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Die Gerechtigkeit aus dem Glauben

Galater 3,1-1425.02.1992
Du musst dein Leben nicht mit mehr Regeln retten. Der Kern: Nicht Leistung macht dich frei, sondern der Gekreuzigte – und daraus wächst ein neues, friedliches Leben.

Der Konflikt um den rechten Weg

Vers 1 bis 14
Es geht so weiter, wie es begonnen hat: eine heftige Auseinandersetzung, in ihrer Schärfe ungebrochen durch den ganzen Brief hindurch. Es ist nicht die Leidenschaft des Apostels, die ihn bestimmt, sondern die Sache selbst. Um der Sache willen bleibt er so hart, um der Sache willen redet er so klar.
„O ihr unverständigen Galater!“ Ein englischer Kommentar schreibt: „O ihr Idioten“, würde Paulus hier sagen. Das ist zwar richtig, aber nicht so zu verstehen, wie wir „Idioten“ als Schimpfwort gebrauchen. Im Griechischen hat das Wort noch einen etwas milderen Sinn. Dennoch ist es ein Vorwurf des Unverstands. So etwas sagt man nicht gern. Jeder ist ja überzeugt, für diese Welt zu gescheit zu sein; bloß die anderen seien ihm so schwierig zu verstehen.
Wer hat euch bezaubert, denen doch Jesus Christus vor Augen gemalt war als der Gekreuzigte? Das allein will ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist empfangen durch Gesetzeswerke oder durch die Predigt vom Glauben? Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr es denn nun im Fleisch vollenden? Habt ihr denn so vieles vergeblich erfahren, wenn es denn vergeblich war? Der euch nun den Geist darreicht und solche Taten unter euch tut, tut er das durch Gesetzeswerke oder durch die Predigt vom Glauben?
So war es mit Abraham: Er hat Gott geglaubt, und es ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden. Erkennt also: Die aus dem Glauben sind, das sind Abrahams Kinder. Die Schrift aber hat es vorausgesehen, dass Gott die Heiden durch den Glauben gerecht macht. Darum verkündigte sie dem Abraham: In dir sollen alle Heiden gesegnet werden. So werden nun die, die aus dem Glauben sind, gesegnet mit dem gläubigen Abraham.
Denn die aus den Werken des Gesetzes leben, die sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben: Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, dass er es tue. Dass aber durch das Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar; denn der Gerechte wird aus Glauben leben. Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben, sondern: Der Mensch, der es tut, wird dadurch leben.
Christus aber hat uns erlöst vom Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns. Denn es steht geschrieben: Verflucht ist jeder, der am Holz hängt. Damit der Segen Abrahams unter die Heiden komme in Christus Jesus und wir den verheißenen Geist empfangen durch den Glauben.

Die Frage nach einem guten Leben

Jetzt haben Sie hoffentlich nicht alle beim Lesen abgehängt, weil Sie dachten, das ist ein bisschen schwierig und ich verstehe nicht alles.
Wir kriegen immer Zugang zum Bibelwort. Das merken Sie auch beim Predigen, wenn wir es so lesen, dass uns plötzlich deutlich wird: Da geht es um ganz aktuelle Dinge bei uns heute.
Also: Um welche aktuellen Dinge geht es in dem Abschnitt? Wenn ich jetzt anfange, Ihnen die Worte zu erklären, sagen Sie vielleicht: Wovon redet er heute Abend? Ich bin mit meinen Gedanken gerade bei den Erlebnissen, die ich heute an meinem Arbeitstag hatte, und bei dem, was mir gerade durch den Kopf geht.
Also bleiben wir zuerst bei unserer Welt. Und da ist ein brennendes Problem in unserer Welt heute: Wie kann man als guter Mensch leben? Es interessiert alle Leute, Christen und Heiden.
Bei den Christen ist das ein berühmtes Thema. Da war in Schorndorf so eine Sendung vom Evangeliumsrundfunk per Fernsehen, die wurde im Super Channel übertragen. Am Sonntag hat sie jemand noch gesehen: Eis und Feuer oder Feuer und Eis. Da wurde auch ein großer Unternehmer gefragt, wie er das denn macht mit seinen Mitarbeitern. Er hätte tausend Mitarbeiter, und dann hat er erklärt und gesagt: Bei mir merkt jeder, dass ich Christ bin, und ich lebe das einfach den Leuten vor. Ich muss da überhaupt nichts sagen, sondern wenn ich komme, dann spüren die sofort, dass ich Christ bin. Und auch wenn der Finanzamtsprüfer kommt, dann sind die ganz überzeugt von meinem Christsein.
Ich habe das jetzt ein bisschen karikiert. Ich muss immer ein paar Mal schlucken, weil ich solchen Christen noch nie begegnet bin. Ich würde auch mal gern so Christen begegnen. Ich habe immer nur sehr fehlerhafte Christen erlebt, Leute, über die man sich grün und blau ärgern kann, also abgesehen von Ihnen. Normalerweise ist das ja immer so: Wir sehen sehr schnell alle Schwächen.
Wie lebt man richtig? Dabei sagen alle Christen, wenn sie so kommen, es ist gar nicht so wichtig, was man glaubt, Hauptsache, man lebt richtig. Jeder hat das als Spruch. Erst recht die, die nicht gläubig sind, die das immer sagen: Herr Pfarrer, Sie entschuldigen, wenn Sie mich nicht so oft in der Kirche sehen, mir ist es aber wichtiger, dass Sie gut leben. Das sind Kirchensprüche, braucht man ja nicht. Und da stehe ich mir so blöd da und weiß nicht, was er sagen soll. Wegen mir brauchen Sie an die Kirche kommen.
Aber das ist so wie die richtig guten Menschen: Die leben das einfach, und die machen das. Und das ist ja uralt. Das können Sie in der Literatur bei Goethe und bei Lessing und überall lesen. Da kommt das vor, dass die Leute sagen: Also zum Leben muss man bloß wollen, man muss bloß wollen. Komisch.
Warum es trotz dieser Vorsätze so viel Versagen gibt? Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der nicht lieb sein wollte. Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der nicht lieb sein wollte. Und wenn Sie im Gefängnis besuchen, waren lauter liebe Leute, die immer bloß missverstanden wurden und einen ganz blöden Richter gefunden haben, und alles war immer bloß in ihrem Leben ungerecht.
Aber jeder meint es im Grund seines Lebens rechtschaffen. Ich habe auch noch nie bei einer Ehekrise irgendjemanden getroffen, der dem anderen Böses zufügen will. Es hat immer böses Pech, weil der andere so gemein ist. Er selber hat alles recht gemacht und immer gut.
Das ganz Schwierige ist bei uns Menschen. Jetzt habe ich es wieder an einer extremen Seite mal dargestellt. Das Problem ist: Wir alle gehen von dem Vorsatz aus, ich lebe doch richtig. Das Leben ist natürlich wichtig, auch für Christen ist das wichtig. Ich muss richtig leben. Ich muss Liebe ausstrahlen, die Wahrheit reden, Treue üben, Gutes tun. Aber wie macht man das?
Jetzt merken Sie sich einmal eine Frage, die uns interessiert. Das ist unser Thema heute. Und Sie können es jetzt fortsetzen, auch mit vielen persönlichen Erfahrungen, mit Kollegen oder Nachbarn oder Familienangehörigen, wo Sie darüber gesprochen haben.

Tugenden, Vorsätze und die Grenzen menschlicher Anstrengung

Wir selber geben uns Maßstäbe, Leitziele, nach denen wir unser Leben gestalten. Die Galater haben damals auf das jüdische Gesetz zurückgegriffen und gesagt: Das ist doch eigentlich toll, da haben wir doch schon die ganzen Maßstäbe, alles ist darin beschrieben. Und das jüdische Gesetz ist ja noch viel, viel strenger als unsere eigenen Vorstellungen zur Lebensgestaltung, die wir haben.
Warum war das nicht schlecht, was die Galater eigentlich machten? Warum ist Paulus dagegen? Wir würden uns doch heute wirklich freuen, wenn wir wieder solche Leute hätten, die sagen: Wir bemühen uns, richtig zu leben. Man spricht heute gar nicht mehr von den Tugenden, von den Tugenden. Ich habe so einen schönen Besuch gehabt bei Bruder Besser von der hanischen Gemeinschaft in der vergangenen Woche, und Bruder Besser hat dann, ich habe gesagt: Jetzt beten Sie auch noch mit mir. Dann hat er gesagt im Gebet: Herr, in unserem Volk werden die Tugenden nicht mehr hochgehalten, Herr, erbarme dich über uns. Das ist richtig, die Tugenden.
Das war doch früher immer Treue und Redlichkeit. Heute ist jeder froh, wenn er den anderen übers Ohr hauen kann und niemand merkt es und er nicht erwischt wird. War da früher noch ein Ziel, heute haben wir ja überhaupt gar keine Tugenden mehr. Es wird ja im Fernsehen lächerlich gemacht, wenn einer seinem Ehegatten Treue üben will und so. Wo sind eigentlich noch die Tugenden?
Wir meinen, wir hätten doch überhaupt den Vorsatz, Gutes zu tun. Hauptsache in der Lebensgestaltung, was vielen jungen Menschen gepredigt wird: Lebe deine Gefühle aus, leb dein Konto verlust aus, du hast ein Recht darauf. Wenn dich deine Frau nicht befriedigt, schick sie weg und hol dir eine andere. Das ist doch ein ethisches Ziel heute, warum denn nicht? Oder umgekehrt: Wenn der Frau oder dem Mann nicht mehr passt, hol dir einen anderen. Oder wie auch immer, oder was das sein kann.
Wenn wir unsere Welt kritisch betrachten, dann reden alle davon: Wir wollen noch das Gute, wir wollen das Richtige, wir wollen das Wahre. Aber wie lebe ich denn das jetzt? Die Galater haben es konsequent gemacht, und das muss man ihnen lassen, die waren eifrig. Und wenn sie heute etwa die strenggläubigen Juden beobachten, die leben das wirklich mit Haut und Haar. Und wir dürfen das nicht irgendwo lächerlich machen und sagen, das ist eben extrem. Nein, die leben das wirklich mit einer Treue, Hingabe, Zuverlässigkeit und Präzision.
Warum sagt Paulus ihnen das Unverständliche in Galatien? Warum ist denn das so falsch? Wer hat denn euch bezaubert, wer hat denn sie bezaubert, wer kann denn da bezaubert haben? Sie wissen, was Paulus meint. Der Fürst dieser Welt, der Teufel, der Teufel steckt dahinter, hinter diesem Gedankengang der Galater. Warum der Teufel? Weil es ein unheimlicher Hochmut ist, wenn ich mir einbilde, ich könnte nur einen Tag ein treuer Ehemann für meine Frau sein. Das ist Wahnsinn, bin ich nämlich gar nicht, ich weiß doch, wer ich bin.
Liebe Freunde, seid ihr euch bewusst, dass ich keinen Tag verlässlich überhaupt lebe, wenn nicht Gottes Güte mich schirmt? Ich bin doch abhängig von seiner Güte. Dass ich nicht bei den Schurken gelandet bin, ist doch nicht mein Verdienst. Dass Gottes Güte, dass er über unserem Leben die Hand hält, unsere Einbildung, als ob wir unser Leben gestalten könnten, das ist so schwierig.

Die Mitte des Glaubens und die Freiheit der Gnade

Leider ist auch dies heute bei den meisten Christen nicht mehr klar. Ich war neulich in einer Jugendgruppe zur Bibelarbeit, sogar in einer Gruppe eines pietistischen Verbandes, und habe über dieses Thema gesprochen. Nachher sagte der Leiter: Sie haben das jetzt aber schon ein bisschen extrem dargestellt.
Ich hatte nämlich erzählt und gesagt: Es war mir immer wichtig, meinen Kindern gegenüber zu sagen: Stoßt euch nicht an mir, ich gebe euch täglich viel Anlass, damit ihr auch vom Christentum enttäuscht seid. So kann man doch nicht sagen, man lebt doch auch etwas. Ich sage: Nein, die Kinder stoßen sich an allem. Und wir wollen den Mund nicht vollnehmen.
Ich bin auch überzeugt, dass unsere Konfirmanden und alle Leute, auch unsere Nachbarn, gar nicht überzeugt sind und sagen: Guck mal, wie schön der gescheitelt ist und so weiter. Sondern sie haben immer noch irgendetwas an uns zu meckern, weil man irgendetwas wieder nicht richtig gemacht hat oder die Kehrwoche nicht richtig sauber gemacht hat oder neulich beim Schnee nicht richtig gestreut hat. Und das sind Christen, und Sonntagschristen sind Christen. Die Anstöße sind immer größer, aber die wirkliche Schuld ist auch größer. Wenn wir uns im Lichte Gottes betrachten, liebe Freunde, dann ist das, was der Paulus sagt, ja wahr: Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen, ich schaff’s gar nicht.
Und bei uns ist das so: Wie leicht kommt in unserem Leben der Hochmut und das Böse, und wie schnell ist das bei uns drin. Das macht mir am meisten Sorge, dass wir heute in der Christenheit, auch in der bibeltreuen Christenheit, eine große Strömung haben, wo man so selbstverständlich auf sein Fleisch setzt. Das ist nämlich das Fleisch: Wir machen das, wir leben doch ganz gut, wir sind doch gar nicht so schlecht.
Und die Leute zittern gar nicht mehr vor dem heiligen Gott, und sie spüren gar nicht, wie ihr tägliches Leben voll ist von Versäumnissen. Vor Jahren war einmal Paul Deitenbeck beim Abschluss der Allianzgebetswochen da und hat ein Wort gesagt, das ich immer wieder auch erwähne. Er sagte: Keine halbe Stunde in meinem Leben, wo ich nicht gegen Gott sündige. Die Nüchternheit behalten.
Das ist eigentlich entmutigend. So haben die jungen Leute auch gesagt: Sie nehmen uns doch den Mut. Im Gegenteil, ich nehme euch nicht den Mut. Ich sage gerade: Dennoch können wir vor Gott Großes wirken, weil wir einen vergebenden Herrn haben und weil ich mich auf Jesus verlasse. Ich rede doch, und ich rede als ein fehlbarer Mensch, und sie werden auch von mir viel, viel Falsches sagen: Da hat er mich nicht gegrüßt, und da war er gedankenabwesend, dass er so hektisch an mir vorbeigerannt ist und nie Zeit für mich hat.
Und trotzdem darf ich ein Bote des Heilands für Sie sein, mit allen menschlichen Schwächen. Das ist doch wunderbar, weil der Herr meine Schuld zudeckt und weil ich mit seiner Kraft rechne und nicht mit meiner Kraft.
Und deshalb war es bei den Galatern so schwierig. Sie haben es versucht, mit menschlichen Regeln zu lösen, und da hat Paulus gesagt: Lasst doch die Regeln weg. Und er hat sich geweigert, achten Sie mal darauf, er hat sich geweigert, den Galatern neue Regeln zu geben. Er hätte doch ganz einfach sagen können: Ein Christ macht das, Punkt 73 und Punkt 74 und Punkt 75 abc. Er hätte doch ein ganzes Register machen können, und er hat das nicht wollen, weil er sagte: Leb du mit Christus.
Wir kommen nachher noch ans fünfte Kapitel, wo er sagt: Seid zur Freiheit berufen. Der eine wird vom Herrn so geführt und der andere anders, da gibt es eine Vielfalt der Lebensführungen mit Christus. Paulus hat auch den Galatern nichts mitgegeben an großen Regeln, sondern hat sie herausgeholt aus ihrem System von Vorschriften und hat gesagt: So nicht, o ihr unverständigen Galater.
Was haben sie nicht verstanden? Sie haben nie verstanden, wer Jesus Christus ist. Das haben sie doch begriffen, damals, als sie sich bekehrt haben und zum Glauben gekommen sind? Nein, sagt er. Ich habe euch Jesus vor die Augen gemalt, den Gekreuzigten, und das Bild dürft ihr nie vergessen: der für meine Sünde in den Tod ging.
Und das war nicht bloß damals, als ich mich bekehrt habe, sondern das bleibt. Und ich betone das so oft für Sie, weil das ist der springende Punkt, das ist überhaupt der Punkt, wo Sie nur Frieden mit Gott kriegen. Das bleibt bis zur Todesstunde der einzige Grund ihrer Hoffnung und ihres Heils: Er hat mich erlöst, er trägt meine Sünde.
Ich bin überzeugt, wenn wir wirklich Zeit haben, etwa am Lebensende, uns auf unser Heimgehen vorzubereiten, wir auch daran denken, dass wir vor dem heiligen Gott stehen. Da mag manches aufwachen, was wir früher gar nicht wussten. Es wird immer nur der Trost sein: Alles hat er mir erlassen. Und es ist unverdiente Gnade, dass ich in den Himmel eingehen darf. Ich habe es nicht mit einem Stückchen meinem Gehorsam zu verdanken, meiner Treue, meiner Hingabe.

Christus als Maßstab für Leben und Dienst

Ich denke, wir schulden dieses Wort unseren Zeitgenossen, die alle so sicher sind. Und viele dieser Leute, die mir das auch immer so sagen, sagen dann: „Wissen Sie, ich möchte ein rechter Mensch sein.“ Dann sage ich immer wieder: Aber ich bin kein richtiger. Was meinen Sie da? Wissen Sie, ich leide täglich an meinen Fehlern. Da versuchen die Leute mich auf einmal zu trösten. Ich brauche keinen Trost.
Aber ich bin froh, dass ich mich nicht hineinmanövrieren muss in eine große Lüge. Und das ist etwas Herrliches, wenn ein Ehepaar miteinander auf die Knie gehen kann und sagen kann: Wir sind beide unwürdige Leute und leben davon, dass der Herr uns angenommen hat, und darum gehen wir miteinander unseren Weg. Und dass wir auch so mit den Kindern leben und mit den anderen und auch in der Gemeinde. Dass es gar keine besondere Sache ist, zu sagen: Wir sind alle sündige Menschen und bleiben auch Menschen, die diesem vergänglichen Leben unterworfen sind. Aber der Herr hat uns gerufen.
O, ihr unverständlicher Galater! Das, was im Römerbrief kommt, das gilt auch hier im Galaterbrief. Christus ist für meine Sünden gestorben, das ist die Mitte des Glaubens.
Und jetzt ist es merkwürdig: Gerade die Leute, die das so stark betonen, ihre Sünde, das sind ja Leute gewesen, die am meisten für den Herrn gewirkt haben. Er hat sie auch nicht untätig gemacht, im Gegenteil: Die Leute sind über ihre Person weit hinausgewachsen. Wie hat Martin Luther das betont, dass an uns nichts Gutes ist, und wie viel Licht hat er bringen dürfen ins finstere Mittelalter. Setzen Sie es einmal fort: die Erweckungsprediger, Ludwig Hofacker, die ganzen Missionsboten, die hinausgegangen sind in die Welt.
Ich möchte hier einmal einschieben, dass es heute ganz schwierig ist, wenn wir etwa mit unseren jungen Ideologen sprechen. Die verstehen das wirklich nicht mehr. Wir hatten ja, als unser Dienst Christliche Fachkräfte International gegründet wurde, im Bundestag eine Anfrage der Partei der Grünen, die sich darüber aufgeregt hat, dass dieser Dienst gefördert wird. Und sie hatten vorgeworfen, dass da Mission gefördert wird durch die Bundesregierung, wenn sie da einen Zuschuss geben. Sie geben ja nur einen Zuschuss. Aber sie haben sich dann an einem Wort unseres Prospektes aufgeregt. Da werden demütige Leute gesucht, und sie sagten, junge Menschen müssten wir heute zum Stolz und zur Sicherheit erziehen.
Und das ist ja auch oft so, wenn man sagt, wir sollten selbstsicher sein und trau dir etwas zu. Ja, ja, wir wissen auch, dass das oft natürlich in der Vergangenheit auch verkehrt war, wenn da Menschen bloß immer wieder sagten: Ich bin doch ein Sünder. Aber wo das richtig gepredigt wird, dass wir sündige Menschen sind, da wird ja gerade das andere mit dazu gepredigt. Aber Christus ist für uns auferweckt, und nun will die Kraft des auferstandenen Jesus in uns wirksam werden. Und darum müssen das Leute sein, die der Kraft Jesu etwas zutrauen.
Ich war am Sonntag ganz fasziniert, wie unsere schüchterne Hanna Rose Bauer mit einer Sicherheit da vorne steht. Ich habe mehr Lampenfieber im Gottesdienst als sie. Der Herr macht seine Leute stark im Dienst, die ihm vertrauen. Ich kannte doch diese Konfirmanden, und wie schüchtern die war. Der Herr macht seine Leute stark und gibt ihnen Selbstvertrauen, aber nicht, indem sie sich das einreden müssen und morgens vor dem Spiegel stehen und sagen: Oh, bin ich schön, oh, bin ich gut. Oh, bin ich lieb. Sondern dass ich meine Fehler ganz offen sehen darf. Ich darf auch meine Schwächen sehen, aber sagen: Der Herr bekennt sich zu mir, der Herr steht mir bei. Es ist eine ganz gefährliche Bezauberung, wenn ich mir selber das zutraue.

Gesetz, Geist und die Frucht eines befreiten Lebens

Und Paulus fasst das an dem Wort vom Gesetz. Gesetz, das ist für uns ja immer Gesetz, da meinen wir Polizei und Verkehrsregeln und so. Sie müssen das mal vergessen. Wenn der Paulus von Gesetz redet, hat er einen ganz anderen Sinn im Auge. Dann meint er, das war ein Weg, auf dem man sich den Himmel erkämpfen kann.
Denn das jüdische Gesetz war ja weniger ein Verkehrsregelgesetz oder ein Gesetz für die öffentliche Ordnung. Das war es auch noch nebenbei, aber im Eigentlichen war es ein Heilsweg: Wenn man das befolgt, dann wird man einmal selig werden.
Und Paulus sagt: Wer da auf sein Fleisch vertraut, wer da vertraut: Das mache ich, das mache ich, der geht unter.
Ich frage mich ja heute immer wieder, wo kommt das heute auf uns zu. Aber achten Sie mal darauf, wie häufig das auch immer wieder bei uns ist, dass wir meinen: Jetzt, weil ich so fromm bin und weil ich so christlich bin und weil ich so lieb bin, kann ich mein Leben selber gestalten.
Was mein Leben verändert, ist allein, ganz, ganz allein Jesus Christus vor die Augen gemalt. Und ich kann es Ihnen sagen: In jeder Lebenskrise, wo Sie unter dem Kreuz Jesu Halt machen und wieder neu die Vergebung Jesu empfangen, da geschieht Veränderung. Es kann ja nach einem Beichtgespräch sein oder nach einer Abendmahlsfeier, wo man es wieder so richtig zugesprochen bekommt: vergeben und vergessen. Nach einer Freizeit, wie man mit einer neuen Freude auch in schwierige Aufgaben hineingeht und den Herrn Sieg erlebt, gerade weil er doch der ist, der die Dinge für uns löst.
Ich kann nur, dass so unter Jesus leben. Ich bin heute in der Tat sehr in Sorge, wenn auch immer wieder in neuen Bewegungen, und achten Sie bitte selber drauf: In neuen Bewegungen wird gesagt, das ist schon wichtig mit Jesus, aber das ist nur ein Thema. Jetzt gibt es auch andere Themen, jetzt kommt unsere Lebensgestaltung dran.
Paulus wollte nichts anderes predigen als Jesus, den Gekreuzigten. Das ist die Mitte des Glaubens, und das ist auch die Motivation meines Tuns. Wenn ich lebe, lebe ich aus dieser Freude der empfangenen Vergebung. Und das erfüllt mich, dass ich mein Leben als Dienst wieder verströmen kann. Das macht mich frei von meiner Ich-Bezogenheit, das gibt mir Kraft, auch in schwierigen Situationen auszuhalten. Auch wenn alles vergeblich aussieht, will ich dabeibleiben, weil der Gekreuzigte mich treibt. Und das ist die Mitte. Das ist die Mitte.
Und das war das Thema, wenn Sie mal die Hofacker-Erweckungspredigten lesen. Sie sagen: Mag die Sprache heute ein wenig anders sein, aber wir wollen uns darauf behaften, dass es auch in unseren Hauskreisen und in unseren Predigten und Bibelstunden immer um Jesus geht. Denn der Gekreuzigte ist dort der Neuanfang. Auch in meinen Lebenskrisen ist dort die Lösung da, auch auf meinen Leidenswegen, die ich gehen muss, auch bei meinen Ängsten und Anfechtungen: Dort kriege ich Antwort.

Der Glaube, der den Geist empfängt

Oh, ihr unverständigen Galater, jetzt versteht ihr, warum man so redet. Ihr habt es nie begriffen. Ihr habt alles so aufgenommen, dass ihr es nachsprechen könnt, aber begriffen habt ihr es nie. Ich habe euch Jesus Christus vor die Augen gemalt, und zwar als den Gekreuzigten, nicht als den triumphierenden Christus.
Ach, da gehen bei uns solche schlimmen Worte um. Da hört man zum Beispiel immer wieder, und man sagt dann: In den Kirchen Westeuropas ist immer der Karfreitag der wichtigste Tag, in den Ostkirchen ist Ostern der wichtigste Tag. Dort ist Christus als der Triumphator mehr im Mittelpunkt. Wir müssen auch von den orthodoxen Kirchen lernen. Das ist doch schön, wir freuen uns da auch an Ostern. Es ist bei uns auch ein großer Festtag. Aber ich freue mich an Ostern, weil Jesus auferstanden ist, der meine Sünden getragen hat. Das ist genau der Knüller daran: Als der Gekreuzigte ist er auferstanden, und darum hat er den Sieg errungen. Sonst nützt es mir gar nichts. Er hat mein Leben getragen.
Und darum sind all die Sprüche, die man so erzählt, eben doch nicht richtig, weil der Gekreuzigte der Mittelpunkt meines Lebens sein muss. Er ist die Quelle meines Tuns. Das treibt mich an. Das lässt mich fröhlich dienen, auch wenn alles vergeblich erscheint, in die Fußstapfen Jesu zu treten.
Und jetzt sagt Paulus in Vers 2: Jetzt verstehen Sie. Jetzt gehen wir die Verse noch einmal genau durch, genau das, was ich versucht habe, Ihnen zu erklären. Wie habt ihr den Heiligen Geist empfangen? Haben Sie den Heiligen Geist? Das muss doch klar sein. Es ist so komisch, dass immer wieder beobachtet wird: Es wird nicht bei uns darüber gepredigt. Ich habe Ihnen die schönen Büchlein von Fritz Grünsberg immer empfohlen, ausgezeichnet über den Heiligen Geist. Haben Sie den Heiligen Geist? Natürlich, wenn Sie Jesus Ihren Herrn nennen können, kann das nur durch den Heiligen Geist geschehen.
Wie kriegt man den Heiligen Geist? Indem man darum bittet. Matthäus 7,7-11, einfach beten. Lukas 11, da steht es vom Heiligen Geist: bittet. Ja, da steht es, Lukas 11, auch 7-11, um den Heiligen Geist beten. Wie habt ihr den Heiligen Geist bekommen? Indem ihr durch Gesetzestreue euer Heil gewirkt habt? Jetzt ist wieder das Gesetz da. Habt ihr selber, indem ihr das und das und das und das erfüllt habt? Nein, ihr habt ihn einfach gratis bekommen, einfach geschenkt, weil ihr darum gebeten habt. So kriegt man ihn.
Warum wollt ihr jetzt im Fleisch weitermachen? Paulus geht in der Tat davon aus, dass die Kraft des Geistes Gottes in unserem Leben wirksam ist. Wenn Paulus vom Geist Gottes redet, macht er überhaupt keinen Unterschied. Genauso könnte er sagen: Jesus wohnt in unserem Leben. Ist Ihnen das klar? Warum? Weil der Herr der Geist ist. Es ist eine ganz alberne Sache, wenn heute Christen auf einmal anfangen zu sagen: Du hast mir nicht vom Geist erzählt, Christus wohnt in mir, der Geist wohnt in mir. Das ist dasselbe. Er selber wohnt durch seinen Geist in mir. Und das sagt er: Das ist die Kraft. Das kriege ich nur gratis, und nicht, wenn ich dies und dies und dies gemacht habe. Nicht, wenn ich einmal anständig lebe. Nicht, wenn ich treu bin. Nicht, wenn ich hingebungsvoll bin.
Ja, natürlich muss man immer wieder beim Paulus Ja sagen. Mach das nicht, verruchte Leute, so haben die Reformatoren in dem Katechismus gefragt. Mach das nicht, verruchte Leute, dass einer sagt: Also gut, man vergebe. Und da ist ja keine Bedingung dran. Ja, kann es nicht sein, dass es einer missbraucht? Der Missbrauch hebt den rechten Gebrauch nicht auf, haben die Reformatoren gesagt. Der Missbrauch hebt den rechten Gebrauch nicht auf.
Ja, warum tut denn einer den Gehorsam? Im Heidelberger Katechismus findet man das Schönste, was wir heute sagen: ein Konfirmandenbüchlein. Da ist es überschrieben mit dem Gehorsam, da heißt es bloß: von der Dankbarkeit. Warum leben wir das? Ich sage es Ihnen ja auch immer ganz eindeutig und sage: Das Befolgen des Gesetzes tun wir ja nicht, weil wir es müssen, sondern weil es das Schönste ist. Sagen Sie, gibt es etwas Schöneres, als Treue zu leben, Wahrheit zu leben, Liebe zu üben? Haben Sie schon mal gemerkt, wie schön es ist, anderen Freude machen zu können?
Das ist ja unser Irrtum. Erst wenn wir mit Gott wieder klar sind, merken wir: Da ist uns die Fülle des Lebens offenbar. Das ist doch gar kein Zwang, zu dem ich mich nötigen muss. Darum hat Paulus so abgelehnt, den Christen irgendwie ein Register von Vorschriften zu geben. Leb du mit Jesus und ergreife die Gnade, die dir geschenkt ist, und dann entlässt er die Leute in die Freiheit.
Ich wundere mich ja, wie Paulus Gemeinden gegründet hat. Er war oft nur ein halbes Jahr da oder in manchen Gemeinden noch kürzer und hat sie sich selber überlassen. Und er hat gesagt: Wenn ihr Jesus lieb habt, werdet ihr den Weg finden. Bleibt beim Wort, ermahnt euch selbst, und passt auf, der Teufel will euch alle durcheinanderbringen. Er hat sie nur dort belassen.
Einer aus ihren Reihen hat mir mal so nett erzählt, wie er zum Glauben kam und von den ersten Schritten des Glaubens geführt wurde, dass der Mensch, der ihm damals zum Glauben half, in kürzester Zeit gesagt hat: Jetzt will ich nicht mehr, dass wir uns treffen. Sie müssen jetzt ihren eigenen Weg gehen, und Sie werden Gläubige finden, Sie werden das Wort finden, und Sie werden den Weg gehen. Ganz wunderbar. Gerade nicht an Menschen binden.
Und Sie müssen sich auch immer wieder prüfen, ob das hier bloß Menschenbindung ist. Ich hoffe nicht, dass Sie hier zur Bibelstunde kommen wegen mir oder wegen irgendjemand anders, sondern dass wir um des Wortes willen kommen und sagen: Wo ich das Wort höre, ist meine Heimat. In welcher Kirche und Konfession auch immer, es geht mir um Christus allein, den Gekreuzigten. Diese Mitte, alles andere abgedeckt.
Habt ihr den Geist empfangen durch das Gesetz der Werke, durch euer Tun? Nein, so habt ihr ihn nicht bekommen, sondern gratis wurde er gegeben durch die Predigt vom Glauben. Der Glaube ist ja dieses Schauen auf Jesus, das Vertrauen und das Gehorchen, dass ich das anerkenne, seinen Urteilsspruch vom Kreuz.
Wollt ihr es nun im Fleisch empfangen, was ihr im Geist angefangen habt, was ihr im Glauben angefangen habt? Habt ihr es dann vergeblich empfangen?

Die Kraft des Glaubens in Gemeinde und Gesellschaft

Und wir müssen einfach sehen: Die Gesetzlichkeit, die heute so häufig auch in christlichen Gemeinden anzutreffen ist, ist vom Teufel, und sie ist die Zerstörung der Gemeinde.
Dazu gehört auch, und das will ich mal ganz aktuell sagen, die viele Predigt, die wir heute haben, etwa von den politischen Christen, wo man Sonntag für Sonntag sagt: Wir müssen jetzt in der Aktion mitmachen, in der Friedensbewegung. Also, das ist immer bloß, was der Mensch tut. Und was einem Menschen gepredigt werden muss, ist, was Christus für uns tut.
Da werden viele unserer Mitchristen sagen: Das macht uns doppelt, ihr tut ja da euch bloß mit irgendwas Internem beschäftigen. Nein, davon gehen die großen Kraftwirkungen in die Welt hinein aus, wenn Christus in unserem Leben Raum gewinnt. Das ist erstaunlich, wenn man das in der Missionsgeschichte sieht: In dem Augenblick, wo die Leute plötzlich Jesus angenommen haben, hört die Korruption auf, und in zerstrittenen Dörfern zieht der Friede ein. Auf einmal beginnt ein anderes Familienleben, und ein Volk wird von innen heraus genährt.
Und wir werden sicher heute schon spüren können, was unser Volk verloren hat. Mein Bruder sagt immer: durch den gesunkenen geistlichen Grundwasserspiegel in unserem Volk, wo die ganz normalen Tugenden einfach gefallen sind, was so früher ganz selbstverständlich war. Wir werden uns sicher nicht wundern, wenn wir auch in einiger Zeit immer mehr hören, dass auch das Vertrauen in die Behörden und in die politischen Führer usw. schwindet, so wie man es früher bei den Königshäusern dann hatte, dass die Frommen, die gläubigen Leute sagten: Man kann bloß noch beten für den Herzog. Und für die Regierenden, die einfach nichts mehr hatten von dem, was Gott in Verantwortung ihnen hineingelegt hat.
Das Volk hat es dann in Württemberg oft gerade im Gegensatz demonstrativ gelebt, in einer urdemokratischen Bewegung: Wir wollen gott-ergeben sein, wenn die anderen schon so liederlich sind. Aber dann wollen wir wenigstens treu sein. Das sind Früchte der Erweckung gewesen, weil Christus ihnen vor die Augen gemalt war, die Leute einen Maßstab hatten, was Sünde ist. Und das weiß man heute nimmer, man weiß nimmer, was Sünde ist.
Manchmal ist das ja verrückt, aber es lohnt sich deshalb schon, sich manchmal auch wieder kritisch mit der Zeit auseinanderzusetzen. Aber es geht um unser Herz. Und das sagen wir jetzt nicht immer zum Fenster raus und klagen die Gesellschaft an. Aber deshalb ist es falsch, den Christen zu sagen, das und das und das müsst er auch noch tun. Und das muss man den jungen Menschen nur sagen: Die müssen einmal die Liebe Jesu erfahren und die Kraft, die erst dort entsteht, wo Menschen frei werden vom Sündigen, herauskommen aus der Obrigkeit der Finsternis. Das ist der erste Schritt. Ich muss heraustreten aus dem Bösen, hinein in sein Licht.
Ich habe heute Abend eigentlich fünf Punkte mir aufgeschrieben gehabt, und ich habe gedacht, da gehen wir die fünf Punkte entlang. Aber jetzt hat der Herr mich so geführt, ich hoffe, dass es Ihnen auch deutlich wurde: Ich habe es auf den einen Punkt konzentriert.
Vers 5 noch mal: Der euch nun den Geist darreicht und tut solche Taten, und euch tut das durch das Gesetzeswerk und durch die Predigt vom Glauben. Das ist doch merkwürdig. Das war dem Paulus wichtig: Glaube an Jesus, so wirst du und dein Haus selig. Das ist immer das Schönste beim Kerkermeister, bei dem Gefängnisdirektor in Philippi. Wie der nach dem Erdbeben zum Glauben kam, hat Paulus ihn nur gefragt oder ihm gesagt: Du musst an Jesus glauben, und dann wird dein ganzes Haus selig.
Also dann färbt das auf deinen Beruf ab und auf deine Familie, ohne dass er ihm zuerst ein Eheseminar gehalten hat. Das ist merkwürdig. Da werden Menschen vom Geist Gottes richtig geführt, und wir müssen auch heute bei den vielen Problemstellungen unseres Lebens aufpassen, dass wir nicht den Problemen aufsitzen. Denn je mehr man sich mit den Problemen beschäftigt, muss man sagen, hat es auch schwierig.
Wenn ich heute mit einem Menschen, mit einem Gesetzesübertreter, zusammen bin, muss ich immer sagen: Wenn ich die ganze Lebensgeschichte höre, dann verstehe ich eigentlich jeden Missgriff. Ich habe ja selber ein schwaches Herz. Nur Gott setzt klare Linien, und da habe ich wieder die Hilfe, wenn ich von der Mitte herkomme und weiß, er will mein Leben neu machen. Er hat im Leben damals der Jünger, die zu ihm gekommen waren, schon so viel gewirkt. Er will das auch heute bei uns tun.

Abraham als Beispiel des Vertrauens

Nun zeigt das Paulus noch am Beispiel von Abraham. Wie war das denn mit Abraham? Es ist ihm ganz wichtig, und er sagt: Abraham hat auch nicht die Gesetzesvorschriften treu eingehalten. Er hat Gott vertraut und Gott gehorcht. Das ist immer die Umschreibung von Glauben: Vertrauen und Gehorchen.
Hat denn bei Abraham keine Rolle gespielt, wie oft er die Hände wäscht und wie er das hält? Ihr selber! Im Judentum hat er gesagt: Ihr selber! Er war doch Pharisäer. Er sagt: Das ist nicht die Mitte. Und darum ist es nicht die Mitte, wenn heute wieder einer kommt und sagt: Ihr müsst Sabbat halten, ihr müsst die Blutwurst essen, ihr müsst diesen und jenen Vorschriften folgen. Das ist nicht die Mitte der Schrift.
Die Mitte der Schrift heißt: Glaube du an den Herrn Jesus. Und er hat geglaubt, und das wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. Das ist auch so eine schwierige biblische Sprache. Man kann sie nicht besser übersetzen, weil man sonst den meisten Inhalt aufgibt. Es heißt: Gott hat das so angesehen, dass Abraham in Ordnung war mit Gott, und dann war es gut.
Gottvertrauen, und er hatte den Himmel offen. Nimm du Jesus an, und dein Leben ist im Licht. Und ich brauche täglich diesen Blick. Und immer wieder müssen wir uns dabei behaften, weil wir uns auch den Blick so verzaubern lassen.
Und wenn Sie heute Abend hergekommen sind, dann ist es toll, dass Sie wieder aus Ihrer Arbeitshülle heraus den Blick haben: Jesus, der Gekreuzigte, der mich trägt, der mich führt, der mich lieb hat, der mich nicht loslässt. Und ich darf heute Abend abladen vor ihm und frei werden und neu werden.

Die Gebote, der Geist und die Frucht des neuen Lebens

Vers neun: So werden nun die, die aus dem Glauben sind, gesegnet mit dem gläubigen Abraham.
Und nun sagt er, das Gesetz ist ein Fluch. So harte Worte stehen in der Bibel drin. Ja, das ist der Grund, warum wir hier nicht mehr die vielen Vorschriften betonen. Ein Missverständnis möchte ich wehren, da werden wir immer wieder daraufkommen, auch in den nächsten Bibelstunden.
Es ist nicht so, dass die Gebote Gottes für uns keine Bedeutung mehr hätten. Welche Bedeutung haben für uns die Gebote? Dass sie uns sagen, was wir tun müssen? Es ist doch nicht so, in Wirklichkeit, dass einer sagt: Das hätte ich gestern fast meine Oma umgebracht, um noch einmal das schöne Beispiel zu nehmen. Aber wenn man gerade noch erinnert: Das fünfte Gebot darf es doch nicht machen, sonst wird es gerad gemacht. Also es wäre ja auch komisch, wenn die Gebote einen hier ... Sondern was haben die Gebote für einen Sinn?
Genauso wie es der Martin Luther ausgelegt hat: dass sie uns überführen und uns einen Spiegel vors Gesicht halten. Was heißt: Du sollst kein Falschzeugnis reden? Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserem Nächsten nicht fälschlich belügen, verraten, nachreden oder bösen Leumund machen. Da steckt schon so viel dran. Sondern wir sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren, so wie Jesus in der Bergpredigt die Gebote ausgelegt hat. Da wird man überführt.
Die Gebote haben einen zweiten Gebrauch, haben die Reformatoren immer so klar gesagt, fürs Rathaus, für die bürgerliche Gesellschaft. Das ist doch der Rahmen des Gesetzbuches. Ganz klar: Wenn ein Volk nicht mehr die Ordnungen Gottes bewahrt, dann kommt ein Volk um. Die verstehen vom überführenden Gesetz nichts, aber ein Volk kommt um, wenn sie die Gebote Gottes nicht machen.
Für uns Christen hat es viel tiefere Bedeutung, wie in der Bergpredigt die Unreinheit des Herzens schon aufzudecken. Aber wenn es um unser Tun geht, da muss ich mir nicht mehr überlegen: Was verlangt jetzt das Gebot von mir? Da ist das Gebot viel zu schwach. Der Helmut Thiele hat mal gesagt: Das ist wie bei der Autostrasse, wo es draußen die Barken hat. Wenn man die überfährt, dann fällt man die Böschung runter. Das ist bloß die äußerste Markierung, dass man falsch ist.
Der Geist Gottes, der mich treibt, Christus, der mich führen muss. Ich muss sagen: Jesus zeigt mir morgen, wie ich reden soll, leg mir die Worte in den Mund. Das Beten mitten im Geschäft: Herr, gib mir Gedanken, gib mir deine Weisheit. Wie der Salomo gebetet hat: Gib mir ein gehorsames Herz. Und dann wird Liebe, Freude, Friede, Geduld in mir sein als Frucht seines Geistes. Das ist das Tun, und das schulde ich nicht aus einem Gesetzbuch, das ich unterm Arm herumtrage.
Darum ist das immer ein gequältes Christsein. Ich darf unproblematisch leben, in der Freude mit Jesus. Und darum sagt Paulus: Christus, er hat uns erlöst vom Fluch des Gesetzes. Ich darf ein fröhlicher Christ sein und ein Christ, der trotzdem in den Ordnungen Gottes bleibt, aber der das tut von innen heraus, aus einer Freude, aus einem großen Bejahen.
Jetzt zittere ich immer am Schluss, ob ich es halbdeutlich machen kann, wenigstens ein Stück weit. Wie gut, dass wir einfach weitermachen am Galaterbrief. Und wir merken: Das kommt dann immer mehr zusammen, und man darf immer mehr das lernen und verstehen.