem träumt, was Jesus für uns vorbereitet hat.
Lasst uns wirklich mal träumen von dieser neuen Welt, die auf uns zukommt, von diesem neuen Eden, von dieser Gartenstadt. Stell dir vor, das würde dein Denken füllen. Stell dir vor, du wärst nicht ständig abgelenkt, sondern das wäre das, worauf deine Hoffnung gerichtet ist.
Was meinst du, wie das dein Denken verändern würde? Und wie würde das dein Handeln im Hier und Jetzt verändern?
Wir müssen uns einmal mehr fragen: Von was sind wir ergriffen? Paulus hat gesagt: Ich bin von Jesus ergriffen. Er erfüllt mein Denken und mein Handeln.
Von was bin ich ergriffen? Worüber denke ich nach? Was erfüllt mein Denken? Über was rede ich mit meinen Freunden? Was ist meine Hoffnung? Worauf lebe ich zu?
Herausforderung der Ablenkung und Eile
Und wir kommen wieder zu unserem Thema zurück. Wir sind zu abgelenkt, zu hektisch unterwegs und zu beschäftigt, um unsere Gedanken auf einen Himmel und auf einen Gott zu richten, der für uns scheinbar so weit weg ist.
Ja, es ist schwierig, den Fokus auf einen Himmel zu legen, der vielleicht irgendwann einmal kommt, und auf einen Gott, den wir nicht einfach wegwischen können, wenn uns gerade langweilig ist.
In den Sprüchen heißt es: „Unbedachter Eifer ist nicht gut. Wer es allzu eilig hat, tritt fehl.“ Das können wir gut beobachten. Wir sind wirklich eifrig darin, Likes zu sammeln oder Level 18 in Clash of Clans zu erreichen – falls es dieses Level überhaupt gibt, ich weiß es gar nicht. Oder wir schauen Videos. Ja, wir haben unbedachten Eifer, ganz ohne Frage, und wir haben es furchtbar eilig. Und irgendwann werden wir richtig auf die Nase fallen.
Es ist einfach so, wie es da steht: Unbedachter Eifer ist nicht gut, wer es allzu eilig hat, tritt fehl.
Aber was können wir jetzt tun? Vielleicht sitzt du jetzt hier und sagst: „Hey, ich sehne mich nach etwas anderem.“ Du hast diese Sehnsucht, hast die Lieder gerade wirklich von Herzen mitgesungen. Du willst mehr von Jesus, mehr von Jesus in deinem Leben erleben. Du möchtest diese Begegnung mit ihm haben. Du willst von ihm verändert werden, in seinem Bild. Du willst kein 08/15-Leben führen. Du möchtest nicht, dass dein Lebensziel einfach nur eine Doppelhaushälfte ist, dein Dackel Waldi, drei süße Kinder und Rollrasen – dieser typisch deutsche, ätzende Mittelstandstraum.
Vielleicht sind Paare hier, die sagen: „Nein, ich will etwas anderes. Ich gehe auf irgendeine Insel.“ Aber das muss nicht einmal sein. Wir brauchen hier lebendige Christen. Deutschland ist Missionsland, Leute!
Gnade und die Schaffung eines geistlichen Umfelds
Was können wir jetzt tun?
Der erste Punkt ist folgender: Wir müssen zunächst erkennen, dass wir eigentlich gar nichts tun können. Denn das, wovon wir sprechen – dass Gott uns begegnet, uns verändert, dass wir ihn erleben dürfen und sein Geist in uns wirkt – das ist Gnade. Gnade ist per Definition ein Geschenk. Und ein Geschenk hängt immer vom Schenker ab. Du musst dir das schenken lassen.
Wir können es nicht selbst bewirken, wir können es nicht machen. Wir sind vollkommen von Gott und seiner Gnade abhängig. Das, was total genial ist: Wir lesen in seinem Wort, dass Gott ein gnädiger Gott ist. Er gibt uns gerne und hat sich in Christus uns schon geschenkt. Deshalb dürfen wir wissen, dass er diese Beziehung möchte, dass er Gestalt in uns annehmen möchte und uns begegnen will.
Was wir tun können, ist, ein Umfeld schaffen, in dem diese Begegnung und dieses Leben möglich sind. Mir ist dazu ein Film eingefallen – ich weiß nicht, ob ihr ihn kennt: „Der Martianer“. Hat schon mal jemand von euch den Film gesehen? Oh, nur sehr wenige. Er ist eigentlich ein echt cooler Film, könnt ihr euch mal anschauen.
Die Story ist relativ simpel: Eine Expedition auf dem Mars, eine Forschungsexpedition. Dann kommt ein Sturm, sie müssen schnell fliehen, und ich glaube, soweit ich mich erinnere, denken sie, er wäre tot. Auf jeden Fall lassen sie ihn zurück, aber er lebt. Er schickt ein Hilfesignal zurück zur Erde.
Er weiß genau: Selbst wenn das Signal ankommt, dauert es etwa 150 Tage, bis das Raumschiff umgedreht ist und ihn abholen kann – wenn es denn klappt. Also macht er sich Gedanken, wie er diese 150 Tage auf dem Mars überleben kann. Darum geht der Film.
Er lebt in diesem total lebensfeindlichen Umfeld und muss Leben schaffen. Er hat ein Zelt aufgebaut, in dem Sauerstoff ist. Dann bringt er es irgendwie hin, dass es regnet, also bekommt er Wasser. Danach pflanzt er Salat und kleine Pflanzen an, von denen er leben kann, und taktet das so ein, dass er weiß: Okay, 150 Tage lang habe ich jetzt meine Nahrung.
Das Coole ist: Geistliches Leben funktioniert genau so. Stellt euch vor, ihr seid auf dem Mars und müsst überleben – im geistlichen Sinne. Du lebst mit deinem Glauben in einem vollkommen lebensfeindlichen Umfeld. Genau das meint die Bibel, wenn sie sagt: „Hey, da ist ein Krieg im Gange.“ Ein geistlicher Krieg tobt um uns herum.
Der Teufel wird alles in Bewegung setzen, um dich abzulenken und zu verhindern, dass du geistliche Früchte anbaust. Wir leben also in einem lebensfeindlichen Umfeld. Deshalb musst du dir einen geschützten Raum schaffen – so ein Zelt –, in dem du deine geistlichen Früchte anbauen kannst, damit du überlebst.
Der Vorteil, den wir im Gegensatz zum Martianer haben, ist: Wir haben Gott auf unserer Seite. Wir sind nicht auf uns allein gestellt. Es ist nicht unser Verdienst. Aber was wir tun müssen, ist, diesen Raum zu schaffen.
Prinzipien zur Organisation des Lebens um Jesus
Ich möchte euch in den verbleibenden Minuten noch ein Framework an die Hand geben – eine Struktur, wie wir das machen können. Das Ganze macht aber nur Sinn, wenn du überhaupt den Wunsch nach Erneuerung hast, denn das ist kein Automatismus. Es ist nicht so, dass du einfach etwas machst und dann automatisch etwas dabei herauskommt. Das funktioniert bei Beziehungen nie.
Es geht darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem Wachstum möglich ist. Ich möchte euch ein Prinzip beibringen, das folgendermaßen lautet: Du kannst Jesus um dein Leben organisieren oder du organisierst dein Leben um Jesus.
Ihr könnt jetzt eine Minute mit eurem Nachbarn darüber reden, was dieses Prinzip bedeutet. Eine Minute, erklärt euch das kurz: Was ist damit gemeint? Ich baue hier solange etwas um. So schnell sind zwei Minuten herum, wenn man sich unterhalten kann. In der Stille sind zwei Minuten nämlich furchtbar lang.
Ich möchte euch das anhand dieses Glases hier demonstrieren, was dieses Prinzip bedeutet. Du kannst dein Leben um Jesus organisieren oder du organisierst dein Leben um Jesus.
Stellt euch vor, das hier ist euer Leben – diese Glasvase. Ihr könnt euer Leben mit irgendetwas füllen. Es gibt verschiedene Bestandteile, mit denen ihr euer Leben füllen könnt: Prioritäten, wichtige Dinge, Nebensächlichkeiten und Zeitverdummerchen wie Rumgechille oder Rumgeblödel. Also verschiedene Prioritäten und wichtige Dinge, die ihr machen könnt.
Zum Beispiel gibt es wirklich große Sachen in eurem Leben. Ich gehe mal davon aus, dass es für euch zählt: eure Beziehung zu Gott ist eine wirklich große Sache. Eure Familie, in der ihr lebt, ist eine große Sache. Vielleicht habt ihr einen Partner, das ist auch eine große Sache. Vielleicht ist euer Job, die Schule oder Ausbildung etwas Wichtiges in eurem Leben.
Dann gibt es kleinere Steinchen, die auch wichtig sind, aber nicht so wichtig wie die Prioritäten. Das können Hobbys sein, Sport oder Lesen – Dinge, die Gewicht in eurem Leben haben, aber nicht mega entscheidend sind.
Und dann gibt es den Sand, den habe ich hier in dieser Dose. Das ist einfach die Zeit, die wir als Spaßzeit bezeichnen: mal eine Runde zocken, einen Film schauen, ein bisschen abhängen.
Jetzt passt auf: Wenn ihr diese Spaßzeit in euer Leben reinfüllt, dann ist euer Leben schon halb voll. Hätte ich mehr Sand, wäre es ganz voll. Ihr könnt vielleicht noch eine wichtige Sache in euer Leben reinbringen – und das war es.
Jetzt könnt ihr sagen: „Ja, ist okay, ich muss Jesus irgendwie in mein Leben organisieren. Mein Leben ist schon so voll, wo kriege ich den noch unter?“ Ihr versucht, Jesus irgendwie noch mit anzubauen. Jesus wird zum Add-on in eurem Leben.
Das ist der Ansatz: „Ja, ich habe eh schon ein total überfülltes Leben, jetzt wird es noch stressiger, weil ich auch noch Jesus dabei haben muss.“ Das ist kein guter Ansatz.
Ich möchte euch ermutigen: Statt Jesus um euer schon volles Leben zu organisieren, fangt an, dein Leben um Jesus zu organisieren. Das bedeutet: Du nimmst die Dinge, wie zum Beispiel deine Beziehung zu Gott, deine Zeit mit Jesus, und packst sie in dein Leben.
Dann nimmst du dir eine andere Priorität, zum Beispiel deine Familie. Oder eine weitere Priorität, die dir wirklich wichtig ist, vielleicht auch dich selbst, wo du sagst: „Ich möchte mich um mich kümmern.“
Jetzt seht ihr, dass das gut in euer Leben passt. Mehr passt gerade nicht rein, alles klar. Dann nehmt ihr die nächstwichtigen Sachen: ein paar Hobbys, ein paar Freunde – das, was ihr zwischendrin gern macht.
Ich will nicht sagen, dass Freunde keine Priorität haben, aber ich meine eher die Beziehungen am Rande, nicht die richtig guten.
Jetzt merkt ihr schon: Die kann ich super um meine Prioritäten herum organisieren. Am Ende sagt ihr: „Ich habe sogar noch Zeit zum Zocken, halleluja!“
Jetzt füllt ihr euer Leben so, dass die wichtigen Dinge da sind, wo sie hingehören, und den Rest baut ihr darum herum auf.
Dieses Prinzip bedeutet also: Du kannst dein Leben um Jesus organisieren, oder Jesus um dein Leben. Jesus ist dann der Mittelpunkt in deinem Leben. Du überlegst dir, wie du den Rest deines Lebens um ihn herum organisierst. Nicht, wie du Jesus noch in dein eh schon überfülltes Leben reinpackst.
Dieses Prinzip, das ich euch gezeigt habe, findet ihr auch in einigen modernen Management-Büchern. Aber das Prinzip ist uralt. Es kommt aus der klösterlichen Tradition.
Einige Benediktinermönche, angeführt vom heiligen Benedikt, haben es gestartet. Sie sagten: „Wir fangen an, unser Leben als Gemeinschaft um Jesus zu organisieren.“ Er ist der Mittelpunkt, und alles andere muss außen herum laufen.
Sie haben etwas gestartet, das nennt sich eine Lebensregel. Ich weiß, „Regel“ klingt jetzt vielleicht uncool, aber es geht nicht um eine Regel, an die man sich halten muss. „Regel“ kommt vom Lateinischen „regular“, was ein gerades Stück Holz, eine Leiste oder Latte bedeutet. Das ist auch das Wort für ein Gerüst.
Eine Lebensregel ist also nichts anderes als ein Gerüst – ein Set an Übungen, das dir helfen kann, deinen Glauben zum Blühen zu bringen, ihn aufranken zu lassen, damit er Luft zum Leben hat, wächst und Früchte bringt.
Darum geht es: Er will ein fruchtbares Leben haben.
Es geht also darum, dein Leben um Jesus herum zu organisieren, sodass du sagen kannst: „Ich habe Zeiten der Begegnung mit Gott, Zeiten der Stille, Zeiten des Gebets.“
Aber auch Zeiten des Arbeitens, der Gemeinschaft mit anderen, des Spielens und des Abhängens.
All das, was du tust, geschieht aus der freudigen Gemeinschaft mit Gott, weil er im Zentrum von allem steht, was du tust.
Ihr seht, dass viele Menschen nach diesem Beispiel gelebt haben.
Jesus selbst hatte solche festen Strukturen, und die Stille war nur eine davon.
Wenn ihr die Evangelien lest und versucht herauszufinden, nach welchen Regeln oder Lebensregeln Jesus gelebt hat, werdet ihr feststellen, dass sich bestimmte Dinge immer wiederholen.
Ein anderes Beispiel aus dem Alten Testament ist Daniel. Er war hoher Beamter in Babylon und hatte offenbar die Gewohnheit, dreimal am Tag zu beten.
Deshalb ist er auch in der Löwengrube gelandet – oder besser gesagt, er wurde hineingeworfen, aber überlebt hat er.
Diese Gewohnheit, diese Stille, war entscheidend.
Wenn unser Leben mit Jesus wachsen soll, ist das eine super Möglichkeit.
Viele Menschen haben bereits davon profitiert, ihr Leben um solche Prinzipien herum aufzubauen.
Die Bedeutung von Zeit und Prioritäten
Eine Sache, die wir einfach verstehen müssen, ist: Wenn du Jesus folgen willst, musst du es in deinem Terminplan unterbringen. Ansonsten wird es wahrscheinlich nicht stattfinden.
Der Punkt ist einmal mehr der, dass wir so beschäftigt sind, alles Mögliche zu schaffen. Wenn du mit Leuten darüber redest – und ich glaube, die meisten von euch werden das genauso sagen –, dann hört es sich gut an, es klingt super, klasse sogar. Aber dann sagen sie: „Ich habe einfach keine Zeit dafür.“
„Ich habe gerade keine Zeit, ich bin in der Oberstufe und muss so viel lernen.“
„Ich bin gerade in der Ausbildung, da geht gerade gar nichts.“
„Ich bekomme gerade Kinder, da ist keine Luft für sonst etwas.“
„Ich trainiere für den Triathlon, sorry, ich schaffe es nicht.“
Ich verstehe das. Kein Vorwurf hier, ich lebe in der gleichen Welt und erlebe genau dasselbe. Aber lasst uns bitte ehrlich sein: Woher kommen die zweieinhalb Stunden Social Media am Tag? Ich weiß es einfach nicht. Woher kommt die Zeit für Netflix?
Es gibt so eine gemeine Website – ich weiß gar nicht, ob ihr die kennt – da kann man die Serie eingeben, die man gerade guckt. Dann wird dir angezeigt, wie viele Stunden du dafür brauchen wirst. Furchtbar, sage ich euch. Wir haben die Zeit. Die Frage ist nur, wie wir sie umschichten.
Wie können wir unsere Zeit neu ordnen, sodass wir zuerst nach dem Reich Gottes trachten, anstatt nach dem Reich der Unterhaltung? Jesus nachzufolgen ist etwas, das du tust. Im Grunde ist es eine Beziehung, und Beziehungen brauchen immer Zeit.
Nehmt mal an, ihr wärt verheiratet. Dein Partner fragt dich nach einem gemeinsamen Abend und sagt: „Hey, ich würde echt gerne mal wieder Zeit mit dir verbringen. Gehen wir essen?“ Und du sagst: „Nee, sorry, ich habe keine Zeit. Ich muss noch zehntausend Stunden zocken, das geht gerade nicht. Ich habe noch dieses Projekt und jenes. Außerdem habe ich so viel Gemeindeverantwortung und Verpflichtungen. Ich kann einfach nicht.“
Ihr würdet euren Partner die ganze Zeit vertrösten. Dann kommt euer bester Kumpel und wenn er ein bisschen Verstand hat, würde er euch mal ordentlich den Kopf waschen und sagen: „Alter, du hast Zeit. Hör auf, sie für die falschen Dinge zu verbraten. Du hast hier eine Beziehung und musst Zeit in diese investieren. Anders funktioniert es nicht.“
Dann diskutiert ihr vielleicht noch ein bisschen. Vielleicht kommst du irgendwann zu dem Punkt, an dem du sagst: „Nee, das geht einfach nicht.“ Dann wird dein Freund zu dem Schluss kommen und sagen: „Hm, du bist einfach zu beschäftigt für einen Partner. Das geht nicht. Entweder du denkst um oder ihr lasst euch scheiden.“
Und es ist das Gleiche mit Jesus, ihr Lieben. Ich möchte euch hier jetzt nicht mit schlechtem Gewissen beladen. Es geht um eine Einladung, die Jesus ausspricht. Er lädt uns ein, ihm zu folgen. Die Frage ist einfach, ob wir diese Einladung annehmen wollen oder nicht.
Oder ob wir sagen: „Nee, Jesus, sorry, ich bin einfach zu beschäftigt, ich schaffe es nicht.“ Die Frage ist: Sehnen wir uns danach? Wollen wir diese Beziehung haben? Wollen wir dieses Ranggerüst bauen?
Geistliche Disziplinen als Gerüst für Wachstum
Ich möchte euch das noch einmal sagen: Das ist eine Hilfe. Es geht nicht um die Dinge selbst, sondern um die Beziehung – die Beziehung zu Jesus, okay? Wenn ich mit meiner Frau einen romantischen Abend verbringe, dann geht es nicht um das Essen. Das ist zwar schön, aber nicht der Mittelpunkt. Der Mittelpunkt ist unsere Beziehung.
Wenn ich euch jetzt diese Dinge vorstelle, dann versteht das bitte nicht falsch. Es geht nicht um diese Dinge an sich; sie sind nur eine Hilfe. Wir bauen sozusagen ein Zelt, das uns schützen soll. Dieses Zelt soll Raum schaffen für Begegnung mit Jesus. Und das ist die Grundidee.
Jeder dieser Streben steht für das, was wir eine geistliche Disziplin nennen – also eine Art Training. Wir haben drei vertikale Streben, und jede steht für etwas Bestimmtes. Die erste Strebe steht für Gottes Wort, die zweite für Gebet und die dritte für Gemeinschaft. Das sind die drei „G“.
Wenn du deine Beziehung zu Jesus vertiefen möchtest, wenn du ihn besser kennenlernen willst, wenn du, so wie Paulus sagt, dich auf diesen Weg konzentrieren und den Lauf vollenden willst, dann musst du das trainieren. Es geht um Training.
Diese drei Dinge sind absolute Kerntrainings. Ich mache zum Beispiel gerne Fitnesstraining, und dort gibt es Kernübungen, zu denen man immer wieder zurückkehrt: Klimmzüge, Liegestütze, Squats und Sit-ups. Diese Übungen kommen immer wieder vor, egal was du machst. Genauso ist es mit Gottes Wort, Gebet und Gemeinschaft. Das sind die Kernworkouts, die du Tag für Tag trainierst und in dein Leben integrierst.
Das ist sozusagen ein großer Stein, den du in dein Leben legst. Du sagst: Das ist eines der Prinzipien, die für meinen Tag total wichtig sind. Wir wollen uns jetzt noch einmal kurz diese einzelnen Aspekte anschauen. Wir haben nicht viel Zeit, aber ich möchte euch zumindest eine Idee geben.
Du fängst an mit Gottes Wort, also der Bibel. Die Idee ist, dass du einen täglichen Rhythmus findest, in dem du jeden Tag auf irgendeine Weise Begegnung mit Gott in seinem Wort hast. Das heißt, du lässt Gott zu dir sprechen. Es gibt viele Möglichkeiten: Du kannst einen Jahresbibelleseplan machen, was ich euch sehr empfehle. Lest immer wieder durch die Bibel! Das ist so hilfreich und wird euer geistliches Leben enorm voranbringen.
Mein Sohn zum Beispiel, der Juggles, ist dreizehn und fängt gerade an, die Bibel durchzulesen. Wenn er das bis zum Alter von 18 Jahren durchhält, dann hat er sie fünfmal gelesen und ist damit wahrscheinlich weiter als 80 Prozent aller Christen in seinem Alter. Es geht nicht um Vergleiche, sondern darum, wie sehr ich mich von Gottes Wort prägen lasse.
Vielleicht machst du einen Leseplan oder liest einfach einen einzelnen Text langsam, zum Beispiel die Psalmen. Das ist völlig in Ordnung. Nimm dir die Zeit dafür. Egal wie du liest – ob viel auf einmal oder betend und langsam – die Idee ist, jeden Tag Begegnung mit Gott zu haben.
Wir haben uns das in der Mittelsession schon angeschaut, wie das aussehen kann. Ich möchte hier nicht weiter ins Detail gehen, ihr habt ja schon eine Vorstellung davon. Zu Gottes Wort kommt das Gebet hinzu. Diese beiden Dinge sind fast untrennbar.
Du liest die Bibel, Gott spricht zu dir, und du antwortest darauf. Du gibst ihm eine Antwort auf das, was du gelesen hast. Du denkst darüber nach, fragst ihn: „Was meinst du damit? Warum ist dir das wichtig? Warum steht das da? Ich verstehe das nicht. Was soll das? Das ist grausam, das ist gemein, ich will das nicht.“ So kommst du in eine Art Diskussion mit Gott, redest mit ihm und fragst nach.
Ich bringe diese Dinge gern zusammen: Bibellesen, Beten und Zeiten der Stille, in denen ich einfach mal hören will, in denen ich ruhig bin und auf Gott höre. Ich will diese Beziehung zu ihm haben. Das ist eine Entscheidung, die ich treffe: Dieser große Stein ist Tag für Tag da, und alles andere muss sich darum aufbauen. Für mich ist nichts wichtiger als das.
Diese Entscheidung müsst ihr selbst treffen. Niemand kann sie euch abnehmen.
Der dritte Punkt in unseren Leisten ist Gemeinschaft. Gemeinschaft ist mega wichtig. Wenn ich von Gemeinschaft spreche, meine ich nicht einfach nur mit ein paar Leuten abzuhängen und Spaß zu haben. Das ist zwar auch wichtig und lustig, aber ich meine geistliche Gemeinschaft.
Das heißt, eine kleine Gruppe oder einen guten Freund zu haben, mit dem du dich auf einem tiefen Level austauschen kannst. Wo du dich öffnen, über dein Leben und deinen Glauben sprechen kannst. Wo ihr zusammen betet, wo die Leute dich kennen, dich hinterfragen dürfen und dich ermutigen.
Vor Kurzem habe ich mit einem Kumpel ein Beintraining gemacht. Wir haben zusammen ein Workout absolviert und am Ende Sprinteinheiten gemacht: kurz sprinten, dann joggen, wieder sprinten, joggen. So richtig, dass die Pumpe geht. Wir waren zusammen und konnten uns gegenseitig antreiben: „Come on, come on, wir schaffen das, nicht aufhören, nicht stehenbleiben!“
Die Woche darauf habe ich das allein gemacht. Und es war unglaublich viel härter, weil ich mir immer wieder dachte: „Ich kann ja einfach stehenbleiben.“ Wenn aber jemand neben mir steht, kann ich nicht aufgeben. Das wäre mir zu peinlich – außer, es geht wirklich gar nichts mehr.
Gemeinschaft ist so wichtig. Sie mobilisiert uns und spornt uns an. Ich habe mit meinen „Unterwegslern“ – kennt ihr eigentlich „Unterwegs“? Eine kleine Werbeeinheit: Hier sitzen sogar zwei Unterwegsler, Lisa und Timon. Mega cool, sprecht sie an, wenn ihr im nächsten Jahr noch nichts vorhabt.
„Unterwegs“ ist ein Jüngerschaftsprogramm mit Bibelschuleinheiten und Mentorenzeiten, bei denen man bei Familien mitwohnt. Wir haben dort immer zwei Bibelschüler, die für fünf Wochen bei uns mitwohnen.
Mit meinen letzten Bibelschülern haben wir Stille geübt. Das heißt, wir haben uns jeden Tag um zwölf Uhr im Wohnzimmer getroffen und zehn Minuten Stille gemacht – egal, was gerade anstand. Manchmal war das furchtbar lang, und ich habe nur gedacht: „Hoffentlich ist es bald vorbei.“ Manchmal war es richtig gut.
Was glaubt ihr, was passiert ist, als sie weg waren? Mein Wecker klingelt, ich denke: „Mist, ich bin gerade bei der Arbeit. Ich kann die zehn Minuten auch später machen.“ Und zehn Minuten später hatte ich es schon wieder vergessen. Und alles schlief wieder ein.
Was mich dazu gebracht hat, war die Gemeinschaft. Sie war so stärkend, weil ich mir nicht die Blöße geben konnte, dass ich sage: „Heute habe ich keine Zeit.“ Nein, da musst du ran. Deshalb ist geistliche Gemeinschaft ein Mega-Katalysator.
Warum wart ihr vorhin fünf Minuten still? Weil hier zweihundert Leute um euch sitzen und ihr denkt: „Ich kann mir jetzt hier nicht die Blöße geben und schon den Hampelmann machen.“ Also macht ihr mit.
Geistliche Gemeinschaft ist richtig gut, und ich würde sie euch sehr empfehlen.
Wie kann das aussehen? Es gibt unzählige Möglichkeiten, zum Beispiel Minigruppen. Hier ein kurzes Beispiel: Ihr seid zu dritt oder viert. Nicht mehr, denn sobald ihr zu viert seid, teilt ihr euch wieder in zwei Gruppen auf, und zwar nach dem gleichen Geschlecht.
Dann lest ihr eine Woche lang den gleichen Bibeltext. Ihr trefft euch und tauscht euch zehn Minuten über den Text aus. Jeder erzählt, was er mitgenommen hat, was Gott ihm gesagt hat, was er gelernt hat.
Dann habt ihr zehn bis fünfzehn Minuten, um euch über euer Leben auszutauschen. Was ist in der Woche passiert? Wo seid ihr gefallen? Ihr bekennt euch gegenseitig eure Sünden und bittet um Gebet.
Zum Schluss betet ihr noch einmal eine Viertelstunde füreinander.
Ich sage euch: Probiert das mal über ein halbes Jahr Woche für Woche aus, mit zwei Leuten, die genauso sagen: „Ich möchte mit Jesus unterwegs sein.“ Wenn ihr das zusammen durchzieht, wird das euch mega pushen – viel mehr, als wenn ihr es alleine macht. Das ist das einfache Prinzip: Ihr seid nicht mehr allein, sondern in einer Gruppe.
Ihr könnt das auch zu zweit machen. Wir leben in einer total technologisierten Welt, was super ist. Ihr könnt zum Beispiel jeden Tag fünf Minuten eine FaceTime-Session machen. Jeder erzählt kurz, ob er seine Bibel gelesen hat, was er mitgenommen hat oder ob es mal einen schlechten Tag gab. Das ist völlig in Ordnung.
Dann könnt ihr euch kurz Zeit nehmen, um zusammen zu beten. Fünf Minuten – das wird euer Leben verändern. Gemeinschaft wird euer Leben massiv verändern.
Was meint ihr, warum Jesus immer in Gemeinschaft unterwegs war? Wir reden hier über geistliche Disziplinen und schauen uns das Leben von Jesus an. Er hat dieses Konzept mega gelebt.
Es gibt noch viele weitere Ideen, wie man Gemeinschaft leben kann. Das waren jetzt nur ein paar Beispiele.
Gottes Wort, Gebet und Gemeinschaft – das sind drei Kernworkouts. Bringt sie in euer Leben, wenn ihr sagen wollt: Ich möchte gerne weitergehen, und zwar regelmäßig.
Ergänzende geistliche Übungen: Ruhe, Reflexion und Rechenschaft
Okay, und jetzt kommen wir zu den Querstreben. Das sind oben die Gs – Gottes Wort, Gebet, Gemeinschaft. Die Querstreben sind die Rs: Ruhe, Reflexion und Rechenschaft. Drei R's – Ruhe, Reflexion und Rechenschaft, okay?
Ihr werdet merken, dass diese Dinge auch ineinandergreifen und sich gegenseitig überlappen. Das ist so gedacht und gewollt.
Also, passt auf! Ein paar Worte zu diesen Dingen: Ruhe. Darüber haben wir heute Morgen eigentlich schon ziemlich ausgiebig gesprochen. Oh, und der muss natürlich auch gut festgemacht sein, im Fundament Jesus verankert.
Zur Ruhe: Wir haben heute Morgen schon darüber gesprochen, aber es sind einfach noch ein paar Ideen und Elemente. Macht abends euer Handy aus. Für mich heißt das, ich versuche, nach 18 Uhr keine Arbeit mehr zu machen, sondern Ruhe zu haben. Ich möchte einen freien Tag in der Woche haben, ja, Sabbat. Ich möchte an diesem Tag nichts arbeiten. Ich versuche, dass meine Kinder nichts lernen und keine Hausaufgaben machen an diesem Tag.
Einen Tag der Ruhe zu schaffen – wie krank ist das, dass wir es nicht mal schaffen, einen Tag ruhig zu sein? Wahnsinn, oder? Wir müssen diese Ruhephasen haben. Der Sabbat ist eine mega coole Möglichkeit dazu. Aber eine weitere Möglichkeit ist auf jeden Fall, und es wurde vorhin auch gefragt, wie wir Ruhepausen schaffen können: Ihr könnt euch einen Timer stellen. Zum Beispiel sagt ihr, in dieser Phase möchte ich Ruhe haben – für zehn Minuten oder für eine halbe Stunde. Ihr könnt euch eure Abende freihalten. Und ich glaube, es wird massiv viel ausmachen, wenn ihr einfach euer Handy ausmacht.
Okay, das also zur Ruhe. Den Rest von der Ruhe haben wir heute Morgen eigentlich schon gehabt.
Reflexion – warum ist Reflexion so wichtig? Reflexion bedeutet, dass du über dein Leben nachdenkst. Du denkst über deinen Charakter nach, über dein Verhalten, über deine Wünsche, über deine Gefühle, über deine Emotionen. Du denkst darüber nach, was eigentlich in deinem Herzen los ist.
Was passiert, wenn du das nicht machst? Du bekommst immer wieder Dinge ab, du erlebst Situationen, es passiert etwas mit dir. Und auf deinem Herzen – um es mal so im Bild zu sagen – lagert sich immer mehr ab und immer mehr. Das wird immer mehr eingepackt und verhüllt, sodass du gar nicht mehr durchkommst. Dann brechen auf einmal irgendwelche Dinge aus dir hervor, bei denen du selbst über dich erschrickst.
„Hups, warum habe ich denn jetzt so reagiert? So schlimm war das doch gar nicht. Warum schreie ich jetzt eine Mutter auf einmal so an? Das war doch überhaupt nicht notwendig. Warum habe ich dem in die Rippen gehauen? Was ist hier passiert? Warum bin ich auf einmal so?“
Wenn du an der Stelle anfängst zu reflektieren, bringst du diesen ganzen Schutt, der sich da über dein Herz geschüttet hat, zur Seite und legst dein Herz frei. Im Endeffekt gibst du Gott die Möglichkeit, auch in dein Herz zu sprechen.
Wisst ihr, wenn ihr das Evangelium tief in euer Herz reinlassen wollt, dann müsst ihr reflektieren. Denn ihr müsst euch fragen: Warum bin ich so, wie ich bin? Warum bin ich so komisch an der Stelle? Was ist mein Problem hier? Warum denke ich so? Warum bin ich enttäuscht? Warum bin ich neidisch?
Reflexion ist mega, mega wichtig. Und weißt du, die meisten Leute, die du fragst: „Hey, wie geht’s dir?“ – ganz ehrlich, die können es dir gar nicht sagen. Weil sie überhaupt nicht darüber nachdenken. Sie denken nicht darüber nach, wie es ihnen geht. Sie sagen vielleicht: „Mir geht es gerade echt schlecht.“ Ja, warum? Sie wissen es nicht. Sie wissen gar nicht, was da los ist.
Bei uns in Franken heißt das immer: „Was Joe?“ Das ist alles, was du kriegst, weil sie sich nicht die Zeit nehmen, darüber nachzudenken, wie es ihnen geht.
Eine wunderbare Möglichkeit, das zu tun, ist Tagebuch schreiben. Du kannst es täglich machen, du kannst es auch einmal die Woche machen. Ich habe das eine ganze Phase lang täglich gemacht.
Ein kleiner Tipp: Es gibt so richtig coole Fünf-Jahres-Tagebücher. Da hast du immer nur einen kleinen Slot, um ganz prägnant aufzuschreiben, was heute los war, was dich bewegt hat. Und das ist total cool, weil du im Jahr darauf sehen kannst, was genau vor einem Jahr an diesem Tag war. Du siehst, wie eine Entwicklung da ist und wie du dich weiterentwickelst.
Zurzeit schreibe ich einmal die Woche einfach. Es geht darum, dass ich darüber nachdenke, was mit mir los ist und was mit mir passiert.
Und ihr merkt schon, das hängt alles zusammen: Dass ich mich reflektiere, hat viel mit Ruhe zu tun, dass ich mir Ruhe nehme. Das hat viel mit Gebet zu tun, dass ich darüber bete und Gott bitte, mir zu helfen, mich zu reflektieren.
Das heißt, an der Stelle, wo ihr sagt: „Ich möchte gerne in eine tiefere Beziehung zu Jesus kommen und sein Evangelium in meinem Leben erleben – nicht nur als den Startpunkt meines Glaubens, sondern als Befreiung.“ In ganz vielen Situationen, in denen ich stecke, brauche ich Reflexion, brauchst du Reflexion.
Okay, und das Letzte ist der Aspekt von Rechenschaft. Der geht jetzt ganz eng mit Gemeinschaft einher.
Es gibt jemanden in deinem Leben, der nachfragen darf. Das ist die Idee von Rechenschaft. Da ist jemand, der dich fragen darf: „Wie läuft es gerade? Wie läuft es gerade in deinem Leben? Wie läuft es gerade in dem und dem Bereich?“
Jemand, mit dem du ganz nah durchs Leben gehst, dem du erlaubst oder den du sogar bittest – man muss es so sagen – dem du den Auftrag gibst: „Frag mich jede Woche danach. Frag mich immer wieder, wie es mir hier geht, wie es da läuft.“
Und es hat auch wieder etwas mit Reflexion zu tun, weil du weißt, zum Beispiel in dem und dem Bereich bin ich extrem angreifbar. Da liegen so meine Schwächen und so weiter. Dann hast du einen Freund und sagst: „Hey, hilf mir da, indem du nachfragst.“
Ich habe ziemlich viele junge Leute begleitet, junge Männer, die mit Selbstbefriedigung mega Kämpfe hatten, die mit Pornografie gekämpft haben. Rechenschaft war immer einer der Punkte, die wir ganz schnell mit reingenommen haben. Denn sobald du weißt, da ist einer, der mich heute Abend anruft und fragt: „Wie geht es dir? Wie ist es gelaufen?“
Du hast einen ganz anderen Antrieb, als wenn du die Dinge versteckst und versuchst, sie allein zu schaffen.
Wann immer ihr anfangt, Dinge zu verstecken und versucht, alleine zu machen, könnt ihr wissen, dass ihr eigentlich schon längst in der Hand vom Teufel seid. Er wird euch wunderbarst wegführen.
Vielleicht kennt ihr das: Leute, bei denen ihr merkt, „Uh, die gehen gerade auf ziemliche Abwege.“ Eine der ersten Sachen, die sie aufgeben, ist Gemeinschaft. Wenn sie in guter Gemeinschaft sind, merken sie: Da sind Leute, die geben mir ehrliche Rechenschaft über das, was ich gerade tue. Und sie werden mir sagen, dass es falsch ist. Und ich weiß schon längst, dass es falsch ist, deswegen will ich gar nicht, dass es mir noch mal jemand anders sagt.
Das heißt, du kannst zum Beispiel Freunde haben oder einen guten Freund, der dir da hilft. Das kann deine Minigruppe sein, das kann ein Mentor sein, mit dem du regelmäßig sprichst. Es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten, das zu leben.
Drei Kernworkouts: Gottes Wort, Gebet und Gemeinschaft. Und dann nochmal drei Zusätze. Das sind nur Ideen, um so ein Gerüst zu bauen, an dem ihr euren Glauben hochranken lassen könnt.
Und nochmal: Es geht nicht um die Sachen. Es geht nicht darum, dass ihr sagt: „Oh, ich schreibe jetzt Tagebuch, ich bin ganz schön heilig.“ Nein, bist du nicht, okay?
Es geht auch nicht darum, dass du sagst: „Hey, ich lese jetzt jeden Tag meine Bibel, Gott ist sicher zufrieden mit mir.“ Nein, Gott ist es egal, ob du die Bibel liest. Du bist derjenige, der etwas davon hat, nicht er. Also versteht das nicht falsch.
Es geht darum, einen Raum zu schaffen. Denkt an den Marsianer: Es geht um das Zelt, das ihr aufbaut in einer feindlichen Umwelt, sodass ihr geistliche Früchte aufbauen könnt.
Praktische Umsetzung eines Lebensgerüsts
Okay, ich möchte euch noch ganz praktisch zeigen, wie das jetzt in euer Leben eintreten kann. Und zwar diese Lebensregeln. Das heißt, ihr fangt an, euer Leben zu organisieren. Ihr überlegt euch, was es für regelmäßige Dinge in eurem Leben gibt und was es auf einem Jahreslevel zum Beispiel gibt.
Ich wollte euch ganz kurz zeigen, wie das für mein Leben aussieht. Und wenn ich euch das zeige, habe ich mir sehr überlegt, ob ich es euch zeigen soll oder nicht. Ich will euch damit nicht erschlagen und ich will auch nicht, dass ihr denkt: „Boah, der macht aber viel.“ Ich will euch nur eine Idee davon geben, okay? Plus, ich habe eine 40-Prozent-Stelle in meiner Gemeinde. Das heißt, ich werde sogar dafür bezahlt, diese Dinge zu tun. Wie cool ist das, oder?
Also, ich habe – oh, das seht ihr jetzt fast nicht mehr hier, ne? – Dinge, die tue ich täglich. Die sind einfach täglich dran. Das ist Stille und Gebet, das ist Bibellesen. Ich versuche – und das will ich euch auch ganz klar sagen – ich versuche, Reflexion und Gebet in mein Leben täglich reinzubringen.
Das heißt für mich: Mein Morgen sieht jeden Morgen so aus, dass ich mit Stille und mit Gebet in meinen Tag starte. Jeden Morgen. Und ich lese meine Bibel, weil ich mit Gott reden möchte und mit ihm zusammen sein will. Deswegen ist das das Erste. Und dann stehe ich früher auf, weil es mir das wert ist und ich das gerne machen möchte.
Ich möchte jeden Tag Bibel lesen, weil ich möchte, dass Gott jeden Tag zu mir spricht. Ich schaffe es nicht jeden Tag, okay? Ich schaffe es nicht jeden Tag, aber ich versuche es. Ich möchte jeden Tag mit Reflexion und Gebet meinen Tag beenden. Das heißt, ich versuche – und das ist etwas, woran ich gerade arbeite –, das reinzukriegen, dass ich abends, bevor ich schlafen gehe, noch mal zehn Minuten habe, in denen ich mit Gott über meinen Tag spreche. Wo ich sage: „Hey, was ist cool gelaufen und was war so richtig mörb?“ Einfach noch mal so durchgehen und mit Gott darüber reden und mit Gebet abschließen.
Schaffe ich das oft? Nee, da bin ich noch richtig schlecht drin. Aber ich trainiere mich darin. Es geht um Training, Leute. Es geht um Training, wir üben uns darin.
Dann habe ich noch: Ich möchte jeden Tag lesen und nachdenken. Also über das Nachdenken schaffe ich auch nicht jeden Tag, weil mein Leben an ganz vielen Stellen einfach zu voll ist. Aber ich probiere es, okay? Und es geht nicht darum, dass wir uns jetzt knechten oder dass wir uns verdammen, wenn wir es nicht schaffen. Aber es geht darum, dass ich sage: Das ist einer der großen Steine in meinem Leben, das möchte ich einfach fest drin haben.
So, und was ich tatsächlich jeden Tag mache, ist Verse lernen. Da ist ein Handy wieder mega cool, da gibt es eine coole App dazu, und das ist etwas, das mache ich täglich.
Dann habe ich einen wöchentlichen Rhythmus. Da sage ich: Ich möchte wöchentlich Bibel studieren, ja, eine tiefe Bibelstudie machen. Ich möchte jede Woche einen Eheabend mit meiner Frau haben. Oh, wir sind schlechter drin, Leute. Echt übel. Aber wir haben es auf dem Plan und wir wollen es lernen, besser zu werden. Wir trainieren uns, okay?
Ich habe einen Gebetskreis, der ist jede Woche. Ich habe eine Kleingruppe, die ist jede Woche. Ich faste, versuche ich jede Woche zu fasten einen Tag, und ich versuche, jede Woche Sabbat zu feiern. Sabbat ist noch ein Kampfthema in unserer Familie, weil meine Kinder noch nicht besonders davon überzeugt sind. Und meine Frau trainiert. Ja, also wir nähern uns an.
Aber hey, unser Leben – wir haben nun mal einen großen Garten und Sonntag ist für mich oft Arbeitstag. Also am liebsten würde ich sagen: Hey, wir machen Samstag Sabbat und Sonntag schmeiß ich den Rasenmäher an. Dann beschweren sich aber die Nachbarn und sagen: „Spinnst du wohl? Heute ist Sonntag!“ Also müssen wir immer gucken, wie kriegen wir die Sachen hin so.
Mir ist der Sabbat unglaublich wichtig, ich will es lernen. Aber es ist ein Training, okay? Deswegen nehme ich jetzt Freunde mit rein und wir überlegen zusammen: Wie können wir das hinkriegen? Ich würde mir voll wünschen, dass wir es als Gemeinde praktizieren und überlegen, wie wir uns als Gemeinde irgendwie gegenseitig motivieren, diesen freien Tag zu machen. Es ist ein Training, okay?
Dann habe ich monatliche Sachen. Ich habe monatlich Telefonieren mit einem Mentor, ich habe einen stillen Nachmittag. Schaffe ich das jeden Monat? Nee. Ist das schlimm? Nein.
Ich will einmal im Monat eine Date Night mit meiner Frau haben. Schaffen wir das jeden Monat? Nein, ist das schlimm? Nein.
Ich will mich auch einmal im Monat einfach mit Freunden treffen, Bier trinken und einen schönen Abend haben, weil mir Freundschaft extrem wichtig ist.
Und dann habe ich jährliche Sachen. Wir wollen zwei Paar-Wochenenden im Jahr machen. Schaffen wir es? Ihr wisst die Antwort. Ist es schlimm? Ihr wisst die Antwort auch.
Ich mache einmal im Jahr eine Männertour mit meinem Bruder und mit einem Mentor von mir. Boah, megacool die Zeit, genießen, Männer sein, Steaks grillen, im Wald, outdoor, mal cool haben, das ist richtig gut.
Ich möchte gerne zwei Stillwochenenden in mein Jahr reinbringen. Schaffe ich das? Ne.
Also, ihr merkt schon, ja, ich bin work in progress, aber ich habe ein Gerüst, das ich mir aufbaue und von dem ich denke, das tut mir als Person gut.
Ist das euer Gerüst? Nein, nein, ihr macht euer eigenes Gerüst. Ich habe euch einfach noch ein entspanntes Gerüst mitgebracht von Anne, die ist Studentin und zwanzig Jahre alt.
Anne sagt: „Hey, was ich an regelmäßigen Sachen habe.“ Und sie schreibt nicht mal täglich, sondern einfach nur regelmäßig, okay? Sie sagt, sie will, na ja doch, täglich dreißig Minuten Bibel lesen und beten. Sie will sich wöchentlich mit ihrer Minigruppe treffen.
Sie trifft sich einmal in der Woche mit so einem Mädel aus dem Teams-Kreis und hat eine Jüngerschaftsbeziehung mit ihr. Die kämpft auch darum, dass sie ihren Abend mit Gebet abschließt. Das schafft sie auch nicht.
Und zweimal im Monat sagt sie: „Ich helfe in der Hausaufgabenbetreuung in der Gemeinde mit.“ Okay, das ist jetzt ihr Ding, wo sie sagt: „Hey, das ist das, was ich brauche, und das sind die Orte, wo ich Gott dienen kann und wo ich Gott begegne.“
Und wir haben jetzt viel über innere Dinge gesprochen, gerade, ja, wir hatten es auf der Hinfahrt. Dienen ist definitiv eine Möglichkeit, Gott zu begegnen, okay? So, und das macht sie.
Dann sagt sie jährlich: „Okay, ich will zwei Wochenenden mit meinen besten Freundinnen haben und mindestens eine Konferenz oder eine Freizeit zur Glaubensstärkung mitmachen.“ So ganz easy, ganz simpel.
Und das ist das, was ihr macht für euch, wo ihr euch überlegt: Hey, was möchte ich anfangen?
Und ich möchte euch wirklich ermutigen, packt das nicht alles sofort in euer Leben, wenn ihr merkt, das ist zu viel. Darum geht es überhaupt nicht, weil dann wird es euch nur wieder ablenken und demotivieren.
Sondern überlegt euch Stück für Stück: Wenn Bibellesen und Beten noch nicht ein fester Bestandteil eures Lebens ist, dann fangt damit an. Macht das vielleicht in Gemeinschaft oder in Rechenschaft, dass ihr euch gegenseitig fragt: „Hey, was hast du denn gelesen diese Woche? Wie läuft es bei dir?“ Nicht als „Oh, ich will dich jetzt hier irgendwie überprüfen“, sondern als gegenseitige Ermutigung und Stärkung, okay?
Und ich will euch ermutigen: Sagt nicht „Ja, ich mache das mal, wenn ich was auch immer, wenn ich aus der Schule bin, wenn ich erwachsen bin, wenn ich Familie habe.“ Ihr werdet nie mehr Zeit haben als jetzt.
Und das sage ich jetzt einfach mal pauschal, weil wenn ihr meint, ihr habt mehr Zeit, wenn ihr mal älter seid, ist das Blödsinn. Fragt mal jeden Rentner: Kein Rentner hat Zeit, und jeder sagt: „Wenn ich erst mal in der Rente bin, dann habe ich Zeit.“ Das ist Quatsch.
Nein, nein, nein, nein. Ja, ich kriege es ja mit: Junge Leute sagen, sie haben keine Zeit. Und ich schmunzle innerlich und denke mir: Dann wartet mal ab, bis ihr erwachsen werdet, dann wisst ihr, was es heißt, keine Zeit zu haben.
Ihr werdet immer in diesem Punkt sein. Das ist irgendwie unsere Kultur. Deswegen macht es jetzt, lernt das jetzt, und später wird es umso cooler.
Okay, es geht um Training. Und je mehr ihr Dinge trainiert habt, umso mehr machen sie dann auch Spaß.
Und noch mal: Es geht nicht um diese Dinge an sich, das ist kein Selbstzweck, sondern es geht darum, Raum zu schaffen, in dem Begegnung mit Jesus möglich wird und zur Gewohnheit wird. So dass dein Leben immer mehr geprägt wird von Jesus und du einfach immer mehr lernst, was es bedeutet, Jesus nachzufolgen, weil das etwas ist, was du tust.
Abschluss und Segensgebet
Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr zu einer Generation von begeisterten und hingebungsvollen Jesusnachfolgern werdet. Menschen, die Jesus wirklich lieben, ihm nachfolgen und gern mit ihm zusammen sind.
In dieser digitalen Welt wünsche ich euch, dass sie euch viele tolle Möglichkeiten bietet, ihr euch darin aber nicht verliert. Dass ihr eure Seelen nicht verliert, sondern in Jesus gefestigt werdet. Dass ihr in ihm Leben findet, sodass ihr selbst ein Licht sein könnt in einer Welt, die sich so sehr nach Leben sehnt, die so dringend nach Leben sucht und dabei oft in die Irre geht.
Ich möchte mit einem Vers aus dem Philipperbrief schließen, Philipper 3,17. Das ist Paulus Schlussfolgerung aus all dem, was er gesagt hat. Er sagt: „Folgt alle meinem Beispiel, Geschwister, und richtet euch an denen aus, deren Leben dem Vorbild entspricht, das ihr an uns habt.“
Lasst uns zum Abschluss beten.
Lieber Vater, wir danken dir, dass wir dich kennen dürfen. Wir beten, dass du deine Arme immer weiter nach uns ausstreckst und uns näher zu dir ziehst. Dass wir immer näher in deine Nähe kommen und mehr und mehr verändert werden. Dass wir diesen Hunger nach dir immer stärker verspüren.
Das ist so ein wunderbares Ding: Du stillst unseren Hunger, und gleichzeitig, weil wir schmecken, wie gut es ist, mit dir zusammen zu sein, wollen wir immer mehr davon.
Ich wünsche mir das für mein Leben und für jeden hier, dass wir Schritte auf dich zugehen – nicht weil wir müssen, sondern weil wir es wollen. Weil wir sehen, wie gut du bist, weil wir es schon erlebt haben und weil wir uns wünschen, dass du noch mehr Ausdruck in unserem Leben findest.
Ich bete, dass diese Idee, die ich hier mit dem Ranggerüst vermittelt habe, nicht in Gesetzlichkeit endet. Dass wir nicht denken, wir sind toll, weil wir das machen, sondern dass es in Beziehung endet. Dass wir wirklich immer näher an dein Herz kommen, lieber Herr Jesus.
Segne uns bitte. Danke, Herr Jesus, für dein Vorbild, für das Leben, das du gelebt hast, und für die Gerechtigkeit, die du uns schenkst. Danke, dass du uns annimmst, wie wir sind. Dass es nicht um Leistung geht, dass wir geliebt und angenommen sind. Dass wir eingeladen sind in deine Schule und in die Beziehung zu dir.
Ich danke dir, Vater, dass all das möglich ist, weil du es willst. Weil du uns willst, jeden Einzelnen von uns. Du siehst jeden hier und liebst uns leidenschaftlich. Ich freue mich darüber, wenn wir auf deine Einladung eingehen.
Ich bete um Kraft und gute Gemeinschaften hier. Es gibt so große und coole Jugendgruppen. Ich bete, dass sie die Kraft, die in ihnen liegt, nutzen. Dass sie Freude daran haben, sich gegenseitig zu ermutigen und zu ermahnen, den Weg miteinander zu gehen und ein Umfeld aufzubauen, in dem geistliches Leben mitten in dieser feindlichen Welt möglich ist.
Herr, danke, dass du uns Gnade gibst, uns stärkst und segnest. Amen.
