
Psalm 1906.06.2015
Serie•Teil 9 / 26Die Psalmen - das Gesang- und Gebetbuch der Bibel
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einführung in das Thema der Psalmen
Auf der Einladung gesehen habt oder im Prospekt, ich weiß nicht, wodurch ihr hier zu dieser Bibelwoche gekommen seid, habt ihr gemerkt: Die Überschrift war eben die Psalmen. Ich kann natürlich in dieser Woche nicht alle 150 Psalmen durchnehmen, dann wären wir ein halbes Jahr zusammen. Ich habe mir deshalb einige ausgesucht und habe vor, heute Abend erst einmal einen Überblick über das Buch der Psalmen zu geben, damit wir einen Gesamteindruck bekommen.
Ich weiß nicht, wie es euch mit dem Buch der Psalmen geht. Für mich ist das ein Buch: Ich singe die Lieder nicht, aber ich lese sie. Und häufig ist es so, dass ich diese Psalmen lese, wenn ich nachts nicht schlafen kann.
Mein ältester Sohn hat vor etlichen Jahren, als ich noch voll im Beruf war und manches Mal gestresst war, mir einen Bibelfers aufgeschrieben, eingerahmt und über mein Bett gehängt. Und der Bibelfers ist aus Psalm 94,15. Er hat aufgeschrieben: Als viele unruhige Gedanken in mir waren, tröstete mich dein Wort.
Und ich muss sagen: Wenn ich die Psalmen lese, dann ist das so. Bei mir ist es manchmal so, dass ich nicht nur deswegen nachts nicht schlafen kann, weil ich älter werde. Das kennen sicherlich manche von den Senioren, dass man nicht mehr durchschläft, sondern zwischendurch auch mal wohin muss. Aber manche Nächte gibt es auch, in denen man irgendwie unruhig ist. Man dreht sich von einer Seite auf die andere und findet den Schalter nicht zum Abschalten. Man grübelt.
Die Bibel sagt in den Sprüchen einmal, der Faule dreht sich in seinem Bett wie die Tür. Aber manchmal habe ich den Eindruck, auch die, die Sorgen haben, drehen sich auch.
Und dann stehe ich auf, setze mich in meinen Sessel, wo ich sonst meine stille Zeit mache, und schlage das Buch der Psalmen auf. Und vielleicht kennt ihr das auch: Man fängt an, einen Psalm zu lesen, und man liest zwar die Buchstaben, aber der Inhalt rutscht nicht rein. Selbst wenn man laut liest – zu laut darf man nicht, damit die Ehefrau nicht wach wird – aber selbst dann ist es oft so, man liest und hat nicht den Eindruck, dass man versteht, was man liest.
Und dann bete ich und sage: Herr Jesus, öffne mir dein Wort. Und ich lese weiter, und ich lese weiter, und plötzlich ist es, als wenn das Wort sich öffnet, als wenn man hineintaucht. Und auf einmal merkt man: Das Wort spricht zu einem.
Ich weiß nicht, ob ihr das auch so erlebt. Aber vielleicht geht es euch so, wenn wir uns in dieser Woche mit einigen der Psalmen beschäftigen.
Das Buch als Gebet, Gesang und persönliche Stimme
Die Psalmen sind schon ein eigenartiges Buch. Sie sind das Gesang- und Gebetbuch der Bibel.
Ich habe einmal im Urlaub in Holland eine Gemeinde kennengelernt. Ich weiß nicht, ob diese Gemeinde jemand kennt; sie nennt sich reformierte Gemeinde. Dort fand ich etwas sehr Interessantes: Sie hatten kein eigenes Liederbuch, sondern in ihrer Bibel waren hinten die Psalmen vertont. Bei ihren Gottesdiensten sangen sie also die Psalmen. Natürlich nicht mit israelischer Melodie. Das würde in unseren Ohren wahrscheinlich eigenartig klingen, vielleicht ähnlich, als würden Japaner singen. Ich weiß nicht, ob jemand schon einmal japanische Musik gehört hat. Da habe ich immer den Eindruck, wenn in unseren Wohnungen solche Musik erklingen würde, dann würde die Milch sauer werden. Auch israelische Musik ist für unsere Ohren gewöhnungsbedürftig.
Ich lese die Psalmen, und ich merke dabei: Die Bibel ist schon ein sehr eigenartiges Buch. Man kann sagen, sie ist das meistgelesene Buch der Bibel. Viele kennen viele Psalmen. Dieses Buch ist das Buch, das uns Trost und Zuspruch gibt. Und ich habe den Eindruck, wenn man die Psalmen liest, dann ist es ein ganz persönliches Buch. Es lässt uns in das Herz der jeweiligen Schreiber hineinschauen. Besonders deutlich wird das bei den Psalmen, die von David geschrieben sind.
Die Psalmen sind eigentlich auch das meistzitierte Buch der Bibel. Wir finden im Neuen Testament 186 Zitate aus den Psalmen. Daran merken wir, dass dieses Buch auch den ersten Christen und den Aposteln sehr wertvoll war. Und wir werden sicherlich in dieser Woche merken, weshalb das so war.
Es ist das Buch der Sorgen und Nöte der Menschen, es ist das Buch des Lobes und der Anbetung, und es ist ein sehr poetisches Buch. In manchen Übersetzungen wird das sehr deutlich. Ich denke an die Luther-Übersetzung. Wenn man dort die Psalmen liest, merkt man, dass das ein ganz bestimmter Redefluss ist, eine Melodik im Lesen. Das merkt man erst, wenn man die Psalmen laut liest. Das ist ähnlich wie bei Liedern bei uns. Zwar reimen sich die Psalmen nicht wie bei uns, das waren die Israeliten nicht gewohnt, aber sie haben einen bestimmten Sprechduktus. Und das finde ich schon faszinierend.
Bekannte Psalmen und ihre besondere Prägung
Der Psalm 23 ist natürlich der bekannteste Psalm, und ich glaube, die meisten Christen kennen ihn auch auswendig. Wer kennt denn den freudigsten Psalm? Vielleicht müsste ich diese Frage nach der Woche stellen, oder? Also, ihr könnt euch das vielleicht einmal notieren: Psalm 103 ist der freudigste Psalm. Da geht einem das Herz über, und man wird mitgerissen in die Freude des Psalmdichters.
Psalm 119 könnte man den erfahrungsreichsten Psalm nennen. Dort werden Erlebnisse des Psalmdichters beschrieben, die er gemacht hat. Es gibt insgesamt sieben Bußpsalmen, und ich glaube, der bekannteste ist Psalm 51. Wir werden ihn uns in dieser Woche auch ansehen, und wir werden auch sehen, aus welchem Grund David diesen Psalm geschrieben hat. Er öffnet dabei sein Herz und lässt uns hineinschauen. Es ist ein ganz persönlicher Psalm, und man muss sich wundern, wie offen David über seine Sünde und über sein Erleben in der Zeit spricht, in der er noch keine Buße getan hat.
Spötchen hat einmal gesagt, Psalm 84 sei das lieblichste Friedenslied. Ihr kennt das vielleicht: Wie lieblich sind deine Wohnungen, o Herr, es sehnt sich, es schmachtet meine Seele nach den Vorhöfen Gottes. Und wenn man sieht, auch mit diesem Psalm werden wir uns in dieser Woche beschäftigen. Wenn man sich diesen Psalm ansieht und fragt, von wem er gedichtet worden ist, dann ist das sehr erstaunlich. Er ist von den Söhnen Koras geschrieben.
Wer auf der Konferenz dabei war, der hat heute das mitbekommen in dem letzten Referat über die Rotte Koras, wie Gott Koras und seine Genossen strafen musste und sie lebendig in die Erde versanken. Aber ein paar Kapitel weiter steht: Die Söhne Koras starben nicht. Und von diesen Söhnen Koras sind insgesamt zwölf Lieder, zwölf Psalmen. In all diesen Psalmen wird deutlich, dass die Söhne dieses Koras, der damals einen Aufstand gegen Mose gemacht hatte, aus der Situation ihres Vaters gelernt haben. Ihnen ist die Wohnung Gottes, die Stiftshütte, der spätere Tempel, ungeheuer wichtig geworden.
Von daher finde ich es sehr spannend, auch zu beobachten, wenn man Psalmen liest, zuerst zu sehen: Wer ist der Dichter, wer ist der Komponist? Mir geht das immer so, wenn ich ein neues Buch aufschlage. Das Erste, was ich bei einem neuen Buch tue, ist, dass ich ins Impressum schaue. Ich sehe nach, wer es geschrieben hat, bei welchem Verlag es herausgekommen ist, wer es gedruckt hat, um die Hintergründe zu wissen. Dann liest man den Klappentext, und dann liest man das Buch ganz anders. Meine Frau beschwert sich zwar immer, dass ich meistens die Bücher hinten anfange und damit die Lösung schon haben möchte, aber bei dem Psalm darf man das ruhig einmal tun.
Die Psalmen im Licht von Schrift, Geschichte und Aufbau
Wer weiß, welcher Psalm am häufigsten im Neuen Testament zitiert wird? Nein, das ist zwar auch ein sehr bekannter Psalm, und wir werden uns morgen Vormittag mit Psalm 22 beschäftigen. Es ist Psalm 110. Das ist auch interessant: Er ist gar nicht einmal so lang, aber er wird am häufigsten zitiert.
„Der Gerechte wird aus Glauben leben“ kommt darin vor, und dieser Vers wird im 9. Kapitel viermal zitiert. Und zwar jedes Mal mit einer anderen Betonung. Einmal wird dieser Vers so zitiert: „Der Gerechte wird aus Glauben leben.“ Ein andermal wird es so betont: „Der Gerechte wird aus Glauben leben.“ Das dritte Mal wird er zitiert: „Der Gerechte wird aus Glauben leben.“ Und das vierte Mal wird er zitiert: „Der Gerechte wird aus Glauben leben.“
Wenn solche Stellen im Neuen Testament zitiert werden, wird daraus deutlich, dass jedes Wort eine bestimmte Bedeutung hat und dass wir vielfach, wenn wir die Bibel lesen, auf jedes Wort achten müssen. Und das macht die Bibel ja so unglaublich schön.
Man könnte sagen: Diese fünf Bücher der Psalmen – es ist ja nicht nur ein Buch. Wir zählen es zwar als ein Buch, das Buch der Psalmen, aber in jeder Übersetzung werdet ihr merken: erstes Buch der Psalmen, zweites Buch der Psalmen. Es sind fünf Bücher. Wenn man die einzeln rechnen würde, käme man insgesamt bei den Büchern der Bibel auf siebzig. Wir haben natürlich gelernt: Es gibt 66 Bücher. Das passiert nur, wenn wir die Psalmen als ein Buch nehmen. Wenn wir sie als fünf Bücher nehmen, kommen wir auf 70. Und ich finde das schon interessant, dass damit auch etwas deutlich gemacht wird: Die Vollzahl ist erreicht.
Das erste Buch der Psalmen ist von Psalm 1 bis Psalm 41. Von Psalm 42 bis Psalm 72 ist das zweite Buch. Das dritte Buch ist von Psalm 73 bis 89, das vierte Buch von Psalm 90 bis 106 und das fünfte Buch von Psalm 107 bis 150.
Wer war auf der Konferenz dabei? Wer war bei dem ersten Referat dabei, das Anke Fett gehalten hat? Da hat er etwas über die fünf Bücher Mose gesagt. Er hatte fünf Attrappen von Büchern dahingestellt und hat etwas erklärt. Und es ist interessant: Als ich mich mit den Psalmen beschäftigt habe, habe ich Folgendes festgestellt: Die fünf Bücher der Psalmen sind ebenso gegliedert wie die fünf Bücher Mose.
Man kann sagen: Das erste Buch der Psalmen, also von Psalm 1 bis 41, gleicht dem Buch Genesis, also dem ersten Buch Mose. Im ersten Buch Mose werden der Mensch und die Schöpfung geschildert, das Buch der Anfänge. Und so finden wir in dem ersten Buch der Psalmen auch solche Psalmen, die sich mit dem Menschen und mit der Schöpfung beschäftigen.
Das zweite Buch der Psalmen kann man vergleichen mit dem zweiten Buch Mose, Exodus. Das zweite Buch Mose spricht von Drangsal und von Rettung, und auch die Psalmen 42 bis 72 sprechen davon.
Das dritte Buch, gleich dem dritten Buch Mose, Levitikus, ist das Buch, in dem die Gesetze Israels entstanden. Und die Psalmen 73 bis 89 sprechen ebenso von Heiligung und Heiligkeit, so wie das dritte Buch Mose.
Das vierte Buch der Psalmen kann man vergleichen mit dem vierten Buch Mose, Numeri. Dort wird viel über Vergänglichkeit und Ewigkeit gesprochen, und auch das finden wir im vierten Buch der Psalmen. Denken wir nur an Psalm 90: Von wem ist er? Von Mose. „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden.“ Wir merken bei dem kirchlichen Tag, der im Augenblick ist: Die haben als Motto nur den zweiten Teil genommen, „damit wir klug werden“, und nicht den ersten Teil: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen.“ Und Mose hat einen weiseren Blick über sein Leben.
Das fünfte Buch ist zu vergleichen mit dem fünften Buch Mose, Deuteronomium, Wort und Verleihung. Und auffallend ist, dass jedes dieser fünf Psalmbücher mit einem Lobpreis endet. Damit haben die Israeliten deutlich gemacht: Hier ist ein Gedankenabschnitt zu Ende, und jetzt fängt etwas Neues wieder an.
Und ich finde es schon interessant, wenn man sich diese Bücher anschaut, dass das nicht einfach nur eine willkürliche Art oder Zusammenlegung von Liedern und Gedichten ist, sondern dass die, die damals die Psalmen zusammengestellt haben, sich schon etwas dabei gedacht haben, warum sie diese Mischung so gehabt haben.
Und das ist ja nur ein kleiner Ausschnitt von all den Liedern, die es in Israel gab. Die Bibel berichtet davon, dass David allein 3600 Lieder gedichtet hat. Die hätten in unserer Bibel gar keinen Platz. Wir haben also nur eine Auslese von ihm. Und ich möchte noch ein paar interessante Dinge aufzeigen.
Formen, Gattungen und Verfasser der Psalmen
Es ist ein vielfältiges Buch, allein schon wegen der Loblieder. Ich habe sie einmal alle aufgeschrieben, die man als Loblieder bezeichnen kann: Psalm 8, Psalm 9, Psalm 30, Psalm 32, Psalm 36, 45, 65, 66, 68, 72, 76, 92, 95, 96, 97, 98, 99 sowie 103 bis 115.
Aber es gibt nicht nur Loblieder, genauso wie unser Leben ja nicht nur aus Lob und Dank besteht. Es gibt auch Klagelieder, glücklicherweise nicht so viele. Ich weiß nicht, wie dein Leben ist, ob dein Leben mehr Loblieder beinhaltet oder mehr Klagelieder. Wir Deutschen sind ja gewohnt zu klagen: Lerne klagen ohne zu leiden.
Dann gibt es viele Psalmen, man nennt sie die messianischen Psalmen, in denen etwas Prophetisches über den kommenden Herrn Jesus steht, über den Messias, über den Fürst Israels, über den König Israels. Es gibt Psalmen, die man die geschichtlichen Psalmen nennen kann. Dort wird die Geschichte Israels beschrieben, wie sie gelebt haben, wie die Erzväter gelebt haben, wie sie aus Ägypten gerettet worden sind, wie Gott sie durch die Wüste geführt hat und wie er ihnen Sieg im neuen Land gab.
Und es gibt viele Bußpsalmen, die deutlich machen, dass wir Menschen vor Gott Buße tun müssen und wie man das tun muss. Wir werden uns in diesen Tagen mit zwei Bußpsalmen beschäftigen. Besonders schön empfinde ich immer die Schöpfungspsalmen, in denen uns die Herrlichkeit und Schönheit Gottes und der Natur geschildert werden. Ich muss sagen, sie lese ich besonders gern. Wir werden uns gleich noch mit einem beschäftigen.
Das Buch der Psalmen ist ein sehr vielfältiges Buch. Es enthält auch Wallfahrtslieder, also solche Lieder, die auf der Reise gesungen wurden, von den Heimatorten der Israeliten, wenn sie nach Jerusalem zogen. Einmal im Jahr musste jeder Israelit nach Jerusalem gehen. Und für diese Reisen gab es Lieder. Sie fuhren ja nicht mit dem Auto, sondern man ging zu Fuß. Das wisst ihr auch. Deswegen gab es früher Wanderlieder. Wofür gab es die Wanderlieder? Da kriegt man Schwung. Da kriegt man Schwung, man wird nicht so schnell müde, man hat einen bestimmten Rhythmus beim Gehen. Und so ist das bei diesen Wallfahrtsliedern auch.
Es gab dann auch spezielle Wallfahrtslieder, man nennt sie die Stufenlieder. Das waren also die letzten Psalmen, die nach Jerusalem hinaufgingen, wo es viele Stufen gab. Das wisst ihr auch: Gerade wenn man älter wird, wenn man die Treppen hinaufgeht, kommt man auch außer Puste. Dafür waren die Stufenlieder.
Ich war einmal in Israel, und es gibt ja noch am ehemaligen Tempel, also dort, wo heute der Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee stehen, noch auf einer Seite ein Stück Mauer des salomonischen Tempels und die zugemauerten Hulda-Tore. Davor gibt es Treppenstufen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir unten standen und der Reiseleiter sagte: Laufen Sie da mal rauf! War jemand schon mal da? Was passiert da, wenn man das versucht? Das geht ganz schlecht, man fängt an zu stolpern. Warum? Weil die Israeliten diese Treppenstufen nicht wie wir Deutschen gleichmäßig gemacht haben, sondern jede Treppenstufe ist anders hoch und anders breit. Und wir sagen: unmöglich, oder? Sie haben das extra gemacht. Warum? Damit ein Israelit nicht einfach läuft, wenn er zum Haus Gottes geht, sondern er musste ganz bewusst jede Treppenstufe gehen. Vielleicht sollte man das in unseren Gemeindehäusern auch einführen. Das bedeutet, man muss ein bisschen früher ankommen und braucht ein bisschen länger Zeit. Dafür waren die Stufenlieder.
Es gab die Halleluja-Psalmen oder die Hallelpsalmen. Sie wurden auch dann immer gesungen, wenn man in Jerusalem beieinander war. Womit wir Christen heute oft Schwierigkeiten haben, sind die sogenannten Rachepsalmen. Da würden wir Christen sagen: Ach, die könnte man eigentlich raustun. Aber ich bin froh, dass es bis heute keine perforierte Bibel gibt, wo man solche Verse, die einem nicht passen, rausnehmen kann. Das ist sicherlich ein extra Thema. Ich will heute Abend nicht darauf eingehen, und es hängt sicherlich damit zusammen, wie Israel überhaupt den Heilsplan Gottes sah und wie Gott sein Volk benutzt hat, auch um Gericht zu üben an den umliegenden Völkern wegen deren Sünde.
Dann gibt es Psalmen, die besonders dichterisch wertvoll sind, die sogenannten alphabetischen Psalmen, wo jeder Vers – das kommt in unserer Bibel gar nicht zum Ausdruck – mit einem anderen Buchstaben anfängt, also das hebräische Alphabet durchgeht. Psalm 119 ist der bekannteste, ist ja auch der längste Psalm. Er ist aufgegliedert in Strophen mit je acht Versen, und jeder Vers, also jede Achterversgruppe, oder können wir Strophe nennen, fängt mit dem gleichen Buchstaben an, und es geht das ganze hebräische Alphabet durch. Wir können uns vorstellen, das ist nicht einfach zu dichten. Das sind also alphabetische Psalmen. Es gibt Lehrgedichte, es gibt Gebete, und wir merken: Die Psalmen sind ein reiches Buch, und es lohnt sich, sie zu studieren.
Die Autoren der Psalmen sind auch sehr verschieden. Was schätzt ihr, wie viele Psalmen von David sind? Ist ein bisschen hoch, ja, nein. Zu wenig gegriffen, ja, zu wenig. 73 sind es. 73 Psalmen von David, zwölf Psalmen von Asaf, auch von ihm werden wir uns einige Psalmen ansehen in dieser Woche. Asaf war ein hochbegabter Musiker, er war Chefdirigent des Tempelchores, er hat etliche Psalmen, also zwölf Psalmen, gedichtet und komponiert. Und alle seine Söhne waren auch hochmusikalisch, sie werden alle in der Bibel genannt. Sie waren also auch im Tempelchor und im Tempelorchester tätig.
Zwölf Psalmen von den Söhnen Koras, zwei von Salomo, da würde man eigentlich mehr von erwarten, oder? Einer nur von Mose, einer von Ethan, da wissen wir nicht, wer das gewesen ist. Und die übrigen sind, wie man das heute bei Liedern machen würde, namenlos, wo also nicht überliefert ist, wer das gedichtet hat, wo der Dichter und Komponist in den Hintergrund tritt.
Der messianische Horizont der Psalmen
Die Psalmen sind ein Buch, ein prophetisches Buch über den Messias, über den Sohn Gottes, über den, der im Alten Testament verheißen ist. Zwei Psalmen sprechen von seiner Geburt und von seiner Gottessohnschaft, acht Psalmen von dem kommenden Herrscher, sechzehn Psalmen sprechen von seiner Auferstehung, zwei Psalmen sprechen von seinem Leiden und Tod, zwei Psalmen sprechen von Vorrat, ein Psalm spricht von Macht und Herrlichkeit. Einige Psalmen sprechen von dem Überrest Israels, und wieder andere von der Wiederherstellung Israels.
Und wir merken: Die Psalmen lohnen sich, einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Und vielleicht habt ihr, wenn ihr am Ende dieser Woche seid, Appetit bekommen, auch die übrigen Psalmen zu lesen.
Ja, kann ich, kann ich. Ich habe den Auftrag, diese Vorträge aufzunehmen, und Angela vorne an der Rezeption wird hinterher eine CD machen, auf der alle Vorträge drauf sind. Da werden auch die Präsentationen mit drauf sein. Also, für die, die meinen, sie müssten vorher abreisen: Es lohnt sich, zu bleiben.
Darf ich weitermachen? So, wir wollen jetzt mit einem Psalm anfangen, der sicherlich auch vielen bekannt ist. Ich habe schon mal die Nummer oben drüber geschrieben: Psalm 19. Den dürft ihr schon mal aufschlagen, und wir lesen ihn.
Psalm 19, dem Chorleiter. Ein Psalm von David.
Der erste Blick auf Psalm 19
Der Himmel erzählt die Herrlichkeit Gottes, und das Himmelsgewölbe verkündet das Werk seiner Hände. Ein Tag sprudelt dem anderen Kunde zu, und eine Nacht meldet der anderen Kenntnis. Ohne Rede und ohne Worte, mit unhörbarer Stimme.
Ihre Messschnur geht über die ganze Erde und bis an das Ende der Welt ihre Sprache. Dort hat er der Sonne ein Zelt gesetzt. Und sie tritt hervor wie ein Bräutigam aus seinem Gemach. Sie freut sich wie ein Held, die Bahn zu durchlaufen. Vom Ende des Himmels geht sie aus und läuft bis an sein Ende. Nichts ist vor ihrer Glut verborgen.
Das Gesetz des Herrn ist vollkommen und erquickt die Seele. Das Zeugnis des Herrn ist zuverlässig und macht den Einfältigen weise. Die Vorschriften des Herrn sind richtig und erfreuen das Herz. Das Gebot des Herrn ist lauter und macht die Augen hell. Die Furcht des Herrn ist rein und besteht in Ewigkeit. Die Rechtsbestimmungen des Herrn sind Wahrheit; sie sind allesamt gerecht.
Sie sind köstlicher als Gold, ja viel gediegenes Gold, und süßer als Honig und Wabenhonig. Auch wird ein Knecht durch sie gewarnt. In ihrer Befolgung liegt großer Lohn.
Verirrungen, wer bemerkt sie? Von den verborgenen Sünden sprich mich frei. Auch von Übermütigen halte deinen Knecht zurück. Sie sollen nicht über mich herrschen, dann bin ich tadellos und rein von schwerem Vergehen.
Lass die Reden meines Mundes und das Sinnen meines Herzens wohlgefällig vor dir sein, Herr, mein Fels und mein Erlöser.
Die Schöpfung als stumme Predigt Gottes
Wenn man so einen Psalm liest, merkt man gleich: Offensichtlich sind das verschiedene Strophen. Man hat bestimmte Abschnitte, die verschiedene Themen behandeln. Und wir können uns das einmal vornehmen und überlegen.
Er fängt hier an: Der Himmel, oder manche Übersetzungen sagen: die Himmel, erzählen die Herrlichkeit Gottes.
Hast du schon mal, und heute war ja so ein Tag, einen wunderschönen Tag, an dem du auf der Wiese liegen und dir den Himmel angucken kannst? Manchmal empfinde ich den Himmel spannender als jedes Fernsehprogramm, oder? Du kannst auf dem Boden liegen und dir den Himmel angucken, und ich muss sagen, es fasziniert mich immer wieder.
Die Frage ist manchmal: Wie kann ich Gott erkennen? Ich kenne einen Bruder, er ist Rumäne. Er hat mir seine Bekehrungsgeschichte erzählt. Er sagte: Ich war in einer Fabrik in Rumänien beschäftigt, wohnte aber außerhalb der Stadt, und abends und nachts habe ich die Schweine meines Großvaters gehütet. Und oft habe ich unter dem Sternenhimmel gestanden. Ich war atheistisch erzogen, und mir war gesagt worden: Es gibt keinen Gott, das ist alles Zufall.
Aber wenn ich unter dem Sternenhimmel stand, habe ich gedacht: Das kann nicht sein. Es gibt nicht, dass solch ein Himmel, solche Sterne von alleine entstanden sein können. Er sagte: Ich habe da gestanden und habe gesagt: Wenn es da oben jemanden gibt, der das alles gemacht hat, dann offenbare er sich mir.
Er wusste nichts von Gott, er wusste nichts von der Bibel, und ohne es zu wissen, hat er gebetet. Er wusste nicht, zu wem, aber Gott hat dieses Gebet erhört. Und in der nächsten Woche kriegt er in der Firma mit, dass seine Arbeitskollegen über einen anderen Arbeitskollegen lästern, und sie sagen: Das ist ein Christ.
Und er fragt: Was ist das, ein Christ? Seine Arbeitskollegen haben gesagt: Die glauben an was da in so einem Buch steht. Und er ist heimlich in der Pause zu diesem anderen hingegangen, hat ihn gefragt: Bist du Christ? Er hat gesagt: Ja. Die anderen haben gesagt: Du hättest nur ein Buch. Und er hat gesagt: Ja. Kannst du mir das mal zeigen? Er hat gesagt: Ja.
Und er hat angefangen, darin zu lesen, und hat vorne angefangen und die Schöpfungsgeschichte gelesen. Und er hat gedacht: Das ist die Antwort. Ich habe unter dem Sternenhimmel gestanden, und hier steht es, wie das entstanden ist. Und er hat sich heimlich mit diesem Mann getroffen, und er ist zum Glauben gekommen. Er sagt: Es hat lange gebraucht, bis ich von 1. Mose bis zum Herrn Jesus gekommen bin.
Und das war schon eine spannende Geschichte. Da muss ich oft dran denken, wenn ich diesen Psalm lese: Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes. Ist dir das schon mal aufgefallen? Wodurch kann ich Gott und seine Herrlichkeit kennenlernen?
Ich glaube, wir haben heute in unserer Zeit bei allen technischen Möglichkeiten es vergessen oder verlernt, zu staunen über die Schöpfung Gottes. Ich bin vom Beruf Grafiker, und ich bin dankbar, dass ich das von meinem Vater geerbt habe. Mein Vater hat mir die Augen geöffnet für die Schönheit der Natur.
Man sagt allgemein: Heute wird ja wenig gemalt, sondern viel fotografiert. Weißt du, was das meistfotografierte Motiv auf dieser Welt ist? Der Himmel. Der Himmel sieht keinen Tag genauso aus wie gestern, oder? Jeder Tag ist der Himmel anders, entweder durch das Muster der Wolken oder durch die Beleuchtung oder durch die Luftfeuchtigkeit.
Und es ist schon spannend, wenn du hier im Haus auf der Seite wohnst: Steh morgen früh um halb sechs auf, geh auf den Balkon und beobachte, wie die Sonne aufgeht. Es lohnt sich. Alle Vögel werden vor Sonnenaufgang wach, und sie singen vor Sonnenaufgang. Es lohnt sich, früh aufzustehen. Du kannst dich hinterher noch mal hinlegen. Aber es lohnt sich, früh aufzustehen.
Genauso phantastisch ist ein Sonnenuntergang, oder? Stell dich ans Meeresufer und beobachte, wie die Sonne im Ozean versinkt. Und ich weiß noch, wie ich mit meinem Vater am Waldesrand gesessen habe, Aquarellblock auf den Knien, und er mir gesagt hat, wie ich mischen soll, die Form mischen soll, um den Sonnenuntergang zu malen. Und ich habe ihm gesagt: Das geht doch gar nicht, alle zwei Sekunden ist das anders, du kannst es nicht festhalten.
Und es ist faszinierend, zu versuchen, allein die Farben des Himmels zu mischen, und wie verschieden ist die Beleuchtung im Frühjahr oder im Herbst. Das schönste Licht ist morgens, wenn die Sonne noch flach steht oder lange Schatten wirft. Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes.
Und ich möchte einige Verse zitieren, wo in der Bibel uns deutlich gemacht wird: Das ist eine ganz besondere Offenbarung Gottes Herrlichkeit.
Gottes Herrlichkeit in der Schrift und in der Begegnung mit ihm
Wer seine Bibel ein bisschen kennt, weiß: Als Gott zum ersten Mal geschildert wird, ist das in 1. Mose 1 bei der Schöpfung. Dort wird er einfach nur El genannt, also Gott.
Im zweiten Kapitel bekommt dieser El, dieser Gott, einen Namen: Jahwe, oder älter übersetzt Jehova. Und viele Theologen sagen, das seien verschiedene Autoren. Da kann man nur darüber lachen.
Es ist logisch, dass im ersten Kapitel Gott nur mit der Bezeichnung Gott beschrieben wird. Denn es ist eine objektive Beschreibung, wie Gott die Erde, das Firmament und das gesamte All geschaffen hat. Im zweiten Kapitel schafft Gott den Menschen, und da wird er plötzlich eine persönliche Beziehung. Und wenn man eine persönliche Beziehung hat, dann fragt man die anderen: Wie heißt du denn? Und deswegen stellt sich Gott im zweiten Kapitel mit Jahwe vor.
Im Laufe der Bibel offenbart sich Gott immer wieder neu, mit neuen Namen. Als er zum Beispiel dann Abraham in Ur in Chaldäa begegnet, davon spricht Stephanus in Apostelgeschichte 7 in seiner großen Rede. Und er sagt: Ihr Brüder und Väter, hört, der Gott der Herrlichkeit erschien unserem Vater Abraham, als er in Ur in Chaldäa war. So hatte sich Gott bis dahin noch nie offenbart: der Gott der Herrlichkeit.
Ich weiß nicht, was Abraham gesehen hat. Auf jeden Fall muss die Begegnung mit Gott so grandios gewesen sein, so herrlich, dass Abraham bereit ist, sein Elternhaus, seine Vaterstadt zu verlassen, die Zivilisation zu verlassen und Hebräer zu werden, also umherziehend. Diese Begegnung mit Gott hat sein Leben total verändert.
Für mich ist das immer wieder die Frage: Was ist passiert, als du Gott kennengelernt hast? Was hat sich bei dir verändert? Und ich habe das schon mal gesagt: Ich habe mich als Kind mit neun Jahren bekehrt. Vorher war ich einigermaßen artig, hinterher auch. Da hat sich nicht viel verändert. Wie Gott wirklich ist, das habe ich erst hinterher gemerkt, so im Teeniealter. Ich habe die Größe Gottes erst kennengelernt, als ich die Größe meiner Schuld kennengelernt habe.
Stephanus spricht von diesem Gott der Herrlichkeit, von dem die Himmel erzählen. Willst du wissen, wie Gott ist, schau dir den Himmel an. Ich weiß nicht, wer letzte Nacht um halb vier wach geworden ist. Was war da? Irgendwo waren Gewitter, ne? Und hier waren Wetterleuchten. Der Donner kam erst viel später, um vier Uhr erst. Aber um halb vier, das war ein Wetterleuchten. Auch das ist Herrlichkeit, oder? Wenn du weißt, oh, das gewittert vielleicht in Stuttgart, aber wir sind hier noch sicher, ne? Dann ist das grandios!
Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes.
2. Mose 24: Als Mose die Stiftshütte bauen soll, und die Herrlichkeit des Herrn ließ sich auf dem Berg Sinai nieder, und die Wolke bedeckte ihn sechs Tage. Am siebten Tag rief er Mose mitten aus der Wolke heraus. Oder im nächsten Vers: Die Erscheinung der Herrlichkeit des Herrn war vor den Augen der Söhne Israel wie ein verzehrendes Feuer auf dem Gipfel des Berges.
Das wird immer wieder dann in der Bibel beschrieben, auch in 2. Mose 29: Ich werde doch den Söhnen Israels begegnen, und es wird durch meine Herrlichkeit geheiligt werden. 2. Mose 33: Mose aber sagte: Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen. Und Gott antwortet ihm darauf: Es wird geschehen, wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, dann werde ich dich in die Felsenhöhle stellen und meine Hand schützend über dich halten, bis ich vorübergegangen bin.
Und wir merken: Das muss ungeheuerlich sein. Die Herrlichkeit Gottes ist eigentlich für uns Menschen nicht ansehbar. Und wenn wir schon, wenn eine Sonnenfinsternis stattfindet, gewarnt werden, da hineinzugucken, damit wir keine Schäden an unseren Augen haben, was würde passieren, wenn wir die Herrlichkeit Gottes sehen würden? Dafür sind unsere menschlichen Augen nicht gemacht. Aber später einmal im Himmel werden wir ihn sehen in seiner Herrlichkeit. Das heißt, wir brauchen andere Augen, oder?
Im Lukasevangelium erscheint auch die Herrlichkeit des Herrn, als der Engel des Herrn zu den Hirten tritt und sie umleuchtet. Jesus selber sagt, er wünscht sich, dass wir einmal bei ihm sein werden und seine Herrlichkeit schauen. Und wie eben schon gesagt, Stephanus sieht etwas von dieser Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen.
Und wir sehen: In den ersten fünfzehn Versen wird etwas davon in diesem Psalm gesagt, von dieser Herrlichkeit, die man schon ersehen kann in der Schöpfung. Insgesamt sehen wir in Vers 2 bis 7, dass die Herrlichkeit Gottes bezeugt wird in der Schöpfung. Paulus sagt das im Römerbrief: Gott hat das gemacht, damit jeder Mensch auf dieser Erde, auch wenn er den Herrn Jesus und die Bibel nicht kennt, in dem Gemachten Gott erkennen kann.
Das heißt, Gott hat die Schöpfung so gemacht, obwohl sie nach dem Sündenfall, ich sag mal, nicht mehr ganz so herrlich ist, wie sie war. Und trotzdem ist sie so, dass jeder Mensch beim Betrachten der Schöpfung etwas von der Herrlichkeit Gottes erkennen kann, dass einer dahinter ist, der das alles gemacht hat. Das wäre ein extra Vortrag, da mal darüber nachzudenken, Gott in der Schöpfung zu erkennen.
In Vers 2 wird das so gesagt: Die Schöpfung ist sein Werk. Wir sehen praktisch in der Schöpfung die Hand Gottes. Wisst ihr, das ist wie bei einem Künstler. Heute, wenn wir zum Beispiel Gemälde sehen, entweder von Rembrandt oder von Dürer oder von Rubens, einer, der sich damit beschäftigt hat, der weiß: Das ist ein Rubens. Woher kann man es erkennen? Volle Formen, so richtig kräftig, deftig, ne? Du kannst erkennen, was in Dürer ist, obwohl er sich ja nicht selber porträtiert hat. Aber du siehst die Handschrift. Und so ist das in der Natur auch. In der Natur kannst du die Handschrift Gottes erkennen.
Vers 3 macht deutlich, dass diese Handschrift Gottes Tag für Tag und Nacht für Nacht erkennbar ist. Es wird darüber gesagt, dass es eine lautlose, kraftvolle Predigt ist und dass es eine weltweite Predigt ist. Und das ist schon interessant: Egal wo du auf der Welt bist, zeige einem Menschen den Himmel, zeige einem Menschen die Schöpfung, und wenn er ein wenig Ahnung hat, wird er voll Staunen niedersinken und sagen: Da muss Gott dahinterstehen.
Es ist eine Predigt ohne Worte, sagt David hier. Die kann jeder verstehen, selbst nach der babylonischen Sprachenverwirrung. Egal welche Sprache du sprichst, die Sprache der Schöpfung ist für jeden verständlich. Allein der Lauf der Sonne zeugt von Gottes Größe. Wir nehmen das so als selbstverständlich, dass wir Frühling, Sommer, Herbst und Winter haben. Dabei ist das jedes Frühjahr wieder ein Wunder, oder? Immer wieder neu.
Und wer einen Garten hat, der weiß auch, welche Pflanze als erste kommt und welcher Baum als letzter sprießt. Jedes Jahr genauso. Und wenn man sich damit beschäftigt, kommt man aus dem Staunen nicht raus. Man wundert sich darüber, dass die Erde, ich weiß nicht wie viele Grad, schräg stehen muss, damit Jahreszeiten entstehen. Und dass wir das nur bei uns auf der Erde haben, ist das Zufall? Und wir merken: Die Natur, der Himmel, spricht von der Größe Gottes.
Das Wort Gottes als zweite Offenbarung
Und dann finden wir die nächste Strophe von Vers 8 an bis Vers 14. Ich möchte das so überschreiben: Das Zeugnis von Gottes Herrlichkeit durch sein Wort. Also, David hat im Grunde drei Strophen hier drin.
Wir haben gesehen: Der erste Abschnitt bis Vers 7 ist das Zeugnis von Gottes Herrlichkeit durch die Schöpfung. Jetzt geht es in den nächsten Versen, von Vers 8 bis 14, um das Zeugnis von Gottes Herrlichkeit durch sein Wort. Und schon allein darüber könnte man jetzt eine Bibelwoche machen.
Es wird eine siebenfache Beschreibung des Wortes genannt und eine siebenfache Wirkung des Wortes. Es wird uns gesagt, dass das Wort Gottes vollkommen ist, dass es zuverlässig ist. Ich habe hier jetzt den Vers dahinter geschrieben. Es wird gesagt, dass es richtig ist, dass es lauter ist, dass es rein ist, dass es wahr ist, dass es gerecht ist. Sieben Eigenschaften des Wortes Gottes und sieben Wirkungen des Wortes.
Es erquickt die Seele, es macht weise, es erfreut das Herz, es erleuchtet uns, es besteht ewig, es belehrt uns und es belohnt uns.
Und ich staune darüber, wie David diesen Psalm dichtet. Man kann sich sehr gut vorstellen: David ist ja als junger Mann Hirte gewesen und hat sicherlich oft unter dem Firmament gestanden. Auch das kommt ja häufig vor in den Psalmen. Wenn ich ansehe deine Himmel, das Werk deiner Hände, was ist der Mensch, dass du sein gedenkst? Psalm 8.
Und das ist so: Steh einmal unter dem großen Firmament des Himmels, vielleicht auf einem Berg mit weitem Blick, an einem klaren Tag, vielleicht mit Föhn. Und du siehst kilometerweit und du staunst. Und David sagt: Die riesige Schöpfung und ich kleiner Mensch, was ist der Mensch, dass du dich drum kümmerst?
So etwas ist einem bei uns passiert. Einigen hatte ich in diesen Tagen schon erzählt: Wir haben bei uns ein Café in einem Stadtteil, und der Tischnachbar, wo wir dann immer Seniorenfrühstück miteinander machen, fragte mich einmal, ob ich ihm eine Bibel besorgen könnte. Und ich habe ihm eine besorgt.
Nach einiger Zeit habe ich ihn gefragt, wie es klappt mit dem Bibellesen. Und er sagte zu mir: Ich habe die Offenbarung angefangen. Und ich dachte: Huch! Und ich sage: Und? Er sagt: Weißt du, ich verstehe nicht viel davon. Ich weiß nicht, was die vier Wesen sind. Ich weiß nicht, was der Regenbogen bedeutet. Ich weiß nicht, was die vier Tiere da bedeuten. Ich weiß nicht, was das alles bedeutet. Aber wenn ich den Thron sehe, der da beschrieben wird, dann ist das, als wenn ich in den Himmel gucke. Und auf dem Thron sitzt der große Gott, und der kümmert sich um mich kleinen Menschen.
Weißt du, sagt er zu mir, entschuldigt jetzt die Ausdrucksweise, er spricht also nicht Kananäsch, er sagt: Dann habe ich Pippi in den Augen. Und ich habe gedacht: Ja, er hat eine Menge verstanden.
Wisst ihr, die meisten wollen die Geheimnisse der Offenbarung, weil sie neugierig sind. Aber wer von ihnen staunt über die Größe Gottes, der sich um mich kleinen Menschen kümmert? Und das wird uns deutlich in solch einem Psalm hier.
Und ich stelle mir den David vor, wie er unter dem Himmel steht und einfach über das Ansehen der Natur nachdenkt. Dann hat er seine Tora vor sich, und er staunt über die Bibel. Und er kommt zum Preisen und zum Loben. Und dann sagt er den letzten Vers, die letzte Strophe, und die besteht nur aus einem Satz. Ich weiß nicht, wie das damals gesungen worden ist. Vielleicht ist das hinten noch immer wiederholt worden, oder es ist immer lauter geworden. Wie heißt es da?
Lass die Reden meines Mundes und das Sinnen meines Herzens wohlgefällig vor dir sein, Herr, mein Fels und mein Erlöser!
Der Abschluss des Psalms und seine geistliche Mitte
Man hat den Eindruck, als ob David hier am Ende dieses Psalms auf einmal den Herrn Jesus sieht. Nicht nur den Gott, der den Himmel gemacht hat. Nicht nur den Gott, der das Wort gegeben hat. Sondern den Gott, der sein Fels ist und sein Erlöser.
Und ich frage mich manchmal: Was hat David von dem Erlöser gewusst? Er konnte Golgatha noch nicht kennen, aber er muss etwas geahnt haben, dass Gott größer ist als das Gesetz. Dass Gott größer ist als die Natur. Mein Fels und mein Erlöser.
Er sagt nicht: Die Bibel ist mein Fels. Er sagt nicht: Der Himmel, die Naturgesetze sind mein Fels. Sondern Gott ist sein Fels, und Gott ist sein Erlöser.
Und wir werden das in diesen Tagen noch merken, wenn wir uns zum Beispiel Psalm 51 ansehen, den großen Bußpsalm, wo er vor seinem Gott zerbricht, wo er begreift, dass er die Gnade Gottes mehr braucht als die Gerechtigkeit Gottes.
Was helfen uns die Naturgesetze Gottes? Die Naturgesetze Gottes können uns nicht erretten, aber die Gnade Gottes.
Und das fasziniert mich bei den Psalmen: Die Psalmdichter des Alten Bundes haben alle noch nicht das Neue Testament. Aber sie haben etwas geahnt, dass Gott noch größer ist als das, was sie bisher durch ihre Bibel erkannt haben. Und offensichtlich hat David etwas davon geahnt durch den Schöpfer.
Aber die Frage ist: Kannst du auch sagen, mein Erlöser ist für dich der Jesus, dein Erlöser?
Ich fasse zusammen mit einem Satz oder mit drei kurzen Sätzen: Die Himmel erzählen von der Herrlichkeit und Größe Gottes, das Wort spricht von der Heiligkeit und Gnade Gottes, und der Herr Jesus zeigt uns die unbegreifliche Vaterliebe Gottes.
© Autor, Referent: Eberhard Platte
Vielen Dank an Eberhard Platte, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen! Bücher und CDs können günstig erworben werden auf der Homepage von Eberhard Platte und in jeder Buchhandlung.
