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Apostelgeschichte 6,1-7

Apostelgeschichte 6,1-6,717.12.2015
Serie•Teil 12 / 64Apostelgeschichte
Gemeinde wächst nur, wenn niemand hinten runterfällt. Die Frage ist brutal einfach: Bleibst du Zuschauer – oder bringst du dich mit deinen Gaben ein, damit Schwache nicht übersehen werden?

Einleitung und Deutung des Schlussverses

Es geht weiter mit der Apostelgeschichte. Und dazu heute nur einen ganz kleinen Abschnitt, nämlich nur die Verse aus Kapitel 6,1-7.
Und ich starte mal mit dem letzten Vers, Apostelgeschichte 6,7:
Und das Wort Gottes wuchs, und die Zahl der Jünger in Jerusalem mehrte sich sehr, und eine große Menge der Priester wurde dem Glauben gehorsam.
Das ist irgendwie ein schöner Vers. Es läuft einfach richtig gut. Und diesen Vers in der Apostelgeschichte sollte man als eine Zäsur begreifen. Das ist wie so ein Einschnitt: Es passiert was, passiert was, passiert was, und dann kommt am Ende des ersten Abschnitts der Apostelgeschichte diese Zäsur, dieser Hinweis darauf: Alles ist schön, alles ist gut, alles geht voran.
Es gibt noch mehr solche Zäsuren in der Apostelgeschichte. Da heißt es zum Beispiel in Kapitel 9,31, das wäre die nächste Zäsur, quasi der nächste Abschnitt in der Apostelgeschichte:
So hatte denn die Gemeinde durch ganz Judäa und Galiläa und Samaria hin Frieden und wurde erbaut und wandelte in der Furcht des Herrn und mehrte sich durch den Trost des Heiligen Geistes.
Da haben wir es wieder: und mehrte sich. Man liest das so und stellt fest, es gibt so einen Satz, und dann kommt so ein Satz wieder, und man denkt: Ja, den habe ich doch schon mal gehört. Ja.
Und dann gibt es noch so eine Zäsur. Ich muss sie jetzt nicht alle vorlesen: Kapitel 12,24, Kapitel 19,20.
Das liegt daran, dass die Apostelgeschichte ursprünglich mal nicht in Kapitel und Verse eingeteilt war, wie wir das heute haben. In jeder Bibel hat man so etwas, Kapiteleinteilung, aber auch eben gerade gesagt Apostelgeschichte, Kapitel 6. Das wusste der Schreiber, der das geschrieben hat, noch nicht, dass das mal Kapitel 6 werden würde. Das hat man erst am Anfang des 13. Jahrhunderts festgelegt. Und die Verse selber wurden sogar erst Mitte des 16. Jahrhunderts festgelegt.
Diese Einteilung dient dazu, dass man Stellen leichter findet. Sie haben erst einmal mit der internen Einteilung des Buches gar nichts zu tun. Intern wird das Buch nicht nach Kapiteln und Versen eingeteilt, sondern nach solchen Sätzen, wo man denkt: Den habe ich doch schon mal gehört. Diese wiederholenden Verse, die man hört – die Bücher wurden ja damals vorgelesen –, diese Hörzäsuren, das ist das, was dieses Buch und auch andere Bücher in der Bibel einteilt.
Also, wir haben es mit Apostelgeschichte 6,7 damit zu tun, dass der erste große Abschnitt der Apostelgeschichte zu Ende geht. Und dieser erste Abschnitt dreht sich um die Botschaft, mit der die Apostel Jerusalem auf den Kopf gestellt haben. Er dreht sich darum, wie aus dieser Predigt heraus, aus dieser Tatsache, dass es da jetzt gläubige Leute gibt, Probleme entstanden sind und wie die Gemeinde mit diesen Problemen umgegangen ist.
 Apostelgeschichte 6,7 macht sehr deutlich: Sie waren tatsächlich siegreich. Das Wort Gottes wuchs, da wurde immer mehr gepredigt. Das Wort Gottes wuchs, und die Zahl der Jünger in Jerusalem mehrte sich sehr. Dieser kleine Nachsatz, und eine große Menge der Priester wurde dem Glauben gehorsam, klingt für uns so völlig banal. Na ja, dann waren halt auch Priester dabei.
Aber das waren die von der anderen Seite. Das wäre so, als wenn du sagen würdest: Und eine große Zahl der FC-Bayern-Spieler wurden Dortmund-Fans. Versteht ihr? Das sagt man einfach nicht, das macht man einfach nicht. Aber genau das passiert hier. Die Leute, die früher in der anderen Partei gespielt haben, die Priester waren, die davon lebten, an diesem alten Kult, an diesem alten jüdischen Brauchtum festzuhalten, da mittendrin zu stehen, die sagen: Das ist es nicht mehr. Wir müssen ganz komplett umdenken.
Wie sehr die umdenken mussten, das werden wir im nächsten Abschnitt der Apostelgeschichte sehen. Da geht es nämlich unter anderem um die Frage: Welche Bedeutung hat denn bitteschön der Tempel in Jerusalem jetzt im Angesicht all dieser Entwicklungen?
Für uns reicht erst einmal: Es funktioniert einfach blendend, Leute kommen zum Glauben. Und ganz wichtig in der heutigen Zeit ist zu betonen, dass das Ganze ohne Gewalt geschah. Nur durch die Kraft der Predigt, unterstützt davon, dass gebetet wurde, dass Gott sich durch Zeichen und Wunder dazugestellt hat, kamen Menschen zum Glauben.
Heute wird viel über Fundamentalismus geredet, und es wird schnell gesagt: Die Fundamentalisten, das sind die Extremisten und damit gefährlich. Ich möchte sagen: Ja, für den Islam glaube ich das tatsächlich. Wenn ein Moslem zum Fundament, zum Ursprung seiner Religion zurückkehrt, dann begegnet er dort einem Religionsstifter, für den Gewalt das Mittel der Wahl war, um seine Sache zum Erfolg zu bringen. Und das ist ein Rezept, das sich bis heute im Islam nicht geändert hat. Deswegen heißt Islam, wenn man das Wort übersetzt, ja auch nicht Friede, es heißt erst einmal Unterwerfung. Und darum geht es.
Ein christlicher Fundamentalist, der zu seinen Ursprüngen zurückkehrt, der also sagt: Ich streiche einfach mal zweitausend Jahre Kirchengeschichte durch, weil mich das gar nicht so interessiert. Ich möchte wissen: Wie bitteschön haben die das ganz am Anfang gemacht und gedacht? So ein christlicher Fundamentalist, der trifft auf einen Religionsstifter, der Liebe ist, der Frieden bringt, der zur Feindesliebe aufruft, der die Nächstenliebe auf die gleiche Stufe stellt wie die Liebe zu Gott, und er trifft auf Apostel, die an keiner Stelle Gewalt anwenden, um ihren Glauben zu verbreiten.
Wir müssen an dieser Stelle sehr hart bleiben: Wenn in der Kirchengeschichte genau das passiert ist, dass man Gewalt angewandt hat, um Glauben zu verbreiten, dann ist das eine Verirrung, aber es ist nie Fundamentalismus. Zwangstaufen, und die hat es gegeben, sind kein christlicher Extremismus, sondern sie sind gottlose geistliche Verirrung eines selbstgemachten Glaubens. Sie sind eine machtpolitische Verzerrung. Das ist eben nicht die hässliche Seite des Christentums, sondern das ist ganz normaler Machtmissbrauch von Menschen, die sich Christen nennen, die vorgeben, im Namen Christi zu handeln, aber in Wahrheit, und darauf müssen wir bestehen, ungläubig sind, die Bibel nicht kennen und Jesus nicht folgen.
Es ist nämlich so: Der Glaube, der echt ist, der Glaube, der biblisch ist und der Glaube, der alleine Menschen von der ewigen Verlorenheit retten kann, dieser Glaube kann nicht aufgezwungen werden. Ich kann einem Menschen einen Ritus aufzwingen. Ich kann dich zwingen, dass du dich taufen lässt. Ich kann einem Menschen eine Liturgie aufzwingen, dass in einem Gottesdienst etwas so läuft, wie es mir gefällt, und du an der richtigen Stelle aufstehst, dich hinsetzt, deine Hände faltest und mitsingst. Das kann ich vielleicht aufzwingen. Ich kann einem Menschen ein Bekenntnis aufzwingen, dass er mehr oder weniger runtergeleiert etwas von dem sagt. Das kann ich jemandem aufzwingen. Ich kann jemandem ein Set von frommen Regeln aufzwingen, dass man am Freitag kein Fleisch essen darf, regelmäßig zur Beichte gehen muss, den Zehnten geben muss und was dir in der Kirchengeschichte einfällt. Und es ist noch und nöcher passiert.
Aber echter Glaube ist nie eine Frage des richtigen Ritus, der richtigen Liturgie, des richtigen Bekenntnisses oder der richtigen Regeln, sondern eine Sache des Herzens. Und Zwang gewinnt nie mein Herz. Und deswegen sehen wir bei den Aposteln, dass immer zum Glauben eingeladen, aber nie zum Glauben gezwungen wird. Das einzige, was die Apostel tun, ist folgendes: Sie stellen sich hin und sagen: Tut Buße! Sie erklären ihnen, was das Problem der Menschen ist: Du hast ein Problem mit Sünde, und ich habe eine Antwort, und ich kann dir jetzt nur dieses Angebot bringen.
Wenn du merkst: Ich schäme mich für die Dinge in meinem Leben, und ich möchte mit Gott ins Reine kommen, dann stellt der Apostel sich einfach nur hin und sagt: Okay, die Lösung lautet: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden. Es ist eine Einladung, es ist ein Angebot.
An anderer Stelle sagt Petrus: So tut nun Buße und bekehrt euch. Es ist wieder eine Einladung. Und das ist die Methode, das Evangelium bis heute zu verbreiten. Das ist der Background von Alphakurs: eine Einladung. Du kommst einfach vorbei, hörst dir an, was zu sagen ist, kommst ins Gespräch und triffst auf Menschen, die sagen: Ich habe da was zu sagen, ich weiß, was dein Problem ist. Ich hatte dasselbe Problem, und ich kenne die Lösung. Ich kann dich nur einladen, ich kann nicht mehr machen, ich kann dich nicht zwingen. Ich kann einladen, hierher zu kommen, daran teilzunehmen.
Wo kommt echter Glaube her? Die Bibel, Römer 10,17, bringt es mit folgenden Worten auf den Punkt:
Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch das Wort Christi.
Ganz einfach: Glaube kommt daher, dass irgendeiner Erfahrungen mit Gott macht. Und diese Erfahrungen anderen mitteilt. Nicht immer von hier vorne, manchmal bei einer Tasse Kaffee oder bei einem kalten Stück Pizza, das geht auch. Aber es fängt mit der Verkündigung an. Und die Grundlage unserer Verkündigung ist das Wort Christi. Das ist das, was Jesus gesagt hat, was wir in der Bibel lesen.
Also: Jesus sagt: Kommt her zu mir, all ihr Mühseligen und Beladenen. Wir kommen hin, stellen fest, das ist total kuschelig bei ihm, und da wollen wir bleiben. Und dann gehen wir zu anderen Leuten und sagen: Schau mal, Jesus hat gesagt: Kommt her zu mir, all ihr Mühseligen und Beladenen, magst du nicht auch? So entsteht wahrer Glaube.
Die Gemeinde macht genau das, und wir haben gesehen, dass auf dem Weg, den sie geht, ihr Widerstand entgegenschlägt. Einmal Widerstand von außen, vom Hohen Rat, dem höchsten politischen Gremium. Und dieser Widerstand wird von zwei Dingen überwunden. Da ist auf der einen Seite Überwindung durch Gebet: Die Gemeinde betet. Und auf der anderen Seite, das haben wir letztes Mal betrachtet und das kommt in der Gestalt von Gamaliel sehr deutlich zum Ausdruck, Weisheit, Klugheit. Also auf der einen Seite Gebet und auf der anderen Seite Klugheit. Lasst uns diese zwei Dinge in der Gemeinde nie gegeneinander ausspielen, es gehört immer zusammen.
Diese beiden Dinge überwinden in der Anfangszeit der Gemeinde die Widerstände von außen. Und dann gibt es Probleme von innen. Es gibt Menschen, die die Gemeinde als Bühne benutzen wollen, um sich selber darzustellen, wollen Gemeinde missbrauchen. Und wie geht Gott mit solchen Menschen um? Ganz, ganz dramatisch. Das ist die Sache mit Ananias und Saphira. Gott setzt solche Leute auf höchst gruselige Weise vor die Tür. Wir haben gelernt: Wie müssen wir mit, und ich habe damals drei Gruppen genannt, Schmarotzer, Machtmenschen und Selbstdarstellern umgehen? Ich glaube genau so: vor die Tür setzen. Nicht auf die gleiche Weise, aber irgendwie deutlich.
Unser Text heute bringt jetzt ein weiteres Problem. Es gibt ein zweites internes Problem, dem die Gemeinde begegnen muss. Wenn ihr euch daran erinnert: Finanziell stand die Gemeinde gar nicht schlecht da. Sie hatte Geschwister, die waren etwas wohlhabender, und immer wenn die von einer Not hörten, haben die ein Stück ihres Grundbesitzes verkauft und das Geld zu den Aposteln gebracht, und damit wurde die Not gelindert. Das ist eigentlich ein ganz simples System. Wer hat, gibt den Aposteln, damit die, die Not haben in der Gemeinde, eben bekommen, was sie brauchen. Ganz simpel.
Man möchte meinen, so simpel, dass daraus kein Problem entstehen könnte. Ist es aber. Und da müssen wir uns jetzt darum kümmern. Es gibt organisatorische Probleme, und wir werden heute die Frage behandeln: Wie geht Gemeinde auf organisatorische Probleme ein?
Also, Apostelgeschichte 6,1:
In diesen Tagen aber, als die Jünger sich mehrten, entstand ein Murren der Hellenisten gegen die Hebräer, weil ihre Witwen bei der täglichen Bedienung übersehen wurden.
Murren, das ist immer nicht gut in der Bibel. Murren ist, wenn man sich in der Kleingruppe trifft und sagt: Ich traue mich das ja nicht öffentlich anzusprechen, aber ... Und alles, was nach dem aber kommt, ist dann Murren.
Entstand ein Murren der Hellenisten gegen die Hebräer, weil ihre Witwen bei der täglichen Bedienung übersehen wurden.
So, jetzt muss ich das erklären. Die Gemeinde bestand damals aus sehr, sehr unterschiedlichen Leuten, wie heute auch. Einige waren Hebräer und andere waren Hellenisten. Frage: Was unterscheidet die beiden Gruppen? Beide sind Juden, damit wir das erst einmal festhalten. Beide sind Juden.
Die einen kamen aus Israel, sprachen Hebräisch oder eben Aramäisch. Die anderen wohnten irgendwo anders im Römischen Reich, man nennt das in der Diaspora, der Zerstreuung. Also es gab jüdische Kolonien überall im Römischen Reich. Sie waren dort aufgewachsen, außerhalb von Israel, und sprachen dann die Sprache, die im Römischen Reich eben am weitesten verbreitet war, und das ist witzigerweise eben nicht Latein, wie man vielleicht denken möchte, sondern Griechisch. Und deswegen, weil die Griechen auch Hellenen genannt werden, nennt man die griechisch sprechenden Juden hier Hellenisten.
Wie kamen die alle nach Jerusalem? Antwort: an Pfingsten. Pfingsten ist ein Riesenfest. Aus der ganzen Welt kommen jetzt die Leute zusammen. Da gibt es die, die immer schon in Israel gewohnt haben, die Hebräer, und die, die halt normalerweise woanders wohnen. Und dann kommt Petrus und er predigt. Und viele von denen, die eigentlich gar nicht so im Großraum Israels zu Hause sind, die von mir aus in Alexandria normalerweise wohnen oder in Ephesus, die hören diese Predigt, bekehren sich und stellen sich jetzt die Frage: Was sollen wir tun? Bleiben wir oder gehen wir nach Hause?
Du bist ja eigentlich nur für die Feiertage gekommen, vielleicht noch ein bisschen Verwandtenbesuch ringsherum, und dann hättest du ja eigentlich das Schiff nehmen und wieder nach Hause fahren müssen oder das Kamel besteigen oder was auch immer. Aber jetzt hast du das erlebt. Du stehst mitten in dieser aus einer Religionssicht betrachteten geopolitischen Wende: Der Messias ist gekommen, ist gestorben, ist auferstanden, seine Apostel stehen hier, ich habe das gerade gehört, ich bin von neuem geboren, der Geist Gottes wohnt in mir. Du steckst da mittendrin, du hörst die Predigten der Apostel und denkst dir: Boah, wenn ich jetzt hier nach Hause fahre, dann kriege ich davon nichts mehr mit.
Es ist ja nicht so, dass du sagst: Wir haben ein Smartphone dabei, und ich gehe halt auf die MP3-Datenbank und dann höre ich weiter, was Petrus morgen und übermorgen hat. Das gab es ja alles nicht. Jetzt stehst du da und dann erlebst du die Heilungen, die passieren. Du siehst die ganzen Neubekehrten, du siehst, wie diese Riesengruppe ständig wächst und im Tempel anbetet. Du bist mittendrin in der Entstehung einer geistlichen Familie. Es liegt so eine heilige, so eine prickelnde Stimmung in der Luft. Und außerdem hatte Jesus nicht gesagt, er würde wiederkommen? Wo kommt er denn hin, wenn er wiederkommt? Sacharja sagt in Kapitel 14,4: Ölberg, also gleich rechts neben Jerusalem. Es lohnt sich doch, in so einem Moment nicht nach Hause zu fahren, sondern erst mal zu bleiben, erst mal zu schauen, dass man vielleicht erst mal noch ein bisschen die Zeit auskauft, einfach.
Wisst ihr, es gibt Momente im Leben, die sind absolut einzigartig. Und ich meine nicht, dass man Feste feiern muss, wie sie fallen, sondern was ich meine: Es gibt geheiligte Momente, die man entweder ergreift und einfach mal sagt: Auf den Rest des Lebens scheiß drauf, oder man wird ein Leben lang bereuen, dass man nicht zugepackt hat. Und das ist so ein Moment. Dann zu sagen: Ja, ich habe zuhause auch irgendwie noch was. Ey, völlig Wurst, du bleibst erst mal.
Und jetzt entsteht diese Gemeinde und wächst auf sagen wir mal fünf, sechs, sieben, achttausend Leute an. Du bist mittendrin, und langsam zeichnet sich ein Problem ab. Dieses Problem ist folgendes: Es gab die Einheimischen, die Hebräer, und es gab die Fremden, die Hellenisten. Die hebräischen Juden waren logischerweise, weil sie da wohnten, gut vernetzt. Die kannten sich aus.
Und jetzt, so ein Verteildienst aufgebaut wurde, dass die Witwen, die ja keine eigene Sozialversorgung hatten, Witwen – hier müssen wir uns Witwen vorstellen, die keine Familie haben, also nicht eingebunden sind in ein familiäres Netz. Die Bibel ist klar, dass Witwen, die Familie haben, zuerst von der Familie unterstützt werden sollen. Wir können aber auch an Witwen denken, die gläubig geworden sind und ihre noch nicht gläubige Verwandtschaft einfach gesagt hat: Die unterstützen wir nicht. Also diese Witwen wurden versorgt, bekamen zu essen.
Und wenn du Hebräer warst, so eine hebräische Witwe, da wohntest, alles kanntest, die Abläufe kanntest, Menschen kanntest, wusstest, wie man sich hier zurechtfindet, also so ein bisschen das Verhältnis wie in Deutschland zu einem Asylbewerber in Deutschland, du kennst einfach das System, dann wirst du auch nicht übersehen. Du weißt, wie du dich bemerkbar machst. Aber wenn du ein Fremder bist, eine hellenistische Witwe, die eigentlich nur für eine kurze Zeit kommen wollte, dann aber länger geblieben ist, irgendwo untergekommen ist, nicht so viele Leute kennt, dann passiert hier Folgendes, und das ist ungewollt, dass diese Frauen, diese alten Schwestern, bei der Essensausgabe übersehen wurden.
Das Essen geht rum, man fragt: Wo sind sie denn? Ja, so ein bisschen Essen auf Rädern, ohne Räder, also: Wo sind sie denn? Verteilt das so ein bisschen, und die hellenistischen Schwestern kriegen das nicht so richtig mit und kriegen auch nichts zu essen. Und das kriegt man mit, logisch, man redet ja darüber: Wie, du hast heute nichts zu essen gekriegt? Ich meine, wir haben doch hier gemeindlich genug organisiert, es ist doch genug Geld da, die fahren doch herum. Ja, aber mich haben sie übersehen.
Und das ist dann kein Einzelfall, sondern immer wieder passiert, und es entsteht ein Murren. Es kommt zu einer Spaltung in der Gemeinde, weil die Schwachen übersehen wurden, und das ist einfach nicht okay. Gemeinde ist nämlich nicht nur so eine Maschine zur Verbreitung von evangelistischen Predigten, sondern Gemeinde ist Familie, durchaus eine Familie mit einer Vision, wo wir wieder beim Alphakurs wären. Ja, wir haben als Familie die Vision, das Evangelium der ganzen Welt zu bringen. Aber auch wenn wir diese Vision haben, wir sind eben auch Familie. Und deshalb geht es nicht, dass die mit dem wenigsten Einfluss, die vielleicht am wenigsten laut hier schreien können, durchs Raster fallen.
Und ich kann es noch ein bisschen deutlicher sagen, damit man mich wirklich richtig versteht: In Gottes Augen sind die Gemeindeglieder, auf die man scheinbar am leichtesten verzichten könnte, weil sie öffentlich kaum in Erscheinung treten und womöglich nur beten. Das ist der Job von Witwen, wenn man die Bibel daraufhin untersucht, was die Aufgabe von Witwen ist. Sie sind Beter, weil sie Zeit haben. Das ist ihr Job. Wenn man das hört, ein komischer Job, aber könnt ihr nachlesen, 1. Timotheus 5.
Aber noch mal: In Gottes Augen sind die Gemeindeglieder, wo man scheinbar am leichtesten darauf verzichten könnte, weil sie sich so arg im Hintergrund halten, dass man sie gar nicht so richtig mitbekommt, die wichtigsten. Meine Belegstelle, wir hatten das schon mal gemeinsam in einer Bibelwoche, die heißt so 1. Korinther 12,24. Da beschreibt der Apostel Gemeinde als einen lebendigen Körper. Und da heißt es dann – ich fange ein bisschen weiter hinten im Vers an:
Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dabei dem Mangelhafteren größere Ehre gegeben.
Das mögen wir nicht verstehen, aber Gott sagt uns das. Wenn du denkst, dass jemand weniger wichtig ist für die Gemeinde, dann ist er in Gottes Augen mehr wert.
Halten wir fest: Wir haben ein Organisationsproblem. Es gibt genug Essen, aber es kommt nicht zu den Bedürftigen. Und jetzt die Frage: Wie klärt eine neutestamentliche Gemeinde ein simples Organisationsproblem?
Und die nächsten paar Verse, ich lese jetzt mal vor, Kapitel 6,2-6, ich finde sie fantastisch. Ich lese sie vor, erkläre ein bisschen was, und dann werde ich euch drei Punkte zeigen, die mich begeistern, herausfordern, motivieren, wie auch immer man das sagen soll.
Also erst mal der Text, Apostelgeschichte 6,2-6:
Die Zwölf, spricht die Apostel, aber riefen die Menge der Jünger herbei und sprachen: Es ist nicht gut, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und die Tische bedienen. So seht euch nun um, Brüder und Schwestern, also man muss das immer mal wieder sagen: Das Wort Brüder ja an der Stelle im Griechischen ist das gleiche Wort, was wir mit Geschwister verwenden, also ihr lieben Geschwister, ihr Frauen dürft auch mitsuchen. So seht euch nun um, Brüder, nach sieben Männern unter euch von gutem Zeugnis, voll Geist und Weisheit, die wir über diese Aufgabe setzen wollen, also denen wir die Leitung in die Hand geben wollen. Wir aber werden im Gebet und im Dienst des Wortes verharren.
Und die Rede gefiel der ganzen Menge, und sie erwählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia. Diese stellten sie vor die Apostel, und als sie gebetet hatten, legten sie ihnen die Hände auf.
Also am Ende der Geschichte stehen da vorne sieben Leute, und die Apostel kommen, legen ihnen die Hände auf und setzen sie in ihren Dienst als Diakone hier ein. Und ihr Job besteht darin, die Ausgabe des Essens für alle Witwen so zu organisieren, dass niemand übersehen wird. Ist doch schön, es funktioniert. Also hier ist mal Organisation, die funktioniert und begeistert.
Drei Dinge, die mir dabei auffallen.
Punkt eins: Ich bin restlos begeistert, ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr. Ich bin restlos begeistert von dem Zusammenspiel zwischen den Aposteln der Leitung und den Jüngern, das ist die Gemeinde. Mir gefällt das. Leitung ist hier nämlich in keinster Weise so eine One-Man-Show oder so ein abgehobenes Leitungsgremium, das diesen Punkt jetzt auf die To-do-Liste setzt und irgendwo im Hinterzimmer entscheidet, was zu tun ist, und das dann macht.
Was hier passiert, ist etwas absolut Faszinierendes. Ich habe eine Leitung in der Gemeinde, die nimmt die Gemeinde selber mit rein. Also die Leitung beschreibt die Lösung des Problems, und die Gemeinde, wie gesagt, ich weiß nicht genau, wie das gelaufen ist, weil es so viele erst sind, das ist ja schon eine große Gemeinde, da seid ihr ein kleiner Klecks, stellt euch mal vierzigmal so viele Leute vor, wie ihr jetzt hier seid, das ist in etwa mindestens die Gemeinde, das ist schon ganz schön viel, so ein Fußballfeld voll.
Aber die Leitung, die Apostel – wir würden vielleicht heute von Ältesten sprechen –, die Apostel sagen: So ist der Lösungsweg. Und die Gemeinde macht sich dran und setzt den Auftrag, den sie bekommt, um. Für mich, der ich in Leitungsverantwortung drinstehe, einfach nur faszinierend. Hier trifft ein Weg auf die Umsetzung, hier trifft Führung auf aktives Mitmachen und Mitdenken in der Gemeinde. Hier treffen aktive Leiter auf genauso aktive Gemeindeglieder, einfach nur fantastisch.
Also hier verzetteln sich die Apostel nicht, indem sie das Problem zur Chefsache machen, noch ist den Jüngern an der Basis einfach egal, wie die das klären, das ist ja nicht mein Problem, sondern beide wirken zusammen. Ich finde das absolut faszinierend.
Wenn ich sehe – und es ist nicht, dass jemand von euch denkt, ich rede über euch, sondern ich gehe mal einen Schritt zurück und nehme jetzt hier auch viele Erfahrungen, die ich selber als Gemeindeleiter gemacht habe, mit rein –, wenn ich sehe, wie wenig Mitdenken in Gemeinde heute normal ist, wie schwer es in einer kleinen Gemeinde schon ist, eine funktionierende Kommunikation hinzukriegen, wie viele Anfragen und Umfragen und Ansagen einfach auf der Strecke bleiben, weil niemand oder viel zu wenig Leute reagieren, wenn ich sehe, wie viel praktisches Desinteresse oft da ist, wie es vielen Geschwistern reicht, Konsumenten zu sein, wenn wir, ich glaube, Gemeinde manchmal als, na ja, als lästige Pflicht, als notwendiges Übel und nicht als Verantwortung gesehen wird. Wenn ich merke, wie Leute so wenig wie möglich Berührungspunkte zwischen sich und der Gemeinde herstellen, so viel wie nötig, weil man ja Christ ist, aber sich jetzt wirklich auf Gemeinde einlassen. Ey, dann ist das für mich als Ältester hier ein absoluter Traum.
Die Gemeinde sagt: Ey, wir haben da einen Job für euch, sucht uns mal sieben Männer, die wir über dieses Geschäft bestellen wollen, sieben Leute, die hier voll in die Verantwortung treten. Und die Gemeinde hört zu, merkt sich das, sagt: Hey, es ist ein guter Vorschlag. Toll! Allein dafür könnte ich dich schon knutschen. Wie oft kriegt man einfach auf einen Vorschlag erst mal ein Ja? Aber: Guter Vorschlag! Und dann machen die sich auf und setzen das um. Super.
Wer nicht in Leitung steht, kann vielleicht meine Begeisterung nicht fassen, aber ich finde das sowas von grandios, das so zu sehen, wie das hier so ineinandergreift.
Es funktioniert aber auch deshalb nur, weil die Apostel nicht jede Aufgabe an sich reißen. Deswegen ist der zweite Punkt, der mich hier fasziniert, das mit den Prioritäten. Die Apostel kriegen das Problem mit, nehmen das Problem ernst, reden bestimmt auch mal darüber, aber sie fangen an, gegenüber der Gemeinde Folgendes zu sagen: Es ist nicht gut, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und die Tische bedienen. Wir werden aber im Gebet und im Dienst des Wortes, das heißt in dem Fall Lehre und Evangelisation, verharren.
Schön, die Apostel kennen ihren Job: beten und lehren. Und deswegen sagen sie: Wir weigern uns, für die Organisation der Essensausgabe verantwortlich zu sein. Was ist der erste Gedanke einer typischen Gemeinde, wenn es um organisatorische Probleme geht? Was ist der wirklich erste Gedanke? Ich glaube, er geht etwa so: Ah, es gibt ein organisatorisches Problem, super, dafür haben wir die Leitung, die müssen sich darum kümmern, und wenn sie keinen finden, am besten selber gleich machen.
Genau, oder? Und falsch, richtig falsch, wie wir hier sehen. Aus meiner eigenen Erfahrung als Gemeindeleiter: Es wird viel zu viel Leitungsarbeit in die Klärung von organisatorischen Fragen gesteckt. Und das Thema Gebet und Lehre muss immer kämpfen, dass es ernst genommen wird. Und ich weiß, es ist ein dauernder Kampf. Die kriegen das irgendwie hin. Sie kriegen es hin, weil die Apostel sagen: Nicht mein Job.
Und ihr habt heute eine Hinführung in diesem Gottesdienst erlebt, der passt brillant. Deswegen jetzt meine Überschrift: Sei Pinguin. Logisch, die Apostel sind Pinguin. Sie sagen: Unser Job ist Beten und Lehren. Okay, und wenn wir den nicht machen, dann machen wir unseren Job schlecht. Das wollen wir aber nicht. Wir nehmen das Problem ernst. Natürlich müssen die Witwen versorgt werden. Na hallo. Aber nicht durch uns. Können wir das? Ja, klar können wir das. Aber wir machen es nicht. Wir haben Wichtigeres zu tun. Oder vielleicht ist Wichtigeres das Blöde. Man muss sagen: Wir haben anderes zu tun. Wir haben Dinge zu tun, für die Gott uns in besonderer Weise berufen hat.
Sei Pinguin, diene bitte gemäß deiner Gaben, bring dich ein und tu das, was zu dir passt. Vielleicht alles, was heute Morgen gesagt wurde, noch mal unterstreichen: Gemeinde wird in der Bibel als Organismus gedacht, jeder hat seinen Platz. Und dazu gehört auf der einen Seite, dass ich es lerne, nein zu sagen: Nein, das ist nicht meine Aufgabe, nein, das ist nicht mein Platz. Und auf der anderen Seite, dass ich anfange, mir die Frage zu stellen: Wer bin ich, was kann ich gut, wo kann ich mich einbringen?
Und je kleiner eine Gemeinde ist, umso schwieriger ist das, das ist mir auch klar. Manchmal muss man auch Dinge tun, die einem vielleicht nicht so liegen, weil auch Gemeinde ist, wie sie ist, und wahrscheinlich kann man jetzt nicht einen Schalter umlegen, und morgen dient jeder nur noch gemäß seiner Gaben. Aber wenn man die Idee, die Vision im Blick behalten könnte, dieses: Wer bist du, und bist du auf dem Weg, gemäß deiner Begabung in der Gemeinde zu dienen? Bist du jemand, der seine Talente mehr und mehr sinnvoll nutzt, um möglichst viel Frucht für das Reich Gottes zu bringen?
Wenn das, was hier die Apostel tun, so deutlich tun, wenn das mehr in unser ganzes Leben Raum greifen könnte, das wäre brillant. Deswegen wirklich dieses: Sei Pinguin. Stell dir die Frage: Wo bin ich gut, was macht mir Spaß, und dann bring dich an der Stelle ein.
Dritter Punkt, auch der sehr interessant. Wieder ein Vorurteil, das ich habe, aber ich entdecke es bei mir selber, insofern gilt es zumindest für mich: Wenn der Ansagenblock kommt, ist das Letzte, was mich interessiert, Orga-Probleme, ganz ehrlich. Also wenn mir jemand sagt: Hey super, wir haben neun fürs Technik-Team, sage ich: Schön, freut mich für euch. Die Putzliste ist endlich voll, wir haben es geschafft! Super, Wahnsinn, toll! Im Kindergottesdienst, da gibt es eine neue Gruppe, also wenn ich nicht gerade ein Kind habe, geht das voll an mir vorbei.
Ihr könnt ja jetzt sagen: Nein, diese ganzen organisatorischen Ansagen im Ansagenblock, die finde ich total spannend. Aber ich glaube es euch nicht. Ich glaube, dass es das Letzte ist, was einen interessiert. Und jetzt so ein Text: Der Text, da will man nicht falsch verstehen, es geht um ein sensibles Thema. Es geht darum, dass Bedürftige Essen bekommen, es geht darum, die Ausgabe von Mahlzeiten zu garantieren. Wisst ihr was, jeder, der eine Liste schreiben kann und der ein Netz von Zustellern im Auge behalten kann, ist qualifiziert, oder? Also jeder.
Und jetzt lese ich hier, da werden sieben Diakone gesucht oder eingesetzt, die bauen einen Lieferservice auf, aber die Anforderungen an die Jungs lesen sich so: Männer von gutem Zeugnis, voll Geist und Weisheit. Also bei weitem nicht irgendwer, das sind Leute, die man schätzt, gutes Zeugnis, die geistlich sind, die klug sind. Wir reden hier von Vorbildern, deren Leben ein Aushängeschild ist, die eng mit Gott leben und die mit beiden Beinen im Leben stehen.
Also auf der einen Seite dieses: Mann, wenn da ein Orga-Problem in der Gemeinde ist, klär es irgendwie und lass mich in Ruhe. Und auf der anderen Seite der Text: eine Gemeinde, die sagt: Boah, wo können wir mitarbeiten, wie können wir das mit klären? Und eine Leitung, die sagt: Wir setzen auch in solchen Fragen, die scheinbar drittklassig sind und für die Gemeinde keine hohe Relevanz haben, wir setzen auch an der Stelle Leute ein, die ein Aushängeschild für uns sind, die mit Gott eng leben und dies auch im Kopf haben, die auch wissen, wie man mit beiden Beinen im Leben steht und kluge Entscheidungen trifft.
Für Verantwortung in Gemeinden genügt es nicht, dass jemand im Beruf erfolgreich ist oder gut organisieren kann. Meine Frage war, wie geht die erste Gemeinde mit offensichtlichen Organisationsproblemen um? Und die Antwort lautet: Sie nimmt die Probleme ernst. Erst einmal ganz wichtig. Die Lösung wird gefunden, indem die Leitung irgendwie darüber redet, einen Lösungsvorschlag macht und die Gemeinde ihn umsetzt. Dieses organische Miteinander aus Aposteln und Jüngern, das ist das, was mich hier völlig fasziniert.
Dieses Miteinander funktioniert, weil jeder sich interessiert, weil jeder wissen möchte, was bei uns los ist, und sich mit seinen Gaben einbringen will, und dann das Ergebnis überzeugt, weil man der geistlichen Reife der Verantwortlichen einen herausragenden Stellenwert gibt.
Zum Schluss drei Anwendungsfragen: Was machen wir mit dem Text?
Frage eins: Interessiert es mich, interessiert es dich, ob organisatorische Mängel in der Gemeinde dir ein Murren erzeugen, also jetzt nicht jedes Mal, wenn das Klopapier fehlt. Aber natürlich, wenn in dem entscheidenden Moment immer wieder das Klopapier fehlt, du weißt ja, wenn du da sitzt und in dem Moment merkst, dass es fehlt, das kann schon ein Murren hervorrufen. Also interessiert es dich eigentlich, ob organisatorische Mängel in der Gemeinde, die ein Murren erzeugen, beseitigt werden? Interessiert dich das eigentlich? Auch wenn es dich vielleicht nichts angeht? Hörst du hin, wenn die Ältesten dir an der Stelle sagen: Wir haben ein Problem, und lässt du dich motivieren, mitzudenken und dich zu beteiligen? Wie siehst du dich? Bist du Teil der Family, das ist meine Familie, und klar, da kümmere ich mich darum, auch wenn es mich nicht direkt betrifft? Oder bist du vielleicht so noch so ein wenig interessierter Zuschauer, der so am Rande steht und sagt: Aha, das mit dem Klopapier funktioniert hier also nicht, die werden schon jemanden haben, der sich darum kümmert.
Erste Frage: Interessiert mich eigentlich, wenn es solche Mängel gibt, was da gesagt wird, und lasse ich mich motivieren, mitzudenken und bei der Lösung mich zu beteiligen?
Zweite Frage: Diene ich in der Gemeinde mit meinen Gaben, die ich habe? Nicht jeder ist Apostel, nicht jeder kann sich immer völlig frei aussuchen, wo er mitarbeitet, aber so dieses ganz Grundsätzliche: Diene ich mit meinen Gaben? Kann ich mich über die Gaben, die ich habe, freuen und sage: Damit bringe ich mich ein?
Drittens, das ist eine fiese Schlussfrage: Tauge ich zum Diakon? Also auf gut Deutsch: Habe ich ein gutes Zeugnis, bin ich voll Geist und Weisheit? Und wenn du jetzt sagst: Also gutes Zeugnis ist nicht jetzt Schulnoten, gutes Zeugnis ist: Meine Nachbarn reden gut über mich, meine Arbeitskollegen reden gut über mich. Das ist das gute Zeugnis, der gute Ruf. Also: Hast du einen guten Ruf? Bist du voll heiligen Geistes, lebst du nah an Gott und bist du klug, bist du jemand, der Weisheit wirklich kennt?
Und wenn du jetzt sagst: Nein, eigentlich tauge ich noch gar nicht, also wenn man jetzt so eine Umfrage machen würde, würden vielleicht die Geschwister mich nicht vorschlagen. Wenn das so ist, ist nicht dramatisch. Dann fang doch an, triff doch heute die Entscheidung, darüber nachzudenken wenigstens: Woran müsste ich arbeiten? Muss ich den Umgang mit meinen Nachbarn und Arbeitskollegen mal überlegen, muss ich da vielleicht was ändern? Dann fang an. Oder ist meine Beziehung zu Gott an irgendeiner Stelle so ein bisschen schräg und ich muss die wieder so ein bisschen gerade rücken? Dann mach das! Oder fehlt es mir an Lebensklugheit? Dann würde ich dir immer raten: Studier die Sprüche und triff dich mit Leuten, die klüger sind, und unterhalte dich mit denen, wie die das machen. Das wären so biblische Tipps.
Aber geh die Sache an, lass es einfach nicht so stehen und werde jemand, der sich interessiert und sagt: Hey, wo ist das Problem, ich möchte mitarbeiten, der sich kennt und sagt: Hier ist meine Gabe, wo kann ich dienen? Und der Dritte sagt: Wenn wirklich mal so richtig fett jemand gesucht wird für eine richtig komplizierte Aufgabe, bin ich bereit.
Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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