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Johannesevangelium 4,21-26 - Wahre Anbeter

Johannes 4,21-2601.11.2020
Serie•Teil 22 / 44Johannes-Evangelium
Gott sucht keine perfekten Rituale, sondern ehrliche Herzen. Wo du betest, ist zweitrangig – entscheidend ist, ob du ihm wirklich begegnest oder nur fromm wirkst.

Ein letzter Blick auf das Gespräch am Brunnen

Hallo, liebe Geschwister! Ein letztes Mal wollen wir miteinander das Gespräch der samaritischen Frau mit dem Herrn Jesus betrachten.
Die Frau hat ja für sich erkannt, dass Jesus ein Prophet ist. Und im Raum steht eine Bemerkung aus Johannes 4,20.
 Johannes 4,20Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, und ihr sagt, dass in Jerusalem der Ort sei, wo man anbeten müsse.
Also: Was wird ein jüdischer Prophet dazu sagen? Und die Antwort Jesu ist tatsächlich mehr als merkwürdig. Er sagt in Johannes 4,21:
 Johannes 4,21Jesus spricht zu ihr: Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
Ein komplexer Satz, fangen wir vorne an: Glaube mir, es kommt die Stunde. Wenn in der Bibel so formuliert wird, dann ist sehr oft keine reale Stunde gemeint. Die Formulierung „Es kommt die Stunde“ steht für eine Ausdrucksweise, die wir heute übersetzen würden mit: „Es kommt der Zeitpunkt.“
Und weil die Elberfelder Bibel versucht, immer sehr eng am Original zu bleiben, wirkt diese Stelle so ein bisschen hölzern. Fast alle anderen Bibeln übersetzen mit: „Glaube mir, es kommt die Zeit.“
Frage: Was für eine Zeit? Da ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet, das ist die Zeit.
Frage: Wer ist ihr? Die Samariter? Hm, die Samariter als Ganze wahrscheinlich nicht. Denn die Samariter gibt es heute noch. Etwa 800 Samariter leben ziemlich genau dort, wo das Gespräch stattfindet. Achthundert Samariter, das ist übrig geblieben von diesem Volk. Und wenn man diese Samariter heute fragen würde, wo soll man eigentlich anbeten, dann würden die ganz klar sagen: Na logisch, Garizim, auf diesem Berg.
So, jetzt sagt aber Jesus: Ihr werdet weder auf diesem Berg noch in Jerusalem anbeten. Wer ist ihr?
Und die Antwort muss wohl lauten: Mit ihr sind gläubige Samariter gemeint. Samariter, die ihren Glauben ernst nehmen, es mit Gott ernst meinen und sich dann zu Jesus als ihrem Messias bekehren. Es sind die Samariter, die wir unter anderem in Apostelgeschichte 8 kennenlernen werden.
 Apostelgeschichte 8 beginnt ganz dramatisch mit der Ermordung von Stephanus, einem Märtyrer. Und die Ermordung von Stephanus ist die Einleitung für die Verfolgung der Gemeinde in Jerusalem. Christen verlassen die Stadt, und dann heißt es in Apostelgeschichte 8,5-8:
Philippus aber ging hinab in eine Stadt Samarias und predigte ihnen den Christus. Die Volksmengen achteten einmütig auf das, was von Philippus geredet wurde, indem sie zuhörten und die Zeichen sahen, die er tat. Denn von vielen, die unreine Geister hatten, fuhren sie aus, mit lauter Stimme schreiend, und viele Gelähmte und Lahme wurden geheilt. Und es war große Freude in jener Stadt.
Samariter bekehren sich, das ist Apostelgeschichte 8.
Quizfrage: Wie nennt man Samariter, die sich bekehren? Sind das noch Samariter? Also, was die Religionszugehörigkeit angeht: nein. Bekehrte Samariter nennt man Jünger Jesu. Und etwas später in der Apostelgeschichte bekommen die Jünger Jesu einen eigenen Namen, man nennt die Jünger Jesu dann Christen.
Also: Bekehrte Samariter sind Christen.
Dasselbe gilt übrigens für bekehrte Buddhisten, bekehrte Moslems, bekehrte Agnostiker oder bekehrte Kommunisten. Es spielt überhaupt keine Rolle, woher ich komme. Mit meiner Bekehrung werde ich Teil einer ganz neuen Gemeinschaft, nämlich der Gemeinde Gottes. Ich werde Teil der weltweiten Kirche Christi. Und ich lasse mein altes Leben wirklich hinter mir.

Der Ort der Anbetung verliert seine Bedeutung

Was Jesus hier sagt, ist Folgendes: Die Frage, wo man anbeten soll, in Jerusalem oder auf dem Garizim, wird sich bald erledigen. Diese Vorstellung, dass man einen Tempel braucht, um anzubeten, dass es so etwas wie einen richtigen Ort dafür gibt, hat sich überlebt.
Dabei ist das eigentlich eine biblische Idee. Das ist nichts, was Menschen sich ausgedacht haben. Gott hatte dem Volk Israel ein Gebot gegeben, einen solchen Ort wie Jerusalem zu schaffen. 5. Mose 12,5: Ihr sollt die Stätte aufsuchen, die der Herr, euer Gott, aus all euren Stämmen erwählen wird, um seinen Namen dort niederzulegen, dass er dort wohne, und dahin sollst du kommen.
Es sollte also einen Ort geben, an den man hingeht, um anzubeten, und dieser Ort wurde dann Jerusalem. Aber diese Idee, dass es einen Ort gibt, zu dem man hingehen muss, um anzubeten, diese Idee, genauer gesagt der ganze alte Bund, hatte sich überlebt, stand kurz vor dem Aus. Neuer Wein muss tatsächlich in neue Schläuche.
Der neue Wein, die neue Religion, hat neue Regeln. Und eine Regel des Christentums ist: Es gibt einen neuen Tempel. Nur steht dieser Tempel nicht in Jerusalem oder auf dem Berg Garizim und auch nicht in Rom oder an irgendeinem anderen Ort. Der Tempel des neuen Bundes sind die Gläubigen selbst. Und zwar einzeln: Mein Leib ist Tempel des Heiligen Geistes. Und auch als Gesamtheit: Die Gemeinde ist das Haus, sprich der Tempel Gottes.
 Johannes 4,21: Jesus spricht zu ihr: Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
Das wird wirklich passieren, und zwar dann, wenn sich alle Samariter zu Jesus bekehren und Teil des neuen Bundes werden und ihre alte, irgendwie dem Judentum verwandte Religion hinter sich lassen.

Die Grenze zwischen wahrer und vermischter Religion

Allerdings müssen Samariter dazu eine bittere Pille schlucken, und die lesen wir in Vers 22: Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen, denn das Heil ist aus den Juden.
Es gibt einen Unterschied zwischen Juden und Samaritern, und den gilt es nicht zu verwischen. Die Samariter hatten sich in ihrer Religionsgeschichte tatsächlich etwas zu weit vom Original entfernt. Das glaubten sie natürlich nicht, aber es heißt schon ganz am Anfang, dort, wo die Samariter entstehen, über diese neue Religion. In 2. Könige 17 lesen wir das in Vers 33: So fürchteten sie, gemeint sind die Samariter, den Herrn und dienten zugleich ihren Göttern entsprechend dem Brauch der Nationen oder der Heiden, aus denen man sie gefangen weggeführt hatte.
Sie fürchteten den Gott Israels, aber sie hatten auch andere Götter. Jesus hat also Recht, wenn er sagt: Ihr betet an, was ihr nicht kennt. Merkt ihr das? Sie hatten sich aus Gottes Sicht zu weit vom Original entfernt.
Das ist übrigens auch der Grund dafür, dass in Apostelgeschichte 8, wo sich dann die Samariter bekehren, und das sind nicht wenige, die Samariter erst dann den Heiligen Geist bekommen, als die Apostel aus Jerusalem ihnen die Hände auflegen. Es war für Samariter ganz, ganz wichtig, anzuerkennen, was Jesus hier sagt: Das Heil ist aus den Juden.
Es ist ganz wichtig: Die Rettung der Welt für Juden, für Samariter, für Heiden kommt aus den Juden. Es ist ein jüdischer Messias, an den wir glauben müssen, wenn wir gerettet werden wollen.

Wahre Anbetung als geistliche Wirklichkeit

 Johannes 4,23: Es kommt aber die Stunde, und sie ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter.
Es kommt die Stunde, und sie ist jetzt. Die Juden und die Samariter zur Zeit Jesu leben in einer Übergangsphase. Der Messias ist schon da. Man kann schon an ihn glauben, man kann ihn schon erkennen, und er wird sich auch gleich zu erkennen geben. Und doch ist er noch nicht gekreuzigt, noch nicht auferstanden. Es ist ganz schwierig, diese Zeit, in der Jesus auf der Erde ist, heilsgeschichtlich sauber zu beschreiben.
Wichtig ist jedoch, dass wir eines verstehen: Es geht Gott nicht darum, wo man anbetet, sondern wie man anbetet. Gott will nicht einfach Anbeter, sondern er will wahre Anbeter. Man kann Gott auf zweierlei Weise anbeten: entweder in Geist und Wahrheit oder, und er steht jetzt nicht da, ich habe das einfach mal versucht, das Gegenteil zu formulieren, in Ritual und Heuchelei. Ja, Geist und Wahrheit und das Gegenteil Ritual und Heuchelei. Oder, um es platt zu sagen: Wo du betest, ist Gott weniger wichtig als die Frage, ob dein Geist, dein Innerstes, auf ihn ausgerichtet ist.
Was nutzt Gebet im Tempel, egal auf welchem Berg, wenn ich nur äußerlich dabei bin, aber innerlich gar keine Beziehung zu Gott habe? Äußerliche Anbetung ist Gott tatsächlich ein Gräuel. Und dasselbe gilt für Gebete, die vielleicht toll klingen, salbungsvoll und fromm, aber nicht ehrlich gemeint sind.
Der wesentliche Unterschied zwischen Religion und Christentum ist meines Erachtens, dass Gott bei uns auf das Herz schaut. Echt ist nur, was von Beziehung und Aufrichtigkeit getragen wird. Wo mein innerer Bezug zu Gott weg ist oder ich nur artig das Richtige sage, es aber gar nicht so meine, da ist Gott nicht mit einverstanden. Das will Gott nicht.
Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns beim Beten immer mal wieder selbst zuhören. Einfach mal zuhören: Was sage ich da eigentlich? Meine ich das noch, was ich sage? Gebet kann wirklich ganz schnell zum Ritual verkommen, zu einem Ritual ohne inneren Bezug, ohne die Gewissheit, ohne den Wunsch, Gott zu begegnen. Das geht ganz schnell. Aber es geht nicht anders: Ich muss Gott in Geist und Wahrheit anbeten.

Das Wesen Gottes und der Sinn der Erlösung

Hier in Johannes 4,24 heißt es: Gott ist Geist, und die, die ihn anbeten, müssen ihn in Geist und Wahrheit anbeten.
Gott ist unsichtbar, er ist Geist, und echte Anbetung kann deshalb gar nicht anders als in Geist und Wahrheit sein. Es muss so sein.
Wer sich noch an das Gespräch mit Nikodemus erinnert: Dort ging es um die Frage, wie man ins Reich Gottes hineinkommt, also wie ein Mensch gerettet wird und ewiges Leben bekommt. Die Antwort lautet: durch den Glauben an den Messias.
Hier im Gespräch mit der Samariterin geht es nicht um die Frage, wie man gerettet wird. Es geht vielmehr um die Frage: Wozu werde ich gerettet? Warum ist es wichtig, den Messias zu erkennen und an ihn zu glauben?
Einen Punkt haben wir schon: Gott möchte unseren Durst nach Leben stillen. Er tut das, indem er uns das Evangelium verkündigt. Er tut das, damit wir ewiges Leben finden. Und dieses echte Leben quillt dann auch ins ewige Leben hinein, wie es in Vers 14 heißt. Gott möchte uns Sicherheit, Hoffnung und Erfüllung geben.
Ein zweiter Grund ist: Gott will uns zu wahren Anbetern machen. Zu Anbetern, die eine geistliche Gemeinschaft mit Gott haben, frei von jeder Form von Sakramentalismus oder Scheinheiligkeit.
Wir brauchen keine Kirchen, wir brauchen keine vorformulierten Gebete, wir brauchen auch keine Würdenträger, kein Weihwasser, keinen Weihrauch und keine Liturgie. Wir brauchen das alles nicht, um Gott zu begegnen.
Wir brauchen nur eins, nämlich uns selbst. Und eine Kleinigkeit dazu: den Messias.

Das Bekenntnis der Frau und die Frage nach echter Nachfolge

Deswegen Johannes 4,25-26:
Die Frau spricht zu ihm: „Ich weiß, dass der Messias kommt, der Christus genannt wird. Wenn jener kommt, wird er uns alles verkündigen.“ Jesus spricht zu ihr: „Ich bin es, der mit dir redet.“
Ich werde manchmal von Leuten gefragt: Jürgen, woher weiß ich, dass ich ein echter Christ bin? Man kann viel dazu sagen. Unser Text wäre ein guter Anfang.
Punkt eins: Ich würde fragen: Ist Jesus wirklich dein Messias? Ruht dein Glaube einhundert Prozent auf dem, was er am Kreuz für dich getan hat?
Punkt zwei: Hast du durch den Glauben Ruhe, Hoffnung, Sinn und Erlösung gefunden? Ist dein Durst auf Leben wirklich gestillt? Merkst du, wie ewiges Leben in dir pulsiert? Ist da etwas neu und anders geworden? Das wäre so eine zweite Frage.
Ein dritter Punkt: Wenn du Gott anbetest, kommst du dann wirklich bei ihm zur Ruhe? Kommst du wirklich bei ihm an? Ist das so, dass Geist auf Geist trifft, und ist das, was du sagst, wirklich wahr?

Abschluss und Fragen für die Gruppen

Lasst uns jetzt in die Gruppen gehen. Ich habe zwei Fragen für euch mitgebracht.
Frage Nummer eins, als Einstieg, so ein bisschen reihum: Wo hast du das schon einmal erlebt, dass du nicht in Geist und Wahrheit angebetet hast? Und was hat dich in diesem Moment dazu gebracht, der Oberflächlichkeit und dem Scheinheiligen den Vorzug zu geben? Warum sind wir manchmal so, dass wir echter wirken wollen, als wir wirklich sind?
Frage zwei: Wenn das stimmt, dass es eine fast normale Entwicklung des geistlichen Lebens ist, dass Rituale mit der Zeit Intimität verdrängen und dass Heuchelei an die Stelle von Geistlichkeit tritt, wie könnte ich das im eigenen Leben vermeiden?
Was ich mir wünsche, ist, dass die Geistlichkeit nicht in die Verwirrung gerät, sondern dass wir inmitten der Verwirrung geistlich bleiben. Wir treffen in den Gruppen als wahre Anbeter auf andere wahre Anbeter. Wir haben das alles schon erlebt, was wahre Anbetung ist: Zeiten der Gemeinschaft mit Gott, die richtig, richtig gut getan haben.
Was habt ihr aus eurem Leben für die Geschwister anzubieten, wo ihr sagt: Hey, das habe ich gemacht, und das hat mir geholfen, ein wahrer Anbeter zu bleiben und in diesem Anspruch, Gott wahre Anbetung zu bringen, auch wirklich in der Spur zu bleiben?
Das war's für heute. Gott segne euch jetzt in den Gruppen. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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