Serie•Teil 5 / 6E21 Regionalkonferenz Ost 2017
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einführung in die Gesprächsrunde
Wir werden gleich, wie ich gerade erwähnt habe, eine Diskussionsrunde und Fragerunde haben, mit den Fragen, die ihr auch abgegeben habt. Natürlich werden die zwei Hauptredner dann Martin und Andrew sein. Die zwei jungen Herren, die die Fragen stellen, sind zunächst Klaus. Er ist der Zweitpastor hier in der Leipzig English Church. Und dann auch Stephan Bayer, der seit 2012 Pastor der Evangeliumsgemeinde in Jena ist. Wir sind gespannt, was sie uns zu sagen haben. Bitte, kommt nach vorne!
Ja, wir werden jetzt ungefähr eine Stunde für eine Diskussion mit unseren zwei Referenten haben. Wir haben uns gedacht, dass wir das in zwei Teile aufteilen. Zum Anfang haben wir uns ein paar Fragen überlegt, die wir aber vorhin auch schon abgesprochen haben. Dann wollten wir auf die Fragen eingehen, die ihr abgegeben habt.
Noch einmal ganz lieben Dank. Wir haben uns alle angeschaut, sie ein wenig in verschiedene Bereiche sortiert und werden die meisten davon jetzt unseren Referenten stellen.
Die Bibel im Licht des Ganzen verstehen
Die erste Frage, die ich noch einmal hatte, im Anschluss an den Vortrag von gestern, war zu diesem größeren Themenkomplex der biblischen Theologie. Martin, das hattest du ja in deinem Vortrag erwähnt, dass aus Lukas 24 Jesus im Prinzip in der ganzen Bibel steckt und dass er den Jüngern aus der ganzen Bibel erklärt hat, dass es eigentlich um ihn geht.
Da ist so die Frage: Wie kann man das verstehen? Ist jetzt in jedem Vers im Alten Testament irgendwie Jesus drin? Ist überall, wo zum Beispiel Rot erwähnt wird, das ein Bild für das Blut von Jesus? Also: Wie kann ich mit dem Alten Testament umgehen, dass es verantwortungsvoll ist, aber dass es trotzdem irgendwie um Jesus geht? Und wie mache ich das dann auch in der Predigt? Wie ziehe ich da die Verbindung zu Jesus?
Du sollst zu einer Konferenz gehen, die über mehrere Tage läuft, und dann könntest du anfangen. Vielleicht ein bisschen hilfreicher.
Erstens: biblische Theologie. Das ist ein Begriff, der in der Mitte des letzten Jahrhunderts benutzt wurde, aber für etwas ein bisschen anderes, und er ist erneut in der englischsprachigen Welt aufgegriffen worden. Ich glaube, auf Deutsch spricht man von heilsgeschichtlicher oder vielleicht von heilsgeschichtlicher Herangehensweise. Aber vielleicht ist mir wichtig: der Kontext des Königs, sagen wir manchmal.
Und jeder Vers in der Bibel ist in einem Kontext verankert: in Kapiteln, jedes Kapitel in einem Buch, jedes Buch in einem Testament und die Bibel als Ganzes. Die Bibel ist im Grunde der Kontext für jeden Teil der Bibel. Und mit biblischer Theologie meinen wir: Wir versuchen, jeden Text im Licht der ganzen Bibel zu verstehen.
Andrew, wirst du das korrigieren und ergänzen?
Nein, das kommt mir genau richtig vor. Ich habe seine Frage nicht so genau beantwortet, ich habe ein bisschen allgemein gesprochen. Und ich dachte, du würdest den schwierigen Teil tun. Also einige Tipps, wie man das in der Praxis umsetzt.
Praktische Wege der Auslegung vom Alten bis zum Neuen Testament
Ich meine, wenn ich eine Stelle im Alten Testament studiere, um sie weiterzugeben, dann möchte ich schauen, was diese Stelle sagt. Aber natürlich sehe ich das im ganzen Zusammenhang der ganzen Bibel. Martin hat das gerade gesagt. Das bedeutet: Ich werde diese Stelle, zum Beispiel die Stelle mit Abraham, wie er bereit ist, Isaak zu opfern, 1. Mose 22, nicht so predigen, wie ein Jude das predigen würde, der Jesus nicht kennt und Jesus nicht anerkennt, der Jesus nicht kennengelernt hat.
Es wird anders sein. Einiges wird gemeinsam sein, natürlich, weil es der Stelle so entspricht. Aber weil ich den größeren Zusammenhang habe und sehe, dass Jesus doch die Geschichte ist, dass die ganze Bibel die Geschichte von Jesus ist, gehört das dazu. Ich werde das anders behandeln, weil ich sehe, wie das Ganze ist, mit diesen vier großen Ereignissen: Schöpfung, Sündenfall, Erlösung, Neuschöpfung. Das hat alles mit Jesus zu tun, und ich sehe das alles in diesem Zusammenhang.
Aber ich habe letztlich nur das wiederholt, in anderen Worten, was Martin gerade gesagt hat. Ein bisschen praktischer. Vielleicht kann ich noch ein Beispiel geben, das eigentlich eine der späteren Fragen abdeckt.
Mit dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung, ist es genau so. Man findet eigentlich in der Offenbarung unheimlich viele Hinweise oder Echos aus dem Alten Testament, denn es sind fast alle großen Themen der Bibel zusammengefasst oder zu Ende gebracht in der Offenbarung. Deswegen versteht man die Offenbarung am besten, wenn man diese Echos zurückverfolgt und merkt, in welcher Hinsicht dieses Thema, wie sagt man so, abgeschlossen oder zu Ende gebracht, sozusagen erfüllt wird in der Offenbarung.
Und das ist ein Beispiel aus dem Neuen Testament von einem Buch, das man gar nicht verstehen kann ohne das Alte Testament. Und wiederum: Ja, es geht auch in die andere Richtung. Wenn man dann ein bisschen daran gearbeitet hat mit der Offenbarung, hat man angefangen, das Alte Testament besser zu verstehen. Es geht in beiden Richtungen, der Prozess.
Also, wen das Thema mehr interessiert, biblische Theologie, möchte ich noch einmal auf das Buch hinweisen von Michael Lawrence, das wir hier auch am Büchertisch haben. Da macht er das zum Beispiel auch beispielhaft an verschiedenen Themen, die er durch das Wort Gottes hindurch studiert, zum Beispiel das Thema Arbeit oder die Liebe Gottes, vom Garten Eden über den Sündenfall über die Zeit in Israel bis hin zum Neuen Testament. Und das macht die Themen einfach wirklich reich. Deswegen würde ich empfehlen, sich damit noch einmal ein bisschen mehr zu befassen, für das eigene Glaubensleben, aber auch für die Arbeit in der Gemeinde.
Lernen, die große Linie der Schrift zu sehen
Kann ich etwas hinzufügen? Aus der Erfahrung, die ich in England beobachtet habe, wo diese biblische Theologie eigentlich erst Anfang der 90er Jahre richtig in Fahrt kam, und unter uns Studenten merkte ich einen großen Unterschied. Denn Anfang der 90er Jahre haben die britischen SMD im Grunde angefangen, bei ihren großen Konferenzen oft vier anderthalbstündige Einheiten über biblische Theologie, Bible Overview, biblischen Überblick, anzubieten. Sie haben versucht, den Studenten zu lehren, wie das ganze Bild zusammenhängt, nicht nur die einzelnen Ereignisse, die danach geschehen, sondern wie die Themen miteinander verbunden sind.
Was ich dann bemerkt habe: Ich war schon mit dem Studium fertig, und das habe ich verpasst. Ich merkte, dass für die nächste Generation von Studenten vieles selbstverständlich war, wie sie die Bibel ausgelegt und verstanden hat. Es war bei ihnen sozusagen mit Buttermilch eingelegt, was ich schwieriger fand als sie, weil sie früh gelernt haben, diese biblische Theologie anzuwenden.
Also es lohnt sich wirklich, sich zu bemühen, weil das dir immer mit deinem Verständnis der Bibel hilft.
Vertrauen in die Schrift und die Einheit ihrer Botschaft
Ja, vielen Dank, Martin und Andrew, für eure Antworten. Biblische Theologie war auch für mich sehr einflussreich, wurde aber natürlich in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten stark hinterfragt.
Jetzt wollte ich vielleicht, ich weiß nicht, wer das beantworten möchte. Martin möchte das beantworten, sagt Andrew. Jetzt möchte ich ganz kurz fragen: Wie steht denn die biblische heilsgeschichtliche Theologie im Zusammenhang mit der Vertrauenswürdigkeit der Bibel? Das ist vielleicht die allererste Frage: Ist die Bibel vertrauenswürdig, und kann die heilsgeschichtliche Theologie dazu etwas beitragen?
Also, ich kann ganz persönlich berichten, also aus Sicht des theologischen Seminars. Aber bei uns in der anglikanischen Kirche ist es eher wie in der DDR der Fall gewesen: Es gab eine kirchliche Hochschule, die nicht Teil der Uni war, und ich musste dorthin. Ich hatte ein bisschen Angst. Das war ein College, eine Hochschule, die den Namen hatte, ewig liberal zu sein. Aber ich wusste, das war nicht unbedingt der Fall. Und es stimmt: Es wurde vieles gelehrt, was nicht so biblisch war, und es gab viel Zweifel an der Bibel.
Ich hatte also Angst oder Respekt davor, dass es in dieser Zeit schwierig sein würde, weiter an die Bibel zu glauben. Aber meine Erfahrung war genau das Gegenteil. Vielleicht war es Gottes Vorsehung: Ich hatte relativ viel im Alten Testament studiert, relativ viele Arbeiten oder Prüfungen im Alten Testament, und ich war immer wieder erstaunt, wie diese sehr unterschiedlichen Autoren in unterschiedlichen Jahrhunderten geschrieben haben und eigentlich dieselbe Geschichte erzählt haben. Es war bei demselben Handlungsstrang von A bis O.
Dann habe ich gedacht: Wie kann jemand zweifeln, dass Gott der endgültige Verfasser ist? Das war für mich vielleicht ein persönliches Beispiel dafür, wie die biblische Theologie mir geholfen hat.
Du schaust mich an, als ob ich etwas sagen sollte. Ich werde etwas sagen, und dann kannst du mir sagen, ob ich deine Frage verstanden habe. Was mir sehr geholfen hat mit meinem Glauben an die Bibel, ist ein Buch, das ich gelesen habe, das Jesus angeschaut hat, also wie er mit der Schrift, mit dem, was wir das Alte Testament nennen, umgegangen ist.
Es sind nicht nur ein paar Beispiele in den Evangelien. Immer wieder, fast auf jeder Seite, sagt Jesus etwas über seine Einstellung zur Schrift. Er ordnet sich der Schrift unter. Er sagt, dass die Schrift nicht gebrochen werden kann. Das Beispiel, das Martin gestern erwähnt hat, begeistert mich: Matthäus 19. Die Frage kommt nach der Ehescheidung. Und Jesus sagt: Habt ihr nicht gelesen, dass der, der Mann und Frau geschaffen hat, gesagt hat, deswegen wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, oder wie immer das heißt.
Er zitiert das. Das ist aus 1. Mose 2,24. Das Interessante ist: In 1. Mose 2,24 ist es nicht Gott, der sagt: Deswegen wird ein Mann Vater und Mutter verlassen. Das ist der Schreiber des ersten Buches Mose, der das schreibt. Aber für Jesus ist es offensichtlich eindeutig: Was die Bibel sagt, sagt Gott.
Es ist erstaunlich, auf fast jeder Seite in den Evangelien, das heißt die Einstellung Jesu zum Alten Testament. Das hat mich sehr, sehr beeindruckt.
Und dann das, was Jesus versprochen hat, was das Neue Testament betrifft. Ich habe gestern zwei Beispiele gegeben: Johannes 14,25-26 und Johannes 16,12-13. Er hat dafür gesorgt, dass es ein Neues Testament gibt. Wow!
Ich weiß nicht, ob das seine Antwort auf deine Frage war, aber das macht es leicht für mich zu sagen und zu glauben: Die ganze Bibel ist das Wort Gottes. Wow, halleluja, aus.
Die Frage nach der einen Bedeutung und den vielen Lesarten
Also, für mich hat das die Frage sicherlich beantwortet. Wenn ihr später noch Fragen habt, dann seid ihr natürlich herzlich eingeladen, direkt auf Martin und Andrew zuzugehen. Ich reiche mal weiter an Stephan.
Eine Frage, die noch entstanden ist: Als wir vorhin den Text eingeteilt haben, da haben ja unterschiedliche Gruppen unterschiedliche Einteilungen gefunden. Da liegt so ein bisschen die Frage nahe: Heißt das, dass es auch für eine Stelle demzufolge unterschiedliche Interpretationen geben kann?
Die Frage hat so eine harmlose Variante: Im Hauskreis ist es ja öfter so, dass jemand sagt, für mich heißt diese Stelle das und das, ich lese da das und das heraus. Und dann sagt jemand anders: Ich interpretiere es aber so und so.
Es hat aber dann natürlich auch eine etwas bedeutungsschwere Seite, wenn man sagt: Sagt denn die Bibel wirklich etwas Klares zum Thema Homosexualität oder zu Fragen von so einer Tragweite? Also im Prinzip hat eine Stelle auch immer nur eine korrekte Auslegung oder Interpretation, oder gibt es da Spielraum? Und wenn ja, wie finde ich die richtige Auslegung?
An beide.
Ich glaube, im Grunde genommen, dass jede Stelle eine Interpretation hat. Aber es gibt auch Dinge, wo es unterschiedliche Meinungen geben wird unter Christen, die den Herrn lieben und Jesus nachfolgen. Und damit muss man leben und damit umgehen.
Aber was den Kern der Sache betrifft, was das Evangelium betrifft, was die wichtigsten Dinge betrifft, zum Beispiel wer Jesus ist, dass wir Sünder sind, dass Jesus am Kreuz für unsere Schuld gestorben ist, dass wir gerettet werden können, nicht nur das, nicht durch das, was wir für Gott machen, sondern durch das, was Gott für uns am Kreuz getan hat, dass wir gerechtfertigt sind durch Glauben allein und, und, und: Diese Sachen sind eindeutig. Ich freue mich riesig, dass das so klar ist.
Aber im Grunde genommen glaube ich, dass der Autor eines Textes eine Bedeutung hatte, einen Grund hatte, warum er das geschrieben hat. Wenn ich dir eine Mail schreibe, dann gibt es einen Grund, warum ich die Mail schreibe. Dann gibt es einen Grund, warum ich den zweiten Absatz schreibe. Und es ist nicht so, dass du einfach, du und deine Freunde, sagen könnt: Ja, schau mal den zweiten Absatz von Andrews Mail an. Ja, mir kommt vor, mir gefällt es, wenn wir glauben, dass er das Folgende meint. Mir gefällt: Man sollte mich fragen.
Und ich glaube, die Autoren der Bibel sind klar darin, was sie damit sagen wollen und warum sie das schreiben, was sie schreiben. Das heißt im Grunde genommen: Das ist eine Interpretation, würde ich sagen.
Leitplanken gegen willkürliche Auslegung
Ja, ich hatte das Thema gestern Abend ein bisschen abgeschnitten. Ihr könnt euch die Aufnahme anhören.
Ich denke, was wir versucht haben zu tun und was ich gern weitermachen würde, ist, gewissermaßen Exzipien oder Werkzeuge zu geben, die als Leitplanke dienen. Also dass wir eine Herangehensweise an die Schrift haben, die wie eine Leitplanke ist und uns davor bewahrt, rechts oder links irgendwie vom Hauptthema abzukommen.
Wie gesagt, ich finde, für die wichtigsten Dinge ist es viel klarer, als die meisten es zugeben würden. Aber hier ist ein Punkt, bei dem ich mich frage, ob wir als Evangelikale, also bibeltreue Christen, nicht keinen Gefallen getan haben in der Art und Weise, wie wir oft mit der Bibel umgehen. Ob wir nicht die Tür geöffnet haben für diese Meinung, es gebe unterschiedliche Interpretationen.
Ich nenne kurz drei Arten von Herangehensweisen, die ich relativ oft wahrnehme oder von denen ich höre und die nicht hilfreich sind.
Ich nenne erstens die Bibel als Pralinenschachtel. Ich picke einen Vers heraus, hoffentlich einen sehr netten Vers, einen Liebesgedanken von Gott an mich, und ich verstehe das so als kleinen Liebesbrief von Gott. Dieser Vers. Ich muss ehrlich sagen, ich finde das Losungsbuch in dieser Hinsicht sehr gefährlich. Wenn du nur die Losung liest, dann bist du in großer Gefahr, diese Losung falsch zu verstehen. Du musst das ganze Kapitel lesen, in dem die Losung vorkommt, sonst ist es wie eine Pralinenschachtel, und man kann dann hineinlesen, was man will.
Eine andere Art ist die Bibel als Assoziationsquelle. Menschen berichten mir von Bibelkreisen, die sie besuchen, besonders unter Studenten. Ich muss ehrlich sagen, wo man den Text liest, die Bibel zuschlägt, ich meine das ernst, die schlagen die Bibel zu, und dann diskutieren wir, was das für Assoziationen gehabt hat, welche Ideen daraus entstanden sind bei ihnen. Und da hört man natürlich nur Echos des eigenen Ichs, nicht das, was die Bibel sagt.
Drittens ist vielleicht die Gefahr, dass wir die Bibel als ein Nachschlagewerk betrachten. Ich gehe zur Bibel und antworte auf bestimmte Themen. Aber Gott hat uns kein Nachschlagewerk gegeben. Er hat keine systematische Theologie gegeben. Er hat Geschichten gegeben, er hat Begegnungen geschenkt. Wenn wir die Bibel nur als Nachschlagewerk und nur Themenpredigten machen, hören wir nicht das Wort Gottes so, wie das Wort Gottes gegeben worden ist.
Natürlich könnte ich mehr sagen, aber das möchte ich nicht.
Orientierung an Kontext, Demut und gemeinsamer Prüfung
Aber ich möchte trotzdem noch einmal nachhaken. Danke, Martin. Du hattest die Losungen erwähnt. Ich weiß nicht, wie viele Leute du hier ins Herz getroffen hast, als du die Gefahren genannt hast.
Du hattest in dem Kontext erwähnt, dass man die ganze Passage lesen sollte, und es scheint für dich entscheidend zu sein, wie man zu einer richtigen Interpretation kommt. Kannst du vielleicht noch kurz etwas dazu sagen, wie man denn sichergehen kann, in einem vernünftigen Rahmen die richtige Interpretation zu haben, und wie man sich gegen falsche Interpretationen schützen kann?
Ich denke, ich würde einfach sagen: Das habe ich gewissermaßen schon beantwortet. Das ist diese Idee von Kontext. Wie versteht man das im Kontext? Aber natürlich kann man schauen, welche Hinweise der Autor gegeben hat. Das werde ich in der letzten Einheit machen.
Aber vielleicht möchte ich vor einer Gefahr warnen, die es bei uns in England gab. Ich habe gesagt, es gab diese Revolution in den Achtzigerjahren, in der wir neu gelernt haben, die Bibel auslegungsmäßig oder schriftgemäß zu lesen. Da kam zuerst die Gefahr: Man hatte so große Angst, die Bibel falsch zu verstehen und falsch zu lehren, dass man völlig verkopft wurde. Und es ging nur noch um die absolut richtige Theologie.
Und man muss nicht vergessen: Gott hat sein Wort gegeben, nicht damit intelligente Menschen ganz klare Theologie haben, sondern damit alle Menschen ihm begegnen können. Deswegen möchte ich euch davor warnen, zu verkopft zu werden und zu große Angst zu haben. Wir haben den Heiligen Geist, wir haben gewisse Prinzipien, die wir anwenden können, und Gott wird zu euch sprechen. Also habt Vertrauen.
Sicherer gehen kann man, dass man die richtige Interpretation hat, wenn man auf andere Christen hört. Ich weiß noch ein Beispiel, als ich in Graz war, am Anfang meiner Zeit in Österreich. Ich habe mit Andreas gesprochen, er war Student, und wir haben über Apostelgeschichte 16 gesprochen, eine Stelle in Apostelgeschichte 16. Ich habe ihm erklärt, was ein bestimmter Vers bedeutet. Und ich habe das vielen Leuten, glaube ich, schon vorher so erklärt, und alle haben gesagt: Danke, das ist sehr hilfreich usw.
Und dann habe ich das Andreas auch gesagt, und ich gehe weiter, und er sagt: Moment, sag das noch einmal. Und ich habe das noch einmal gesagt und ihm gezeigt. Ich habe ihm den Vers gezeigt und gesagt, das bedeutet Folgendes. Und dann sagt er: Es steht aber nicht da. Und ich sage: Ja, ja, doch. Und ich war so sicher, ich erkläre das noch einmal, und er sagt: Es ist nicht da.
Und ich habe noch einmal geschaut, und es war nicht da. Und er hat mir beigebracht, dass ich eigentlich eine falsche Interpretation habe. Es war nicht so eine heilsnotwendige Sache, aber es war einfach etwas, was ich missverstanden hatte. Aber weil ich das selbstbewusst weitergegeben habe, haben viele Leute gedacht, es muss stimmen. Aber Andreas war so ein schwieriger Mensch, dass er bereit war, das in Frage zu stellen. Das ist super, das habe ich nie vergessen. Ich bin ihm sehr dankbar.
Ja, also ich denke, man hört auf andere Christen, was sie denken, was sie sagen. Und gemeinsam kommen wir, wir sind Leib Christi, oder? Dann kommen wir zusammen so weit, dass wir die Bibel besser verstehen. Also ist ein gutes Stück Demut gefragt und Geduld, gutes Zuhören. Wenn du nicht in einem Bibelkreis bist, dann schließ dich schnell einem an. Amen!
Predigt als Begegnung und nicht als Vorlesung
Weil das Stichwort „verkopft“ gerade gefallen ist: Vielleicht kann Auslegungspredigt, oder auch dieser gesamte Ansatz, ja unter dem schlechten Ruf stehen, verkopft zu sein. Man hört auch von Gemeinden, in denen das Experiment „Auslegungspredigt“ durchgeführt wurde und wieder abgebrochen wurde, weil es zu verkopft schien.
Den Eindruck hatte ich heute nicht, Andrew, wenn ich die Frage an dich stellen kann. Was ist denn dein Geheimnis oder deine Herangehensweise, wie du Auslegungspredigt oder Auslegungsmethodik davor bewahren kannst, verkopft zu wirken?
Ich habe kein Geheimnis, zumindest nicht diesbezüglich, aber es ist mir ein großes Anliegen. Ich denke, ich habe Auslegungspredigten gehört, die eher Vorlesungen sind. Und Vorlesungen haben schon ihren Platz, und dieser Platz heißt Hörsaal. Die Predigt oder die Bibelarbeit oder die Auslegung sollte aber keine Vorlesung sein.
Und einiges, was man dagegen machen kann: Zunächst einmal soll es nicht einfach um den Kopf gehen, also bei dem, der redet. Ich habe eine Allergie, und diese Allergie tritt im Gottesdienst auf, wenn der Gottesdienstleiter sagt: „Wir singen jetzt das nächste Lied, und nach dem nächsten Lied kriegen wir die Lesung, und dann wird Andrew Page kommen und die Bibelstelle erklären.“
Ich bin allergisch auf diesen Satz, weil natürlich ein Teil meiner Aufgabe ist, dass ich die Bibelstelle erkläre. Wenn ich ein Lehrer bin, soll ich erklären. Aber ist das alles? Bin ich wirklich zufrieden, wenn die Leute nachher einfach sagen: „Ja, jetzt verstehe ich Johannes 2,1-12, vielen Dank, auf Wiedersehen“? Nein, es soll eine Begegnung mit Gott sein. Es soll ein übernatürliches Ereignis sein.
Das kann ich nicht bewirken, aber ich kann etwas dagegen tun, dass die Leute das einfach als Vorlesung sehen. Das heißt, ich möchte, wenn ich predige oder wenn ich lehre, schon, dass es klar wird – es gelingt mir nicht immer –, dass es hier nicht nur um Informationsvermittlung geht, sondern auch um Begegnung mit dem Herrn. Ich meine, das sollte eh klar sein, oder?
Deswegen rufe ich zum Beispiel oft dazu auf, am Anfang einer Predigt, dass die Leute zwei Dinge auf einmal tun: dass sie nicht nur zuhören und lesen, sondern auch mit dem Herrn reden. Es ist gewaltig. Es gibt ein Buch von Jay Adams: Wie sollte man eine Predigt hören? Und das Buch ist wahrscheinlich sehr gut. Ich habe einige solcher Bücher gelesen, aber in keinem Buch habe ich bis jetzt den Vorschlag gelesen, dass der Zuhörer sich die ganze Zeit immer wieder mit dem Herrn unterhalten soll.
Ich kann mit dem Herrn reden, während ich jetzt diesen Satz sage. Ich kann für euch beten, während ich diesen Satz sage. Und wenn ich das Wort Gottes lese oder das Wort Gottes höre, wie jemand anderer lehrt, zum Beispiel, kann ich gleichzeitig zuhören und sagen: „Danke, Herr, das ist super. Hilf mir, das zu verstehen. Herr, schenke es, dass mich das mehr bewegt. Herr, schenke es, dass meine Liebe zu dir wächst.“
Es ist gewaltig, wenn der ganze Raum voll mit Gebet ist. Also das ist, glaube ich, etwas, was dagegen wirkt, dass die Auslegungspredigt zu einer Vorlesung wird. Und deswegen hieß es, als ich mein Buch geschrieben habe, nicht nur: Wie lehre ich die Bibel?, sondern: Wie lehre ich die Bibel, damit Menschen Gott begegnen?
Es soll darum gehen, dass Leute das Gefühl haben: nicht nur, ich habe eine tolle Auslegung gehört, ist das alles? Sondern dass sie sagen: Ich bin Gott heute neu begegnet. Wow!
Klarheit der Schrift und die Offenbarung
Ja, vielen Dank! Eine Sache, die mir aus diesem Wochenende in Erinnerung bleiben wird, ist diese Verbindung zwischen Auslegung und Anbetung, die bei dir jedes Mal auch ausdrücklich genannt worden ist. Das ist sicherlich etwas, was ich für mich in meinen Gottesdienst mitnehmen möchte.
Vielleicht könnten wir noch einige der Fragen aus den gestellten Fragen stellen. Wir werden natürlich nicht alle Fragen beantworten können. Deshalb haben wir die Fragen zu spezifischen Bibelstellen ausgeklammert und möchten euch erst einmal dafür danken, dass ihr sie gestellt habt und dass ihr euch die Zeit dafür genommen habt. Wir möchten euch ermutigen, diese Fragen dann im persönlichen Gespräch Martin und Andrew zu stellen. Sie können es gar nicht abwarten, dass ihr sie zu den Bibelstellen fragt, die sie behandelt haben.
Aber vielleicht fange ich hier einfach mal mit dieser einen Frage an, die für Andrew Page ist. Sie lautet: Andrew, gilt die Säule der Klarheit der Schrift auch für die Offenbarung, also das Buch der Offenbarung? Und als Anmerkung darunter steht: In Anbetracht der vielen unterschiedlichen Lehrmeinungen, auch im bibeltreuen Raum – ich werde nicht alle aufzählen –, könnte man ins Zweifeln kommen.
Ganz kurze Antwort in einem Satz: Das ist Optimismus, Klaas. Ich denke, ich habe schon sehr deutlich gesagt, dass ich auf jeden Fall an dieses Prinzip der Klarheit der Schrift glaube. Aber ich glaube auch, dass Teile der Schrift für uns schwieriger sind als andere. Und das ist nicht so leicht, aber das stört mich nicht.
Es stört mich zum Beispiel nicht, dass es verschiedene Meinungen über das tausendjährige Reich gibt: Premillennialism, Amillennialism, Postmillennialism, Dispensationalism, Pretribulation Premillennialism, Posttribulation Premillennialism und so weiter und so fort. Diese Unterschiede sind da, und ich kann sehr gut damit leben.
Aber wir glauben alle, die Jesus kennen und die an die Bibel glauben, dass Jesus eines Tages wiederkommen wird in Herrlichkeit. Dann bin ich mehr als zufrieden, dann freue ich mich, dann habe ich Vorfreude. Und ich muss nicht alle Einzelheiten wissen. Ich darf zu gewissen Fragen sagen: Ich weiß es nicht. Ich darf zu anderen Fragen sagen: Ich habe meine Meinung, aber ich kann meine Hand nicht dafür ins Feuer legen. Das ist absolut okay.
Aber Martin will uns noch etwas sagen über die Offenbarung. Ein Buch von Predigten über die Offenbarung fängt an mit einer Geschichte. Ich weiß nicht, ob es wirklich passiert ist, aber es soll irgendwo in Amerika gewesen sein, vielleicht an einer Universität oder so. Die christlichen Athleten besprechen diese unterschiedlichen Meinungen zur Offenbarung, und da kommt der Hausmeister herein, der einfache Mensch, der eigentlich nicht studiert hat und so weiter. Und er hört, was sie diskutieren, und sagt: Warum ist das so kompliziert? Ich verstehe das einfach so: Jesus gewinnt.
Wenn man die Offenbarung mit diesem Gedanken liest, wirst du davon profitieren.
Auslegungspredigt und die Frage nach dem Stil
Ja, hier ist noch eine zweite Frage. Da steht direkt darüber „an Martin“, und die ist zu dieser Frage: Auslegungspredigt. Da hattest du gesagt, eine Auslegungspredigt heißt nicht immer automatisch, dass man in der Predigt Vers für Vers durch den Bibeltext durchgeht. Da ist die Frage wahrscheinlich immer zum Verständnis: Was ist der Unterschied zwischen einer Auslegungspredigt und einer Predigt, die den Text Vers für Vers erklärt?
Ich glaube, ich habe gestern Abend einen kurzen Austausch zu diesen Themen mit deiner Frau gehabt. Vielleicht will sie das jetzt beantworten. Das war nicht ernst gemeint.
Ich glaube, bei der Auslegungspredigt ist es so: Wenn man versucht, mit der Maserung zu schneiden, dann geht es nicht darum, dass sich jeder Satz in diesem Text erklärt hat. Es geht darum, dass wir den Sinn des Textes als Ganzes verstanden haben. Vielleicht ist der Hauptpunkt das Wichtigste, ja. Und deswegen finde ich es nicht nötig, dass ich jede kleine Einzelheit erklärt habe. Wichtig ist aber, dass der Hörer begriffen hat, was der Schwerpunkt ist. Ja, das ist das Wort: der Schwerpunkt verstanden hat.
Ich weiß nicht, ob das übersetzt, aber jemand hat mir vor Jahren gesagt, es ist vielleicht manchmal besser, nicht von expository preaching zu sprechen, sondern von expository preparation, also nicht von Auslegungspredigt, sondern von Auslegung in der Vorbereitung. Was er damit meint, glaube ich, ist weise. Natürlich sprechen wir von der Auslegungspredigt. Aber als Prediger muss ich in meinen Vorbereitungen auslegungsgemäß an den Text herangehen, damit ich ihn richtig verstanden habe, damit ich den Schwerpunkt festgestellt habe und so weiter.
Aber wie ich das dann weitergebe, sozusagen wie ich das Essen auf den Teller stelle, da gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. Es kommt auf das Publikum an, auf die Zuhörer, ob es Jugendliche, Ältere, Familien oder die Gemeinde oder irgendetwas anderes ist. Es gibt so viele Möglichkeiten, den Sinn des Textes weiterzugeben. Auslegungspredigt bedeutet nicht einen bestimmten Stil, mit dem man das rüberbringt, sondern einen bestimmten Stil, mit dem man sich mit dem Text auseinandersetzt.
Ist das verständlich, oder willst du ergänzen?
Christus, das Wort Gottes, und die Schrift
Okay, weiter zum Thema Schriftverständnis. Andrew, was ist das Verhältnis von Christus als Wort Gottes und der Schrift als Wort Gottes? Was bedeutet das für die Schriftauslegung? Gibt es da also eine Spannung, und wie sieht dieses Verhältnis aus?
Für mich persönlich gibt es keine Spannung. Jesus ist das Wort Gottes in dem Sinne, dass er uns Gott offenbart, so wie meine Worte zeigen, wie ich bin. Das Wort Gottes, Jesus, zeigt uns, wie Gott ist. Deswegen wird dieser Begriff so verwendet. Er wird, glaube ich, nur im Johannesevangelium und in der Offenbarung verwendet. Das bedeutet nicht, dass er unwichtig wäre. Aber Jesus ist das Wort Gottes. Ich habe kein Problem damit.
Wir haben aber auch das geschriebene Wort Gottes, und es steht nicht in Konkurrenz zu Jesus. Wie ich vorher gesagt habe, sehen wir in den Evangelien, wie Jesus im Alten Testament steht, und wir sehen in den Evangelien auch, wie Jesus verspricht, dass ein neues Testament kommen wird. Das heißt, ich sehe keine Spannung, obwohl es eine Art Theologie gibt, die eine solche Spannung sieht. Und ich glaube, Martin versteht das besser als ich.
Nein, doch, das ist Kaschme. Ich denke, der Hintergrund zu dieser Frage ist der Versuch mancher Christen, Theologen usw., zwischen Jesus Christus zu trennen, der das Wichtigste ist, das lebendige Wort Gottes, und der Schrift als dem geschriebenen Wort Gottes, also dem nicht lebendigen Wort Gottes. Und manchmal ist das eine berechtigte Reaktion auf ein verkopftes Verständnis der Schrift, wo irgendwie die Liebe zu Jesus verlorengegangen ist, weil man versucht, nur ganz klare Theologie zu haben, und da ist keine Begegnung mit Gott.
Mein Problem mit dieser Herangehensweise, wo eigentlich behauptet wird, explizit und implizit, dass das lebendige Wort wichtiger ist als das geschriebene Wort, ist: Eigentlich weiß ich überhaupt nichts über das lebendige Wort ohne das schriftliche Wort. Und der Jesus, dem ich dann als lebendiges Wort begegnen will, ist eigentlich ein Jesus, den ich mir erfunden habe. Wenn man diesen Schnitt zwischen geschriebenem und lebendigem Wort macht, dann ist das eigentlich ein Ebenbild.
Ja, genau. Das ist ein Jesus, den ich ausgedacht habe. Ich muss sagen: Geschriebene und lebendige Worte gehören zusammen. Das ist eigentlich selbstverständlich, wenn man das richtig verstanden hat. Und wer spricht, wenn die Bibel mich anspricht? Wer spricht? Das ist Jesus.
Träume, Visionen und die normale Weise Gottes zu handeln
Also, wenn ihr dazu noch mehr Fragen habt, dann wendet euch an die zwei.
Es kam noch eine Frage an Martin, die lautet: Du hast gesagt, dass wir keine direkte Rede von Gott erwarten sollen, sondern dass der Heilige Geist im Normalfall durch den Verstand wirkt. Wie beurteilst du die Berichte, vor allem aus muslimischen Ländern, wo ehemalige Muslime davon berichten, dass Gott oder Jesus ihnen in Träumen oder Visionen direkt begegnet ist?
Ja, ich freue mich, dass ich die Chance habe, diese Frage zu beantworten, weil jemand mir etwas sagen gehört hat, was ich nicht gesagt habe oder nicht so gemeint habe.
Ich will unterscheiden zwischen der üblichen Art und Weise, wie Gott mit uns spricht, und der unüblichen. Normalerweise spricht er durch die Schrift. Wenn wir die Schrift haben, haben wir kein Recht zu verlangen, dass Gott uns irgendwie übernatürlich direkt anspricht. Aber natürlich kann Gott das tun, das hat er immer getan.
Durch die ganze Geschichte der Kirche hindurch sieht man das. In Apostelgeschichte beten die Leute zusammen und merken, dass Gott sie dazu führt, Paulus und Barnabas rauszuschicken. Das stand nicht in der Schrift; sie hörten Gott in diesem Sinn ausserhalb der Schrift.
Wenn ich über Guidance spreche, also über die Frage, wie Gott uns leitet, dann ist mein Schlusssatz oft: Wir müssen uns darauf einstellen, dass Gott auf die übliche Weise handelt, also normal. Aber wir müssen offen sein für sein anormales oder unübliches Reden.
Und ich würde sagen: Bei diesen Muslimen, die eine Vision von Jesus haben, einen Traum haben, ist das absolut wahr. Das ist Gottes unübliche, übernatürliche Antwort auf eine Situation, in der sie Jesus auf keine andere Weise begegnen können, weil sie keine Bibel haben und so weiter und so weiter.
Vielleicht ein kleiner Vergleich: Wenn man mit Christen spricht, die neu im Glauben sind, ist es oft so, dass sie unheimlich viele schnelle Gebetserhörungen haben und Reden Gottes hören und viele Erfahrungen machen, weil Gott so gnädig ist. Sie sind kleine Kinder und brauchen ein bisschen extra Hilfe. Und er ist gnädig.
Aber man merkt, dass Christen, indem sie reifen, lernen, mit dem üblichen Handeln Gottes auszukommen. Man ist nicht darauf angewiesen, diese Extra-Erfahrungen zu haben, weil man Gott immer mehr vertraut.
Manchmal erleben Christen auf dem Weg zur Reife lange, dürre Perioden, wie in der Wüstenwanderung, wo sie wenig Erlebnisse mit Gott haben, von dieser Art. Und sie lernen, mit dem zurechtzukommen, was Gott schon geschenkt hat: die Schrift, den Heiligen Geist und so weiter.
Deswegen sage ich: Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir nichts von Gott hören ausserhalb der Schrift, sozusagen. Aber wir sollen ganz offen sein, dass es kommen kann. Irgendwie in dieser Spannung leben.
Denkst du, ich habe das gut ausgedrückt? Oder bin ich von der einen oder anderen Seite her missverstanden worden?
Nein, das war eine tolle Antwort.
Darf ich noch etwas dazu sagen? Also, ich finde es so grossartig, dass Gott nicht sagt, wenn es um bestimmte Muslime geht, zum Beispiel in bestimmten Ländern, wo keine Bibel da ist, dass er nicht sagen muss: Ja, leider, ich würde mich gern diesen Leuten offenbaren, aber leider geht es gar nicht, weil sie keine Bibel haben. Schade, Gabriel, bring mir einen ewigen Plan B.
Er schickt einen Traum, er schickt eine Vision, das ist für ihn überhaupt kein Problem. Aber das ist unüblich, weil der übliche Weg, wie Martin das so klar gesagt hat, ist, dass er über die Schrift zu uns spricht.
Vielleicht noch hinzugefügt: Ich habe es vielleicht übertrieben, wenn ich sage, auf den Normalen. Also, das ist die Frage: Was ist normal und üblich? Ich will, dass die Christen in unserer Gemeinde, ich würde sagen, die Kategorie haben: Gottes prophetisches Wort heute.
Dass zum Beispiel jemand einen Traum hat und das Gefühl hat, das könnte von Gott kommen, dass sie nicht denken: Oh nein, das kann nicht sein, das ist ausserhalb der Schrift, sondern dass sie das ernst nehmen, prüfen und mit anderen vielleicht besprechen. Dass man offen dafür ist. Also, ich meine ein bisschen mehr als offen dafür, dass man die Kategorie hat: Es kann sein, dass Gott mir irgendwie einen Eindruck gibt, der nicht direkt aus der Schrift kommt. Diese Kategorie müssen wir haben, aber nicht erwarten, dass jeden Tag diese Kategorie erfüllt wird, gefüllt wird.
Versteht ihr das, was ich meine? Habt ihr gehört? Sorry!
Vielleicht kannst du da noch ganz kurz etwas zu der Autorität sagen, die solche aussergewöhnlichen Offenbarungen haben. Du hattest etwas vom Prüfen erwähnt.
Ja, natürlich. 1. Korinther 14 sagt, wenn jemand solche prophetischen Eindrücke hat, dann muss das geprüft werden. Das sagen sie nie über die Heilige Schrift. Das muss nie geprüft werden, weil sie eine absolute Autorität hat.
Was wir von Gott auf andere Art und Weise empfangen, muss immer geprüft werden. Es hat nicht dieselbe Autorität wie die Heilige Schrift. Das ist sehr wichtig.
Und es gibt einen Unterschied zwischen alttestamentlicher Prophetie und neutestamentlicher Prophetie. Die Propheten im Alten Testament, Jesaja usw., haben gesagt: So spricht der Herr. Und das war nicht zum Prüfen da; das war das Wort Gottes, wortwörtlich das Wort Gottes.
Aber im Neuen Testament ist Prophetie, wie Martin sagt, etwas, das geprüft werden soll. Das heisst meiner Meinung nach persönlich: Wenn jemand heutzutage irgendwie prophetisch begabt ist, sollte er oder sie diesen Satz nicht mit „So spricht der Herr“ beginnen, sondern viel lieber mit: Mir kommt vor, vielleicht sagt der Herr Folgendes.
Und dann können die Leute entweder sagen: Ja, reden wir darüber. Oder: Nein, glaube ich nicht, weil das ein biblisches Buch ist, also die Schrift, weil die Schrift natürlich höhere Autorität hat. Oder sie sagen: Das ist interessant, vielleicht sagt der Herr uns das schon.
Darf ich ein Beispiel geben? Ich liebe dieses Beispiel.
Das ist eine Gemeinde, eine anglikanische evangelikale Gemeinde in Nordwestengland, Holy Trinity Platt in Manchester. Sie hatten nicht genug Platz für alle, die in der Gemeinde waren und zur Gemeinde kamen. Sie haben sich gedacht, es wäre super, noch ein Gebäude zu bauen.
Sie konnten ihr Gebäude nicht niederreissen, weil es geschützt ist oder so etwas. Und sie wollten neben ihrem Gebäude ein zweites Gebäude bauen, ein neues Gebäude. Sie hatten eine Firma, die gekommen ist und das Gelände daneben gemessen hat. Und die hat gesagt: Nein, das geht leider nicht. Das ist vom Gesetz her nicht erlaubt, es ist zu eng, es ist nicht erlaubt.
Und die Gemeinde war ziemlich traurig, weil sie nicht gewusst hat, was sie machen soll. Sie haben gedacht, sie sollen vielleicht woanders bauen, aber dann müssen die Kinder für die Kinderstunde durch die Gegend gehen und so weiter, Strassen überqueren und so weiter. Sie wussten nicht, wie sie weitermachen sollten.
An einem Sonntag steht der Pfarrer an der Tür und sagt Auf Wiedersehen und so weiter. Eine ältere Frau, die immer in der Gemeinde war, gibt ihm die Hand und sagt: Herr Pfarrer, ich bin eine alte Frau, es ist nicht ernst zu nehmen, was ich jetzt sagen werde, aber ich habe das Gefühl, ich sollte es Ihnen sagen. Das Problem, dass wir hier nicht daneben bauen können, ich denke, vielleicht sollte man die Firma noch einmal bitten, zu kommen und das Gelände noch einmal zu messen.
Aber ich meine, es ist eine professionelle Firma, und ich bin eine alte Frau, das ist nicht ernst zu nehmen. Schönen Tag, auf Wiedersehen.
Und der Pfarrer hat das mit den anderen in der Leitung besprochen, und sie haben gedacht, es ist sehr unwahrscheinlich. Aber wir bitten diese Firma noch einmal zu kommen. Sie haben dieselbe Firma gebeten, noch einmal zu kommen und das noch einmal zu messen, und die Firma hat gesagt: Das ist uns noch nie passiert, wir haben falsch gemessen. Sie können bauen.
Ich glaube, das war prophetisch von dieser Frau. Aber sie hat sich nicht vor die ganze Gemeinde gestellt und gesagt: So spricht der Herr. Sie hat nur gesagt: Ich bin eine alte Dame, und ich habe den Eindruck, vielleicht, eventuell kann es sein, ich weiss es nicht, hört nicht auf mich.
Man muss empfänglich dafür sein, dass das sein könnte.
Ich habe noch ein ganz kurzes Beispiel: Vor 15 Jahren war ein Pfarrer in England, und jemand kam zu ihm. Es war überhaupt keine charismatische Gemeinde, wo das üblich war. Und es kam jemand aus der Gemeinde zu ihm und sagte: Entschuldigung, aber mir geht dieser Gedanke immer wieder durch den Kopf. Ich kann diesen Gedanken nicht loswerden. Du sollst zum Arzt, um irgendetwas zu checken. Ich weiss nicht genau was.
Und er ging zum Arzt, und es war Krebs. Aber es war früh entdeckt und geheilt und so weiter.
Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass es viele Christen aus den, sagen wir, nicht charismatischen Kreisen gibt, die einfach gedacht hätten: Ach, kann nicht sein, der spinnt. Oder derjenige, der die Botschaft überbringt, denkt: Na ja, das kann nicht sein, dass Gott mir so eine Botschaft gibt.
Das ist das, was ich meine. Wir müssen diese Kategorie haben, empfänglich sein, aber nicht denken, das wird jeden Tag passieren. Und das ist nicht die übliche Art und Weise, wie Gott mit uns spricht.
Auslegungspredigt in missionarischen Situationen
Wir hatten gerade in der Einleitung schon von Muslimen gesprochen, die Träume haben. Ich finde das eine unheimlich spannende Sache, denn da sehen wir, wie der Heilige Geist als Missionar aktiv ist.
Stichwort missionarische Situationen: Hier ist eine Frage an euch beide. Wie sieht denn Auslegungspredigt in missionarischen Situationen aus, also mit Leuten, die die Bibel nicht kennen und ihr nicht vertrauen? Vielleicht können wir diese Kategorie der Auslegungspredigt etwas erweitern auf die ganze Herangehensweise der auslegenden Schriftmethode.
Ja, ich kann das ein bisschen persönlich beantworten. Das stimmt. Als Andrew 2001 gekommen ist, um die Hochschultage zu machen, hat mich beeindruckt, was wir da gemacht haben. Es war Café-Stil um Tische herum. Auf jedem Tisch lagen kleine Lukas-Evangelien, und das Ganze war sehr locker gemacht. Andrew hat uns einfach gebeten, auf Seite X nachzuschlagen, und er hat es gelesen und dann erklärt.
Ich nenne das auf Englisch Teaching Evangelism, und ich finde das eine sehr wichtige Herangehensweise für heute, wo die Leute überhaupt keine Ahnung haben, dass Gott durch sein Wort spricht. Übrigens ist das auch eine Stärke von diesem Kurs Christianity Explored, auf Deutsch Christentum entdeckt, weil in diesem Kurs jeder Kursteilnehmer das Markus-Evangelium lesen muss, und zwar in Stücken über sieben Wochen. Und die Leitidee ist so etwas wie: Wir wollen, dass Menschen Jesus Christus begegnen, indem er sozusagen von den Seiten des Evangeliums in ihr Leben tritt oder so ähnlich.
Ich finde das sehr, sehr wichtig. Das wäre meine persönliche Kritik an Alpha. Ich finde Alpha wunderbar, und Gott benutzt das. Millionen oder Hunderte sind durch Alpha zum Glauben gekommen. Aber wenn ich einen Alpha-Kurs benutzen würde, müsste ich sehr viel Nachhilfe machen, also Nacharbeit, weil es nur zwei Einheiten über das Evangelium gibt, also darüber, was Jesus getan hat. Danach geht es darum, wie man als Christ lebt. Aber die meisten in unserer Gesellschaft haben in zwei Einheiten nicht verstanden, wer Jesus überhaupt ist und was er getan hat. Es ist viel besser, wenn sie die Chance haben, über sieben Wochen mit Jesus im Evangelium ihm zu begegnen.
Es gibt Christen, die denken: Wenn meine Freunde nicht gläubig sind, dann glauben sie sowieso nicht, dass die Bibel das Wort Gottes ist. Dann bringt es nichts, dass ich die Bibel verwende. Ich glaube, das ist falsch.
Ein gläubiger Student hat einmal mit jemandem in seiner Gemeinde darüber geredet, mit einem erfahreneren Christen. Er hat gesagt: Ich habe Freunde an der Uni, die sind offen für den Glauben und für Gespräche, aber sie glauben nicht, dass die Bibel das Wort Gottes ist. Wie kann ich sie überzeugen, dass die Bibel das Wort Gottes ist? Und dieser Leiter hat gesagt: Das ist nicht notwendig.
Stell dir vor, die Bibel sagt, dass sie das Schwert des Geistes ist. Stell dir vor, ich rede mit einem Freund und ich habe ein Schwert in der Hand, nicht deine Bibel, sondern ein Schwert. Und ich sage: Das hier ist ein Schwert. Und mein Freund sagt: Das glaube ich nicht. Wie kann ich ihn überzeugen, dass es ein Schwert ist? Bissel hineinstecken.
Wir sollen die Bibel verwenden. Kraft ist da, auch wenn Leute nicht glauben, dass Kraft da ist. Kraft ist in diesem Buch, weil es das Wort Gottes ist und weil der Heilige Geist der erleuchtende Geist ist.
Billy Graham, der Evangelist ist und war, hat manchmal, wenn jemand, der ungläubig war, ihm gesagt hat: Ich habe viele Fragen, ich habe viele Einwände gegen den Glauben, folgende Antwort gegeben: Ich bin gerne bereit, mit dir über diese Einwände zu reden, aber mach mir einen Gefallen. Bitte lies vorher zehnmal das Johannesevangelium durch, und dann komm, und wir reden über deine Einwände.
Und sehr viele dieser Menschen, die das Johannesevangelium zehnmal durchgelesen haben, sind gläubig geworden. Das ist ein bisschen hineinstecken.
Erneuerung, Gebet und die Rolle des Wortes Gottes
Die ist zwar überschrieben mit „Bruder Andrew“, aber ich würde sie an beide stellen. Die Frage lautet: Ich denke, dass sich viele Christen in diesem Raum eine geistliche Erneuerung für diese Region, damit ist Ostdeutschland gemeint, wünschen. Was können wir tun, was kann ich tun, damit Gott uns dazu gebrauchen kann? Hast du praktische Ratschläge für die ersten Schritte? Und weil das Thema unserer Konferenz das entfesselte Wort ist, würde ich das mit der Frage auch verbinden: Wie kann Gottes Wort dabei eine Rolle spielen?
Ich könnte hier natürlich eine viel bessere Antwort geben, wenn ich sagen könnte: Ja, ich habe so etwas erlebt, wir haben so etwas gemacht, und dann ist eine Erweckung gekommen, und Tausende von Menschen sind gläubig geworden.
Als ich an der Uni war, haben wir etwas erlebt. Es war keine Erweckung, aber es war sicher etwas Großes. Wir waren, glaube ich, ungefähr 15 Studenten in der Unigruppe, und wir haben gebetet, dass der Herr so in uns wirkt, dass wir mehr beten würden. Wir haben nicht einfach gesagt: Wir werden mehr beten. Wir haben dem Herrn gesagt: Bitte schenke mir einen neuen Geist des Gebets.
Und die Gebetstreffen sind anders geworden. Sie waren nicht mehr so peinlich, es hat wirklich Freude gemacht zu beten, und wir haben gebetet, dass der Herr Bekehrungen an der Uni schenkt. Innerhalb eines Jahres oder eineinhalb Jahren war die Gruppe doppelt so groß. Es war ein großes Wachstum für uns.
Ich war damals im Leiterteam der Studentengruppe, und der Leiter des Leiterteams hat gesagt: Wir haben am Anfang unseres Treffens immer zusammen gebetet, oft nur fünf oder zehn Minuten lang, und dann haben wir geredet. Aber in dieser Zeit, weil wir anders gebetet haben und der Herr es geschenkt hat, haben wir manchmal so eine Dreiviertelstunde als Leiterteam gebetet. Manchmal musste der Leiter des Leiterteams fast mehr oder weniger unterbrechen und sagen: Es tut mir leid, wir haben Dinge, die wir unbedingt besprechen müssen, wir müssen jetzt aufhören zu beten. Der Herr war da wirklich am Wirken.
Aber letztlich kommt das alles vom Herrn. Also würde ich sagen: Bitten wir den Herrn, dass er in uns, in seinen Kindern, wirkt, durch sein Wort und durch seinen Geist, damit wir mehr beten, mehr vom Herrn bitten und mehr Mut bekommen. Das habe ich nicht natürlich in mir, von anderen von Jesus zu erzählen. Beten wir dafür, dass Gott das macht. Und ich bin gespannt, was passieren wird.
Aber wir sollten sicher nicht denken: Ich finde die Frage super, ich habe keine tolle Antwort, wie ihr gerade gehört habt, aber ich finde es sehr gut, dass die Frage gestellt wird. Denn die Gefahr ist sonst, dass wir einfach so bleiben, wie wir sind. Und wir denken, das ist okay, so wird es sein bis zur Wiederkunft Christi. Wer sagt das? Da ist nichts hinzuzufügen.
Das ist die Urgemeinde: Apostelgeschichte, Dienst am Wort, Wort weitergeben, beten. Wir brauchen keine neuen Ideen, wir brauchen das eigentlich zu tun.
Abschluss und Dank
Herr Präsident! Vielen Dank für eure Zeit!
Ich denke, das wollen wir auf jeden Fall mitnehmen: dass das Wort Gottes die Grundlage ist, dass wir Gott im Gebet vertrauen, dass wir mit dem Eingreifen seines Geistes rechnen und dass wir sehen, wie er unsere Gemeinden erneuert und vielleicht auch unsere ganze Region.
Ich danke euch noch einmal ganz herzlich für eure Zeit.
