Der Retter 1/3
26.10.2010
Serie•Teil 8 / 10Wie ist Gott?
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Generierte Mitschrift
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Die biblische Linie der Rettung
Jesaja 12,2: Siehe, Gott ist mein Heil, Gott ist mein Heil. Da stellt sich Jesaja hin und sagt: Wenn ich über Rettung nachdenke, dann fällt mir nicht ein, was ich im Kopf habe. Dann fällt mir nicht ein, was ich an guten Kontakten habe. Dann fällt mir nicht mein Bankkonto ein. Wenn ich über Rettung nachdenke, dann ist Gott meine Rettung.
2. Mose 15,2: Meine Stärke und mein Loblied ist Jahwe, das ist der Eigenname Gottes im Alten Testament, denn er ist mir zur Rettung geworden. Wieder derselbe: Er ist mir Rettung geworden.
Psalm 68,20: Gepriesen sei der Herr Tag für Tag, er trägt für uns Last. Gott ist unsere Rettung.
Und ein letzter Vers, ganz bekannt: Psalm 27,1. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?
So, ich habe euch jetzt zugeschüttet, ja, ich möchte das nicht oft machen, aber es war mir einfach mal wichtig. Wir schauen in die Bibel hinein und wir suchen ein Synonym für Rettung. Wer oder was kann retten? Da steht genau einer, und Gott sagt: Ich bin das, durch und durch.
Dieser Tenor, dass Gott Rettung ist, dass bei Gott Rettung ist, der zieht sich jetzt durch die ganze Bibel. Wenn wir über das Thema Gott der Retter sprechen, dann muss es uns einfach klar sein, dass wir hier quasi die Hauptbetonung von Gott haben. Die Schreiber der Bibel konnten kaum an Gott denken, ohne an das Thema Rettung zu denken.
Im Psalm 18,47 heißt es: Der Herr lebt, gepriesen sei mein Fels und erhoben der Gott meines Heils.
Der Name Jesu und die Not des Menschen
Und wenn wir ins Neue Testament hineinkommen, dann wird Gott, und zwar das ewige Wort Gottes, Fleisch. Und Gott steht da, und das ist jetzt ein bisschen menschlich gedacht, ja, aber Gott steht da und unterhält sich so, Gott der Vater mit Gott dem Sohn: Wie wollen wir das Kind denn nennen? Wie möchtest du denn heißen, wenn du auf die Erde kommst? Ja, wie wäre es mit Jesus? Jesus klingt doch gut, oder? Ja, klar, Jesus klingt gut.
Jesus kommt vom Hebräischen Joshua, und Joshua setzt sich zusammen aus der Vorsilbe jo oder ja. Das ist Yahweh, Gott, und hinten dran ist dann Jascha. Das Hebräische heißt retten. Joshua heißt also: Gott rettet. Und Jesus heißt genau das Gleiche: Gott rettet.
Aha, Matthäus 1,21. Und sie wird einen Sohn gebären. Da wird gerade Joseph aufgeklärt, der hatte da so ein bisschen Verständnisproblem am Anfang, erinnert euch. Und sie wird einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen. Ja, warum könnte der wohl Jesus heißen? Männer brauchen immer noch ein bisschen Erklärung, ja, insofern gibt es die, denn er wird sein Volk erretten von seinen Sünden.
Merkt ihr was? Gott wird Mensch, und der Name, den er sich gibt, heißt: Gott rettet. Ja, warum denn? Ganz einfach, weil der Mensch seit dem Sündenfall rettungsbedürftig ist. Und deswegen braucht der Mensch einen Immanuel, einen Gott mit uns, einen Gott, der sich auf unsere Seite stellt und der sagt: Ich weiß, wie es dir geht. Ich weiß, dass du hineingeworfen bist in eine Welt, die du überhaupt nicht durchschaust.
Rettung als umfassendes Bedürfnis
Du bist entweder mit mir zusammen unterwegs, oder du hast mindestens vier fette Probleme in deinem Leben.
Erstens: Du weißt nicht, was kommt. Du bist dem Schicksal einfach unterworfen, du hast keinen blassen Schimmer. Aber wenn du mit mir bist, und das haben wir besprochen bei dem Thema „Gott regiert“, dann stehe ich auf deiner Seite. Und egal, was kommt, du kannst wissen: Ich lasse dich nie los, und ich gehe mit dir durch diese verrückte Zeit.
Zweitens: Nicht nur das Schicksal ist gegen dich. Du wirst mit der Schuld deiner Sünde nicht fertig. Du brauchst mich. Du brauchst mich, der an deine Seite tritt und am Kreuz dafür bezahlt, der dich aus diesen Abhängigkeiten herausholt, der nicht nur bezahlt, sondern dir auch Kraft gibt.
Und es ist das Dritte: der ewiges Leben gibt, der dieses Leben von der Kraftlosigkeit befreit, mit der du verzweifelt selbst versuchst, glücklich zu werden, und es doch nicht schaffst, weil du immer wieder gegen dieselbe Wand läufst, immer wieder gegen dieses: Ich weiß eigentlich, was richtig wäre, und ich schaffe es nicht.
Und viertens: Du hast keine Chance gegen den Tod.
Entweder steht der Immanuel auf meiner Seite und er rettet mich. Vor dem blinden Schicksal, vor der Schuld und der Macht der Sünde, vor einem Leben der Sinnlosigkeit, vor dem Tod. Oder ich bin ganz allein.
Und das Thema Rettung zieht sich deshalb durch, weil wir so elendig rettungsbedürftig sind. Und deswegen rettet Gott den Menschen auch nicht nur ein bisschen, sondern ganz nach Körper, Seele und Geist.
Die Rettung reicht weiter als der Mensch
Es geht sogar noch weiter: Gott rettet nicht nur uns, sondern er sagt: Na ja, ihr braucht ja auch irgendwo einen Ort, wo ihr wohnen könnt. Ich rette am besten den ganzen Kosmos mit.
Deswegen heißt es in Römer 8,22: Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt. Da muss etwas ganz Neues kommen. Was wir brauchen, ist nicht nur eine Rettung des Menschen, wir brauchen einen neuen Himmel, eine neue Erde, in der Gerechtigkeit wohnt.
Also, was auch immer ihr von Gott denkt, was auch immer euch wichtig ist im Blick auf Gott, eines müsst ihr verstehen: Er ist Retter. Er ist das unerschütterliche Fundament der Bibel, oft als der Fels bezeichnet, das unerschütterliche Fundament, auf dem unser Leben ruhen muss.
Und ich sehe eine Gefahr. Ich sehe auch unter Geschwistern folgende Gefahr: Die Gefahr könnte so aussehen: Ich glaube daran, dass Gott uns durch den Glauben rettet von unserer Schuld, weil ich merke, da komme ich nicht mehr ran, das Problem kriege ich nicht alleine gelöst. Und Gott wird der, der für meine Schuld bezahlt am Kreuz, der mir ewiges Leben anbietet und irgendwie sicherstellt, dass ich die Ewigkeit mit ihm verbringe.
Ich lasse mich also von Gott retten, von der Schuld meiner Sünde, weil ich keine Ahnung habe, was ich da auch sonst machen sollte. Und ich bin dankbar dafür. Aber mehr oder weniger bewusst glauben wir, dass auf dem Weg Richtung Himmel die anderen Probleme, die so kommen könnten, dass die so ein bisschen geteilt werden, also die gehen so fifty fifty drauf oder vielleicht sogar achtzig zwanzig. Irgendwie muss ich die selber lösen.
Gebet als Ausdruck von Abhängigkeit
Und es geht mir gar nicht so sehr um die Frage, was wir da theoretisch glauben, sondern darum, wie unser Leben aussieht. Ich habe mir ganz bewusst erlaubt, so viele Stellen zum Thema „Gott ist Rettung“ zu nehmen, auch so viele Stellen, die gar nichts damit zu tun haben, dass Gott nicht von der Sünde rettet. Die ganzen AT-Stellen waren fast alles Stellen, die von mehr oder weniger greifbaren Problemen wie Krieg, Hungersnot, Krankheit und Ähnlichem gesprochen haben.
Was ich glaube, ist, dass Christen in der Gefahr stehen, zu denken: Gott hat mich von der Sünde gerettet, aber bis ich ihm begegne, muss ich mit den restlichen Problemen selber fertig werden; da muss ich mich irgendwie selbst retten. Und wir richten uns auf ein Leben ein, das versucht, diesen Unwägbarkeiten irgendwie zu begegnen.
Jetzt wirst du sagen: Warum glaubst du das? Ich glaube, Folgendes zu sehen. Ich glaube, dass es wenige Generationen von Christen gab, die weniger gebetet haben als wir. Das Problem ist aber, dass mein Gebetsleben sehr deutlich zeigt, von wem ich mir Rettung erhoffe. Die Bibel sagt: Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch aufgetan werden. Matthäus 7,7. Da scheint die Norm zu sein.
Ich weiß mich hineingeworfen in eine Welt, die vom Bösen gekennzeichnet ist und vom Bösen beherrscht wird.
Die Wirklichkeit einer bedrohten Welt
Ich weiß, ich bin quasi wie, na ja, kennt ihr diese Horrorfilme, in denen jemand ins Meer springt, weil er ein bisschen schwimmen geht, hochkommt und feststellt, dass er blöderweise vergessen hat, bei seiner Yacht außen noch eine Leiter herunterzulassen? Und jetzt weiß er: Hier ist niemand, absolut niemand, der mich retten kann.
Das ist die Situation des Menschen. Ich bin allein. Diese Welt meint es nicht gut mit mir. Es mag ja sein, dass es noch ein bisschen dauert, bis du die erste Schwanzflosse siehst, von irgendeinem Hai, der auf dich zukommt und sagt: Dich hole ich mir zum Frühstück. Aber soll ich dir etwas sagen? Du lebst in einer Welt, in der es Haie gibt. Und dass du sie noch nicht gesehen hast, heißt nicht, dass sie nicht existieren.
Irgendwann kommt der Hai. Irgendwann kommt die Situation, in der es ein Sturm ist, in der es irgendetwas ist, Kraftlosigkeit, der Krampf in der Wade. Irgendwann kommt der Punkt, an dem du sagst: Mann, das geht nicht. Stimmt, du lebst in einer Welt, in die du eigentlich nicht hineingehörst, die so bösartig und kaputt ist, wie du dir das nur irgendwie vorstellen kannst.
Und natürlich glauben wir im Westen, und ich habe jetzt die Ostler mal zu den Westlern gerechnet, also ich meine das so ein bisschen geopolitisch, ja, also wir Abendländer: Schule läuft, Sozialwesen läuft, Krankenversorgung läuft. Wir haben ja sogar unsere Spareinlagen gerettet, vor zwei Jahren, oder war es letztes Jahr? Ich weiß schon gar nicht mehr, wann die große Bankenkrise auch schon wieder vorbei war. Wir sind wieder im Wirtschaftswachstum. Uh, alles ist doch gut, oder? Wer kann uns denn etwas anhaben? Diese Welt, ja, diese Welt vom Bösen gekennzeichnet? Quatsch.
Ich komme nach Hause, mache den Kühlschrank auf, und ich kann heute Abend entscheiden, ob ich noch ein bisschen Salami essen möchte und noch ein bisschen Käse. Hm, das ist die Realität. Wo ist denn da eine vom Bösen gekennzeichnete Welt? Und wenn ich morgen Schnupfen habe, dann nehme ich mir irgendein Tablettchen, und dann geht das schon wieder. Wo ist denn das Böse in dieser Welt?
Persönliche Fürbitte und die Weite des Rettungshandelns
Und vor diesem Hintergrund, weil wir das nicht mehr realisieren, fangen wir an, uns unsere eigenen kleinen Sicherungssysteme aufzubauen. Ich glaube, dass das so ist, weil ich manchmal Folgendes erlebe. Ich traue mich, euch das noch einmal zu sagen:
Ich habe angefangen, irgendwann einmal eine ewig lange Liste von Fürbitteanliegen für meine Familie zusammenzustellen. Ich habe die Bibel durchgeschaut und mich gefragt: Wofür kann ich für meine Familie beten? Und ich war dann ein bisschen erstaunt, als ich da acht Seiten Anliegen hatte. Acht Seiten Anliegen.
Also habe ich mir gedacht: Na ja, was möchte ich? Glaube ich daran, dass meine Familie Rettung braucht? Glaube ich das? Glaube ich daran, dass ich, wenn ich bete, den Kurs meiner Kinder nicht allumfassend, aber doch irgendwie beeinflussen kann? Glaube ich daran, dass meine Kinder Rettung brauchen? Dann musste ich mir sagen: Ja, das glaube ich.
Dann habe ich angefangen, diese acht Seiten für meine Familie durchzubeten, und hatte mir gedacht: Was für eine komische Idee. Dann stellte ich fest: Und ihr könnt das auch. Ich habe euch das hingeschrieben. Bei frogwords.de/fürbitte findet ihr die acht Seiten, und ihr findet sogar noch zwei Seiten Gebetsanliegen nur für Familien. Vielleicht stelle ich die für Deutschland auch mal irgendwann ein, weil ich irgendwann angefangen habe, Listen zu schreiben: Wofür möchte ich eigentlich beten?
Glaube ich, dass unsere Welt ein Problem hat mit der Integration von Migranten? Ja, das haben wir ganz gewaltig, sage ich euch. Glaubt ihr, dass Gott uns retten kann? Und womöglich uns retten muss? Ja, ich denke auch. Denn die Politik stellt sich im Moment nicht unbedingt so dar, als hätten wir schon alle Antworten auf die Frage, wie man es richtig macht.
Betest du dafür? Denn nur wenn du es tust, glaubst du, dass Gott der Retter ist. Solange wir sagen: Ja, Gott müsste mal, haben wir noch gar nichts gemacht. In dem Moment, wo wir anfangen, dafür zu beten, glauben wir, dass Gott retten kann.
Das Gebet der Bibel und die Erfahrung von Gefahr
Und wie gesagt, mein Eindruck ist der, wir haben einen sehr engen Fokus. Unser Fokus geht dahin: Herr, rette xy von seiner Schuld. Aber die Bibel stellt Gott als einen Retter vor, und zwar ganz breit.
Ich kann euch nur raten, diese Welt so zu sehen, wie sie ist: als eine von Bösen gezeichnete und beherrschte Welt, in die wir hineingeworfen sind. Wie derjenige, der mit seiner Yacht rausfährt und sich plötzlich auf dem offenen Meer allein wiederfindet und nicht weiß, wie er gerettet werden kann. Das ist unsere Situation.
Und wenn die Bibel sagt, betet – und das steht am Ende vom Vater Unser – erlöse uns von dem Bösen, dann gibt es eben nicht nur eine Sorte von Bösem, sondern eine ganze Palette. Ich kann euch nur dringend raten: Wenn ihr das ernst nehmt, dass Gott Retter ist, und wenn ihr nicht nur sagt: Danke, Herr, dass du für meine Sünden am Kreuz gestorben bist – das ist auch wichtig –, dann ist es eben auch wichtig, wenn du glaubst, dass Gott Retter ist in allen Belangen deines Lebens. Dann fang an zu beten.
Ich habe übrigens alle Psalmisten auf meiner Seite. Das ist argumentativ gar nicht so schlecht. Ich kann dir 150 Psalmen bringen, und ich würde wahrscheinlich in 120 Psalmen definitiv zeigen können, dass derjenige, der da betet, glaubt, dass Gott ein Retter ist, der ihm helfen kann.
Ein Leben, das sich retten lässt
Gut, und ich habe noch so ein paar Kandidaten im Petto. Also, ich habe noch ein oder zwei Joker. Wenn du sagst: Du spinnst mit dem, was du sagst, dann gebe ich dir noch ein paar Namen, die alle ein und dasselbe gemeinsam haben.
In den entscheidenden Situationen, und viel früher noch, triffst du sie bei einer ganz simplen, aber höchst effektiven Art zu reden an: Sie beten. Ob bei Nachtwachen – ja, das haben wir jetzt vielleicht nicht mehr, Nachtwachen. Wir müssen nicht mehr irgendeine Stadt bewachen –, aber irgendwie beten diese Typen in der Bibel.
Und wisst ihr warum? Weil sie begriffen haben, dass du und ich, dass wir einen Retter brauchen. Und zwar für alle Belange unseres Lebens, für alle. Wenn du glaubst, du kommst sicher von A nach B, weil du so schlau bist und schon so ein guter Fahrer und so viel hunderttausend Kilometer schon gefahren bist und dein Auto gerade durch die Inspektion durch ist und du den Weg in- und auswendig kennst und dein Navi auch noch an ist, vergiss es: Du brauchst einen Retter.
Und je früher wir uns darauf einlassen, dass Gott Retter ist und uns retten will, umso besser. Ich glaube, erst wenn wir diese tiefe Rettungsbedürftigkeit erfassen, werden wir das tun, was in der Bibel bezeichnet wird als: „betet alle Zeit“.
Geh durch diese Welt und erfahre diese Welt als eine Umgebung, die es einfach nicht gut mit dir meint. Und lass dich retten. Lass dich retten von bösen Gedanken, lass dich retten von bösen Worten, lass dich retten. Lass dich von einer Selbstverständlichkeit retten, von Groll, lass dich retten von einem falschen Anspruchsdenken. Lass dich davon retten, dass du Gott nicht verstehst oder dass du deine Berufung nicht lebst oder dass du ein schlechtes Vorbild bist für jemanden.
Ey, es gibt so viel, wo du daneben treten kannst. Lass dich retten! Fang einfach mal an, darüber nachzudenken, wie rettungsbedürftig du bist, und du wirst aus dem Staunen nicht herauskommen. Und dann setz dich hin und fang dafür an zu beten.
Wie gesagt, ich glaube, dass Christen dazu neigen, zu sagen: Schön, ich bin gerettet, der Himmel ist sicher, und alles, was hier auf der Erde ist, kriegen wir schon rum. Da werde ich mich einfach ein bisschen anstrengen, meine Ärmel hochkrempeln, schauen, was so gute preußische Tugend ist. Wir sind ja nicht faul, wir checken ja, wie es geht, und dann geht es durch.
Du wirst nichts erreichen.
Der Übergang zur Dreieinigkeit
Gut, soviel zum Thema Gott ist Retter, einfach nur so als Einstieg. Warum ich glaube, dass es ein sehr wichtiges Thema ist, möchte ich noch ein zweites Thema mit euch heute durchgehen. Das zweite Thema heißt Dreieinigkeit.
Kann man sich die Frage stellen, warum an dieser Stelle Dreieinigkeit? Ich habe es an der Stelle reingenommen, weil im Werk der Rettung, insbesondere in dem Werk, das mit der Erlösung des Menschen von der Schuld der Sünde zu tun hat, am deutlichsten wird, dass Gott ein dreieiniger Gott ist.
Im Alten Testament ist die Dreieinigkeit so ein bisschen, naja. Ich werde euch nachher ein bisschen was zeigen, wo man sagt: Hm, ist schon irgendwie komisch. Und die jüdischen Mystiker haben auch von einem Geheimnis der drei gesprochen. Da ist irgendwie noch ein bisschen mehr. Aber im Neuen Testament wird völlig klar: In dem Moment, in dem es darum geht, wie die Erlösung des Menschen funktioniert, da gibt es plötzlich drei, die unterschiedliche Aufgaben haben.
Und wenn wir alles, was wir über diese drei, über Gott den Vater, Gott den Sohn und Gott den Heiligen Geist wissen, irgendwie zusammenpacken, kommen wir zu einem Konzept der Dreieinigkeit. Manchmal hört man, dass Dreieinigkeit etwas ist, was es auch in anderen Religionen gibt. Dem möchte ich widersprechen.
Warum das Wort nicht alles entscheidet
Es gibt in anderen Religionen Dreiheiten, die man irgendwie zusammen nennt. Bei den Ägyptern gibt es zum Beispiel Osiris, Isis und Horus. Sie bilden so ein Dreigestirn. Das findet man relativ oft.
Das kann man auch bei den Sumerern, im Hinduismus oder bei den Griechen finden. Dort gibt es irgendwie drei Götter, die im Besonderen zusammengehören. Aber das ist noch lange nicht Dreieinigkeit. Das ist nur eine Dreiheit von unterschiedlichen Göttern, die ein bisschen enger zusammengehören.
Jürgen, das Wort Dreieinigkeit kommt nicht in der Bibel vor. Ist das nicht ein Grund, nicht daran zu glauben?
Hm, das stimmt. Das Wort Dreieinigkeit kommt nicht in der Bibel vor. Wusstest du, dass das Wort Oxidation nicht in der Bibel vorkommt? Ich kann dir sagen: Du kannst überall nachschauen, das Wort Oxidation kommt nicht in der Bibel vor. Aber das Konzept von Oxidation kommt in der Bibel vor. Es heißt nämlich Feuer. Bei Feuer verbrennt nämlich etwas. Und das nennen wir heute Oxidation.
Genau so ist es auch mit der Dreieinigkeit. Das Wort Dreieinigkeit kommt nicht in der Bibel vor, richtig. Aber das Konzept der Dreieinigkeit, das kommt in der Bibel vor. Und das möchte ich euch zeigen.
Die Gottheit Jesu
Und ich möchte euch dadurch zeigen, dass ich erst einmal anfange, darüber nachzudenken: Woher weiß ich, dass Jesus Gott ist? Woher weiß ich, dass der Heilige Geist Gott ist? Wenn Gott der Vater Gott ist, lasse ich das einfach mal außen vor. Ich glaube, das glauben immer alle. Denn wenn ich den nicht mehr habe, dann wird es ganz, ganz schwierig.
Also ich kenne niemanden, der glaubt, dass Jesus Gott ist, aber der Vater nicht. Aber es gibt eine ganze Reihe von Strömungen, gerade unter den Sekten, die sagen, Jesus ist nicht Gott. Deswegen fange ich mal damit an, die Göttlichkeit von Jesus und vom Heiligen Geist kurz aufzuzeigen.
Wenn man das Neue Testament liest, dann wird Jesus wie bezeichnet? Welche Titel hat er? Es sind zwei Titel, oder eigentlich drei, die ganz besonders herausstechen. Das eine ist: Er wird Herr genannt, Herr Jesus, Jesus ist Herr. Das Wort Herr im Neuen Testament, Kyrios, ist in der griechischen Bibel sowohl die Übersetzung für den Namen Gottes, Jahwe, als auch die übliche Bezeichnung für heidnische Götter. Das heißt: Wenn man sagt, Jesus ist Herr, sagt man so viel wie: Jesus ist Gott.
In Römer 10,9 heißt es, dass, wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst. Es gehört zum Zentrum des christlichen Glaubens, dass wir Jesus Herr nennen, Gott nennen.
Eine andere Bezeichnung, die in die völlig gleiche Richtung geht, ist der Begriff Sohn Gottes.
Zeugnisse aus dem Neuen Testament
Wenn man ins Neue Testament schaut, wird man feststellen, dass Jesus sich als Sohn Gottes präsentiert. Und immer, wenn er das tut, was machen die anderen? Die gehen die Wände hoch und sagen: Das kannst du nicht bringen, Freund, das geht gar nicht.
Im Johannesevangelium, Kapitel 10, haben wir so eine Gruppe von Leuten, die die Wände hochgeht. In Vers 33 heißt es: Die Juden antworteten ihm: Wegen eines guten Werkes steinigen wir dich nicht, sondern wegen Lästerung, und weil du, der du ein Mensch bist, dich selbst zu Gott machst.
In Vers 36 sagt Jesus: Sagt ihr von dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat: Du lästerst, weil ich sagte: Ich bin Gottes Sohn? Jesus sagt von sich: Ich bin Gottes Sohn. Sie verstehen genau, dass er sich selbst zu Gott macht. Und das ist ihr Hauptvorwurf.
Sie ziehen den Gedanken noch weiter. In Johannes 19,7 stehen wir dann schon vor Pilatus. Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muss er sterben, weil er sich selbst zu Gottes Sohn gemacht hat.
Jesus sagt: Ich bin Gottes Sohn, und die Leute haben das genau richtig verstanden, was er damit sagen will: Ich bin Gott. Er trägt den Titel Gott, er nennt sich Gott, er wird wohl Gott sein.
Jesu göttliche Werke und seine Vollmacht
Wenn wir ins Neue Testament schauen und uns ansehen, welche Funktionen Jesus übertragen werden, dann ist er zum Beispiel der Schöpfer. Schlagen wir dazu einmal den Kolosserbrief auf, Kapitel 1. In Kolosser 1,16 heißt es über den Herrn Jesus: Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare. Und dann weiter hinten: Alles ist durch ihn und für ihn geschaffen. Simpel, oder? Er ist der Schöpfer.
Und damit wir das auch richtig verstehen, schreibt er dann in Vers 17: Und er ist vor allem, und alles besteht durch ihn. Also schafft er nicht nur aus dem Nichts, sondern er sorgt in jedem Moment dafür, dass Zeit Zeit ist und dass das, was aus dem Nichts erschaffen wurde, nicht wieder ins Nichts zurückfällt. Das ist Jesus.
Eine andere Eigenschaft, und ich kann jetzt wirklich nur stichpunktartig zeigen, warum wir glauben, dass Jesus tatsächlich Gott ist, ist die folgende: Er kann Sünden vergeben. Markus 2,10. Dort heißt es: Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen – und an der Stelle nur so viel: Auch dieser Titel Sohn des Menschen wird manchmal so gedeutet, dass der Herr Jesus Mensch war, im Gegensatz zum Sohn Gottes, also Gott. Das ist Quatsch. Der Titel Sohn des Menschen stammt aus Daniel 7. Dort wird eine himmlische Figur beschrieben, die ewige Herrschaft bekommt. Es ist einer der höchsten Titel, die es im Neuen Testament und auch im Alten Testament überhaupt zu verleihen gilt, und Jesus bezieht ihn auf sich – damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben, spricht er zu dem Gelähmten: Steh auf, geh umher.
Jesus macht klar: Ich kann Sünden vergeben. Und für die Leute ist völlig klar: Sünden vergeben kann, wie es in Markus 2,7 heißt, nur einer – Gott!
Der wahrhaftige Gott und die Anbetung des Lammes
Also Jesus ist der, der Sünden vergibt. Er wird als Schöpfer bezeichnet. Er wird als der bezeichnet, der alles erhält, und er wird sogar als Gott selbst bezeichnet.
Ich gebe euch meine Lieblingsstelle, wenn ich mit Leuten im Gespräch bin. Es ist exegetisch die stärkste Stelle, die wir haben: 1. Johannes 5,20.
Ich muss heute noch schmunzeln, wenn ich daran denke. Ich habe mir irgendwann einmal die Mühe gemacht nachzuschauen, wie die Zeugen Jehovas mit dieser Stelle umgehen. Die Zeugen Jehovas sind eine Gruppe, die Jesus seine Gottheit abspricht. Sie sagen, er sei ein Engel, zwar der alleroberste Engel, aber eben nur ein Engel. Und ich habe mir angeschaut, wie sie mit 1. Johannes 5,20 umgehen, und ich kann nur schmunzeln.
1. Johannes 5,20:
Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns Verständnis gegeben hat, damit wir den Wahrhaftigen, sprich Gott, erkennen. Und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Und jetzt wird über Jesus gesagt: Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben.
Wenn du eine Stelle brauchst, und ich weiß nicht, wie viele ich euch aufgeschrieben habe, ich hoffe, ich habe euch mindestens fünf Stück aufgeschrieben: Das ist die beste. Exegetisch absolut sauber. Dieser bezieht sich rückbezüglich auf die nächste Person, die im Satz steht: Jesus Christus. Und über diesen Jesus Christus wird gesagt: Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. Wahnsinn!
Und dann gibt es Leute, die das abstreiten. Sie sind manchmal ein bisschen erschrocken, wenn man dann so durch die Kirchengeschichte geht und so Fragen beantworten muss: Wie kann es denn sein, dass Leute das nicht geglaubt haben? Die Bibel ist eigentlich relativ eindeutig.
Einheit von Vater und Sohn
Sie ist eindeutig: Jesus tut göttliche Werke, wird Gott genannt und ist auch dem Vater gleich. Es gibt Dinge, bei denen er sagen kann: Ich und der Vater, wir teilen dieselbe Essenz. So wie meine Tochter und ich beide Menschen sind, so sind Gott der Vater und Gott der Sohn beide Gott.
Es geht so weit, dass wir in die Offenbarung hineinschauen können. Dort wird vom Thron Gottes erzählt. Johannes sieht den Thron, und wer sitzt auf dem Thron? Genau: Der Vater und das Lamm sitzen beide auf dem Thron. Ich könnte euch eine ganze Reihe von Beispielen bringen.
Was mich einmal sehr fasziniert hat: In Offenbarung 1,8 stellt Gott sich als das Alpha und das Omega vor. Dann gehe ich ans Ende der Offenbarung, zu Offenbarung 22,13. Dort sagt Jesus über sich genau dasselbe: Ich bin das Alpha und das Omega.
Jesus ist tatsächlich Gott. Und deswegen darf es uns auch nicht verwundern, wenn Jesus angebetet wird. Am Ende des Johannesevangeliums geht Thomas auf die Knie und sagt zu Jesus: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagt nicht: Huch, das darf man nicht machen, ich bin doch nur ein Mensch. Nein, das ist schon richtig, ja, völlig okay.
Anbetung im Himmel
Und Offenbarung 5, auch wieder ein Blick in den Himmel, auch ein Blick auf den Thron Gottes, auf dem das Lamm sitzt. Und da heißt es: Schlagen wir das mal auf. Johannes, Herr Quatsch, Offenbarung, Kapitel 5. Es ist so schön, das so zu lesen: Offenbarung 5, ab Vers 11 bis Vers 14.
Und ich sah und hörte die Stimme vieler Engel rings um den Thron her und um die lebendigen Wesen und um die Ältesten. Und ihre Zahl war ganz, ganz viele. Mit lauter Stimme sprachen sie: Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist, zu empfangen die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Lobpreis.
Und jedes Geschöpf, das im Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meer ist, und alles, was in ihnen ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm den Lobpreis und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit.
Und die vier lebendigen Wesen sprachen: Amen. Und die Ältesten fielen nieder und beteten an.
Wir haben es tatsächlich bei Jesus mit Gott zu tun.
Hinweise auf die Dreieinigkeit im Alten Testament
Wer ist Jachwe im Alten Testament? Ist es Jesus, Gott der Vater oder Gott der Sohn? Ich weiß es nicht. Beides ist wahrscheinlich das Richtige, denn ich kann euch sagen, dass dort, wo wir im Neuen Testament Zitate finden, insbesondere im Blick auf Johannes den Täufer, Johannes der Täufer einer ist, der Verheißungen aus dem Alten Testament erfüllt. Zum Beispiel, dass er vor Gott hergeht und den Weg bereitet.
Das steht im Alten Testament bei Jachwe, und im Neuen Testament steht Herr. Und wir wissen: Der Jachwe des Alten Testaments, dem der Weg bereitet wird, ist Jesus im Neuen Testament. Und so könnte man noch eine ganze Reihe von Beispielen bringen, die alles eins unterstreichen: Jesus ist tatsächlich Gott.
Und ich wünsche euch, dass ihr euch da nicht ins Boxhorn jagen lasst, wenn tatsächlich mal jemand vor der Tür steht und sagt: Da gibt es aber irgendwie ein paar komische Stellen. Mag sein. Ich will hier vorne nicht stehen und sagen, die Bibel ist ganz einfach. Aber was ich an diesem Punkt sagen möchte, ist: Dass Jesus Gott ist, daran brauchen wir nicht zu rütteln lassen.
Der Heilige Geist als Person und Gott
Ist der Heilige Geist denn auch Gott, oder ist er nur eine Kraft? Die Frage ist etwas schwerer zu beantworten, weil über den Heiligen Geist weniger in der Bibel steht.
Was wir aber mitbekommen, ist, dass er eine Person ist. In Johannes 14,16 sagt der Herr Jesus über den Heiligen Geist: „Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand oder Fürsprecher schicken.“ Der Heilige Geist wird in der Bibel durchweg als Person beschrieben, als jemand, der Dinge tut, die typisch für eine Person sind. Er kann zum Beispiel denken, er kann sprechen, er kann lehren, und er hat Gefühle. Das geht so weit, dass man ihn betrüben kann, wie es in Epheser 4,30 heißt. Man kann ihn belügen, man kann ihn versuchen, man kann ihn lästern, man kann ihn schmähen, man kann all die hässlichen Dinge mit ihm machen. Er ist eine Person.
Und weil er eine Person ist, steht jetzt die Frage im Raum: Ist er Gott?
Ich gebe euch einfach nur meine beste Stelle. Die beste Stelle stammt aus der Apostelgeschichte. Es ist eine der Stellen, in denen der Heilige Geist belogen wird: Apostelgeschichte 5, die Geschichte von Hananias und Saphira. Es ist die Geschichte mit dem Geld für das Feld, das man dann abgibt, aber nicht ganz abgibt, und so weiter.
Apostelgeschichte 5,3: „Petrus aber sprach: Hananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belogen und von dem Kaufpreis des Feldes beiseite geschafft hast?“
Aha, er hat den Heiligen Geist belogen. Das ist relativ schwer, wenn der Geist nur eine Kraft wäre. Aber dann heißt es in Vers 4: „Blieb es nicht dein, wenn es unverkauft bliebe? Und war es nicht, nachdem es verkauft war, in deiner Verfügung? Warum hast du dir diese Tat in deinem Herzen vorgenommen? Nicht Menschen hast du belogen, sondern Gott.“
Ich möchte zeigen, dass der Heilige Geist Gott ist. In Vers 3 wird der Heilige Geist belogen, und in Vers 4 sagt Petrus, dass der, der belogen wurde, Gott ist, nämlich der Heilige Geist.
Die biblische Formel von Einheit und Dreiheit
Und wir können jetzt darauf aufbauen. Wenn das stimmt, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist alle Gott sind, dann finden wir die drei auch zusammen an bestimmten Stellen in der Bibel.
Und natürlich, ja, da wird euch sofort eine Stelle einfallen, die gleichzeitig Einheit und Dreiheit zusammenbringt. Eigentlich muss sie euch einfallen. Ich hoffe, dass ihr bei jeder Taufe wenigstens kurz daran denkt: Matthäus 28,19.
Da heißt es: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, indem ihr diese tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Ein Name, drei Personen. Aha.
Und jetzt gehen wir weiter. Wenn ihr das Neue Testament daraufhin durchlest, werdet ihr eine ganze Reihe solcher Stellen finden, in denen Vater, Sohn und Heiliger Geist zusammenstehen, oft noch mit unterschiedlichen Funktionen.
Noch eine Stelle: 2. Korinther 13,13. Und ihr könnt nach solchen Stellen suchen. Es gibt eine ganze Reihe. Da heißt es: Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Da stehen die drei wieder nebeneinander, weil sie auch zueinander gehören.
Das Alte Testament als dunkler Raum
Und wenn wir das im Neuen Testament verstehen, dann ist Gott irgendwie drei. Ich werde nachher noch kurz zeigen, dass er auch einer ist. Aber erst einmal drei.
Dann passiert Folgendes: Stellt euch vor, ihr habt ein Zimmer, und das ist nicht so aufgeräumt. In diesem Zimmer steht eine Kerze. Und die ist auch nicht sonderlich hell, eher so ein kleines Teelicht. Du schaust in das Zimmer hinein und kannst nur ganz undeutlich erkennen, was dort irgendwie ist. Das ist das Alte Testament.
Undeutlich bekommt man irgendwie mit: Der Gott, der im Alten Testament in Erscheinung tritt, muss irgendwie mehr sein als nur ein ganz simpler Monotheismus. Das fängt schon mit dem ersten Vers an. Da heißt es nämlich: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
Jetzt wirst du dir denken: Wo ist denn da ein Problem? Das Problem ist, dass an dieser Stelle eigentlich steht: Im Anfang schuf Götter Himmel und Erde. Denn das Wort für Gott heißt Elohim, und das ist ein Plural. Das heißt eigentlich Götter. Aber das dazugehörige Verb, das Tuwort heisst schuf, ist nur für die Einzahl.
Also: Ich habe Götter schuf. Und du denkst dir, das kann nicht wahr sein. Nicht der erste Vers in der Bibel kann gleich so kompliziert sein. Doch, so fängt die Bibel an. Am Anfang schuf Götter. Aber das geht doch irgendwie nicht, denn Götter schaffen doch. Und stimmt, das ist ein Problem.
Rätselhafte Stellen und messianische Hinweise
Und wenn ihr ein bisschen weiter lest, erinnert ihr euch an 1. Mose 1,26: Lasst uns Menschen machen! Und du denkst dir: Wer spricht denn da? Und du hoffst dann, dass die Engel ein bisschen mitmachen, aber das ist natürlich Quatsch, weil die Engel überhaupt nichts damit zu tun haben.
Und dann liest du ein bisschen weiter, kommst an 1. Mose 11 vorbei. Das ist die Sache mit dem Turmbau zu Babel. Und schau an: Da steht wieder: Lasst uns mal nach unten gehen und schauen. Gott ist so weit weg von diesem riesigen Turm, dass er das Ding gar nicht sehen kann. Gott hat Humor. Lasst uns da runterfahren. Wer ist denn das?
Und die Frage wird im Alten Testament nicht aufgelöst. Sie steht einfach im Raum. Es ist wie in einem dunklen Zimmer: Du ahnst, da ist etwas. Wie gesagt, die jüdischen Mystiker sprechen von dem Geheimnis der Drei, weil sie merken, da muss es mehr geben. Sie dringen nicht durch. Und als Reaktion auf das Christentum wandelt sich das Judentum zu einem strikten Monotheismus, aber es ist eine Reaktion.
Wir haben weiterhin im Alten Testament Verse wie: Lasst mich euch noch einen zeigen. Es ist der Vers, den Jesus nimmt, wo ihm die ganzen Fragerei von den Sadduzäern und von den, wer waren die anderen? Ich glaube, Pharisäer. Also ich glaube, Pharisäer und Sadduzäer ärgern Jesus da im Tempel und stellen ihm ständig solche Fragen. Und irgendwann ist ihm das zu viel. Und er sagt: Ihr, jetzt drehen wir das mal um, ich stelle euch mal eine Frage.
Und dann geht er in Psalm 110,1 rein. Psalm 110,1, einer von diesen ganz merkwürdigen alttestamentlichen Versen. Da steht: Spruch des Herrn für meinen Herrn. Ich weiß nicht, ob ihr jemals darüber gestolpert seid. Wenn nicht, ist es nicht dramatisch. Aber hier sagt David: Ich habe ein Verschen Spruch vom Herrn. Da steht der Eigenname Gottes, Yahweh, für meinen Herrn, Adonai. Da steht der andere Eigenname Gottes. Also David sagt: Ich habe einen Spruch von Gott für Gott. Und du denkst dir: Hä, das geht doch gar nicht. Stimmt, eigentlich geht das nicht, aber es steht da.
Das Licht des Neuen Testaments
Und Jesus kramt diesen Vers heraus und sagt: Sagt mal, wie geht das eigentlich? Und die Pharisäer sagen dann nichts mehr.
Solange ich davon ausgehe, dass wir von einem strikten Monotheismus ausgehen, gibt es keinen Spruch des Jachwe, Gott eins, zu Adonai, Gott zwei. Denn ich habe ja nur einen.
Aber wenn ich mitdenke, wenn es sein kann, dass Gott der Vater wirklich, wenn Gott der Sohn wieder in den Himmel eintritt, zu ihm das sagt, was dann kommt: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße gemacht habe, dann macht das plötzlich Sinn.
Aber ihr merkt: Im Alten Testament stehst du davor und sagst: Das kann doch gar nicht sein.
Und wenn du manchmal so die Idee hast: Ich lese die Bibel, und da gibt es Sachen, das geht doch gar nicht!, dann gönn dir das Fragezeichen am Rand. Du hast noch ein Leben lang Zeit, darüber nachzudenken. Die Bibel ist viel spannender, als du denkst. Man muss nur ganz genau lesen. Gönn dir so etwas.
Und dann ist es vielleicht auch nicht verwunderlich, dass in Jesaja 9 der Messias wie bezeichnet wird als Gott. Das ist ja komisch. Ich denke, der Messias ist jemand, der auf die Erde kommt, der uns retten kann. Wie war es denn das alles? Ja, wir wissen es nicht.
Und jetzt nehmen wir dieses alttestamentliche Zimmer mit der Funzelkerze, und jetzt kommt das Neue Testament und macht ein Licht an. So, und dann gehen die Deckenfluter an, fupp, und mit einem Mal diese Ah, ah, ah, ah, ist ja toll. Jetzt verstehe ich: Also ich habe hier einen Gott, und ich habe noch einen Gott, und ich habe noch einen Gott, und ich habe noch einen Gott, ah, und jetzt, und plötzlich, ah, irgendwie passt das Alte Testament jetzt.
Plötzlich habe ich eine Lösung für Psalm 110, Vers 1. Plötzlich verstehe ich, wie der Messias in Jesaja 9 als Gott bezeichnet werden kann. Plötzlich verstehe ich, wenn da steht Götter, aber Schuf. Ja, logisch, wie soll ich es denn anders ausdrücken? Ich muss mich ja bei Sprache entscheiden. Kann er nicht irgendwie beides gleichzeitig machen? Zumindest kenne ich keine Sprache, wo das geht.
Und plötzlich macht das alles Sinn.
Ein Gott in drei Personen
Und trotzdem: Jetzt müssen wir aufpassen. Jetzt habe ich die ganze Zeit darüber geredet, dass es drei sind. Trotzdem dürfen wir eines nicht vergessen: Es ist ein Gott, es ist genau einer. Es sind nicht drei. Wir sind keine Tritheisten oder Polytheisten. Wir haben nicht drei Götter, wir haben nur einen Gott.
2. Mose 20,2-3, bei den Zehn Geboten, das erste Gebot schon: Ich bin der Herr. Warum war es da oben? Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Ich bin einer und keine anderen neben mir.
Markus 12,32: Da steht die Frage im Raum, was das höchste Gebot ist. Jesus sagt, er zitiert aus dem jüdischen Glaubensbekenntnis: Du sollst Gott lieben. Und dann ist die Antwort von dem Schriftgelehrten, und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Recht, Lehrer, du hast nach der Wahrheit geredet, denn er ist einer. Und das wird nicht relativiert. Jesus sagt jetzt nicht: Haha, falsch, es gibt drei. Nein, Jesus sagt: Ja, stimmt, du hast Recht. Es gibt einen Gott und trotzdem drei Personen.
Grenzen des Verstehens und die Ordnung der Erlösung
Und lasst mich zum Schluss noch zwei Dinge tun: Ich möchte versuchen, das zusammenzubringen. Denn ich habe Angst, dass wir auf einer von zwei Seiten herunterfallen.
Weder dürfen wir formulieren, dass wir an drei Götter glauben, noch dürfen wir formulieren, und das gibt es auch in der Kirchengeschichte zuhauf, dass man sagt: Ich glaube an einen Gott, und dieser eine Gott hat drei, man nennt das Modi, drei Arten, sich zu zeigen. Manchmal wird sogar gesagt: Im Alten Testament zeigt sich Gott als der Vater, im Neuen Testament wird derselbe Gott dann zu Jesus, und dann im Zeitalter der Gemeinde zum Heiligen Geist, so als wäre das derselbe Gott, der in unterschiedlichen Formen zu unterschiedlichen Zeiten auftritt.
Das ist falsch, weil die drei Formen Gottes nebeneinander existieren. Denkt nur an die Taufe: Da ist der Sohn im Wasser, der Geist kommt wie eine Taube auf ihn, und der Vater im Himmel sagt: Dies ist mein geliebter Sohn. Alle drei existieren gleichzeitig und sind doch ein Gott.
Wie kriegt man das zusammen? Und fairerweise muss man sagen: umfassend, ganz vollständig, gar nicht. Das Geschöpf möchte sich über den Schöpfer Gedanken machen; wir werden ihn nicht verstehen. Und die Tatsache, dass wir ihn nicht verstehen, ist für mich ein ganz wesentlicher Beweis dafür, dass wir es in der Bibel mit dem lebendigen Schöpfergott zu tun haben, der unsere Denkrahmen, unsere Vorstellungswelt sprengt.
Es ist so, als wenn eine Playmobilfigur anfinge, aus ihrer begrenzten Erfahrung heraus Gedanken darüber zu machen, was im Kopf eines Kernphysikers vorgeht. Versteht ihr, das ist absurd! Da ist eine Seinsebene dazwischen. Das heißt: Ich muss, weil ich nach dem Ebenbild Gottes geschaffen bin, über Gott nachdenken. Aber ich werde bis zu einem bestimmten Punkt kommen, und dann wird es vorbei sein.
Die göttliche Natur und die unterschiedlichen Aufgaben
Und dieser Punkt ist erreicht, wenn ich Folgendes verstanden habe: Gott ist, das hatten wir ganz am Anfang, ungeschaffener Geist. Das ist gewissermaßen sein Wesen. Entschuldige dieses Wort, aber ich will ganz bewusst einmal keinen theologischen Fachbegriff verwenden. Das ist der Stoff, aus dem er ist: ungeschaffener Geist. Das macht seine Göttlichkeit aus. Und an diesem Gottsein nehmen Vater, Sohn und Heiliger Geist auf völlig identische Weise ganz Anteil.
Wenn es in 1. Korinther 5,3-12 heißt, über den Herrn Jesus, der in Gestalt Gottes war, dann bringt das griechische Wort Morphä, Gestalt oder Form, leider nicht das zum Ausdruck, was eigentlich gemeint ist. Denn Morphä bezeichnet die Summe aller Eigenschaften, die einer Sache ihre spezifische Charakteristik geben. Im umfassenden Sinn wird über den Sohn gesagt, und ich leite es einfach für den Heiligen Geist ab, dass er Gott ist. Alle Attribute, typisch göttliche Attribute, gelten für Gott den Vater, Gott den Sohn und Gott den Heiligen Geist.
Und trotzdem, gleichwertig daneben, merken wir, und wir merken es ganz stark bei dem Thema Erlösung, dass die Funktionalität der drei Personen unterschiedlich ist. Ein Beispiel: Der Vater sendet den Sohn. Der Sohn wird Mensch. Der Heilige Geist kommt an die Stelle des Sohnes, um in unserem Leben die Heiligung zu bewirken. Es ist nicht der Sohn, der die Heiligung bewirkt. Es ist nicht der Vater, der Mensch geworden ist. Und es ist nicht der Geist Gottes, der gesandt hat. Im Prozess der Erlösung des Menschen nehmen die unterschiedlichen Personen der göttlichen Dreieinigkeit unterschiedliche Funktionen ein und treten, weil sie unterschiedliche Funktionen haben, unterschiedlich mit Menschen in Kontakt und in Erscheinung.
Und trotzdem ist jede für sich ganz Gott, und zusammen sind sie ein Gott.
Gebet, Anbetung und persönliche Praxis
So weit kommen wir gedanklich. Und ich möchte nur, dass wir nicht entweder verkappte Polytheisten werden, die vergessen, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist ein Gott sind, oder dass wir so tun, als wären die Unterschiede zwischen Vater, Sohn und Heiliger Geist bedeutungslos.
Wir merken das unter anderem daran, wie im Neuen Testament angebetet wird. Es ist ganz interessant, dass fast ausschließlich der Vater von Menschen angebetet wird. Es gibt ein paar Stellen, ich habe euch Offenbarungen vorgelesen, es ist völlig in Ordnung, Jesus anzubeten. Aber wenn mich jemand fragt: Jürgen, darf man den Heiligen Geist anbeten?, sage ich: Na klar, du kannst ihn anbeten, er ist Gott. Aber hast du dir mal überlegt, ob er das will?
Wenn die Funktion des Heiligen Geistes darin bestehen würde, den Sohn zu verherrlichen, wenn das sein Job wäre und er sich das wünscht, was würde der Heilige Geist sich wünschen? Dass du ihn anbetest oder den Sohn?
Das sind so Gedanken, in die man überhaupt erst reinkommt, wenn man versucht, diese Dreieinigkeit, unterschiedliche Funktionen und einen Gott ein Stückchen zu durchdenken. Ich will euch da gar keine Vorschrift machen, mir ist das völlig egal, wie ihr es macht. Aber ich merke, dass man in dem Maße, wie man darüber nachdenkt, über Gott an dieser Stelle in seinem eigenen Gebetsleben Veränderungen vornimmt, sich entwickelt und vielleicht auch mehr darüber nachdenkt, wofür bete ich denn an welcher Stelle?
Also, ich will euch ganz ehrlich sagen: Wenn ich sündige, entschuldige ich mich beim Heiligen Geist. Das steht nicht in der Bibel, aber ich weiß, dass ich ihn betrübt habe, und es tut mir einfach schrecklich leid. Ist das richtig? Ich weiß nicht. Ich versuche einfach, so ein bisschen mit Gott zu leben. Ich weiß, dass der Heilige Geist nirgendwo in der Bibel angebetet wird. Aber ich habe an der Stelle persönlich so einen Eindruck. Mag jetzt jemand sagen, das darf man nicht. Aber ansonsten bete ich fast nur zum Vater oder zum Sohn.
Und ich merke, dass ich einfach über so etwas nachdenke und auch ein bisschen darüber nachdenke und schaue, was sich daraus ergibt.
Die geschichtliche Klärung des Bekenntnisses
Letzter Punkt: Wie ist das in der Kirchengeschichte gewesen? Man hört manchmal, die Dreieinigkeit sei eine sehr späte Erfindung der Kirche gewesen. Dazu möchte ich Folgendes sagen:
Am Anfang der Kirchengeschichte ist die Dreieinigkeit überhaupt kein Thema. Die Kirchenväter, also die, die am Anfang gelebt haben, übernehmen einfach die Sprache des Neuen Testaments. Sie stellen einfach den Sohn, den Vater und den Heiligen Geist nebeneinander. Das hört sich fast so an wie im Neuen Testament.
Später gibt es, wesentlich ausgelöst durch eine Sekte, die man Arianer nennt, die Frage, ob Gott der Sohn Gott dem Vater nur ähnlich ist oder gleich. Eigentlich finde ich es bewundernswert, dass man sich damals über zwei Jahrhunderte über so eine Frage noch den Kopf einschlagen konnte, weil heute würde das wahrscheinlich keinen mehr interessieren. Ich beneide die Leute darum. Aber es gab die Frage: Ist er ihm nur ähnlich, dann ist quasi Gott der Vater richtig Gott und Jesus ist irgendwie ein bisschen weniger als Gott? Oder ist er gleich?
Und die Frage wird im Jahr 325 entschieden, und zwar nicht autoritativ von oben nach unten, indem man gesagt hat: Das legen wir jetzt einfach mal fest, sondern man hat sich zurückbesonnen auf den biblischen Befund, den ich euch heute vorgestellt habe, wo relativ klar ist, dass der Sohn Gott ist. Das hat man im Konzil zu Nicaea 325 noch einmal aufgeschrieben.
Abschließend ist die Dreieinigkeit dann fixiert worden, ein paar Jahre später, 381, auf dem Konzil zu Konstantinopel, wo man dann dieses Glaubensbekenntnis, das nizänische Glaubensbekenntnis, ergänzt hat um einen Passus zum Heiligen Geist. Weil der vorher einfach kein Thema war. Man merkte dann: Da muss man den Sohn schon so sauber formulieren, man muss auch den Geist noch sauber formulieren. Und das hat man dann auch noch getan.
Also spätestens 381 nach Christus haben wir Glaubensbekenntnisse, die das sauber formulieren. Aber das ist keine neue Erfindung zu diesem Zeitpunkt, sondern das ist lediglich eine schriftliche Fixierung, der Versuch, mit den Mitteln der Sprache etwas eigentlich Unbeschreibliches, was sich in der Bibel einfach als Faktum präsentiert, zu fixieren: dass wir einen Gott haben, der sich in Form von Vater, Sohn und Heiligem Geist offenbart, mit den Mitteln der Sprache zu fixieren und ein für alle Mal so zu formulieren, wie es von Anfang an gedacht war.
Abschluss und Ausblick
So viel für heute. Beim nächsten Mal stehen Gerechtigkeit, Heiligkeit und Liebe Gottes als Themen im Mittelpunkt.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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