Einleitung und Kontext der Rede Jesu an seine Jünger
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 595: Ratschläge an Jünger, Teil 1
Nachdem der Herr Jesus zu den Pharisäern gesprochen hat, wendet er sich nun seinen Jüngern zu.
Lukas 17,1: Er sprach aber zu seinen Jüngern: „Es ist unmöglich, dass keine Anstöße zur Sünde kommen. Wehe aber dem, durch den sie kommen.“
Die Realität und Bedeutung von Anstößen zur Sünde
Halten wir kurz fest, was Jesus hier sagt: Es ist unmöglich, dass keine Anstöße zur Sünde kommen.
Was ist ein Anstoß zur Sünde? Es ist etwas, das ein Mensch tut, um mich dazu zu bringen, dass ich sündige. Dabei spielt es keine Rolle, ob derjenige, der das tut, es absichtlich oder eher unabsichtlich tut.
Paulus spricht davon, dass böse Menschen manchmal bewusst verführen, aber auch, dass sie selbst verführt werden. Nicht jeder, der anderen zum Fallstrick wird, weiß, was er tut.
Wenn ich mir die christliche Literatur anschaue – also den Teil, den ich für Irrlehre und Verführung halte – dann finde ich dort viele Leute, die es eigentlich gut meinen. Nichtsdestotrotz werden sie für andere zu einem Anstoß zur Sünde.
Ganz ehrlich: Natürlich ist das eine Angst, die ich habe. Jakobus warnt ja die Bibellehrer mit den Worten:
Jakobus 3,1: "Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder, da ihr wisst, dass wir ein schwereres Urteil empfangen werden."
Die Verantwortung von Lehrern und die Warnung Jesu
Und deshalb muss ich mir gerade als Bibellehrer so viel Mühe wie möglich geben, nichts Falsches zu predigen. Es reicht nicht, einfach nur nachzuerzählen, was ich anders gehört oder gelesen habe.
Eigenstudium ist wichtig, weil Jesus seine Jünger so eindringlich warnt. In Lukas 17,1 sagt er: „Es ist unmöglich, dass keine Anstöße zur Sünde kommen. Wehe aber dem, durch den sie kommen!“
Einerseits ist es also unmöglich, nicht zur Sünde verführt zu werden. Andererseits wartet ein deutliches Wehe auf diejenigen, die andere zur Sünde verleiten – besonders, wenn sie sich an Kindern und jungen Christen vergreifen.
Die Schwere des Anstoßes an den Kleinen
Gott selbst wendet sich gegen sie. In Lukas 17,2 heißt es: „Es wäre ihm nützlicher, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde, als dass er eines dieser Kleinen zu Fall brächte.“
Diese Argumentation kennen wir bereits, weil wir sie bei der Auslegung von Matthäus 18 und Markus 9 behandelt haben. Das sind die Episoden 406 bis 408. Da wir das Thema dort schon ausführlich besprochen haben, muss ich hier nicht viel hinzufügen.
Es ist besser, einen Verführer mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer zu werfen, als ihn gewähren zu lassen und dadurch die Kleinen zu Fall zu bringen. Das Bild mit dem Mühlstein ist sehr drastisch. Lieber wirft man den Verführer ins Meer, um ihn zu ertränken, als ihn gewähren zu lassen.
Für ihn selbst wäre das sogar nützlicher. Ihn gewähren zu lassen, ist die schlechtere Option – nicht nur für die Gemeinschaft, sondern auch für ihn selbst. Gottes Gericht wartet unerbittlich auf denjenigen, der den Kleinen einen Anstoß zur Sünde gibt.
In jeder Gemeinde gibt es Kleine. Das können entweder Kinder sein oder Anfänger im Glauben, die noch nicht gefestigt sind. Beide Gruppen müssen besonders vor Versuchungen zur Sünde geschützt werden.
Die Bedeutung des Schutzes für die Kleinen
Warum ist das so wichtig? Nun, weil Menschen auf dem Weg zu Gott oder im Leben mit Gott Schiffbruch erleiden können. Deshalb will Gott, dass wir sie besonders schützen.
Wo fängt dieser Schutz an? Die Antwort lautet: bei mir selbst. Ich muss mich fragen, wo ich selbst ein schlechtes Vorbild bin. Wo mein Leben nicht auf Christus hinweist, wo ich meine eigene Meinung oder meine Interpretation der Bibel verabsolutiere, wo es mir nicht um die Kleinen geht, sondern um mich.
Wehe, wenn durch mich das Kleine zu Fall kommt! Wehe, wenn mein Verhalten, mein Reden oder mein Beispiel den Glauben von Kleinen zerstört! Wehe mir.
Verantwortung in der Gemeinschaft und Umgang mit Sünde
Das Problem mit der Sünde in der Gemeinschaft besteht weiterhin. Es gilt nicht nur, dass ich auf mich selbst achte und mich vor der Sünde hüte, sondern ich trage auch eine besondere Verantwortung im Umgang mit der Sünde, die meine Geschwister begehen.
Ich soll also auch auf die Gemeinschaft als Ganzes achten. Dabei ist Rückzug keinesfalls eine akzeptable Reaktion. Immer wieder kommt es vor, dass sich Geschwister aus der Gemeinschaft zurückziehen, weil ihnen böse Dinge widerfahren sind.
Ein Rückzug als Reaktion auf Sünde ist jedoch falsch. Stattdessen ist Zurechtweisung gefragt.
Die Notwendigkeit der Zurechtweisung und Vergebung
Lukas 17,3: Habt Acht auf euch selbst! Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht. Und wenn er es bereut, so vergib ihm.
Worum geht es hier? Erstens darum, dass wir einander auf Sünde ansprechen. Und nicht nur ansprechen, sondern auch zurechtweisen.
Es ist Liebe, wenn wir von geistlichen Geschwistern zurechtgewiesen werden. Diese Form der Liebe fühlt sich zunächst vielleicht komisch oder sogar falsch an. Doch sie gehört zu den wertvollsten Formen der Liebe in Gottes Augen.
Gott selbst tut dies, wenn er uns mit unserer Sünde konfrontiert und uns zur Buße auffordert. Deshalb ist es so kostbar, wenn wir von Geschwistern zurechtgewiesen werden.
Dass es Jesus hier vor allem um Sünde geht, die mir passiert, wird daran deutlich, dass es weiter heißt: „Und wenn er es bereut, so vergib ihm.“
Die Bedeutung und Praxis der Vergebung
Vergebung ist in der Bibel eine sehr wichtige Angelegenheit. Die Frage, wann wir vergeben sollen, wird in unterschiedlichen Bibelstellen verschieden beantwortet.
Einerseits gehört Vergebung zum Gebet. So heißt es in Markus 11,25: „Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergibt.“ Vergebung ist also etwas, das wir tun sollen, wenn wir beten. Wir bitten Gott um Vergebung für unsere Sünden und sollten dann auch gleich allen vergeben, die an uns schuldig geworden sind.
Andererseits lesen wir in Lukas 17,3: „Habt Acht auf euch selbst. Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zu Recht, und wenn er es bereut, so vergib ihm.“ Für mich ist dieser Vers kein Widerspruch, sondern eine Ergänzung.
Ich vergebe denen, die an mir schuldig geworden sind, täglich – und zwar im Gebet, wenn ich selbst um Vergebung bitte. Wenn ich jedoch jemanden auf seine Sünde anspreche und dieser bereut, dann vergebe ich noch einmal. Man könnte auch sagen: Was in meinem Herzen an Vergebung bereits geschehen ist, das spreche ich ihm jetzt zu.
Praktische Hinweise zum Umgang mit Vergebung
Bitte lasst uns gerade beim Thema Vergebung darauf achten, dass wir nicht zu theoretisch bleiben. Es ist zuerst einmal ein seelsorgerliches Thema.
Wir müssen ganz praktisch darauf achten, dass sich in unseren Herzen kein Groll oder Zorn anstaut. So wie Gott uns vergeben hat, sollen auch wir von Herzen vergeben.
Was könntest du jetzt tun? Überlege, ob es Menschen gibt, denen du noch nicht vergeben hast. Denk daran: Manchmal ist Vergebung auch ein Prozess, den man immer wieder durchlaufen muss.
Schlusswort und Segenswunsch
Das war es für heute. Falls du in einer Episode einen Fehler findest, schreibe es mir bitte.
Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
