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"Geistesgaben: Heilung"

28.03.2011
SerieTeil 6 / 17Gaben in der Gemeinde
Heilung ist mehr als Medizin oder Wunder-Show: Gott kann durch Gebet, Rat und Ärzte helfen. Die eigentliche Frage bleibt: Traust du dich, diese Gabe überhaupt auszuprobieren?

Einleitung in die Reihe und die Grundidee geistlicher Begabung

Wir stehen mitten in einer Reihe, in einer Bibelreihe über geistliche Gaben. Dahinter steckt die Idee, dass Gott, wenn er sich Gemeinde ausdenkt – und das hat er gemacht, das sieht man ja –, Gemeinde aus einzelnen Christen zusammenbaut und dass die einzelnen Christen persönlich von Gott für ihre Aufgabe innerhalb der Gemeinde begabt werden.
Dass es nicht so ist, dass es da drei, vier, fünf Auserwählte gibt, die ihren Job machen, und die anderen haben dann die Gabe des Spendens, Kollektenfüllens oder Stühlewärmens. Vielleicht dürfen sie noch Musik machen, ja, das ist dann noch so, aber ansonsten ist dann vorbei. Das ist nicht Gottes Idee.
Gottes Idee, 1. Petrus 4,10, herzlich gern nochmals die Einladung, den Vers auswendig zu lernen. Ihr dürft mehr auswendig lernen, aber der wäre wirklich wichtig. Da heißt es: Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat, so dient damit einander als gute Verwalter der verschiedenartigen Gnade Gottes.
Ich finde Theologie herrlich, weil sie so einfach ist. Man braucht gar nicht viel zu dem Vers sagen. Du bist begabt, Gott möchte dich, Gott wollte dich, und Gott möchte, dass du mit deiner Gabe mir dienst. Und wenn ich es jetzt nicht gerade bin, vielleicht auch jemand anders, aber dass wir einander dienen.
An der Stelle machen wir mal weiter. Ich bin sehr gespannt auf die Predigt. Ich habe über dieses Thema, glaube ich, in der Tiefe noch nie irgendetwas gesagt und möchte euch gern noch mal mitnehmen zurück in die allererste Predigt.

Der Blick zurück auf den Anfang der Reihe

Wenn ihr versucht, euch noch einmal daran zu erinnern, worum es in der allerersten Predigt aus der Gabenreihe ging: Ich bin hier mit einem Parfum herumgelaufen, wisst ihr noch? Und der eine sagte dies, die andere sagte das. Dahinter steckte dieser Flacon mit Parfum. Er war ein Bild dafür, dass es um den Inhalt geht und nicht um die Form.
Also: Welche Form die Flasche hat, ist beim Parfum relativ egal. Es geht um den Inhalt. Es muss mir riechen. Und genau so ist es auch beim geistlichen Leben. Es kommt nicht so sehr auf die Form an, wie du dein geistliches Leben lebst.
Wir hatten damals Beispiele: ob du beim Singen stehst, ob du beim Singen sitzt, von mir aus beim Singen über den Boden robst. Das ist, wenn du es ehrlich meinst, relativ egal. Also, wenn du unten bist, hört man dich nicht so gut. Man kann das wahrscheinlich wirklich im Stehen besser. Aber hey, es kommt auf den Inhalt und nicht auf die Form an.
Es kommt darauf an, ob wir mit unseren Worten, mit unseren Gedanken, mit dem, was wir tun, mit dem Einsatz unserer Ideen und Talente, ob wir jetzt noch einmal dieses Bild eines Wohlgeruchs Christi sind. Ob Gott uns mitbekommt, unser Leben, und sagt: Wow, ich finde das total schön, wie du dein Leben lebst. Ich finde es so schön, dass du mir gefallen möchtest, dass du Liebe üben möchtest, dass du Reich Gottes bauen möchtest.

Wenn Form wichtiger wird als geistliche Wirklichkeit

Und die Gefahr, in der wir stehen, und zwar wir als Einzelne und dann auch wir als Gemeinde, ist die, dass wir gar nicht so sehr Gott gefallen wollen, sondern dass wir sagen: Na ja, Hauptsache, mir gefällt, was ich tue.
Ich weiß nicht, ob ihr diesen Gedanken schon einmal hattet: dass man am Ende einer Woche total unzufrieden sein kann, weil das, was man selbst erreichen wollte, man nicht erreicht hat. Und dann stellt sich die Frage: Hat Gott mich eigentlich gesegnet? Habe ich vielleicht die Dinge tun dürfen, die Gott wollte, nur das, was ich mir vorgenommen habe, hat nicht gereicht? Das kommt einem plötzlich gar nicht mehr in den Sinn, und man ist trotzdem unzufrieden.
Man hat dann vielleicht nicht Liebe geübt, sondern man hat sich an bestimmte Regeln gehalten. Man ist glücklich damit, dass man die Regeln eingehalten hat. Ob das für andere Leute so sinnvoll war, weiß man dann oft nicht. Und vielleicht hat man auch gar nicht Reich Gottes gebaut, sondern man hat bestimmte Gemeindeformen bewahrt. Und das wäre sehr schade.
Mir ist beim Nachdenken über Gaben noch einmal aufgefallen, dass die allererste Predigt ja einen riesigen Bogen gespannt hat. Ja, ich wollte euch zeigen, dass ich der einseitige, verbohrte Brüdergemeindler bin, der noch nie über seinen Tellerrand ein bisschen hinausgeschaut hat. Stattdessen hatte ich Beispiele gebracht aus verschiedenen Erfahrungen, die ich mit unterschiedlichen Gemeindetypen gemacht habe, mit unterschiedlichen Gemeinderichtungen.

Gemeindekulturen und ihre blinden Flecken

Mir ist aufgefallen, dass sich unterschiedliche Gemeindetypen oft dadurch unterscheiden, dass man bestimmte Gaben besonders betont. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, aber ich hatte diese Woche einen lustigen Anruf.
Ich mache ja auch externe Vorträge, und dann bekomme ich so einen Anruf: Hallo, bist du der und der? Ja, bin ich. Ist dann richtig. Ja, wir wollen da so eine Gemeindefreizeit machen, machst du sowas? Ja, mache ich.
Und dann frage ich natürlich auch zurück: Was seid ihr denn für eine Gemeinde? Da muss ich mich ja ein bisschen darauf einstellen. Geht das oder geht das gar nicht? Und dann erklärte er mir das. Nachdem er zwei, drei Sätze gesagt hatte, fragte ich, weil ich das Thema von heute, Heilung, schon auf dem Schirm hatte: Ihr seid nicht so eine Gemeinde, die einen Heilungsgottesdienst durchführt, oder?
Nein, nein, so etwas sind wir nicht.
Und ich musste innerlich schmunzeln, weil ich mir die Gemeinde vorstellen konnte. Das ist jetzt nicht böse gemeint, es ist einfach eine bestimmte Prägung, die rüberkommt. Ja, man hat vielleicht eine sehr stark neubrüdergemeindliche Ausrichtung. Ich kann mir den Gottesdienst vorstellen: Da steht die Predigt im Mittelpunkt, am besten eine Vers-für-Vers-Auslegungspredigt, am besten hintereinander weg, immer, und alle Brüder beteiligen sich. Ja, man ist halt bibeltreu.
Und ich dachte mir so: Ich will bitte jetzt nicht so verstanden werden, als würde ich über die Geschwister herziehen. Es geht mir darum, dass hier etwas passiert.

Was geschieht, wenn bestimmte Gaben keinen Raum bekommen

Hier ist es so, dass man in einer solchen Gemeinde die Idee von Heilung, ich spreche heute mal von körperlicher Heilung, vielleicht auch von seelischer Heilung, weil das in der Bibel nicht voneinander getrennt wird, und den sichtbaren Auftrag dazu kaum mitbekommt.
Das wird zwar manchmal vorkommen. Ich kenne das, ich habe das früher auch so erlebt. Da kommt die Gebetstunde, und dann heißt es: Boah, das Kind liegt verkehrt herum. Ich habe das wirklich erlebt: Die Schwangerschaft war schon so weit fortgeschritten, das Kind lag verkehrt herum. Und wer ein bisschen weiß, was das bedeutet, wenn die Füße zuerst kommen, weiß, dass das eine ganz gruselige Sache ist. Da ist eigentlich nichts mehr zu machen, es ist alles schon viel zu weit vorangeschritten, der Termin steht fest, und man betet in der Gemeinde, in der Gebetstunde: Herr, schenke ein Wunder, dass das Kind sich im Mutterleib noch dreht. Und in der Nacht dreht sich das Kind. Man denkt dann: Ja, es passiert schon mal.
Und natürlich macht man das auch, wenn man Jakobus 5 liest, den Auftrag der Ältesten. Man geht hin, wenn einer schwer krank ist, und sagt: Eugen, du bist schwer krank, wir wollen dich gerne als Älteste besuchen, wir wollen dich gerne salben und für dich beten. Man sieht diesen Auftrag, und den Rest, was sonst noch an Krankheiten da ist, gibt man den Ärzten. Das ist eine Prägung.
Und wenn man dann sagt: Na ja, ist das denn so richtig? Passt das denn? Kann das nicht sein, dass man hier etwas ignoriert? Ist es nicht so, dass im Neuen Testament tatsächlich, wenn wir über Gnadengaben reden, von den Gnadengaben der Heilungen die Rede ist? Was passiert denn, wenn wir solche Gnadengaben einfach ignorieren, wenn man so ein Stück weit so tut, als wären sie überhaupt nicht da? Wo führt das hin? Also, wenn ich eine Gemeindeprägung habe, die sagt: Nee, darüber denken wir gar nicht so sehr nach, wo geht das hin? Was passiert dann?

Die Folgen von Ignoranz gegenüber geistlichen Gaben

Und es sind verschiedene Dinge, die dann passieren. Eine Sache wird ganz offensichtlich sein: dass man Geschwister nicht dazu ermutigt, sich mit dieser Gabe auseinanderzusetzen.
Ist ja logisch. Du hörst so einen Vers wie 1. Petrus 4,10: Jeder ist begabt. Schön, ich bin auch begabt. Aber jetzt kommst du in eine Gemeinde hinein, wo bestimmte Gaben eigentlich gar keine Rolle spielen. Also, ich gehe immer von der praktischen Seite aus. Da ist irgendwie nichts.
Und dann gibt es zwei Gründe, warum ich meine Gabe nicht anwende. Das wird auch auf euch zutreffen. Der eine Grund ist: Ich weiß gar nicht, dass es die Gabe gibt. Das werdet ihr am Ende dieser Reihe nicht mehr sagen können. Die zweite Sache ist: Man probiert es einfach nicht aus. Und darüber werden wir uns heute unterhalten müssen.
Wenn eine Gabe im Gemeindekontext überhaupt keine Rolle spielt, dann wird man niemanden ermutigen, das mal auszuprobieren. Dann wird nie jemand die Erfahrung machen: Oh, an der Stelle bin ich ja tatsächlich von Gott gesegnet.
Ich habe eine lustige Predigt gehört. Ich habe sie auf CD dabei, für alle, die diese auch hören wollen. Okay, also wenn jemand sagt: Ich hätte das auch gerne mal gehört, ich habe ein paar CDs dazu gebrannt.
Da kommt ein Arzt aus Hamburg. Ein Arzt aus Hamburg kommt. Naja, er ist krank, hat mit Gott nicht viel am Hut und hört davon: Es gibt da so jemand, so einen Heilungsgottesdienst. Ja, und wie das halt so ist, er geht hin und wird gesund am ersten Abend.
Na gut, denkt er sich, gehe ich morgen noch mal hin, weil ich ja noch mehr als eine Krankheit habe. Wird er noch mal gesund. Denkt er sich: Na ja, ich habe noch eine dritte Sache, gehe ich wieder hin. Wird er nicht gesund, fängt aber dafür an, sich Gedanken über Gott zu machen und bekehrt sich.

Ein Beispiel dafür, wie eine Gabe entdeckt und entfaltet wird

Jetzt ist er Arzt und denkt sich: Okay, was mache ich jetzt mit meinem Glauben? Am Sonntag soll ich in den Gottesdienst gehen. Also, was heißt das? Ich muss etwas machen, was mir eigentlich gar nicht schmeckt. Er ist Oberarzt, ich muss mich irgendwo niederlassen, damit ich am Sonntag Zeit habe.
Also kündigt er seine Oberarztstelle und macht eine Diabetespraxis auf. Ganz nüchtern kann er also sonntags in den Gottesdienst gehen. Und er merkt natürlich: Ich bin Arzt, ich möchte meinen Patienten helfen, vor allem Diabetes-2-Patienten. Das sind Leute, die aufgrund von Übergewicht Diabetes entwickeln. Und wenn die abnehmen, geht es denen eigentlich schon gut. Das Problem ist: Die nehmen eigentlich nie ab. Das ist wirklich schwierig.
Also denkt er sich: Na ja, wenn ich jetzt Christ bin, fange ich mal an, für sie zu beten. Und er fängt an, für seine Patienten zu beten. Und schau an: Einer nach dem anderen nimmt ab. Sie nehmen so viel ab, dass seine Kollegen ihn fragen: Sag mal, du in deiner Diabetesstation, wie machst du das eigentlich? Deine Leute nehmen alle ab. Und er sagt: Ich bete für sie.
Und dann geht das so weiter. Ich habe den Vortrag dabei, das hört er ganz nüchtern. Er sagt: Na ja, da habe ich weiter gebetet. Er wäre angefangen, für andere Leute zu beten. Da ist jemand, und ich habe die Gabe persönlich nicht, die Gabe der Heilung hat er entdeckt, praktiziert, und der dann heute sagen kann: Also, mein Dienst besteht im Moment darin. Er hat immer noch seine Diabetespraxis, er betet eigentlich den ganzen Tag nur noch für Leute, und 10 bis 15 Leute werden so pro Tag gesund. Also, das sind jetzt nicht alle, aber es werden Leute gesund, und es kommen Leute zum Glauben. Das ist doch total spannend.
Und dann beendet er das am Ende so. Er sagte: Also, wenn du die Gabe hast, total nüchtern, fand ich so schön, wenn du merkst, das funktioniert bei dir, du betest, und dann werden Leute irgendwie mehr gesund, dann musst du halt etwas praktizieren, musst du es machen, musst du es ausprobieren, musst du es entwickeln. Und ich dachte mir: Super, endlich mal einer, der das ganz nüchtern auf den Punkt bringt. Wenn du eine Gabe hast, musst du sie entfalten. Ja, logisch.
Nun fällt dir ja kein Prediger hier vom Himmel auf die Kanzel, haha, sondern der fängt mit irgendeiner Predigt an. Du denkst dir: Ja, ja, ja, hätte schlechter sein können. Und zehn Jahre später hast du einen guten Prediger. Und so schildert er das im Blick auf seine Erfahrung, wie er diese Gabe entdeckt, entfaltet hat und wo er selber sagt: Da möchte ich weiter.

Wenn eine Gabe keinen Platz hat, bleibt sie unsichtbar

Wenn ich in einer Gemeinde lebe, in der es Gaben von vornherein eigentlich nicht gibt, oder in der man nicht darüber nachdenkt, dann wird auch niemand auf den Gedanken kommen, das an dieser Stelle so zu praktizieren. Es wird entsprechend in solchen Gemeinden auch keinen Raum dafür geben, dass solche Gaben in der Form, wie Gemeinde gelebt wird, einen Widerhall finden. Es wird keine Formen dafür geben.
Es wird nur irgendwie ein bisschen passieren. Dinge werden unterschwellig werden, und man wird sich keine Gedanken machen, wie man das, was an Begabungen da ist, für die Gemeinde und über die Grenzen der Gemeinde hinaus strukturell sinnvoll einsetzen kann. Es wird auch so sein, dass sich der Blick theologisch verengt. Man wird biblisch begründen, warum bestimmte Gaben nicht mehr da sein dürfen, warum sie eigentlich schon lange weg sind. Dabei steht in der Bibel, dass der Geist Gottes gibt, wie er will.
Da frage ich mich: Wer bitteschön erdreistet sich, dem Geist Gottes vorzuschreiben, welche Gaben noch da sein können, wenn dort steht, dass der Geist Gottes gibt, wie er will? Ich mache mir auch keine Vorwürfe, wenn ich Gaben nicht habe. Aber solche Dinge werden passieren.
Und ich habe den Eindruck, es wird noch etwas passieren: Es werden Gemeinden entstehen, in denen es zwei Parteien gibt, zwei Gruppen. Es gibt die einen, die dienen. Die dürfen ihre Gabe ausleben, sie haben nämlich akzeptierte Gaben. Und es gibt andere, die laufen so ein Stückchen mit und wissen eigentlich gar nicht so genau, wozu sie in der Gemeinde sind.
Ja, es gibt die Begabten, und es gibt die anderen. Natürlich sagt das keiner. Aber manche denken in ihrem Herzen: Mich hat Gott vergessen. Und das stimmt natürlich nicht, denn jeder ist begabt, jeder hat etwas mitzugeben. Aber das wird sich in der Form dann nicht widerspiegeln.

Form, Leistung und die Versuchung der Selbstdefinition

So meine These: Gemeinden oder auch Christen neigen dazu, sich über die Form zu definieren, über die Art und Weise, wie ich Christ bin, wie ich Gemeinde lebe. Weil es viel einfacher ist, eine Regel einzuhalten und zu sagen: Schau mal, wie schön formvollendet wir alles machen, als sich die Frage zu stellen: Bin ich wirklich in letzter Zeit ein liebevollerer, jesusähnlicherer Typ geworden?
Das ist nämlich eine ganz hässliche Frage. Da ist es doch viel besser zu sagen: Ich war 52 Mal im letzten Jahr im Gottesdienst, und ich hatte immer eine Krawatte an. Das kann man leicht messen, das kann man auf die Reihe kriegen, und das tut nicht so weh wie der Blick ins eigene Herz, wo ja immer, wenn man ehrlich ist, so ein ganz klein bisschen, eigentlich immer ein klein bisschen mehr auch dieses unschöne Gefühl hochkommt: Wieder nicht wirklich.
Man wird doch immer mit seiner eigenen Unzulänglichkeit konfrontiert. Und das ist ja auch, warum wir einem Gott nachfolgen, der ein Evangelium der Gnade hat und nicht der Werke. Weil, wenn du immer ehrlich in dein Herz hineinschaust, wirst du wissen: Du brauchst einen Gott der Gnade.
Wenn du jemals glaubst: Ich habe es geschafft, so wie dieser Muskelmann auf meinem Vergiss. Sollte das jemals in deinem Leben sein, komm zu mir, ich zeige dir ein paar Verse über Demut und so. Das wird erst dann so weit sein, wenn der Herr Jesus uns zu sich holt.

Abgrenzung durch Etiketten und die Gefahr der Übertreibung

Gemeindetypen benutzen Formen, um sich voneinander abzutrennen. Ein hässliches Schlagwort, das mir leider immer wieder begegnet, ist: Wir sind antikarismatisch.
Ich denke mir dann: Wisst ihr überhaupt, was ihr sagt, wenn ihr das sagt? Ich weiß natürlich, was die Leute meinen. Sie meinen: Wir sind nicht wie die da drüben, die auf der anderen Seite vom Pferd runterfallen. Es ist ja nicht so, dass alle immer den blauen Mittelweg gehen.
Es ist so: Die einen sind hier und sagen, es gibt nur die Gaben. Die anderen fallen hier runter und sagen, das ist dann so die Fraktion: Wir machen große Heilungsveranstaltungen. Ich bleibe mal bei dem Thema Heilung. Wir machen so richtig große Heilungsveranstaltungen, möglichst mit Showcharakter. Wir laden alle möglichen Leute ein. Es wird zwar kaum einer geheilt, aber wir machen so richtig groß mit Presse und so. Der inzwischen verstorbene Onkel von Bärbel, krebskrank, geht da natürlich hin und erwartet alles Mögliche. Dann passiert relativ wenig, und dann wird es für mich wirklich böse.
Da hat man dann mich dagegen. Dann sagt man: Na ja, da kann nicht viel passieren, weil du nicht richtig glaubst. Und ich denke mir: So ein Nonsens. Jesus hat so viele Leute gesund gemacht, die überhaupt nicht geglaubt haben. Tausend und zigtausend Leute sind da gesund geworden, ohne zum Glauben gekommen zu sein. Er hat die gesund gemacht, die später gesagt haben: Kreuzige ihn!
Aber wir wälzen dann, wenn es nicht klappt, die Verantwortung auf die Kranken ab. Dann kommen Leute und sagen, neben Stellen aus dem Neuen Testament, wo steht, dass die Apostel von Jesus bevollmächtigt worden sind, loszuziehen und alle Krankheiten zu heilen. Und dann heißt es: Siehst du, da steht es doch. Die Apostel, die Jünger, du musst alle Kranken heilen.
Und ich denke mir: Huh, da fällt einer auf der Seite vom Pferd. Die da drüben sagen, die gibt es nicht mehr, und die hier sagen, die müssen alle haben. Und ich denke mir: Warum können wir uns in der Christenheit nicht einfach in die Mitte stellen und ein Stückchen nüchtern werden? Warum können wir nicht einfach festhalten, dass die Situation, in der Jesus mit seinen Jüngern unterwegs ist, im ersten Jahrhundert wirklich eine Sondersituation ist? Dass wir da nicht alles, was Jesus mit seinen Jüngern macht, eins zu eins auf uns übertragen können?
Und wenn wir schon Vollmacht zum Heilen übertragen wollen, dann doch bitte nicht auf den einzelnen Gläubigen, sondern auf die Gemeinde. Und das ist ja das, was wir wiederfinden: dass es in dieser Gemeinde jetzt einzelne begabte Leute gibt, die tatsächlich die Gabe haben, zu heilen. Und über diese Gabe möchte ich heute mit euch reden.

Der besondere Heilungsdienst Jesu und sein biblischer Hintergrund

In Jesaja Kapitel 53, Vers 4, steht der bekannte Vers über den Messias: Unsere Leiden hat er getragen, und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen. Das steht dort. Im Neuen Testament wird das nun zitiert, und zwar in Matthäus Kapitel 8.
Schauen wir uns die Stelle noch einmal an, Matthäus 8. Aber Jesus, eine große Volksmenge, Vers 18, nein, Vers 16 muss ich nehmen, Entschuldigung: Matthäus 8,16. Als es aber Abend geworden war, brachten sie viele Besessene zu ihm, und er trieb die Geister aus mit einem Wort, und er heilte alle Leidenden.
Das ist Jesus pur. Das ist die Qualität von Heilung, bei der man sagt: Ja, das ist der Traum, das ist das Nonplusultra, das ist der Messias. Und dann: Damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: Er selbst nahm unsere Schwachheiten und trug unsere Krankheiten.
Der Messias hat einen einzigartigen, völlig einzigartigen Heilungsdienst. Das hat es vorher und nachher nie wieder so gegeben. Ein wenig merkt man es noch bei den Aposteln. Da sind das so die Nachwehen, dass du alles an Jesus siehst. Jesus wäre jemand gewesen, der einmal durchs Krankenhaus geht. Kannst du dir das vorstellen? Er klopft schon an jedem Zimmer kurz an und sagt: Entschuldigung, wollen Sie gesund werden? Ja, Amen. Nächstes Zimmer: Klopfen. Wollen Sie gesund werden? Amen, ja.
Und stell dir vor, hinter ihm packen die Leute ihre Sachen. Er ist im zweiten Stock, im ersten Stock ziehen sie Patienten aus. Das ist Jesus. Und das ist ein Vorgeschmack auf den Himmel. Denn dort gibt es kein Leid, keine Schmerzen mehr. Und dort, wo das Reich Gottes in der Person des Messias in die Zeit einbricht, da kannst du sozusagen live Himmel erleben. Das ist Jesus.
Und das ist ein Stück von dem, was die Apostel noch in ihrem Dienst erleben. Und jetzt schauen wir einen Schritt weiter und lesen in 1. Korinther 12 etwas von der Gnadengabe, über die es heute gehen soll.

Die biblische Spannweite von Heilung

 1. Korinther 12, einmal in Vers 9 und dann nochmals in Vers 30. Es ist nämlich interessant formuliert. Es heißt da: „einem anderen 1. Korinther 12,9 am Ende, einem anderen aber Gnadengaben der Heilungen.“ Seht ihr das? Da steht nicht die Gnadengabe der Heilung, sondern da steht Gnadengaben der Heilungen. Interessant, wie es formuliert wurde.
Und auch in Vers 30: „haben alle Gnadengaben der Heilungen?“ Die Frage wird mit einem Nein beantwortet, weil das ganze Kapitel sich darum dreht, dass wir unterschiedlich begabt sind. Machen wir nächste Woche.
Mit dem Begriff Gnadengaben der Heilungen wird darauf hingewiesen, dass es ein Sammelsurium von Erfahrungen gibt, die man im Umfeld von Heilung macht. Das liegt daran, dass es unterschiedliche Arten von Krankheiten gibt, weil es unterschiedliche Arten von Heilungsprozessen gibt. Der eine wird vielleicht dadurch heil, dass man ihm eine bestimmte Sünde in seinem Leben zeigt und er davon loslassen kann. Ein anderer wird vielleicht dadurch heil, dass man ihn auf ein organisches Leiden hinweist. Ein dritter wird wirklich, und da kommen wir dann schon langsam in den Bereich des Wunders hinein, einfach durch ein Gebet heilgemacht.
Wir müssen uns von dem, was wir jetzt im Kopf haben, im Blick auf den Begriff Heilung, ein Stück weit dem Neutestamentlichen annähern.

Gebet, Medizin und die Sicht der Bibel auf Heilung

Wir unterscheiden oft zwischen: Hier passiert eine Heilung, das hat irgendwie etwas mit einem Arzt zu tun, das ist wissenschaftlich erklärbar, und hier drüben ist so eine Art Wunder, das ist nicht mehr wissenschaftlich erklärbar.
In der Bibel ist es so: Wenn jemand gesund wird, ist er geheilt worden. Wie, ist ein Stück weit egal. Das heißt, wir finden zum Beispiel eine Stelle wie 1. Timotheus 5,23: Trinke nicht länger nur Wasser, sondern gebrauche ein wenig Wein um deines Magens willen und deines häufigen Unwohlseins willen.
Da befinden wir uns mitten im Bereich der modernen Medizin. Wenn du ständig Magenverstimmung hast, musst du mal einen ordentlichen Magenbitter trinken, dann ist das in Ordnung. Da kann man sagen: Ja, die Bibel geht so weit runter. Wenn es dir schlecht geht, ist Gott interessiert. Gott fängt nicht erst an, sich um dich zu kümmern, wenn du sagst: Jetzt habe ich Migräne, boah, jetzt ist mir richtig schlecht. Nein, häufiges Unwohlsein gibt einen Tipp.
Da kommt Paulus nicht und sagt: Hände auflegen. Nein, achte mal auf das, was du so trinkst. Ja, vielleicht ist es das.
Auf der anderen Seite der Skala haben wir dann so etwas wie Jakobus 5, ich hatte das vorhin schon kurz erwähnt, wo Heilung thematisiert wird. Jakobus 5, und zwar dort Vers 14: Ist jemand krank unter euch? Darum geht es. Er rufe die Ältesten der Gemeinde zu sich. Macht das, ich sage euch nur: Macht das, okay? Es wird viel zu selten gemacht. Bist du krank, rufe die Ältesten. Nicht erst dann, wenn du sagst, ich brauche so eine Art letzte Ölung, sondern viel, viel früher. Hol sie dir, dazu sind sie da.
Vers 15: Was sollen die jetzt machen, eine OP? Nein. Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten. Da gibt es Leute, die beten für dich.
Also merken wir: Der eine kriegt den Ratschlag und soll ab und zu mal ein bisschen Alkohol trinken. Der andere bekommt Gebet. Und dieses Spektrum, dieses Spektrum von Gebet letztlich bis Fachkenntnis und Einsatz von Arzneimitteln, ist das gesamte Spektrum für den Begriff Heilung.

Ein altes Zeugnis über den Umgang mit Krankheit

Ich habe euch da etwas mitgebracht, mal schauen, wo der Text steckt. Wenn ihr mal auf eurem Zettel auf der Rückseite schaut ... Ich dachte, ich hätte auch noch einen. Da ist er. Dankeschön.
Und zwar dachte ich mir: Wie kann ich euch veranschaulichen, wie Leute damals über den Bereich Heilung gedacht haben? Es gibt ein apokryphes Buch. Ich behaupte nicht, dass das jetzt Bibel wäre, okay? Die apokryphen Bücher stehen in der Bibel zwischen dem Alten und dem Neuen Testament. In der Lutherbibel sind sie mit aufgenommen. Also: Das hier ist eine Kopie aus meiner Lutherbibel. Weder die Juden noch die Christen haben jemals die apokryphen Bücher für sich als Autorität anerkannt.
Aber was sie tun: Sie sind ein Zeugnis ihrer Zeit. Man kann sehen, wie Leute in der Zeit gedacht haben. Und hier gibt es in einem Buch, das heißt Jesus Sirach, in Kapitel 38 – ich habe das vor Kurzem durchgelesen, liest sich ein bisschen wie die Sprüche. Wobei man fairerweise sagen muss, es gibt zwischendrin sehr lustige Sprüche, von denen ich sehr froh bin, dass sie nicht in der Bibel stehen, sondern nur da drin.
Aber lasst uns das mal kurz lesen. Ich lese mal das, was ich gelb markiert habe. Die Überschrift lautet: Lob des Arztes. Jesus Sirach ist Weisheitsliteratur. Ehre den Arzt, denn der Herr hat ihn geschaffen, und die Heilung kommt von dem Höchsten.
Merken Sie das? Das ist diese ganz interessante Mischung: nicht dieses „Hier ist der Arzt, das ist Naturwissenschaft, da hat Gott eh nichts mit zu tun, und hier ist Heilung“. Nein, ganz entspannt: Es gibt einen Arzt, Gott hat ihn gemacht, Heilung kommt vom Höchsten.

Die Verbindung von göttlicher Hilfe und menschlicher Fachkenntnis

Dann geht es weiter: Der Herr lässt die Arznei aus der Erde wachsen, und ein Vernünftiger verachtet sie nicht. Ah ja, also das, was so wächst, das ist immer, wenn ich Aspirin nehme, denke ich daran. Vielen Dank, Herr, für die Birken. Denn das ist irgendwann mal aus Birkenrinde extrahiert worden, die Idee. Was wird das? Weide? Vielen Dank, es ist ein Fehler im System, ich habe Birke abgespeichert, Weide. Okay, ist egal, ich freue mich auch über die Weiden, und die Birken haben bestimmt auch etwas drin. Aber Gott lässt Dinge wachsen, Gott lässt Arznei wachsen.
Und dann Vers 6: Und er hat solche Kunst den Menschen gegeben, um sich herrlich zu erweisen durch seine wunderbaren Mittel. Also Gott ist der, der dahinter steckt, der Menschen begabt, mit dem, was er wachsen lässt, Arzneimittel hervorzubringen. Damit heilt er und vertreibt die Schmerzen, und der Apotheker macht Arznei daraus, damit Gottes Werke kein Ende nehmen, nicht die Werke vom Apotheker, sondern Gott steckt dahinter. Also hier wird die Arznei ganz positiv gesehen, aber Gott ist der, der das Zeug wachsen und wirken lässt und es Heilung durch ihn auf Erden gibt.
Mein Kind, wenn du krank bist, so missachte dies nicht, sondern bitte den Herrn, dann wird er dich gesund machen. Vers 11: Opfere lieblichen Geruch und feinstes Mehl zum Gedenkopfer und gib ein fettes Opfer, als müsstest du sterben. Danach lass den Arzt zu dir, also nicht, weil du sterben müsstest, sondern erst beten und dann aber auch das, was Gott an Mitteln zur Verfügung stellt, an Fachkompetenz, an Arzneimitteln, bitte schön gebrauchen. Danach lass den Arzt zu dir, denn der Herr hat ihn geschaffen, und weise ihn nicht von dir, denn du brauchst auch ihn. Und es kann die Stunde kommen, in der den Kranken allein durch die Hand der Ärzte geholfen wird, denn auch sie werden den Herrn bitten, dass er es ihnen gelingen lässt.

Die christliche Praxis im Umgang mit Krankheit

Es geht mir darum, dass ihr versteht: Heilung in der Zeit des Neuen Testaments ist ein Begriff, der sowohl das Gebet als auch den Einsatz von Arzneimitteln umfasst.
Der betende Arzt ist eigentlich der Inbegriff des Heilers. Er sagt: Ich bringe alles quasi mit. Ich habe den direkten Kontakt nach oben, und ich will alles das einsetzen zum Wohl meiner Kranken.
Die Christen haben sich damit identifiziert. Wer sich ein wenig mit der Entwicklung der Welt beschäftigt, wird merken: Die ersten Krankenhäuser wurden 370 nach Christus von Christen errichtet. Das ist ganz faszinierend.
Es gibt zwar vorher Häuser, in denen Krankheiten diagnostiziert wurden, auch schon bei den alten Griechen. Nur war es dort so, dass über Krankenhäuser im eigentlichen Sinn, also darüber, dass jemand aufgenommen wird und dann über die Diagnose hinaus eine Pflege und Behandlung erhält, überhaupt nicht nachgedacht wurde. Das war denen völlig egal. Das ist interessant, oder?
Und die Christen kommen jetzt und sagen: Nein, nein, wir wollen modern und ganzheitlich für die Leute da sein. Wir wollen nicht nur, dass ihre Seele in den Himmel kommt. Das ist super wichtig, sogar wichtiger als Gesundheit. Aber wir können vorher noch für sie etwas tun.

Wichtige Grundsätze für diese Gabe

Bevor ich eine Definition gebe und mit euch dann kurz versuche, die Selbstreflexionsfragen durchzugehen, sind ein paar wichtige Anmerkungen zu dieser Gabe wichtig.
Erstens: Heilung ist immer Gottes Sache, wie jede Gnadengabe. Der beste Prediger kann nicht davon ausgehen, dass seine Vorbereitung das Gelingen der Predigt sichert. Das ist einfach nicht so, sondern Gott steht dahinter. Entweder redet Gott, dann hören die Leute. Oder Gott handelt, dann werden sie gesund. Oder er lässt es sein.
In 2. Timotheus 4,20 bleibt Trophimus, ein Mitarbeiter von Paulus, krank in Milet zurück. Da kann der große Apostel Paulus nichts mehr tun, er kann ihn nur zurücklassen. Da ist keine Heilung.
Also: Heilung ist immer Gottes Sache. Und es geht noch ein Stück weiter. Der Apostel Paulus beschreibt im 2. Korinther 12 auch die Sache, dass man nicht geheilt wird. Paulus sagt, ich habe da so einen Dorn im Fleisch, irgendetwas, was mich wirklich plagt, was ich gerne los wäre. Und als er darum bittet, das loszuwerden, also gesund zu werden, lautet die Antwort nicht: Na klar, du bist doch mein Apostel. Die Antwort lautet: Nein, das machen wir mal nicht, meine Gnade genügt dir.
Deswegen ist es wichtig, dass wir verstehen, wenn uns jemand sagt: Hauptsache gesund. Ich höre das immer wieder, ich weiß nicht, ob ihr es auch hört, zum Geburtstag: Hauptsache gesund. Und jedes Mal liegt mir auf der Zunge zu sagen: Nein, nein, nein, das ist nicht die Hauptsache. Auch die Gesundheit ist zum Tod. Du kannst so gesund sein, wie du willst, irgendwann bist du es nicht mehr.
Hauptsache ist nicht die Gesundheit. Hauptsache ist, dass mein Verhältnis zu Gott in Ordnung ist, dass mein Leben zu seiner Ehre gelebt wird, dass ich dort, wo ich stehe, mit den Grenzen und Einschränkungen, die ich habe, für ihn ein Wohlgeruch bin. Das ist die Hauptsache.

Eine Arbeitsdefinition und die Frage nach der eigenen Begabung

Schauen wir uns die Definition einmal kurz an. Ich habe das versucht. Ich selbst habe die Gabe nicht, deswegen ist das für mich ein Problem, sie sauber zu definieren. Außerdem komme ich aus einem Hintergrund, in dem sie nicht konsequent entwickelt wird. Darauf werden wir am Ende noch kurz eingehen.
Und trotzdem glaube ich, die Definition könnte so lauten: Wer die Gnadengaben der Heilungen besitzt, verfügt über die Fähigkeit, kranken Menschen durch Gebet, praktische Tipps und, wenn er eine Ausbildung besitzt, bis hin zur Verschreibung von Medikamenten und Therapien zu helfen.
Ich will gern das gesamte Spektrum mit hineinnehmen, damit wir es nicht einengen und dann in einem Bereich hängenbleiben, den wir später noch betrachten werden, wenn wir über die Gnadengabe von Wundern reden. Also machen wir einmal das gesamte Spektrum auf.
Das heißt, Fragen zur Selbstreflexion. Die erste Frage muss lauten: Führt mein Gebet bei Kranken relativ oft zur Gesundung?
Und jetzt merkt ihr, wo das Problem auftaucht. Woher soll ich denn das wissen? Ich hatte das beim letzten Mal schon, diesen zweiten Punkt mit dabei, weil ich das letzte Mal zwei Gnadengaben machen wollte und dann nur eine geschafft habe. Und irgendjemand hat oben seinen Zettel liegen gelassen. Ich weiß nicht, wer das ist. Und derjenige hatte schon weitergelesen und hatte neben der ersten Frage hängend am Ende: Weiß ich nicht.
Ja, stimmt. Weiß ich nicht. Und woher kommt das? Wir probieren es nicht aus.

Ermutigung zum Ausprobieren und zur Offenheit

Wann hast du das letzte Mal ausprobiert, ob das deine Gabe sein könnte? Ich wette, 80 hier im Raum haben es noch nie ausprobiert, noch nicht einmal in dieser systematischen Weise, wie man das machen müsste, um irgendwie mal herauszufinden: Ist das etwas für mich?
Ich glaube, wir stehen sogar in der argen Gefahr, dass wir, wenn jemand krank ist, ihn zwar besuchen, ihm eine Packung Merci und Blümchen mitbringen, aber wenn es darum geht zu sagen: Weißt du was, ich will mal vorsichtshalber für dich beten, dass wir das eher nur so verstohlen machen. Uns ist das irgendwie gar nicht so recht. Dass man sagt: Kann ich dir noch etwas mitbringen? Wir würden eher wahrscheinlich ein Mittagessen für ihn kochen, als zu sagen: Weißt du was, ich werde jetzt für dich beten.
Und weil wir das nicht tun, und das hat etwas mit unserem Hintergrund, mit unseren Denkvoraussetzungen zu tun, weil es natürlich, wenn du in einer Gemeinde wärst, wo das völlig normal ist, da macht das jeder immer, die lassen andere Sachen hinten runterfallen, aber das ist völlig Wurst, dann würdest du das sofort tun. Wir tun es nicht.
Und ich möchte eigentlich an dieser Stelle uns ermutigen dazu, dass wir uns eine Offenheit schenken lassen, Gaben auszuprobieren, von denen wir erst einmal denken: Kann das wirklich meins sein? Weil ich glaube daran, dass es diese Gabe noch gibt. Und wenn ich ehrlich bin, glaube ich sogar daran, dass wir diese Gabe im Moment sehr deutlich brauchen.
Ich erlebe immer mehr Christen, die in einen die Seele und den Körper belastenden Zustand hineingeraten, der nicht mehr so richtig aufgefangen werden kann. Da würde ich mir solche Leute wünschen, die draußen in dieser die Seele und den Körper kaputt machenden Gesellschaft Menschen zur Seite treten und tatsächlich mit ihrer Gabe dienen.

Weitere Fragen zur Prüfung der eigenen Berufung

Also, das ist der erste Punkt: Führt mein Gebet relativ oft zur Gesundung? Ihr werdet das ausprobieren müssen. Ich bin mir ziemlich sicher: Wenn du es noch nicht oft gemacht hast, wirst du dazu nichts sagen können.
Ich glaube auch: Wenn es deine Gabe ist, wie bei allen anderen Gaben auch, dann drängt es dich in diese Richtung. Dann passieren Dinge wie: Interessieren mich medizinische Zusammenhänge? Ist das etwas, wofür ich sowieso ein gewisses Gefühl habe? „Feeling“ heißt auch: Habe ich schon ernsthaft darüber nachgedacht, eine medizinische Ausbildung zu absolvieren?
Logisch: Wenn es so ist, dass ich darüber nachdenke, woher kommt denn der Gedanke? Meistens hat man dann schon eine innere Neigung dazu.
Dritte Frage: Gebe ich öfters Tipps, die kranken Menschen helfen, gesünder zu werden? Ja, man macht das ja dann doch irgendwie. Man hat nur nicht so richtig verstanden, dass man da eigentlich mehr dahinter hat.
Und natürlich auch: Empfinde ich eine Krankheit als Herausforderung und Auftrag? Glaube ich, dass ich da plötzlich irgendwie in der Pflicht bin, mehr auch noch als andere?

Die Verantwortung der Gemeinde und die persönliche Bereitschaft

So, das ist eine Gabe, mit der wir uns als Gemeinde anfreunden müssen. Tut mir leid, ihr Ältesten, ich habe euch das ein bisschen einfach so vor die Füße geworfen.
Und es ist eine Frage, wie wir damit umgehen wollen, dass Gaben, die eigentlich nicht praktiziert werden, sich entfalten können. Wie schafft man das? Wie macht man das?
Nur: Auch wenn der Ball jetzt ein bisschen bei den Ältesten liegt, liegt er eigentlich bei euch. Niemand kann euch die Frage abnehmen, ob ihr diese Gabe habt. Niemand.
Entweder seid ihr bereit, wenn jemand krank ist, ihn zu besuchen und für ihn zu beten und, wenn sich da etwas tut, zu sagen: Wow! Und wenn sich da nichts tut, zu sagen: Man muss das nicht immer haben.
Ich werde euch das bei Prophetie noch sagen. Ich habe mal einen Punkt, den machen wir dann.
Es ist nicht dramatisch, wenn du sagst: Bin ich nicht. Denn du bist ja etwas und jemand, aber das halt nicht.
Das heißt, wir müssen eigentlich, wenn wir das ernst nehmen, anfangen, einander zu besuchen, wenn wir krank sind, und füreinander zu beten. Das wäre eigentlich der Job.
Ich weiß nicht, ob ihr das an euch heranlassen wollt, ob ihr sagt: Ich bin bereit, hier an dieser Stelle von Gott gebraucht zu werden, um herauszufinden, ob das meine Gabe ist.

Zwei Gefahren im Umgang mit dieser Gabe

Wenn das so ist, dann zum Abschluss zwei Gefahren. Auf der einen Seite: Wenn man diese Gabe hat, kann einen der Druck kaputt machen. Da ist so viel Leid in der Welt. Wenn man jede Krankheit, die da draußen irgendwo ist, als seinen persönlichen Auftrag sieht, dann, sorry, wird man darunter zerbrechen. Da muss man auch wieder eine kritische Distanz haben, genau wie der, der die Gabe der Barmherzigkeit hat, nicht jedem, der ein Problem hat, nachgehen kann, sondern auch da schauen muss: Was geht noch, und was geht nicht?
Und das zweite ist natürlich, dass man aufpassen muss, wenn jemand nicht gesund wird. Ich hatte ja gesagt: Heilung ist Gottes Sache. Dass man dann nicht mit so einer hohen Erwartungshaltung drangeht. Ich kann es immer nur aus der Ebene des Predigers sagen: Du bereitest dich so gut vor, wie du willst, du betest dafür, aber ob die Leute das tun, ob am Ende Gott den Segen gibt, du musst irgendwann sagen: Nicht mehr meins. Ja, ich habe meins getan, und jetzt ist es weg. Ja, jetzt muss der andere.
Und man muss aufpassen, dass man nicht mit einer zu hohen Erwartungshaltung und Schuldgefühlen da drangeht, wenn jemand nicht gesund wird.

Zusammenfassung und Ausblick auf die praktische Anwendung

Worum ging es mir heute? Es ging mir darum, eine Gabe zu präsentieren, die vielleicht eher ungewöhnlich ist und über die man zumindest in unserem Gemeindekontext seltener etwas hört. Es ging mir darum zu zeigen, dass ich eine Gefahr sehe, wenn man Gemeinden darüber definiert, welche Gaben en vogue sind, was gerade trendy ist und was eher so ein bisschen unter ferner liefen läuft. Denn ich glaube, wir brauchen ein Aus, wir brauchen wirklich hier ein breites Spektrum, um alle Geschwister mit hineinzunehmen.
Und zu sagen: Hey, jeder Einzelne ist begabt. Lasst uns das entdecken und lasst uns daraus eine Gemeinde zusammenstricken, die genau mit den Gaben, die Gott uns geschenkt hat, an der Stelle, wo er uns hingestellt hat, sein Reich baut.
Ich würde jetzt gerne Folgendes machen: Ich würde gerne die Gebetszeit vorziehen, und dann machen wir die Lieder hintendran. Ist das in Ordnung für euch, Bent? Weil wir jetzt darüber gesprochen haben, dass Leute krank sind und dass Gott Krankheit heilen kann, würde ich gerne, dass wir jetzt auch die Zeit nutzen, für Kranke zu beten.
Jetzt können wir ohne Ende für Kranke beten, das ist mir völlig klar. Aber dass wir uns einfach Zeit nehmen, unsere zweite Gebetszeit heute, die sonst immer so ein bisschen für persönliche Anliegen ist, dass wir sie heute mal investieren, um für Leute zu beten, die krank sind. Das ist vielleicht noch nicht die Anwendung der Gabe, aber es ist der Versuch, dem Thema Raum zu geben.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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