
Christsein eine Herausforderung - wie kann ich meine Überzeugungen ausleben und den Kontakt mit den Menschen behalten?
Johannes 17,14-1921.10.2006
Generierte Mitschrift
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Einleitung und Grundspannung des Themas
Unser Thema: Christsein, eine Herausforderung. Wie kann ich meine Überzeugungen ausleben und den Kontakt mit den Menschen behalten? So wurde mir telefoniert oder gemailt, ich weiß nicht mehr genau. Das sollte das Thema dieses Abends sein.
Ich habe natürlich immer viel Freude, wenn es darum geht, Gedanken zu einem Thema weiterzugeben, die wir aus der Bibel, aus Gottes Wort, haben und die uns zeigen, wie wir eigentlich in dieser Welt leben können, ohne von der Welt zu sein.
Johannes 17: So hat Jesus gebetet, als er für uns gebetet hat. Er hat ja für die gebetet, die durch seine Jünger zum Glauben kommen. Also das sind wir. Ja, er hat schon für uns gebetet, dass wir in der Welt leben können, ohne von der Welt zu sein. Das heißt, dass wir wie Vögel im Wasser leben oder wie Fische in der Luft, also nicht in unserem Element. Das ist schwierig.
Wir sollen hier leben, in der Welt leben, und sind aber zu Hause im Himmel. Und das ist die ganze Spannung, die wir als Christen haben. Denn solange wir am Anfang unseres Glaubenslebens sind und nach der Bekehrung, haben wir das Gefühl: Ich muss unbedingt so leben wie die Welt, sonst werde ich auf die Seite geschoben. Ich spreche zu laut, es macht alles kaputt, immer dasselbe.
Erste Erfahrungen zwischen Anpassung und Anderssein
Als ich jung bekehrt war, also vorgestern, ging ich mit meiner Gitarre in ein Lokal hinein, um zu singen, von Jesus zu singen. Es war eher im Stil einer Kneipe, so in diesem Stil. Und ich habe angefangen zu singen.
Als jung Bekehrter dachte ich, wenn ich Leute erreichen will, die in der Welt sind, dann muss ich ein wenig so sein wie sie. Sonst bekommen sie einen Schock, wenn sie mich treffen. Also muss ich versuchen, so zu leben wie sie, damit sie mich akzeptieren können.
Zu dieser Zeit hatte ich lange Haare. Ich zeige euch kein Foto, sonst habt ihr das Gefühl, ich sei nicht derselbe Mensch. Also, bis auf die Schultern hatte ich lange Haare. Und ich dachte, das kommt gut, wenn man so reingeht und etwas weitergeben will.
Und als ich an einem Abend sang und Zeugnis gab, war es meistens so: Dort, wo ich hinging, wenn sie mich kannten, dann stellten sie die Jukebox ab, wenn ich reinkam, und sagten: So, Danny, sing uns noch eins.
Am Anfang habe ich immer Englisch gesungen, damit die Leute nicht verstehen, was ich singe. So geht es besser beim Evangelisieren. Negro Spiritual und ja, okay. Und nachher habe ich dann doch in der Sprache gesungen, die das Volk verstand, und Zeugnis gegeben.
Die Erwartung der Menschen an Christen
Und da kam einmal am Ende eines Abends, es war schon fast Mitternacht, als ich in diesem Raum noch einen Kaffee getrunken habe und hinausgegangen bin, da kam so ein Mädchen, das ein leichtes Leben hatte. Sie war immer da, wurde aber für das Sexuelle bezahlt und so. Da kam sie zu mir, hat an meinen Haaren herumgemacht und gesagt: Das passt ja gar nicht zu dir. Du hast ja einen anderen Meister, warum bist du so?
Das war für mich zuerst ein richtiger Schock. Ich habe gedacht: Mensch, ich versuche alles, dass ich zu den Leuten komme, und wenn ich mich so sehr bemühe, dann wollen sie gar nicht, dass ich so bin.
Und das wurde mir dann ganz klar, als mir einmal ein anderer gesagt hat: Weißt du, was wir von denen erwarten, die Jesus haben? Wir erwarten, dass sie anders sind, aber dass sie uns lieben.
Es gibt sowieso Geld. Ist kein Eiscreme, habe ich jetzt gerade gemerkt. Was die Menschen eigentlich erwarten, ist, dass wir anders sind. Und doch sollen wir in dieser Welt leben, sie lieben und uns in unserem Leben darin üben, die Sünde zu hassen und den Sünder zu lieben.
Das ist nicht so einfach, denn schnell machen wir den schnellen Schritt, dass wir manchmal schon die Menschen richten, wenn wir ihr Aussehen sehen. Wir stecken sie schon in eine gewisse Schublade hinein, wo sie scheinbar hineingehören, und fangen schon an zu richten.
Und wir sollen in unserem Leben, zuerst in unserem persönlichen Leben, die Sünde hassen. Und wenn wir diese Sünde hassen, weil Jesus uns liebt, weil wir ihm nachfolgen wollen, dann können wir lernen, die Sünder zu lieben und für Jesus zu leben. Das ist das Interessante.
Überzeugungen in einer relativierten Welt
Meine erste Frage in dieser Richtung ist: Wie ist es mit meinem Leben, mit meinen Überzeugungen?
Du weißt, dass du in einer Welt lebst, ob in Deutschland, Frankreich oder bei mir zu Hause, in der das Prinzip der Relativität gilt. Also ist alles relativ, und man darf ja nicht ein Integrist sein, also jemand, der eine fertige, feste Überzeugung hat.
In unserer Zeit ist es modern, gut zu sein und ein Gewissen zu haben, das offen ist für alles: schön, breit, nivelliert, offen für alles. Und in unserer Zeit darf es nicht eine Wahrheit geben, sondern es gibt ganz verschiedene Wahrheiten.
Man wird dich auch manchmal so verstehen lassen, wenn du von Jesus sprichst, und dir jemand sagt: Es freut mich sehr, dass es dir geholfen hat. Es gibt Leute, die das brauchen. Natürlich freut es mich sehr, dass es dir gut getan hat. Einem anderen macht Mohammed gut, einem anderen macht der Buddhismus gut, der ist eben Zen und so, aber dich hat jetzt einmal das gut gemacht.
Wir leben im Prinzip in einer Relativität, und die Überzeugungen, die man hat, werden sehr schnell als sektiererisch und als integristisch bezeichnet. Sagt man das auf Deutsch, integristisch? Nein, Integrist, also Bombenleger, so wie Sie heißen.
Vergessen wir diese hohen Worte, dann kommen wir zum Boden. Wo sind deine Überzeugungen in deinem persönlichen Leben?
Gewissheit des Heils und die Prüfung des Glaubens
Es ist klar: Wenn heute Abend solche da sind, die ihr Leben Jesus noch nicht gegeben haben, muss ich dir sagen, dass du keine klare Überzeugung haben kannst. Du wirst immer in einem kritischen Geist sein und immer das Gefühl haben, du wüsstest mehr als die anderen. Du wirst alles abtasten und nie zu innerer Ruhe kommen. Du wirst einen Weg gehen, der von Unzufriedenheit zu noch mehr Unzufriedenheit führt.
Ich werde morgen Abend noch mehr darüber sagen, über all die Illusionen, in die man als junger Mensch hineinstolpern kann. Und eigentlich wird es, wenn man später zurückblickt, im Rückspiegel so deutlich. Wenn man sechzig ist, wie ich heute, und zurückschaut, dann wird es fast unheimlich zu sehen, wie viele Illusionen hinter einem liegen, in denen man vielleicht Zeit, Jahre, 20, 30 oder 40 Jahre verloren hat. Schade. Aber darauf komme ich morgen zu sprechen.
Unsere Überzeugung heute Abend als Gotteskinder, als solche, die Jesus nachfolgen wollen, ist: Es gibt nur Jesus als Retter und Heiland. Apostelgeschichte 4,12. Wer sagt den Vers? Apostelgeschichte 4,12. Das wussten doch alle, oder? Fast, gell? Gott hat unter dem Himmel keinen anderen Namen gegeben als den Namen Jesu. In diesem Namen ist Heil, in keinem anderen Namen ist Heil.
Das ist ein Text, und viele andere sprechen ebenfalls davon. Es ist gut, wenn du das einfach in dich hineingehen lässt und darüber betest, dass diese Überzeugung fest in deinem Leben sitzt. Wenn wir in dieser Welt leben sollen und wollen als Zeugen Jesu, dann muss es klar sein: Wir brauchen Arbeit an unseren Wurzeln. Unser geistliches Leben muss gut verankert sein. Denn wenn du als Zeuge Jesu in der Welt lebst, dann wirst du immer in Frage gestellt, ausgelacht, an die Seite gestellt und mit Argumenten überworfen. Aber das gehört dazu. Das ist ganz normal.
Am Arbeitsplatz, für die, die schon an einer Arbeitsstelle sind, wird man immer dein Glaubensleben testen. Man versucht, dich in Situationen zu führen, in denen man sehen will, wie ein Christ reagiert, wenn man Druck macht. Wie hält er das aus eigentlich? Wie kann man ihn hochnehmen, bis das Ding mal platzt? Und sie versuchen, das zu testen.
Getestet werden im Alltag und im Beruf
So wie wenn du vielleicht ein Motorrad oder ein Auto kaufst, dann gehst du hoffentlich auch das Auto testen. Du willst doch wissen, was es im Bauch hat, wie das Ding zieht oder nicht, ob es die Strasse hält und so, oder ob die Strasse es halten muss. Du willst das also versuchen, denn du willst nicht in etwas investieren in deinem Leben, wo du gar keine Gewissheit oder Sicherheit hast, wenn du investierst.
So geht es auch vielen Ungläubigen, die neben dir leben, in der Schule, am Arbeitsplatz. Sie wollen nicht in eine Richtung gehen, ohne den Test gemacht zu haben: Ist das solide, was der hat? Kann man das testen?
Ich habe eine Zeit lang gearbeitet. Ich war ja schon Missionar, fast 35 Jahre lang, aber habe hin und wieder gearbeitet, denn ich arbeite doch manchmal. Eine Zeit lang habe ich in einem Supermarkt gearbeitet, weil ich in der Stadt keinen Kontakt hatte. Dann habe ich eine Stelle im Supermarkt angenommen, um die Regale zu füllen und so. Es war interessant: Da haben meine Kollegen getestet, wer ich eigentlich bin.
Ich war verantwortlich für das ganze Gebiet mit den Flaschen, also Wein und Süssmost und so weiter, und das Sirup. Hin und wieder haben die Kollegen, wenn ich nichts sah, eine Literflasche Sirup genommen und an den Boden geschossen, um zu schauen, wie ich reagiere. Dann musste man putzen, mit Sirup und Glasscherben drin und so. Sie wollten sehen, ob mich das nervt.
Und ich merkte genau: Da ist der Heilige Geist am Arbeiten in den Herzen. Die müssen jetzt reagieren. Die müssen jetzt versuchen: Wie ist es beim Daniel eigentlich genau? Ist sein Glaube Theorie, oder kann man ihn auch testen?
Oft musste ich dann innerlich beten und sagen: Herr, hilf mir, dass mir der Kragen nicht platzt. Gib mir den Mut, diese Arbeit weiterzumachen, und Geduld zu haben. Und dann hat Gott es geschenkt. Meine Kollegen haben mich dann oft eingeladen, nach der Arbeit einen Kaffee zu trinken, in der Cafeteria vom Supermarkt. Und dann hatte ich die Freude zu sehen, wie auch zwei Kollegen zum Glauben gekommen sind.
Aber zuerst mussten sie das Ganze wissen: Ist das Ding solide, was der glaubt?
Freude, Frieden und die Frucht echter Überzeugung
Also, deine Gewissheit – mein erster Punkt: Wie ist es mit deinem Leben, mit deinen Überzeugungen? Überzeugt zu sein, dass Jesus allein der Retter ist, ist ganz wichtig.
Eine andere Überzeugung ist ebenso wichtig: Es gibt gar keinen anderen Weg, um wirklich auf Erden glücklich zu sein und in den Himmel zu kommen.
Was heißt Glück? Da muss ich jetzt noch kurz sagen, was Glück heißt. Glück heißt nicht, ein schönes Haus zu haben, einen prima Porsche davor und die schönste Frau der Welt. Nein, nein, das ist nicht Glück.
Glücklich sein heißt eigentlich, so einen tiefen Frieden zu haben, so eine Freiheit, dass man diese Beziehung zu Gott, diese Freude mit Gott, in den verschiedensten Situationen leben kann. Glück ist das, was die Menschen sagen, wenn sie dich zufrieden sehen in Christus.
Ich habe es immer wieder gemerkt: Es gibt Christen, die suchen immer das Glück, hast du das schon gemerkt? Das sind meistens die, die immer unzufrieden sind. Die prüfen immer: Bin ich jetzt glücklich? Wie ist mein Pult da? Bin ich richtig glücklich oder nicht? Und dann beten sie her: Mach noch, dass das schwarze Möbel weiß wird, es passt nicht zum Ton von meinem Zimmer. Nein, nein, das ist nicht Glück.
Die Christen, denen ich begegnet bin und die glücklich sind, sind die, die das Glück nie gesucht haben, sondern die gehorsam sind gegenüber Gott, zufrieden in Gott. Da sagst du, wenn du sie siehst: Der ist jetzt glücklich. Und die haben nie das Glück gesucht.
Und da, wo der Feind, wo der Teufel, uns immer versucht, uns auf die falsche Bahn zu führen, ist es, dass wir das Gefühl haben, wir sollten das Glück finden. Nein, das brauchen wir nicht, wenn wir Jesus gehören, ihm gehorchen, bei ihm unsere Kraft schöpfen, mit ihm vorwärtsgehen, ihm gehorchen. Da haben wir eine Zufriedenheit, die hineinkommt, ein tiefes Glück, das kommt. Und dieses Glück hält dann auch, wenn schwere Situationen im Leben da sind.
Ich hatte nicht die Freude, ich war letzten Sommer ein paar Mal im Spital für Operationen. Aber es war wieder interessant, wie das Personal im Spital gesagt hat: Wo holen Sie die Zufriedenheit her, Herr Hermann? Haben Sie das, dass ich zufrieden bin? Ich habe viel mit Sünden zu kämpfen, habe ich gesagt. Sie finden, dass ich zufrieden bin? Ich habe da Mühe, wirklich zufrieden zu sein.
Am Ende der Spitalzeit kam wieder ein Arzt, der Chirurg, und hat gesagt: Könnten Sie nicht mal einen Kurs geben unserem Personal über Leiden und Glauben? Habe ich wirklich einen Kurs geben? Ja, wieso kommen Sie da drauf, einen Kurs zu geben? Ja, ich weiß, das, was Sie erlebt haben, bringt viel Leiden, und ich habe das Gefühl, Sie leben das anders.
Ich war so dankbar, dass ich ihnen wieder von meinem Meister sprechen konnte. Du, das ist Glück, das ist Glück.
Mitleid, Gnade und die Sicht auf andere Menschen
Also verankert in deiner Überzeugung, das ist das Erste. Wenn diese Überzeugung, dass Jesus allein der Retter ist, in deinem Herzen sitzt und in deinem Wissen sitzt, dann wächst in dir das Mitleid für die anderen Menschen, die verloren gehen. Dann wächst in dir der wahre, der richtige Blick auf die Menschen, und du merkst, dass du selbst ein Begnadigter bist.
Du weißt gar nicht, warum du jetzt gerade begnadigt bist. Wieso jetzt? Ich sage oft: Ich war vor der Bekehrung in einer blöden Bande, und ich war der Blödste. Und zehn Jahre nach der Bekehrung habe ich wieder einige von meinen alten Kumpels getroffen, die mich nicht erkannt haben. Ich habe sie erkannt.
Da haben wir miteinander gesprochen. Es war in einem Supermarkt, als wir unsere Einkäufe gemacht haben. Da habe ich sie getroffen und mit ihnen gesprochen. Einer war schon zweimal geschieden, der andere total im Alkohol drin. Dann, als ich aus dem Supermarkt ging, habe ich Ursula gesagt: Wieso hat Gott jetzt bei mir, wieso kam er an meine Tür, um mich aus meinem Mist herauszuholen, und wieso meine Freunde in so einer Situation?
Da konnte ich nur auf dem Parkplatz mit Ursula, ich hatte noch den Wagen vom Supermarkt vor uns, haben wir angehalten und gebetet. Ich habe gesagt: Du Schatz, ich muss beten. Ich kann das nicht verstehen, wir müssen da beten.
Wenn du es überdenkst, die Gnade, die zu dir kam, Jesus, der zu dir kam, und du bist sein Kind, und du hast dein Erbe schon im Himmel. Du brauchst nicht um ein Erbe zu kämpfen, alles ist schon bereit. Jesus wird das mit dir teilen, wenn du da hochkommst. Du brauchst nicht einmal auszurechnen, wie viel du bekommst. Alles ist schon bereit.
Und du gehörst als Tochter von Gott und Sohn von Gott, und das ist ja unerhört. Das ist, was Gott getan hat für dich und für mich.
Die Grenzen menschlicher Lösungen und die Autorität Christi
Mit diesen Überzeugungen, also den ersten Überzeugungen in deinem Leben, wirst du Mühe haben. Denn du lebst in einer Welt, in der Überzeugungen immer relativ sind, und deine sind nicht relativ. Das ist wichtig, dass wir das wissen.
Das sieht man auch zum Beispiel in der Seelsorge. Wir haben viel Seelsorge, viel zu tun mit Leuten, die in Not sind, im Unglück, bei Ehescheidung und so weiter, also bei so vielen Problemen, die es jetzt in der Gesellschaft gibt. Und man versucht immer wieder, auf dem Wege des Humanismus und der Psychologie zu flicken. Wenn man immer wieder versucht, diese Löcher zu stopfen, dann macht man wieder ein Pflaster drauf, das vielleicht sechs Monate oder zwei Monate hält. Aber das ist eine fehlerhafte Flickerei, die nichts hilft.
In Jesus, in diesem Bewusstsein, in dieser Autorität des Heilandes, von Christus, in dieser Autorität, in der Abhängigkeit von ihm, da liegt die wahre Lösung für die verschiedensten Situationen.
Warum lässt eigentlich Gott die Welt so? Das kann man sich in diesem Zusammenhang fragen. Die Bibel sagt uns, dass Gott diese Freiheit zum Bösen gibt, nur weil wir Menschen ihn verlassen haben. Wenn du einmal Römer 1 und 2 liest, ganz wichtige Kapitel in unserer Zeit, dann verstehst du gut, was Paulus in diesen Kapiteln sagt. Er sagt, dass Gott die Menschen gelassen hat, weil sie Gott als Schöpfer verlassen haben und die Geschöpfe anbeten und nicht den Schöpfer.
Darum ist auch die ganze Not in unseren Ländern mit der Evolutionstheorie verbunden. Wenn wir die Schöpfung einfach beiseitegestellt haben, wenn wir Gott nicht mehr als Schöpfer haben, dann haben wir auch keine Autorität mehr über uns. Dann können wir in der Gesellschaft nicht mehr verstehen, was eigentlich Autorität über unserem Leben ist.
Und dann steht in diesem Römerbrief, dass Gott sie deshalb gelassen hat. Und dann werden dort all die verschiedenen Sünden genannt, die im Römerbrief beschrieben sind. Ich muss ein wenig weitergehen.
Persönliche Grenzen erkennen und Versuchungen meiden
Das andere ganz Wichtige: Wenn du Zeugnis geben willst, und das machst du ja, und wenn du weiterkommen willst im Evangelisieren und so, dann ist es wichtig, dass du weißt, wie stark du in deinem Leben mit Jesus lebst, damit du keine Illusionen über dein Leben hast. Das heißt, du musst dein persönliches Leben gut einschätzen.
Warum sage ich das? Ich glaube, es braucht eine Zeit, wenn man bekehrt ist, wenn man jung ist und in der Bekehrung steht und auch im Wachstum ist, im physischen Wachstum, in der Jugendzeit. Da muss man wissen: Wir wollen nicht in einer Konfrontation, also direkt in der Gesellschaft, mit dem Evangelium konfrontieren, ohne zuerst sicher zu sein, dass unsere Wurzeln besser verankert sind in Gottes Wort.
Denn du kommst in eine Welt, du bist in einer Welt drin, wo eigentlich keine Gefühle sind, wo die Menschen versuchen, dich auf ihre Seite zu ziehen. Denn der Feind ist hintendran, der Teufel. Er will, dass die Christen schweigen und dass sie einfach in der ganzen Gesellschaft mitleben, wie die Gesellschaft lebt.
Ich muss sagen: Der Feind macht doch gute Arbeit für sich. Wenn ich sehe, wie viele Christen einfach motiviert waren, als junge Menschen motiviert, um mit Jesus ganz zu leben, und dann plötzlich kommt Hochzeit. Hochzeit ist nicht negativ, aber dann kommt Hochzeit, und dann plötzlich Materialismus, plötzlich andere Dinge.
Ich habe Freunde, wir haben uns fast in denselben Jahren bekehrt. Sie sind gläubig, engagiert, auch in Gemeinden. Aber verschiedene haben mir gesagt: Du, Dani, also der Materialismus, der hat mich umgeworfen. Da braucht man so viele Sachen, Unzufriedenheit. Da ist man plötzlich nicht mehr bereit, umzuziehen, etwas anderes zu tun für das Reich Gottes, etwas zu lassen. Und da plötzlich rechnet man ganz streng mit dem Geld, dass man ja nicht zu viel Gott gibt. Man weiß, man kann da so richtig mathematisch ganz präzis sein: zu wenig will man nicht, aber ja nicht zu viel.
Und da merkt man, es hat plötzlich andere Ziele im Leben. Etwas anderes ist hineingekommen, mitgerissen worden. Also versuch in deinen jungen Jahren – du bist nur einmal jung im Leben – voll an deinen Wurzeln zu arbeiten: die Bibel lesen, beten und mit anderen Jungen zusammen Fragen stellen, die man vielleicht nicht mit allen fragt, aber mit zwei, drei, mit denen du eng verbunden bist.
Die Burschen unter Burschen, Mädchen unter Mädchen: Wie geht es mit deinem Bibellesen? Wie geht es mit deinen Versuchungen? Wie geht es mit ... Und dann, da wo Kampf ist, miteinander beten, standhaft sein, einer den anderen stützen.
Gemeinschaft, Wachstum und geistliche Verankerung
Ihr habt eine unerhörte Chance. Chance gibt es ja nicht, aber ihr habt einen unerhörten Segen von Gott, dass ihr so große Gruppen seid.
In Frankreich muss ich manchmal Jungen helfen, die allein gläubig sind, in Schulen, wo sieben-, achttausend Studenten sind. Und einer ist allein der Gläubige. Immer unter Druck, kein Jugendbund, keine anderen Jungen zum Treffen.
Die Gemeinde sind manchmal nur so zehn, fünfzehn Leute, und dann geht er wieder in seine Schule, die ganze Woche als Student. Und zum Glück gibt es jetzt E-Mail. Da habe ich viele solche jungen Studenten, denen ich in der Woche kurz maile: Wie geht es dir? Ich denke an dich. Und die mailen mich zurück: Da habe ich wieder Probleme. Und dann maile ich wieder zurück.
Ich war da vier Tage weg, und als ich nach Hause kam, waren 353 Mails in meinem Kasten, ja, die Wartenden. Ich würde gerne zwei Sekretärinnen bezahlen, aber sie müssen umsonst arbeiten.
Aber ich sage dir, es lohnt sich total, wenn du deine Wurzeln, wenn du verankert bist in Gottes Wort und wenn ihr mit zwei, drei miteinander das Ziel setzt, betet, vorwärtsgeht. Wahrsein, da könnt ihr einander helfen, dass das Glaubensleben immer stärker wird, und auch die Freude am Glaubensleben wächst damit auch. Das finde ich immer das Wunderbare.
Geistliche Selbstprüfung und der Weg des Fliehens
Persönliche Möglichkeit, also gut einschätzen, die eigenen geistlichen Grenzen erkennen – was heißt das?
Du kennst vielleicht diese Stellen, oder auch nicht. Ich gebe dann den ganzen Text mit den Bibelstellen dem, Entschuldigung, ich weiß deinen Vornamen nicht, dem Peter. Und wenn jemand dann diese zehn Seiten will, kann er sie bestimmt auch haben, um dann das Ganze zu haben.
Aber im Neuen Testament, in verschiedenen Briefen von Paulus besonders, kommt immer wieder ein Wort vor. Und das ist das Wort „fliehe“ oder „flieht“. Vielleicht hast du schon gemerkt in deinem Leben, dass es Versuchungen gibt und in deinem Leben gewisse Sünden gibt, die dich total lahmlegen.
Denn du merkst: Du sündigst. Ich mache jetzt da eine Zeichnung. Du sündigst, und dann hat dein Mut ein Loch. Du wirst mutlos. Dann kommt Vergebung, du kommst zurück zum Herrn, und dann entscheidest du: Also, da muss ich jetzt aufpassen, ich will nicht mehr reinfallen. Und dann geht es wieder eine Weile, und dann kommt vielleicht wieder dieselbe Sünde, also dieselbe Versuchung. Du fällst wieder hinein, bist nachher wieder mutlos, hast Mühe damit, und du merkst: Der Zyklus, der Zyklus, obwohl du jedes Mal die Vergebung hast, der schlägt dich runter und gibt dir manchmal sogar das Gefühl, die anderen können gut leben mit Gott, aber ich habe da ein Gebiet, da komme ich niemals raus aus dem Ding.
Und darum hat es Texte, wo steht: flieht. Das heißt, wenn du merkst, in einem Gebiet bist du schwach und hast mehr Versuchungen, dann überleg: Was muss ich in diesem Gebiet weglassen? Wo muss ich hinfliehen, wegrennen, damit ich das nächste Mal nicht wieder in diese Versuchung hineinfalle?
Paulus sagt zum Beispiel zu Timotheus: Fliehe die Lüste der Jugend. Da könnt ihr mal überlegen, gell. Wir haben jetzt keine Zeit, aber das könnte ein ganzer Abend sein in kleinen Gruppen, zu überlegen: Was sind eigentlich die Lüste der Jugend? Und wann hören sie auf? Denn ich habe auch das Gefühl, dass ich noch in den Jugendlüsten bin. Wann hören sie eigentlich auf? Was sind sie, und warum, und wo kann ich fliehen?
Verstehst du es jetzt vielleicht besser? Vielleicht hast du manchmal gedacht, als Kind oder als Teenager hast du vielleicht manchmal gedacht: Ja, die alten Christen haben so viele Gesetze. Das darfst du nicht, und pam pam und pim pam, ein Christ macht das nicht und so. Aber das kommt nur davon, dass sie in ihrem Leben gemerkt haben: Da darf ich nicht rangehen, da muss ich fliehen, sonst falle ich rein. Und dann macht man nachher manchmal Gesetze daraus.
Aber du musst in deinem Leben so ehrlich sein vor Gott, dass du merkst, auf welchem Gebiet du Not hast und Flucht nehmen musst. Und auf diesem Gebiet lernst du, wegzugehen.
Praktische Beispiele für Flucht und Disziplin
Vor der Bekehrung war ich Trompeter in einer Jazzband. Ich bin dankbar dafür; der Herr hat mich da bewahrt. Denn ich kann sagen, zur Ehre des Herrn und um ihm zu danken: Als ich ganze Nächte im Tanzlokal mit der Musikgruppe Trompete gespielt und Klavier gespielt habe, habe ich es erst später gemerkt. An diesen ganzen Abenden hatten die anderen Burschen alle Mädchen in den Armen, und ich hatte immer nur die Instrumente.
Das habe ich erst nach der Bekehrung gemerkt, als ich sagte: Du warst so gnädig mit mir, so gnädig mit mir, dass ich das alles erlebt habe. Und ich konnte meiner Ursula sagen: Du bist die Erste, die ich habe. Und war so im Mist, gell, da war Gott so gnädig.
Aber ich wusste nach der Bekehrung, dass Gott so gnädig war, dass ich dachte: Oh super, jetzt kann ich Trompete spielen für den Heiland, jetzt kann es dann ran. Da habe ich angefangen und gemerkt: Ich spiele da richtig für meine Ehre. Ich mache immer, dass man gut hört, und frage die Leute: War es wirklich schön? Ja, okay.
Da musste ich praktisch noch zwei Jahre weiter Trompete im Keller üben. Und ich flehte zum Herrn: Herr, hilf mir, dass ich einmal für dich spielen kann. Ich habe so lange für mich gespielt und auch für den Teufel gespielt. Jetzt hilf mir, Herr, dass ich für dich spielen kann. Das brauchte Zeit.
Und ich war nachher so froh, als ich dann spielen konnte, weil ich wusste: Wenn Gott eine Gabe gibt, kann ich sie für ihn gebrauchen. Aber eine Zeit lang musste ich sie beiseitelassen.
Weitere Beispiele für das Meiden von Versuchung
Zum Beispiel ein anderes Beispiel zum Fliehen: Auf dem Weg zur Arbeit gab es eine Straße, und dort war ein Pornokino mit immer wieder verschiedenen Bildern, gell. Wegen meiner Schwachheit bin ich nicht mehr dort vorbeigegangen, weil ich ein starker Christ bin, sondern wegen meines Fleisches, wegen meiner Schwachheit, habe ich dann immer die Parallelstraße genommen, obwohl es ein Umweg ist. Denn ich habe gemerkt, dass ich nur noch darauf schaue, obwohl ich weiß, dass mir diese Bilder nicht guttun.
Es hat mir niemand gesagt, dass das ein Gesetz für einen Christ wäre. Aber ich habe selber gemerkt, dass das meine Gedanken verunreinigt und dass ich dann Mühe mit meinem sexuellen Leben habe. Also einschätzen: Wo soll ich lernen zu fliehen, wenn die Versuchung da ist?
Andere haben ganz andere Versuchungen. Vielleicht hast du gemerkt, dass du die Versuchung hast, prahlerisch zu sein. Das gibt es auch, gell. Und dann erzählt man so große Dinge und so. Wenn man dann allein im Zimmer ist, sagt man sich: Mensch, hätte ich geschwiegen, hätten sie denken können, ich sei weise, gell. Aber ich habe so viel Mist erzählt, dass sie gemerkt haben, dass ich nicht weise bin. Und da merkst du: Da muss ich etwas lernen.
Eine Zeit lang, sogar als Missionar, musste ich fliehen. Weißt du warum? Es war die Zeit, in der ich in verschiedenen Gemeinden war, wo in der Gemeinde so etwas wie ein negativer Kritikgeist herrschte. Wenn manche Christen unter sich zusammen waren und geredet haben, haben sie negativ über andere geredet. Da habe ich gemerkt: Wenn ich so in eine Gruppe hineinging und das angefangen hat, habe ich plötzlich auch mitgemacht und für die eine Seite gegen die andere Seite gesprochen, ohne genau zu wissen, ob alles stimmt.
Plötzlich habe ich wieder gemerkt: Mann, was machst du da? Und da musste ich lernen: Wenn in einer Gruppe so etwas beginnt, bin ich dann still geworden, habe mich zurückgezogen, bin weggegangen. Denn ich wusste, meine Ohren sind nicht reif genug, um das zu hören und nicht negativ zu werden. Ich besserte mich, ich ging weg.
Zeugnis geben mit Wahrhaftigkeit und ohne Übertreibung
Das sind nur Beispiele, damit du das Prinzip verstehst. Die geistlichen Grenzen zu erkennen, ist sehr wichtig. Wir sind alle verschieden in unserem Wachstum mit dem Herrn Jesus.
Und als Zeuge Jesu, um ein Zeuge zu sein und mutig zu werden, musst du zuerst deine Grenzen kennen. Sonst fällst du in die Sünde, auch wenn du Zeugnis gibst. Wenn wir unsere Grenzen nicht kennen, dann geben wir Zeugnis. Und vielleicht übertreiben wir beim Zeugnisgeben. Und Übertreibung ist ja auch Lüge. Dann haben wir nicht dem Herrn gedient. Dann tut es uns leid, und wir müssen wieder Buße tun. Denn wir wollen ja wahr sein. Wir wollen nicht übertreiben.
Fliehen, die verschiedenen Texte kannst du haben, die davon sprechen, mit verschiedenen Erklärungen.
Zeugnis als bewusste Lebenshaltung
Und dann das Nächste: Habt ihr noch ein wenig Kraft? Heute war ja so ein Nonstop-Tag, an dem man morgen nicht mehr weiß, wo man sich hinsetzen kann. Ich glaube, wir müssen morgen ein wenig Fahrrad fahren, damit wir auch in der Mitte ein wenig Druck haben, die Schnur auf den Seiten.
Das Nächste: Mein Leben auf Zeugnis einstellen, was heißt das? Das heißt, dass du ganz bewusst in deinem Denken, ganz bewusst im Gebetsleben, immer wieder dem Herrn sagst: Herr, ich will dein Zeuge sein. Ich will von dir sprechen. Ich will so leben, dass Menschen Fragen stellen.
Und wenn du das betest, dann kommt dir natürlich immer wieder das Gebet in den Sinn. Du weißt, wie schwach ich bin, wie mutlos ich bin, wenn ich reden soll, wie ich Angst vor den Leuten habe, wie ich immer Angst habe, wenn ich Zeugnis gebe, wenn ich mit jemandem spreche, dass der andere so viele Argumente hat, auf die ich keine Antwort habe. Du weißt, wie es bei mir innerlich steht, wie ich zittere, wenn ich mit Menschen umgehen soll.
Ganz ehrlich mit deinem Meister reden. Er kennt ja dein Leben, er weiß, wie du bist. Und was er im Gebet mit Freude erwartet, ist, dass du selbst auch weißt, wer du bist. Und wenn du ihm sagst, wer du bist, dann freut er sich. Denn er weiß: Du bist reif geworden. Du siehst schon klar. Du hast den Blick auf dein Leben, wo er helfen kann. Er ist bereit zu helfen.
Liebe lernen und Menschen im Glauben begegnen
Ich habe einmal für mich gebetet, denn es gab einen Menschen in der Gemeinde, mit dem ich immer Mühe hatte. Weisst du, ob du das auch kennst, so eine Person, mit der man immer Mühe hat?
Dann habe ich den Herrn darum gebeten und gesagt: Herr, schenke mir doch mehr Liebe für diesen Menschen, ich kann nicht. Aber es kam keine Stimme aus dem Himmel. Stattdessen kam mir der Gedanke: Ja, halt einmal, wenn du mehr Liebe willst, dann heisst das doch, dass du schon etwas hast. Bist du sicher, dass du Liebe hast?
Da sagte ich: Nein, nein, vergib mir, Herr. Nicht mehr, du sollst nicht da sein, um mehr zu machen. Ich habe keine Liebe zu diesem Menschen. Herr, schenke mir Liebe.
Der Herr hat mir dann geholfen, dass ich diesen Menschen anders anschauen konnte, und dass er für mich ein lieber Bruder geworden ist. Aber zuerst musste ich erkennen, dass ich es selber nicht kann und dass ich das von ihm erwarten muss.
Also sich selber kennen, mein Leben, und dann mein Leben auf Zeugnis einstellen. Das heisst auch, dass du im Wachstum, im Glauben, den Mut nimmst, dass du vielleicht am Morgen, wenn du deine Bibel liest, den Mut hast, dem Herrn zu sagen: Herr, ich bin heute bereit, wenn du einen Menschen hast, mit dem ich heute von dir reden soll, Herr, ich bin bereit.
Ich habe manchmal für dieses Gebet selber gezittert. Ich habe gedacht: Moment mal, wenn er mich da ernst nimmt, habe ich dann noch den Mut, wenn die Stunde kommt? Aber das habe ich ihm auch gesagt. Ich habe ihm gesagt: Herr, ich weiss, dass du, wenn ich bete, das ganz ernst nimmst, und ich zittere, wenn ich daran denke.
Aber ich muss sagen, er hat immer wieder geholfen. Und du kennst vielleicht noch nicht, oder viele kennen das schon: die grosse Freude, die man hat, wenn man diese Möglichkeit gehabt hat, mit jemandem von ihm zu reden, vom Heiland, und wenn ein Mensch zugehört hat.
Ich glaube, es gibt nur eine grössere Freude, bei der ich immer wieder auf die Seite gehen muss, um zu weinen: wenn ich sehe, wie ein Mensch zum Glauben kommt und sich bekehrt. Da bin ich immer total am Boden vor Freude, denn ich merke dann einen anderen Blick. Ich merke dann, wie der Mensch anders wird, wie etwas in ihm geschieht und wie die Gnade Gottes einfach in sein Leben eingedrungen ist.
Und das ist so: Da bist du Zuschauer von Gottes Arbeit, wie er Menschen verändert. Und wenn du daran denkst, dass dieser Mensch, der da sitzt, vorher gerade in die Hölle ging und jetzt gerade in den Himmel geht, dann kann man sich so eine Änderung gar nicht vorstellen. Eine Wesensänderung geschieht, auch wenn äusserlich vielleicht noch nichts geschehen ist. Aber auf dem Weg nachher geschieht das alles fortschreitend so wunderbar.
Zuhören, verstehen und das Evangelium klar weitergeben
Ich habe da noch kurz einen ... Ich habe es noch nicht gesagt. Ich könnte dann nachher Fragen stellen, gell? Und, und, und, okay, ja, nur dass ich wüsste, ja, bombardieren, okay.
Was mir noch wichtig ist in diesem Zusammenhang: Ich erinnere an das Thema, wie kann ich meine Überzeugungen ausleben und den Kontakt mit den Menschen behalten?
Was für den Kontakt mit den Menschen nottut, ist ja vor allem das Zuhören, Mitleid mit den anderen zu haben und zu versuchen, sie zu verstehen. Kontakt ist nicht einfach etwas, das ich in meinem Kopf denke, was ich ihm sagen könnte. Das ist oft das Hindernis beim Zeugnis: dass man sich sagt, jetzt habe ich einen Menschen, der mit mir redet, jetzt muss er wissen, dass Gott ihn liebt, dass er Sünder ist, dass er sich bekehren kann und dass die Gemeinde auch da ist. Und dann muss man die Lücke finden, wo man das hineinschießt. Das klappt gar nicht.
Wir haben mit Menschen zu tun. Und das Erste Wichtige ist, dass wir nicht unser fertiges Thema da sitzen haben, sondern dass wir zuhören, suchen zu verstehen, was dieser Mensch sagen will, was er mitteilen will, wie er es meint, wer er ist.
Vielleicht musst du dabei von etwas innerlich loswerden. So ging es mir wenigstens nach der Bekehrung. Denn ich habe immer gedacht: Wenn jemand mit mir redet und ich nicht ganz klar das Evangelium sage, dann bin ich schuld, dass er es nicht weiß. Dann stand ich unter einem Druck in meinem Gewissen und habe gedacht: Wenn ich jetzt da nicht alles klatschrein sage, dann geht es mir wie in Hesekiel 3 und 33: Wenn du es nicht sagst, dann werde ich von dir seine Seele verlangen, sein Blut verlangen.
Es ist ganz klar, dass Menschen eine Botschaft im Zeugnis erst annehmen, wenn sie merken, dass du sie liebst und wenn sie Vertrauen zu dir haben. Also brauchst du oft am Anfang Zeit, den Menschen zuzuhören, sie zu verstehen, ihnen in verschiedenen Bereichen zu helfen, und dann kannst du das Wortzeugnis, also das Evangelium, weiter sagen.
Das Evangelium einüben und die eigene Furcht annehmen
Aber wichtig ist es, dass du die Übung zu Hause machst. Stell dir einmal vor, jeder Mitarbeiter bei mir müsste diese Übung machen. Er müsste das ganze Evangelium in fünf Minuten sagen können, das Wichtigste in zwei Minuten. Das gebe ich ihnen nur als Aufgabe, damit sie einmal überlegen: Wenn ich jetzt zwei Minuten habe und den ganzen Heilsplan erzählen muss, was sage ich? Was ist das Wichtigste?
Und ich glaube, das ist gut. Wenn du selber zu Hause oder mit anderen in der Jugendgruppe, mit einer kleinen Gruppe, mal übst, dann weißt du, ob du das Evangelium wirklich so im Herzen hast, dass du nicht mehr verschiedene Sachen suchen musst, sondern dass du weißt: Das ist die Hauptsache.
Und wenn du so einen kurzen Überblick über den Heilsplan hast, schreibst du ihn vielleicht einfach für dich aus. Damit du, wenn Fragen da sind, weißt, was die Hauptsache ist.
Was mir Not tut, ist die Furcht vor den Menschen. Das habe ich immer noch. Ich kämpfe immer damit. Angst vor den Menschen, eine ganz blöde Angst, dass die Menschen mich auf die Seite setzen oder mich noch mehr demütigen oder einfach zerdrücken. Davor habe ich immer noch Angst, und ich kämpfe damit.
Jedes Mal, wenn ich rausgehe, um Traktate zu verteilen, das ist regelmäßig, gehe ich auf die Straßen und spreche mit Leuten über das Evangelium und so. Aber jedes Mal, wenn ich von zu Hause weggehe, muss ich zuerst wieder zusammen mit Ursula beten. Und ich sage dann wie immer die Wahrheit und sage: Du, Schatz, ich würde jetzt lieber zu Hause bleiben. Es ist so ein Kampf.
Konfrontation mit Verlorenen und der Mut zum Dabeisein
Und dann kommen noch all die ganz positiven Entschuldigungen. Aber ich habe nur positive, also ich bin schlau. So viele Briefe im Büro, die wichtig sind. Dann muss ich noch für die Bibelschule arbeiten und habe noch dreißig Aufgaben, die ich zu Hause von den Studenten habe, die ich noch nicht korrigiert habe. Das liegt alles noch da und muss noch diese Woche gemacht werden. Und dann noch so viel anderes.
Und da kommt noch die ganze Liste von den praktischen Arbeiten, im Garten, im Haus. Und dann macht hin und wieder noch Ursula einen Punkt dazu. Da geht eine Schraube weg, und das WC muss noch einmal repariert werden, und so viel Wichtiges.
Aber es gibt nichts Wichtigeres, als dass wir in der Beziehung mit Gott leben und dass ich immer wieder hinausgehe in die Konfrontation mit den Verlorenen. Denn sie sind verloren. Wenn mein Garten verloren ist, ist es nicht so wichtig. Der ist sowieso verloren.
Das ist ein Kampf, und du wirst auch diesen Kampf haben, ich werde es nicht verstecken. Versuch nicht zu sagen, wenn du diesen Kampf hast, um Zeugnis zu geben und hinauszugehen, um zu helfen, um zu evangelisieren, versuch nicht zu sagen: Ja, das ist halt nicht meine Gabe und so. Komm, lass diese Entschuldigung beiseite. Es hat nichts mit Gaben zu tun.
Vielleicht hast du die Gabe nicht zu reden, das ist gut möglich. Ich habe weniger die Gabe zum Schweigen, das ist ein anderes Problem. Aber wenn du diese Gabe nicht hast, dann kannst du andere begleiten, die hinausgehen und verteilen. Und wenn sie reden, kannst du beten für das Gespräch. Du kannst dabei sein und mitwirken durch dein Leben als Zeuge des Herrn.
Also, die Furcht ist eines meiner Probleme. Und das Zweite kommt noch dazu. Die zweite ist immer das Gefühl, das innere Gefühl: Ich weiß nicht genug. Du hast vielleicht auch das Gefühl, wenn du Zeugnis gibst oder wenn Evangelisation ist, auch dieses Gefühl: Ich werde immer wieder Menschen treffen, die mehr wissen. Und da bin ich in einer blöden Situation, weiß nicht, was antworten, und so.
Und da scheint mir so, so, so wichtig und gut, dass wir wissen: Wir können jedem Menschen sagen, der Fragen stellt, wo wir keine Antwort haben, ihm sagen: Ich habe keine Antwort. Wir brauchen diese Ehrlichkeit.
Ehrlichkeit bei offenen Fragen und Gottes überraschende Wege
Ich hatte Mühe mit dieser Ehrlichkeit, als ich jung war, zu sagen: Ich habe keine Antwort. Ich habe ja immer gedacht: Da stehst du doch blöd da. Nein, wir wollen ja nur einfach ehrlich sein. Ich habe keine Antwort auf das.
Ich bin so in ein Haus hineingekommen. Die Leute haben geöffnet, und ich konnte mit ihnen von Jesus sprechen. Sie waren scheinbar offen, haben gut zugehört, und dann sagt plötzlich die Frau: Ich will Ihnen etwas holen, und dann können Sie mir sagen, was Sie davon denken, von Gott.
Dann ist sie in den Raum nebenan gegangen und hat auf einem Rollstuhl ihren Sohn geholt, der total gelähmt auf seinem Stuhl war und nur geschrien hat: Denken Sie, dass Gott Liebe ist? Da war ich da.
Man kann dann schon theologisch gute Sätze machen, das kann man immer. Aber man versteht vielleicht die Not dieser Menschen nicht und wie man ihr begegnen muss. Und da konnte ich nur sagen: Ich kann im Moment absolut nichts sagen. Bitte darf ich noch einmal kommen? Lassen Sie mir Zeit zum Beten, zum Überlegen, zum Verstehen Ihrer Last.
Ich kann Sie nicht ganz verstehen, diese Last, denn ich lebe nicht damit. Ich habe nicht 24 Stunden am Tag diese Situation, die Sie haben, 24 Stunden am Tag. Ich kann es nicht begreifen.
Kurz, das war der Rolf, der ist jetzt schon im Himmel, der im Rollstuhl war. Aber der Rolf wurde das Instrument, um in dieser Ortschaft, wo diese Leute wohnen, eine Jugendgruppe zu gründen. Es war keine Jugendgruppe da, und mein Auftrag, den ich von der Bibelschule bekommen hatte, war, in dieser Gemeinde in Süddeutschland, in Maulburg, also bei Lörrach da unten, eine Jugendgruppe anzufangen. Aber es waren keine Jungen da, nur ein Mädchen, Doris nannte sie sich.
Und ich war noch ledig. Dann habe ich der Doris gesagt: Du, als so eine Jugendgruppe wie wir zwei, das klappt nicht so gut. Ich glaube, dann machen wir es so: Du betest, dass du ein Mädchen im Ort treffen kannst, und ich bete, dass ich einen Burschen im Ort treffen kann. Es könnte eine Hilfe sein, dass wir zur gleichen Zeit beten, dass wir diszipliniert bleiben, ich in der Bibelschule, du zu Hause. Ja, und dass wir wissen, zu der Zeit beten wir für das Dorf und dass du und ich einen Kontakt haben.
Und das war der erste Kontakt, der Rolf.
Ein unerwartetes Werkzeug für eine ganze Jugendgruppe
Da bin ich zu diesen Leuten gegangen und habe gesagt: Kann ich ihnen helfen? Ich wusste nicht recht, wie ich mit Rolf helfen könnte. Wie kann ich da helfen?
Da haben sie gesagt: Ja, wir haben niemanden, der mit ihm ausgeht oder spazieren geht. Wir schämen uns sowieso, so einen Sohn zu haben. Wir gehen gar nicht gerne mit ihm auf die Strasse. Die Leute schauen uns immer wieder so komisch an. Wir haben Not mit ihm.
Dann habe ich gesagt: Also, wenn sie es erlauben, komme ich zweimal in der Woche mit Rolf einfach spazieren. In die Natur gehen, in den Park gehen und mit ihm zusammen sein.
Ja. Kurz gesagt, das gab dann die Möglichkeit. Ich ging mit Rolf spazieren. Er schrie oft, ja. Und ich erklärte ihm laut das Evangelium. Ich weiss nicht, was er verstand oder nicht verstand; er konnte es nicht sagen.
Dann ging ich hin und wieder einen Kaffee trinken, draussen auf dem Trottoir beim Restaurant, ja, am Ort. Und da waren andere Junge. Die anderen Jungen, die dort auch im Café waren, interessierten sich dann. Da habe ich sie gefragt: Kommt ihr mal mit mir? Denn dort ist ein Hügel, da geht ein Weg hinauf, und ich hätte gerne einmal, dass Rolf von oben her die ganze Landschaft sieht. Aber um da hochzugehen, wäre es gut, wenn wir zu zweit oder zu dritt wären und wenn wir ihn tragen müssten, damit wir Rolf hinaufbringen können, ja?
Und sie machten mit. So kam es, dass nach zwei, nach drei Jahren die Jugendgruppe an diesem Ort 50 Junge umfasste. Aber das Werkzeug war Rolf. Er war das Mittel, das Gott auf den Weg gestellt hatte, um diese Arbeit zu gründen.
Und ich am Anfang, denn ich ging immer mit dem Fahrrad von der Bibelschule nach Mauburg, und da habe ich manchmal in meinem Herzen gehadert und vor Gott und dem Herrn gesagt: Herr, ich sollte Jugendarbeit machen, und du gibst mir so einen Menschen im Rollstuhl. Wie komme ich da dazu, Jugendarbeit zu machen? Ich dachte, das sei ein Hindernis.
Und Gott hat es so geplant, dass das das Werkzeug war, nicht das Hindernis.
Gottes Methode und der Blick auf Wachstum
Und dann bin ich oft mit ihm spazieren gegangen und habe für die verschiedenen Jungen gebetet. Ich habe die Gebetsliste vorne in den Rollstuhl geklemmt. Und ich habe laut gebetet, gestossen und die Namen nacheinander genannt. Hin und wieder hat Rolf geschrien, je nach Gebet hat er lauter oder weniger laut reagiert. Denn ich glaube, dass Rolf mit mir in seiner Sprache gebetet hat, und ich glaube, dass er das Evangelium verstanden hat.
Er ist dann ein paar Jahre später in den Herrn weggenommen worden, aber er war für mich das grosse Werkzeug, um in einem Ort eine Jugendgruppe zu gründen. Also ist Gottes Evangelisationsmethode oft anders, als man denkt. Aber oft gibt es Situationen, in denen wir keine Antwort haben und etwas nicht verstehen. Dann müssen wir den Mut haben zu sagen: Ich habe keine Antwort, ich habe keine Lösung, ich weiss nicht wie. Gott kann das dann gebrauchen.
Okay, es ist neun Uhr. Ich habe dann im Text noch die ganze Zielsetzung von zeugnishaftem Leben in Beziehung mit der Gemeinde und mit der Jugendgruppe. Wie man dann auch mit den Menschen einfach Mut machen kann. Und dass sie verstehen, dass wir, wenn wir miteinander das Wichtigste überlegen und miteinander Gottes Wort lesen, dann viele verschiedene andere Facetten von Gottes Wort besser verstehen. Weil wir miteinander sind. Und dass wir dann auch miteinander Stellung nehmen können als Zeuge, als Christen in dieser Welt.
Eine Herausforderung ist ganz klar, wie das Thema sagt, die Überzeugungen im Kontakt mit den Menschen auszuleben. Also ein kurzer Schluss.
Wurzeln, die im Verborgenen wachsen
Deine Wurzeln, du weißt es vielleicht oder auch nicht: Wenn die Bäume im Winter keine Blätter haben, wenn die Laubbäume in der Winterzeit keine Blätter tragen und man meint, dass sie tot sind, dann wachsen in dieser Zeit die Wurzeln des Baumes weiter.
Die Mathematiker staunen immer wieder. Ich habe einen Sohn, der so einer ist. Sie staunen immer wieder, und er erklärt oft dem Forscher die Schöpfung mit solchen mathematischen Elementen. Denn die Wurzeln wachsen genau so, wie es nötig ist, damit der Baum denselben Wind wie im Jahr vorher oder denselben Sturm aushält. Auch wenn im Frühjahr die Äste länger werden und dadurch die Fläche, die Stoßfläche für den Wind, größer wird, kann man das mathematisch ausrechnen. Weil diese Fläche größer ist, braucht es andere Wurzeln, mehr Vertiefung. Und Gott macht das: Die Vertiefung kommt, bevor die Äste kommen. Ich finde das so wunderbar.
Und dann hat man das Gefühl, im Winter seien die Bäume tot. Und in deinem Leben, wenn du Zeuge Jesu sein willst, wenn du die Äste weiter ausstrecken willst in der Evangelisation, wenn du noch viel mehr in den Kampf der Evangelisation hineingehst, vergiss es nicht: Deine Wurzeln müssen auch tiefer werden, damit du vom ersten Sturm nicht umgeschmissen wirst, sondern damit dein Sitz in der Heiligen Schrift und dein Vertrauen zu Gott einfach gestärkt ist.
Behält wenigstens, wenn du müde bist, dieses Bild vom Baum. Wenn das andere alles vergisst, behält das im Winter: Wurzeln. Man meint, es geschieht nichts, doch die Wurzeln gehen weiter nach unten. Dann wieder nach außen, und der Herr schenkt Wachstum, Jahr nach Jahr, an Wurzeln und an Ästen.
