Römerbrief Kapitel acht, Vers 12-17:
So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach
dem Fleisch leben.
Mit Fleisch meint ja Paulus unsere ganze diesseitige Existenz. Manche
meinen, das sei ihnen bloß gewisse Partien unterhalb des Gürtels gemeint,
das ist nicht richtig. Mit Fleisch meint der Paulus unsere ganze Existenz,
mit Denken, Fühlen, mit Intellekt, mit allem, was wir sind, mit Gemüt.
Unser ganzes Wesen, das wird natürlich von uns so bestimmt, dass wir leben
nach unserer ganzen Persönlichkeit. Paulus sagt: Nein, Christen leben nicht
mehr nach ihrer irdischen Persönlichkeit. Denn wenn ihr nach dem Fleisch
lebt, so werdet ihr sterben müssen, wenn ihr aber durch den Geist die Taten
des Fleisches tötet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes
treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen
Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet, sondern ihr habt
einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater.
Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.
Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und
Miterben Christi. Da wir ja mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm zur
Herrlichkeit erhoben werden.
Das unveräußerliche Kindesrecht
Es ist immer schade in unseren Gottesdiensten, dass wir jetzt drüben unsere
lieben Mütter mit ihren Kindern nicht vor Augen haben. Es ist ein
wunderbares Bild, ich kann es immer nur wieder erwähnen, und schließlich
nicht nur die Mütter allein, sondern es sieht genauso wunderbar aus, wenn
die Väter sich ein Kind um den Bauch gebunden haben, und es liebevoll
betreuen. Es gibt doch kein schöneres Bild des Friedens und der
Geborgenheit, als wenn man eine Mutter sieht, die für ihr Kindlein sorgt,
und die es betreut und ihm nachgeht. Und dann ist immer wieder schmerzlich,
wenn einmal solch ein Kind sich von seinen Eltern löst. Und sagt: mir
stinkt's, ich will meine Eltern nicht mehr sehen, die gehen mir auf den
Wecker. Und dann wollen sie raus und wollen ihr Leben selber leben.
Vielleicht wird man ein Leben lang nie mehr richtig Heimat finden. Und bei
den Alten höre ich: Ach, ich muss immer wieder an meine Mutter denken, oder
meinen Vater! Da kommt die alte Heimwehsehnsucht wieder hoch. Wir in
Württemberg erinnern ja uns an eine Episode aus unserem württembergischen
Herrscherhaus. Wie da einst zwischen Vater und Sohn das Tischtuch
zerschnitten wurde. Sie wissen, wann das war. Sie haben es nicht mehr
erlebt. 1377, als Eberhard der Greiner (Eberhard II., genannt der
Greiner", * nach 1315; 15. März 1392 in Stuttgart, war Graf von
Württemberg von 1344 bis 1392), das war ja ein streitsüchtiger
Würtenberger, die Würtenberger haben zuweilen sehr gerne gerauft, und
damals wurde das Erbe der Stauffer verteilt, und die Reutlinger hatten die
Kühe in Urach gestohlen, und dann hat er seinen Sohn, den Ulrich
losgeschickt, den Reutlinger aufs Haupt zu schlagen, das ist schief
gegangen. Ludwig Uhland hat es ja beschrieben, wie der Name Achalm da
entstanden ist, wie ein Ritter sterbend das grad noch stöhnen kann: Ach,
Allmächtiger! und dann stirbt. Aber da wird erzählt, wie dieser Ulrich
zurückkommt, der Sohn zum Vater, ein wunderbares Bild, wie das ist, wenn es
zwischen Sohn und Vater nicht mehr stimmt. Als nun von seinen Wunden Graf
Ulrich ausgeheilt, da reitet er nach Stuttgart, er hat nicht sehr geeilt,
er trifft den alten Vater allein am Mittagsmahl, ein frostiger Willkommen,
kein Wort ertönt im Saal. Dem Vater gegenüber sitzt Ulrich an dem Tisch. Er
schlägt die Augen nieder, man bringt ihm Wein und Fisch. Da fasst der Greis
ein Messer, und spricht kein Wort dabei, viele von Ihnen können es jetzt
auswendig, und schneidet zwischen beiden, das Tafeltuch entzwei. Professor
Deckerhauf sagt immer, das sei immer so, wenn die schwäbischen Hausfrauen
im Chor der Stiftskirche die Gestalt von Eberhard dem Greiner sehen, dann
werden sie sagen, es tut mir bloß leid um das Tischtuch. Nein, schlimm ist
es, wenn zwischen Sohn und Vater es nicht mehr stimmt! Das wissen Eltern,
denen das Herz blutet. Die für ihre Kinder alles tun würden, und sagen,
wenn ich doch meinen Sohn bloß aus seiner Not herausziehen könnte. Das
Allergrößte, was es gibt, Vaterliebe, Mutterliebe! Ich wundere mich, dass
Gott zwischen uns das Tischtuch nicht zerschnitten hat. Es wäre das
allernatürlichste, und Gott sagt, ich will nichts mehr von euch wissen,
endgültig ist es aus. Ich habe es lange probiert, ich gebe es auf, wie der
Eberhard der Greiner: Schluss jetzt. Es ist fast so, dass es unter Christen
zu einer läppischen Sache geworden ist, wenn man von der Vaterliebe Gottes
redet, und niemand spürt mehr, wie heilig und kostbar das ist. Wie Gottes
Herz brennt, wie er eifert um uns. Er will doch uns als seine Söhne und
Töchter wiedergewinnen. Ich habe wieder drei Punkte. Ich möchte zuerst vom
unveräußerlichen Kindesrecht sprechen. Es ist ein juristischer Ausdruck:
Unveräußerlich. Das heißt, das kann man nicht verscherbeln auf'm Flohmarkt.
Das hatte einst der Isaak probiert, äh, der Esau hat es probiert, der Esau,
der Sohn des Isaak, dass er sein Erstgeburtsrecht verkaufen wollte. Das
kann man ja nicht, man ist Kind, und man behält seinen Kindesrecht, und
dadurch ist man auch irgendwo in seine Kinderstellung hineingeboren. Wie
ist es denn das bei ihnen, sind wir Kinder Gottes? Die Bibel sagt, wir sind
nicht Kinder Gottes. Wir sind von unserer Geburt her Kinder des Zorns. Wir
sind von unserer Geburt her Kinder des Ungehorsams. Wir sind Kinder Satans,
Kinder des Bösen. Und wenn der Paulus hier in diesem Abschnitt immer wieder
so hart davon spricht, dass man durch das Fleisch, das heißt, durch unser
ganzes Wesen, so wenig erreichen kann, dann ist das ja eine
Religionskritik. Er hat's ja an den jüdischen Eiferern gesehen, wie sie
sich bemüht haben, durch treue Gesetzes-Erfüllung ihr Leben zu veredeln.
Sie können das heute genauso im europäischen Humanismus sehen, wie die
Menschen sagen, wir müssen uns nur strebend bemühen, dann können wir das
Menschengeschlecht höher treiben. Wir wollen auch Gott gefallen! Natürlich,
das will jeder Mensch, er will ein Kind Gottes sein, ein Ebenbild Gottes.
Wer bemüht sich nicht; in allen Religionen findet man die Sehnsucht. Man
kann's nicht. Weil man mit seinem ganzen Mühen und Strebe nicht weiter
kommt. Das ist der Irrweg. Sie sind ihn sicher auch lange nachgelaufen,
haben sich bemüht in Ihrem Leben mit treuer Pflichterfüllung sich selbst zu
verändern, und sich zu veredeln, und sich zu verbessern. Und dann sagt
Paulus in diesem Abschnitt, dass der Geist Gottes uns da plötzlich die
Augen öffnet. Da wär' heute die Predigt eigentlich überschrieben:
Kennzeichen für den Empfang des Heiligen Geistes. Da merkt man, wenn der
Geist Gottes anfängt zu wirken. Dass man erschrickt über Versäumnisse und
Schuld seines Lebens, das ist ganz arg schwer. Sie müssen das immer wieder
von Zeit zu Zeit durchleiden, und das sind Gottes große Gnadenstunden, wenn
Sie plötzlich merken, ich hab meine Erziehung ganz falsch gemacht, ich habe
in meinem Beruf so viel versäumt, ich hab meine Ehe falsch angepackt.
Wunderbar, wenn der Geist Gottes einmal hinein leuchtet, wenn sie einmal
von Gottes Denken her Ihr Leben kritisch begutachten. Wenn Sie es nicht
selber bewerten in ihrer Selbstprüfung! Und Christen wissen davon ein Lied
zu singen. Wenn der Geist Gottes uns unser Leben zeigt, da wird uns Angst
und Weh. Da fallen wir in bodenlose Tiefen. Da wissen wir, was es heißt:
wir sind Schuldner vor Gott. Hoffentlich sehen Sie sich immer
selbstkritisch im Licht des Geistes Gottes. Wir sind keine Kinder Gottes.
Aber dann macht der Geist Gottes noch etwas anderes: Plötzlich leuchtet er
uns eine Wahrheit an: Wir sind Kinder Gottes! Ja, jetzt doch? Ja, wie?
Nicht aufgrund unseres Fleisches, nicht aufgrund unserer Taten, nicht
aufgrund unserer Pflichterfüllung, unserer Treue und Hingabe! Warum sind
wir Kinder Gottes? Paulus sagt nur: Wir sind Kinder Gottes geworden durch
den Glauben. Einfach gratis beschenkt. Das hat uns Jesus zugesprochen, als
er uns die Schuld wegnahm. Man kann es immer nur neu erleben, wenn man
Vergebung aus der Hand Jesu annimmt: Ich bin ein Kind Gottes geworden.
Jetzt müssen Sie die Schriftstellen auch auswendig wissen, wo steht denn
das!? Ich habe Sie heute im Gottesdienst so begrüßt: Seht, welch eine Liebe
hat uns der Vater erzeigt, dass wir Schmutzklaue, fehlsame Leute, Gottes
Kinder sollen heißen. Ersten Johannes drei Vers eins und zwei. Das muss man
auswendig können: Wir sollen Gottes Kinder heißen, und wir sind es auch.
Und wir sind es auch. Jetzt darf Sie das gar nie mehr entmutigen, gar nie
mehr traurig machen. Kinder sind Kinder, auch wenn sie durchs Ofenrohr
geklettert sind, auch wenn sie pechschwarz rauskommen, bleiben sie Kinder.
Kinder sind Kinder, auch wenn sie bös' sind, dann sind es böse Kinder, aber
sie sind Kinder! Das ist unveräußerlich. Es gibt freche Kinder, es gibt
ungezogene Kinder, aber sie bleiben Kinder. Man muss Kind Gottes sein, das
kann man nicht werden, indem man sich müht, und man kann's nur einmal im
Leben sagen: Er hat mir's geschenkt, ich bin's geworden. Das steht noch
viel öfter in der Bibel. Am Anfang des Johannes-Evangeliums wenn der greise
Apostel zurückblickt auf das, was ihm so wichtig blieb, von dem, was ihm
Jesus sagte. Dann sagt er: Wie viele Jesus aufnahmen, denen gab er Macht,
Gottes Kinder zu heißen. Gottes Söhne und Töchter zu werden. Das, was
eigentlich der Urtraum des Menschen ist, wie kann ich mein Leben
verbessern, und wie kann ich das? Ich krieg's einfach. Und Jesus hat das
den gescheiterten, gebrandmarkten, schlechten Menschen einfach zugesprochen
aus lauter Güte und Gnade. Das ist wunderbar. Und dieses Kindesrecht es
unveräußerlich. Unveräußerlich. Das kann man nicht verhökern, das kann man
nicht verscherbeln. Das gilt uns, und das ist festgemacht in der Gnade
Jesu, in seiner Liebe, als er sein Leben für uns ließ. Da darf ich's im
Glauben fassen. Und Sie dürfen sagen, auch wenn die Anfechtungen Sie
plagen, und Ihnen Ihre ganze Schuld bewusst wird, und sagen, ich bin
eigentlich gar kein Christ; mein ganzes Verhalten spricht dagegen. Ich bin
Gottes Kind, ich gehöre ihm auf Gedeih und Verderb, ich bin sein Eigentum.
Und jetzt sagt Paulus: Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes
Kinder. Daran erkennt man den Geist Gottes, dass er uns immer wieder diese
Wahrheit anleuchtet. Das ist so wie, wenn Sie abends unten am Alten Schloss
stehen, und dann sehen Sie die Scheinwerfern an, nein, die Scheinwerfer
sehen Sie nicht, die sind irgendwo in der Mauer versteckt. Gegenüber, da wo
der Betrachter steht. Sie sehen nur, wie dieses Licht diese Mauern
anstrahlt, dieses Schloss erleuchtet in der Nacht. So sind wir beim
Heiligen Geist, man sieht ihn selber gar nicht, aber man sieht seine
Wirkung. Wie er Jesus groß macht. Das ist ja die Aufgabe, die Jesus
Johannes 14 wird er vom Heiligen Geist genannt, er wird Jesus
verherrlichen, er wird Jesus uns groß machen. Daran sehen Sie das Wirken
des Geistes Gottes, dass er Ihnen immer wieder den Blick frei macht zu
Jesus. Und dann treibt er Sie. Nicht, wie manchmal das im Treibhausklima
ist, mit allerhand ungesunden Pflanzen, die bloß unnütze Triebe treiben.
Wissen Sie, beim Heiligen Geist ist es nicht so, dass er unser Fleisch so
treiben lässt. Natürlich gibt es sehr sündige Regungen unseres Fleisches.
Aber es gibt auch in Frömmigkeit überhitzte Regungen des Fleisches, die
nichts mit dem Geist Gottes zu tun haben, als da ist, Begeisterung und
Fanatismus, und Blindwütigkeit und Eifer. Das Treiben des Geistes Gottes
ist etwas wie beim Treibriemen. Das ist der Motor, dass man nicht
resigniert, dass man nicht müde wird, dass die Liebe nicht erkaltet. Das
ist das Wirken des Geistes Gottes. Dass er uns immer wieder aufrichtet. Der
Geist spricht meinem Geiste manch süßes Trostwort zu. Das ist doch schön,
wie er uns immer wieder treibt und ermutigt und kräftigt, und fröhlich
macht. Also, das war mir wichtig. Zuerst einmal über das unveräußerliche
Kindesrecht zu sprechen.
Kinder haben es eigentlich gut
Nun, das zweite: Kinder haben es eigentlich gut.
Ich sehe das wieder als Opa. Wenn man dann an unseren bergigen Hängen einen
Kinderwagen hochschiebt, da denke ich manchmal schon, wenn der Atem kürzer
wird, jetzt müsstest Du selber im Kinderwagen drin liegen, so ganz bequem,
und da wird so ein kleiner Knülch durch die Landschaft geschoben, und die
haben noch so ein schönes Fenster in ihrem Kinderwagen, die können da
heraus spicken, und dann haben sie noch ein Fläschchen dabei, und dann sind
sie warm zugedeckt, also recht bequem. Ein Kind braucht nicht sorgen. Nun
will jedes Kind einmal erwachsen werden. Das ist ein natürlicher Prozess
bei uns. Aber die Bibel sagt, dass der Kindesstand bei Gott ist, bleibt.
Ich möchte die Kindlichkeit im Glauben, nicht das Kindische, sondern das
Kindliche, nicht verlieren. Und es ist die Reife des Glaubens, dass man
unbekümmert ist, so wie ein Kind sorgenlos ist. Ihr mit euren Runzeln in
der Stirn, vor lauter Ängsten und Sorgen, lernt doch wieder, was es heißt,
als Kind dem Vater zu trauen. Legt doch eure Sachen dem Vater in die Hände.
Das ist doch groß. Ein Kind sorgt sich nicht für den morgigen Tag. Das wird
der Vater richten, das wird die Mutter machen. Ein Kind legt es einfach aus
der Hand. Ein Kind bekümmert sich nicht. Das dampft fröhlich davon. Was ein
Kind einzig braucht, dass ein Kind vor sich hinsummen kann: Meine Mama hat
mich lieb. Mehr braucht es nicht, dann ist ein Kind glücklich. Sehen Sie,
das ist ein Zeichen für die Reife des Glaubens. Lassen Sie doch in Ihrem
Leben Gott sorgen. Lassen Sie ihn Herrn sein. Der große Theologe Dr.
Rieker, der das Werk der Bibelschule Adelsofen ins Leben gerufen hat, der
sagt im hohen Alter: Ich möchte im Glauben die Kindlichkeit richtig lernen.
Das ist gut. Ich möchte die Kindlichkeit recht lernen. Ich möchte wie ein
Kind ganz unbekümmert aus der Nähe und aus der Liebe des Vaters leben. Und
das kann man eigentlich gar nicht, weil man sich immer wieder so vorkommt,
wie, wenn man selber alles managen müsste. Und so geht es uns auch oft in
den Diensten im Reiche Gottes, wir kommen uns vor, wie die, die alle Lasten
tragen müssen. Die Kirche spricht heute sehr viel, was sie alles tun muss.
Dabei hat doch Gott Mühe mit seiner Kirche. Nicht, das ist doch umgedreht.
Die Kirche müht sich, wie sie heute noch das Wort Gottes sagen kann, und
wie man noch Gott vor den Menschen verantworten kann. Ach, Gott hat doch so
viel Mühe, für seine Kinder zu sorgen. Lasst doch ihn machen. Es genügt,
dass wir Gottesfurcht haben, und Liebe zu Gott. Und das ganz hoch und
heilig halten. Manchmal, wenn auch so viel Tagungen gemacht werden, und
Bücher geschrieben werden, was es heißt, heute als Christ am Ende des 20.
Jahrhunderts zu leben... Ich würde sagen: Lebt als Kinder Gottes! Es gibt
in diesem verkehrten und ungläubigen Geschlecht, in dem wir leben, kein
machtvolleres Evangelisationszeugnis, als einfach fröhlich zu leben und
sagen: Er gab mir die Kindschaft, nahm mich auf und an, wie bin ich
fröhlich, das ich's glauben lann. Leben Sie so im Beruf oder Ihren Nachbarn
und Freunden, machen Sie so Ihre Erziehungsarbeit. Das ist mehr, als alle
Bücher, die Sie lesen können. Leben Sie in der Freude Gottes Kind zu sein.
Und sagen sie's Ihren Kindern, was es ist, Vergebung zu empfangen. Wie man
dauernd zum Vater kommen kann, und er mit seiner Güte und Liebe nicht
aufhört. Und jetzt steht hier: Der Heilige Geist hat da sich zu seiner
vornehmsten Aufgabe gemacht, und nicht irgendwelche extremen Erfahrungen
hineinzuführen, sondern uns immer dieses Abba"-Schreien lehren. Der
unterrichtet uns im Beten. Ich bin immer wieder bedrückt, wie wenig die
Gebetsgruppen besucht sind. Und viele werden unter Ihnen sagen: Ich kann
gar nicht beten. Das lehrt uns der Geist Gottes. Das Beten ist nichts
Kompliziertes. Das ist nicht eine tolle Formulierung von Sätzen, sondern,
wie Kinder zu ihrem Vater kommen, und sagen: Gib mir was zum Essen. Und sie
schreien einfach. So sollen wir beten, und das lehrt uns der Geist Gottes.
Wir müssen runter von der hohen Theologie in diese praktische Kindschaft
Gottes wieder hinein. Ein Kind hat es gut. Ein Kind darf einfach so leben;
und lass Dich doch treiben von dieser Vaterliebe Gottes. Ich habe es Ihnen
einmal erzählt, wie ich durch Manila, in diesem Waisenhaus ging, wo wir
durch Ihre Hilfe ja so ausbauen durften. Es gibt ja in Manila sehr viele
elternlose Kinder, die meist der Prostitution anheimfallen. Und wie mich da
ein leitender Mitarbeiter über dieses Gelände führte, da ist immer ein Bub
hinter mir drein gelaufen. Und da sagt er, passen Sie mal auf, den
beobachten wir immer, wenn Besucher kommen. All unsere Jungen, die suchen
einen Vater, und sie denken, irgendwann muss mal einer kommen, der mich
mitnimmt. Es ist eine Sehnsucht, die unbändig bleibt für diese elternlosen
Kinder. Das ist mir zum ersten Mal wieder bewusst geworden, wie wir sicher
durchs ganze Leben so ein Anlehnungsbedürfnis haben. Vielleicht hängt man
sich deshalb manchmal so verzweifelt und fanatisch an ein Idol, oder an ein
Vorbild, oder an eine Ideologie, weil man irgendwo so Unterschlupf suchen
will. Für uns Christen gibt es nur eins: Ein Vaterbild, das wir finden, und
in dem Frieden finden, beim ewigen Vater, in seiner Liebe. Und das, was
Jesus uns da erzählt vom verlorenen Sohn, das ist ja unglaublich. Der hat
alles Geld verludert und verschludert und hinausgeworfen, und ein
Lumpenleben geführt. Ich hätte als Vater gesagt, mein Freund, jetzt, jetzt
musst du dass mal bewähren, das ist unsere Pflicht Zeig mal dass Du Christ,
so ein rechter Kerl geworden bist. Dass du ein ordentlicher Mensch bist,
oder dann da geh, jetzt zeig mal dein Christenleben mit Taten. Gott macht
es ganz anders. Er nimmt ihn bloß in den Arm. Wenn eine Voraussetzung da
war, die Bitte um Vergebung. Das ist das einzige, was Gott will, ohne das
geht's nicht. Da nimmt der in den Arm und sagt: Mein Sohn! Mein Sohn! Und
dann treibt all das andere die Liebe. Dann kommt das andere von allein,
dann ist das wie die Triebe, die aus der Pflanze heraus getrieben werden,
das kommt, lassen Sie mich so anstößig sagen, automatisch aus der Liebe des
Vaters heraus, im Elternhaus, da, wo man die Liebe lebt, kann man doch gar
nicht anders.
Sind Sie sich klar über ihren Stand?
Jetzt noch die dritte Frage an Sie: Sind Sie sich klar über ihrem Stand?
Sind Sie sich klar über ihren Stand? Die meisten Kirchenleute, die heute
noch einen Gottesdienst besuchen, sind ja von einer erschütternden
Ungewissheit in den Fragen ihres Heils. Und wenn man sie fragt. Bist Du Dir
ganz felsenfest sicher, ob du Kind Gottes bist? Dann sagen sie: Das kann
man nie genau wissen. Und sie denken immer an ihre Fehlerlosigkeit. Ach,
lassen Sie doch diesen Unsinn. Niemand von ihnen lebt nur eine halbe Stunde
fehlerlos. Das hat es noch nie gegeben. Noch nie hat ein Christ fehlerlos
gelebt. Was wollen Sie denn? Deshalb stellen Sie sich doch Ihrer Fehler und
Mängel, und sagen: Gut, ich weiß doch, in meinem Leben sind viele
Versäumnisse, das ist doch nicht mehr das Thema, das mich bedrückt.
Sondern, ich freue mich, dass ich ein Kind Gottes ganz gewiss bin. Warum
bin ich denn das? Weil er mich angenommen hat, weil Jesus mich angenommen
hat. Nun weiß und glaub ich's feste, ich rühm's auch ohne Scheu, dass Gott,
der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei. Habe ich das doch nicht
gekonnt, und das habe ich nicht verdient, und das bin ich auch gar nicht
würdig, aber er hat es gemacht. Oder Hiller mit seinem wunderbaren Lied:
Mir ist Erbarmung widerfahren. Nun weiß ich das, und bin erfreut, und rühme
die Barmherzigkeit. Über der empfangenen Vergebung ist mir's klar geworden,
ich gehöre ihm wirklich ganz fest. Darum gebraucht Paulus hier auch noch
einmal ein juristisches Wort, überhaupt interessant, wie er hier mit
juristischen Begriffen spricht: der Geist Gottes gibt Zeugnis. Sie wissen,
was das für eine Rolle spielt beim Gericht. Da kommt der Zeuge, und der
sagt die Wahrheit, und der wird vereidigt, und dann gilt das als die
Wahrheit, aufgrund einer Zeugenaussage kann man, auch wenn der Angeklagte
leugnet, einen verurteilen. Die Zeugenaussage gilt als Faktum. Und das
Zeugnis, dass der Geist Gottes uns gibt, wir sind Gottes Kinder. Und der
weist mir immer das nach am Tod Jesu, das strahlt er an, das erhellt er
mir, das macht er groß. Und da kann ich es glauben und wissen. Das Zeugnis,
wie froh bin ich, dass ich dieses Zeugnis habe. Der Geist selbst gibt
Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Und der Paulus fährt
noch ein Stückchen weiter, und sagt, das wird am schönsten immer wieder in
unserem Leben, wenn es durchs Leiden geht. Da wir ja leiden. Das spielt
auch heute wieder eine Rolle, dass manche Menschen meinen, es gehöre nicht
zum Christenleben, das Leiden. Doch, es gehört dazu. Und selbst, wenn wir
körperlich, und auch mit unseren Umständen nicht leiden, dann tragen wir an
den Lasten der Anderen so kräftig mit, dass wir das seufzen und beschwert
sind. Und in dem Leiden wird uns das immer groß. Wir werden einmal erben
werden als Kinder in der Herrlichkeit. Wir werden mit Jesus hineingenommen
in seine vollendete neue Welt. Ich gehöre mit dazu, das ist fest. Weil ich
ihm gehöre, und sein eigen bin, immer und bleibe sein Kind, Sie müssen es
wissen, Sie müssen es wissen. Und jetzt müssen Sie es einfach klären bei
sich. Bin ich es, oder bin ich es nicht? Das Sie es auch für die dunklen
Stunden Ihres Lebens so haben, dass es der Geist Gottes das Ihnen immer
wieder anstrahlen kann: Wir sind Gottes Kinder! Seht, welch eine Liebe, wir
gehören ihm und wir trösten uns, und sind voll froher Zuversicht. Amen.

