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Segensreiche Hauskreise (Anleitung): So wachst ihr gemeinsam im Glauben

Top 9 Tipps
01.09.2023

Heute geht es um ein Thema, das sich in letzter Zeit viele hier in Kommentaren und Leserbriefen gewünscht haben: Hauskreise und Kleingruppen.

Vielleicht fragst du dich, wie man eigentlich einem Hauskreis beitritt oder wie man einen Hauskreis gründet. Vielleicht denkst du auch an deine eigene Kleingruppe und machst dir Sorgen, dass sie sich in eine, sagen wir mal, ungesunde Richtung entwickelt. Oder du hast dich schon immer gefragt, seit wann Häuser eigentlich kreisförmig sind. Spaß beiseite.

Wichtig sind mir heute zwei Dinge: Erstens, du bist auch ohne einen Hauskreis ein vollwertiger Christ. Dieses Thema ist nicht heilsrelevant, deshalb bitte nicht mit einem gesetzlichen Ohr hören. Zweitens passt nicht jeder Punkt, den ich anspreche, auf jede Situation. Prüfe deshalb bitte selbst bei jedem Punkt, ob er auf dich zutrifft und ob du ihn anwenden möchtest – oder ob er eher für andere Zuschauer gedacht ist.

Deshalb erhebe ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Prüfe alles, was ich sage, und behalte nur das Gute bei dir.

Grundsätzlich sind Hauskreise eine gute Idee. Sie werden von sehr vielen Christen weltweit praktiziert.

Definition und biblischer Hintergrund von Hauskreisen

Was ist ein Hauskreis, und was versteht man unter einer Kleingruppe? Vereinfacht gesagt bedeutet das Folgendes: Abgesehen vom Gottesdienst – der hier nicht gemeint ist – trifft man sich in einer kleinen Gruppe, meist ohne den Pastor.

Was macht man dort? Zum Beispiel die Bibel studieren und gemeinsam beten. Solche Treffen können einmal im Monat, alle zwei Wochen oder auch jede Woche stattfinden. Mehr ist es zunächst nicht.

Bei einem wöchentlichen Rhythmus hättest du also zwei christliche Termine in der Woche: einmal in den Gottesdiensträumen und einmal in einem kleinen Kreis, der sich bei dir oder bei anderen zu Hause trifft. Deshalb nennt man das auch Hauskreis.

Dass man gleichzeitig Gottesdienste besucht und sich bei Leuten zu Hause trifft, findet sich schon in der Bibel, im Neuen Testament, in Apostelgeschichte 2. Dort heißt es: Tag für Tag waren die ersten Christen einmütig im Tempel versammelt. Gleichzeitig trafen sie sich in ihren Häusern zum Brechen des Brotes, zu gemeinsamen Mahlzeiten und Ähnlichem.

Du solltest auch wissen, dass es in vielen Ländern, in denen Christen verfolgt werden, häufig nur Hauskreise gibt. Das ist verständlich, denn wenn Gottesdienste oder Kirchengebäude verboten sind oder unter Beschuss stehen, ist ein gemeinsames Treffen in großen Gruppen nicht möglich. Stattdessen trifft man sich in kleinen Gruppen bei Leuten zu Hause.

Falls du mehr über das Leben verfolgter Christen erfahren möchtest, kannst du die Glocke unten rechts unter diesem Video drücken und einen Kommentar schreiben. Dann mache ich einen Beitrag dazu.

Für diesen Beitrag gehe ich jedoch von westlichen Ländern aus, in denen du dein Christsein praktisch ohne Einschränkung leben kannst.

Persönliche Erfahrungen und erste Schritte

Meine persönliche Erfahrung, die bei dir ganz anders sein kann, war folgende: Vor vier Jahren reichte mir der Gottesdienst als einziges gemeinsames geistliches Zusammenkommen in der Woche nicht aus.

Das klingt vielleicht komisch, und ich weiß, dass ich es nicht wirklich begründen kann. Aber mein Gefühl damals war so: Ich arbeitete noch als Berater. Das war ein sehr anspruchsvoller und fordernder Job, der zwar auch belohnt wurde, aber viel von mir verlangte.

Zum Beispiel hatten wir die Gottesdienste sonntags. Am Montag ging die Arbeitswoche dann voll los, gefolgt von Dienstag und Mittwoch. Ich arbeitete wirklich von morgens bis abends, manchmal bis acht Uhr abends durch, wie die meisten meiner Kollegen auch.

Manchmal, spätestens am Mittwoch- oder Donnerstagabend, dachte ich: „Halbzeit, noch so lange bis Sonntag.“ In solchen Momenten wünschte ich mir wirklich, es gäbe unter der Woche eine Art kleinen Gottesdienst, oder zumindest die Möglichkeit, gemeinsam zu beten oder die Bibel zu studieren. Denn geistlich fühlte ich mich unter der Woche ein Stück weit ausgehungert.

Das muss bei dir nicht so sein, ich teile dir nur mit, wie es bei mir war. Ich war damals auch schon häufiger bei Gruppen eingeladen, die sich unter der Woche trafen. Dabei spürte ich stark: Das ist eine gute Idee, so etwas wünsche ich mir auch.

Gesagt, getan: Vor vier Jahren fragte ich ein paar Leute aus verschiedenen Gemeinden, ob sie Lust hätten, sich unter der Woche zum Beten und Bibellesen zu treffen. Mehr war es erst einmal nicht. Das war der Anfang.

Verschiedene Formen von Hauskreisen und ihre Organisation

Es gibt ein Spektrum ganz unterschiedlicher Arten von Hauskreisen und Kleingruppen. Zusätzlich gibt es auch Hausgemeinden, was noch einmal etwas anderes ist. Ich möchte nun zwei Beispiele von häufigen Hauskreisgruppen nennen, von denen du vielleicht schon gehört hast.

Ein Beispiel ist ein Hauskreis, der an eine Gemeinde angeschlossen ist oder von dieser Gemeinde aus organisiert wird. Das kann zum Beispiel eine Kleingruppe für Leute sein, die am Christentum interessiert sind. Es kann aber auch eine Kleingruppe für Neuankömmlinge in der Gemeinde oder Kirche sein. Und ich meine das wertschätzend: Es kann auch einfach eine Gruppe für Babychristen sein, die vor oder nach ihrer Bekehrung an die Hand genommen werden möchten – und das auch sollten. Wunderschön, das sind alles ganz gute Sachen.

Beispiel zwei: Mein erster Hauskreis bestand damals aus Leuten aus unterschiedlichen Gemeinden. Wir haben uns einfach selbst zusammengetan. Dieser Hauskreis wurde nicht von einer Gemeinde organisiert. Ich glaube, unsere Pastoren haben erst später davon erfahren. Bei der Leitung des Hauskreises selbst, dazu sage ich gleich noch etwas, haben wir uns jede Woche abgewechselt.

Es gibt noch viele verschiedene Zwischenformen, und all diese Formen haben Vorteile – auch die beiden Formen, die ich gerade genannt habe. Beides ist total berechtigt. Aber ich muss mir darüber im Klaren sein, was ich eigentlich will. Ich muss mir auch über die Rollenverteilung im Klaren sein. Das hat nämlich Folgen für die Leitung und dafür, wie ich mit etwaigen Gästen umgehe. Dabei kann es für beide Seiten knifflig werden.

Damit willkommen beim Bibelfitdienst, wo wir versuchen, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und harte Fragen von Nichtchristen klar zu beantworten.

Jeden Beitrag verschenke ich Übersichten, biblische Entscheidungshilfen, komplette Hörbücher und sogar Onlinekurse. Das gibt es alles gratis auf dieser Website. Dafür kannst du freiwilligen monatlichen Unterstützern aus dem ganzen Land danken – Menschen wie du und ich.

Falls du auch möchtest, dass christliche Inhalte in unserem Land weiter ausgespielt und nicht verborgen werden, dann drücke gerne diese Glocke hier unten rechts unter diesem Video.

Zielsetzung und geistliche Entwicklung im Hauskreis

Was ist das Ziel von so einem Hauskreis?

Vorweg: Ein Hauskreis hat ein Ziel, er ist nicht zweckfrei. Das heißt, wir machen keinen Hauskreis nur um des Hauskreises willen oder einfach nur, um einen Hauskreis zu haben. Nein, ein Hauskreis oder eine Kleingruppe ist ein absichtsvolles Zusammenkommen. Man kommt mit einer bestimmten Absicht zusammen.

Was ist denn diese Absicht, dieses Ziel? Kurz gesagt, und ich glaube, da können wir uns alle darauf einigen: Wir wollen in unserer Gottesbeziehung wachsen.

Ich gebe mal ein negatives Beispiel: Stell dir vor, du bist ein Babychrist, ein frisch Bekehrter. Du gehst in einen Hauskreis und nach einem Jahr bist du immer noch ein Babychrist. Das heißt, du hast dich in deinem Glaubensleben, in deiner Gottesbeziehung, in deinem Bibelwissen und in deiner geistlichen Tiefe nicht weiterentwickelt. Ehrlich gesagt, wenn das so wäre, dann ist da kräftig etwas schiefgelaufen.

Es gibt einige Beispiele von Dingen, die man im Hauskreis gegenseitig tun kann – nicht muss, aber kann. Zum Beispiel kannst du dich gegenseitig ermutigen zu deinem täglichen Bibellesen, zu deiner eigenen stillen Zeit und zu deinen täglichen Gebetszeiten. Auch beim Bibellesen, wenn es zwischendurch mal etwas anstrengender wird, kann man dem anderen mal auf die Schulter klopfen und ihn anfeuern. Zum Beispiel, wenn er gerade in der ersten Chronik oder im Buch Levitikus ist – keine Sorge, es gibt Licht am Ende des Tunnels, nämlich im Buch Numeri.

Was du auch machen kannst: Ihr könnt zusammen Situationen auswerten, in denen jemand aus dem Hauskreis mit anderen Leuten über Jesus und das Evangelium gesprochen hat. Was ist gut gelaufen? Was weniger? Was könnte man anders machen? Was ist etwas, wovon die anderen lernen können? Das ist sehr, sehr hilfreich.

Eine dritte Sache, die mir wichtig war: Ich wollte Leuten die Erlaubnis geben, in mein Leben reinsprechen zu können. Klar gibt es Pastoren in der Gemeinde, aber je nachdem, wie groß die Gemeinde ist und wie viele Pastoren es gibt, ist es sehr schwer, dass ein Pastor wirklich nah am Leben aller Menschen dran ist. Manche wollen das vielleicht auch gar nicht.

Ich wollte damals, dass wir eine Gruppe haben, in der wir uns gegenseitig zur Heiligkeit anhalten können. Eine Gruppe, in der wir uns Mut machen können. Zum Beispiel ein harmloses Beispiel: Diese Woche mache ich wieder Steuererklärung. Da kann man sich gegenseitig Mut zusprechen und sagen: „Hey, wir wollen nur die Sachen von der Steuer absetzen, die wirklich moralisch und rechtlich okay sind.“ Das ist eine gute Sache, egal was man von der Regierung hält oder wie man selbst die Gesetze machen würde oder wofür das Geld verwendet wird. Einfach zu sagen: „Nein, wir sind Christen, wir machen das jetzt wirklich gescheit.“

Oder ein anderes Beispiel: Jemand aus dem Hauskreis hat demnächst ein Krisengespräch mit einem Kollegen. Derjenige sagt: „Ich würde ihm gern mal die Meinung sagen.“ Und dann kann man ihm Mut machen: „Bleib sachlich, oder bring zumindest konstruktive Vorschläge mit, statt dem anderen nur die Pest an den Hals zu wünschen.“

Oder das Thema Sprache: Früher habe ich viele Schimpfwörter benutzt, da durfte ich viel dazulernen. Auch das Thema Blasphemie ist wichtig. Wenn Leute so etwas sagen wie „Oh Gott“ oder „Mein Gott“ oder „Ach je“, was oft die Kurzform von „Oh Jesus“ ist, und damit den Namen Gottes respektlos benutzen, kann man im Hauskreis einfach sagen: „Hey, weil ich gerade höre, wie du sprichst, wollen wir uns demnächst zusammen anschauen, was die Bibel zu Blasphemie sagt.“

Falls das interessiert: Ich habe vor, noch einen eigenen Beitrag zum Thema „Der Name Gottes“ zu machen. Da steckt nämlich einiges dahinter. Drücke die Glocke unten rechts unter diesem Video und schreibe einen Kommentar, dann weiß ich, wie viele Leute das interessiert und kann das entsprechend vorziehen.

Was auch gut ist im Hauskreis: Du kannst dich gegenseitig ermutigen, dich fest in eine Gemeinde einzubinden, eine echte Gemeindemitgliedschaft zu leben und eine gesunde Unterordnung unter die Gemeindeleitung zu haben. Das ist ein sehr neutestamentliches Prinzip. Wir haben dazu schon mal ein eigenes Video gemacht, das findest du unten verlinkt. So kannst du dir das alles selbst anschauen und prüfen, ob das stimmt oder nicht.

Dann das Thema Gebet: Geistliche Kraft im gemeinsamen Gebet ist ein großes, großes Ding. Viele von uns, ich auch, würden komplett anders beten, wenn wir eine realistische Ahnung hätten, was unser Gebet in der unsichtbaren und geistlichen Welt tatsächlich bewirkt.

Und wo wir beim Thema geistliche Welt sind: Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass in eurem Hauskreis, wenn dort wirklich geistliches Wachstum passiert, nicht auch Dinge geschehen, die dem entgegenwirken. Das Neue Testament und Jesus selbst sagen glasklar, dass Mächte existieren, die dagegen ankämpfen wollen und werden, dass Menschen in ihrem Glauben wachsen, den biblischen Gott ernst nehmen und Jesus ähnlicher werden.

Mehr dazu schauen wir uns demnächst in der Videoreihe zur unsichtbaren Welt an. Falls dich das interessiert, drücke die Glocke unten rechts unter diesem Video, dann wirst du die Videos sehen können.

Kurz gesagt: Dass du in einem gesunden Hauskreis bist, wird einen Unterschied machen, den man von außen sehen, erleben und spüren kann. Jesus sagt: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ Nicht unbedingt an ihren Worten. Denn erzählen kann jeder den lieben langen Tag viel, aber was passiert wirklich? Was kann man an Früchten sehen? Wie verändern sich Menschen? Wo blühen Menschen im positiven Sinne auf?

Deshalb sage ich etwas Kritisches: Falls dein Glaubensleben identisch ist mit deinem Glaubensleben vor dem Hauskreis oder mit dem Glaubensleben, das du hättest, wenn du keinen Hauskreis hättest – also falls es keine Weiterentwicklung und keine Veränderung gibt –, dann ist es wahrscheinlich Zeit, den Hauskreis zu verändern oder vielleicht sogar den Hauskreis zu wechseln.

Verhalten und Umgangsformen im Hauskreis

Thema Verhaltensregeln: Wie verhält man sich in einem Hauskreis?

Hier ein paar Tipps, die sich in der Praxis als sinnvoll erwiesen haben. Natürlich gilt das nicht, wenn du einen Säugling zuhause hast oder pflegebedürftige Angehörige betreust. In diesen Fällen gelten andere Regeln.

Für alle anderen gilt: Stelle dein Handy auf Flugmodus oder, wenn möglich, bring es gar nicht erst mit in den Raum. Ich bin häufiger zu Hauskreisen oder Kleingruppen eingeladen worden, und es ist wirklich etwas, womit man sich schnell unbeliebt machen kann, wenn das Handy ständig piept oder klingelt. Es ist eigentlich selbstverständlich, das vorher auszumachen, aber ich habe es trotzdem schon oft erlebt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Thema Vertraulichkeit. Das bedeutet, dass alles, was im Hauskreis besprochen wird, in dieser kleinen Runde bleibt. Man macht sich dort sehr verletzlich und angreifbar. Was im Hauskreis passiert, bleibt im Hauskreis – das ist klar. Auch wenn du später einmal nicht mehr im Hauskreis bist oder der Hauskreis sich auflöst, etwa weil Leute wegziehen oder heiraten, entbindet das nicht von der Vertraulichkeit. Das ist eine Frage des Anstandes.

Sei außerdem sozial kompetent. Achte wirklich darauf, wie lange oder kurz deine Redebeiträge sind. Ich habe schon die unterschiedlichsten Situationen erlebt. In einer kleinen Gruppe hat man vielleicht eine Stunde Zeit, sich auszutauschen, und manche meinen dann, vierzig bis fünfzig Minuten davon gehörten ihnen allein. Besser nicht.

Überlege dir auch, ob die Art und Weise, wie du mit jemandem sprechen möchtest, angemessen ist für die Beziehung, die ihr miteinander habt. Das sind ganz einfache Dinge, die oft übersehen werden.

Eine wichtige Frage für euch selbst zum Thema Verhaltensregeln ist außerdem: Wollt ihr besuchsoffen sein? Wollt ihr offen sein für neue Besucher, die nicht feste Mitglieder des Hauskreises sind? Beides ist legitim. Denkt dabei auch an die zwei Arten von Hauskreisen, die ich gerade genannt habe. Es gibt viele Zwischenformen, aber es sollte Klarheit darüber herrschen, worauf sich alle einlassen. Denn beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile.

Die Bedeutung der Menschen im Hauskreis

Damit sind wir beim Kernthema, nämlich den Menschen. Ja, das ist wieder etwas Unbeliebtes, das ich ansprechen möchte.

Im Hauskreis ist es so: Ein Hauskreis kann gerne aus Freunden bestehen, die auch ohne den Hauskreis schon befreundet waren – gerne. Aber der Hauskreis funktioniert auch, ohne dass alle Leute darin befreundet sind. Warum ist das so? Ein Hauskreis ist nicht automatisch ein Freundestreffen.

Frag dich einfach selbst: Wer oder was soll im Zentrum eines Hauskreistreffens stehen? Soll Gottes Wort im Mittelpunkt stehen? Oder das gemeinsame Gebet? Oder sollen meine Gefühle, meine Probleme, mein Leben und meine Lebenserfahrung im Mittelpunkt stehen? Das ist ein Unterschied, das ist nicht dasselbe. Es ist gut, sich darüber Klarheit zu verschaffen.

Dann gibt es Hauskreise, die sind eher wie offene Besuchsrunden. Man kann kommen, man kann gehen, jederzeit. Das kannst du alles machen. Aber was ich in den letzten Jahren mitbekommen habe, ist Folgendes: Solche Hauskreise, die mehr wie unverbindliche Stammtische sind, klagen häufig über fehlende Verbindlichkeit. Sie klagen darüber, dass das inhaltliche Profil schnell verwässert wird und dass es ganz häufig im Chaos endet. Man kann dann nicht wirklich gemeinsam etwas unternehmen, und darunter leidet natürlich das geistige Wachstum.

Wie gesagt, mach es, wie du willst. Das ist einfach ein Erfahrungswert aus der Praxis.

Beim Hauskreis kann es sinnvoll sein, sich vorher zu überlegen, wer eigentlich in dem Hauskreis dabei sein soll. Das heißt: Wenn du zum Beispiel einen Hauskreis hast, in dem du und jemand anderes zusammen seid, dann überlegt euch vorher: Wollen wir wirklich jemanden Dritten fragen? Wäre es okay für uns, wenn der dabei sein möchte?

Nicht, dass der schlechteste Fall eintritt, dass jemand sagt: „Nö, ich habe keine Lust.“ Sondern dass ihr euch überlegt, ob ihr wirklich damit umgehen wollt, wenn jemand sagt: „Ich will dabei sein.“ Oder ihr seid zu dritt, wollt jemanden Vierten fragen. Ihr seid zu viert, zu fünft und so weiter. Ihr seid ein Ehepaar-Hauskreis aus zwei oder drei Ehepaaren. Dann überlegt euch, ob ihr das vierte oder dritte Ehepaar dazu fragen wollt.

Überlegt euch das vorher: Wollt ihr das? Wollt ihr das nicht? Ich würde das nicht unbedingt dem Zufall überlassen.

Umgang mit toxischen Menschen und Konflikten

Pass auf bei toxischen Menschen, ja, bei toxischen Menschen. Wir könnten jetzt viel über das Thema toxische Menschen sprechen, aber vielleicht ist es gut, zuerst sicherzugehen, dass du selbst, auch wenn du in deinem Leben Dinge erlebt hast, die dich vielleicht verbittern können oder ungerecht waren, keine toxischen Verhaltensweisen an den Tag legst. Ich spreche da aus Erfahrung.

Deshalb vier kurze Tipps für dich:

Tipp eins: Dein Hauskreis ist nicht dafür da, emotionale Verletzungen aus deinem nichtchristlichen Leben zu heilen. Das Gleiche gilt auch für deine Gemeinde. Deine Gemeinde ist nicht dafür da, emotionale Verletzungen aus deinem nichtchristlichen Leben zu heilen.

Tipp zwei: Dein jetziger Hauskreis ist auch nicht dafür da, um Verletzungen aus deinem vorherigen Hauskreis zu heilen. Beide Gemeinden – das Gleiche: Deine jetzige Gemeinde ist nicht dafür da, um Verletzungen von deiner bisherigen oder vorherigen Gemeinde oder Gemeindeehrfahrung zu heilen. Das ist nicht der Job deiner neuen Gemeinde oder deines neuen beziehungsweise jetzigen Hauskreises.

Tipp drei, besonders für Menschen, die vielleicht von Natur aus eher introvertiert sind: Solange ein Problem nicht angesprochen ist, existiert es nicht. Wichtig für dich: Niemand hat die Pflicht, deine Gedanken zu lesen. Falls du dir etwas von anderen wünschst oder sogar etwas von anderen erwartest, dann finde bitte einen Weg, es ihnen so zu sagen, dass sie es verstehen und annehmen können. Diese Kommunikation ist dein Job, nicht ihr Job.

Tipp vier: Die Entscheidungen von anderen Menschen sind nicht deine Verantwortung.

Diese vier Punkte kannst du gerne nochmal zurückspulen und dir neu anhören. Sie sind einfach wichtig, um miteinander einen gesunden Umgang zu finden – gerade falls einer oder mehrere schon mal schwierige Vorerfahrungen gemacht haben, im christlichen oder auch im nichtchristlichen Bereich. Oder wenn jeder einfach sein Päckchen mit sich herumträgt und der eine vielleicht das besser bearbeitet hat, der andere weniger.

Deshalb ganz wichtiger Tipp: Lerne, Nein zu sagen. Ganz häufig haben wir Christen eine falsche Scheu vor diesen vier Buchstaben, weil wir denken, dass ein Christ, der Nein sagt, irgendwie ein schlechter Christ wäre. Ich selbst musste da auch jahrelang an mir arbeiten. Das war überhaupt nicht einfach, aber es war nötig und gesund. Erst dadurch habe ich viele ungesunde Verhaltensweisen im Laufe der Zeit immer mehr ablegen können.

In der Zeit war ich nicht Personalchefin, sondern habe in Vollzeit als Berater gearbeitet und die gleichen Probleme immer wieder auch bei anderen beobachtet. Deshalb habe ich einen kurzen Leitfaden entworfen, wie du und ich als Christen auf gesunde Weise lernen können, Nein zu sagen.

Das war im vorletzten Buch. Ich habe dann gesehen, dass dieses Kapitel das meistgelesene im ganzen Buch war. Es hat also scheinbar einen tiefen Nerv getroffen. Ich habe dir daraus die wichtigsten Punkte zusammengefasst, auch als Video mit Audio für zwischendurch. Die kannst du dir ab jetzt über den Link unter diesem Video mitnehmen.

Es ist alles schon bezahlt, also gratis. Du musst kein schlechtes Gewissen haben oder irgendwas. Der Leitfaden liegt schon für dich bereit, du kannst ihn genauso gut nutzen. Nutze dafür einfach den Link hier unter diesem Video.

Generationenunterschiede und Erwartungen im Hauskreis

Ein wichtiger Faktor, bei dem manche Hauskreise scheitern, ist der Mensch selbst – genauer gesagt, die unterschiedlichen Generationen und wie sie Dinge wahrnehmen. Es ist wichtig zu bedenken, unter welcher Brille und mit welchem Filter jemand etwas hört oder liest.

Ich möchte dazu einen Schwarz-Weiß-Kontrast aufzeigen. Natürlich ist die Realität vielschichtiger, aber so haben wir zumindest einen Ausgangspunkt.

Die Älteren, zum Beispiel die Generation meiner Eltern – Menschen in ihren Fünfzigern, Sechzigern oder Siebzigern – haben oft bestimmte Vorstellungen vom Glauben. Einige Christen aus dieser älteren Generation, zu der auch meine Eltern gehören, wurden beispielsweise so geprägt, dass man im Glauben besonders aktiv sein muss, um wirklich Christ zu sein. Nach ihrem Verständnis bedeutet Christsein oft, einen Nebenjob in der Gemeinde zu haben.

Die Gefahr dabei ist, dass man in Aktionismus verfällt und keinen geistlichen Tiefgang mehr entwickelt. Andere Ältere sehen Gemeinschaft manchmal als einen Weg, aus der Einsamkeit herauszukommen. Für sie heißt Christsein oft „Garantie auf Gemeinschaft“. Das kann dazu führen – muss aber nicht –, dass manche Menschen andere aus dem Hauskreis stark für ihr eigenes Kontaktbedürfnis beanspruchen.

Das geschieht meist ohne böse Absicht. Trotzdem ist es hilfreich, sich selbst zu reflektieren: Was bedeutet Christsein eigentlich für mich? Was erwarte ich von anderen, von der Gemeinschaft und von ganz konkreten Personen?

Bei meiner Generation, also den Menschen zwischen etwa 20 und 35 Jahren, gibt es andere Herausforderungen. Wir sind oft sehr sprunghaft. Es fällt uns schwer, bei etwas am Ball zu bleiben, ein Commitment einzugehen oder uns zu verpflichten.

Ein weiteres Problem ist, dass wir Gefühle häufig überbetonen. Wir glauben oft, dass Gefühle immer real sind und das Realste, was man wahrnehmen kann. Manchmal setzen wir Gefühle über andere Wahrheiten und meinen, daraus besondere Rechte ableiten zu können.

Ein drittes Problem meiner Generation ist, dass wir oft theologisch wenig Ahnung haben. Das hängt auch mit den ersten beiden Punkten zusammen. Wir verpflichten uns häufig nicht genug dazu, die Bibel zu lesen, Dinge wirklich zu studieren und ihnen auf den Grund zu gehen. Stattdessen bleiben wir oft an der Oberfläche.

Diese Punkte sollen nur einige Ideen geben, was Menschen an geistlichem Gepäck und unterschiedlichen Filtern mitbringen können. Deshalb ist es wichtig, sich bewusst zu machen, wie man damit umgeht. Letztlich ist alles menschlich, und für alles gibt es Antworten. Das Bewusstsein darüber ist ein guter Anfang.

Umgang mit Wechsel und Konflikten im Hauskreis

Zwei Dinge, die du in einem Hauskreis vermeiden solltest:

Erstens: Bitte nicht Leute von anderen Hauskreisen abwerben. Das gilt genauso für Gemeinden. Falls jemand von sich aus wechseln möchte, ist das sein gutes Recht. Du darfst deinen Hauskreis wechseln, von A zu B gehen oder auf eine andere Gemeinde wechseln, von B zu A – das ist in Ordnung. Aber abwerben sollte man nicht. So etwas macht man einfach nicht.

Zweitens: Es sollte nicht dein oberstes Ziel sein, es allen Leuten recht zu machen – besonders für diejenigen, die eine Hauskreisleitung übernehmen. Falls ein Hauskreis von der Gemeinde organisiert wird, ist meist klar, wer die Leitung hat und welche Linie verfolgt wird.

Wenn ihr jedoch einen Hauskreis selbst organisiert, wie wir das damals gemacht haben, denkt daran: Du musst es nicht allen recht machen. Bei Entscheidungen, zum Beispiel welche Themen ihr behandelt, welche Leitsätze oder Prinzipien gelten sollen, ist es gut, eine Mehrheit zu haben. Eine 50- oder meinetwegen 60- bis 66-prozentige Mehrheit reicht völlig aus. Eine hundertprozentige Zustimmung ist nicht nötig.

Das ist oft ein christliches Phänomen, das ich besonders bei der älteren Generation beobachte. Es hat vielleicht psychologische Hintergründe, aber in der christlichen Welt gibt es häufig eine Art „Diktatur der Minderheit“. Das bedeutet, dass Dinge nur gemacht werden dürfen, wenn hundert Prozent aller Beteiligten einverstanden sind – und bloß niemand unzufrieden sein darf. Ich glaube, dass das auf Dauer nicht gesund ist.

Inhaltliche Gestaltung und Themen im Hauskreis

Wie kannst du im Hauskreis mit Themen arbeiten? Ja, Themen – also mit Inhalt und so weiter. Noch einmal: Der Hauskreis muss nicht eine Aktionsgruppe sein. Er muss auch kein zweckfreier Kuschel- und Jammerkreis sein. Es geht wirklich um Themen, um Inhalte.

Ein paar Tipps dazu: Es ist sinnvoll, die Themen wirklich durchzumischen, damit du eine große Abwechslung hast. Das heißt zum Beispiel, dass du nicht nur sehr tiefe und komplexe Themen behandelst, wie etwa die Endzeit oder die Vorherbestimmung. Noch einmal: Das sind alles sehr berechtigte Fragen. Aber es ist auch wichtig, dass ihr euch nicht nur praktische Themen wie Beziehung, Ehe oder den Job anschaut, sondern auch einfachere Themen wie Finanzen. Außerdem könnt ihr Themen behandeln, bei denen es weniger um den Kopf geht, sondern mehr um das Herz – zum Beispiel das Thema Gebet.

Ein weiterer Tipp: Wenn ein bestimmtes Thema im Hauskreis immer wieder vorkommt, also ihr euch eigentlich Thema A oder B anschauen wollt, aber immer wieder das Thema C zur Sprache kommt, kann es sinnvoll sein, in der Gruppe anzusprechen, warum dieses Thema jemandem so wichtig ist. Dann könnt ihr gemeinsam überlegen, ob ihr dieses Thema ausführlich behandeln wollt oder es erst einmal zur Seite legt. Beides ist legitim. Es kann aber auch sein, dass jemand ein Problem hat oder etwas auf dem Herzen liegt. Dann ist es gut, diese Dinge einfach zu thematisieren. Denn denk daran: Ein Problem, das nicht angesprochen wird, existiert nicht.

Probiert verschiedene Gebetsformen aus. Ihr könnt laut beten, leise beten, hörendes Gebet praktizieren oder versuchen, mit der Bibel zu beten. Dazu haben wir hier auf diesem Kanal einen tollen Gastbeitrag, den ich dir unten verlinkt habe. Es gibt nämlich ganz unterschiedliche Arten von Gebet. Alleine wäre ich zum Beispiel gar nicht auf die Idee gekommen, bestimmte Gebetsformen einfach mal auszuprobieren. Das hat mir erst geholfen, als andere Leute dabei waren, die mich an die Hand genommen haben. Das ist eine Sache, die in so einer kleinen Gruppe richtig gut funktioniert. Man kann fast sagen, der Hauskreis ist dafür prädestiniert.

Ein großer Tipp noch: Achtet darauf, dass euer Hauskreis nicht darin abrutscht, nur die Nachrichten aus der Tagesschau, vom Spiegel oder aus Social Media auszuwerten. Aus irgendeinem Grund gibt es immer wieder Leute, die eine starke Neigung zu Verschwörungstheorien haben. Da kann es hilfreich sein, sich im Vorfeld bewusst zu überlegen, ob ihr einen unpolitischen Hauskreis sein wollt, in dem politische Themen nicht thematisiert werden. Das ist durchaus möglich.

Ein weiterer Tipp: Es ist vielleicht gut, nicht immer nur über Gefühle zu reden oder darüber, wie die letzte Woche war und was die Problemchen von A und B sind. Das kann seine Berechtigung haben und ist okay. Aber vielleicht könnt ihr sagen: „Das machen wir nach dem Hauskreis.“ Zum Beispiel zwei Stunden Hauskreis, und danach könnt ihr darüber reden, wie es euch eigentlich geht und was euch beschäftigt. Das muss nicht automatisch miteinander vermischt werden.

Was du im Hauskreis auch machen kannst, ist, thematisch ein Buch durchzugehen. Zum Beispiel habe ich damals, als ich „Kein Gott ist auch keine Lösung“ geschrieben habe, dieses Buch auch für Hauskreise geschrieben. Du kannst es dir kostenlos mitnehmen oder den Link unter diesem Video nutzen. Es gibt auch viele andere gute Materialien, die man in der Gruppe wirklich gut gemeinsam durchgehen und durcharbeiten kann.

Wachsamkeit gegenüber liberalen Einflüssen

Jetzt zu einem wichtigen Thema, das ich eben kurz angesprochen habe: Pass darauf auf, dass dein Hauskreis nicht liberal wird. Was meine ich mit liberal? Ich meine damit die liberale Theologie und die progressive Theologie. Darauf sind wir auf diesem Kanal schon ausführlich eingegangen. Ein größerer Beitrag dazu kommt demnächst noch. Du kannst gern die Glocke unten rechts unter diesem Video drücken, dann wirst du benachrichtigt, wenn er erscheint.

Du musst einfach wissen: Es gibt diese liberale Theologie und diese progressiven Strömungen. Du solltest dir bewusst sein, dass solche Dinge existieren und dass du früher oder später mit ihnen in Kontakt kommen wirst. Warum sage ich das? Ich möchte dir Mut machen, nicht naiv an irgendwelche Andachtshefte heranzugehen.

Damit will ich sagen: Du kannst lesen, was immer du willst. Aber sei ehrlich zu dir selbst. Ich sage dir das aus Erfahrung: Unterschätze nicht den zersetzenden Einfluss mancher Philosophien, die im christlichen Gewand daherkommen. Bei mir hat die liberale Theologie – und ich bin da keineswegs der Einzige – dazu geführt, dass ich voll in eine Glaubenskrise hineingeraten bin. Das war dann wie ein Dominoeffekt.

Am Ende stand die Frage: Warum soll ich überhaupt noch Christ sein, wenn das, was das Christentum zu bieten hat und was wir als Christen zu sagen haben, das Gleiche ist wie das, was die Gesellschaft oder andere Freizeitvereine sagen? Wie kann ich mir das vorstellen?

Das begann damit, dass ich im Studium aufgehört hatte, die Bibel zu lesen. Ich dachte, die Bibel sei einfach nur ein antikes Buch unter Tausenden, vielleicht ein antikes Reisejournal oder ein Poesiealbum von Paulus. Was soll ich denn damit anfangen? Dann kann ich ja irgendetwas anderes, etwas Heutiges lesen. Wenn Gott sowieso nur eine Naturmacht ist, die sich nicht für mich interessiert und nicht eingreift, warum sollte ich dann beten? Warum sollte ich irgendwo hingehen, wo man 400 Jahre alte Lieder singt, die sowieso keinen Unterschied machen?

Wenn Menschen dann etwas ganz anderes denken als der Wortlaut sagt, kam mir das ein bisschen hohl vor, mit Verlaub. Schritt für Schritt habe ich dann einen Baustein aus meinem Glaubensleben nach dem anderen abgebaut. Und ich war nicht der Einzige, dem es so ging.

Falls du dir bei manchen Materialien oder bei manchen Autoren unsicher bist, ob sie für den Hauskreis geeignet sind oder ob sie vielleicht doch in eine liberale Richtung gehen, ist das kein Problem. Frag einfach bibelorientierte Leute, zum Beispiel deinen Pastor, deine Gemeindeleitung oder deinen ältesten Kirchenvorstand – wie auch immer das bei dir heißt, sei es Gemeindekirchenrat, Pfarrgemeinderat oder Presbyterium.

Du kannst auch gern hier unter eines der neueren Videos einen Kommentar schreiben. In der Community sind viele Leute, die wirklich Ahnung haben und ihre Ärzte am rechten Fleck haben. Die können dir bei einer ersten Einordnung helfen.

Vor allem aber pass bitte selbst auf, dass du nicht liberal wirst. Ich möchte dir ein paar Dinge mitgeben, die wirklich, wirklich wichtig sind. Deshalb hör mir an dieser Stelle bitte zu, auch wenn dir der Rest des Beitrags vielleicht nicht so wichtig erscheint.

Jesus musste für unsere Sünden sterben. Jesus war wahrer Mensch und wahrer Gott. Die Hölle ist real, sie ist nicht nur übertragen gemeint und auch nicht leer. Im Neuen Testament findest du Gottes Worte. Jesus wurde von einer Jungfrau geboren und hat Wunder getan.

Diese Dinge – und noch andere, aber ich bleibe mal bei diesen fünf – sind absolut entscheidend für das Christentum. Ich glaube, die meisten hier haben keine richtige Vorstellung davon, wie unheimlich wichtig diese fünf Punkte, diese Fundamente, wirklich sind.

Ich verspreche dir, wir werden jeden einzelnen dieser fünf Punkte hier auf diesem Kanal und im nächsten Buch behandeln, damit du wirklich fit bist für die Herausforderungen, die auf uns zukommen werden. Falls du das sehen möchtest, drücke die Glocke unten rechts unter diesem Video, dann wirst du benachrichtigt.

Falls ihr jetzt etwas lest oder in eurem Hauskreis ein Material behandelt und merkt, dass es euch nicht wirklich weiterbringt oder in eine komische Richtung geht – vielleicht sogar aus einer Ecke stammt, die wir als liberal und progressiv bezeichnen würden –, dann möchte ich dir Mut machen: Du darfst etwas abbrechen. Du darfst aufhören, etwas zu lesen oder dich mit einem Thema zu befassen.

Das ist etwas, das ich selbst erst in den letzten Jahren gelernt habe. Sobald ich auf den ersten 30, 40 oder 50 Seiten eines Buches merke, dass es mich nicht weiterbringt, habe ich mir selbst antrainiert, es wegzulegen. Früher im Studium hätte ich mich gezwungen, die nächsten 600 Seiten auch noch zu lesen. Das mache ich nicht mehr.

Bei einem Podcast gilt das genauso: Sobald ich nach zehn Minuten keinen konkreten Mehrwert erkenne, lege ich ihn zur Seite. So ist es auch bei liberalen Dingen. Sobald du merkst, dass bestimmte Materialien, die du im Hauskreis liest oder behandelst, oder auch privat, in eine komische Richtung gehen, bist du ein freier Mensch. Mach, was du willst. Überlege dir aber bewusst: Willst du das wirklich? Und was kann das unterbewusst mit dir und deiner Seele machen, ohne dass du es im ersten Moment merkst?

Gemeinsames Singen und Lobpreis im Hauskreis

Und was ihr auch inhaltlich in einem Hauskreis machen könnt, ist einfach miteinander singen.

Ich persönlich würde es nicht machen, weil ich niemandem das Gehör beschädigen möchte. Aber in einer kleinen Gruppe miteinander zu singen, Lobpreis zu machen und Gott anzubeten, ist eine wertvolle Erfahrung.

Abgesehen von der Erfahrung glaube ich, dass das auch geistlich wirklich, wirklich wertvoll ist.

Neun praktische Tipps für einen gesunden Hauskreis

Hier sind neun Tipps für deinen Hauskreis. Dabei geht es nicht um Äußerlichkeiten wie die Atmosphäre oder die Gestaltung des Raumes. Ich bin ein Mann und habe keine Ahnung von solchen Details. Vielmehr möchte ich darauf eingehen, wie deine Kleingruppe geistlich gesund gestaltet sein kann.

Tipp eins: Setze dir eigene Prioritäten. Werde für dich selbst klar darüber, was du eigentlich von deinem Hauskreis erwartest. Soll es einfach ein Treffen unter Freunden sein? Eine Art Kochclub? Oder ist es Teil deines geistlichen Lebens? Mir persönlich hat es geholfen, mir selbstkritisch die Frage zu stellen, wofür ich meinen Hauskreis ausfallen lassen oder überspringen würde. So merke ich, wie wichtig mir der Hauskreis im Vergleich zu anderen Verpflichtungen oder vermeintlichen Sachzwängen ist.

Tipp zwei: Es ist völlig in Ordnung, im Hauskreis bei Randthemen unterschiedliche Meinungen zu haben. Es gibt viele Randthemen, und bei diesen können wir alle verschiedene Ansichten haben, ohne dass es für die Ewigkeit eine Rolle spielt. Ob wir das Treffen Gottesdienst oder Celebration nennen, ob es am Sonntagmittag, Samstagabend oder Sonntagfrüh stattfindet, ist egal. Ob Gitarre oder Orgel gespielt wird, spielt keine Rolle. Jesus wird dich im Himmel nicht danach fragen, welches Instrument du benutzt hast, um ihn zu loben.

Wichtig ist jedoch, dass die Teilnehmer in den großen inhaltlichen Fragen eine ähnliche Anschauung haben. Sonst entsteht zu viel Reibung. Zum Beispiel kann ein Hauskreis mit zwei Baptisten, zwei Ephegeler und einer Brüdergemeindlerin gut funktionieren. Wenn aber jemand praktizierender Katholik, ein liberaler Evangelischer und ein russisch-orthodoxer Christ zusammenkommen, hat das aus Erfahrung kaum Chancen, dauerhaft gut zu funktionieren. Das wäre zwar eine schöne Wunschvorstellung, aber wahrscheinlich nicht realistisch.

Tipp drei: Wenn ihr Mitglieder aus unterschiedlichen Gemeinden habt, wechselt euch bei der Leitung des Hauskreises ab. Wir haben das so gemacht, dass bei jedem Treffen jemand anderes die Verantwortung für das Thema, die Struktur und die Gesprächsführung übernommen hat. Diese Person hat darauf geachtet, wieviel Zeit für welche Themen verwendet wird, ob ihr im zeitlichen Rahmen bleibt, und dass die Diskussionen am Bibeltext bleiben. Außerdem hat sie auf die Gesprächskultur geachtet. Das war besonders sinnvoll, weil wir im Hauskreis sehr unterschiedliche Persönlichkeitstypen sind.

Wenn ihr keine Leitung habt, übernehmen oft immer die gleichen Leute diese Rolle. Das sind meist die Lautesten, Extrovertiertesten oder diejenigen, die sich für die Kompetentesten halten – manchmal auch mit Recht – oder diejenigen mit dem höchsten Ruhepuls. Es ist daher eine Bereicherung, verschiedene Perspektiven und Herangehensweisen bei der Gestaltung des Hauskreises zu haben. Ich kann das nur empfehlen, aber natürlich ist es deine Entscheidung.

Tipp vier: Es ist gut, einen Plan zu haben. Das heißt, ihr legt fest, welche Themen ihr in den nächsten zwei bis drei Monaten behandeln wollt. Zwei bis drei Wochen sind meist zu kurz, es sei denn, ihr arbeitet an kleineren Themen. Für eine tiefere Auseinandersetzung mit einem Thema ist ein Zeitraum von zwei bis drei Monaten sinnvoll. Außerdem ist es ratsam, alle zwei bis drei Monate ein kurzes Brainstorming zu machen, um zu überlegen, was ihr im Hauskreis verbessern könnt. Damit nicht nur die Extrovertierten zu Wort kommen, ist es hilfreich, wenn jeder seine Gedanken vorher aufschreibt und dann vorträgt. Das kann auch digital erfolgen.

Legt im Voraus fest, wann und wo ihr euch trefft, wie lange und was ihr thematisch macht. Spontanität kann im geistlichen Bereich ein zweischneidiges Schwert sein. Natürlich soll alles nicht dogmatisch und gesetzlich geregelt werden, aber wenn alles immer nur spontan passiert, kann das auch zu Problemen führen. Deshalb empfehle ich, dass die geistlichen Dinge im Hauskreis zuerst stattfinden – zum Beispiel Bibellesen, Beten und persönlicher Austausch. Danach kann der lockere Teil folgen.

Tipp fünf: Nutzt unterschiedliche Bibelübersetzungen. Ich kann das nur wärmstens empfehlen. Wenn ihr zum Beispiel zusammen den Judasbrief oder die Klagelieder lest, könnt ihr reihum jeweils einen Vers vorlesen. Durch die verschiedenen Übersetzungen hört ihr den Text aus unterschiedlichen Perspektiven, was geistlich bereichert. Es ist auch gut, wenn mindestens eine Studienbibel dabei ist.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass es den Raum verändert, wenn Bibeln vorhanden sind. Ich war kürzlich in zwei Kirchen, in deren Büroräumen keine Bibeln lagen. Das verändert das Gefühl im Raum. Es ist gut, wenn in einem Hauskreisraum Bibeln ausliegen oder jeder eine dabei hat. Natürlich kann man alles auch auf dem Handy lesen, aber eine gedruckte Bibel haptisch in der Hand zu haben, ist etwas anderes. Das bringt eine gute Atmosphäre.

Tipp sechs: Gebt kleine Hausaufgaben von einem Treffen zum nächsten. Die Betonung liegt auf mini, also einfachen Aufgaben. Nicht etwa, dass jeder bis zur nächsten Woche auf dem Marktplatz das Evangelium verkündet – das wäre zwar toll, aber nicht immer realistisch. Es können einfache Dinge sein, zum Beispiel bis zum nächsten Treffen für eine bestimmte Person zu beten.

Oder einmal im Quartal eine gemeinsame Aktion zu machen. Wir haben zum Beispiel mal einen Postleitzahlenbereich ausgesucht, 5000 evangelistische Flyer gedruckt und diese an alle Briefkästen verteilt, außer bei denen, an denen „Keine Werbung“ steht. Das klingt nach viel, ist aber gar nicht so viel Arbeit. Natürlich haben wir viel gebetet. Das war eine richtig coole Sache mit unmittelbarem positivem Effekt auf die Umwelt.

Tipp sieben: Je nachdem, wie dein Hauskreis organisiert ist, macht eine Selbstverpflichtung. Zum Beispiel: Wir treffen uns an diesem Tag, für diese Zeit und sind pünktlich. Legt eine fixe Anfangs- und Endzeit fest und haltet euch daran. Danach kann man sich privat noch weiter unterhalten, aber die Hauskreiszeit ist klar definiert.

Wenn jemand neu in den Hauskreis kommen möchte oder ihr jemanden aufnehmen wollt, legt fest, wie durchlässig das ist. Eine Selbstverpflichtung hilft, dass alle wissen, woran sie sind. Wer die Selbstverpflichtung nicht möchte, kann das akzeptieren. Auch wenn jemand später sagt, er möchte nicht mehr kommen, weil sich die Prioritäten geändert haben oder er Teil von etwas anderem sein möchte, ist das völlig in Ordnung.

Ich sage das so deutlich, weil es in der christlichen Welt manchmal die merkwürdige Einstellung gibt, dass Menschen Jesus untreu werden, wenn sie den Hauskreis oder die Gemeinde wechseln. Das ist Quatsch. Du bist nicht mit deinem Hauskreis oder deiner Gemeinde verheiratet.

Meine persönliche Empfehlung ist, in einer Gemeinde mindestens zwei Jahre aktiv zu sein und sich wirklich als lebendiger Stein einzubringen, wie es in der Bibel heißt. Beim Hauskreis kannst du zwei bis drei Treffen ausprobieren, um zu entscheiden, ob du dabei bist. In einer Gemeinde empfehle ich mindestens ein halbes Jahr. Und nochmal: Es ist okay, wenn jemand sagt, er möchte nicht mehr kommen. Du kannst auch in den Himmel kommen, ohne in einem bestimmten Hauskreis oder einer Kleingruppe zu sein.

Wenn jemand nicht mehr kommen möchte, ist es hilfreich, ehrlich nachzufragen, ob es an ihm oder an euch liegt. Wenn es an ihm liegt, bietet Hilfe an, aber akzeptiere ein „Nein, danke“. Wenn es an euch liegt, fragt jemanden, der gut zuhört. Du musst nicht jedes Feedback umsetzen, sonst versuchst du, es allen recht zu machen – keine gute Idee. Aber Kritik kann auch kostenlose Beratung sein, unabhängig davon, ob du etwas davon umsetzt oder nicht.

Tipp acht: Aus Erfahrung als Personalchef empfehle ich, dass euer Hauskreis vier bis fünf Personen haben sollte. Das hat sich in der Praxis bewährt. Wenn eine Gruppe größer wird, neigt sie dazu, sich inhaltlich zu zersetzen oder die Treffen werden logistisch schwierig. Das Profil verwässert sich ebenfalls.

Trefft Absprachen darüber, ob und unter welchen Bedingungen ihr neue Mitglieder aufnehmt. Größer ist nicht immer besser. Es kann sinnvoll sein, einen zweiten Hauskreis zu gründen. Das ist überhaupt nicht schlimm.

Solange der Hauskreis nicht zentral von der Gemeinde organisiert ist und nicht missionarisch arbeitet – also nicht das Ziel hat, neue Menschen zu Jesus zu führen – bist du nicht verpflichtet, Leute aufzunehmen, die dir unsympathisch sind. Es gibt auch unsympathische Christen. Du bist auch nicht verpflichtet, Menschen mit auffälligem Verhalten aufzunehmen. Das kann bei einer Gemeinde anders sein, aber im Hauskreis ist das nicht so.

Nimm neue Leute nur auf, wenn alle bisherigen Mitglieder zustimmen. Das ist wichtig, damit nicht ständig jemand kommt und jemand anderes geht. Sonst entsteht ein unangenehmer Eindruck.

Zur Zusammensetzung: Es ist einfacher, wenn die Teilnehmer in einer ähnlichen Lebensphase sind. Es ist zum Beispiel schwierig, Studenten und Singles mit Verheirateten mit Kindern, Arbeitssuchenden und Rentnern in einem Hauskreis zu haben. Das geht zwar, ist aber von der Zusammensetzung her schwierig, weil die Lebensfelder sehr unterschiedlich sind.

Aus Erfahrung als Personalchef ist es gut, wenn die Teilnehmer unterschiedliche Persönlichkeiten haben. Nicht nur Kopfmenschentypen, nicht nur detailversessene oder introvertierte Menschen, sondern ein guter Mix. Das ist eine positive Empfehlung.

Tipp neun: Im Hauskreis wird es immer wieder Situationen geben, in denen ihr beim Bibellesen eine Frage habt, auf die ihr keine sinnvolle Antwort findet. Das ist völlig in Ordnung, besonders wenn du den Hauskreis leitest. Das unterscheidet einen Tyrann von einem Leiter. Ein Leiter kann sagen: „Ich weiß es nicht“, und dann vorschlagen, wie ihr trotzdem konstruktiv weitermachen könnt.