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Unser Dienst - seufzendes Elend mit grossartiger Zuversicht

Römer 8,18-3017.09.2000
Leiden ist kein Fehler im Glauben – oft wird gerade dort sichtbar, was wirklich trägt. Wer loslässt, wartet und Gott vertraut, entdeckt: Aus Schmerz kann Frucht für die Ewigkeit wachsen.

Einleitung und Schriftlesung

Wir lesen aus Römer 8,18-30.
Paulus sagt zunächst die herrlichsten Worte von der Wirkung des Heiligen Geistes im Leben des Gläubigen. Dann spricht er von der großen Gewissheit: Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?
Gleichzeitig spricht er sehr nüchtern und ehrlich auch von den Beschwerden, die er in dieser Weltzeit tragen muss. Ich bin überzeugt, dass die Leiden dieser Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden.
Die Schöpfung ist ja der Vergänglichkeit unterworfen, ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat, doch auf Hoffnung. Denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstigt.
Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes. Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung. Denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht? Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld.
Desgleichen hilft auch der Geist unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie es sich gebührt, sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen erforscht, der weiß, worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er vertritt die Heiligen, wie es Gott gefällt.
Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.

Leid, Berufung und die Wirklichkeit des Glaubens

Vor 14 Tagen war ich im Süden des riesigen Äthiopiens und besuchte Evangelisten, die dort unter diesen fremden nilotischen und oromithischen Völkern Missionsarbeit treiben. Und das ist ein Elend, wenn man bedenkt, dass so ein Evangelist 50 Mark bekommt und viele Kinder hat, von denen er einen Monat lang leben soll.
Viele Gehälter konnten nicht ausbezahlt werden. Wegen der großen Dürre konnten die Gemeinden nicht opfern. Und als ich sie fragte, was sie bewegt, sagten sie: Wenn wenigstens alle paar Monate ein Auto vorbeikäme, das uns Seife und die nötigsten Dinge bringt. Wenn wir nur endlich wüssten, dass unsere Kinder irgendwo in einer Schule sind.
Das ganze Elend der Reichsgottesarbeit zeigt sich in ihrer großen Not und Ärmlichkeit. Aber dann haben diese Evangelisten davon gesprochen. Einige erzählten, wie sie vor zwei Jahren ausgesandt wurden. Sie waren in der Stadt Cinca angekommen und wohnten dort im kirchlichen Gemeindehaus. Da hat man sie morgens noch geweckt, als sie noch auf dem Boden lagen: Evangelist Abel ist ermordet worden.
Sie sind aufgebrochen und waren an der Beerdigung dabei. Alle diese Stämme sind voll bewaffnet. Jeder Mann trägt dort eine Kalaschnikow und eine Maschinenpistole. Dann hat man diese Evangelisten gefragt: Wollt ihr immer noch in den Missionsdienst gehen? Alle fünf sagten: Ja. Und sie wurden am offenen Grab eingesegnet.
Sie sagten: Wir haben überwältigend die Macht Jesu erlebt. In dieser völligen Einsamkeit, in der Wüste, ohne Wasser, im Hass der Feinde des Reiches Gottes, sind überall lebendige Gemeinden entstanden, unter Mursi, unter Me'en, Boranas, Hamar und wie diese Völker alle heißen. Man meint gerade, die letzte Ernte sei angebrochen. Die letzten Völker der Welt werden erreicht, und überall entstehen Jesusgemeinden.
Da frage ich mich immer wieder: Sind wir uns dessen noch bewusst, was es heißt, mit Jesus zu leben? Oder haben wir uns so breit gemacht in den irdischen Sorgen? Was bewegt sie heute? Die Beförderung, die Gehaltseinstufung, die Karriere ihrer Kinder, die Wohnung, der Urlaub. Nicht, dass wir es nicht nehmen dürften aus der schenkenden Hand unseres Gottes.
Im Südsudan, dort, wo der große Bürgerkrieg tobt, habe ich einen der Prediger gefragt: Was ist euch das Größte in der Gemeinschaft mit Jesus? Dann sagt er: Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn. Mehr haben wir nicht zu erwarten.
Die leben so unmittelbar in dieser großen Ewigkeitshoffnung, dass wir wieder merken, wie arm wir geworden sind. Und sie tragen das ohne Murren. Im Gegenteil, sie sagen, durch die großen Erschütterungen des Krieges und des großen Sterbens, der zweieinhalb Millionen Toten dort im Südsudan, ist erst eine Erweckung ausgebrochen. Menschen haben gefragt: Was trägt mich denn wirklich?
Wir fühlen uns erinnert an diese urchristlichen Zeiten, als Paulus wieder so stark die Not der menschlichen Existenz fühlte. Bei uns ist das ja ganz weggedrückt. Für uns ist Leben Wohlbefinden, Glücklichsein. Geht es dir gut? Bist du zufrieden? Kannst du dich entfalten? Ist dir wohl?
Herr Paulus war wichtig, dass etwas für die Ewigkeit herauskommt aus unserem Leben. Und das ist jetzt ganz gleich, ob sie im hauptamtlichen Dienst stehen oder ob sie, ich sage immer, auf ehrliche Weise ihr Geld verdienen. Ich war ja auch immer so ein Parasit, der vom Opfer der Gemeinde lebte. Aber nein, Sie verstehen es, wie ich es richtig meine.
Dass Sie sagen: Wo ich auch dem Herrn diene, es soll Frucht herauskommen für die Ewigkeit, an welchem Platz ich auch jetzt stehe. Ich möchte dem Herrn dienen, und da gehört Leiden dazu, das Leiden an dieser Welt. Es ist unser Bewährungsfeld. Das ist mein erster Punkt: Es ist unser Bewährungsfeld.

Die Gegenwart des Leidens und die Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit

Ich bin überzeugt, dass die Leiden dieser Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Und das gilt gerade jetzt, wenn Sie nach Hause kommen und dort Pflegebedürftige, Schwerkranke und Verzweifelte antreffen, dass Sie sagen: Das war das Thema, wir haben es heute nicht ausgeblendet. Wir sagen Ja dazu, dass wir dies jetzt durchleiden und durchstehen.
In unserer Zeit wird das Leiden sehr schnell verdrängt. Wir sind dankbar, dass die Medizin die Schmerzen wegnimmt. Vom Leiden ist das das Schlimmste: Schmerzen zu haben. Denn den Tod fürchtet eigentlich niemand, aber die Schmerzen fürchten wir. Wir haben alle Angst, am Ende unseres Lebens müssten wir vielleicht doch noch schwere Schmerzen durchleiden. Da sind wir froh, dass man das alles heute doch weithin ausklammern kann.
Wie stark ist in den christlichen Gemeinden heute das Thema geworden, ob wir gesund werden und gesund sind. Gibt es Heilung? Und wenn die Heilung nicht eintrifft, wie wir gebeten haben, dann meinen wir, ist etwas kaputt oder etwas falsch, oder wir haben nicht richtig gebetet, oder wir brauchen andere Menschen, die jetzt beten. Hängt das von Kräften der Hände ab, von warmen Strömungen oder was ist das? So merken wir: Diese Weltzeit, diese Jetztzeit, wie Paulus sagt, in der wir leben, ist eine Zeit, in der das Leiden noch eine Macht ist. Den einen trifft es mehr, den anderen trifft es weniger. Und auch bei allen Wundern, die wir erleben, wissen wir, dass wir die letzte Todesschranke noch nicht überwunden haben.
Wir müssen Ja sagen und uns beugen. Paulus redet vom Leib der Erniedrigung, vom Leib der Niedrigkeit oder vom Leib der Vergänglichkeit. Das gehört dazu zu einer Gemeinde, und darüber will sich Jesus verherrlichen, auch wenn er keine Wunder tut.
Wir können die schönsten Erfahrungen darin machen. Es war für mein Leben eine ganz große Bereicherung, dass ich in der Gemeinde immer wieder gesucht habe, wenn wir Lieder gesungen haben: Wie sind diese Lieder entstanden? Man hat jedes Mal die Sprache verschlagen, dass all die herrlichen Siegeslieder und Jubellieder in ganz großer Traurigkeit entstanden sind. Das waren Trotzlieder. Ein anderer ist doch keine dreißig Jahre alt geworden mit seinen herrlichen Lobliedern, andere hat man mit bösen Gerüchten aus der Kirche rausgetrieben und als Sektierer behandelt. Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut, Reichsrat, Johann Jakob Schütz und all die großen Leute des Reiches Gottes.
Wie wir mit meiner Frau einen ganzen Band von diesen Geschichten zusammen hatten, da wurde uns klar, dass das nur aus Leid und Traurigkeit heraus die großen Glaubenslieder sang. Philipp Friedrich Hiller, als er als Pfarrer nimmer reden konnte und stumm war, hat Gott ihn brauchbar gemacht zum herrlichsten Lied: Jesus Christus herrscht als König. Jubellied: Ein Herr, ein König. Und ihm blieb die Stimme weg. Dann haben Leute gesagt: Sie müssen noch einen zweiten Band haben. Aber das gibt es nicht mehr. Und da haben wir weitergesucht, und es hat einen ganzen zweiten Band gegeben, von lauter Liedern überall, auch das Lied von Hedwig von Redern, das wir vorhin gesungen haben.
Wo Sie hinschauen: Die Erfahrung des Glaubens wurde doch erst gemacht, wo unsere irdische Hoffnung zerbrach und wir keine Hoffnung mehr hatten. Und da kommt noch als Besonderes dazu, dass Christen erleben, dass der Antichrist wütet. Wo wir anfangen, das Reich Gottes auszubreiten, da baut der Teufel eine Synagoge daneben hin. Das steht schon im Neuen Testament. Das ist doch furchtbar, dass der Widerstand so heftig ist.

Das Weizenkorn, das Sterben und die verborgene Frucht

Es steht im Johannesevangelium, Kapitel 12, wie die Jünger einmal ganz begeistert waren und zuerst sagten: Jesus, jetzt kommen die Hellenisten. Das waren damals die gebildeten Griechen unter den Juden, und die wollen dich gerne sehen. So wie man in der Gemeinde hinhört und sagt: Jetzt kommt der Herr Direktor, jetzt kommt der Herr Bürgermeister, jetzt kommt die Haute Volée. Jetzt haben wir die Leute mal, jetzt erreichen wir wirklich die Gesellschaft, die Creme der Gesellschaft.
Und da hat Jesus dieses Wort gesagt: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bringt es keine Frucht. Wir wollen nicht ein Weizenkorn sein, das in die Erde fällt und verwest. Wir wollen viel lieber leuchten und strahlen.
Und ich bin dem Verleger Frieder Hensler wirklich so dankbar, dass er sagte: Stell das doch heraus, dass alle großen Gottesmänner, die wir alle im Kopf haben, ob das ein Bodelschwingh ist oder ob das Johann Tobias Beck war als Bibeltheologe, wie hat Gott die alle zubereitet? Dass er in ihrem Leben gearbeitet hat, bis sie überhaupt den Schatz des Evangeliums richtig entdecken konnten, die Liebe Jesu.
Und darum gehört das für uns so dazu, dass wir Ja sagen und nicht flüchten. Und ich sehe das als eine solche Gefahr in unseren Gemeinden an, dass wir es als Unsagen oder als Fluch bezeichnen, wenn wir mit die Leiden tragen, die in unserer Gemeinde getragen werden. Nein, sondern wir wollen gespannt sein, welchen Segen der Herr in diese Leidenszeit hineingepackt hat. Es sind die größten Segenzeiten auch für die Gemeinde.
Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns soll offenbart werden. Das schwere Leiden, in das Gott oft seine Leute stellt, und auch in unseren Tagen haben wir genug durch das Mittragen von schweren Führungen, auch in der Gemeinde Jesu. Das bewahrt uns vor allen großen schwärmerischen Träumen. Und gleichzeitig werden wir dabei ganz nüchtern.
Paulus selbst hat einmal davon erzählt im 2. Korintherbrief, wie er verzagt war über die Maßen und schon meinte, er müsse sterben. Es war in einer großen Krise. Das geschah aber, damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzen.
Ich kann mir denken, dass Gott auch mit der evangelikalen Gemeinde noch ganz anders in die Proben hineingeht, bis wir wieder unser Vertrauen ganz auf ihn setzen, bis wir sagen: Wir wollen dem Herrn vertrauen und darum gehorsam sein.

Geduld, Gebet und das Wirken des Geistes

 2. Korinther 4,17-18
Wir kennen die schöne Stelle. Wenn Sie eine Bibel dabei haben, schlagen Sie sie einmal auf: Unsere Bedrängnis, unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit für uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.
Ich bin in meinem Leben dankbar, dass ich an treuen Christen miterleben durfte, auch schwere Lebensführungen. Das waren Zeugnisse, wenn sie dann von der großen Ewigkeitshoffnung gesprochen haben, wenn sie dann das wiederholt haben: Es ist nicht wert der Herrlichkeit, die an uns soll offenbart werden.
In der Mission in der Dritten Welt ist es interessant, dass die einheimischen Kirchen immer die Leute, die Gläubigen, wenn man fragt, was sie am meisten geprägt hat, dann führen sie einen oft an diese Missionsgräber hin. Am meisten bewegt sie die Gräber der Kinder. Und sie sagen: Wir haben gespürt, was es denen wert war und was es gekostet hat. Daraus ist eine große und reiche Frucht entstanden. Und es gibt in der ganzen Mission gar nie das, was man so meint: Man geht hinaus, schreibt Erfolgsberichte und kehrt heim.
Ich bitte immer wieder unsere Missionare und sage: Schreibt doch auch, wie ihre Anfechtungen kommen und wie ihre Not kommt, und welche Worte der Schrift euch wieder auf die Füße geholfen haben. Schreibt, was euch die Gemeinschaft bedeutet, was es für euch bedeutet hat, wenn ein afrikanischer Christ die Arme um euch legt und für euch betet, weil ihr das braucht. Schreibt vom Dienst der Schwestern und Brüder, die euch tragen.
Einer der großen Missionsleute war Henri Martin, einer der Größten, der das Neue Testament auch ins Persische übersetzt hat, auch in indische Sprachen. Er war einer dieser ruhelosen Leute. Erschütternd ist, wie er auch seine ganz heiße Liebe zu einer Frau Gott geopfert hat. Das war dann Gott nicht von ihnen. Aber er hat es freiwillig gegeben und litt daran. Er starb mit 31 Jahren.
Auf der Rückreise hat er noch das Neue Testament in Persien abgeliefert, und in Tokat in der Türkei hat er 1812 in einer Herberge gewohnt. Man hat dann sein Tagebuch bekommen, und er schrieb dort hinein: Wann wird diese Zeit der Ewigkeit weichen? Wann wird der neue Himmel und die neue Erde erscheinen, wo Gerechtigkeit wohnt? Dort wird gar nichts Unreines hineinkommen, nichts von der Bosheit, die Menschen schlechter gemacht hat als die wilden Tiere, nichts von der Verkommenheit, die den Jammer des Sterbens nur vergrößert. Wird da jemals mehr zu hören sein?
Zehn Tage später war Henri Martin tot. Es hat einer hingeschrieben, wahrscheinlich von den armenischen Christen: Trost und Frieden fand er in seinem Gott, der Gefährte, Freund und Tröster in der Einsamkeit war.
Das ist Hingabe für Jesus. Das ist Einsatz für Jesus. Das ist das Vertrauen, ganz nur noch auf ihn gesetzt.
Wir haben Ihnen heute Morgen von Ludwig Krapf erzählt, dem Pionier in Ostafrika, der auch sehr große Opfer brachte. Frau und Kind sind in Mombasa gestorben. Er war selber so fieberkrank, dass er sich nicht aufrichten konnte, um zu sehen, ob seine Frau noch lebte. Und er schrieb dann wieder in diesen Tagebüchern, die die geistlichen Gesetze so deutlich zeigen, dass es so wichtig ist, dass wir uns nicht in falsche Gefühle hineinmanövrieren.
Ich habe so Sorge, wir würden dauernd bloß noch Jubelgeschrei ausschauen. Das brauchen wir nicht. Wir dürfen sagen, dass wir im Herzen zerrissen sind. Wir dürfen auch als Christen sagen, dass uns das hart trifft.
Er sagt: Ihr stellt euch in der Heimat den Missionar viel zu idealistisch vor. Man meint, weil er leiblich manches Bittere erdulden muss, hätte er desto mehr Ersatz an geistlichen Gütern. Aber wir haben nichts vor anderen voraus. Es muss alles erbeten, erstritten und errungen werden. Meistens geht es sehr erbärmlich zu.
Wenn dann zu Zeiten man sich mächtig fühlt in der Macht des Herrn und seiner Stärke, so gehen diese Sonnenblicke bald wieder unter. Die Trägheit des eigenen Fleisches und die grauenvolle Finsternis drücken den Geist sehr danieder. Wenn man nur könnte, wollte man allen Kampf auf einmal aufgeben. In der Heimat findet man Aufmunterung bei den Brüdern, allein wo findet der Missionar eine christliche Gemeinschaft um sich her?
Und dann sprach er von den Leuten, von dem Wanika-Stamm, von den Dämonengeistern, von den Saufgelagen, und sagt: Und was habe ich jetzt? Und dann sagt das Wort Gottes: Nur das Wort Gottes hält dich. Du musst im Wort Gottes graben, du musst von deiner Vernunft weg, und das Wort Gottes stellt dich wieder auf die Füße. Das gibt dir eine Hoffnung, selbst mitten in einem verkehrten und verdorbenen Geschlecht. Und du kannst Hoffnung haben, dass aus diesen Menschen einmal etwas ganz Neues wird. Es geht aus der Finsternis ins Licht, aus dem Tod zum Leben.
Und er sagt: Wir müssen uns auf das Wort Gottes wieder ausrichten. Wir müssen wegkommen von den Empfindungen. Wir dürfen nicht auf unsere Gefühle lauschen, da gibt es so viele Gefühle, die uns traurig machen. Und dort steht es im Wort drin: Wir harren auf das, was offenbar werden muss, von der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.
Noch ein Satz von Ludwig Krapf: Jedes wahre Gotteswerk muss sich erst längere Zeit mit den Pforten der Hölle messen lassen, und ich kann den Sieg nur davontragen, wenn ich aufs Wort horche und immer auf Sehen dränge.
Gott wird schenken, wenn er will. Und der Heilige Geist, sagt Paulus hier, der schafft in uns dieses Seufzen und dieses Sehnen. Er gibt uns auch diesen neuen Blick. Man redet heute so viel vom Heiligen Geist, aber das wichtigste Werk des Heiligen Geistes ist doch, dass er uns diesen Glaubensblick gibt, dass ich das Wort fassen kann und weiß: Mein Dienst, so vergeblich er auch scheint, ist nicht vergeblich, weil er dem Herrn getan ist.
Wir haben des Geistes Erstlingsgabe. Wenn Sie den Heiligen Geist nicht haben, sind Sie kein Christ. Aber das zeigt sich darin, ob Sie das Wort Gottes verstehen können. Ich verstehe das nie, wenn da Unklarheit darüber sein kann. Der Heilige Geist richtet unseren Blick hinauf, dass wir Jesus erkennen können und dass wir seinen Sieg erwarten können.

Warten in Hoffnung und Gottes Führung im Alltag

Und jetzt das Dritte: Nur nicht müde werden. Müde werden wir leicht. Wir werden müde durch die Erfahrungen, und dann hören wir auf und sagen: Jetzt geben wir den Bibelkreis auf, es kommt eh niemand mehr. Und dann hören wir auf mit den Hausbesuchen, und dann wird man resigniert.
Nein, das heißt: Wir werden in Geduld. Wir warten, harren in Geduld, zielsicher warten, stundenlang warten, bis endlich die Beute kommt. In Geduld. Ich habe keine Geduld. Geduld ist eine Frucht des Heiligen Geistes.
Und das ist auch in all den Gebieten, wo wir hören, wo Erweckung von Gott geschenkt wurde, durch ein ganz langes Harren in Geduld hindurchgegangen. Nie hat Gott anders Erweckung geschenkt als aus diesem Harren des Heiligen Geistes heraus, in großer Schwachheit. Wir wissen nicht, was wir beten sollen. Es kann so weit gehen, dass die Anfechtung uns so niederdrückt, dass wir nicht wissen, wie wir beten sollen, und der Heilige Geist vertritt uns mit unausforschlichem Seufzen.
Alles muss zum Besten dienen. Lassen Sie sich alles zum Besten dienen! Oder lehnen Sie sich auf? Sind Sie auch so gespannt und sagen: Jetzt bin ich einmal im Warten, was Gott aus dieser ganzen Misere machen wird?
Ich kann es selber aus meinem Leben sagen, wie ich nach Stuttgart in die Hofhacker-Gemeinde gegangen bin. Ich habe gesagt: Das ist kein Weg Gottes. Da ich nachher 30 Jahre blieb, wissen Sie, wie ich lernte, den Weg Gottes anders einzuschätzen. Ich habe so viel Schikane von Menschen erlebt, auch von Kirchenleitungen, Unrecht, Gerüchte, Misshandlung. Ich kann Ihnen heute sagen: Kein Platz hätte herrlicher sein können als der Platz.
Ich habe mich nicht mehr lösen können. Das ist mir sehr schwer gefallen, weil man plötzlich die Führungen Gottes erst nachher entdecken kann, wie Gott wunderbar führt. Man sieht sonst immer die Menschen und sagt: Es kann gar nicht sein, dass Gott durch diese Ränke dieser Gremien noch wirkt. Doch, lass Gott einmal machen, lass dir es zum Besten dienen.
Ich weiß, da gibt es Fälle, die sind uns auch so schwer in der Seelsorge, wenn wir die mittragen müssen, dass wir sagen: Ich weiß auch nicht, wie das zum Besten noch dient. Das ist so furchtbar, gerade wenn eine Mutter von kleinen Mädchen weggerissen wird in einer Familie, und Herr, das kann doch nicht sein, dass du noch Herrlichkeit da hineinpacken willst.
Lassen Sie Gott machen. Da muss Gott die Regie in ihrem Leben führen, das ist wichtig, dass er der Herr ist. Lass ihn machen! Wir funken ja viel zu viel dazwischen, wir sind alle so aktiv.
Und wieder kann ich nur erzählen aus dem Leben dieser großen Zeugen des Glaubens, wo ich immer meinte, da wird es konkret: William Carey, der Schuhflicker, den Gott berufen hat in der Mission, der der große Sprachgelehrte wurde, der über dreißig Sprachen sprechen konnte und trotz den großen Schwierigkeiten, die ihm die ostindische Gesellschaft machte, eines bei der Mission in Indien dann anfing.
Mit all den Sprachforschungen, die diese Lexika erstellt haben, die Bibelübersetzungen, die bis heute die Grundlage in vielen Sprachen für die Gemeinde Jesu sind, da ist es passiert, dass 1812, im gleichen Jahr, in dem Henry Martin in Tokat starb, ein Brand in wenigen Minuten alles vernichtet hat: die Buchstaben für Tamil und Chinesisch, das ganze Papier, unzählige Manuskripte, viele Schriftauslegungen in indischer Sprache, das Neue Testament in Kanaräsisch, das Alte Testament in Sanskrit, viele Seiten seines Wörterbuchs in Bengali, ein großer Teil der Grammatik in Panschabi und das Wörterbuch in Sanskrit. Alles vollständig vernichtet, und es war gar keine Chance, dass er es noch einmal machen könnte. Keine Kopien!
Wissen Sie, was er geschrieben hat? Gott wird zweifellos das Beste aus diesem Unglück werden lassen und unsere Interessen fördern. Wir müssen lernen, Gott zu vertrauen und nicht auf das Sichtbare zu schauen. Sein Mitarbeiter Marschmann hatte gesagt, Gott hätte eben nur ihnen zeigen wollen, dass man noch mehr Gott vertrauen sollte, als sie schon getan haben, und sagte dann: Er wird das Werk seiner Hände nie im Stich lassen.
Gott hat es nicht im Stich gelassen. Und Gott kann manchmal auch zu einer Reich-Gottes-Arbeit sagen: Brauch’s nicht! Mich wundert ja, was Gott für ein schlechter Geschäftsmann ist, wie er oft seine wichtigen und besten Zeugen wegnimmt. Das können wir nicht verrechnen mit unseren Maßstäben. Es ist falsch, wenn wir alles rechnen vom Erfolg her, völlig weltlich, gottlos oder von der Bequemlichkeit oder von der Gesundheit oder vom Wohlergehen oder vom Glück.
Lasst dir’s zum Besten dienen, und das ist das Letzte denen, die Gott lieben. Bei denen gilt: Lieben Sie Gott über alles. Wir haben ja so viele Bilder in unserem Leben, die alles überdecken. Und wo das bei uns wieder zu dieser persönlichen Hingabe kommt: Herr Jesus, ich will dir bloß dienen. Und das soll so eine Bußtagskonferenz sein, wo ich sage: Herr Jesus, ich möchte, ich will dir wieder vertrauen, wenn ich nichts mehr sehe und verstehe. Ich will dir vertrauen und dein Wort hören, und das soll genug sein, denn du musst alle Dinge zum Besten dienen.

Hingabe, Gleichgestaltung und der Blick auf die Ewigkeit

Ein herrliches Beispiel für so einen Mann, der Gott über alles liebte, war Josef. Mir ist es immer rätselhaft, wie Josef das fertiggebracht hat. Ich bin auch im Brüderkreis aufgewachsen, wir haben viel gestritten. Josef hat das Unrecht ertragen, dass er in die Fremde verkauft wurde. Dann, wie die Frau Potifar mit ihm umging, habe ich in meinem Leben immer aufbegehrt. Ich hätte am liebsten immer Gerichtsverfahren begonnen, wenn mir Unrecht geschah.
Es war mir eine große Hilfe, als ich Christen bei den Eidlinger Schwestern traf, die gesagt haben: Wenn in der Zeitung Unwahres über dich steht, nicht rechtfertigen, keine Leserbriefe schreiben, es gibt bloß mehr Schaden. Lass es, stell es Gott anheim. Und Josef hat es so toll gemacht, und der Herr gab ihm Glück. Der Herr gab ihm Glück selbst noch im Gefängnis. Ja, wie soll das gehen, wie Gott sein Leben verändert hat?
Mir hat es sehr geholfen, als ich las, dass es gar nicht Gottes Ziel ist, was wir alles arbeiten. Ich habe immer gemeint, Gott hätte uns zum Arbeiten geschaffen. Wir sollten wühlen und im Reich Gottes viel auf die Füße stellen. Aber da steht doch, dass wir gleich werden sollten der Gestalt Jesu. Bei Jesus ist es wichtiger, uns umzuwandeln. Deshalb werden wir ja nicht faul, sondern so viel, wie uns der Herr auch Schwierigkeiten in den Weg stellt. Und da habe ich so lange gebraucht, bis ich das begriffen habe: Da will Jesus an mir arbeiten und mich ihm ähnlicher machen, der nicht widersprach, da er gescholten wurde. Jesus hat nie auf sichtbaren Erfolg geschielt. Werde ihm ähnlich.
Es ist so wichtig, dass man die Bodenhaftung verliert, dass man nicht in dieser irdischen Welt so feststeht mit beiden Füßen. Nietzsche hat ja einmal gesagt, die Christen sollten erlöster aussehen, und der Satz wird bei allen frommen Leuten zitiert. Und sie vergessen, dass Nietzsche gar nicht viel vom Geheimnis wusste, das die Jesusleute kannten. Nietzsche wird ja sonst in unseren Bibelstunden auch nicht zitiert mit seinen Erkenntnissen, und ich glaube, dass er nichts verstanden hat. Wie Christen manchmal an dem Zerbruch auch leiden und darum auch vielleicht bis hinein in ihr Gesicht gezeichnet sind von manchem Schweren.
Es ist nicht leicht, bis unser Herz sich löst von der Bindung an Geld und Ehre und Macht. Es ist manchmal nicht leicht, bis wir uns lösen können, auch von manchem, was über uns geredet wird, und das ist nicht wichtig. Thomas von Kempen sagt: Solange du noch darauf hörst und dir dein Ruf wichtig ist, bedeutet dir noch Jesus nicht alles. Es ist so wichtig, was die Leute über dich reden. Lebt doch für Jesus!
Die Bodenhaftung aufzugeben ist wichtig. Ich wollte Ihnen heute Mittag nicht etwas sagen, als ob Sie jetzt mehr Leiden haben müssen, sondern dass Sie in Ihrem Leben das, was Gott Ihnen zumutet, auch zur Lösung und zum Tragen gerne aus seiner Hand annehmen und sagen: Es dient dazu, dass mir die Ewigkeit immer größer wird.
Es ist in unseren Gemeinden wirklich ein großer Verlust geworden, dass die Freude auf die Ewigkeit fehlt, dass wir uns nicht mitfreuen, wenn der Herr welche heimruft in die Schar der vollendeten Gemeinde. Wir müssen wissen: Diese irdische Heimat ist sehr begrenzt, und ich habe oft den Eindruck, unsere jungen Leute hören das noch viel wacher als wir Eltern. Dass unsere Zeit sehr begrenzt ist, und alles, was wir haben, soll doch uns nur zubereiten auf das Bild, das Jesus aus uns machen will, für seine neue Ewigkeit.

Schlussgedanken und Segenswort

Lassen Sie mich noch mit einer kleinen Geschichte schließen, die nach Basel führt, zu diesem großen Schrifttheologen Johann Tobias Beck, der das ja wieder herausgestellt hat. Bis heute ist das so grandios: dass das Wort der Bibel immer wahr und gewiss ist und uns in allen Situationen allein diesen neuen Blick gibt.
Er hat einmal einem Freund geschrieben, der einen lieben Menschen verloren hatte, und ihm erzählt, wie es ihm selbst war, als seine Frau starb und zwei seiner Kinder. Das müssen Sie sich vorstellen: Mit ganzer Liebe hing er an seiner Frau und seinen Kindern. Und nun schrieb er in diesem Trauerbrief an einen Freund einen Satz, der so extrem ist, dass man ihn kaum wiederholen kann. Er sagte, dass er sich oft überlege: Wenn Gott ihm anbieten würde, er könnte seine Lieben wiederbekommen, er müsse nur die Glaubenserfahrung wieder hergeben, die ihm Leid gemacht hat, dann wisse er nicht, was er wählen solle. So groß sei die Macht und Kraft Gottes gewesen in den schweren Tagen der Trauer.
Ich vergesse, was da hinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist. Er hat uns gerufen und in den Dienst genommen. Ich weiß nicht, wie der Herr Sie führt. Wir hatten so herrliche Tage in Zermatt. Es war mein Wunschtraum in meinem Leben, mit meiner Frau dort zu sein. Und jetzt, seit ich aus dem Pfarrdienst befreit bin und ganz im Missionsdienst bin, hat es sich auf der Reise ergeben.
Ich habe so herrlich, wie Sie meinen, was Sie sagen. Was hast du für etwas Schweres? Du hast so ernst heute mit der gesprochen. Nur Freude, wunderbare Freude an 18 Enkeln und an Kindern und allem und an unserer Gesundheit und allem. Er will ganz wach beobachten, dass wir unser Herz nicht an diese vergehende Welt hängen, sondern dass wir Bürger des Reiches Gottes sind und wissen: Es ist eine kurze Zeit, und dann freuen wir uns auf die neuen Himmel und die neue Erde.
Darum wollen wir in dieser Welt treu unseren Dienst tun. Aber es ist ein Heroldsdienst, dass wir sagen: Arme Christenheit, die bloß noch von weltlichen Dingen redet. Wir reden von der himmlischen Heimat. Wir wollen die Berufung weitergeben. Wir wollen jeden bitten, dass doch keiner das Ziel versäumt wegen ein paar Geldstücken oder Geldscheinen oder wegen einer Karriere. Wenn man das hört, dass da plötzlich Ehen zerbrechen wegen einer Liebe, das kann doch nicht wahr sein. Wegen eines Gefühls verlierst du deine himmlische Berufung. Du musst doch das Ziel im Auge haben.
Es ging mir nicht darum, dass sie leiden, sondern dass sie sagen: Auch wenn es weh tut, ich will meine Berufung ernst nehmen. Ich will das, was mir Jesus heute anbietet, ergreifen. Und er will machtvoll in ihrem Leben herrschen. Er will niemanden Lasten auflegen, sondern er will sie überschütten mit den Erfahrungen seiner Macht und seiner Größe. Ich achte, dass dieses zeitliche Leiden und auch die Opfer, die sie bringen, nicht wert sind der Herrlichkeit, die der Herr schon heute in ihr Leben hineinlegt und die er einmal an ihnen offenbar werden lässt in der Herrlichkeit. Amen.