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Ein Gott der Liebe?

Über Kriege und Gewalt im Alten Testament
24.05.2026
EventTeil 11 / 21Pfingstjugendtreffen 2026
Wer das Alte Testament liest, stößt auch auf schwierige Texte. Gott befiehlt Kriege. In seinem Auftrag werden ganze Städte dem Erdboden gleich gemacht. Wir werfen einen unzensierten Blick auf solche Stellen in der Bibel und fragen uns, wie wir sie heute verstehen können.

Ein persönlicher Anfang zwischen Studium, Glauben und Verstand

Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Vielen Dank für die liebe Begrüssung. Es klingt immer so cool, wenn dann Leute etwas erzählen: Der hat das studiert, der hat das studiert, und der war in Oxford und so. Da dachte ich immer: Was ist das für ein Kerl? Es ist immer total nett, über sich selbst irgendetwas zu hören. Aber das ist nicht das Wichtigste, was ich von mir erzählen kann.
Das Wichtigste ist, dass ich vor etwas über 15 Jahren Jesus kennenlernen durfte und zum Glauben gekommen bin. Ganz viele Mitstudenten haben sich damals mit mir angefreundet. Ich habe damals Maschinenbau studiert. Juhu, Maschinenbau, wow. Und diese Freunde hatten nicht nur irgendwie ein komisches Mathebuch im Zimmer liegen, sondern auch eine Bibel. Das fand ich schon ziemlich seltsam damals. Schlaue Menschen, die meisten viel schlauer als ich, haben aber auch eine Bibel zu Hause rumliegen. Und das hat mich neugierig gemacht.
Ich bin dann über viel Nachdenken dahingekommen, dass ich gerne Christ wäre. Aber dann waren noch so rationale Themen im Weg. Zum Beispiel: Wie kann denn ein zweitausend Jahre altes Buch heute immer noch wahr sein oder nicht verfälscht worden sein? Da hatte ich Freunde gefunden, die mir dabei geholfen haben. Dann habe ich mich gefragt: Wie passen Naturwissenschaft, moderne Erkenntnis und Glauben zusammen? Und da hat der Herr es geschenkt, dass ich auch da schlaue Antworten bekommen habe.
Und dann war irgendwann mein Herz bereit, dann auch wirklich zu sagen: Jawohl, es gibt diesen Gott, er ist auferstanden, und er hört mich, wenn ich meine Hände falte und jetzt bete. Und er spricht durch sein Wort. So durfte ich zum Glauben kommen. Diese Beschäftigung damit, dass man den Verstand im Glauben benutzen darf, dass es kein Widerspruch ist, dass der Herr uns unseren Verstand geschenkt hat, hat mich danach immer wieder begleitet. Auch beruflich: Ich habe Maschinenbau noch brav zu Ende studiert, habe dann aber angefangen, bei der SMD zu arbeiten. SMDler hier? SBKler hier? Ja, sehr schön. Und danach bei verschiedenen Instituten, wo es immer um die Frage ging. Das Wort Apologetik ist schon gefallen. Also in der Theologie: Wie passt denn rationales Denken, gute Argumente und Glaube zusammen? Was sage ich denn, wenn Leute kritische Stimmen anbringen und mich fragen, was es mit dem Glauben auf sich hat?
Und ich weiss nicht, wie es dir ging, als du die ersten Tipps bekommen hast zum Bibellesen. Ich kann mich noch erinnern: Bei mir hiess es damals: Chris, fang am besten mal im Neuen Testament an. Wer kennt den Spruch? Ja, das ist gut. Und es ist auch gar nicht dumm. Es ist ein guter Tipp, mit Matthäus anzufangen, mit den Evangelien, den Biografien von Jesus. Das ist das Zentrum, und das ist gut. Und diese Brille ist wichtig.
Aber dann wollen wir irgendwann tiefer gehen. Und ich freue mich immer über das PjT, weil euch hier als neuer Generation auch so verklickert wird: Guck mal, das ist Gottes Wort, die Bibel. Die wollen wir lieb haben, die wollen wir ehren, die wollen wir erachten, daraus sollen wir lernen. Und wenn man dann irgendwann das Neue Testament brav durch hat, dann kommt man halt auch ins Alte Testament, stimmt’s?
Und am Anfang geht es vielleicht noch. Aber ich habe schon ganz viele gefunden und getroffen, und mir ging es damals auch so: Je nachdem, wie weit du dann im Alten Testament kommst, kommen so ein bisschen die Fragezeichen hoch im Kopf. Kennt ihr das? Gott, wie bist du denn drauf? Irgendwelche langen Listen, und dann dieser Krieg und dieser Gewaltakt. Und scheint Gott da irgendwie dahinterzustehen. Ich habe doch gerade von Jesus gelesen, dass er gesagt hat: Greift nicht zum Schwert, wer das Schwert ergreift, der wird mit umkommen. Liebe Gott, liebe deinen Nächsten, segnet eure Feinde, tut gut denen, die euch verfolgen.
Ich stosse auf schwierige Themen im Alten Testament, und ich hoffe, dass du dich nicht abschrecken lässt, wenn du schwierige Bibelstellen liest, wo du Fragezeichen bekommst. Ich habe das bei mir erlebt: Wenn ich dran geblieben bin, dann waren gerade die schwierigen Stellen, die mich erst einmal genervt haben, die Stellen, wo Gott auch am Ende viel an mir gearbeitet hat. Und wo ich Leute gefragt habe, wo ich nach Büchern gesucht habe, nach Vorträgen gesucht habe, um Antworten zu finden. Und ich hoffe, du bist auch so neugierig, dass du dich nicht abschrecken lässt.
Wenn wir glauben, dass das ganze Wort von Gott inspiriert ist, dann muss es auch komplett für uns Sinn ergeben. Und ich bin beeindruckt, dass das Zelt voll ist. Es ist heiss, ihr könnt draussen beim Eis liegen, aber ihr habt es so gewollt: dieses krasse Thema Kriege und Gewalt im Alten Testament. Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt. Ich wurde extra gezwungen, so ein YouTube-Video vorher aufzunehmen, um Werbung hierfür zu machen. Ich habe euch gewarnt, wir werden ein bisschen schonungslos. Wir reden mal ganz offen und ehrlich: Worum geht es denn eigentlich?
Ja, es geht um so Texte wie zum Beispiel 5. Mose 7,1-2. Ich weiss gar nicht, wie ich meine, ob das hier funktioniert. Ich habe vorhin mit den wunderbaren Technikern schon abgesprochen, dass, wenn ich hier so verrückt wedle, sie dann einfach selber weiterklicken. Dann kommt auch bestimmt gleich eine nächste Folie. Also seid ihr bereit? Ich habe euch gewarnt, okay?
Aber es ist die Bibel: 5. Mose 7,1-2: Wenn der Herr, dein Gott, dich in das Land bringt, in das du kommen wirst, um es in Besitz zu nehmen, und wenn er dir viele Völker vertilgt, Hetiter, Girgasiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hewiter, Jebusiter, sieben Völker, die grösser und stärker sind als du, und wenn sie der Herr, dein Gott, vor dir dahingibt, dass du sie schlägst, dann sollst du unbedingt an ihnen den Bann vollstrecken. Du sollst keinen Bund mit ihnen machen und ihnen keine Gnade erweisen.
Das war 5. Mose 7. 5. Mose 20,16: Aber in den Städten dieser Völker, die der Herr, dein Gott, dir zum Erbe geben wird, sollst du nichts leben lassen, was Odem hat. Josua 6: Und sie vollstreckten den Bann an allem, was in der Stadt war, mit der Schärfe des Schwertes, an Männern und Frauen, Jungen und Alten, Rindern, Schafen und Eseln.
Habt ihr jetzt noch Lust auf Bibellesen? Ja, sehr gut. Schön, wenn ihr euch nicht abschrecken lasst. Wie passt das zu einem Gott der Liebe, zu dem Gott, den Jesus uns vorzeigt, aufzeigt, vorlebt, auf ihn hinweist? Der gute Vater.
Viele Theologen sind dann in der Gegenwart, aber auch in der Kirchengeschichte, dazu übergegangen zu sagen: Das sind halt zwei verschiedene Götter. Jesus zeigt uns einen ganz anderen Gott. Das ist etwas, das einfach nicht zusammenpasst im Alten und Neuen Testament. Ich bin entschieden dagegen. Ich glaube, wir müssen mit dem Problem anders umgehen.
Aber gehen wir mal ganz rational vor: Was ist eigentlich das Problem? Wir klicken noch einmal weiter, das sind die Textstellen, wenn du es hier noch einmal abschreiben möchtest. Und auf der nächsten Folie: Dankeschön, die brauchen wir jetzt. Wir haben sozusagen so ein theologisches Dilemma, ja.
Wir als PjT, wir als Christen, wir glauben doch: Gott ist gut und barmherzig. Das sehen wir an Jesus. „Er und der Vater, wir sind eins“, sagt er einmal. „Wer mich sieht, sieht den Vater.“ Gott ist gut und barmherzig. Ich glaube aber gleichzeitig, die Bibel ist wahr und inspiriert, und nicht nur in Teilen, sondern vollständig. Und dann lese ich solche Texte und ich weiss doch eigentlich: Völkermorde, andere Menschen einfach hinzumetzeln, das ist böse, das ist falsch. Aber jetzt lese ich diese Texte, und scheinbar handelt es sich hier um so etwas wie das Schlimme, wie sogar Völkermorde. Wie gehen wir jetzt damit um? Wie gehst du damit um, wenn du solche schwierigen Texte liest?
Ich möchte die ersten Punkte eins, zwei und drei nicht verwässern. Es gibt da keinen Punkt, wo ich sage: Da ändere ich ein bisschen was, da schiebe ich meine persönliche Theologie zurecht. Das ist für mich wichtig, und es soll so bleiben. Das heisst, die Frage, die ich mir dann stelle, ist, ausser mit dem letzten Punkt: Verstehe ich die Texte richtig? Aus der heutigen Brille, dass sie wirklich diese Morde, diese Völkermorde befehlen, dass Gott diese Auslöschung all dieser Völker möchte?
Und dann kann man sich Klärungsversuche überlegen. Schlaue Menschen an grossen Universitäten haben lange darin geforscht, und es gibt eine ganze Fülle von Klärungsversuchen, die ich euch ein paar davon zumindest einfach vorstellen möchte. Und es gibt manche, die werden dir total gut gefallen, und du denkst sofort, rational von deinem Gefühl her: Ja, das stimmt, das ergibt irgendwie Sinn. Aber es gibt vielleicht andere, die findest du nicht so gut. Mir geht es ganz genauso.
Aber mein Wunsch ist, dass du vielleicht mit der Summe dieser Versuche, dieser Erklärungen, so ein bisschen dein eigenes Bibellesen füttern kannst und sehen kannst: Ja, so kann ich es gut einordnen, so passt es. Das ist eine Geschichte von A bis Z, von bis zur Offenbarung.
Diese Klärungsversuche gehen los auf der nächsten Folie mit einem ersten Klärungsversuch, der sogenannten Divine Command Theory. Also Theologen zu allen Zeiten haben sich immer überlegt: Okay, es ist ein Divine Command, ein göttliches Gebot, ein göttlicher Befehl, jetzt dieses Land einzunehmen, Kriege zu führen, um das Land in Besitz zu nehmen. Und weil es ein göttliches Gebot ist und Gott gut ist, ist alles, was Gott gebietet, gut. Also können wir nicht sagen, diese Kriege sind irgendwie moralisch schlecht, auch wenn es unser heutiges moralisches Empfinden, und wir kommen da gleich noch dazu, natürlich extrem stört.
Also man kann es rein theologisch ganz schnell machen. Man kann sagen: Gott, der Schöpfer des Universums, der Leben gegeben hat, der allen diesen Völkern und Kriegsgegnern Leben gegeben hat, der hat als einziger das Recht, Leben auch zu nehmen. Ein divine command: Es ist von Gott geboten, sagen dann viele Theologen, also ist es gut.
Und ich finde, rein theologisch ist da auch viel Wahres dran. Wenn Gott etwas tut, dann ist es gerecht und gut, auch wenn ich als Mensch es nicht verstehe oder noch nicht verstehe. Und da geht es mir aber an vielen Stellen so. Und da freue ich mich immer über eine Stelle, wo Jesus sagt: Es wird ein Tag kommen, da werdet ihr mich nichts mehr fragen. Ich freue mich auf diesen Tag. Also so halb eigentlich. Ich bin sehr neugierig und frage gerne Sachen, und ich habe schon Lust, auf irgendeiner Wolke dann so zu sitzen, wo so die Denker sind und sagen: Paulus, wie hast du das gemeint? Jesus, was ist denn da los gewesen? Ich kapier es nicht. Aber Jesus sagt, es wird der Moment kommen, da wird alles klar sein.
Und bis dahin leben wir auch in der Spannung, dass wir sagen: Manches von Gott verstehen wir nicht. Das gehört zum Leiden des Menschen dazu, sagen Philosophen wie Leibniz, dass wir nicht Gott sind, das metaphysische Leiden. Ich bin Geschöpf und nicht Schöpfer, und ich leide darunter, weil ich nicht das Wissen habe, nicht die Erfahrung habe, nicht die Macht habe des Schöpfers. Und es gehört aber zum Glauben dazu, sich da unterzuordnen, so wie sich Jesus dem Vater untergeordnet hat.
Also ein erster, sehr kurzer, knapper Lösungsversuch. Und ich weiss nicht, wie es dir damit geht im Bauchgefühl, wenn du solche Texte liest und dann sagst: Na ja, Gott hat es halt befohlen. Es ist viel Wahres dran, aber ich würde gern noch ein bisschen weitergehen.

Gericht als Antwort auf radikale Ungerechtigkeit

Auf der nächsten Folie sehen wir einen ganz wichtigen Klärungsversuch, nämlich dass das, was wir da lesen, ein Gerichtshandeln Gottes ist. Gott ist ein Gott der Gerechtigkeit und eben ein Gott der Liebe. Und was wäre es für ein Gott, der die Liebe ist, der nicht nach Gerechtigkeit schreit, wenn es anderen Menschen schlecht geht, wenn Menschen brutal sind, wenn Menschen misshandelt werden, wenn Ungerechtigkeit geschieht, wenn Menschen hungern oder verfolgt werden?
Gott sieht das Böse der Welt an, und er übt Gericht. Er sagt: Das ist nicht richtig. Gericht fühlt sich manchmal für uns total schräg an. Man hat immer so ein bisschen ein mulmiges Gefühl, wenn man sagt: Oh, Gericht. Wenn du Jesus in deinem Herzen hast, wenn Jesus dein Erlöser, dein Herr ist, dann ist Gericht etwas Wunderbares. Du wirst nicht verurteilt, er hat deine Schuld getragen. Dann bedeutet Gericht für dich am Ende: Es wird etwas richtig gemacht, gerichtet. Gott wird am Ende wieder alles in Ordnung bringen. Das bedeutet Gericht. Seine Gerechtigkeit wird siegen.
Wir sehen aber auch in der Bibel immer wieder, dass er sein Gericht schon zeigt, angefangen bei der Sintflut. Wo so viel Böses in der Welt war, schickt Gott die Sintflut und macht dort ein Ende mit den ungerechten Menschen, die sich Böses antun. Aber er erhält gleichzeitig uns Menschen die Treue, indem er Noah und seine Familie in der Arche hindurchrettet.
Und jetzt sehen wir also auch in diesen alten Kriegstexten die Idee des Gerichtshandelns. Da heißt es zum Beispiel in 5. Mose 12: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf diese Weise dienen wie diese anderen Völker, was ein Gräuel ist für den Herrn, was er hasst. Haben sie für ihre Götter getan, und jetzt kommt’s: Sogar ihre Söhne und Töchter haben sie durchs Feuer gehen lassen.
Die Situation, die wir haben, ist, dass die vielen Völker ringsum um Israel in einer grauenhaften Zeit gelebt haben. Und wir wissen das sogar aus Ausgrabungen heute, dass sie ihre eigenen Kinder bei lebendigem Leib ins Feuer geworfen haben, mit speziellen Öfen, um ihren Göttern eigene Kinder als Opfer darzubringen. Und genau das spricht die Bibel an. Wir haben solche Ausgrabungen auf einer der nächsten Folien ja genau, danke schön. Da sieht man also eine Nachbildung von so einem Ofen für den Gott Moloch, der ausgegraben wurde, wo da hinein lebendige Kinder geworfen wurden. Wir haben heute in Tofet, in Karthago, dem heutigen Tunesien, eine Ausgrabung, wo zehntausende Kinderskelette gefunden wurden, mit Brandwunden.
Und Gott sagt jetzt: Diese Menschen opfern ihre eigenen Kinder für andere Götter, und damit soll Schluss sein. Das sollt ihr nicht tun, und ich werde euch jetzt dieses Land geben, um das zu beenden. Gott schickt Kriege, damit Ungerechtigkeit, damit Leid beendet wird. 5. Mose 18: Du sollst von deinen Kindern keines hergeben, um es dem Moloch durchs Feuer gehen zu lassen. Israel, du sollst das nicht tun. So ein Gott bin ich nicht. Ich bin der Herr.
Also Gott nutzt Israel als Gerichtswerkzeug, um die schlimmen Verbrechen der kanaanitischen Völker zu beenden. Aber diese Kriege sind nie grundlos und nie unverhältnismäßig. In 1. Mose 15,16 lesen wir zum Beispiel, dass Abraham und seine Familie schon früher mal vorbeigelaufen ist, vorbeigezogen ist an dem Volk der Amoriter. Und da heißt es, dass Gott sagt: Lass sie in Ruhe, denn das Maß ihrer Sünde ist noch nicht voll. Das heißt, er hat gesagt: So schlimm waren sie noch nicht, da muss kein Krieg sein. Aber einige Jahre, Jahrzehnte später war das Maß ihrer Sünde offenbar voll. Gott schickt Gericht durch das Volk Israel.
Aber wir lesen im Alten Testament auch, dass Gott nicht nur parteiisch war. Ja, er hat das Volk Israel ausgewählt, aber er war da nicht parteiisch oder willkürlich. Sondern auch wenn Israel ungerecht gehandelt hat, auch wenn sein eigenes Volk gegen seinen Willen gehandelt hat, hat er andere Völker benutzt, um gegen Israel Krieg zu führen und damit Gericht walten zu lassen. Das ist ein Motiv durch das ganze Alte Testament. Wenn Israel einen gerechten König hatte, ging es Israel gut. Wenn sie gegen Gott gehandelt haben, hat Gott andere Völker benutzt, um sie anzugreifen.
Also es war nicht irgendwie eine Parteilichkeit, nicht willkürlich pro Israel. Es war nicht einfach so: Führt mal Kriege. Sondern es hatte immer einen Grund. Es geht um Gerechtigkeit und Gericht Gottes, und der Fokus ist nicht darauf, andere Menschen zu töten. Wir kommen gleich noch mehr dazu. Der Fokus ist der, die Anbetung anderer Götter zu verhindern, die zu menschenunwürdigen Bedingungen führen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Es geht nicht darum, andere Menschen zu töten, nur weil sie anders sind, zu einem anderen Volk gehören. Nein, es geht darum, die Anbetung anderer Götter zu verhindern, die zu unwürdigen Bedingungen führen. Gott möchte Gerechtigkeit.

Bildhafte Kriegssprache und die Frage nach dem Wortlaut

Erklärungsversuch Nummer drei, danke schön: die hyperbolische Kriegssprache.
Wir lesen in diesen Texten mit dem hebräischen Begriff des Herem, dass ein Bann vollstreckt werden soll. Die Sache ist also nicht in erster Linie, Menschen zu töten, sondern es soll ein religiöser, ritueller Bann vollstreckt werden. Das Land soll geheiligt werden, und die Anbetung anderer Religionen soll in diesem historisch einmaligen Kontext verhindert werden.
Wir sehen außerdem aus dieser antiken Zeit, dass das Vokabular, das dort benutzt wird, nicht nur in der Bibel, sondern auch in anderen Ausgrabungen, die wir heute haben, ganz besondere Stilmittel hatte. Wenn man über Kriege gesprochen hat, gab es ganz besondere Genres. Alt Ancient Near Eastern Congress Reports hat man das dann genannt, also Eroberungsberichte aus dem alten Nahen Osten. Die hatten alle eine ähnliche Sprache.
Ich habe in den letzten Jahren mal ein paar Beispiele aus der Welt des Sports rausgesucht, um diese Idee zu verstehen. Wir haben heute ein schweres Thema, aber jetzt wird es mal kurz ein bisschen lockerer, glaube ich.
Ich habe mal Original-Schlagzeilen aus irgendwelchen Sportzeitschriften rausgesucht. Da hieß es zum Beispiel nach dem Boxkampf: Der Ring wird zum Schlachthaus. Gnadenloses K.-o. Kampfmaschine will Gegner zerstören. Oder auch diese Schlagzeile: Offensivarmee überrennt gegnerische Abwehrreihen. Gemetzel im Pokalfinale.
Wer erinnert sich noch an 2014, Halbfinale, Sieben? Was stand am nächsten Tag in einer Sportzeitschrift? Pass auf: Die deutsche Nationalmannschaft schlachtet Brasilien auf dem heiligen Altar des Maracanã.
Ihr lacht, weil ihr wisst, dass Thomas Müller nicht mit der Machete über das Spielfeld gerannt ist. Ihr lacht, weil ihr automatisch aus eurer Kultur heraus wisst: Das ist übertriebene Sprache, es ist hyperbolische Sprache aus einem Sportkontext. Und wir können es mit unserem Wissen komplett einordnen, was damit gemeint ist.
Genau diese Themen finden wir auch in diesen Kriegstexten im Alten Testament. Die Bibel selbst ist unser Maßstab. Das heißt, ich will in der Bibel Belege für diese Theorie finden. Ich will in der Bibel Beweise dafür finden, dass es hyperbolisch gemeint ist und nicht tatsächlich wortwörtlich, zumindest nicht in der hundertprozentigen Konsequenz.
Diese Belege gibt es. Wenn man zum Beispiel Josua 10 liest, das Kapitel 10 von Josua, und dann Kapitel 15 von Josua, da heißt es am Anfang im zehnten Kapitel, du sollst hier den Bann vollstrecken, du sollst hier niemanden am Leben lassen. In Josua 15, nur fünf Kapitel später, lesen wir aber wieder von diesen Völkern. Da sind diese Völker immer noch da, sie werden immer noch erwähnt. Das heißt, wir sehen, dass es nicht so gemeint ist, wie wir auf den ersten Blick denken, sondern dass es sich durchaus um eine hyperbolische Sprache handelt.
Dann haben wir aber auch zum Beispiel 5. Mose 7. Es gibt Heiratsverbote. Israel wird in den Krieg geschickt mit dieser harten Sprache, die ich vorgelesen habe. Und dann hinterher, nach den Kriegen, gibt Gott Heiratsverbote. Da heißt es, du sollst die Frauen aus diesen Völkern nicht heiraten.
Ein Heiratsverbot, liebe Leute, ergibt ja nur Sinn, wenn dann noch Leute zum Heiraten da waren, oder? Also offenbar sind nicht alle Frauen, Männer und was es da war, umgebracht worden, wie es in der hyperbolischen Kriegssprache vermuten lässt. Die Menschen damals haben es wohl verstanden, genau zu unterscheiden, was Gott meint, nämlich die Anbetung dieser Götter auszulöschen. Und da passt auch genau das Heiratsverbot rein, weil man genau weiß: Wenn du eine Frau, einen Mann aus einem anderen Volk mit einer anderen Religion heiratest, dann ist es schwer für dich. Dann ist es schwer für dich, die eigene Religion am Leben zu halten und die Familie damit zu prägen. Es ist immer eine Gefahr, und Gott ist ein eifersüchtiger Gott, weil er der einzige wahre Gott ist und er nicht will, dass wir irgendwo anders nach Hoffnung suchen, sondern nur bei ihm. Deswegen solche Berichte.
Wir wissen aus Ausgrabungen auch, dass Städte wie Jericho längst nicht ganz normale zivile Städte waren, sondern dass es sich eher um militärische Festungen handelte, wo vielleicht ein paar Frauen gewohnt haben, aber viele dieser Frauen wahrscheinlich für die Soldaten als Prostituierte gedient haben, genau wie wir es selber in der Bibel lesen bei Jericho.
Und wir wissen aus Ausgrabungen, dass diese Rhetorik nicht nur in der Bibel so stattfindet. Wir wissen, dass auch andere Völker, wie bei der Meschastele zum Beispiel oder der Tel-Dan-Inschrift, genau diese gleiche Wortwahl benutzt haben. Da heißt es nämlich zum einen einmal: Israel ist für immer zugrunde gegangen. Tata, nein, ist es nicht. Aber dieser feindliche König hat es eben benutzt, dieses Vokabular, um einen großen Sieg auszudrücken. Aber es stimmt dann in der Wortwörtlichkeit nicht. Israel ist nicht für immer zugrunde gegangen, Gott hat auf sein Volk aufgepasst, Israel lebt.
Also, das war Erklärungsversuch Nummer drei: eine ganz bewusste literarische Rhetorik, um eine Ernsthaftigkeit darzustellen, um deutlich zu machen, wie wichtig es ist, im Namen Gottes hier zu kämpfen, um die Auslöschung von bösen Handlungen anderer Religionen zu unterbinden.

Entwicklung der Offenbarung und Gottes Weg mit den Menschen

Erklärungsversuch Nummer vier: die fortschreitende Offenbarung.
Ich weiss nicht, wer von euch gerade im Führerschein steckt. Bei mir damals kann ich mich noch erinnern, hat mir der Fahrlehrer zwei verschiedene Arten zu bremsen beigebracht: die degressive und die progressive. Gibt es das noch? Hat das irgendjemand schon mal gehört?
Egal. Degressiv heisst: Die Ampel wird rot, du haust voll in die Eisen und lässt dann wieder ein bisschen los von der Bremse. Dick. Progressiv heisst: Du wirst langsam mehr. Ja, du fängst langsam an und steigst mehr ein.
Und die Idee von Klärungsversuch vier ist das Stichwort Akkommodation, Anpassung und fortschreitende Offenbarung Gottes. Die Idee ist folgende: Gott hat sich immer auf die Suche nach Menschen gemacht. Er wollte immer verstanden werden, immer zu den Menschen sprechen. Schliesslich ist er Mensch geworden in Jesus, um uns auf Augenhöhe zu begegnen und uns erlösen zu können. Gott ist immer auf der Suche nach Menschen, um verstanden zu werden, um seine Botschaft da hineinzubringen.
Und die Idee von fortschreitender Offenbarung finden wir im Grunde in den ersten Versen vom Hebräerbrief. Da heisst es nämlich: Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er auch in den letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. Dieser ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens.
Also: Gott hat angefangen, sich im Alten Testament mehr und mehr zu offenbaren, seinen Charakter zu offenbaren, das, was er möchte. Und am Ende ist der klarste Ausdruck von seinem Wesen, seinem Willen, seinem Charakter Jesus Christus selbst. Aber auf dem Weg dahin hat sich Gott immer den Menschen angepasst, damit er verstanden wird.
Und der Gedanke ist so: Wenn in einem völlig kriegerischen Umfeld, und das war damals so, die Länder, die Völker von Kanaan, die haben Kriege als religiöse Sprache verstanden. Wer den Krieg gewinnt, der hatte den stärkeren Gott. Kriege waren eine theologische Situation, das war eine religiöse Situation. Damals war nichts mit Menschenrechten. Damals gab es keine Grundgesetze. Damals gab es keine Gesetze, die sagen: Man darf gegen die Menschlichkeit keine Handlungen vollziehen. Das haben wir tatsächlich erst seit dem Zweiten Weltkrieg.
Wir müssen uns also mal gedanklich in eine Zeit vor dieser ganzen kulturellen Entwicklung zurückversetzen, wo wir das heute so geniessen. Unsere Gesetze sind klar geregelt, es gibt eine Rechtsstaatlichkeit, es heisst, jeder Mensch ist Ebenbild Gottes, worauf unsere modernen Werte beruhen. Wir reden jetzt aber, wenn wir das Alte Testament lesen, von einer Zeit, wo es niemanden irgendetwas interessiert hat. Da hatte jedes Volk seine eigenen Moralvorstellungen. Ich habe es gerade gesagt: Manche hatten die Moralvorstellung, dass es richtig ist, die eigenen Kinder zu verbrennen. Wir reden über eine Kultur, wo Krieg und Gewalt die normale Sprache war.
Und jetzt stellt euch vor: In dieser Zeit der Kriege, und wer den Krieg gewinnt, hat den besseren Gott, in dieser Zeit kommt ein Mann mit Sandalen und einem weissen Gewand und sagt: Legt die Schwerter weg, liebt eure Feinde, segnet, die euch verfluchen. Jesus wurde selbst viele tausend Jahre später von vielen abgelehnt, als er das gesagt hat. Und wie wäre es erst gewesen, wenn er in dieser Zeit so aufgetreten wäre?
Gott hat sich Stück für Stück mehr offenbart. Und wir müssen, wenn wir solche Texte lesen, aufpassen, dass wir nicht aus der heutigen Perspektive mit Menschenrechten und unseren Moralvorstellungen diese Texte aburteilen und die Menschen damals aburteilen.
Inkarnation, Menschwerdung Jesu, bedeutet auch: Gott begibt sich immer zu den Menschen, so dass er verstanden wird. Und damals wurde er so verstanden, dass er die Menschen mit ihren Moralvorstellungen genommen hat, sich angepasst hat, dort von ihnen verstanden werden konnte und sie dann Stück für Stück daraus geführt hat.
Es gibt im Alten Testament zum Beispiel Kriegsgesetze, wusstet ihr das? Und dann denkt man, wenn man aus der heutigen Sicht guckt: Was ist das für ein krasser Gott der Bibel, Kriegsgesetze? Wenn wir aber von der anderen Seite kommen, wo es nur um Brutalität und Willkür ging, und dann lesen, dass Gott sie langsam fort herausführt und ihnen plötzlich Kriegsgesetze gibt, was nämlich bedeutet hat: Selbst im Krieg ist nicht alles erlaubt. Es gibt ein Ende von Gewalt, es gibt eine Höchstgrenze von Brutalität. Es geht da auch um Mässigung, also: Haltet ein, selbst Kriege sollen nicht so laufen, wie ihr das wollt. Dann verstehen wir die ganze Sache besser.
Wenn wir Texte lesen wie Auge um Auge, Zahn um Zahn, dann denken wir heute: Krass, der reisst mir ein Auge aus, ich soll ihm jetzt auch ein Auge rausreissen. Macht das jemand von euch? Seid ihr richtig biblisch? Aber wenn wir von der anderen Seite kommen, die Entwicklung der fortschreitenden Offenbarung verstehen, dann sehen wir darin, dass Gott eine Grenze geboten hat, dass eine Mässigung geboten hat, dass Willkür gestoppt werden sollte.
Also, das ist die Idee davon, dass Gott sich mehr und mehr offenbart und verstanden wurde, aber sein Volk und damit uns auch mehr und mehr aus diesen alten Moralvorstellungen herausgeführt hat, bis wir als Menschen irgendwann verstehen konnten, was Gott möchte, bereit waren für sein Reden, bereit, dass Jesus kommen konnte.
Ich lese noch mal ein Zitat vor von Jürgen Habermas, ein kürzlich verstorbener deutscher Philosoph, der eigentlich Atheist ist, beziehungsweise er sagt: Na ja, religiös bin ich eher so ein bisschen unmusikalisch. Also, der ist nicht begeistert vom Glauben, er ist sehr skeptisch. Aber der hat erforscht, woher unsere modernen Werte, Menschenwürde und so weiter kommen, und er schreibt dann, das klingt jetzt ein bisschen, er ist halt Philosoph, das klingt jetzt ein bisschen kompliziert, aber ich schaff das. Pass auf:
Der egalitäre Universalismus, ausserdem die Ideen von Freiheit und solidarischem Zusammenleben, von autonomer Lebensführung und Emanzipation, von individueller Gewissensmoral, Menschenrechten und Demokratie, entsprungen sind, ist unmittelbar ein Erbe der jüdischen Gerechtigkeit und der christlichen Liebesethik. Dazu gibt es bis heute keine Alternativen.
Er hat die historischen Wurzeln unserer modernen Menschenrechte und demokratischen Wurzeln erforscht und hat gesagt: Ich kriege keine andere historische Begründung hin, als dass das aus jüdischen und christlichen Motiven entstanden ist. Das heisst, die biblische Botschaft hat dazu geführt, über die Jahrhunderte und Jahrtausende, dass wir dort angekommen sind, wo wir heute sind, dass wir Kriege und Völkermord verurteilen.
Aber Gott hat Schritt für Schritt bei den Menschen angefangen, ist den Weg Schritt für Schritt mit ihnen gegangen. In einer Zeit, in der Kriege eine theologische Bedeutung hatten, musste er sich diesen Moralvorstellungen der Menschen anpassen. Deswegen sagt man da auch theologisch die Akkommodation, und dann geht die fortschreitende Offenbarung los. Aber es ist eine zusammenhängende Geschichte.
Und fragt euch immer, wenn ihr solche Texte lest: Beurteile ich die gerade von heute, von Jesus her, vom Ziel her, oder beurteile ich sie wirklich in der Kultur der damaligen Zeit? Und wie kann ich sie dann besser verstehen?
Ich fasse das jetzt noch einmal zusammen. Meine Punkte sind: Gott ist nach wie vor und immer und ewig gut und gerecht. Die Bibel ist wahr. Wir sehen, dass Gott Gericht hält gegen das Böse, er sagt Nein zu Ungerechtigkeit, und Gott zeigt sich stufenweise so, dass die Menschen es begreifen können.
Das macht er sogar in meinem eigenen Leben. Vor 15 Jahren war Gott noch ganz anders mit mir unterwegs. Heute höre ich manchmal eher strengere Töne von ihm und sage: Chris, hast du das immer noch nicht gelernt? Nach all den Jahren, komm, reiss dich mal zusammen. Als ich frisch Christ war vor 15 Jahren, da habe ich eher die sanfte, die tröstende Stimme Gottes gehabt. Gott geht einen Weg mit uns.
Und wenn du das Gefühl hast, Gott ist irgendwie streng zu dir oder er fordert dich irgendwie mehr heraus, dann freu dich darüber, weil Gott sagt: Er ist bereit, sie ist bereit, um einen neuen Schritt zu gehen, um weiterzugehen. Also wir sehen diese Fortschreitung auch im ganz persönlichen Bereich.
Ich möchte jetzt aber noch mal schliessen, nicht auf die Kriege zu gucken, sondern um euch noch mal an Beispielen aus der Bibel zu zeigen, wie die ganz andere Perspektive oder die vollständige Perspektive aussieht. Also ein paar biblische Gedanken noch zum Schluss:
Haben wir im Alten Testament schon einen Gott der Liebe? Ja. Das sehen wir zum Beispiel daran, was ich schon angedeutet habe, dass mitten in so einer Kriegsgeschichte, Jericho, mitten in so einer Kriegsgeschichte wird eine Frau Rahab, eine Prostituierte aus dieser Stadt, die irgendwie etwas vom Gott Israels wahrgenommen hat, sich irgendwie auf diese Seite schlägt. Als ihr Glauben geschenkt wurde, wird sie herausgepickt und errettet.
Woran wir ja schon sehen: Es ging Gott nie um die Auslöschung von irgendwelchen Völkern. Er sieht immer den Einzelnen, immer die Einzelne, und wer sich im Herzen zu ihm stellt, der wird errettet werden. Inmitten eines Kriegstextes sehen wir die Gnade und die Barmherzigkeit, die Rettung, die Erlösung Gottes. Und nicht nur, dass er diese Frau herausrettet, sondern diese Frau wird eingereiht in die Ahnenreihe von Jesus selbst, Matthäus Evangelium 1 ganz am Anfang, das Geschlechtsregister von Jesus. Rahab wird eine Vorfahrin von Jesus sein.
Und wer jetzt vielleicht gut aufgepasst hat heute und sich diese Themen stellt und ich gesagt habe, die anderen Götter haben ihre Kinder geopfert oder die anderen Völker haben für ihre Götter ihre Kinder geopfert, wenn du jetzt schlau bist und hoffentlich auch ab und zu Bibel liest, wirst du dir schon gedacht haben: Chris, Moment mal, ich hätte da mal eine Frage. Was ist denn mit Abraham und Isaac? Ich hoffe, der eine oder die andere hat sich das auch schon gestellt. Wollte Gott da nicht auch Kinderopfer? Wollen wir doch mal ganz ehrlich sein und nicht nur einmal mit dem Finger auf andere Völker zeigen: Was ist denn mit Abraham und Isaac?
Ich weiss nicht, wer von euch Genesis 22 die Geschichte schon mal wirklich mit betendem Herzen gelesen hat. Was ich mich bei der Geschichte immer frage, was mich wirklich verwundert: Abraham bekommt den Auftrag, seinen Sohn da zu opfern, der, wo er eigentlich die Verheissung hatte, das wird der Stammvater, da geht die Segenslinie weiter, den werde ich zum grossen Volk machen, jetzt soll er ihn umbringen. Was mich immer fertig macht bei der Stelle ist, dass Abraham überhaupt nicht protestiert. Ist euch das schon mal aufgefallen? Bring deinen Sohn um, okay! Wir lesen in der Bibel nichts davon, dass er irgendwie protestiert, sondern er sattelt den Esel, er ruft seine Diener, sie packen das Holz, er nimmt Isaac und zieht los.
Wenn ich jetzt aber diese Geschichte mal lese vor dem Hintergrund, was ich euch heute erzählt habe, nämlich dass alle Völker ringsum, und Abraham hat sich umgesehen, Abraham ist viel herumgekommen und hat gesehen, die bringen ihre Kinder ins Feuer, die machen Menschenopfer, kann es sein, dass die Geschichte von Gott in eine Zeit geschrieben wurde, wo es für Abraham völlig normal war: Okay, also wenn die ihre Kinder opfern und mein Gott will das auch, ja, scheint ja wohl normal zu sein.
Aber die Pointe von dieser Geschichte ist doch die, dass Gott am Ende sagt: Halt ein, stopp, ich bin nicht so ein Gott. Ich fordere nicht das Leben deines Sohnes. Ich habe deinen Glauben gesehen, ich habe deinen Gehorsam gesehen, ich wollte, dass du mich mindestens so ernst nimmst wie die anderen Völker ihre Götter ernst nehmen. Aber jetzt zeige ich dir ein für allemal, dir und deinen Kindeskindern: Ich bin nicht so ein Gott. Halte ein, ich werde für ein Opfer sorgen, dein Sohn muss nicht sterben.
Also eine Geschichte, die mitten in diese fortschreitende Offenbarung hineinspricht, in ein Klima, wo Kinder in den Tod geschickt wurden, zur Ehre der Götter. Und der wahre, lebendige Gott sagt: Nicht mit mir! Ich werde meinen eigenen Sohn geben, damit ihr eure Kinder nicht mehr geben müsst. Mein Sohn Jesus wird das eine Opfer sein, damit ihr eure Kinder nicht mehr opfern müsst.
Und wir lesen durch die Bibel weiter, dass dieser Berg Moria später von Saul ausgewählt wird, und auf diesem Berg wird Jerusalem gebaut, darauf steht der Tempel. Auf diesem Berg Moria wird einige Jahrhunderte später wirklich ein Sohn geopfert, auf Golgatha, Jesus Christus selbst, um ein für allemal mit dieser Brutalität, mit diesen Kriegen um des Glaubens willen Schluss zu machen. Dass eine Opferung das Ziel und das Ende der ganzen Offenbarung ist: Gott ist ein Gott der Liebe. Amen. Amen.
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