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Was den Menschen verunreinigt – Teil 10

Jesu Leben und Lehre, Teil 360/697
27.12.2023Markus 7,17-19
SERIE - Teil 360 / 697Jesu Leben und Lehre

Einführung in die Fragestellung zu Apostelgeschichte 15

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 359: Was den Menschen verunreinigt, Teil 10.

Am Ende der letzten Episode standen zwei Fragen im Raum. Beide beziehen sich auf einen Text aus Apostelgeschichte 15. Apostelgeschichte 15,19-20:

„Deshalb urteile ich, man solle die, welche sich von den Nationen zu Gott bekehren, nicht beunruhigen, sondern ihnen schreiben, dass sie sich enthalten von den Verunreinigungen der Götzen und von der Unzucht und vom Ersticken und vom Blut.“

Frage eins: Warum werden hier neue Einschränkungen für Heidenchristen formuliert? Hat Jesus nicht ganz klar alle Speisen für rein erklärt?

Frage zwei: Darf ich als Christ Blutwurst essen?

Hintergrund und Problemstellung in Apostelgeschichte 15

Diese beiden Fragen möchte ich in dieser Episode beantworten, vielleicht ganz kurz zu Apostelgeschichte 15.

Das Problem in diesem Kapitel sind Bibellehrer, die aus Jerusalem nach Antiochia in Syrien kamen und dort Unsinn lehrten. In Apostelgeschichte 15,1 heißt es: Einige kamen von Judäa herab und lehrten die Brüder, dass man, wenn man nicht nach der Weise Moses beschnitten ist, nicht gerettet werden könne.

Ich hoffe, das Problem ist klar. Hier kommen Leute, die behaupten, dass Heiden nur gerettet werden können, wenn sie an Jesus glauben und sich zusätzlich auch noch beschneiden lassen. Dabei kann man davon ausgehen, dass es nicht allein um die Beschneidung geht.

Der Galaterbrief macht das deutlich, denn dort kämpft Paulus gegen die gleiche Art von Irrlehrern. Diese fordern auch das Einhalten von Feiertagen und Festen. Die Frage ist also: Hängt die Rettung von Heiden an der Beschneidung, also daran, dass sie jüdisch werden? Diese Behauptung steht im Raum und klingt auf den ersten Blick auch irgendwie naheliegend. Wer durch einen jüdischen Messias gerettet werden will, müsse jüdisch werden.

Es gibt bis heute Leute, die genau das behaupten. Und trotzdem ist diese Vorstellung falsch.

Der Kontext der neuen Regeln für Heidenchristen

Warum aber die Aufforderung an Heidenchristen, sich zu enthalten von den Verunreinigungen der Götzen, von Unzucht, vom Erstickten und vom Blut? Die Antwort findet sich tatsächlich im nächsten Vers. Der Kontext ist immer entscheidend.

 Apostelgeschichte 15,21: Denn Mose hat von alten Zeiten her in jeder Stadt solche, die ihn predigen, da er an jedem Sabbat in den Synagogen gelesen wird.

Das ist der Grund. In jeder Stadt gab es eine größere Gruppe Juden. Nun müssen wir Folgendes gut verstehen: Die ersten Gemeinden entstanden in den Synagogen. Im Synagogengottesdienst wurde zuerst das Evangelium gepredigt.

Unter den ersten Christen einer Stadt gab es deshalb immer eine größere Gruppe Judenchristen. Auch wenn die Juden sich bereits an einigen Orten ablehnend gegenüber der neuen christlichen Lehre zeigten, war es bislang noch nicht zu einer vollständigen Trennung des Judentums vom Christentum gekommen.

Die Bedeutung der jüdischen Gemeinschaft für die Mission

Mission war weiterhin stark auf Judenchristen unter Juden ausgerichtet. Das Evangelium war noch nicht allen Juden verkündet worden. Deshalb war es für die Heidenchristen wichtig, sich so zu verhalten, dass ihre jüdischen Mitchristen weiterhin die Möglichkeit hatten, ihre jüdischen Verwandten mit dem Evangelium zu erreichen.

Wenn Juden Heiden als unrein betrachteten, galt dies auch für Heidenchristen. In den Augen der normalen Juden waren auch sie Ungläubige – vielleicht ungewöhnliche Ungläubige, weil sie an einen Rabbi aus Nazareth als den Messias glaubten. Dennoch blieben sie unreine Heiden, von denen man sich als guter Jude fernhalten sollte, um nicht selbst unrein zu werden.

Zweck der neuen Verhaltensregeln für Heidenchristen

Und genau hier kommen die neuen Regeln ins Spiel. Es sind Regeln für die Mission, keine neuen, universell gültigen Speisegebote für Heidenchristen.

Es geht darum, dass die Heidenchristen sich aus Liebe zu den ungläubigen Juden in der Stadt so verhalten, dass ihre judenchristlichen Freunde eine Chance haben, die jüdische Community mit dem Evangelium zu erreichen. Die Heidenchristen sollen in den Augen typischer Juden etwas weniger heidnisch und etwas weniger unrein erscheinen.

Deshalb ist der Brief, der die neuen Regeln beschreibt, auch nur an die Gebiete gerichtet, in denen neue Mischgemeinden aus Juden und Heiden entstanden sind.

In Apostelgeschichte 15,23-24 heißt es: „Und sie schrieben und sandten durch ihre Hand die Apostel und die Ältesten, eure Brüder, an die Brüder aus den Nationen zu Antiochia und in Syrien und in Zilizien ihren Gruß.“ Das war der Anfang des Briefes.

Man erkennt daran, dass die Empfänger „Brüder aus den Nationen in Antiochia, Syrien und Zilizien“ waren. Dort waren Gemeinden entstanden, die aus Heiden und Juden bestanden.

Zusammenfassung und Beantwortung der ersten Frage

Ich hoffe, ihr versteht jetzt, worum es geht, und deshalb die Beantwortung der Fragen.

Frage eins: Warum werden hier neue Einschränkungen formuliert? Hat Jesus nicht ganz klar alle Speisen für rein erklärt?

Ja, Jesus hat alle Speisen für rein erklärt, und dabei bleibt es auch. Die Einschränkungen hier sind keine neuen Speisegebote für Heidenchristen, sondern sie dienen der Mission.

Paulus wird später formulieren, dass er den Juden ein Jude, den Heiden ein Heide und den Schwachen ein Schwacher geworden ist, um auf alle Weise einige zu erretten. Er sagt in 1. Korinther 9,22: „Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette.“

Darum geht es: Die Heidenchristen sollen sich an den Stellen zurücknehmen, die für noch unbekehrte Juden ein großer Anstoß sind. Im Sinn von 1. Korinther 10,32: „Seid unanstößig, sowohl für Juden als auch für Griechen als auch für die Gemeinde Gottes.“

In einem missionarischen Kontext macht es immer Sinn, darüber nachzudenken, wo mein Lebensstil es den Menschen, die ich erreichen will, besonders schwer macht, das Evangelium zu hören. Was für den einzelnen Gläubigen gilt, das gilt, wie wir hier sehen, auch für ganze Gruppen in der Gemeinde.

Beantwortung der zweiten Frage zum heutigen Umgang mit Speisegeboten

Frage zwei: Darf ich als Christ Blutwurst essen?

Soweit ich das sehe, gelten die Regeln aus Apostelgeschichte 15 heute nicht mehr. Die Mission unter den Juden ist abgeschlossen. Das Prinzip kann ich jedoch in einem anderen missionarischen Zusammenhang übertragen.

Wahrscheinlich macht es auch in Deutschland keinen Sinn, als Missionar unter Muslimen auf ein Schweinesteak und ein gutes Bier zu bestehen. Gemeinden in Indien sollten, weil sie unter Hindus missionieren, beim Gemeindeabendessen definitiv auf den Rinderbraten verzichten.

Das Prinzip gilt, aber die konkrete Regel aus Apostelgeschichte 15 gilt nicht mehr. Deshalb verbietet zwar das mosaische Gesetz das Essen von Blut, aber dieses Gebot ist erfüllt, weil mit den Worten Jesu nichts, was von außen in den Menschen hineingeht, ihn verunreinigen kann.

Blutwurst ist also okay.

Abschluss und praktische Anregung

Was könntest du jetzt tun? Du könntest die Gedanken zum Thema Speisegebote noch einmal nachzeichnen und ein oder zwei Bibelstellen dazu auswendig lernen.

Das war's für heute.

Wenn du das Skript zu den Episoden suchst, findest du es in der App und auf frogwords.de.

Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

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