Schon einmal erschütterte eine Kreuzigungsszene das Publikum: Das Musical
,,Jesus Christ Superstar" war für viele Theaterbesucher ein unvergessliches
Ereignis. Reiner Schöne, der Hauptdarsteller der deutschen Erstaufführung,
hat viel mit mir über diese Rolle diskutiert. Wie kann ein Mensch den Sohn
Gottes spielen? ,,Und überhaupt", sagte er zu mir, ,,kannst du dir
vorstellen, was das rein körperlich für eine Anstrengung ist, wenn man da
minutenlang mit dem Rücken zum Publikum mit ausgebreiteten Armen stehen
muss?"
Ja, sicher; aber irgendwann konnte der Reiner Schöne die Arme wieder
runterklappen, in seine Garderobe gehen, ein Bier trinken, sich duschen -
und außerdem bekam er' s noch bezahlt. Das war bei Jesus nicht so. Der
konnte nicht irgendwann die Arme runterklappen. Der musste am Kreuz hängen
bleiben, bis der letzte Blutstropfen aus ihm gewichen war. Der bekam kein
Bier. Dem haben sie Essig zu trinken gegeben. Und der bekam es nicht
bezahlt, sondern er bezahlte am Kreuz mit seinem Blut für die Sünden der
Menschheit. Einer muss ja für unsere Sünden bezahlen. Entweder bezahlen wir
eines Tages in der Hölle, oder Jesus für uns am Kreuz. Und das hat er für
dich gemacht. Kennst Du irgendjemanden, der sein Leben für dich gegeben
hat? Ich frage dich: Was kann Gott mehr tun, als seinen Sohn für dich zu
opfern? Welchen Beweis von Gottes Liebe willst du noch? Was brauchst du
noch, um zu begreifen, wie viel Gott an dir liegt und wie sehr er dich
liebt?
Der Weg zum Verbrecherkreuz fing an in der Futterkrippe, in die der Mensch
gewordene Gottessohn gelegt wurde. Aufgewachsen ist er in einer normalen
Familie, er arbeitete als Zimmermann auf dem Bau wie sein Vater. Er hat nie
ein Buch geschrieben. Nie eine Vorlesung vor Studenten gehalten. Keine
Partei gegründet. Er hatte keine Armee, keine Leibgarde, kein Geld. Der
Mann, nach dessen Geburtsjahr wir die Jahre zählen und dem Millionen
Menschen folgen, war Zeit seines Lebens arm und hat doch so viele unendlich
reich gemacht. Er sagte von sich, dass er nicht mal ein eigenes Bett hatte.
Er wurde geboren in einer geborgten Futterkrippe. Er predigte in einem
geborgten Boot. Er ritt nach Jerusalem auf einem geborgten Esel. Er hielt
sein letztes Abendmahl in einem geborgten Saal. Er wurde bestattet in einem
geborgten Grab. Er beanspruchte nichts für sich. Der einzige Raum, den er
beansprucht, ist das menschliche Herz. Viele Menschen haben kein Herz für
Jesus. Hätte Jesus bei ihnen mehr Platz, hätten sie weniger Probleme.
Hätten sie für ihn mehr übrig, würden sich viele ihrer Sorgen erübrigen.
Bei Jesus geht es um die Machtfrage: Wer ist der Herr in deinem Lebenshaus?
Die meisten wollen Jesus nicht als ihren Herrn anerkennen. Sein Anspruch,
der Sohn Gottes zu sein und der einzige Weg, der zu Gott führt, war vielen
zu viel. So machten sie ihm mit Tricks und falschen Zeugen den Prozess. Er
bekam die Todesstrafe. Sie wurde, wie damals üblich, dadurch vollstreckt,
dass man ihn an ein Kreuz nagelte.
Dort, auf der Müllkippe von Jerusalem, ließ man ihn in der Sonnenglut
hängen, bis sein Kreislauf zusammenbrach und er erstickte. Als er am Kreuz
hing, hing er nicht zwischen zwei feierlichen Altarkerzen, sondern zwischen
zwei fiesen Anarchisten. Einer der beiden hatte einen Mord auf dem
Gewissen. Er kann jetzt nur noch fluchen oder beten. Und da betet er
Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst." Es ist eine groteske
Situation. Ein Lump, der am Kreuz hängt, bittet in letzter Minute Jesus,
der auch am Kreuz hängt, um Aufnahme ins Reich Gottes. Und Jesus, der
größte Lumpensammler aller Zeiten, nimmt ihn auf. Heute wirst du mit mir
im Paradies sein." Dieser Mann ist der erste, der durch das Kreuz gerettet
wurde. Er starb in Frieden. Der auf der anderen Seite starb mit einer
Lästerung, obwohl er direkt neben Jesus hing. Das Kreuz trennt die Menschen
haarscharf in Gläubige und Ungläubige, Gerettete und Verlorene. Jesus ist
gekommen, um die Verlorenen zu retten. Keiner ist für ihn zu schlecht.
Egal, wie tief einer gefallen ist, die Liebe von Jesus reicht bis in die
untersten Schubladen menschlicher Schuld. Jesus, der sogar für seine
eigenen Mörder um Vergebung bat, vergibt jedem, der ihn darum bittet. Die
Bibel sagt: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden."
(Apostelgeschichte, Kapitel 2, Vers 21). Am Kreuz hat Jesus wie ein
Blitzableiter die Strafe auf sich gezogen, die eigentlich uns als die
Schuldigen hätte treffen müssen. Wer sich unter das Kreuz von Jesus stellt,
ist vor dem Strafgericht Gottes sicher. Gerettet! Die Zukunft der Welt
liegt nicht in der Hand von Menschen, die sich an die Stelle Gottes setzen.
Sie liegt in der Hand Gottes, der sich an die Stelle des Menschen gesetzt
hat. Also in den Händen von Jesus.
Das sind die Hände, die sich für mich am Kreuz durchbohren ließen. Mit
diesen Händen hat er meine Schuld weggenommen. Deswegen ist es gut zu
wissen, dass er auch meine Zukunft in die Hand genommen hat. Es gibt
tausend Gründe, sich vor der Zukunft zu fürchten. Es gibt einen einzigen
Grund, sich nicht vor ihr zu fürchten: Jesus.
