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Hebräer 12,12-29

Hebräer 12,12-12,2915.09.2019
Serie•Teil 23 / 25Hebräerbrief
Zweifelst du, ob Gott wirklich gut mit dir meint? Hebräer 12 ruft dich gerade dann zum Aufstehen: Frieden suchen, Sünde loslassen, nicht abbiegen.

Rückblick auf die grundlegenden Glaubensfragen

Also, Bibelwoche 2019, immer noch Hebräerbrief. Es bleibt auch bis zum Schluss beim Hebräerbrief, Kapitel 12, die Verse 12 bis 29.
Ich springe noch mal zurück. Am Dienstag hatten wir Hebräer 11,6, und da haben wir gelesen: Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muss glauben, dass er ist, und denen, die ihn suchen, ein Belohner sein wird.
Wenn ich mir anschaue, wie das manchmal passiert, dass Christen im Blick auf ihren Glauben ins Straucheln geraten, dann sind das meistens zwei Fragen, die an ihrer Seele nagen. Da ist einmal diese Frage, vielleicht so die Frage für die Jüngeren: Gibt es Gott überhaupt, oder bilde ich mir das eigentlich alles nur ein, was ich hier so erlebe? Sind meine Glaubenserfahrungen vielleicht doch nur Wunschdenken, so eine Art gruppenpsychologisches Phänomen?
Das ist die eine Frage: Gibt es Gott? Und die zweite: Wenn es Gott gibt, wie wird er mit mir umgehen? Lohnt es sich, ihm zu vertrauen und ihm zu folgen?
Das sind so die zwei großen Themenkomplexe. Und wenn ich Christ werde, muss ich mir diese beiden Fragen beantworten: Gibt es Gott, und meint er es eigentlich gut mit mir? Ich habe den Eindruck, diese zwei Fragen beantwortet man sich nicht nur am Anfang im Glaubensleben, sondern die beantwortet man sich immer mal wieder. Mein Eindruck ist auch, dass der Teufel keine Gelegenheit ungenutzt lässt, um in unsere Herzen Zweifel an der Existenz Gottes, mindestens jedoch Zweifel an der Güte Gottes, zu säen.
Vor allem diese Frage nach der Güte Gottes stellt sich immer wieder dann, wenn mein Leben durch Leid aus den Fugen gerät. Diese Frage, wie Gott das zulassen kann, ist wahrscheinlich bis heute, ich würde sagen, vielleicht nicht das beste, aber das am häufigsten vorgebrachte Argument gegen die Existenz Gottes.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, wenn ihr euch mit Leuten über den Glauben unterhaltet und ihr outet euch dann: Herr, ich bin Christ. Wir sind ja inzwischen eine Minderheit, es gibt ja nicht mehr so viele von uns. Und wenn ich in meinem, also in dem Umfeld, wo ich evangelistisch tätig bin, das sind ungefähr so Männer im Alter, sagen wir, von 45 bis 75, alles schon ein bisschen gestandene Typen, die auch im Leben etwas erreicht haben, und wenn ich da so als Christ auftrete und die Frage, warum die nicht glauben, dann ist das Argument: Wenn es Gott gäbe, wie passt das mit dem ganzen Leid zusammen? Das ist wirklich super. Das ist das eine Ding, was kommt.
Und die Antwort ist, gelinde gesagt, vielschichtig. Eine, die es für uns als Gläubige zu durchdenken gilt, ist die, dass Gott das Leid der Welt nutzt, um uns zu erziehen. Das haben wir uns gestern angeschaut. Ist das ein Argument, was man jetzt vielleicht in einem Gespräch mit ungläubigen Menschen nicht so verwenden kann? Wo man es mal probieren könnte, um zu sagen: Hey, wir erleben alle relativ viel Leid, aber ich weiß, dass die Dinge, die mir passieren, dass dahinter Gott steckt und dass er sich was dabei gedacht hat. Wie ist das denn bei dir? Das wäre ja auch mal so eine interessante Idee, ein evangelistisches Gespräch zu beginnen.
Das war gestern. Die Frage: Wie ist das mit dem Leid? Seit gestern habt ihr die Brille, die ihr aufsetzen könnt: Ich schaue mir das Leid an aus der Perspektive Erziehung. Und der Autor des Hebräerbriefes ist damit nicht alleine in der Bibel. Zum Beispiel Jakobus: Jakobus 1, die Verse 2 und 3, geht in eine ganz ähnliche Richtung.
Da heißt es in Jakobus 1,2: Haltet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet! Und du denkst: Hä? Das ist doch keine Freude. Haltet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet, indem ihr erkennt, und jetzt sind wir gleich wieder bei dem Thema Erziehung beziehungsweise bei dem Thema geistliches Wachstum, dass die Bewährung eures Glaubens Ausharren bewirkt.
Das ist Jakobus ziemlich ähnlich. Freut euch, wenn es mal schwierig wird, weil immer dann, wenn wir unter Druck nicht einknicken, werden wir stärker. Die Bewährung unseres Glaubens bewirkt Ausharren. Ich entwickle Charakterstärke durch Versuchungen. Und deshalb darf ich mich über solche schwierigen, charakterbildenden Zeiten freuen. Mindestens muss man ehrlicherweise sagen: dann im Rückblick. In der Situation selbst ist auch das, was wir gestern gelesen haben, ist die Freude wahrscheinlich eher schwierig.
Und doch gilt das. Es gilt zu verstehen: Gott ist ein Vater, der mich erzieht. Und ich glaube, wenn man das mal verinnerlicht hat, dass all die Dinge, die mir begegnen, Dinge sind, die zum Guten mitwirken müssen, wie Paulus an anderer Stelle schreibt, wenn man das mal glaubt, dass Gott ein Vater ist, der mich erzieht, und dass alle notvollen Zeiten, alle Herausforderungen im Glauben dazu da sind, dass ich Gott ähnlicher werde oder, wie es gestern hieß, dass ich seiner Heiligkeit teilhaftig werde, dann ist das ein ganz schöner Gedanke.
Wir sind Söhne Gottes, und wir haben einen Vater, der uns erzieht. Er weiß, was wir brauchen, und er weiß auch, was er uns zumuten kann, weil er unsere Grenzen kennt. Die Frage, die sich für uns stellt, ist die: Glauben wir das? Glauben wir, dass Gott es wirklich gut meint und dass er weiß, was er tut?
Gerade in den Momenten, wo ich mich selber komplett überfordert fühle, also wo Gott mich, sagen wir, mit einem Problem oder mit einer Herausforderung konfrontiert, wo ich ganz ehrlich sagen muss: touch too much, keine Ahnung, wie das noch werden soll, keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll. Ich sehe auf der einen Seite Gottes Gebot und sehe auf der anderen Seite mein Leben, und ich merke nur: Wenn ich das tue, was Gott von mir will, weiß ich nicht, wo das hingehen soll. Was mache ich jetzt?
Traue ich mich dann zu glauben, dass Gott es immer gut mit mir meint? Traue ich mich, diesen Schritt auf die Seite Gottes zu gehen und zu sagen: Hier stehe ich. Und ich wage diesen Weg mit dir, und ich wage diesen Weg im Gehorsam gegen dein Wort, auch wenn ich selber nicht weiß, wo es hingeht?
Also wenn wir raustreten aus dieser Sicherheit, die wir uns selber aufbauen, einer Sicherheit, die oft damit zu tun hat, dass man sein Leben plant. Ja, Planbarkeit, in ganz moderner Götze. Ich habe mein Leben im Griff, ich habe alle meine Termine in meinem iPhone, ich weiß, was kommt, und ich habe meinen Renditeplan, und ich mache hier meinen Sport, und ich habe hier mein Vitamin B, gute Connections in die Gesellschaft rein, mir kann nichts passieren. Versteht ihr? Wir sind so Leute, die sich absichern wollen, und jetzt kommt plötzlich Gott und sagt: ätsch. Was machen wir dann?
Er stellt uns da vor eine Herausforderung, wo wir denken: Das kann doch nicht wahr sein. Das kann finanzieller Art sein, das kann mit Beziehung zu tun haben, das kann mit Job zu tun haben, das kann mit Träumen zu tun haben, die plötzlich zerbrechen. Was mache ich dann? Gute Frage.
Und da lohnt es sich, im Vorfeld, und ich weiß nicht, ob ich das bei euch mal gepredigt habe, eine Sache, die ich gelernt habe durch diese komische Herz-OP im Frühjahr, die schiefging: Deine Theologie muss fertig sein, bevor die Katastrophe kommt. Wenn du in der Katastrophe drin bist, ist es zu spät, die Bibel aufzuschlagen und dann zu studieren. Und deswegen mach dir vorher Gedanken über Gott. Was glaube ich über Gott? Glaube ich, dass er es gut meint, und glaube ich, dass er genau weiß, was er tut, und zwar in den Momenten, wo er mich erzieht, wo er mich in Situationen steckt, die alles andere als lustig und angenehm sind? Glaube ich das?
Ich möchte euch Mut machen: Glaubt es. Wir sollten es glauben, einfach weil es die Wahrheit ist. Und wir sollten immer danach leben.
Jetzt starten wir mit Hebräer 12. Das war ein kleiner Rückblick. Hebräer 12, die Verse 12 und 13. Wenn ich das glauben kann, und natürlich wünscht sich der Autor des Hebräerbriefes, dass die Leute, die da so im Zweifeln sind und am Überlegen sind, ob das mit dem Christsein so eine gute Idee war, dass sie den Gedanken aufgreifen und sagen: Okay, wenn das stimmt, wenn Gott mich eigentlich nur erziehen will durch die Schwierigkeiten, die ich gerade habe, was folgt daraus?
Darum, und jetzt folgt in Hebräer 12,12 ein Zitat aus Jesaja 35,3: Richtet auf die erschlafften Hände und die gelähmten Knie!
Und Vers 13, ein zweites Zitat aus Sprüche 4,26: Macht gerade Bahn für eure Füße, damit das Lahme nicht abirre, sondern vielmehr geheilt werde!
Darum noch mal ein letztes Mal: weil Erziehung gut ist, weil Probleme und Verfolgung kein Ausdruck davon sind, dass Gott kein Interesse an meinem Leben hat, darum, weil es Vorbilder gibt, die mehr gelitten haben, den Herrn Jesus eingeschlossen, deshalb gilt es, sich zu erheben und loszulaufen.
Merkt ihr, wir sind immer noch bei diesem Bild vom Wettlauf, das wir gestern schon hatten. Mit den erschlafften Händen, von denen hier die Rede ist, und den gelähmten Knien ist natürlich eine geistliche Schwäche gemeint. Es sind keine körperlich kranken Menschen. Hier sind Geschwister, die in ihrer Seele ermattet sind, und die müssen eine geistliche Entscheidung treffen, wirklich so wieder aufzustehen und zu sagen: Ich packe jetzt die Dinge wieder an.
Macht gerade Bahn für eure Füße, gerade im Sinne von geradewegs auf das Ziel zu. Wer geradeaus blickt und gerade geht, der lebt in der Bibel ein gerechtes Leben. Gib mir mal Sprüche 4, die Verse 24 bis 27. Da heißt es, und da merkt ihr wieder dieses Bild von der geraden Bahn, gerade Bahn für eure Füße:
 Sprüche 4,24-27: Lass weichen von dir die Falschheit des Mundes, und die Verdrehtheit der Lippen entferne von dir. Lass deine Augen, jetzt kommt’s, geradeaus blicken, und deine Blicke gerade vor dich gehen. Gib Acht auf die Bahn deines Fußes, und alle deine Wege seien geordnet. Ja, es gibt auch Übersetzungen, die sagen: geradeaus. Und jetzt kommt’s: Bieg nicht ab zur Rechten noch zur Linken. Lass weichen deinen Fuß vom Bösen!
Hier merkt ihr: Das Abbiegen nach rechts und links, das Nicht-geradeaus-Laufen, ist ein Abbiegen zum Bösen. Es geht darum, dass ein Geradeauslaufen ein gerechtes Leben beschreibt, geradeaus gehen als Bild für ein Leben, das in den Geboten Gottes lebt und das Sünde meidet. Und das ist nötig, damit das Lahme nicht, heißt es in unserem Text, abirre.
Also, wir gehen wieder zurück zu Hebräer 12, die Verse 12 und 13. Das Lahme soll nicht abirren. Hier sind Geschwister gemeint, die im Bild die erschlafften Hände und die gelähmten Knie haben, und die sollen das jetzt aufrichten. Warum? Weil die Gefahr besteht, dass sie, wenn sie sich nicht ermutigen lassen, tatsächlich abirren und vom Weg abkommen.
Aber das ist nicht das, was der Autor möchte. Wenn sie zurückkehren, zurückkehren in die Nachfolge Jesu, dann werden sie, sagt der Text, geheilt werden. Also: Eine Zeit geistlicher Schwäche ist etwas, was es geben darf. Das ist noch nicht schlimm. Wenn ich zu diesem Moment wieder hinkomme, wo mir neu vor Augen steht, dass Gott es gut mit mir meint, und wenn ich dann in diesem Moment den Entschluss treffe, wieder mit ihm zu leben.
Und deswegen bitte, ich weiß nicht, wo ihr geistlich steht, vielleicht sagt ihr: Hey, mir ist das viel näher, als du vielleicht denkst. Ja, ich empfinde mich auch geistlich wie einer mit so erschlafften Händen und gelähmten Knien, das könnte ich sein. Hey, dann geh heute Abend hier raus und nimm diesen Gedanken mit, dass Gott es gut mit dir meint. Und egal, was dich dahin gebracht hat, dass dieser Moment der Müdigkeit und der Erschlaffung in deinem Leben passiert ist, nimm dir vor, triff den Entschluss, einfach wieder mit Gott zu leben.
Gott, und das kennen wir von dem Bild mit dem verlorenen Sohn, da steht Gott immer mit den offenen Händen da. Das ist so wunderschön, wenn wir an den Punkt kommen, zu sagen: Das mache ich wieder. Das ist einfach richtig, stimmt. Ich habe mich da irgendwie so ein bisschen wegziehen lassen. Denn es ist Gott da und lädt uns immer wieder ein. Das ist wirklich wichtig.

Ein Leben, das Frieden und Heiligung sucht

 Hebräer 12,14: Wieder mit ihm leben, was heißt das denn? Jagt dem Frieden mit allen nach und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird.
Jagen ist ein starkes Wort. Es steht für Intensität, für Anstrengung, Plan und Hingabe. Es sind zwei Dinge, denen man nachjagen soll: dem Frieden und dann der Heiligung.
Fangen wir mit dem Ersten an. Wer dem Frieden nachjagt, der sucht vor allem natürlich den Frieden mit Gott. Jetzt hoffe ich mal, dass wir den alle gefunden haben. Und dann natürlich auch noch den Frieden mit allen Menschen. Jagt dem Frieden mit allen nach. Das heißt: Als Christ ist das so ein bisschen ein Anspruch, mit so wenig Menschen wie möglich im Streit zu leben. Ist doch schön, oder? So kann man ja auch mal sagen. Ein Christ ist einer, der mit so wenig Menschen wie möglich Knatsch hat.
 Römer 12,18
Ich bin sehr dankbar, dass es diesen Vers gibt. Der fängt nämlich so an: Wenn möglich, so viel an euch ist. Das mit dem Knatschen und dem Streit ist nämlich so eine Sache. Man selber kann so friedfertig sein, wie man will, wenn der andere das nicht will, steht man immer da. Römer 12,18 greift genau diesen Gedanken auf. Wenn möglich, manchmal ist es leider nicht möglich, aber wenn möglich, so viel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden. Also: So viel an uns ist, wo wir eine Möglichkeit sehen, da sollen wir uns reinhängen. Für uns soll Friede eine ganz hohe Priorität im Leben haben.
Christen sind Friedensstifter. Und wisst ihr warum? Weil wir einen Vater im Himmel haben, der Frieden wollte. Gott ist dem Frieden als Erster nachgejagt. Er hat sich als Erster investiert, und zwar bis zum Kreuz, damit wir Frieden finden können. Und deswegen, weil Gott uns vorgemacht hat, wie wichtig ihm Frieden ist, sollen wir auch dem Frieden nachjagen, weil wir Söhne Gottes sind.
In Matthäus 5,9 heißt es: Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen. Du möchtest, dass man Gott in dir erkennt, dass da so eine Familienähnlichkeit sichtbar wird? Dann werden wir zum Friedensstifter. Warum? Gott hat es so gemacht.
Und ein zweiter Punkt: Wir jagen der Heiligung nach.
Nochmals Hebräer 12,14: Jagt dem Frieden mit allen nach und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird.
Heiligung heißt: Ich schmeiße Sünde aus meinem Leben raus. Heiligung muss auf der Liste unserer persönlichen Ziele ganz oben stehen, wenn wir im Leben mit Gott ankommen wollen. Ich habe den Vers schon eine ganze Weile auswendig gelernt, weil er mich so schockiert hat, weil ich fast nicht glauben kann, was hier steht. Also: Mir macht der Vers auch große Sorgen.
Noch einmal: Nachjagen heißt, ich habe da ein Ziel vor Augen und ich will da hin. Mein Eindruck ist, dass heute viele Christen in keinster Weise der Heiligung nachjagen, sondern sich ganz praktisch recht wenig mit ihrer eigenen geistlichen Entwicklung beschäftigen. Also ich erlebe viele Christen, die sind recht zufrieden mit sich selber und haben da eher, wenn es darum geht, irgendeiner Sache nachzujagen, wenig Antrieb.
Wenn man die Frage stellt: Was ist denn so Prio eins in deinem Leben, zwei, drei, vier? Da kenne ich relativ wenig Christen, die sagen: Also das höchste Ziel in meinem Leben, so ganz vorne, ist: Ich habe Frieden mit allen anderen und ich schmeiß die Sünde aus meinem Leben raus. Das steht schon mal auf eins und zwei oder von mir aus auf drei und vier, aber relativ weit oben, so dass man es sieht, wenn man so durchscrollt. Versteht ihr? Das sehe ich eigentlich nicht.
Das ist mein Eindruck. Und ich mag mich irren, und ich hoffe, es ist bei euch anders. Aber so in der Breite betrachtet begegne ich vielen Christen, die mit ihren eigenen Defiziten eigentlich ganz zufrieden sind. Also nicht, dass man sich darüber freut, logisch, ja, aber da steckt jetzt auch nicht wirklich viel Kampf dahinter, die Sachen loszuwerden. Das ist eher so eine Mischung aus fauligem Kompromiss, ein bisschen Verdrängung, so ein halbschlechtes Gewissen. So ist mein Eindruck.
Und jetzt kommt so ein Vers daher, der sagt: Mach’s anders. Mach das nicht.
 Matthäus 5,8
Das wäre so aus den Seligpreisungen mein Vers, den ich da mit reinnehmen würde in dieses Thema: Mach es anders. Glückselig die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.
Das reine Herz ist ein Herz, das Gott ohne Hintergedanken sucht. Es ist ein Herz, das keine halben Sachen machen will, keine Spielchen spielt, keine Show. Und das ist genau das, was Gott will. Gott will mein Herz, und er will es ganz.
Soll ich dir was ganz Schönes sagen? Gott kommt supergut damit klar, dass wir nicht fertig sind. Ist das nicht schön? Er hat es sich ja selber zur Aufgabe gemacht, uns zu erziehen. Er weiß ja, wer wir sind. Aber wisst ihr, was Gott gar nicht mag, ist Halbheit. Wenn, ich mache mal mit Anführungs- und Schlusszeichen, Christen nicht wissen, wo sie hingehören. Wenn sie so ein Leben führen: so viel Gott wie nötig, weil man will ja schon auch irgendwie in den Himmel, und so viel von dem Rest, was diese Welt anzubieten hat, wie möglich. Das ist so diese Mischung, wo ich sage: Bäh. Also das ist das, womit Gott überhaupt nicht klarkommt. Dann werde richtig Heide, das ist wenigstens ehrlich. Oder werde richtig Christ, das wäre auch ehrlich. Aber so dieses „so viel Gott wie nötig und so viel Welt wie möglich“, ich glaube, das geht nicht auf.
Es geht nicht auf, weil hier steht: Jagt der Heiligung nach, ohne die niemand den Herrn schauen wird. Wenn dieser Aspekt fehlt, also wenn mich das überhaupt nicht interessiert oder nur ganz am Rande, wenn das keine Priorität in meinem Leben hat, wollt ihr wissen, woher ich weiß, ob es Priorität in eurem Leben hat? Ich glaube, ich habe den ultimativen Test, um zu wissen, ob es Priorität in eurem Leben hat. Ich müsste euch wahrscheinlich nur fragen: Habt ihr eine Liste mit euren, sagen wir mal, Top Ten Sünden, für die ihr regelmäßig betet?
Ja, wenn etwas Priorität hat, wenn ich sage, ich möchte etwas loswerden, unbedingt, also ich möchte jetzt irgendwo, ich sage mal, im nächsten Jahr ein bisschen abnehmen, okay, das will ich wirklich. Ja, das ist jetzt nicht nur ein Spleen, das will ich wirklich. Und du kannst mich fragen: Jürgen, was machst du, um da anzukommen? Und ich kann es dir erklären. Es ist ein bisschen komplizierter, aber ich könnte es dir erklären.
Wenn du sagst, ich möchte Sünde loswerden, ich garantiere dir, es fängt an der Stelle an, dass du erst mal dafür betest, dass du die Dinger loswirst. Wenn du nicht dafür betest, kannst du mir nicht erklären, dass dir eine Sache wichtig ist. Das war logisch. Also: Zeig mir deine Liste, ich zeige dir meine. Also nein, ich sage dir, dass ich eine habe, ich lasse dich nicht drauf schauen. Aber ich habe sie.
Ich habe eine Liste, wo, wenn mir eine neue Sünde auffällt, ich sie eintrage, mit Jahreszahl und Monat. Ich glaube, ich habe das schon mal gesagt: Es ist die beste Liste aller Zeiten. Denn wenn du für eine Sache zwei, drei, fünf Jahre betest und dann siehst, wie Gott daran arbeitet, und du triffst plötzlich auf eine Sünde, die steht noch in deiner Liste, aber die ist nicht mehr in deinem Leben da, das ist der Hammer. Hammer. Das ist Evangelium. Das ist: Christus gewinnt Gestalt in mir. Versteht ihr? Das ist das, was wir wollen: Jesus ähnlicher werden. Und das muss man sehen. Und das sieht man an solchen Stellen. Und deswegen mache ich euch Mut, hier an dieser Stelle das wirklich anzupacken.
So, was hatten wir bis jetzt? Erstens: Pack dein geistliches Leben an. Zweitens: Schau, dass du mit Menschen klarkommst und es dir wichtig wird, Gott zu gefallen.
Dritter Punkt: Hebräer 12,15-16
Und achtet darauf, dass nicht jemand an der Gnade Gottes Mangel leide, dass nicht irgendeine Wurzel der Bitterkeit aufsprosse und euch zur Last werde und durch sie viele verunreinigt werden, dass nicht jemand ein Hurer oder ein Gottloser sei wie Esau, der für eine Speise sein Erstgeburtsrecht verkaufte.
Das ist wieder so ein Vers, der betont, wie wichtig es ist, dass wir als Geschwister in einer Gemeinde aufeinander Acht haben. Ich bin davon überzeugt, dass wir nur gemeinsam ans Ziel kommen. Ich bin wirklich davon überzeugt. Und auch wenn die Leiter einer Gemeinde eine besondere Verantwortung haben – wir werden das lesen am Sonntag über die Seelen zu wachen, das machen wir morgen, ich glaube, der letzte Vers morgen –, die Leiter einer Gemeinde haben eine besondere Verantwortung, auf Geschwister und ihre geistliche Entwicklung zu achten. So ist es wichtig, dass alle Geschwister erkennen, was der Text hier sagt: wo jemand an der Gnade mangelt, wo gerade Bitterkeit wächst und wo jemand sich Christ nennt, aber in Hurerei oder in Gottlosigkeit lebt.
Und wenn wir das wagen, aufeinander Acht zu haben, dann muss es erlaubt sein, Fragen zu stellen, kritische Fragen. Wenn das nicht erlaubt ist in der Gemeinde, ganz schwierig, dann macht jeder so seins. Aber der Text sagt: Wir sollen aufeinander Acht haben.
Fangen wir mal an mit dem ersten Punkt: an der Gnade Gottes Mangel leiden. Gnade ist der Kern unserer Beziehung zu Gott.
In Hebräer 4,16 heißt es: Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe.
So, das ist ein ganz toller Vers. Lasst uns mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, das ist da, wo Gott ist, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe. Wir sind Begnadigte, und wir beten, weil wir Gottes Gnade zur rechtzeitigen Hilfe brauchen. Ja, unser geistliches Leben dreht sich um Gnade. Darum, dass Gott uns, und ich meine das wirklich so, jeden Tag neu mit dem beschenkt, was wir zum Leben brauchen.
Genau genommen ist Gnade ein Kreislauf. Also Kreislauf, das heißt: Gott beschenkt uns, das ist die eine Seite, und wir antworten auf dieses Geschenk mit Dank oder, wenn du ein anderes Wort suchst, mit Loyalität. Ja, Gott beschenkt uns, und wir antworten mit Dank.
Und das Spannende im Griechischen: Das Wort, was für Gnade da steht, das heißt Charis. Und Charis kann man auf zwei Weisen übersetzen: mit Geschenk, das ist die Richtung Gott-Mensch, oder mit Dank, das ist die Richtung Mensch-Gott. Und ihr merkt: Das ist so ein Kreislauf, ein Kreislauf, in dem ich drinstecke. Das ist ein ganz dynamisches Konzept. Ich erfahre jeden Tag etwas von der Gnade Gottes, weil er mich beschenkt. Ja, ich bete, er beschenkt, und ich gebe ihm jeden Tag meine Loyalität und meinen Dank zurück. Und solange dieser Kreislauf funktioniert, ist alles gut. Wenn der nicht funktioniert, dann bin ich aus der Gnade gefallen.
Gnade hier ist nicht: aus der Gnade gefallen. Hier geht es darum, an der Gnade Mangel zu leiden. Wer an der Gnade Mangel leidet, der hat sich aus der Gemeinschaft mit Gott ein Stück weit verabschiedet, und zwar weil er nicht mehr von Gott alles erwartet und auch im Gegenzug nicht mehr bereit ist, Gott mit Dankbarkeit und auch mit Loyalität an Gott zu hängen. Das kann man merken. Man merkt das daran, wie Geschwister beten, wie sie über Gott reden, wie sie ihre Beziehung zu Gott beschreiben.
Und wenn du das mitbekommst, dass da einer nicht mehr so ganz dynamisch mit Gott unterwegs ist, dass da einer vielleicht sein Christsein nur noch, ja, wie soll ich das denn sagen, nach Vorschrift lebt, so dass es den anderen nicht so auffällt, dann dürfen wir hingehen und ihm darauf hinweisen. Also ich will das ganz wichtig, ganz deutlich sagen: Wir sind nicht die Stasi oder die GSI, die Gemeindesicherheit, aber wir sind Freunde. Wir sind Freunde, die mitbekommen: Hey, in deinem geistlichen Leben ist irgendwas unrund. Dieses dynamische, mit Gnade leben und sich auf den nächsten Tag freuen, weil ich weiß, ich darf Gott wieder begegnen und er wird mich neu beschenken und ich werde neu danken, und dieses Uh, das ist irgendwie nicht mehr da. Und das darf ich sagen. Ich darf ein Freund sein, der sich Sorgen macht und hingehen und einfach sagen: Hey, sag mal, wie sieht das aus bei dir, du und Gott? Wie ist das, wenn du alleine mit ihm bist? Ist da Leben oder ist das nur Ritual? Ist das vielleicht so, bist du vielleicht froh, wenn die stille Zeit rum ist, und die Bibel hat auch schon lange nichts mehr zu dir gesagt? Lebst irgendwie dein Leben, und Gott ist irgendwie so, ja, ist auch irgendwie dabei, aber nicht wirklich da als Person.
Noch mal Hebräer 12,15-16 bitte:
Und achtet darauf, dass nicht jemand an der Gnade Gottes Mangel leide, dass nicht irgendeine Wurzel der Bitterkeit aufsprosse und euch zur Last werde.
Wurzel der Bitterkeit: Das ist eine Haltung, die man manchmal bei Christen findet. So eine überkritische, unzufriedene Haltung, die oft einhergeht mit einem Rückzug aus der Gemeinschaft. Oft hört man auch, dass Gott angeklagt wird. Oft hat man so eine übertriebene Erwartungshaltung, was Geschwister zu leisten haben, eine Überbetonung von Zweifeln, von Fragen, von scheinbaren Widersprüchen, auch so ein ganz überkritischer Umgang grundsätzlich mit Gemeinde, vielleicht auch so ein Liebäugeln mit liberaler Theologie. Grundsätzlich so ein Mangel an Fröhlichkeit und Zuversicht, das ist diese Wurzel der Bitterkeit. Das sind Leute, die einfach negativ drauf sind.
Es ist so ein bisschen die geistliche Frische dieses: Freut euch im Herrn. Jetzt freu dich mal. Das ist so ein Stück verloren gegangen. Ja, die sind schon irgendwie noch dabei. Also wenn ich mal sowas kriegen werde, dann werde ich wahrscheinlich zynisch, dann werde ich ein sehr unleidlicher Typ sein. Und Gemeinde gibt uns ja, ich sage mal, genügend Anlass, eine Wurzel der Bitterkeit auszubilden. Es ist ja nun nicht so, dass wir immer ganz liebevoll miteinander umgehen. Wir müssen nur etwas dagegen tun, dass diese Wurzel der Bitterkeit rechtzeitig wieder ausgerissen wird. Versteht ihr?
Und wenn das nicht passiert, wenn die so wächst, wenn dann so eine ganze Pflanze der Bitterkeit daraus wird und ich merke: Huh, da geht einer kaputt an seiner Negativität. Wenn ich merke, das ist ansteckend. Wenn ihr mal so einen Meckerer und so einen Querulanten in der Gemeinde hattet, um den herum sammeln sich andere Querulanten. Und Leute, die vorher noch neutral waren und dachten, auch so schlecht ist die Gemeinde gar nicht, fangen plötzlich an, auch zu sagen, dass die Gemeinde nichts taugt. Und du stehst da als Leiter und denkst: Hallo, wo kommt denn das alles her? Ein paar Meckerer und ganz viel Unfrieden.
Und wenn du das merkst, dass jemand in so eine Richtung abdriftet, Wurzel der Bitterkeit, auf ihn Acht haben, einfach auf ihn Acht haben, hingehen und sagen: Hey, du hast deine Freude am Herrn verloren, da ist irgendwas faul in deinem Leben, du wirst hier immer bitterer, du wirst immer dunkler irgendwie. Hör auf damit!
Und erst recht: Der Vers geht ja noch weiter, dass nicht jemand ein Hurer oder Gottloser sei wie Esau, der für eine Speise sein Erstgeburtsrecht verkaufte. Erst recht natürlich, wenn wir merken, das ist grobe Sünde. Ist es nicht die Aufgabe der Ältesten? Nein, also es kann sein, dass man die Ältesten irgendwann einschalten muss, aber was sagt Jesus über den Umgang mit Sünde im Leben von Geschwistern?
 Matthäus 18,15
Wenn aber dein Bruder sündigt, so ... und da steht nicht: Geh zu den Ältesten und schau, dass die endlich ihren Job machen, weil die sind sowieso für alles verantwortlich in der Gemeinde, sondern: Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein. Das ist immer der erste Schritt, immer das Vieraugengespräch am Anfang. Und es ist wirklich wichtig, dass wir uns nicht drücken.
Esau ist ein gutes Beispiel dafür. Da ist jemand, der hat kein Interesse an dem göttlichen Segen. Das geht im Alten Testament ums Erstgeburtsrecht, aber es ist erst mal eine Frage des Segens. Und Esau hat da wirklich kein Interesse dran. Für eine Speise verkauft er sein Erstgeburtsrecht völlig dämlich, kann man nicht anders sagen. Problem ist nur: Als er ihn dann bekommen wollte, da war es dann zu spät. Und das ist immer das Problem: Gottlosigkeit hat Konsequenzen.
Noch mal Hebräer 12,17:
Dass nicht jemand ein Hurer oder Gottloser sei wie Esau, der für eine Speise sein Erstgeburtsrecht verkaufte; denn ihr wisst, dass er auch nachher, als er den Segen erben wollte, verworfen wurde, denn er fand keinen Raum zur Buße.
Gemeint ist hier: Der Segen des Erstgeburtsrechts war weg. Der wurde einmal weitergegeben, weg, einfach weg, obgleich er ihn mit Tränen eifrig suchte. Weg! Und das kann dir passieren. Da lässt sich jemand auf Sünde ein und denkt: Na, da komme ich schon wieder raus. Ich würde ja gerne sagen, dass das immer so ist, aber das stimmt nicht. Ich kenne genügend Leute, die sich auf grobe Sünde eingelassen haben und deren Leben einfach, das war ein einziger Schiffbruch danach. Da ist nichts mehr von dem geistlichen Leben übrig geblieben.
Ich werde mich nicht hinstellen und werde beurteilen, ob die im Himmel sind oder nicht, das interessiert mich überhaupt nicht. Mich interessiert, wenn sowas passiert: Hätte ich, wenn ich mich getraut hätte, zum richtigen Zeitpunkt etwas zu sagen, hätte ich da vielleicht noch etwas abwenden können? Aber wenn man sich traut, etwas zu sagen, also das Letzte, was jemand hören möchte, ist, dass jemand kommt und sagt, dass man etwas falsch macht. Dann lieber nichts sagen und Frieden halten, oder?
 Sprüche 28,23
Wenn du wie ich dazu neigst, ein harmoniesüchtiger Feigling zu sein, der lieber erst mal für ein Jahr betet, bevor er sich traut, jemanden auf seine Sünde anzusprechen: Lern den Vers auswendig. Ich hab’s auch getan, weil ich meine Schwäche kenne, weil ich weiß, ich bin feige, weil ich diese Gespräche nicht mag. Das ist der Vers: Wer einen Menschen zurechtweist, findet letztlich mehr Gunst als einer, der mit der Zunge schmeichelt.
Ganz einfach: Es macht keinen Spaß. Aber wenn du auf lange Sicht etwas Gutes bewirken willst im Leben eines anderen, musst du dich trauen und hingehen und sagen: Stopp, Freund. Ich habe dich so lieb, dass ich bereit bin, dir zu sagen, dass dein Verhalten falsch ist. Superschwer, superunangenehm, Nullzeitgeist, aber Bibel und gut. Ich kann es nicht anders sagen.
Warum ist es so wichtig, dass wir mit dem Glauben ernst machen, dass wir nicht abirren, dem Frieden nachjagen und der Heiligung, dass wir aufeinander Acht haben, dass wir wirklich keinen verlieren? Und die Antwort lautet: weil Gott uns seinerseits die größte und gewaltigste Erfahrung gemacht hat, die dieser Planet zu bieten hat.
Ich möchte jetzt wieder einen längeren Abschnitt mit euch betrachten, und wir fangen damit an, dass wir einen Blick werfen auf den Moment, wo der alte Bund eingesetzt wurde. Es ist ein Blick, der uns zeigt, wie furchteinflößend und majestätisch es war, als Gott dem Volk Israel am Berg Sinai begegnete.
 Hebräer 12,18-21
Denn ihr seid nicht gekommen – das ist jetzt wichtig, hier geht es um den alten Bund, nicht um den neuen Bund – denn ihr seid nicht gekommen zu etwas, was betastet werden konnte, gemeint ist der reale Berg Sinai, und zu einem angezündeten Feuer und dem Dunkel und der Finsternis und dem Sturm und zu dem Schall der Posaune und der Stimme der Worte, deren Hörer baten, dass das Wort nicht mehr an sie gerichtet werde; denn sie konnten nicht ertragen, was angeordnet wurde: Und wenn ein Tier den Berg berührt, soll es gesteinigt werden. Und so furchtbar war die Erscheinung, dass Mose sagte: Ich bin voll Furcht und Zittern.
Der alte Bund ist auf eine unglaublich dramatische Weise geschlossen worden: Feuer, Dunkel, Sturm, Posaunenschall vom Himmel, die Stimme Gottes – das wurde den Hörern zu viel. Und selbst Mose ist voll von Furcht und Zittern. Man könnte sagen: Wow, das ist doch mal ein Anfang. Also das ist so, da kannst du ja einen richtigen Blockbuster draus machen. Stimmt. Aber das ist nichts, absolut nichts im Vergleich zum neuen Bund.
Ihr seid nicht gekommen – das ist das billige Vorspiel, das ist nicht der Hauptgang. Das ist nicht das, worum es Gott ging. Denn ihr seid nicht gekommen, sondern:
 Hebräer 12,22-24
Sondern ihr seid gekommen, und zwar gemeint im Moment der Bekehrung, sondern ihr seid gekommen zum Berg Zion, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem und zu Myriaden von Engeln, einer Festversammlung, und zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter aller, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu Jesus, dem Mittler eines neuen Bundes, und zum Blut der Besprengung, das besser redet als das Blut Abels.
Im Vordergrund steht: Als der alte Bund geschlossen wird, der Wunsch nach Distanz. Gott erscheint, und alle kriegen Angst und wollen nur weg. Im neuen Bund ist das hier so beschrieben, als würden wir eine exklusive Party betreten. Es ist das genaue, absolute Gegenteil.
Schauen wir uns die einzelnen Begriffe ganz kurz an: Berg Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes. Zion ist eine Burg, eine Bergfeste auf dem Berg, auf dem auch Jerusalem liegt. Der Begriff Zion kann sowohl für den Tempelbezirk stehen als auch für ganz Jerusalem. Wichtig: Zion ist der Ort, das kann man in den Psalmen nachlesen, den Gott liebt. Also wenn wir zum Berg Zion, zur Stadt des lebendigen Gottes, gekommen sind, dann sind wir an dem Ort, den Gott liebt, wo Gott wohnt, wo wir ihm ganz nahe sein können.
Jetzt kann man sagen: Im Erleben dieser Gemeinschaft ist noch Luft nach oben. Das stimmt. Wir warten noch auf die Auferstehung, und wir wissen, dass wir dann Jesus sehen werden. Da kommt noch etwas. Insofern stimmt das, wenn wir morgen lesen werden, in Hebräer 13,14, dass wir die zukünftige Stadt suchen. Aber geistlich gesehen sind wir schon dort. Vielleicht ein bisschen verwirrend, aber ist nicht schlimm. Es reicht, wenn wir uns freuen, okay? Das reicht völlig.
Wir gehören zu Gott, wir gehören dorthin, wo Myriaden von Engeln feiern. Das ist unser Platz. Wir sind Teil einer weltweiten, die Geschichte umfassenden Gemeinde der Erstgeborenen. Und Erstgeborener, das ist ein Begriff, der steht für jemanden, der eine Vorrangstellung hat. Jeder in der Gemeinde der Erstgeborenen ist Gott ganz besonders wichtig und kostbar. Wir auch. Warum? Weil unsere Namen in den Himmeln angeschrieben sind.
Wir gehören dazu, auch wenn wir noch nicht ganz dort sind. Wir gehören zu dem Gott, der ein Richter aller ist, zu den Geistern der vollendeten Gerechten. Ich glaube, wir haben hier unter anderem unsere AT-Glaubensvorbilder. Wissen Sie noch, die sollten nicht ohne uns vollendet werden. Jetzt sind sie vollendet, nicht ohne uns, aber jetzt sind sie dabei, als durch Kreuz und Auferstehung die Türen zum himmlischen Jerusalem aufgetan wurden. Da standen sie davor und sind sofort rein, in meinen Augen. Das wollten sie erleben, dafür haben sie gelebt: für diese Gemeinschaft und Nähe zu Gott, endlich diese Nähe genießen, nach der sie sich so lange gesehnt hatten.
Und dann fehlt in dieser Aufzählung natürlich nicht Jesus, Mittler eines neuen Bundes, und sein Blut, gemeint ist sein Opfer am Kreuz, das uns Vergebung und Erlösung zuspricht. Hey, vielleicht könnt ihr nicht begeistert sein, weil ihr dem Text noch nie so viel Aufmerksamkeit gegeben habt, aber hier muss man sagen: Wow! Mehr Feierlichkeit, mehr Gemeinschaft, mehr Exklusivität, mehr Erlösung geht nicht.
Und deswegen, weil das so ein Wow ist, endet unser Text auch ein bisschen wie der Text, den wir am Sonntag hatten aus Hebräer 10, mit einer Warnung, weil das einfach so boah ist, also weil einem ein Stück weit die Worte fehlen. Was Gott uns da beschenkt:
 Hebräer 12,25-26
Seht zu, dass ihr den nicht abweist, der da redet. Denn wenn jene nicht entkamen, die den abwiesen, der auf Erden die göttlichen Weisungen gab – hier geht es um Mose –, also wenn Mose auf Erden das Gesetz weitergibt, wenn man nicht entkam, wenn es keine Ausrede gab, nicht auf ihn zu hören, wie viel mehr wir nicht, wenn wir uns von dem abwenden, der von den Himmeln her redet. Das ist niemand anders als Gott, der sein Wort, Jesus, auf die Erde schickt. Dessen Stimme erschütterte damals die Erde, das war der Berg Sinai, Erdbeben. Jetzt aber hat er verheißen und gesagt, Zitat aus Haggai 2,6: Noch einmal werde ich nicht nur die Erde bewegen, sondern auch den Himmel.
Als Gott den ersten Bund schloss, wurde die Erde bewegt. Als Gott den neuen Bund schloss, da gab es in Jerusalem auch ein Erdbeben, ja, aber Gott erschüttert, als er den neuen Bund einsetzte, die Erde und den Himmel, sichtbare und unsichtbare Welt.
Vers 27: Aber das noch einmal deutet die Verwandlung der Dinge an.
So, das ist jetzt sehr schwierig, das auch zu übersetzen, also verzeiht ihm. Ja, und wenn wir ihn im Himmel treffen, fragen wir ihn, warum man es nicht hätte ein bisschen leichter formulieren können, dann wird er sagen: Das war der Heilige Geist. Und dann können wir uns weiter überlegen, was wir damit tun. Wir versuchen zu verstehen, was hier steht.
Zitat aus Haggai: Noch einmal werde ich nicht nur die Erde bewegen, sondern auch den Himmel.
Vers 27: Aber das noch einmal deutet die Verwandlung der Dinge an, die als Geschaffene erschüttert werden, damit die Unerschütterlichen bleiben.
Ich versuche es zu erklären: Gott erschüttert Himmel und Erde, damit die unerschütterlichen Dinge bleiben. Frage: Was ist unerschütterlich? Es ist nicht die sichtbare Welt. Da reicht ein Erdbeben aus, um die zu erschüttern. Es ist auch nicht das Reich des Bösen, das Reich der Finsternis, denn das wird durch Kreuz und Auferstehung erschüttert und besiegt. Unerschütterlich ist Gottes Reich, Jesu ewige Herrschaft, und das ist das, was ans Licht kommt in dem Moment, wo der neue Bund eingesetzt wird. Deswegen ist das ein so die Weltgeschichte umwälzendes Ereignis.
Vers 28
Deshalb lasst uns da wir was? Ein unerschütterliches Reich empfangen. Jetzt ist es da, das unerschütterliche Reich. Deshalb lasst uns da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, dankbar sein, wodurch wir Gott wohlgefällig dienen mit Scheu und Furcht.
Und das ist der letzte Gedanke: Dankbarkeit. Lasst uns dankbar sein. Gott hat die Welt, den Himmel und die Erde erschüttert, hat das Unerschütterliche, das Ewige ans Licht gebracht, hat uns teilwerden lassen eines neuen Bundes, teilwerden lassen von seinem unerschütterlichen Reich, wo er regiert. Und das einzig wirklich Sinnvolle, was wir tun können, jeden Morgen, wenn wir die Augen aufschlagen und die Sonne sehen, ist danken. Danken, dass wir dabei sind. Danken, dass wir Gott kennen dürfen. Danken, dass Jesus unser Herr sein will.
Dankbarkeit: Wir haben allen Grund dazu, und Dankbarkeit ist die Grundlage dafür, Gott so zu dienen, wie es ihm gefällt, mit Scheu und Furcht.
Vers 29
Denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.
Amen.

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