Serie•Teil 35 / 64Apostelgeschichte
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Einordnung der Predigt und der biblische Rahmen
Unser Bibeltext heute Morgen wurde schon angekündigt: Apostelgeschichte. Wir sind am Ende von Kapitel 15 und gehen heute in Kapitel 16 hinein. Apostelgeschichte 15,35 bis 16,5.
Es ist für euch bestimmt nicht leicht, bei dieser Apostelgeschichte-Reihe dabeizubleiben, wenn man nur alle sechs, acht Wochen wieder eine Geschichte weiterkommt. Deswegen ganz kurz der Hinweis: Wo stecken wir eigentlich?
Wir stehen zwischen der ersten und der zweiten Missionsreise. In der Apostelgeschichte gibt es den Startpunkt der Gemeinde in Jerusalem. Da geht alles los, da entsteht Kirche. Und dann kommen Christen etwas später auf den Gedanken: Wir könnten eigentlich auch mal dahin gehen, wo wir noch nicht sind. Also Mission machen. Das sind dann so Leute wie Barnabas oder Paulus, die losziehen.
In der Apostelgeschichte sind uns drei Missionsreisen berichtet, und wir stecken zwischen der ersten und der zweiten. Im Moment hat das Missionsteam um Paulus und Barnabas quasi Heimaturlaub. Nicht ganz Urlaub, das haben wir schon gesehen. Sie haben eine ganze Menge theologischer Streitfragen klären müssen, Stichwort Apostelkonzil, und es gibt natürlich auch sonst noch eine ganze Menge zu tun.
Apostelgeschichte 15,35. Fangen wir damit einfach mal an. Und ich finde es immer schön, dass die Technik mir das hinwirft. Dann kann ich das nämlich gut lesen, ohne Lesebrille. Das ist nämlich sonst gar nicht so leicht mehr.
Paulus aber und Barnabas verweilten in Antiochia, da waren die beiden zu Hause, und lehrten und verkündigten mit noch vielen anderen das Wort des Herrn.
So sieht der Urlaub von Paulus und Barnabas aus. Entweder schlichtet man Streitigkeiten, oder man predigt halt.
Was jetzt danach kommt, was Lukas uns also berichtet – Lukas ist ja der Autor der Apostelgeschichte –, dreht sich um die Ereignisse, die zur zweiten Missionsreise führen, und auch darum, wie Timotheus in das Missionsteam kommt.
Schauen wir uns den nächsten Vers an, Vers 36. Da heißt es:
Nach einigen Tagen aber sprach Paulus zu Barnabas: Lass uns zurückkehren und die Brüder besuchen in jeder Stadt, in der wir das Wort des Herrn verkündigt haben, und sehen, wie es ihnen geht.
Das war das ursprüngliche Missionsziel der zweiten Missionsreise: einfach mal nachschauen, was aus den kleinen Gemeinden geworden ist, die man bei der ersten Missionsreise gegründet hat. Aus diesen kleinen Gemeinden, die da lagen, wo wir heute die Türkei haben. In dieser Gegend der Südtürkei sind bei der ersten Missionsreise kleine Gemeinden entstanden. Und man hatte ja damals nicht so viel Kontakt.
Also, wenn ich heute Kontakt zu meinem Enkel haben möchte, dann geht das über Facetime quasi jeden Tag. Und über so eine kleine Gruppe, wo man Nachrichten einstellt, kriege ich jeden Tag ein neues Bild von ihm, sogar bewegte Bilder. Gestern kam erst mitten in der Hochzeit, wie er dann so mit Gummistiefeln durch die Pfütze pflatschte. Das ist heute so: Wir sind also quasi weltweit vernetzt und kriegen alles mit.
In der damaligen Zeit war das ein bisschen schwieriger. Da hat man die Gemeinde gegründet und ist weitergezogen. Vielleicht hat man noch mal einen Brief geschickt. Es gab aber nicht so etwas wie heute eine offizielle Post. Es gab eine staatliche Post, die war aber nicht für den Privatmann zu benutzen. Und deswegen ist die Frage: Geht es denen eigentlich noch gut, die wir da gegründet haben? Oder sind die Gemeinden alle schon wieder tot? Das ist eine ganz legitime Frage.
Es war ja von Anfang an klar, das hatten auch die Missionare gepredigt, dass es nicht leicht werden würde, als Christ zu leben. Und man hatte Älteste eingesetzt. Man hatte sich darum gekümmert, dass eine vernünftige Leitung da ist. Aber die Frage bleibt: Haben die überlebt? Gibt es die eigentlich noch?
Das war eine schwierige Frage, und Paulus denkt sich: Mann, wir müssen da einfach noch mal hin. Wir müssen einfach mal nachschauen. Die brauchen uns bestimmt noch ein bisschen.
Ein Konflikt, der das Team auseinanderreißt
Dummerweise gestaltet sich das in den nächsten beiden Versen nicht so einfach, denn zuerst löst sich das alte Missionsteam auf.
Hier wollte Barnabas Johannes, mit dem Beinamen Markus, mitnehmen. Paulus aber hielt es für richtig, den nicht mitzunehmen, der in Pamphylien von ihnen gewichen und nicht mit ihnen zu dem Werk gegangen war.
Also, was ist das Problem? Johannes, Johannes Markus, der später der Autor des Markusevangeliums wird, war bei der ersten Missionsreise dabei und dann mittendrin umgekehrt. Für Paulus ist das ein K.-o.-Kriterium. Wer einmal umkehrt und das Team im Stich lässt, der tut das wieder. Der ist raus. Mit dem möchte ich nicht mehr zusammenarbeiten.
Für Barnabas, seinen Missionskollegen, ist die Sache nicht ganz so klar. Vielleicht auch deshalb, weil Johannes Markus sein Cousin ist. Das ist immer ein bisschen schwierig, wenn Verwandtschaft im Team ist. Die macht dann Mist, und man würde sie gerne loswerden. Aber man weiß: Wenn ich das tue, kriege ich Ärger mit meiner Verwandtschaft. Das ist alles nicht immer so ganz einfach.
Ich habe also auf der einen Seite Paulus, für den Treue im Dienst eine zwingende Voraussetzung ist. Du kannst nicht in den Augen von Paulus ein verantwortlicher Mitarbeiter sein, wenn du nicht treu bist, wenn man sich auf dich nicht verlassen kann. Und irgendwie denken wir: Er hat ja auch Recht. Man muss sich auf so ein Team verlassen können.
Auf der anderen Seite spüren wir auch diesen Barnabas-Gedanken. Dieser Mann, da macht einer, ein junger Mann, mal einen Fehler. Muss das gleich heißen, dass er für immer raus ist? Wir wissen ja auch: Barnabas ist von seiner Mentalität her anders. Erinnert euch vielleicht: Barnabas heißt übersetzt „Sohn des Trostes“, also jemand, der so ein Menschentyp ist. Man würde Paulus vielleicht eher als den mehr faktenorientierten, sachorientierten sehen, an dem man Missionsreisen machen und neue Gemeinden gründen kann. Und Barnabas hat noch ein bisschen den Blick auf den Menschen. Also ja, wenn der Mann Fehler macht, komm, ist nicht so schlimm, den nehmen wir noch mal mit, der schafft es beim zweiten Mal.
So, und diese Spannung ist da. Der eine möchte einen Vertrauensvorschuss geben, möchte glauben, dass der, der einen Fehler gemacht hat, den nicht noch einmal macht. Und der andere sagt: Nee, sorry, das geht gar nicht. Du hast gesehen, wie schwer das war. Die haben uns gesteinigt, verfolgt, verjagt und getrieben. Wir müssen uns auf jeden einzelnen verlassen können, der da mit uns im Team ist.
Und jetzt kommen die nächsten Verse 39 bis 41, und jetzt kommt etwas, was sich erst einmal komisch liest. Man hat so zwei Koryphäen, und man denkt sich: Wenn die jetzt miteinander reden und beten, dann kriegen die das schon wieder hin. Nein, die können sich nicht einigen. Hier, Verse 39 bis 41:
Es entstand nun eine Erbitterung zwischen Paulus und Barnabas, sodass sie sich voneinander trennten und Barnabas den Markus mitnahm und nach Zypern segelte. Paulus aber wählte sich Silas und zog aus, von den Brüdern der Gnade Gottes befohlen. Er durchzog aber Syrien und Zilizien und stärkte die Gemeinden.
So, jetzt haben wir so einen Vers in der Bibel. Ja, ich dachte, dass Christen immer Friedenstifter sind. Hätten die an dem Konfliktseminar teilnehmen müssen, das es bald bei euch gibt.
Also, aus einem Missionsteam werden zwei. Wir haben jetzt also Team Barnabas mit Johannes und wir haben Team Paulus mit Silas. Und die Frage ist: War das jetzt schlecht? Habt ihr euch die Frage auch schon mal gestellt? Wenn man liest, was denkt man: War das jetzt schlecht?
Also zuerst einmal: Ich glaube, es ist allzu menschlich. Unser Text beschreibt erst einmal nur, was passiert ist. Und wenn ich „Erbitterung“ lese, dann finde ich das nicht positiv. Ah, der Vers, den du ganz am Anfang vorgelesen hast, eingangs hier im Gottesdienst, da stand ja etwas darüber drin, dass wir nicht bitter werden sollen. Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sollen einfach weggetan sein. Es soll nicht bitter werden. Also: Erbitterung, ich finde das nicht positiv.
Wenn ich aber ein bisschen weiter im Neuen Testament schaue und am Ende vom Kolosserbrief ankomme und dort feststelle, dass Paulus genau den Johannes Markus, den er hier nicht mitnehmen will, genau den Johannes Markus, den er abgelehnt hat, einer anderen Gemeinde empfiehlt und sagt: Kümmert euch um den, dann habe ich den Eindruck, dass diese Erbitterung nicht sonderlich tief ging. Die war schon real, man trennt sich, aber mir scheint das mehr Ausdruck eines Kompromisses als eines tief sitzenden Konflikts zu sein.
Im Sinne von: Hey, es gibt genug zu tun, lieber Barnabas, weißt du was? Nimm du deinen Cousin, fahr nach Zypern, das ist quasi die Route unten herum, und ich schnappe mir den Silas, den habe ich ja gerade neu kennengelernt. Der kam ja gerade zu uns in die Gemeinde, der scheint ein fähiger Typ zu sein, den nehme ich mit, und ich ziehe oben nördlich über den Landweg los. Wir kriegen das hin.
Und jetzt könnt ihr mich steinigen, aber ich mag diesen Pragmatismus, der sich hinter dieser Lösung verbirgt. Vielleicht muss man nämlich festhalten: Da, wo zwei Alphatiere aufeinanderprallen, gibt es nicht zu jedem Problem genau die eine Lösung, die allen Sichtweisen und allen Erwartungen hundert Prozent perfekt gerecht wird. Vielleicht muss man, wenn es um praktische Gemeindearbeit geht, ab und zu einfach einen intelligenten, vernünftigen Kompromiss suchen, bei dem das wirklich Wichtige nicht auf der Strecke bleibt.
Also wichtig ist hier eine Sache: dass diese Gemeinden besucht werden. Das ist das Entscheidende. Wichtig ist nicht, wer mit wem im Schlepptau wohin fährt, das ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass jemand hinfährt.
Und das Verrückte, was ich in Gemeinden öfter erlebe, als mir lieb ist, ist das genaue Gegenteil. Da gibt es ein Problem, dann prallen die Fronten aufeinander, es wird geredet und immer mehr geredet, die Gräben zwischen den Konfliktparteien vertiefen sich mit jedem Gespräch, und am Ende gibt es nicht nur keinen vernünftigen Kompromiss, sondern oft bleibt das eigentlich Wichtige auf der Strecke.
Wenn Streit das Eigentliche verdeckt
Also, für mich besteht die eigentliche Gefahr in einem gemeindlichen Konflikt. Und das gilt wahrscheinlich für jeden Konflikt, in dem wir drinstehen. Das ist in der Arbeitswelt wahrscheinlich nicht anders als in der Familie.
Für mich besteht aber im Blick auf den gemeindlichen Konflikt die eigentliche Gefahr nicht darin, dass man mal bitter wird. Bitter werden ist Sünde, haben wir vorhin gesehen: Epheser 4,31. Und man kann mit einer Sünde wie Bitterkeit genau das tun, was man mit jeder anderen Sünde auch tut. Man wird bitter, man wird sauer. Es ist nicht gut. Dann muss man es bekennen, und dann ist es wieder in Ordnung. Gut ist es.
Aber viel problematischer als einfach mal bitter zu werden ist, dass man so richtig sauer wird und dass man vor lauter Streit in der Gemeinde sieht, wie verschiedene Parteien entstehen. Parteien, die den eigentlichen Konflikt, der da war, lange überdauern. Wie so ein Riss durch die Gemeinde geht, durch so einen Konflikt. Das ist das eigentliche Problem.
Also: in dem Moment mal ein bisschen stinkig zu sein auf den anderen, weil der so gar nicht so tickt, wie ich ticke, das ist menschlich, sündig. Dann kann man Buße tun, das ist okay. Aber wenn quasi der Konflikt rum ist und plötzlich habe ich immer noch im Denken der Zuhörer und derer, die dabei waren, so dieses Denken: „die“ und „wir“, so diese zwei Lager im Kopf, dann ist das in meinen Augen das, was nicht passieren darf. Denn das ist etwas, wenn wir es dazu kommen lassen, dass wir vor lauter Beschäftigung mit uns selber nicht mehr das tun, wozu wir eigentlich berufen sind.
Und es kommt da noch etwas dazu, weil Gott keine Parteiungen mag. Er mag, dass wir als Gemeinde wie ein Organismus funktionieren, dass jeder gerne mit dem anderen zusammenarbeitet, gerne für den anderen betet, gerne sich freut darüber, dass es dem anderen gut geht, gerne dem anderen hilft. Und wenn es so diese Trennung gibt in Gemeinden, diese Parteiung, diese Klickenwirtschaft, dann gilt das nicht mehr für alle. Dann hat man so seine Freunde, mit denen man gerne zusammen ist, und dann gibt es die anderen, die da drüben, die Bösen.
Und diese Spaltung wird Gott nie wollen in einer Gemeinde. Und deswegen: Wenn das einmal anfängt, dann haben wir nicht nur den Konflikt verloren, sondern dann haben wir ganz, ganz arg viel verloren. Und das ist etwas, was hier mit diesem Konflikt nicht passiert.
Also ja, die sind für den Moment, und dann trennen die sich. Ja, okay, du da lang, ich da lang. Und man hat null den Eindruck, dass sich in der Folge irgendwelche Grüppchen bilden. Ja, ich bin Paulus-Fraktion, ich bin die Barnabas-Fraktion. Nein, überhaupt nicht. Die finden einen sauberen, schönen Kompromiss, und dann ist es gut.
Was dieser Streit für das eigene Leben bedeutet
So, was macht der Text mit mir? Mir macht dieser Text Mut, mich selbst und mein eigenes Leben mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Wahrscheinlich kann man tatsächlich nicht immer alles im Leben ausdiskutieren. Wahrscheinlich ist es normal, dass man in einer Gemeinde auch mal aneinandergerät. Ich könnte das Gleiche auch für eine Ehe sagen, aber wir sind jetzt bei der Gemeinde.
Also, es ist irgendwie völlig normal, dass man mal unterschiedlicher Meinung ist und nicht immer den richtigen Ton findet. Es ist vielleicht auch völlig normal, dass man in so eine Sackgasse gerät. Und dann wird es wichtig, darauf zu achten, einen guten Weg zu finden, wie der Dienst getan werden kann, zu dem Gott uns berufen hat.
Also, ich darf schon mal ein bisschen aneinandergeraten. Aber dann muss ich auch aufhören, auf meine Rechte und auf meine Sichtweise zu pochen. Ich muss mich einlassen auf einen vernünftigen Kompromiss und muss sagen: Hey, ich sorge mit meiner Entscheidung dafür, dass das Wichtigste nicht verloren geht. Denn das ist das eigentliche Problem. Und das schaffen die hier.
Ich habe Angst davor, dass in Gemeinden wichtige Themen so lange diskutiert und zerredet werden, bis auch der Letzte vergessen hat, worum es eigentlich geht. Deswegen ein Tipp von hier vorne: Das kann man als Externer schön machen, als Interner dürfte man das wahrscheinlich nie sagen. Aber als Externer darf man sagen: Achtet darauf, dass nur solche Leute an einer Lösung, an der Lösung eines gemeindlichen Problems, mitarbeiten, die ein starkes Gewissen haben.
Kann ich mal Römer 14,1 bitte haben? Ein starkes Gewissen, das ist jemand, der richtig und falsch voneinander unterscheiden kann. Ein schwaches Gewissen macht sich über Dinge ein Gewissen, wo man sich eigentlich kein Gewissen machen muss. Das ist einfach zu eng.
Ja, und in Römer 14,1 heißt es: Den Schwachen im Glauben aber nehmt auf. Also, wenn jemand so ein bisschen eng ist, dann gehört er in die Gemeinde rein, ja, logisch. Aber nicht zur Entscheidung zweifelhafter Fragen.
Das heißt, und entschuldige ich, wenn ich das jetzt ein bisschen pointiert auf den Punkt bringe: Diese ängstlichen Erbsenzähler, die hinter jeder Neuerung in der Gemeinde gleich die Sünde wider den Heiligen Geist wittern, die tatsächlich aufgrund ihres schwachen Gewissens nicht sauber unterscheiden können zwischen wichtig und unwichtig, die in ihrem Denken eng sind, warum auch immer, und das dürfen sie auch so bleiben, die dürfen hier dabei sein. Aber wenn es um schwierige Fragen geht, um echte Entscheidungsprozesse, die die ganze Gemeinde voranbringen, da muss man ihnen ganz freundlich sagen: Sorry, da hast du nichts drin verloren, da gehörst du nicht dazu.
Sei hier dabei, lebe deinen Glauben, fühl dich angenommen, und wir werden uns Mühe geben, dich zu integrieren. Aber wenn es um solche schwierigen Fragen in der Gemeinde geht, da müssen die Leute ran, die ein Gewissen haben, das klar und ausgewogen ist, das stark ist.
Klugheit statt bloßer Prinzipienreiterei
So, nochmal zurück zu meinem Thema Pragmatismus. Das Wort Pragmatismus hat unter Christen, gerade unter denen, die die Bibel ernst nehmen, keinen guten Ruf. Man unterstellt dem Pragmatiker schnell, dass er das Wort Gottes einfach nicht so genau nimmt, dass er schon mal Fünfe gerade sein lässt, einfach nur damit es vorangeht. Wenn man vorne warnt, dann muss man den Kleinkram.
Und ja, ich denke auch, es gibt ein Zu viel an Pragmatismus. Dass man nicht mehr schaut, was die Bibel sagt, dass man auch ethische Grenzen überschreitet und Dinge tut, die wirklich falsch sind. Aber wisst ihr was? Manchmal ist eine pragmatische Lösung einfach klug. Da kann man einfach nichts anderes sagen, es ist einfach nur klug.
Ich möchte euch noch eine zeigen: Apostelgeschichte 16,1. Die Geschichte in der Apostelgeschichte geht weiter, Paulus zieht los, und er kommt jetzt in der Südtürkei in diese Stätte. Er gelangte aber nach Derbe und Lystra; und siehe, dort war ein Jünger mit Namen Timotheus, der Sohn einer jüdischen gläubigen Frau, aber eines griechischen Vaters.
Der heißt Timotheus, nicht Timotheus. Manch einer sagt immer Timotheus, ich kann damit gar nichts anfangen. Er heißt Timotheus. Im Griechischen wird die vorvorletzte Silbe betont: Timotheus.
Also, der trifft auf den. Timotheus, junger Mann, toller Typ, illuster. Nächster Vers, bitte.
Er hatte ein gutes Zeugnis von den Brüdern in Lystra und Ikonium. Also, Timotheus hat das, was Johannes Markus nicht hatte: eine untadelige Reputation. Er war zuhause in seinem ganzen Umkreis dafür bekannt, ein gläubiger Christ zu sein, und Paulus erkennt das Potenzial in diesem jungen Mann. Aber es gibt ein Problem.
Seine Mutter ist gläubig, sein Vater wahrscheinlich nicht. Seine Mutter ist Jüdin, sein Vater Grieche. Und deswegen ist Timotheus natürlich auch nicht am achten Tag nach seiner Geburt beschnitten worden.
So, und jetzt, wenn du das hörst, Beschneidung, denkst du vielleicht: Haha, na gut, bloß gut, dass vor kurzem das Apostelkonzil war. Apostelkonzil, ihr erinnert euch, worum ging es? Es ging um die Frage: Muss jemand, der Christ wird, der sich zu Jesus bekehrt, aber vorher kein Jude war? Denn die meisten Christen der ersten Tage waren halt vorher Juden. Also, jetzt kommen plötzlich echte Heiden zum Glauben. Müssen diese Heiden sich beschneiden lassen?
Ihr wisst, was Beschneidung ist. Da gibt es eine sehr empfindliche Stelle am männlichen Körper, wo man ein kleines Stückchen abschneidet. Da ist die Frage: Müssen das jetzt Heidenchristen tun? Immerhin ist Jesus ja der Messias der Juden. Ha, also vielleicht muss man erst Jude werden, bevor dieser Messias der Juden einen retten kann.
Und dazu gibt es ein großes Konzil, das Apostelkonzil. Klare Antwort: Nein, muss er nicht. Der Glaube an Jesus rettet, auch ganz ohne Beschneidung. Glaube rettet. Glaube kann, was gute Werke nicht können, was Rituale nicht können, was das Abnicken eines Glaubensbekenntnisses nicht kann. Glaube an Jesus rettet. Super klar, oder? Da muss man sagen: Amen, ist so. Schön, dass wir das Apostelkonzil hatten.
Nächster Vers. Nur komisch, dass Paulus jetzt Folgendes macht:
Paulus wollte, dass dieser mit ihm auszöge. Er hätte ihn gern in seinem Team dabei gehabt, und anscheinend hat auch niemand etwas dagegen. Und er nahm ihn und beschnitt ihn, ja hallo, wir haben doch gerade festgestellt, dass wir das nicht brauchen, und beschnitt ihn um der Juden willen, die in jenen Orten waren; denn sie kannten alle seinen Vater, dass er ein Grieche war.
So. Warum beschneidet er den armen Timotheus? Könnt ihr euch das Gespräch vorstellen, wenn Paulus das erste Mal zu Timotheus kommt und sagt: Du, Timotheus, ich nehme dich mit. Ich habe richtig Lust, du bist so ein begabter junger Mann, und ich habe hier so eine große Aufgabe noch vor mir. Ich nehme dich mit. Hast du nicht Lust mitzukommen?
Und Timotheus redet mit der Familie und sagt: Ja, von uns aus kannst du mitgehen. Und dann sagt Paulus: Ich habe da nur im Kleingedruckten so eine kleine Anmerkung. Es gibt nur eine kleine Sache, das wäre wirklich klug, wenn du das machen würdest. Du müsstest dich beschneiden lassen.
Ich weiß nicht, das können jetzt nur Männer nachempfinden, glaube ich. Aber das ist schon so, wo man sagt: Ja, also ohne Lokalanästhetikum, damit wir uns richtig verstehen. Das ist nicht so: Ich habe Schmerzen, gib mir mal irgendwie eine Ibuprofen.
Warum macht er das? Und ihr merkt schon, Thema heute: Es geht um Pragmatismus, es geht um Klugheit. Es geht darum, dass man Entscheidungen trifft, die in die Situation passen und die dafür sorgen, dass ich, wenn es um Reich Gottes geht, wenn es um Mission geht, um Evangelisation, einen Schritt vorankomme.
Und hier ist es: Es ist klug. Haben wir gesehen, dass wenn zwei sich nicht einigen können, dass man einen einfachen Kompromiss findet, der dem Reich Gottes dient. Hier ist auch jemand klug.
Warum lässt Paulus den Timotheus beschneiden? Antwort: Man kannte seinen Vater. Vor allem die ortsansässigen Juden wussten, dass sein Vater ein Grieche war. Wir können mal raten: Wahrscheinlich war die Heirat einer Jüdin mit einem Griechen so bei der jüdischen Verwandtschaft nicht unbedingt auf einhellige Begeisterung gestoßen. Jedenfalls war allen Juden klar: Mit diesem Timotheus, da stimmt was nicht. Und sie hatten Recht. Er war nicht beschnitten. Also aus ihrer Sicht hatten sie völlig Recht: Mit ihm stimmt das nicht. Er war mütterlicherseits Jude, aber eben ohne Beschneidung.
Und das ist jetzt nicht unbedingt eine ideale Ausgangsposition, um mit Paulus in einem Missionsteam zu arbeiten und die Vorurteile gegen das Evangelium unter den Juden zu entkräften. Aber, und das hat Paulus gesehen: Es gibt eine ganz einfache Möglichkeit, um diesen Nachteil in einen Vorteil zu verwandeln. Und diese einfache Möglichkeit besteht darin, dass Timotheus sich beschneiden lässt.
Und jetzt müssen wir eines festhalten: Lukas baut die Apostelgeschichte so auf, dass wir genau wissen, diese Beschneidung hat nichts damit zu tun, dass Timotheus durch sie gerettet wird. Überhaupt nicht. Wie wenig das damit zu tun hat, merkt man, wenn man später dann weiterliest und auf einen Titus trifft. Titus ist nämlich Vollblutgrieche oder Vollblutheide, und keiner kommt auf den Gedanken zu sagen: Titus, lass dich mal beschneiden.
Also auch für die Fortführung der Missionstätigkeit ist es nicht zwingend, beschnitten zu sein. Aber hier, bei diesem Timotheus, der so zwischen den Welten steckt, wo die Juden so ein bisschen runterschauen und sagen: Was bist denn du für einer? Bist nie wirklich richtig ganz einer von uns geworden. Was ja auch stimmt. Bei dem war es einfach nur klug, sich beschneiden zu lassen.
Warum sich nicht äußerlich zu seinen jüdischen Wurzeln bekennen? Und dann, wenn ich den Respekt der jüdischen Gemeinschaft im Rücken habe, in die Synagoge gehen und das Evangelium predigen. Beschneidung tut für Timotheus einmal kurz weh, aber dafür wird er als Gesprächspartner ernst genommen. Damit sind all diese Vorurteile einfach weg.
Das ist der Grund, warum Paulus ihn beschneidet, weil er merkt: Für seinen Dienst unter den Juden ist das ein absolutes Plus, wenn er das macht.
Kann ich bitte 1. Korinther 9,19-20 haben? Da beschreibt Paulus dieses grundsätzliche Prinzip, wie er bereit ist, sein ganzes Leben so umzuformen, dass er möglichst viel Kontakt mit anderen Menschen hat und dass möglichst wenig von seinem Leben Anstoß gibt bei denen, denen er das Evangelium predigen möchte.
Er sagt denn: Obwohl ich allen gegenüber frei bin, also Paulus sagt, ich habe diese Regeln nicht, ich bin frei. Nicht frei zu sündigen, aber ich bin frei. Diese ganzen menschlichen Rituale, die Leute sich ausdenken: Muss ich einen Tannenbaum an Weihnachten in mein Wohnzimmer stellen? Oder muss ich an Ostern, was weiß ich, Eier suchen? Keine Ahnung. Ich bin im Hinblick auf diese ganzen Regeln, die so eine Gesellschaft hat, ich bin frei!
Denn obwohl ich allen gegenüber frei bin, habe ich mich allen zum Sklaven gemacht, damit ich so viele wie möglich gewinne. Paulus sagt: Wenn ich dir das Evangelium erklären kann, nachdem wir zusammen Schokoladeneier gesucht haben, dann mache ich das. Ich habe da kein Problem mit. Wenn dir die Schokoladeneier so wichtig sind und du mir da: Go for it! Und wenn ich dir den Eindruck vermittele, dass ich kein Zeuge Jehovas bin, wenn ich mir so einen grünen Baum reinstelle, ja, ey, komm, mach ich’s! Ich brauche den Baum nicht, und er bedeutet mir nichts, aber hey, wenn es dir hilft, das Evangelium zu hören, take it, du kriegst das von mir.
Das ist die Freiheit, in der wir leben. Die Freiheit, uns anzupassen und es Menschen leicht zu machen. Und für Paulus heißt das: Ich habe mich allen zum Sklaven gemacht, damit ich so viele wie möglich gewinne. Und ich bin den Juden wie ein Jude geworden. Ja, natürlich hat er am Sabbat dann, wenn er in der jüdischen Gemeinde war, nicht gearbeitet. Und natürlich hat er die jüdischen Freunde nicht eingeladen zu einem Barbecue mit Schweinenackensteak. Ist doch logisch.
Ja, er wird den Juden wie ein Jude, damit ich die Juden gewinne, denen, die untergesetzt sind unter dem mosaischen Gesetz, unter dem Alten Testament, wie einer untergesetzt, obwohl ich selbst nicht untergesetzt bin, damit ich die, welche untergesetzt sind, gewinne.
Also, er verzichtet bewusst auf seine Freiheiten, um als Brückenbauer für das Evangelium ernst genommen zu werden. Das ist das, wo er sagt: Da habe ich meine Freiheit. Das ist meine große Stärke. Es geht mir nicht mehr um mich.
Und deswegen die beiden Beispiele, die ich euch heute Morgen gezeigt habe: Mir geht es um einen gesunden Pragmatismus, um die Fähigkeit zu erkennen, was wirklich wichtig ist, und dann auch um den Willen, das Wichtige zu leben.
Kennt ihr Brummkreisel? Kennt ihr diese Dinger? Also, ich kann mich wie so ein Brummkreisel immer um mich selber drehen. Es ist ganz simpel: Ich, meiner, mir, mich. Ich kann immer darauf achten, dass mir bloß keiner irgendwelche Vorschriften macht. Man kann so leben, viele Menschen leben so. Aber wenn du Christ bist, dann lebst du nicht mehr so. Denn als Christ, da sind wir Leute mit einer Mission.
Kann ich haben, bitte 2. Korinther 5,20. Wir sind Leute, die eine Botschaft an diese Welt zu sagen haben. Wir leben nicht mehr für uns und dafür, dass alle Leute es genau so machen, wie wir das wollen. Das ist einfach unwichtig.
Hier: So sind wir nun Gesandte oder Botschafter an Christi statt, indem Gott gleichsam durch uns ermahnt. Wir bitten für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott.
Das ist unsere Botschaft. Lasst euch versöhnen mit Gott. Deswegen sind wir in dieser Welt. Das ist der Auftrag, den wir haben: hinauszugehen und Menschen zu sagen, lasst euch versöhnen mit Gott.
Und weil wir diese Botschaft haben, deswegen wollen wir auch gehört werden. Deshalb lassen wir uns nicht ausbremsen, wenn wir untereinander mal uneinig sind. Und deswegen passen wir unseren Lebensstil auch den Menschen an, die wir erreichen wollen. Nein, wir werden bei dieser ganzen Anpasserei nicht sündigen, wir werden unsere moralischen Grenzen nicht überschreiten. Aber es geht eben in diesem Leben um mehr als unsere Sicht der Dinge, es geht um mehr als unsere Bequemlichkeit, es geht um mehr als unsere Vorlieben. Es geht um Menschen. Menschen, die wirklich verloren gehen. Menschen, die wirklich verloren gehen. Menschen, die wirklich verloren gehen. Menschen, denen Gott die Hand hinstreckt und dich einlädt und sagt: Lasst euch versöhnen mit mir!
Und Gott möchte dich ganz persönlich für diesen Dienst gebrauchen. Menschen müssen hören, was Jesus für sie getan hat, dass es bei ihm Erlösung gibt, Vergebung, einen Neuanfang, dass Jesus in ihrem Leben Wunder tun kann. Das müssen Menschen hören.
Und wisst ihr, für diese Botschaft, dass diese Botschaft an den Mann gebracht werden kann, dafür lohnt sich ein bisschen Unbequemlichkeit, ein paar Nachteile. Das lohnt sich, dafür in Kauf zu nehmen.
Zwei Fragen zum Schluss
Deswegen möchte ich euch gerne am Ende der Predigt mit zwei konkreten Fragen entlassen, zum Weiterdenken.
Frage 1: Wo stecke ich im Moment in einem ungelösten Konflikt, der mich lähmt, mit Freude und Leidenschaft in der Gemeinde mitzuarbeiten?
Das ist die erste Frage. Wo stecke ich im Moment in einem ungelösten Konflikt? Da ist man miteinander aneinandergeraten, und man hat eben keine saubere, pragmatische Lösung gefunden, sondern man ist steckengeblieben.
Und wenn ihr das weiterdenken wollt in den Hauskreisen, stellt dieselbe Frage einmal: Wo ist mir das im Arbeitsleben passiert? Wo ist das gerade in meiner Ehe so? In der Beziehung zu meinen Kindern? Es ist immer das gleiche Thema. Ich fange an, und dann hänge ich vielleicht fest. Aber ich will es jetzt einmal nur auf das Gemeindeleben reduzieren.
Also: Wo stecke ich in einem ungelösten Konflikt, der mich lähmt, mit Freude und Leidenschaft in der Gemeinde mitzuarbeiten?
Und denkt dabei an Paulus und Barnabas, wie sie einen Kompromiss finden, der uns banal erscheint, der aber unterm Strich dazu führt, dass man a) sich nicht völlig in aller Ewigkeit verkracht und b) das Wichtige nicht auf der Strecke bleibt.
Zweite Frage: Gibt es in meinem Leben etwas, das ich tun könnte, damit meine Schulfreunde, meine Arbeitskollegen, meine Nachbarn mich als Gesprächspartner ernster nehmen würden?
Also gibt es irgendetwas, was ich ändern könnte, um vielleicht noch eine Brücke mehr zu den Menschen zu bauen, die ich doch eigentlich mit dem Evangelium erreichen möchte?
Wo bin ich so ein Stückchen übertrieben extra fremd in meinem Christsein und lasse da eine Spannung zu, die eigentlich nicht nötig ist? Wo fällt es mir vielleicht schwer? Und ich will das gar nicht allen alles werden, um auf alle Weise einige zu erretten, wie es 1. Korinther 9,22 heißt.
Das sind die zwei Fragen. Also das eine: Wo stecke ich in dem ungelösten Konflikt? Und das zweite: Wo gibt es noch Dinge in meinem Leben, wo ich sofort sagen könnte: Wenn ich das ändern würde, dann würde es mir viel leichter fallen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Dann wäre so mancher Grund der Trennung eigentlich nicht mehr da.
Amen.
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