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Johannesevangelium 4,10-15 - Den Durst auf Leben gestillt bekommen

Johannes 4,10-1519.10.2020
Serie•Teil 20 / 44Johannes-Evangelium
Du hast mehr als genug – und bist trotzdem innerlich durstig? Die eigentliche Frage ist: Was kann deine Sehnsucht wirklich stillen, wenn Besitz, Erfolg und Ablenkung nicht reichen?

Einleitung und Rückblick auf die vorige Predigt

Hallo, liebe Geschwister! Wir sind mit Predigern gerade etwas knapp, und deshalb müssen wir mit mir Vorlieb nehmen und mit einem Video. Das wird leider in den nächsten Wochen immer mal wieder passieren, und ich möchte mich dafür nur einmal, nämlich jetzt, entschuldigen.
Ansonsten machen wir weiter im Johannesevangelium, wo wir letztes Mal aufgehört haben. Jesus kommt nach Sychar, er ist ziemlich erschöpft, sitzt an einer Quelle, seine Jünger gehen einkaufen, und er spricht eine samaritische Frau an.
Letztes Mal war es mir wichtig, drei Dinge herauszustellen. Erstens: Es braucht keine besonderen Gelegenheiten, um ein evangelistisches Gespräch anzufangen. Es reicht völlig, wenn du müde und durstig bist.
Zweitens: Wenn du nicht weißt, wie du anfangen sollst, bitte Menschen einfach einmal darum, dir zu helfen.
Dritter Punkt: Wenn du nicht weißt, was du sagen sollst, schwärme ihnen ein wenig von dem vor, was Gott für sie an Segen bereithält. Schwärme ihnen von dem Segen vor, den du selbst durch Gott in deinem Leben erfährst.
Und deshalb lasst uns starten, indem wir noch einmal Johannes 4,10 anschauen. Johannes 4,10: Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du die Gabe Gottes kenntest und wüsstest, wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken!, so hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.

Das Missverständnis am Brunnen

Was Jesus hier tut, ist einfach nur merkwürdig, oder? Er bittet sie um Wasser, und dann spricht er davon, dass er Wasser für sie hat, noch dazu lebendiges Wasser. Das ist eigentlich eine Bezeichnung für Quellwasser, also genau das, was er sich von ihr erbeten hat. Aber natürlich gebraucht Jesus den Begriff lebendiges Wasser auf eine ganz eigene Weise. Und die Frau hat eigentlich auch keine Möglichkeit, ihn auf Anhieb richtig zu verstehen.
Lesen wir einfach mal weiter: Johannes 4,11-12.
Die Frau spricht zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief. Woher hast du denn das lebendige Wasser? Du bist doch nicht größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gab, und er selbst trank daraus, und seine Söhne und sein Vieh.
Wir verstehen gut, dass sie völlig perplex ist. Eben noch bittet Jesus sie um Wasser, und dann redet er davon, dass er ihr Quellwasser geben möchte. Dabei hat er gar kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist zu tief, um mit den Händen zu schöpfen. Also wenn sie an Quellwasser denkt, dann bleiben ihre Gedanken bei dem Brunnen hängen, dessen Geschichte zweitausend Jahre bis auf Jakob zurückgeht. Sie fragt sich, ob Jesus zum Ausdruck bringen möchte, dass er ihr besseres Quellwasser anzubieten hat.
Sie versteht ihn also nicht. Er hat kein Wasser, er hat kein Schöpfgefäß, er sieht fertig aus, er hat offensichtlich Durst und redet davon, dass er ihr etwas zu geben hat: lebendiges Wasser. Will er damit sagen, dass er ihr mehr anzubieten hat als Jakob, der seinem Sohn Joseph ein Feld mit einem Brunnen gab? Sie ist völlig perplex. Will er sagen, dass er größer ist, im Sinne von bedeutender, mächtiger?
Was könnte wichtiger sein als Wasser? Ohne Wasser überleben wir nicht lange. Es gibt eine medizinische Faustregel: Man kommt drei Wochen ohne Essen und drei Tage ohne Wasser aus. Auch wenn es dann in der Realität etwas länger dauert, bis man tatsächlich verdurstet, genau genommen stirbt man durch einen Herzstillstand als Folge von Nierenversagen. Wenn man nicht genug trinkt, dann hören die Nieren auf zu arbeiten, weil die Kaliumkonzentration im Blut zunimmt. Und diese erhöhte Kaliumkonzentration führt dann dazu, dass das Herz irgendwann nicht mehr schlägt.
Also was könnte wichtiger sein als Wasser?

Das Bild vom lebendigen Wasser

 Johannes 4,13-14: Jesus antwortete und sprach zu ihr: Jeder, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten. Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit. Sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das ins ewige Leben quillt.
Also macht Jesus hier einen Vergleich: Wasser mit Wasser. Reales Wasser mit Wasser als Bild. Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten. Das ist irgendwie klar. Die Tatsache, dass ich heute artig zwei Liter Wasser getrunken habe, bedeutet nicht, dass ich morgen nicht wieder Durst bekomme.
Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, also Jesus redet von Wasser, meint aber etwas anderes. Es ist ein Bild. Wo haben wir das schon bei Jesus erlebt, dass er einen ganz gewöhnlichen Begriff nimmt, ihn aber in einer Weise theologisch auflädt, dass man zweimal überlegen muss, bevor man ihn versteht? Genau, bei Nikodemus.
Hier vergleicht er natürliches Wasser mit übernatürlichem Wasser. Bei Nikodemus spricht Jesus davon, dass ein Mensch von neuem geboren werden muss. Nikodemus ist mindestens so perplex wie die samaritische Frau. Warum? Weil er nicht sofort versteht, dass Jesus zwei Arten von Geburt miteinander vergleicht.
Bei Nikodemus ist das die natürliche Geburt, die aus Wasser beziehungsweise aus Fleisch stammt. Und Jesus vergleicht die natürliche Geburt mit einer übernatürlichen Geburt, die der Heilige Geist im Gläubigen bewirken muss, damit dieser ins Reich Gottes kommen kann. Bei Nikodemus wird natürliche Geburt mit übernatürlicher Geburt verglichen. Bei der Frau am Jakobsbrunnen wird natürliches Wasser mit übernatürlichem Wasser verglichen.
Und so, wie die Geburt von oben durch den Heiligen Geist nicht wirklich etwas mit einer Geburt zu tun hat, sondern so genannt wird, weil es sich um den Anfang eines neuen Lebens handelt, eben den Anfang des ewigen Lebens, genau deshalb müssen wir jetzt überlegen, was Jesus meint, wenn er von dem Wasser redet, das er geben will.
Nochmal Johannes 4,14: Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das ins ewige Leben quillt.

Die Worte Jesu als Quelle des Lebens

Wenn Jesus von Wasser spricht, das wir trinken sollen, dann meint er damit Worte, die er spricht. Worte, auf die wir hören sollen. So jedenfalls gebraucht Jesaja das Bild vom Wasser.
Ich lese euch das mal vor: Jesaja 55,1-3
Auf, ihr Durstigen alle, kommt zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt und kauft und esst. Ja, kommt, kauft ohne Geld und ohne Kaufpreis Wein und Milch! Warum wiegt ihr Geld ab für das, was kein Brot ist, und euren Verdienst für das, was nicht sättigt? Hört doch auf mich und esst das Gute, und eure Seele labe sich am Fetten. Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört, und eure Seele wird leben. Und ich will einen ewigen Bund mit euch schließen, getreu den unverbrüchlichen Gnaden an David.
Das Wasser, das Jesus zu geben hat, das sind seine Worte. Er gibt uns das Evangelium, und das Evangelium kommt, um einen Durst zu stillen, den wir ganz tief in uns tragen. Es ist der Durst nach Leben, ein Durst nach Hoffnung, nach Sinn, nach Angekommensein im Leben.
Es ist der Durst, der uns dazu bringt, dass wir uns in Beziehungen stürzen, ständig neue Sachen kaufen, das Handy nicht mehr weglegen können, nie genug Geld verdienen oder immer weiter die Karriereleiter hinauf wollen. Und wir strecken uns danach aus, dass Menschen uns bemerken und toll finden, und sei es nur für einen kurzen Moment in einem TikTok-Video.
Von Augustinus stammt der Satz: Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir, o Gott. Ich sage das noch einmal: Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir, o Gott! Da scheint mir tatsächlich etwas Wahres dran zu sein, auch wenn nicht jeder Mensch diesen Durst so deutlich verspürt hat wie Augustinus.
Aber wie beantwortet Gott unsere Sehnsucht nach Leben? Hören wir noch einmal Jesaja, und ich lese jetzt Vers 3 ganz vor: Jesaja 55,3
Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört, und eure Seele wird leben. Und ich will einen ewigen Bund mit euch schließen, getreu den unverbrüchlichen Gnaden an David.

Gottes Antwort auf den Durst des Menschen

Gottes Antwort auf den Durst des Menschen nach Leben ist Gemeinschaft. Deswegen sagt er: Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört! Wir müssen zuhören, was er zu sagen hat. Und dann sagt er: Und ich will einen ewigen Bund mit euch schließen.
Er will uns Wasser des Lebens geben, das unseren Durst nach ewigem Leben stillt, den Durst, den er in uns hineingelegt hat, weil wir nach seinem Ebenbild geschaffen sind.
An anderer Stelle formuliert Johannes in der Offenbarung, Offenbarung 22,17: Und der Geist und die Braut sagen: Komm! Also hier treten der Heilige Geist und die Gemeinde nebeneinander auf, und beide sprechen. Und der Geist und die Braut sagen: Komm! Und wer es hört, spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme! Wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst.
Gott will unseren Durst nach Leben stillen, indem er uns in seine Gemeinde einlädt und uns sein ewiges Leben schenken möchte.
Jetzt lesen wir weiter, Johannes 4,14: Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers sein, das ins ewige Leben quillt.
Das ewige Leben in uns quillt nach außen. Es wird zur Quelle. Es produziert immer mehr ewiges Leben, und es quillt ins ewige Leben.
Logisch, dass bei so viel Theologie die Frau immer noch überfordert ist. Sie schafft den Sprung von Wasser natürlich zu Wasser übernatürlich, von Durst nach H2O zu Durst nach Leben. Sie schafft den Sprung nicht. Deswegen heißt es in Johannes 4,15: Die Frau spricht zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit mich nicht dürste und ich nicht hierher komme, um zu schöpfen.
So endet unser Text heute.

Die Frage nach echter Zufriedenheit

Aber ich würde diese kurze Predigt gerne mit einer Frage schließen, nämlich mit der Frage, ob wir, auch wenn die Frau den Sprung nicht geschafft hat, den Sprung geschafft haben.
Jesus sagt jedoch Folgendes: Wenn wir seine Worte, gemeint ist das Evangelium, gehört haben und gläubig geworden sind, dann ist unser Durst nach Leben gestillt. Wir haben ihn, den Herrn Jesus. Wir sind Teil der Gemeinde Gottes, und wir sind damit auch am Ziel unseres Lebens angekommen. Mehr gibt es nicht, und mehr brauchen wir nicht.
Und meine Frage ist: Stimmt das? Und es ist wirklich keine leichte Frage.
Noch einmal Johannes 4,14: Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten.
Mir scheint, dass uns in einer Christenheit, die so verwöhnt ist, wie wir es sind, mit Frieden und Wohlstand, ohne offensichtliche Verfolgung, dafür aber mit einer exquisiten Gesundheitsversorgung, eines leicht abhandenkommt: die Zufriedenheit in Christus. Diese stille, satte Ruhe, angekommen zu sein. Und zwar angekommen zu sein bei Gott und bei meiner Bestimmung.
Warum die vielen Sorgen? Warum dieser Jipper danach, etwas zu besitzen, danach, etwas darstellen zu wollen, danach, etwas erleben zu wollen? Woher kommt es, dass diese Welt uns mit ihren Ansprüchen noch so sehr beschäftigt und vielleicht auch so leicht dazu bringt, unsere Prioritäten weg vom Reich Gottes hin auf drittklassige Zeitfresser zu richten?
Ist es nicht so, dass, wenn wir das Evangelium richtig verstanden haben, unser Durst auf Leben gestillt ist oder gestillt sein sollte? Was sagt das über uns aus, wenn es nicht so ist? Stehen wir vielleicht doch in der Gefahr, diese Welt mit ihren Angeboten noch zu sehr lieb zu haben? Hören wir vielleicht zu sehr auf den Zeitgeist und auf den, ich nenne das mal, weil ich jetzt gerade hier am Meer bin, auf den Sirenengesang der Werbung, der uns täglich einredet, dass wir etwas verdienen, dass es wichtig ist, sich etwas zu leisten, dass Leben erst dort beginnt, wo wir drin sind, wo wir uns unseren Teil vom Kuchen, welcher Kuchen das dann auch ist, sichern, dass wir uns verwirklichen und dass wir das Leben genießen müssen? Kann es sein, dass das uns mehr beschäftigt, als es vielleicht gut ist?
Folgende Frage: Wie erlebst du die Versuchung, mehr zu wollen als Vergebung, das wahre Leben und eine Hoffnung auf ewige Gemeinschaft mit Gott? Also, wie macht dir der Teufel Durst auf diese Welt und nimmt dir dabei gleichzeitig die Freude und die Zufriedenheit an dem, was du hast?
Zweite Frage: Was müsste man dir nehmen, damit du dieses Leben richtig blöd finden würdest, obwohl du zu den ganz wenigen Menschen mit ewigem Leben gehörst, also über die Maßen reich bist und Gott deinen tiefsten Durst auf Leben gestillt hat?
Darüber, über diese beiden Fragen, wollen wir in den Gruppen nachdenken. Und falls es nötig ist, auch Buße tun über unsere falsche Einstellung.
Der Herr segne euch. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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