Kapitel 8, Vers 19 beschreibt das Auftreten gegen den Fürsten des Heeres des Himmels. Genau das ist hier dargestellt. Er wird Erfolg haben, bis der Zorn vollständig vorüber ist.
Auch von diesem Zorn lesen wir in Kapitel 8, Vers 19. Es handelt sich um den Zorn Gottes über Israel als Läuterung. Diese ganze schwere Zeit, die dreieinhalb beziehungsweise sechseinhalb Jahre von 171 bis 164, war ein Zorngericht. Es war ein Läuterungsgericht Gottes über Israel.
Der Grund dafür war, dass sich viele Israeliten dem Griechentum zugewandt und Kompromisse eingegangen waren. Deshalb sandte Gott ein Gericht. Dieses schwere Leiden war gleichzeitig ein Läuterungsgericht.
Gottes Zorn als Läuterung und Gericht über Israel
Ich sehe hier eine Parallele zu 1. Petrus 4,17: „Das Gericht muss anfangen beim Haus Gottes.“ Auch in diesem Zusammenhang beginnt das Gericht beim Haus Gottes, also beim Volk Gottes, bis der Zorn vollständig vorüber ist. Denn das fest Beschlossene wird sich erfüllen.
Wir haben bereits am Ende von Kapitel 9 von diesen fest Beschlossenen gelesen, falls Sie sich erinnern. Das fest Beschlossene ist der Plan Gottes. Es wird geschehen wie das Gesetz der Meder und Perser: Es wird sich erfüllen. Das ist das Wort der Wahrheit.
Und es wird so kommen, es muss so kommen. Der Herr Jesus hat ebenfalls gesagt, dass es so kommen muss.
Parallelen zwischen Daniel und Matthäus 24
Matthäus 24 ist keine Erfüllung, sondern eine Parallele zu Daniel.
Damit Sie das verstehen: Später, wenn der Herr Jesus in Matthäus 24 von Daniel spricht, erwähnt er ganz kurz den Gräuel der Verwüstung, der an heiliger Stätte stehen wird, wovon der Prophet Daniel gesprochen hat. Wer das liest, der achte darauf, wenn der Herr Jesus das gesagt hat, besonders auf Matthäus 24, Vers 15.
Wenn der Herr Jesus das gesagt hat, dann meint er nicht, dass das die Erfüllung von Daniel ist. Er meint vielmehr, dass es eine exakte Parallele zu dem ist, was unter Daniel geschah, und damals unter Antiochus. Er sagt, die Zeit wird sich noch einmal wiederholen. Die Geschichte wird sich wiederholen.
Und er sagt, es wird schlimmer werden als zu Antiochus. Es wird eine so große Drangsal kommen, sagt er dort in Matthäus 24, wie Jerusalem sie noch nie gesehen hat und noch je sehen wird. Diese Drangsal kam dann auch im Jahr 70 nach Christus beziehungsweise von 66 bis 70 nach Christus. Genau wie der Herr vorausgesagt hatte, kam es alles so.
Aber es war noch viel schlimmer als unter Antiochus damals, als die Römer kamen und den Tempel zerstörten. Nicht nur den Tempel, sondern die ganze Stadt. Es war eine schreckliche Zeit. Übrigens dauerte diese Zeit ungefähr dreieinhalb Jahre, von 66 bis 70 nach Christus.
Charakterisierung des Königs des Nordens
Also, jetzt gehen wir zurück zu Daniel, Vers 37: „Und auf die Götter seiner Väter wird er nicht achten.“
Es ist nicht ganz klar, was hier gemeint ist. Bezieht sich das auf Apollos, die Götter seiner Väter? Die Vorfahren von Antiochus haben möglicherweise den Gott Apollos verehrt, doch er selbst wollte den Jupiter verehren. Vielleicht ist das gemeint. Oder heißt es einfach, dass er den Gott des Krieges verehrt, also den Krieg als Gott? Das könnte auch gemeint sein.
Jedenfalls: „Auf die Götter seiner Väter wird er nicht achten, noch auf das Begehrenswerte der Frauen.“ Auch was das bedeutet, ist nicht ganz eindeutig. Bedeutet es, dass er keine Frauen möchte? Oder heißt es, dass er nicht die Kostbarkeiten oder Schönheiten begehren will, die Frauen begehren? Sondern dass er an ganz anderen Dingen interessiert ist – nicht an den Dingen, an denen Frauen interessiert sind, sondern an Krieg, an Zerstörung, an Kampf?
Noch auf irgendeinen Gott wird er achten. Hier zeigt sich, dass Antiochus gar nicht so religiös ist. Er sagt zwar, dass er den Zeus-Gott ehrt, aber der Zeus-Gott bekommt die Gesichtszüge des Antiochus. So verehrt er sich selbst und nicht den Zeus.
Nicht auf irgendeinen Gott wird er achten, sondern über alles wird er sich erheben – über alles Göttliche und Ehrfurchtsvolle, über den gesamten Gott Jachwes wird er sich erheben. Er wird lästern und zerstören. Er wird den Tempel verunreinigen mit dem Opfer eines Schweines und den Götzendienst anstelle des Gottes Jachwe in Jerusalem einführen.
Die Verehrung des Kriegsgottes und seine Kriegsführung
Vers 38: Stattdessen wird er den Gott der Festungen ehren, das ist der Krieg, der Gott der Festungen. Den Krieg wird er verehren, einen Gott, den seine Väter nicht kannten. Er wird ihn ehren mit Gold, Silber, Edelsteinen und anderen Kostbarkeiten.
Sein ganzes Geld setzt er ein, um Kriege zu führen. Er gibt so viel Geld aus, dass er am Ende gar kein Geld mehr hat, weil er ständig Kriege führt. Er gerät immer wieder in Geldnot.
Vers 39: Mit Hilfe des fremden Gottes, also mit Hilfe des Krieges, wird er gegen die starken Festungen kämpfen. Denjenigen, die ihm Anerkennung schenken, wird er große Ehre erweisen.
Er wird ihnen Herrschaft über viele verleihen. Hier ist die jüdische Menge des Volkes gemeint. Er wird diejenigen aus den Juden, die ihn annehmen, ehren und ihnen Gunst erweisen. Dann gibt er ihnen Ländereien, Geld oder andere Besitztümer.
Er wird ihnen Herrschaft über die Masse des jüdischen Volkes verleihen und Land als Belohnung austeilen. Denjenigen, die ihn ehren, schenkt er Besitzungen und Ländereien.
Der letzte Kriegszug und das Ende des Königs des Nordens
Vers 40 Und zur Zeit des Endes
Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt: „Und zur Zeit des Endes“. Bisher hieß es immer „bis zur Zeit des Endes“, „bis zur“, und es ist noch nicht das Ende. Jetzt aber kommt das Ende.
Welches Ende? Immer wieder das gleiche Ende. Es geht weiterhin um das Ende des Antiochus.
Also, „und zur Zeit des Endes“ wird der König des Südens sich mit ihm stoßen, wie zwei Tiere, die aufeinander losrennen. Das bedeutet, der Ägypterkönig wird gegen den Nordkönig, gegen Antiochus IV., anrennen. Es wird wieder zu einem Kampf kommen.
Der König des Nordens wird wie ein Wirbelwind gegen ihn heranstürmen – mit Wagen, mit Reitern und mit vielen Schiffen. Er wird in die Länder eindringen, sie überschwemmen und überfluten.
Er wird in das Land der Zierde kommen, Israel, und viele werden unterliegen und zu Fall kommen. Doch einige entkommen seiner Hand: Edom, Moab und die vornehmsten der Söhne Ammons.
Er streckt seine Hand aus nach den Ländern, auch das Land Ägypten entkommt nicht. Er herrscht über Schätze aus Gold und Silber und über alle Kostbarkeiten Ägyptens.
Die Luwiten und Kuschiten, das sind Libyen und Äthiopien, sind in seinem Gefolge. Doch dann erschrecken ihn Gerüchte von Osten und von Norden her.
Er zieht in großer Grimmglut aus, um viele zu vernichten und an ihnen den Bann zu vollstrecken. Sein Palastzelt schlägt er auf zwischen dem Meer und dem Berg der Heiligen Zierde – das ist das Mittelmeer und der Berg der Heiligen Zierde ist der Zionsberg.
Also stellt er dort in Israel seine Zelte auf. Doch er kommt zu seinem Ende, und es ist keiner da, der ihm helfe.
Historische Einordnung und Quellenlage zu Antiochus IV.
Diese Verse sind oft umstritten gewesen. Manche haben gesagt, dass sie sich gar nicht auf Antiochus beziehen können. Ihrer Meinung nach ist das nicht möglich, weil es mit Antiochus so nicht gewesen sei. Sie behaupten, dass sich die Verse auf einen späteren König beziehen.
Doch der Kontext ist eindeutig und klar: Es geht immer um Antiochus. Wie in allen anderen Kapiteln handelt auch Kapitel 11 ausschließlich von Antiochus, keinem anderen.
Ausleger wie Moses Stewart und auch ein ausführlicher Kommentar haben das richtig erkannt. Es geht tatsächlich um die letzten Unternehmungen des Antiochus IV. und um seinen Tod. Wir wollen uns diese Verse genauer ansehen.
Es gibt übrigens, falls Sie das wissen möchten, auch geschichtliche Berichte über Antiochus, die nicht in der Bibel stehen. Diese stammen von verschiedenen Geschichtsschreibern, zum Beispiel Polybius, Justin, Livius und Josephus. Es sind vier unterschiedliche Berichte über diese Zeit.
Keiner dieser Berichte liefert ganz genaue Details, denn man kennt nicht alle Einzelheiten der verschiedenen Etappen von Antiochos' Leben. Dennoch weiß man einiges, zum Beispiel, wie er gestorben ist. Auch das Makkabäerbuch beschreibt ganz genau, wie sein Tod vonstattenging. Darauf werden wir gleich noch eingehen.
Ein Ausleger schreibt: Tatsächlich haben uns weder Apir, Polybius, Justin, noch Livius oder Josephus Einzelheiten über diesen letzten Krieg Antiochos überliefert. Keiner berichtet alle Einzelheiten. Es sind nur Zusammenfassungen, Reststücke und Bruchstücke von diesen Schriftstellern erhalten geblieben.
Kein Wunder also, dass wir nichts Genaues über das Ende von Antiochus wissen. Aber eines dürfen wir wissen: Das Wort Gottes stimmt. Wenn das Wort Gottes sagt, dass er so gestorben ist, dann müssen wir das akzeptieren. Wir sollten nicht sofort denken, dass hier über einen anderen König berichtet wird.
Dieser letzte Kriegszug, den Antiochus zuerst gegen Ägypten und dann gegen Israel unternahm, war nicht so blutig wie die vorherigen. Denn mittlerweile standen die meisten Juden bereits auf der Seite Antiochus'. Das Land war unterworfen und unterdrückt, und es gab viele abgefallene Juden, die ihm anhingen.
Dennoch gab es noch Schlachten und Kämpfe gegen Judas Makkabäus. Deshalb dürfen wir alles, was hier in der Bibel berichtet wird, als Voraussage und Weissagung über Antiochus genauso nehmen, wie es dort steht.
Der letzte militärische Konflikt Antiochus’ mit Ägypten und Israel
Wir gehen den Text entlang. In Vers 41 heißt es: „Viele unterliegen und kommen zu Fall.“ Also viele. Entschuldigung, ich bin zu weit.
Vers 40: „Der König des Nordens wird wie ein Wirbelwind gegen den König des Südens heranstürmen.“ Hier ist die Rede davon, dass es noch einmal zu einem Zusammenstoß kommt zwischen dem König von Ägypten und Antiochus.
Vers 40 in der Mitte: „Mit Wagen und mit Reitern und mit vielen Schiffen wird er in die Länder eindringen und sie überschwemmen.“ Nun, genauso geschah es auch. Er kam noch einmal ins Land Ägypten, und zwar sogar mit einer Flotte, also mit Schiffen. Er kam noch einmal Richtung Ägypten, und dadurch zog er auch durch Israel.
Vers 41: „Und er wird ins Land der Zierde kommen.“ Das war dieser letzte Kriegszug gegen die Ägypter. Entschuldigung, dieser letzte Kriegszug gegen Ägypten führt ihn vorher durch das Land Israel. Er hat dort einiges niedergeschlagen.
Vers 41 in der Mitte: „Viele unterliegen und kommen zu Fall.“ Also auch in Israel mussten wieder viele sterben. Dann heißt es weiter in Vers 41: „Aber diese entkommen seiner Hand: Edom, Moab und die vornehmsten der Söhne Ammons.“
