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Theologe antwortet: Ist die Bibel VERFÄLSCHT?

Wurde die Bibel VERÄNDERT?
13.08.2021

Einführung und Überblick zum Thema Bibelverfälschung

Das Neue Testament ist verfälscht – das wird vielen Muslimen von Kindheit an erzählt. Doch der Koran sagt, dass das Evangelium der Menschheit zur Rechtleitung gegeben wurde und das Wort Allahs enthält. Und jetzt kommt’s: Laut dem Koran kann niemand das Wort Allahs verfälschen. Da stimmt also etwas ganz kräftig nicht.

Der Punkt ist: Die Bibel wurde tatsächlich verfälscht. Aber jetzt kommt’s: Eine Fälschung kannst du nur dann erkennen, wenn du das Original hast. Und das haben wir jetzt. Komm mit, ich zeige es dir.

Um die Nachfolge zu verteidigen, mach dich #Bibelfit. Ich bin Markus Voss, und hier machen wir drei Dinge. Wir versuchen, bibeltreue Antworten auf deine Glaubensfragen zu finden. Wir überlegen, wie du und ich Jesus im modernen Alltag nachfolgen können. Und heute beantworten wir taffe Fragen, die die Gesellschaft uns Christen stellt.

Zu all dem gibt es Dutzende kostenfreie Tools, Hörbücher, Onlinekurse, Tageschallenges und praktische Alltagsgegenstände, die du dir auf der Website gratis mitnehmen kannst. Finanziert wird all das durch kleine monatliche Spenden von Menschen wie dir und mir aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das ist sehr hilfreich, denn dieses Projekt steht noch am Anfang.

Für heute habt ihr in den Kommentaren gefragt: Ist die Bibel verfälscht? Ist das Neue Testament verfälscht? Ist das Evangelium verfälscht? Von wem, wann? Was spricht dafür, was dagegen? Das schauen wir uns an.

Zuerst, was das mit dem Islam zu tun hat. Dann drei konkrete Situationen, in denen die Bibel tatsächlich und nachweislich verfälscht wurde – und das müssen wir auch ehrlich zugeben. Das würde dich überraschen.

Zum Höhepunkt des Videos will ich dir zeigen, wo eigentlich die Originale sind und warum du mit großer Sicherheit wissen kannst, dass das Buch, das du in deiner Hand hältst, tatsächlich genau die Worte enthält, die vor zweitausend Jahren niedergeschrieben wurden.

Damit du dir all das nicht merken musst – es ist keine Lehrveranstaltung – kannst du dir am Ende des Videos gern gratis den Faktencheck zum Neuen Testament downloaden und mitnehmen. So hast du ihn erstmal irgendwo und kannst ihn später in Ruhe durchgehen.

In diesem Video geht es mehr darum, dass du ins Nachdenken kommst und für dich Sicherheit gewinnst.

Bevor wir starten, kannst du ganz kurz der Community hier helfen, damit solche christlichen Inhalte in sozialen Medien nicht verborgen werden. Bist du gerade auf Instagram, dann doppeltippe doch mal rasch auf dein Handy.

Auf YouTube ist es sogar noch besser. Das spricht sich ja inzwischen hier herum: Indem du die Glocke unter diesem Video drückst, bekommt YouTube ein Signal und zeigt auch nichtchristlichen Nutzern mehr christliche Inhalte an, die sie ansprechen können.

Ziemlich gut, oder? Also drück kurz die Glocke. Es ist anonym und bewirkt wirklich etwas. Vielen Dank dafür.

Die Behauptung der Bibelverfälschung im islamischen Kontext

Herausforderungen im Dialog mit Muslimen

Punkt eins: Was hat das mit dem Islam zu tun?

Einige haben hier in den Kommentaren geschrieben: „Markus, wir sind als Christen im freundlichen, wertschätzenden Gespräch mit Muslimen. Und da können wir häufig schon auf die Uhr gucken“, habt ihr geschrieben, „bis die Behauptung kommt, die Bibel wurde verfälscht.“

Was sollen wir darauf sagen? Meine Standardantwort ist eine respektvolle und ehrliche Rückfrage: „Wo denn genau wurde sie verfälscht? Kannst du mir bitte die zwei Stellen zeigen, an denen sie am stärksten verfälscht wurde?“

Fast immer kommt dann nur die ursprüngliche Aussage zurück: „Das Neue Testament wurde verfälscht.“

Dann sage ich häufig so etwas wie: „Ja, das habe ich auch beim ersten Mal verstanden. Könntest du mir jetzt bitte zwei konkrete Beispiele nennen, wo genau das Neue Testament verfälscht wurde?“

„Na, es wurde verfälscht.“ Das wirkt von außen ein bisschen kurios.

Ich möchte aber eine Lanze brechen für unsere ehrenwerten muslimischen Gesprächspartner. Du musst wissen, dass vielen Muslimen von Kindheit an beigebracht wurde, sie dürften die Bibel nicht lesen, weil sie angeblich verfälscht sei.

Dagegen gibt es den Koran, das Wort Allahs, und der Koran wäre unverfälscht. Das findest du im Koran selbst, zum Beispiel in Sure 10, wo es heißt: „Es kann keinen Wandel geben in den Worten Gottes.“ Oder in Sure 6, wo es heißt: „Niemand kann die Worte Gottes, niemand kann die Worte Allahs abändern, selbst wenn du wollst.“

Später wird es in derselben Sure 6 noch einmal wiederholt: „Niemand kann sein Wort ändern.“

Jeder Muslim, der sich am Koran orientiert, hält also fest, dass Gottes Worte gar nicht verfälschbar sind. Das spielt im Islam eine zentrale Rolle.

Der Koran und die Bibel: Ein Widerspruch?

Aber jetzt kommt der Plottwist: Was sagt denn dieser angeblich unverfälschte Koran selbst über die Bibel?

Na ja, mehrere Sachen. Zum Beispiel heißt es in Sure 29: „Walatu Tschadidu al-Alkitabi“ – streitet euch nicht mit den Leuten des Buchs, al-Alkitab. Was ist damit gemeint? Al-Alkitab ist so etwas wie „Das Volk der Schrift“, also eine Bevölkerungsgruppe, denen eine schriftliche Offenbarung gegeben wurde. Das ist entweder einerseits die Tora, also das, was wir das Alte Testament nennen, oder das Injil, das sogenannte Evangelium, das wir im Neuen Testament finden.

Mit den Leuten, denen diese beiden Offenbarungen gegeben wurden – der Tora, die den Juden gegeben wurde, und dem Injil, dem Evangelium, das den Christen gegeben wurde – soll man sich als Muslim nicht streiten. Ja, spannend!

Auch kannst du deinen muslimischen Gesprächspartnern Sure 10 zeigen, wo es heißt, vereinfacht gesagt: Falls du im Zweifel bist über das, was wir – also mit „wir“ ist Gott gemeint, der sich selbst in der Mehrzahl beschreibt – dir niedergesandt haben, dann frage diejenigen, die vor dir die Schriften gelesen haben. Damit ist im Koran selbst die Tora, also wieder das Alte Testament, und das Injil, was wir im Evangelium, im Neuen Testament finden, gemeint.

Viele Exegeten verstehen diese Stelle so, dass der Koran selbst sagt: Falls du dir unsicher bist, lieber Hörer, lieber Leser des Korans, was im Koran steht und wie das zu verstehen ist, dann frag die Juden, frag die Christen, und sie werden dir helfen, den Koran zu verstehen.

Eine wichtige Stelle, die du dazu mal gehört haben solltest, steht in Sure 2, der größten und längsten Sure im ganzen Koran. Dort heißt es: „Kullu“ – ja, also die Muslime sollen sagen, was sollen sie sagen? Sie sollen sagen: „Aman bilahi“ – wir glauben an Allah, wir glauben an Gott.

Okay, weiter geht's: „Wa ma on sila ila ina“ – ja, und an das, was uns herabgesandt worden ist. Wir Christen würden sagen: das, was uns geoffenbart worden ist, von oben herab, was uns von Gott gesandt wurde.

Weiter geht’s: „Wa ma on sila ila Ibrahima“ – und an das, was Ibrahim, also Abraham, herabgesandt worden ist. „Wa ma Ismaila“ – und an das, was Ismael, der andere Sohn von Abraham, herabgesandt worden ist. „Wa Ishak“ – und an das, was Isaak herabgesandt worden ist. „Wa Jakuba“ – und an das, was Jakob herabgesandt worden ist. „Wa Lasbati wa Ma'utia Musa“ – und an das, was den Stämmen Israels herabgesandt wurde, also was den Israeliten gegeben wurde und was Mose gegeben wurde. Ja, das wäre dann die Tora mit dem Höhepunkt der zehn Gebote.

„Wa Isa“ – und an das, was Jesus gegeben wurde. Das wäre das Injil, das Evangelium. Das steht im Koran drin: Wir sollen sagen, wir glauben an das Evangelium. Das wird den Muslimen aufgetragen.

Und jetzt wird es spannend: Der letzte Satz heißt „la nufariku bayna ahadin min hun“ – ja, wir, also Gott spricht, wir machen zwischen ihnen, also zwischen all den Menschen, denen Offenbarungen gegeben wurden, keinen Unterschied.

Das heißt, all diese Offenbarungen, die gegeben wurden, einschließlich der Tora des Alten Testaments und des Injil des Evangeliums, die wir im Neuen Testament finden, stehen für den Koran auf einer Stufe. All diese sind gleich wahr.

Der Koran geht sogar noch weiter. Er sagt, dass die Bibel, bezogen auf das Alte Testament und die Gebote, in den Tagen Mohammeds, also zu Zeiten des Propheten Mohammed, verlässlich war und nicht verfälscht wurde.

So heißt es in Sure 5, wo es um die Tora geht, das, was wir als Altes Testament bezeichnen: „abtauratu, fiha hukmu alahi“ – die Tora, darin ist Gottes Richtspruch.

Viele Exegeten interpretieren das so, dass die Tora, das Alte Testament, verlässlich ist. Das würde doch gar keinen Sinn ergeben, dass dieser Vers im Koran steht, wenn die Tora verfälscht sein soll. Du schreibst doch nicht rein, dass etwas verlässlich ist, wenn es verfälscht ist, verstehst du, was ich meine?

Und falls du denkst, das ist krass, es kommt sogar noch besser: Nämlich in Sure 5 heißt es, halt dich fest: Die Leute des Evangeliums – das sind wir, die Christen – sollen sich nach dem richten, was Gott darin im Evangelium, im Neuen Testament, offenbart hat. Die Christen sollen sich nach dem Evangelium richten.

Jetzt frag dich einfach mal selbst: Warum sollte der Koran das sagen, wenn das Evangelium völlig verfälscht wäre? Warum sollte der Koran das sagen, wenn das Evangelium angeblich schon zu Zeiten Mohammeds völlig verfälscht gewesen wäre?

Und mehr noch, in Sure 3 heißt es: „Er“, Gott, „offenbarte die Tora und das Evangelium, das Injil, min koblu hudan l'inassi“ – vorher, also vor dem Koran, hat er das schon offenbart, zur Rechtleitung für die Menschheit.

Und einer der wichtigsten Verse im ganzen Koran kommt jetzt: Da heißt es sinngemäß, Gott sagt im Plural: Wir haben das Buch, das Buch der Wahrheit, zu dir, dem Propheten Mohammed, herabgesandt, und das Buch bestätigt, was vor ihm an Schrift da war.

Damit bestätigt der Koran die Tora und das Injil, das Evangelium.

Ja, die Frage ist doch: Wenn da drinsteht, dass der Koran geschickt wurde, um das Injil, das Evangelium, zu bestätigen, wie kann es dann sein, dass das Injil, das Evangelium, so völlig falsch ist?

Das ist eine ganz große Sache. Warum? Weil, würde ein Muslim jetzt noch behaupten, dass alle Schriften, einschließlich des Alten Testaments und des Neuen Testaments, verfälscht wären, dann hätte er ein Riesenproblem.

Nicht nur hätte unser ehrenwerter muslimischer Gesprächspartner ein großes Glaubwürdigkeitsproblem, er hätte auch ein logisches Problem.

Er müsste entweder behaupten, dass Gott nicht in der Lage wäre, sein unverfälschliches Wort vor Verfälschung zu schützen – wir haben aber gerade gehört, dass es gar nicht verfälscht werden kann.

Oder er müsste behaupten, dass man dem Koran nicht trauen soll, der das so hinstellt – und das würde er auch nicht tun.

In jedem Fall, mal ganz logisch betrachtet: Warum sollte denn Gott, Allah, im Koran den Leuten des Buches, also den Christen, sogar ausdrücklich befehlen, verfälschten Schriften zu folgen?

Dafür kannst du noch mal in Sure 5 nachschauen, wo es heißt: „Qul ya'alla al-githabi lastumala shain hata tukimu taurata wal ilijila“ – das heißt: Sagt, „O Volk der Schrift“ – da haben wir es wieder, Volk der Schrift, Leute des Buchs, das sind wir Christen und Juden, Leute des Buchs – „Ihr fusst auf nichts, ehe ihr nicht die Tora und das Injil, das Evangelium, in die Tat umsetzt.“

Das heißt, laut Koran sind die Tora und das Injil wahr und unverfälscht.

Würde dein muslimischer Gesprächspartner jetzt etwas anderes behaupten wollen, dann müsste er dem Koran selbst widersprechen und versuchen, diesen Weg zu diskreditieren.

Zusammenfassung und Ausblick

Zusammengefasst heißt es in Sure 15: tilka ayatu al-kitabi wa quranin mubin. Das bedeutet, dass der Koran gekommen ist, um die Dinge klarzumachen. Der Koran wird als das klare, verständliche Buch bezeichnet.

Der Koran macht selbst deutlich, dass die Bibel, beziehungsweise das Evangelium, zumindest nicht falsch ist. Denk einmal darüber nach. Dieser Gedanke ist nicht dazu gedacht, deine muslimischen Gesprächspartner von irgendetwas zu überzeugen. Vielmehr soll er sie konstruktiv zum Nachdenken anregen. Vielleicht ist das, was ihnen über die Bibel erzählt wurde, gar nicht zu einhundert Prozent wahr.

So viel erst einmal in aller Kürze dazu, falls deine muslimischen Gesprächspartner behaupten, die Bibel sei angeblich verfälscht.

Das war jetzt ein bisschen oberflächlich. Wir könnten noch viel mehr ins Detail gehen, zum Beispiel darüber, woher eigentlich die Behauptung stammt, die Bibel sei verfälscht. Auch die geschichtlichen Hintergründe dazu sind wirklich spannend.

Falls du möchtest, dass ich intensiver auf dieses Thema eingehe – also auf die muslimische Behauptung, die Bibel sei verfälscht – dann drücke gerne die Glocke und schreibe einen Kommentar. Dann machen wir das.

Du kannst auch gerne die Glocke drücken, und zwar deshalb, weil ich auf diesem Kanal auch ein eigenes Video habe, wie du mit Muslimen über Jesus reden kannst. Drücke also gerne die Glocke, damit dir das Ganze auch angezeigt wird.

Die heutige Bibel und ihre Herausforderungen

Etikettenschwindel im modernen Christentum

Aber jetzt zur Frage: Ist die heutige Bibel verfälscht?

Punkt zwei: Etikettenschwindel.

Bevor ich dir gleich drei konkrete Stellen zeige, an denen die Bibel tatsächlich verfälscht ist, möchte ich dir genau erläutern, welche das sind. Erlaube mir kurz, Tacheles zu reden.

Ja, wir als Christen sind wirklich, wirklich schlecht und mies, wenn es um Marketing geht. Denk mal selbst darüber nach: Abgesehen von einer Bank mit zwei Türmen, die nicht näher genannt werden soll, fällt dir nur ein einzelner DAX-Konzern ein, der kontinuierlich und konsistent so derart schlechte Öffentlichkeitsarbeit macht wie das Christentum in Mitteleuropa in den letzten zwanzig Jahren.

Ganz ehrlich, frag einfach nochmal hundert Leute im Einkaufszentrum deiner Stadt, worum es unverzichtbar im Christentum geht – und nur im Christentum. Du wirst sehen, dass nur eine sehr kleine Minderheit, wenn überhaupt, dir darauf eine zutreffende Antwort geben kann.

Die meisten Leute denken dabei an Dinge, die im besten Fall im biblischen Christentum Randthemen und „nice to have“ sind. Im schlimmsten Fall widersprechen diese Vorstellungen sogar der Bibel und Jesus selbst aktiv.

Ich denke, dass wir als Christen daran selbst schuld sind. Sobald wir uns um klare Antworten herumdrücken, sobald wir behaupten, dass alles nur Meinungsfragen sind, zu denen jeder seine eigene legitime Auffassung haben könnte, sobald wir völlig unhistorisch behaupten, dass Jesus angeblich nur ein politischer Aktivist war – statt der Mensch gewordene Gott, der Leute vor dem Ende der Welt gewarnt hat –, sobald wir behaupten, dass Jesus angeblich gekommen wäre, um den Menschen ein diffuses Gefühl von Liebe, Halt, Sinn oder Gemeinschaft zu geben und das ganze Geschwurbel, statt dich vor dem jüngsten Gericht zu retten.

Sobald wir behaupten, dass es im Christentum angeblich mehr um die Gegenwart und das Diesseits geht als um die Zukunft, als um das Jenseits.

Sobald wir behaupten, dass es Gott vor allem darum gehen würde, wie wir Menschen uns zueinander verhalten, statt wie wir uns zu ihm verhalten.

Sobald wir als Christen moralische Ansprüche von Gott an uns und unser Verhalten zweitrangig werden lassen.

Sobald wir aufhören, über Sünde zu predigen.

Sobald wir Jesus nicht mehr als Gott und als Mensch hochhalten.

Sobald wir das Sühneopfer am Kreuz übergehen und Jesus tot als einen Justizirrtum an irgendeinen antiken Lifestyle-Guru darstellen.

Sobald wir nicht mehr ernst nehmen, dass Gott wirklich in die Geschichte eingreift, sondern den persönlichen Gott des Neuen Testaments eintauschen gegen irgendeine unpersönliche mystische Naturkraft.

Sobald wir Sachen in Richtung Universalismus oder Allversöhnung behaupten – also dass Jesus entweder nicht der einzige Weg in den Himmel wäre, oder Jesus zwar der einzige Weg wäre, aber sowieso alle retten wird. Und dass das Jenseits sowieso wohlwollend ist, die Hölle eine Übertragungsgemeinde ist oder es sie sowieso gar nicht gibt und da sowieso keiner rein kommt.

Du, ganz ehrlich: Sobald wir solche Sachen behaupten oder auch nur zulassen, dass Nichtchristen da draußen einen solchen Eindruck bekommen können, begehen wir Etikettenschwindel in höchstem Maße.

Wir verkaufen den Leuten da draußen etwas als christlich, was mit dem biblischen Christentum nichts zu tun hat. Was sie nicht vor der Hölle bewahren wird. Und wir betrügen sie um die Wahrheit und um ihr Seelenheil.

Wir gaukeln ihnen Dinge vor, bei denen sich die Apostel von damals nur an den Kopf fassen würden.

Die Realität des Glaubens in Deutschland und weltweit

Eine renommierte Studie, die kurz vor der Corona-Pandemie vom zweitgrößten Marktforschungsinstitut der Welt durchgeführt wurde, brachte Folgendes zutage: Von sieben Menschen in Deutschland, die sich selbst als Christen bezeichnen, glaubt nur einer an das Jüngste Gericht und die Hölle.

Ich frage mich, was die anderen sechs glauben und wie sie Jesus weismachen wollen, dass er sich bei diesem Thema irrt. Von fünf Menschen in Deutschland, die sich als Christen bezeichnen, glauben zwei an ein Leben nach dem Tod. Mehr als einer von dreien glaubt jedoch nicht, dass es einen Gott gibt.

Was soll man dazu noch sagen? Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die sich an die Bibel halten, versuchen, daraus zu leben, und für ihr Christsein bitter verfolgt werden. Wenn diese verfolgten Christen in Nordnigeria, in Somalia, in Afghanistan oder in Nordkorea solche vagen Aussagen machen würden, dass man sie kaum noch als Christen identifizieren kann, dann würden sie wohl kaum verfolgt, inhaftiert, in Konzentrationslager gesteckt oder bei lebendigem Leib verbrannt werden. Denn kaum jemand würde sie als Christen erkennen.

Schau dir einmal unser Europa an: Wenn 90 unserer Kirchenmitglieder von einem chinesischen Überwachungsapparat ausspioniert und dann vor Gericht gestellt würden mit der Anklage, Christen zu sein, würden 90 von uns einfach freigesprochen werden – aus Mangel an Beweisen.

Das ist eine Schande. Es ist nicht nur eine absolute Blamage gegenüber Gott, sondern auch einfach respektlos gegenüber über sechzig Millionen verfolgten Christen auf der Welt.

Nur noch eine Sache dazu: Wenn Jesus wirklich Recht hat und es wirklich ein Leben nach dem Tod gibt, eine echte Hölle, die laut Jesus nicht leer sein wird, und unsere großen Kirchen nichts dagegen tun – obwohl allein in diesem Jahr in Deutschland, Österreich und der Schweiz weit über eine Million Menschen sterben und vor das Jüngste Gericht gestellt werden –, dann ist das ein Versagen epischen Ausmaßes.

Du kannst dir sicher sein, dass Gott diese Arbeitsverweigerung nicht ungestraft lassen wird.

Ist die Bibel verfälscht? Ja, aber nicht von außen, sondern weil wir sie selbst verfälschen. Wir Christen in Mitteleuropa lassen das jeden Tag zu, indem wir mit unserem Leben die Botschaft verwässern und der Gesellschaft ein verfälschtes Christentum vorlegen.

Schönen Dank auch!

Konkrete Beispiele von Bibelverfälschungen

Fehlerhafte Bibeldrucke als historische Beispiele

Letzter Punkt, bevor wir zum Höhepunkt kommen: Es gibt verfälschte Bibeln. In den Zehn Geboten lautet das siebte Gebot je nach Zählung entweder „Du sollst nicht Ehe brechen“ oder „Du wirst nicht Ehe brechen“. Das heißt, du sollst als verheirateter Mensch nicht sexuell aktiv sein mit jemandem, der nicht dein Ehemann oder deine Ehefrau ist – glasklar.

Im Jahr 1631 hat die königliche britische Druckerei jedoch vergessen, an dieser Stelle das Wort „nicht“ zu setzen. Deshalb wurde gedruckt: „Du sollst Ehe brechen“ – auf Englisch „Thou shalt commit adultery“.

Dieser Fehler wurde erst im Jahr darauf entdeckt. Beide Verantwortlichen wurden vor Gericht gestellt, verloren ihre Berufszulassung und mussten eine Strafe von umgerechnet ungefähr fünfzigtausend Euro bezahlen. Natürlich versuchte man, all diese Bibeln mit dem Fehldruck zurückzuholen. Doch wie das so ist, ist das nicht bei allen gelungen.

Deshalb kann man heute noch solche Fehldrucke als antiquarische Exemplare für über vierzigtausend Euro erwerben.

Das Gleiche ist auch bei uns in Deutschland passiert, exakt einhundert Jahre später, in Halle. Dort gab es die sogenannten Kahnsteinbibeln von 1637, bei denen an genau derselben Stelle gedruckt wurde: „Du sollt Ehe brechen“. Peinlich, ja.

Die Bedeutung des Textvergleichs bei der Erkennung von Fehlern

Aber jetzt kommt die Quizfrage: Woher hättest du gewusst, dass das ein Fehldruck ist? Denk mal kurz darüber nach. Vielleicht denkst du jetzt: „Nein, die zehn Gebote kennt man doch“ und so weiter. Ja, aber woher genau aus der Bibel?

Woher hättest du gewusst, dass das ein Fehldruck ist? Ich gebe dir einen Tipp: Zum Beispiel im Vergleich mit anderen Bibelstellen. Die zehn Gebote stehen ja zweimal im Alten Testament, einmal in Exodus 20 und einmal in Deuteronomium 5. Außerdem werden die zehn Gebote im Neuen Testament zitiert.

Praktisch alle anderen Auflagen sagen an dieser Stelle zudem etwas ganz anderes, weil sie Abdrucke von früheren Exemplaren sind. Und bei jedem früheren Exemplar steht an dieser Stelle ebenfalls etwas anderes. Das heißt, man erkennt den Fehldruck durch den Vergleich mit anderen Stellen und Exemplaren.

Klar soweit? Jetzt denkst du vielleicht: „Klar, ein Druckfehler, ein Tippfehler, kenne ich von mir selbst, wenn ich hier Kommentare unter den Videos schreibe.“ Aber was, wenn so etwas in antiken Manuskripten vorgekommen wäre, an einer gar nicht so offensichtlichen Stelle?

Na ja, mein Freund, hold my Abendmahlskelch – so etwas gibt es tatsächlich.

Das Komma Johanneum als Beispiel einer textlichen Fälschung

Wir kommen langsam zum Höhepunkt des Videos, und ich möchte der Erste sein, der zugibt: Die Bibel wurde tatsächlich einmal gefälscht. Damit sollten wir maximal transparent umgehen.

Genaueres findest du im Faktencheck zum Neuen Testament, der mit Bildern und Grafiken einfach erklärt ist. Dank der Unterstützung der Spender-Community hier kann ich das öffentlich und vor allem kostenfrei zur Verfügung stellen. Vielen Dank euch!

Wenn du das gern kostenlos nutzen möchtest, klick einfach auf den Link in der Videobeschreibung. Auf Instagram findest du den Link in der Bio, also in meinem Profil.

Deshalb nur ganz kurz: Vielleicht hast du schon mal vom sogenannten Komma Johanneum gehört. Das ist eine hochtheologisch komplizierte Stelle im 1. Johannesbrief, die über viele Jahrhunderte in vielen Bibelübersetzungen ungefähr so lautet:

„Drei sind es, die Zeugnis ablegen im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist. Und diese drei sind eins. Und drei sind es, die Zeugnis geben auf der Erde: der Geist, das Wasser und das Blut. Und diese drei sind eins.“

Du kannst dir leicht vorstellen, dass viele Christen diese Stelle als ein dankbares Geschenk betrachteten. Denn sie beschreibt die Trinität, die sonst auf verschiedene Bibelstellen verteilt ist, hier direkt und wortwörtlich biblisch belegt.

Jetzt gibt es aber ein Problem: Diese Stelle im 1. Johannesbrief ist leider gefälscht. Was heißt das? In den frühen griechischen Handschriften der ersten Jahrhunderte taucht sie nicht im Entferntesten auf.

Was in allen belastbaren frühen Handschriften steht, ist: „Denn es sind drei, die bezeugen: der Geist, das Wasser und das Blut, und diese drei sind einstimmig.“ Punkt, das ist alles. Nicht „Vater, Sohn und Heiliger Geist sind eins“, sondern einfach, dass drei bezeugen – Geist, Wasser, Blut – und diese drei sind einstimmig.

Das bedeutet leider, dass wir keinen belastbaren Grund haben, davon auszugehen, dass die ausführliche Fassung, die ich zuerst zitiert habe, jemals Teil des 1. Johannesbriefes war. Im Gegenteil: Wir haben jeden Grund, davon auszugehen, dass es sich um eine spätere Hinzufügung handelt. Diese wurde mit großer Wahrscheinlichkeit und guter Absicht vorgenommen, um den biblischen Originaltext an dieser Stelle etwas verständlicher zu machen.

Das heißt also: Wenn jemand sagt, die Bibel wurde mal verfälscht, dann sollten wir Christen so ehrlich und gebildet sein, das auch zuzugeben.

Die Bedeutung der Originalmanuskripte und Textüberlieferung

Die Herausforderung der Textkritik und das Beispiel der Mona Lisa

Aber jetzt wird es richtig spannend. Denk einmal darüber nach: Plottwist – woher genau wissen wir eigentlich, dass das Komma Johanneum gefälscht ist? Woher wissen wir das?

Damit kommen wir zum Höhepunkt dieses Videos. Eine Fälschung kannst du nur dann erkennen, wenn du weißt, wie das Original aussieht, oder? Das ist wichtig zu verstehen. Stell dir vor, du und ich stehen im Louvre in Paris vor der Mona Lisa. Ich sage zu dir: „Ha, das ist eine Fälschung.“ Woher soll ich das wissen, solange ich nicht weiß, wie das Original aussieht?

Eine Verfälschung bedeutet ja, dass es ein Original gibt, das dann absichtlich so verändert wurde, dass es jetzt wesentlich anders ist. Wie gesagt, im nächsten Video zur Verteidigung der Nachfolge werde ich endlich auf eure häufig gestellte Frage eingehen: Wann wurde das Neue Testament eigentlich geschrieben? Schon jetzt vorweg: Es ist wesentlich früher und näher an den Geschehnissen entstanden, als du vielleicht denkst.

Drücke gerne die Glocke, damit dir dieses Video angezeigt wird.

Die Bedeutung mehrerer Manuskripte für die Textgenauigkeit

Jetzt, im Höhepunkt dieses Videos, geht es um die Frage: Das ist doch alles so lange her, man weiß doch gar nicht, was ursprünglich niedergeschrieben wurde, oder?

Weißt du, an der Behauptung mit der Verfälschung war zumindest etwas dran. Aber das hier ist eine Aussage, die fachlich gar nicht stimmt. Ich habe sie persönlich häufig gehört als Ersatz für ein emotionales „Na, ich will mich nicht damit auseinandersetzen.“ Leute sagen: „Na, das ist so lange her, man weiß es gar nicht.“ Und meinen damit eigentlich: „Ah, ich will mich damit nicht auseinandersetzen.“

Lass uns das mal sachlich anschauen. Du musst dir absolut nicht merken, was wir jetzt machen. Die Details findest du sowieso im Faktencheck zum Neuen Testament. Den kannst du dir einfach gratis herunterladen, abspeichern und dann hast du es für irgendwann parat.

In diesem Video geht es vor allem darum, dass dir ein Licht aufgeht. Damit kommen wir jetzt zum Höhepunkt dieses Videos.

Pass auf, lass mich dir mal ein säkulares, nicht religiöses Beispiel geben: Zum Beispiel die Geschichtsbücher von Flavius Josephus. Flavius Josephus war eine schillernde Persönlichkeit, ein Historiker, der ungefähr zur Zeit von Jesus gelebt hat, so grob gesagt.

Woher wissen wir denn, was genau Flavius Josephus mit seiner eigenen Hand niedergeschrieben und diktiert hat?

Wenn wir wirklich nur eine einzige Abschrift von dem hätten, was er ursprünglich selbst angefertigt hat, dann könnten wir sicherlich viele zuverlässige Schlussfolgerungen ziehen, vor allem was die großen Eckpunkte angeht. In Details wäre das allerdings schwierig, das ist klar.

Gedankenexperiment: Angenommen, wir hätten nicht eine, sondern drei Abschriften von dem Manuskript von Flavius Josephus. Jede vielleicht mit ihren eigenen kleinen Umdeutungen, wie beim Komma Johanneum, und garantiert mit unfreiwilligen Abschreibfehlern – kennst du ja selbst aus der Schule.

Spaß beiseite: Was für einen immensen Vorteil hätten wir dann, wenn wir nicht eine, sondern drei Abschriften hätten?

Das liegt auf der Hand: Dann könnten wir alle drei miteinander vergleichen. Und wo immer mindestens zwei, im Idealfall sogar alle drei Abschriften übereinstimmen, da haben wir keinen Grund zu zweifeln, dass das ursprüngliche Manuskript genau so aussah.

Ein modernes Beispiel für Textrekonstruktion

Stell dir mal folgendes Beispiel aus der heutigen Zeit vor: Du wärst mit mir am Freitag zum Mittagessen verabredet, aber wir hätten noch keine genaue Uhrzeit und keinen genauen Ort ausgemacht. Dann würdest du eine Nachricht auf deinem Handy von mir bekommen. Allerdings gibt es einen Übertragungsfehler, vielleicht wegen schlechtem Handynetz.

Du kannst auf deinem Handy nur lesen: "Hey, lass mal treffen um am Markt elf." Daraufhin schreibst du gleich zurück: "Hey Markus, deine Nachricht kam irgendwie nicht so richtig an. Wann genau treffen wir uns jetzt?"

Kurz darauf bekommst du von mir eine weitere Nachricht: "Hey, lass mal treffen um zwölf Uhr dreißig elf." Du antwortest erneut: "Hey Markus, deine Nachricht kam irgendwie wieder nicht richtig an."

Wenig später erhältst du von mir die Nachricht: "Hey, lass mal treffen um zwölf Uhr dreißig am Markt ***." Daraufhin schreibst du zurück: "Hey Markus, ich glaube, ich habe dich verstanden. Bis nachher! PS: Kaufst du mir endlich ein gescheites Handy?"

Denn du musst wirklich keine geniale Textwissenschaftlerin sein, um aus den drei bisherigen Nachrichten zu rekonstruieren: "Hey, lass mal treffen um zwölf Uhr dreißig am Markt elf."

Es gibt noch eine ganze Reihe von Methoden, mit denen du das noch weiter diagnostizieren kannst. Aber ich glaube, du bekommst so eine Vorstellung, weißt du? Vereinfacht gesagt: Je mehr Handschriften du hast, desto präziser kannst du identifizieren, was das ursprüngliche Manuskript sagt – vom Satz über das Wort bis hin zum einzelnen Buchstaben.

Die Anzahl der vorhandenen Manuskripte und ihre Bedeutung

Okay, dann stellst du dir vielleicht jetzt die Frage: Na ja, je mehr Handschriften ich habe, desto besser kann ich das rekonstruieren, stimmt das? Wie viele Handschriften haben wir denn eigentlich vom Neuen Testament? Gute Frage!

Damit du das richtig einordnen kannst: Von Flavius Josephus, von dem wir gerade gesprochen haben, haben wir 120 Manuskripte, aus denen wir den ursprünglichen Wortlaut rekonstruieren können. Das ist so zuverlässig, dass wir zu weit über 95 Prozent wissen, was Josephus damals niedergeschrieben hat. Ziemlich gut.

Bei einem der maßgeblichen Philosophen der Antike, Platon, haben wir zum Zeitpunkt meiner Recherche 250 Manuskripte, aus denen wir den ursprünglichen Wortlaut rekonstruieren können. Auch das ist ziemlich gut.

Beim Feldherrn und Politiker Julius Caesar hatten wir damals 251 Manuskripte, aus denen der ursprüngliche Wortlaut rekonstruierbar ist – also ebenfalls sehr, sehr gut.

Bei der Ilias von Homer, also seinen Erzählungen über die trojanischen Kriege mit dem Pferd und so weiter, hatten wir zum Zeitpunkt meiner Recherche etwa 1800 Manuskripte, aus denen wir den ursprünglichen Wortlaut rekonstruieren können. Hier können wir also bis zum einzelnen Buchstaben gehen. Genau das habe ich damals gemacht, als ich Gräzistik studiert habe – das war toll.

Okay, interessant, denkst du jetzt vielleicht, aber was hat das alles mit dem Neuen Testament zu tun? Spuck’s mal aus, ich bin ja nicht in Gräzistik-Vorlesungen. Wie viele Manuskripte haben wir denn jetzt?

Also schön: Es sind nicht fünf, und es sind auch nicht zehn, sondern zum Zeitpunkt meiner Recherche waren es über 5.280 belegte Manuskripte. Das sind alles in allem über zwei Millionen Seiten Papier, Pergament und Papyrus.

Das bedeutet, von Nebensächlichkeiten abgesehen – wie verschiedenen Schreibweisen oder Füllwörtern – wissen wir von über 99 Prozent der 7.957 Verse im Neuen Testament mit an Sicherheit grenzender Präzision bis auf den Buchstaben, was in den allerersten ursprünglichen Manuskripten stand. Und deswegen wissen wir auch, dass das Komma Johannäum nicht dazugehört.

Und da reden wir noch nicht einmal von der nachweislich weit überdurchschnittlichen Präzision der allermeisten biblischen Abschriften im Gegensatz zur Mehrzahl der anderen historischen Schriften. Deshalb wissen wir auch mit Sicherheit, dass die Druckausgabe, die du in deiner Hand hältst, genau das ist, was vor zweitausend Jahren niedergeschrieben wurde, und dass die heutigen Bibelausgaben nicht verfälscht sind.

Aber nur weil sie unverfälscht weitergegeben wurden, heißt das noch nicht, dass sie wahr sind. Warum sie wahr sind, das schauen wir uns im nächsten Video an.