
Was wünschst du dir von deiner Gemeinde und ihren Leitern?
3. Vortrag zum 2. Korintherbrief
2. Korinther 1,3-1119.05.2023
Serie•Teil 3 / 8Der 2. Korintherbrief
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung: Zwischen innerer Bewegung und seelsorgerlicher Spannung
Okay, ihr habt gemerkt, es ist einfach eine emotionale Berg- und Talfahrt, die Paulus da mitmacht: ein frustrierender Besuch, ein grenzwertiger Brief, viele Ängste. Dann diese Begeisterung, dass zumindest dieser eine krasse Fall, dieser eine krasse Konflikt bereinigt werden konnte. Und auf der anderen Seite dann doch schon wieder die Sorgen vor dem nächsten Besuch.
Also, es geht irgendwie emotional auf und ab, so aus dem tiefen Tief. Beim Treffen mit Titus zunächst dieser emotionale Peak, diese Begeisterung, und dann doch wieder irgendwie viele Sorgen. Paulus war jemand, und wir merken das daran, der sich wirklich auf Beziehungen eingelassen hat, der es wirklich zugelassen hat, der es wirklich an sich herangelassen hat, auch emotional. Der diese Schmerzen in Kauf genommen hat, der diese Sorgen in Kauf genommen hat, wie es Eltern einfach auch tun. Ich meine, Eltern können sich da auch selten abgrenzen, wenn es um die Sorgen ihrer eigenen Kinder geht. Es steckt einfach zu tief drin, es ist zu tief verwurzelt und verknüpft mit der eigenen Persönlichkeit.
Und so ging es Paulus auch. Es waren einfach seine Kinder, es waren Menschen, die ihm am Herzen lagen, und er konnte sich und er wollte sich nicht abgrenzen von diesen Sorgen und von diesen Ängsten. Aber ja, es sind Schmerzen, Schmerzen, wenn man es erlebt, dass Beziehungen zu den eigenen Kindern irgendwie in die Brüche gehen. Hier vielleicht mehr vorübergehend, aber manchmal eben auch endgültig, wenn man Entfremdung und Zurückweisung erleben muss, bei Menschen, in die man so viel investiert hat. Schwierig.
Wie würden wir uns auf solche Entwicklungen einstellen, wie würden wir mit solchen Entwicklungen umgehen, würdest du dich zurückziehen? Paulus hat sich nicht zurückgezogen. Er schreibt etwas über sein Verhältnis zu den Korinthern. Warum hat er sich nicht zurückgezogen, warum konnte er das nicht tun?
Machen wir einen kurzen Ausflug in 2. Korinther 3 an den Anfang des Kapitels. Paulus schreibt, und es geht im Zusammenhang darum: Ja, brauchen wir wieder Empfehlungsbriefe? Fangen wir wieder an, uns selbst zu empfehlen, uns irgendwo bei euch vorzustellen und zu sagen: Hallo, ich bin der Paulus, ich bin Evangelist, ich habe eine Botschaft. Fangen wir wieder von vorne an?
Nein, sagt Paulus, wir brauchen keine Empfehlungsbriefe, weder bei euch noch brauchen wir Empfehlungsbriefe irgendwie von euch. Ihr müsst uns keine Empfehlungsbriefe an andere schreiben, ihr seid unser Empfehlungsbrief. Menschen sehen einfach, was sich bei euch getan hat, dass er euch wirklich bekehrt hat, was sich in eurem Leben schon alles geändert hat. Ihr seid unser Empfehlungsbrief als Evangelisten, als Missionare, als Lehrer. Menschen müssen nur euch anschauen.
Und er schreibt in Kapitel 3, Vers 2: Ihr selbst seid unser Brief, erkannt und gelesen von allen Menschen. Es ist offensichtlich, dass ihr ein Brief Christi seid, angefertigt durch uns, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes.
Aber ich habe beim Lesen – wir werden auf den Abschnitt irgendwann noch einmal zurückkommen, dieser Tage – beim Lesen gerade habe ich eine kleine Bemerkung ausgelassen, die eigentlich das Bild sprengt, die eigentlich nicht in das Bild passt. Oder man muss sich viele Gedanken machen, bis sie hineinpasst. Paulus sagt: Ihr seid unser Brief, wir haben euch irgendwie angefertigt in unserem Dienst, alle können das lesen, der Geist hat irgendwie in eure Herzen geschrieben, ihr seid verändert worden, ihr denkt anders als Ungläubige, ihr lebt, viele von euch leben anders als Ungläubige, und man muss euch nur anschauen, ihr seid der Brief.
Und dann sagt er plötzlich zwischendurch, Vers 2: Ihr seid unser Brief, hineingeschrieben in unsere Herzen. Amen! Das ist irgendwie nicht mehr dasselbe Bild. Irgendwie hat er das Bild gesprengt. Bisher wart ihr der Brief, und die Leute konnten in eurem Leben etwas lesen von dieser Botschaft. Und jetzt seid ihr der Brief, der in das Herz des Missionswerkes geschrieben ist. Man hat den Eindruck, dass Paulus sagt: Es ist, wie wenn man einen Brief schreibt und sich irgendwie durchdrückt, was man da schreibt, und auf der Unterlage kann man immer noch erkennen, was in diesem Brief geschrieben war. Ihr seid eingedrückt, alles, was wir euch beigebracht haben, jede kleine Veränderung, die wir bei euch beobachtet haben, alles hat sich eingeprägt, auch in unsere Herzen, die Herzen der Schreiber. Und es ist da unauslöschlich drin. Ihr seid unauslöschlich drin in unserem Herzen.
Und das ist es, wie er empfindet, was er zwischendurch einfach mal mit so einer Bemerkung reinschreiben muss, weil es einfach in seinem Herz und in seinem Kopf ist, obwohl es eigentlich nicht reinpasst. Aber manchmal ist es so: Die Emotionen und die eigenen Gedanken bringen manchmal so diese kleinen Halbsätze hervor, die das Bild sprengen. Sie hatten unauslöschliche Spuren in ihrem Herzen hinterlassen.
Die Bindung des Apostels an seine Gemeinde
Kapitel sieben, Vers drei schreibt Paulus: Ich habe schon gesagt, dass ihr in unserem Herzen seid.
Kapitel vier, Vers vierzehn, aus dem Ersten Korintherbrief. Entschuldigung, wir haben es gestern schon einmal gelesen: 1. Korinther 4,14. Ich ermahne euch als meine geliebten Kinder. Denn wenn ihr zehntausend Erzieher in Christus hättet, so doch nicht viele Väter. Denn in Christus Jesus habe ich euch gezeugt durch das Evangelium.
Wir sind eure Väter, und wir empfinden so, wie Väter für ihre eigenen Kinder empfinden, für euch. Das kann man nicht einfach verdrängen. Das kann man nicht einfach von sich schieben. Da kann man sich nicht einfach eine innere Distanz aufbauen. Das ist einfach da, sagt er.
2. Korinther 6,11: Ihr Korinther, unser Herz ist euch gegenüber weit geworden. Er sagt: Leute, da ist noch so viel Konfliktpotenzial, aber wir haben ein weites Herz für euch. Es ist nach wie vor viel Platz in unserem Herzen für euch. Und dann fährt er fort: Bei uns ist nicht zu wenig Platz für euch, eng ist es in eurem eigenen Herzen. Reagiert doch entsprechend. Ich rede wie zu meinen Kindern: Werdet auch ihr weit.
Nun, man merkt die Emotionen eines Vaters, der einfach um das Vertrauen, um die neue Liebe seiner Kinder kämpft. Wer seine Kinder anspricht und sagt: Ihr habt nach wie vor einen Platz in unserem Herzen, da ist viel Platz für euch, aber ihr seid irgendwie eng geworden uns gegenüber, macht doch wieder Platz für uns in euren Herzen. Es ist irgendwie schön, das zu lesen. Er bittet, er kämpft um diese Beziehung. Und einige Sätze später, in Kapitel sieben, Vers zwei, knüpft er genau an diesen Gedanken an: Macht Raum für uns in euren Herzen. Wir haben niemandem Unrecht getan. Ich sage das nicht, um zu verurteilen, denn ich habe schon gesagt, dass ihr in unseren Herzen seid, um mitzusterben und mitzuleben.
Er sagt: Ihr seid unauslöschlich in unseren Herzen. Wenn es euch schlecht geht, dann sterben wir irgendwie mit. Und wenn wir merken, euch geht es gut, dann leben wir mit. Es lässt sich nicht einfach wieder ausreden. Wow.
Kapitel zwölf bis vierzehn kommt er noch einmal auf dieses Thema Eltern und Kinder zurück. Er schreibt nicht: Die Kinder sollen für die Eltern ansparen, sondern die Eltern für die Kinder. Also, wir merken, es ist ein Thema von Eltern und Kindern. Und dann drückt er aus: Ich will aber sehr gern alles aufwenden und völlig verwendet werden. Das ist das, was Eltern reden. Sie sagen: Alles, was ich besitze, würde ich für meine Kinder investieren. Ja, ich würde mich selbst investieren. Ich investiere mich selbst für meine Kinder.
Das schreibt Paulus dem Korinther, damit sie wissen, wie es in ihm aussieht, welchen Platz sie bei ihm haben und was er für sie investieren würde.
Die Verletzung durch Zurückweisung
Und dann kommt in 2. Korinther 12 wahrscheinlich der emotionalste Satz dieses Briefes. Vielleicht ist es einer der emotionalsten Sätze, die Paulus überhaupt jemals geschrieben hat, wenn er in Vers 15 sagt: Ist es wirklich so, dass ich, je mehr ich euch liebe, umso weniger geliebt werde?
Ich meine, das ist emotional, oder? Dass wir es empfinden, dass er irgendwie um diese Menschen ringt, dass er um seine geistlichen Kinder ringt. Und dass er den Eindruck hat, dass ihm alles falsch ausgelegt wird, dass ihm alles als Einmischung ausgelegt wird, alles irgendwie als Herrschsucht, als Rechthaberei, als was auch immer ausgelegt wird. Je mehr er versucht, in Liebe um sie zu werben und sie auf einen guten Weg zu bringen, umso weniger wird er geliebt.
Das ist irgendwie eine sehr, sehr bittere Erfahrung. Und vielleicht ist es für den einen oder anderen von euch tröstlich, dass auch Paulus so eine Erfahrung machen muss. Vielleicht hat jemand das mit eigenen Kindern erlebt oder mit Freunden, in die er viel investiert hat, oder mit wem auch immer. Es ist keine Garantie, dass, weil wir viel investieren, eine positive Beziehung und eine positive Entwicklung herauskommen. Diese Garantie gibt es nicht. Und das Neue Testament ist da sehr, sehr ehrlich, denn es ist ein Schmerz, den manche aushalten müssen und den manche durchleben müssen.
Und die Frage steht im Raum, ob du bereit bist, dich in Menschen zu investieren, ob du bereit wärst, diesem Vorbild zu folgen, bei all den Risiken, die das emotional hat. Bei all den Schmerzen und Ängsten, die das bedeuten kann: Gibt es jemanden, ich meine jetzt jemanden außerhalb deiner Kernfamilie, wo das manchmal automatisch passiert, gibt es jemanden außerhalb deiner Kernfamilie, in den du so investierst im Moment oder wo du dir vorstellen könntest, dich so zu investieren? Das ist die Herausforderung, letzten Endes vielleicht die größte Herausforderung, die es trifft. Sind wir bereit, uns so in Menschen zu investieren? So rückhaltlos?
Okay, das war das Ende der Predigt, die ich vorhin nicht fertiggekriegt habe. Was war das Problem? Viele Probleme. Aber ein Problem habe ich schon erwähnt. Ein Problem war, dass Menschen unterwegs waren, die gerne Einfluss in der Gemeinde haben wollten und die den Einfluss von Paulus ganz bewusst und ganz gezielt schwächen wollten, die Paulus in Frage stellen wollten.
Die Erwartungen an Leiter und die Konkurrenz der Maßstäbe
Ich meine, wie ist es heute? Schau dich in der christlichen Welt um. Nach welchen Führern, nach welchen Predigern suchen Gemeinden? Welche Gemeinden suchen Christen? Was wünschst du dir von der Gemeinde, wenn du Leute fragen würdest? Vielleicht hauptsächlich junge Leute, aber auch Leute unterschiedlichen Alters. Was erträumst du dir von einer Gemeinde? Welche geistlichen Führer möchtest du haben?
Na gut, heute stellst du wahrscheinlich an erster Stelle eine Gemeinde mit guter Musik. Musik hat in der heutigen westlichen Gesellschaft einfach einen riesigen Stellenwert, okay? Ich wünsche mir einen Gottesdienst mit guter, ansprechender Musik. Ich wünsche mir einen Prediger, dem man gut zuhören kann. Er sollte die Fähigkeit haben, ansprechende Vorträge zu halten, die relevant, intelligent und verständlich sind. Das würde ich mir wünschen. Ich wünsche mir einen Gottesdienst, der abwechslungsreich ist, gut organisiert und möglichst reibungslos abläuft.
Warum wünsche ich mir all diese Dinge? Na ja, ich stelle mir immer vor, ich würde meinen ungläubigen Freund mitbringen oder meinen ungläubigen Ehepartner. Und das wäre die Gemeinde, die ihn irgendwie anspricht, die irgendwie so wäre, dass er vielleicht ein zweites Mal kommt. Und ich wünsche mir ja, dass er nicht nur ein zweites Mal kommt, sondern vielleicht irgendwann auf Dauer bleibt. Ich wünsche mir eine Gemeinde, die nicht nur für mich, ich meine, ich kann vielleicht mit vielem leben, rede ich mir ein, aber die vor allem für andere, mit deren Ohren ich das höre und mit deren Augen ich das sehe, ansprechend ist.
Und das ist der Trend in der evangelikalen Welt heutzutage. Wir wollen gesellschaftlich relevant sein, wir wollen gesellschaftlich anerkannt sein, wir wollen irgendwie, dass da ein Ablauf ist, dass da Predigten sind, dass Gottesdienste sind, auf die wir irgendwie stolz sein können, zu denen wir irgendwie stehen können, auch nach außen.
Und das war die Situation auch damals. Menschen haben, wie gesagt, die Autorität von Paulus in Frage gestellt, ganz bewusst. Sie haben gesagt: Der kann nicht mal predigen, also der kann nicht mal reden. Damals war Reden ganz hoch im Kurs. Redenhalten, Rhetorik. Es gibt so diese ganzen Castingshows, diese Musikwettbewerbe hauptsächlich. Es gibt doch so Modelshows, das ist Trash, aber es gibt diese ganzen Castingshows, wo wirklich begabte Leute auftreten und dann irgendwie die besten oder zumindest beliebtesten rausgesucht werden. Das spielt in der damaligen Gesellschaft nicht ganz so eine große Rolle. Wie gesagt, Musik ist heute so das Thema Nummer eins.
Damals gab es Rhetorikwettbewerbe. In Amerika gibt es es zum Teil, dass Schulen gegeneinander antreten in Rhetorik. Es gibt ein Thema, und jede Gruppe soll eine unterschiedliche Position vertreten. Und es kommt nicht darauf an, dass du das vertrittst, woran du glaubst, sondern du sollst es mit Argumenten so machen, dass alle auf deine rhetorischen Tricks reinfallen und hinterher diese Position übernehmen. Und die besten Rhetoriker werden ausgezeichnet. Es geht nicht um Wahrheit, es geht darum, wie ich Argumente finde, wie ich Leute überzeuge. Wie Leute etwas verkaufen, selbst wenn ich vielleicht selbst von dem Produkt nicht überzeugt bin.
Das war damals total in. Solche Wettbewerbe, und gute Rhetoriker wurden eingeladen und richtig gut bezahlt für ihre Vorträge. Und hier waren relativ gute Rhetoriker unterwegs, die gesagt haben: Paulus, meine Güte, der kann nicht mal richtig reden. Es war so eines, womit sie versucht haben, ihn schlecht zu machen.
Das andere war: Paulus hatte in Korinth, auch in anderen Gemeinden zum Teil, in manchen nicht, in manchen Jahren hatte er immer seine Gründe, hat er gesagt, ich nehme kein Geld von euch. Und die haben gesagt: Guck mal, der lässt sich nicht mal bezahlen für seinen Dienst, der glaubt selbst nicht an seine Fähigkeiten. Man kann alles verdrehen, oder?
Ich meine auch, dass er seine Reisepläne zweimal geändert hat. Da wurde totaler Skandal daraus gemacht. Guckt mal, wie unzuverlässig er ist. Er meint noch nicht mal, seine Versprechen, dass er demnächst wieder zu euch kommt, hält er. Also ganz viel ist zum Teil irgendwie kaum nachzuvollziehen und wurde gegen ihn verwendet.
Paulus sagt zu diesem Redethema: Wenn ich auch ein Amateur in der Redekunst bin, 2. Korinther 11,6, so doch nicht in der Erkenntnis. Ich meine, er sagt mit anderen Worten: Die sagen, ich kann nicht richtig argumentieren. Leute, zumindest habe ich etwas zu sagen. Das ist das, was er da sagt, okay? Zumindest hat das, was ich sage, Inhalt.
Wenn es um seine Reisepläne geht, sagt er: Ich schwöre. Letzten Endes sagt er mit anderen Worten: Ich schwöre, ich habe meine Reisepläne nicht geändert, weil ich unzuverlässig bin, sondern weil ich euch schonen wollte in der aktuellen Phase des Konflikts. Er hat schon Argumente und setzt sich damit auseinander.
Die Gegner des Apostels und ihre Wirkung
Was waren das für Leute? Es waren zum Teil Leute, die einen anderen Jesus gepredigt haben, zumindest stand es im Raum, und ein anderes Evangelium verkündigt haben. Paulus stellt es in den Raum, dass man, wenn man ihnen zuhört, einen anderen Geist empfängt. Er nennt sie, ich habe das schon erwähnt, zweimal ironisch Superapostel, wörtlich übersetzt. Einmal nennt er sie Pseudoapostel, also einfach falsche Lehrer, falsche Apostel.
Wie sind die aufgetreten? Er beschreibt es in Kapitel 11, Vers 20, mit drastischen Worten. Er sagt: Denn ihr ertragt es, wenn jemand euch versklavt, wenn jemand euch ausbeutet, wenn jemand immer nur nimmt, wenn jemand arrogant ist, wenn jemand euch wahrscheinlich eher bildlich gesehen oder vielleicht auch wörtlich ins Gesicht schlägt. Sie sind einfach mit Autorität aufgetreten, und die Leute fanden das attraktiv, dass jemand sich das traut, dass jemand sagt: Ich bin, mir kann er gar nichts. Okay, das kam bei den Leuten an. Arroganz kam an.
Paulus sagt: Verrückt. Er sagt, wenn das stark ist, Kapitel 11, Vers 21, dann sind wir wirklich schwach gewesen. Wenn das stark ist in euren Augen, dann sind wir wirklich schwach gewesen. Und er wird richtig ironisch, wenn es um dieses Thema Geld geht, richtig ironisch. Er sagt in Kapitel 11, Vers 7: Haben wir eine Sünde begangen, dass ich mich selbst erniedrigte, damit ihr erhöht würdet, weil ich euch das Evangelium kostenfrei verkündigt habe? War es wirklich Sünde, dass ich kein Geld von euch genommen habe? Ist es neuerdings Sünde, wenn man kein Geld nimmt?
Und etwas später, in Kapitel 12, Vers 13: Denn worin seid ihr gegenüber den anderen Gemeinden benachteiligt worden, außer dass ich selbst euch nicht zur Last gefallen bin? Und das kommt wirklich in der Ironie: Vergebt mir dieses Unrecht. Das ist wirklich Ironie.
Also, das waren die Leute, die unterwegs waren: Leute, die sehr arrogant aufgetreten sind, Leute, die wahrscheinlich tatsächlich begabt waren als Rhetoriker, die wirklich Charisma hatten, Ausstrahlung, Führer, wie viele damals und manche heute sich das eigentlich wünschen. Und in dieser Situation, in der Gemeindesituation, wo Geschwister sich ein möglichst attraktives Auftreten nach außen wünschen, wo Leute sich Führer wünschen, die Eindruck machen, wo Leute sich Führer wünschen, die auch in der Gesellschaft, nicht nur in der Gemeinde, sondern auch in der Gesellschaft etwas zählen, in dieser Situation fängt Paulus seinen Brief an, nach den beiden Sätzen, die die Briefüberschrift sind, und jetzt sind wir in Kapitel 1, Vers 3. Und die Einleitung ist zu Ende. In Kapitel 1, Vers 3 fängt Paulus genau in dieser Situation seinen Brief doch irgendwie überraschend an.
Der Gott des Trostes als Gegenbild zu menschlichen Erwartungen
Passt das zur Gemeindesituation? Er fängt seinen Brief an mit den Worten: Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater des Mitleids oder, vielleicht in deiner Übersetzung, der Erbarmung, und der Gott allen Trostes. Und das Wort Trost vielleicht wörtlicher übersetzt einfach mit Beistand.
Ich habe euch gerade versucht, vor Augen zu stellen, von welchen Führern ihr geträumt habt. Und er sagt: Wie ist unser Gott? Er ist der Vater des Mitleids. Er ist der, der sich das Mitleid ausgedacht hat, der Mitleid verkörpert. Er ist der Gott allen Beistands.
Er sagt: Wisst ihr, diese Führer, die ihr euch wünscht? Ich habe gerade so schwierige Lebensumstände durchgemacht. Ich sage es euch ganz ehrlich: Ich würde mir gerade ganz andere Führer wünschen. Versteht ihr, was ich meine?
Er sagt, ich habe gerade richtig schwierige Situationen in Ephesus erlebt. Wir werden es gleich lesen. Ich habe dadurch schon eine richtig schwierige emotionale Phase durchgemacht. Ich fühle mich durch diese Erlebnisse immer noch ein Stück weit traumatisiert. Ich habe in der Beziehung zu euch gerade eine richtig schwierige Phase, die mich ein Stück weit emotional ausloggt.
Und wisst ihr was? Mir ist es so egal, ob jemand gut predigen kann. Mir ist es so egal, ob ich in einer Gemeinde bin, die gut funktioniert. Ich brauche einen Gott, der Mitleid haben kann. Und ich brauche Führer und Prediger, die mir diesen Gott, der Mitleid hat und der mir beisteht, vor Augen führen.
Solche Leute wünsche ich mir gerade. Jemanden, der mir sagt, der mir glaubhaft sagen kann, dass Gott klug genug ist, um meine Situation zu verstehen, dass Gott liebevoll genug ist, dass ihm so viel an mir liegt, dass er überhaupt Interesse daran hat, sich auf meine Situation einzustellen, und dass Gott stark genug ist, eine Situation zu ändern.
Ich brauche Leute, die mir das vor Augen führen, und nicht nur, wie gut sie reden können und wie reibungslos der Ablauf ist. Paulus sagt zwischen den Zeilen: Das ist mir gerade so egal, weil ich ganz andere, ganz essenzielle Probleme in meinem Leben habe.
Vielleicht sagt er: Viele von euch gehören inzwischen irgendwie dem etablierten Mittelstand an. Ihr seid relativ jung oder in den besten Jahren des Lebens, und ihr wünscht euch eine attraktive Gemeinde und attraktive Leute, die vorangehen und diese Gemeinde repräsentieren. Aber es gibt in eurer Mitte andere Leute, und vielleicht überseht ihr die oft.
Was ist mit denen, die nicht zu dieser Schicht gehören, sondern jeden Tag mit materiellen, existenziellen Problemen kämpfen müssen, wie sie ihren Kindern Essen auf den Tisch bringen? Und die auch in eurer Gemeinde sind? Was ist mit den Leuten, die nicht mehr jung und gesund sind, sondern irgendwie gesundheitliche Nöte kennen?
Was ist mit denen, die gerade schwierige Lebensumstände durchmachen, bei denen gerade irgendeine Beziehung auf der Kippe steht und droht zu zerbrechen? Was ist mit denen, die gerade einen Angehörigen beerdigen mussten? Was ist mit denen, die gerade wirklich Druck und Verfolgung in ihrem nächsten gesellschaftlichen und familiären Umfeld erfahren?
Was erhoffen diese sich von der Gemeinde und von ihren Leitern? Das ist die Frage, die Paulus ganz am Anfang des Briefes, glaube ich, in den Raum stellt. Und an alle übrigen: Wie schnell könnt ihr, denen es gerade gut geht, in eine dieser Situationen kommen? Und welche Leiter werdet ihr euch dann wünschen?
Vielleicht Leiter, die sich in eure Situation hineindenken können, gemeinsam mit dem Vater des Mitleids und dem Gott allen Beistands, die ihn wirklich auf dieser Erde repräsentieren können, weil sie selbst solche Situationen durchgemacht und durchlebt haben.
Leiden, Trost und die Glaubwürdigkeit geistlicher Leitung
Paulus nimmt sie mit hinein in das, was er gerade erlebt hat. Ein paar Verse weiter schreibt er von einer Situation, von der wir letzten Endes nichts wissen. Es ist eine Situation, die er in den letzten Wochen oder Monaten in Asia durchlebt hat, also in den Wochen und Monaten vor seiner Abreise dort. Wahrscheinlich ist es, wie gesagt, eine Situation, die wir aus der Apostelgeschichte nicht kennen. Es klingt nicht so, als wäre es der Aufstand der Silberschmiede gewesen, das einzige Ereignis, das wir aus dieser Zeit eigentlich wirklich vor Augen haben. Wahrscheinlich war es etwas anderes.
1. Korinther 1,8
Denn wir wollen nicht, dass euch unbekannt sei, Geschwister, welche Bedrängnisse uns in Asia widerfahren sind, dass wir nämlich übermäßig, über unsere Kraft hinaus, beschwert wurden. Leute, sagt er, wir kommen gerade, abgesehen von den Konflikten mit euch, aus einer Situation, die uns überfordert hat. Paulus gibt zu, dass er mit der Situation absolut überfordert war, über unser Vermögen hinaus, so dass wir sogar am Leben verzweifelten. Er hat gesagt: Wir haben mit unserem Leben abgeschlossen. Wir sind davon ausgegangen, dass wir aus dieser Situation nicht lebend herauskommen. Wir haben eigentlich den Schlussstrich unter unser Leben gezogen.
Wir hatten es aber in uns selbst schon für entschieden gehalten, dass wir sterben müssten, damit wir nicht auf uns selbst vertrauten, sondern auf den Gott, der Tote auferweckt. Er hat gesagt: Wir haben nicht mehr auf Rettung gehofft, wir haben nur noch auf Auferstehung gehofft. Da kommen wir gerade heraus. Das ist das, wo irgendwie meine Hände noch zittern beim Schreiben, wenn ich daran zurückdenke.
Und wie gesagt, im gleichen Zusammenhang steht das, was er mit den Korinthern gerade durchmacht, in all diesen Konflikten. Und er sagt: Was brauchen wir für Führung? Was brauchen wir für einen Gott? Was für einen Gott müssen diese Leute uns vor Augen stellen?
1. Korinther 1,4-5
Er sagt, wir haben Gott erlebt, der uns tröstet in all unserer Drangsalen. Weil, gleichwie die Leiden des Christus gegen uns überströmend sind, so ist auch durch den Christus unser Trost überströmend. Er hat gesagt: Wir haben diesen Gott allen Beistandes, diesen Gott des Trostes, ganz real und ganz praktisch erlebt.
Und er hat es ja auch geschrieben in Beziehung auf diesen Konflikt mit den Korinthern, als Titus kam, schreibt er in 2. Korinther 7,6: Der aber die Niedergedrückten tröstet, Gott tröstete uns durch die Ankunft des Titus. Merkt ihr: In beiden Konflikten, in beiden Nöten, in denen er parallel war, hat er irgendwie den Gott allen Trostes, den Gott allen Beistandes erlebt. Er sagt: Wir haben ihn real erlebt. Wir haben erlebt, wie Gott eingegriffen hat, ganz real, wie Gott an unserer Seite stand, wie Gott uns getröstet hat. Und es war genau das, was wir in dieser Situation gebraucht haben.
Warum? Paulus sagt: Warum erleben wir solche Dinge? Warum müssen wir so etwas durchmachen? Ich meine, wir sind für den Herrn unterwegs. Wir sind seine Leute, wir investieren eh schon so viel. Wir werden in diesen Tagen noch sehen, dass Paulus immer wieder aufzählt, was er investiert. Warum mutet Gott uns solche Situationen zu, gerade uns?
Noch einmal 1. Korinther 1,4: Der uns tröstet in all unseren Trangsalen. Und jetzt kommt die Begründung: damit wir die trösten können, die in verschiedensten Trangsalen sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden.
Er sagt: Ich habe eine Antwort gefunden auf diese Frage. Gott möchte, dass wir als geistlich Verantwortliche, als Menschen, die verantwortlich sind oder vielleicht Verantwortung übernehmen sollen, solche Erfahrungen machen. Vielleicht musst du nicht Verantwortung übernehmen für eine ganze Gemeinde oder wie Paulus für verschiedene Gemeinden. Vielleicht hast du nur Verantwortung für viel kleinere Kreise von Menschen um dich herum. Aber Paulus sagt: Die Antwort, die ich gefunden habe, ist, dass wir solche Situationen durchmachen, damit wir irgendwie auf irgendeiner Ebene den Trost Gottes erleben. Ob es der Trost ist, dass er uns aus der Situation herausrettet, oder ob es der Trost ist, dass wir einfach merken, dass er mit uns durch diese Situation hindurchgeht.
Meine Antwort für mich persönlich ist: Ich muss das erleben, damit ich andere trösten kann, damit ich anderen von meinen Erfahrungen berichten kann, damit ich anderen beistehen kann. Gott möchte solche Leute. Gott möchte solche Führer. Das macht unseren Dienst, das macht unseren Trost, das macht unseren Beistand für Geschwister glaubwürdig, wenn sie uns abnehmen, dass wir jetzt gerade nicht nur etwas in einem Buch gelesen haben, sondern dass wir aus unseren Erfahrungen etwas zu sagen haben. Paulus sagt: Gott möchte solche Leute aus uns machen, und solche Führer, solche geistlichen Leiter würdet ihr brauchen.
Na gut, junge Leiter in Gemeinden können solche Situationen manchmal nicht erzwingen, okay? Sie können den Dienst nur so gut machen, wie sie können. Und wenn sie solche Situationen noch nicht wirklich erlebt haben, was sollen sie tun? Ich meine, sie müssen sich noch enger ans Wort Gottes halten und irgendwie das weitersagen, einfach was Gott uns Trost sagt. Aber Paulus sagt: Es hat Gewicht. Solche Erlebnisse haben Gewicht, solche Menschen haben Gewicht. Und vielleicht solltet ihr zumindest überlegen, ob eure Prioritäten, was ihr euch momentan von Gemeinden und von Leitern wünscht, ob das wirklich die richtigen Prioritäten sind.
Gebet, Mittragen und die Brücke zwischen Apostel und Gemeinde
Kapitel 1, Vers 6: Es sei aber, dass wir bedrängt werden, so ist es um eures Trostes und eurer Errettung.
Denn er sagt: Selbst wenn wir noch nicht trösten können, weil wir durch die Situation noch gar nicht selbst durch sind, sondern selbst noch mittendrin stecken, ist das für euch schon ein Trost. Warum? Weil in sehr schwierigen Situationen so oft die Frage aufkommt: Warum ich? Bin ich so weit entfernt von Gott? Bin ich Gott so egal? Bin ich für Gott so unwichtig, dass er mich einfach in solche Situationen hineinlaufen lässt? Oder ist es vielleicht sogar eine Strafe Gottes, weil ich den Weg doch nicht so gegangen bin, wie er sich das vorstellt, oder weil ich irgendetwas getan habe, was in seinen Augen wirklich schlimm ist? Hat Gott mich einfach verlassen?
Paulus sagt zwischen den Zeilen: Das sind Fragen, die aufkommen. Fragen, von denen ich weiß, dass sie virulent aufkommen, dass sie ihre Finger ausstrecken nach Menschen, die gerade Leiden durchmachen. Ist es eine Strafe Gottes? Ist es, weil ich Gott egal bin? Ist es, weil Gott sich von mir abgewandt hat? Und er sagt: Wenn sie dann sehen, dass wir Leute wie wir, Paulus, wie die Missionare, wie wirklich geistliche Vorbilder, das Gleiche durchmachen, dann gibt es schon die Sicherheit, dass das Problem nicht bei ihnen liegen muss. Denn wenn die Menschen, die Gott am nächsten sind, offensichtlich erleben, dass Gott ihnen diese Situation zumutet, dann muss ich kein schlechtes Gefühl haben, wenn Gott mir diese Situation zumutet.
Er sagt: Schon wenn ihr uns nur in diesem Leiden beobachtet, ist es für euch irgendwie schon eine Hilfe, nicht zu denken: Gott ist mir fern. Du weißt, Gott ist Paulus nicht fern. Warum soll er dir fern sein, weil er dich in eine schwierige Situation führt?
Und dann sagt er: Und dann geht es einen Schritt weiter. Wir erleben den Trost Gottes. Ihr beobachtet und hört, wie Gott uns tröstet. Zweite Hälfte von Vers 6: Es sei, wir werden getröstet, so ist es um eures Trostes willen, der sich auswirkt im Ausharren in denselben Leiden, die auch wir leiden. Ihr merkt, dass Gott uns geholfen hat, dass Gott zu uns gestanden ist, dass wir das bezeugen können. Und dann habt ihr die Hoffnung, dass das Gleiche bei euch passieren wird, auch wenn ihr vielleicht noch mitten in den Leiden drinsteckt. Dass Gott sich zu euch stellt, so wie er sich zu uns gestellt hat.
Und Paulus sagt: Deswegen machen wir das durch, damit ihr seht, dass auch die geistlichsten Leiden da sind, und damit ihr seht, dass Gott hilft, Gott tröstet und Gott durchträgt. Und dann sagt er in Vers 7: Unsere Hoffnung für euch ist fest, indem wir wissen, dass, gleich wie ihr der Leiden teilhaftig seid, Leute, wenn es euch gerade zu gut geht, bin ich überzeugt, dass ihr kurz oder lang diese Leiden erleben werdet. Aber wir sind überzeugt, dass ihr auch den Trost erleben werdet, weil wir ihn erlebt haben.
Was ist das Ziel? Paulus sagt: Gott hat uns das eine Mal errettet, ich bin überzeugt, er wird uns auch weiter retten, Vers 10. Und dann sagt er etwas ganz Spannendes, Kapitel 1, Vers 11: indem auch ihr durch das Flehen für uns mitwirkt, auch in zukünftigen Situationen, wo uns, ich bin überzeugt, das Gleiche oder etwas Ähnliches wieder passieren wird. Und ihr durch euer Flehen, ihr wirkt dazu mit, dass wir diese Situation durchhalten, dass wir Gottes Nähe erleben in diesen Situationen, durch euer Gebet für uns. Ihr habt einen Anteil an unserer Rettung, innerlich und äußerlich, damit für die durch viele Personen uns verliehene Gnadengabe letztlich auch durch viele für uns Danksagungen gebracht wird.
Was macht Paulus hier? Was macht Paulus hier mit den Korinthern? Ich glaube, er baut eine Brücke. Schau mal, du hast ein Problem. Euch geht es gerade irgendwie miesmenschlich in der Beziehung, wie auch immer. Und vielleicht ist es kurzfristig für dich gut, so eine starke Schulter zu finden, so einen starken Leiter, so einen starken Papa-Leiter, bei dem du nicht ausheulen kannst, bei dem du den Eindruck hast, den du als kleines Kind von deinem Vater hattest: Der kann alles, den kann nichts erschüttern. Frau, du sagst ganz kurzfristig: Ist das vielleicht eine Hilfe? Ist das vielleicht wirklich eine Orientierung, wo du dich anlehnen kannst?
Aber langfristig, wenn ein Problem keine Krise ist, die nach zwei Tagen zu Ende ist, und da ist ein Leiter, bei dem du den Eindruck hast, der hat nie Probleme, der steht über allem, hilft dir das dann wirklich noch? Oder macht es dein Selbstbewusstsein endgültig zunichte, auch dein geistliches Selbstbewusstsein? Ich meine, wir können als Leiter nicht Probleme produzieren oder unsere kleinen Probleme aufbauschen, dann fühlen sich Leute nur unverstanden. Aber Paulus sagt: Aber wir haben echte Probleme. Okay, wir müssen sie uns nicht ausdenken, um euer Vertrauen zu gewinnen. Könntet ihr für uns beten?
Und es baut Brücken, oder? Dass hier der Apostel zu den irgendwie mehr oder weniger geistlichen Korinthern sagt: Es wäre schön, wenn ihr für uns betet, weil wir wirklich Situationen haben, die uns so fordern. Und es baut irgendwie Brücken, und das ist irgendwie schön.
Trost, Korrektur und die Frage nach echter Seelsorge
Ja, ich weiß, wir können nicht immer trösten. Da müssen wir auch aufpassen, okay? Wir leben in einer Zeit, die extrem harmoniebedürftig ist, in der Gott nur noch ein Gott der Liebe ist.
Wir hatten länger einen Mann in der Gemeinde. Er hatte irgendwie eine schwierige Ehe. Da war jemand mit sehr schwachem Selbstbewusstsein, und er hat irgendwann gesagt: Na ja, meine Frau ist einfach zu schwierig, und ich glaube, Gott versteht es. Gott versteht es, wenn ich mir eine andere Frau suche, die sich im Wissen mehr an mich anlehnt. Und wenn ihr das nicht versteht und nicht akzeptiert, dann versteht ihr mich einfach nicht.
Denn manchmal kann ich den Satz nicht mehr hören: Ihr versteht mich nicht. Ich meine, ich verstehe so viele Sachen, die ich trotzdem nicht akzeptiere. Und so ist es bei Gott auch. Gott versteht viele Dinge, die er trotzdem nicht akzeptieren kann. Dass mir unterstellt wird, weil ich etwas nicht akzeptiere, dass ich es nur nicht akzeptiere, weil ich es nicht verstehe, das ist eine Unterstellung, oder?
Aber solche Leute laufen in unseren Gemeinden herum. Die sagen: Warum kritisierst du mich wegen meiner Sünde? Du solltest Verständnis haben, du solltest mich trösten. Ich tue das doch, weil ich schwach bin. Hast du kein Mitleid mit meiner Schwäche?
In vielen Bereichen ist das heute auch im christlichen Rahmen gang und gäbe. Paulus sagt: Kann ich immer einfach trösten? Diesen Menschen, der dort ausgeschlossen wurde, ja, Paulus hat gesagt: Entscheidet euch, ihn zu lieben, tröstet ihn. Aber erst, nachdem er Buße getan hatte, nicht vorher.
Ich verstehe dich, dass du da so ausgerastet bist. Wir verstehen das, dass du deinen Hass auf Paul erst einmal rauslassen musstest. Nein, das war nicht der Moment für Verständnis und für Trost. Das war der Moment für klare Maßnahmen. Und als er das irgendwie eingesehen hat, war der Moment für Trost.
Trost ist nicht alles, und Trost ist nicht immer angebracht. Okay, aber das Thema am Anfang von 2. Korinther ist: Wie sind wir glaubwürdig? Und manchmal macht Gott uns glaubwürdig, indem er uns wirklich durch schwierige Situationen bringt.
Persönliche Anwendung und Schlussgedanke
Wir sind gerade persönlich in einer schwierigen Situation. Viele von euch wissen, dass meine Frau in einem fortgeschrittenen Stadium Krebs hat. Wir waren an Ostern zusammen auf einer Freizeit, und ich habe Feedback für meine Vorträge bekommen. Meine Frau hat viel mehr Feedback dafür bekommen, wie sie mit ihrer Krankheit in dieser Phase umgegangen ist. Das war wirklich bewegend.
Wir erleben das gerade, und sie erlebt es gerade, dass sie Leiden durchmacht und in dieser Phase zumindest den Beistand Gottes erfährt. Wir wissen nicht, wie es weitergeht, aber gerade jetzt ist zu sehen, dass das wirklich Auswirkungen hat und Gutes bewirkt.
Paulus wird noch über mehrere Dinge schreiben, die notwendig sind, um glaubwürdig zu sein. Aber er beginnt seinen Brief damit. Vielleicht sollten auch diejenigen, die jung und gesund sind, darüber nachdenken, welche Maßstäbe wir haben, was uns an Gemeinden wichtig ist und was uns an geistlichen Vorbildern und geistlichen Leitern wichtig ist.
Vielen Dank an Gerald Dippell, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen! Ein empfehlenswertes Buch des Autors über das Leben von Paulus ist bei CLV erschienen: Paulus persönlich
