Serie•Teil 34 / 64Apostelgeschichte
Generierte Mitschrift
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Einordnung in die bisherige Reise
Wo sind wir? Wer mich kennt, weil er schon öfter hier war, der weiß: Wir sind auf einer Reise durch die Apostelgeschichte. Und wir sind da an einer ganz kritischen Stelle angelangt, dem sogenannten Apostelkonzil.
Im Zentrum dieses Apostelkonzils, dieses Treffens von Verantwortlichen, steht die Frage: Müssen Christen, die vor ihrer Bekehrung Heiden waren, also Nichtjuden, erst Juden werden? Und steht da vor allem das Thema Beschneidung im Vordergrund, bevor sie errettet werden können?
Die Antwort auf diesem Apostelkonzil haben wir uns zwei Predigten lang angeschaut: ganz klar nein, das müssen sie nicht. Heiden können sich zu Jesus Christus bekehren. Sie können das genauso machen wie Juden. Oder, um die Worte von Jesus einfach mal zu verwenden, weil ich die an der Stelle so schön griffig finde: Heiden können einfach aus dem Reich der Finsternis, wo sie hineingeboren wurden, ins Reich des Lichts gehen, dahin, wo ewiges Leben ist, aus der Verlorenheit in die Sicherheit und die Hoffnung des ewigen Lebens, wie alle anderen auch.
Indem sie was tun müssen? Machen wir mal kurz ein Quiz: Was muss ich tun, um gerettet zu werden? Erstens: Glauben, richtig. Also das wäre das Jesus-Annehmen, ich muss glauben. Zweitens: einfach mal ganz simpel, eins des Glaubens. Also, was muss ich tun, um gerettet zu werden? Drei Dinge: Ich muss glauben an Jesus, nicht an meinen Patchwork-Jesus. Ich muss Buße tun. Was ist Buße tun? Das heißt, ich habe mein altes Leben gelebt, und ich drehe mich um und sage: Tschüss, altes Leben, ich bin jetzt mit jemand anderem unterwegs. Und dann gibt es ein äußeres Zeichen, und deswegen noch einmal die Einladung, die vorhin kam: Taufe.
Also, biblisch gesehen wird der gerettet, der sagt: Ich glaube an Jesus, ich habe mein altes Leben hinter mir gelassen, ich will das nicht mehr, ich habe gemerkt, was das für ein Murks ist, und ich habe das öffentlich bekannt. Ich habe allen gezeigt, wohin ich gehöre. Ich habe mich in dieses Wasser stecken lassen. Ich bin mit Christus gestorben und auferstanden, und ich lebe jetzt neu.
Das ist das, wie man gerettet wird. Und das gilt eben für Juden, und das gilt für Heiden in gleicher Weise. Ein Mensch kann für sich die Entscheidung treffen, dass da, wo vorher die Sünde geherrscht hat, jetzt Gnade herrscht. Er kann mit Haut und Haar für Jesus leben, und da muss er nicht vorher erst noch zum Judentum konvertieren, auch wenn Jesus Jude war, auch wenn der Messias ein jüdischer Messias ist. Das gilt für alle Menschen.
Das hat das Apostelkonzil festgestellt.
So, das Apostelkonzil hat noch ein bisschen mehr gesagt. Es hat den Heidenchristen, so nenne ich mal die, die eben vor ihrer Bekehrung Heiden waren und nicht Juden, gebeten, auf bestimmte Dinge zu verzichten, das meiste hat mit Essen zu tun, damit Evangelisation unter Juden nicht unmöglich wurde. Das haben wir alles schon fix in unserem Herzen drin, hoffe ich. Das waren die letzten beiden Predigten.
Und jetzt kommt der Text Apostelgeschichte 15, die Verse 22 bis 33 oder 34, je nach Zählung. Der beschreibt, wie man das Ergebnis vom Apostelkonzil, das ja in Jerusalem stattfand, ungefähr 700 Kilometer weiter nördlich in Antiochia, kommuniziert hat. In Jerusalem fand dieses Meeting statt, und es gab keine Liveschaltung, so wie wir es heute haben. Wir sind quasi per Kamera immer dabei, sondern das fand da statt, und jetzt musste man das irgendwie dahin bringen, wo das Problem so problematisch wurde, nämlich in Antiochia.
Ich habe mir diesen Text durchgelesen, als ich ihn das erste Mal vor ein paar Wochen las und wusste: Darüber musste ich predigen. Da dachte ich mir: Toll, das war ein... Also, das hat man manchmal als Prediger, dass man einen Text liest und sich die Frage stellt: Was machst du damit? Damit ihr meine Problematik besser versteht, lese ich euch den ganzen Text mal vor, und ihr könnt ja beim Mitlesen einfach überlegen: Worüber könnte man jetzt bei diesem Text predigen?
Also, der Text geht etwa so, oder nicht nur etwa, er geht genau so, ab Vers 22:
Dann schien es den Aposteln und den Ältesten samt der ganzen Gemeinde gut, Männer aus ihrer Mitte zu erwählen und sie mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden: Judas mit dem Beinamen Barsabas und Silas, führende Männer unter den Brüdern.
Und sie schrieben und sandten durch ihre Hand, also zusätzlich zu den beiden gibt es noch einen Brief. Und jetzt kommt der Text von dem Brief:
Die Apostel und die Ältesten, eure Brüder, an die Brüder aus den Nationen in Antiochia und in Syrien und Zilizien: ihren Gruß.
Weil wir gehört haben, dass einige, die aus unserer Mitte hervorgegangen sind, euch mit Worten beunruhigt und eure Seelen verstört haben, denen wir keine Befehle gegeben haben, schien es uns, nachdem wir einstimmig geworden waren, gut, Männer auszuwählen und sie zu euch zu senden mit unseren geliebten Brüdern Barnabas und Paulus.
Barnabas und Paulus waren nach Jerusalem gezogen, kommen jetzt wieder mit Barnabas und Silas zurück. Barnabas heißt er, oder ich nenne mal Judas, das ist leichter.
So, dann beschreiben sie noch Barnabas und Paulus als Leute, die ihr Leben hingegeben haben für den Namen unseres Herrn Jesus. Und wir haben nun Judas und Silas gesandt, die euch auch selbst mündlich dasselbe verkünden werden. Denn es hat dem Heiligen Geist und uns gut geschienen, keine größere Last auf euch zu legen als diese notwendigen Stücke.
Jetzt kommt das Ergebnis vom Apostelkonzil: Erstens, euch zu enthalten von Götzenopfern und von Blut und von Ersticktem und von Unzucht. Wenn ihr euch davor bewahrt, so werdet ihr wohltun. Lebt wohl!
Nachdem sie nun entlassen, im Sinne von losgeschickt, waren, kamen sie nach Antiochia hinab, und sie versammelten die Menge und übergaben den Brief. Das würde man ja auch irgendwie erwarten.
Als sie ihn aber gelesen hatten, freuten sie sich über den Trost. Logisch, vor allem die Männer, die sich jetzt nicht beschneiden lassen mussten, haben sich riesig darüber gefreut, dass das alles an ihnen so, dieses Ding an ihnen, vorbeizieht. Und Judas und Silas, die auch selbst Propheten waren, ermunterten die Brüder mit vielen Worten und stärkten sie. Nachdem sie aber eine Zeit lang sich aufgehalten hatten, wurden sie mit Frieden von den Brüdern entlassen zu denen, die sie gesandt hatten.
So, das war der Text.
Ich weiß nicht, ob ihr mein Zögern versteht, ja, aber es ist zuerst mal zwölf Verse Wiederholung von dem, was wir schon wissen. Aha, die Verantwortlichen in Jerusalem schreiben einen Brief, toll. Frage: Warum lässt Lukas das nicht einfach weg? Oder wenn man schon darüber schreiben muss: Warum macht man das nicht kürzer?
Also, ich fasse euch die zwölf Verse mal in einem Vers zusammen, und das hätte völlig gereicht. Ich hätte das so geschrieben: Und dann sandten die Apostel und Ältesten aus Jerusalem Judas und Silas mit einem Brief an die Geschwister in Antiochia. Dort angekommen, ermunterten sie die Seelen der Gläubigen. Das fehlt doch nichts, oder? Also so geht es mir jedenfalls.
Warum sage ich das so? Mir ist es ganz wichtig, dass wenn ihr die Bibel lest und ihr kommt an solche Stellen, wo ihr sagt: Hä? Du liest etwas, du hast es verstanden, und jetzt kommt nochmal so eine ganze halbe Seite, wo nichts drinsteht, und du denkst dir: Hä, was soll das jetzt, warum steht das in der Bibel? Es sind diese Hä-Momente, die wirklich wertvoll sind. Sie sind wertvoll deshalb, weil wir uns an dieser Stelle Fragen stellen können, auf die wir vielleicht sonst gar nicht gekommen wären.
Hier ist eine Frage: Warum beschreibt Lukas ausführlich, wie das Ergebnis des Apostelkonzils kommuniziert wird? Warum macht er das überhaupt? Und diese Frage ist toll, weil wenn du anfängst, darüber nachzudenken, dann kommst du auf Prinzipien. Ich werde so ein paar Sachen gleich sagen, wo du denkst: Das ist schon echt klug, und da kann man das eine oder andere in die heutige Zeit problemlos übertragen.
Also, warum nimmt sich Lukas eine halbe Seite in meiner Bibel Zeit, das noch mal zu beschreiben? Ein Grund könnte sein, dass er Silas einführen wollte. Der wird bald Missionskollege von Paulus. Und Lukas hat das an anderer Stelle schon mit Barnabas gemacht. Den hat er auch ausführlich vorgestellt, lange bevor der mit Paulus zur ersten Missionsreise aufgebrochen ist. Hier wird uns in dem Text Silas vorgestellt als ein Gemeindeleiter aus Jerusalem, der bereit ist, die weite Reise nach Antiochia auf sich zu nehmen, um dort zu dienen, um den Geschwistern dort mit seiner Erfahrung, mit seiner Geistesgabe, er ist Prophet, wird gesagt, zu dienen.
Das ist ein Grund, warum man das machen kann. Vielleicht hat der gute Lukas das gemacht. Er sagt: Ich will den Silas einfach mal vorstellen. Das ist wahr. Aber ich glaube, es ist zweitrangig.
Wenn wir den Text genau lesen, und das muss man jetzt machen, wenn man so ein Hä, warum, dann muss man den Text noch zwei-, dreimal durchlesen und muss sich die Frage stellen: Wo bitteschön ist im Text der Schwerpunkt? Also wo gibt es im Text Dinge, die auffällig oft betont werden? So findet man einen Schwerpunkt.
Ich zeige euch mal drei Verse: Die Verse 22, 25 und 27 sind auffällig, weil sie nämlich ein Thema wiederholen, wo man sagt: Ja danke, das braucht man doch nur einmal. Hier, da heißt es: Dann schien es den Aposteln und den Ältesten samt der ganzen Gemeinde gut, Männer aus ihrer Mitte zu erwählen. Irgendwie denken die sich: Wie könnten wir das machen? Und sie kommen zu dem Schluss zu sagen: Ey, wir müssen da noch jemanden mitschicken.
Okay, dann kommt das Thema noch mal in Vers 25, da wird das extra noch mal in den Brief reingeschrieben. Also bitteschön. Jetzt kann man sagen: Ja logisch, das wussten die ja nicht, die den Brief empfangen haben, richtig. Aber wir, die wir lesen, wissen das doch. Das müssen wir doch nicht noch mal hören. Noch mal das Zitat: Schien es uns gut, nachdem wir einstimmig geworden, Männer auszuwählen und sie zu euch zu senden.
Und dann in Vers 27 wird dieses Thema nochmals betont: Wir haben nun Judas und Silas gesandt, die euch selbst mündlich dasselbe verkünden werden.
Ich lese mir den Text durch und ich stelle fest: Hier ist irgendwie ein ganz merkwürdiger Schwerpunkt. Ein Schwerpunkt auf dem Thema, dass es nicht reicht, einfach nur einen Brief zu schreiben, sondern dass da noch Leute mitgeschickt werden sollen. Dass die Ältesten und die Apostel ganz explizit sagen: Wir brauchen zu dem geschriebenen Wort des Briefes noch Leute, die das erklären, die das noch einmal unterstreichen. Und Judas und Silas kommen mit, jetzt könnte man sagen, obwohl da schon Barnabas und Paulus sind, aber Judas und Silas kommen mit, um dasselbe zu sagen wie der Brief.
Findet ihr das nicht auch ein bisschen komisch? Also, jemand schreibt dir einen Brief und schickt jemanden mit, der dasselbe sagt, was der Brief schreibt? Fällt das keinem auf? Ich finde das sehr merkwürdig. Was soll das?
Okay, jetzt kann man sagen: Wenn ich so einen Brief schreibe, vielleicht ist es gut, damit man auch später noch mal lesen kann, was da geschrieben wurde. Wenn man jemanden mitschickt, ist er ja irgendwann wieder weg. Dann bleibt der Brief übrig. Aber irgendwie ist das nicht die ganze Antwort.
Wenn ich mir diese Frage stelle: Warum reicht es nicht, einen Brief zu schreiben und ihn mit Paulus und Barnabas, die ja wirklich auch keine Leichtgewichte sind, nach Antiochia herzuschicken? Vielleicht ist es dieses, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt, dass man sagt: Es reicht nicht, wenn Barnabas und Paulus da sind. Jesus hat das auch erlebt. Braucht es wirklich Judas und Silas, noch mal zwei Leute, die da extra hinreisen? Und Achtung: 700 Kilometer, das ist nichts, wo ich eben mal zwei Stunden hinfahre, sondern da bin ich irgendwie wochenlang unterwegs hin und wieder zurück und bleibe vor Ort.
Ich habe mir überlegt, es gibt vielleicht drei Gründe, warum an dieser Stelle die Apostel und die Ältesten in Jerusalem gesagt haben: Wir müssen zu dem Brief noch Leute mitschicken, die das Gleiche, was der Brief sagt, noch mal sagen.
Erstens: Zum einen, um zu beweisen, dass der Brief echt ist. Das hört sich erst mal komisch an, aber es ist wichtig, dass die Empfänger verstehen: Paulus und Barnabas haben sich das Ergebnis des Apostelkonzils nicht ausgedacht. Das Apostelkonzil ist genau so ausgegangen, wie die beiden sich das gewünscht haben.
Und jetzt ist es wichtig: Wisst ihr, was Fake News sind? Der Begriff ist ja, glaube ich, modern, Fake News. Es sind Nachrichten, die man liest, die aber einfach nicht stimmen. Und jetzt ist die Frage: Woher weiß ich, dass, wenn Paulus und Barnabas kommen und so einen Brief mitbringen, dass sie den nicht selber geschrieben haben? Fake News.
Und eine Möglichkeit ist, dass Silas und Judas mitkommen und sagen: Nein, genau das ist echt. Und ich möchte an dieser Stelle euch einen Rat geben: Wenn es um religiöse Themen geht, rate ich euch, immer die Quellen zu prüfen. Es ist unglaublich viel christlicher Fake News unterwegs. Es ist unglaublich viel. Gerade bei Macht euch den Spaß, wenn ihr irgendwas bei YouTube oder so lest, ja, macht euch den Spaß, kurz zu recherchieren, ob das wahr ist. Und ich garantiere euch: In der Hälfte aller Fälle ist das, was ihr gelesen habt, Fake News. Es ist einfach unendlich viel christliche Lüge auf dem Markt.
Und ich möchte euch Mut machen, wirklich die Quellen zu prüfen, genau wie hier. Judas und Silas gehen mit, damit die Quellen bekannt sind. Echte Wahrheit hat keine Angst vor kritischen Rückfragen. Ihr müsst nie Angst haben, wenn ihr irgendwas in der Bibel lest, wenn ihr irgendwas nachforscht, was wirklich Wahrheit ist. Wahrheit wird sich immer als echt herausstellen.
Und deswegen traut euch, wenn ihr irgendeinen Artikel lest, der euch so ein ganz kleines bisschen komisch vorkommt, oder vielleicht einer, den ihr total toll findet und sagt: Boah, super, darauf würde ich jetzt gerne meine Theologie aufbauen, traut euch bitte, davon auszugehen, dass vieles von dem, was ihr lest, Fake News sind. Prüft das bitte, dass ihr nicht euer Leben einer Theologie anvertraut, die nicht wahr ist. Es ist wirklich ganz, ganz arg viel Blödsinn unterwegs. Und um das zu vermeiden, kommen hier zwei Leute mit. Die garantieren: Der Brief ist echt, und ihr könnt nachfragen, ihr könnt noch mehr Fragen stellen.
Zweiter Punkt: Ich glaube, dass die beiden mitkommen, um denen entgegenzutreten, die sich in Antiochia bereits der Irrlehre aus Jerusalem angeschlossen hatten. Und für die Leute, die in Antiochia auf die Irrlehrereien hereingefallen waren, die ein Stück weit auch in ihrem Herzen überzeugt waren, dass es doch so sein muss, dass man erst zum Judentum konvertiert, bevor ein jüdischer Messias einen retten kann, für diese Leute war es total wichtig, Gemeindeleiter aus Jerusalem zu erleben, die ihnen versicherten, dass auch in Jerusalem, in dieser geistlichen Zentrale der Christenheit, dort, wo die Irrlehre anfing, dort, wo die Apostel zu Hause sind, dass auch dort genau das geglaubt wird, was in dem Brief steht, nämlich dass Heiden alleine durch den Glauben gerettet werden und nicht eben vorher beschnitten werden müssen. Das ist ein zweiter Grund.
Aber ich habe einen dritten Punkt, und dieser dritte Punkt wird mein Hauptpunkt. Und wenn ihr einen mitnehmt, nehmt den bitte mit, obwohl ich den mit den Fake News auch lustig finde. Aber der eigentliche Punkt ist der: Ich schreibe einen Brief und ich schicke Leute mit, die das noch einmal sagen können, was in dem Brief steht.
Ich glaube, dass dieser Text uns deutlich macht, dass das geschriebene Wort dem gesprochenen Wort unterlegen ist. Das geschriebene Wort ist dem gesprochenen Wort unterlegen. Es hat einen Vorteil, wenn ich etwas aufschreibe. Der Vorteil ist: Ich kann es immer wieder lesen, und ich kann es viel besser weitergeben. Deswegen ist die Bibel ein Buch. Aber das geschriebene Wort hat einen unerhörten Nachteil: Es kann nicht antworten, wenn man etwas nicht versteht, wenn man nicht genau weiß, was damit gemeint ist. Dann lese ich den Text, und da kommt nichts mehr zurück.
Wisst ihr, was die ideale Form der Kommunikation ist? Die ideale Form ist, dass da einer ist, der mir erstens etwas sagt, zweitens vorlebt, was er da gesagt hat, und drittens, wenn er es immer noch nicht verstanden hat, bereit ist, mir meine Fragen noch mal zu beantworten. Das ist ideale Kommunikation. Und das ist genau das, was das geschriebene Wort nicht kann.
Und jetzt müssen wir eines verstehen: Kommunikation, miteinander reden, ist nicht simpel. Und auch wenn es uns nicht passt, wahrscheinlich müssen wir lernen durch diesen Text, dass die beste Kommunikation immer die ist, die wir durch ein persönliches Gespräch erreichen.
Das Ergebnis vom Apostelkonzil ist einerseits total einfach. Ich kann das Ergebnis des Apostelkonzils mit zwei Versen zusammenfassen, die haben das in dem Brief hier gemacht. Ja, ich hätte auf der anderen Seite, weil das Ergebnis so komplex ist, darüber auch problemlos ein Buch schreiben können. Es gibt, wenn man so ein Apostelkonzil betrachtet, und das gilt für viele Fragen der Kommunikation, es gibt auf der einen Seite einen Kern der Botschaft. In dem Fall heißt er: Heiden müssen nicht beschnitten werden, sollen sich aber von vier Sachen fernhalten, damit die christliche Gemeinde sich in den Augen der Juden vor Ort als Gesprächspartner nicht völlig disqualifiziert. So, das ist der Kern. Kann ich mit einem Satz sagen. Und vielleicht noch einen zweiten, damit es ein bisschen höflicher und frommer klingt. So, das war es. Das ist der Kern.
Aber außen herum, um diesen Kern herum, wenn ich das mal durchdenke, wenn ich anfange, was das für mich bedeutet, wenn ich darüber nachdenke, wie man das in Gemeinden lebt, wie das im Blick auf die einzelne Person, die ich da vor Augen habe, mit ihrer persönlichen Geschichte, was das bedeutet, drumherum gibt es ganz viele Fragen, die man einfach nicht mit einem Brief alle beantworten kann. Und dazu braucht es Menschen.
In diesem Fall Menschen mit Hintergrundwissen. Und dieses Hintergrundwissen, wie gehe ich damit um mit diesem Thema in der Praxis? Dieses Hintergrundwissen konnten Judas und Silas zur Verfügung stellen. Sie konnten aus erster Hand die Fragen beantworten, und sie standen definitiv im Gegensatz zu Paulus und Barnabas absolut nicht in der Gefahr, als irgendwie parteiisch wahrgenommen zu werden.
So, jetzt, vielleicht fragst du dich, warum ist dieser Punkt mit der Kommunikation so wichtig? Für mich wichtig genug für eine Predigt. Also zum einen, weil der Text diesen Schwerpunkt darauf legt, weil der Text sagt, es ist wichtig, diese Botschaft nicht allein nur als Text, sondern als Text plus Mensch weiterzugeben. Aber als ich das so für mich durchdachte, da fiel mir auf: Wir leben in einer Zeit, in der viel kommuniziert wird. Immer schneller wird in meinen Augen mit immer weniger Worten etwas gesagt. Manchmal braucht man überhaupt keine Worte mehr.
Vor kurzem bekam ich eine E-Mail, die enthielt drei Buchstaben: großes F, großes Y, großes I. So, für alle, die wissen wollen, was das bedeutet: For your Information, zu deiner Information. In dem Fall war das völlig okay, weil mir jemand nur eine andere E-Mail weiterleiten wollte und dann halt einfach das da reingeschrieben hat: Jürgen, das ist für dich. Ja, das kann man schon mal machen. In dem Fall ist das völlig okay.
Ich habe trotzdem den Eindruck, dass wir, wenn es um gute Kommunikation geht, immer ärmer werden. Man schreibt schnell mal eine SMS oder eine E-Mail, und die kann man dann cc auch gleich an fünf andere Leute noch mit verschicken. Ich weiß nicht, ob ihr gerne euer E-Mail-Postfach aufmacht oder ob ihr nicht manchmal denkt: Boah ey, ehrlich ja, also ist da nicht manchmal viel Stoff drin, wo du sagst, musste ich das jetzt wirklich lesen, war das jetzt wirklich für mich bestimmt, war das jetzt wirklich so hilfreich?
Nochmal: Ich will nicht sagen, dass man keine SMS schreiben darf, E-Mails schreiben darf, auch nicht mit Kürzern arbeiten darf. Macht das alles. Aber was ich sagen möchte ist, und da gibt mir dieser Text einfach ein gutes, gutes Sprungbrett, dass mir in den letzten Jahren als Ältester einer Gemeinde etwas aufgefallen ist: Viele Missverständnisse und mancher Streit hätten in unserer Gemeinde vermieden werden können, wenn man vielleicht, sollte ich sagen, wenn ich nicht geschrieben, sondern gesprochen hätte.
Oder um es noch ein bisschen brutaler zu sagen: Ich glaube, dass wir uns manchmal zu schnell hinter einem geschriebenen Wort verstecken. Es ist nämlich leichter, jemandem etwas zu schreiben, als das Gleiche ihm ins Gesicht zu sagen. Zumindest mir geht es so. Und ich werde mich viel mehr, wenn der vor mir sitzt, bemühen, den richtigen Ton zu treffen, als wenn ich es einfach nur schnell herunterschreibe. Und noch schlimmer, wenn dann so-cc-Geschichten passieren, wo jemand anders was geschrieben hat und man das einfach fröhlich weiterleitet.
Wir sind beim Thema Kommunikation. Ich sage: Wir leben in einer Gesellschaft, wo das Problem darin besteht, dass man sehr schnell, sehr kurz schreibt, glaubt, wertvoll zu kommunizieren, aber unterm Strich die Botschaft hier von dem Text, dass Kommunikation etwas Schwieriges ist und dass man nicht gerade auch komplexe Themen simpel zusammenfassen sollte, dass wir leicht aus dem Blick verlieren.
Das Problem beim Schreiben ist, dass der Empfänger den Ton nicht hört, nicht nachfragen kann, nicht mitbekommt, wie sehr ich ihn schätze, wie sehr mir seine geistliche Entwicklung am Herzen liegt. Wisst ihr, wie leicht es ist, eine E-Mail oder einen Brief falsch zu verstehen? Ist euch das schon mal passiert? Du kriegst eine E-Mail, du kriegst da was, und du liest es, und du denkst: Boah, irgendwas, denk was du willst. Und dann unterhältst du dich mit jemandem, und die Spanne zwischen dem, was du empfunden hast, und dem, was der andere gemeint hat, könnte nicht größer sein. Ist dir das schon mal aufgefallen, dass du den Eindruck hast, da grätscht dir einer so per Blutgrätsche ins Leben rein, und du bist völlig ausgenockt von dem, was der schreibt, und dann fragst du ihn: Was hast du gemeint? Ja, ich wollte dich eigentlich ein bisschen ermutigen, du bist doch ein cooler Typ. Und du denkst: Das passt doch nicht zusammen. Stimmt, aber es passiert.
Also, man kann nicht, also ich glaube, man kann nicht falscher denken als dieser Unterschied zwischen dem, was mir jemand schreibt, und dem, was ich empfinde, wenn ich es lese. Und gerade dann, wenn der Absender jetzt mal nicht der superbegabte, einfühlsame Literat ist, passiert es, dass ich in etwas, was ich kriege als Empfänger, manchmal Sachen hineinlese, die der Schreiber nie gemeint hat, vielleicht eine Radikalität meine, zu hören, die der andere nie gedacht hat.
Das Witzige ist: In der Bibel haben wir solche Fälle. Also Paulus selber ist das passiert. Wir schauen mal kurz in den ersten Korintherbrief. Der erste Korintherbrief ist ja eigentlich nicht der erste. Es gibt noch einen nullten oder dann wäre, wenn man es anders zählt, der erste, der zweite. Also auf alle Fälle gab es einen Brief vor dem ersten Korintherbrief. Und Paulus hatte in dem Brief etwas geschrieben, und wie Paulus halt ist, so ein bisschen: Boah, Paulus hat so die Art, etwas, ich sage mal, ein bisschen radikaler zu schreiben, als er es wirklich meint. Oder freundlich formuliert: Er schreibt so mit der Hoffnung, dass seine Leser mitdenken. So, das ist aber nicht gelungen. Und jetzt muss er im ersten Korintherbrief etwas, was er früher geschrieben hat, noch mal korrigieren.
Das ist nämlich so, wenn man kommuniziert und der andere es nicht versteht, dass er dann anfängt, irgendeinen Murks zu denken und zu machen. Hier, 1. Korinther 5,9-10: Ich habe euch in dem Brief geschrieben, nicht mit Unzüchtigen Umgang zu haben, nicht überhaupt mit den Unzüchtigen dieser Welt oder den Habsüchtigen und Räubern oder Götzendienern, sonst müsstet ihr ja aus der Welt hinausgehen.
Okay, sorry, der Text ist relativ kompliziert, ich erkläre ihn euch kurz. Paulus schreibt den Korinthern diesen 0. Korintherbrief und er schreibt ihnen, dass sie keinen Umgang mit Unzüchtigen haben sollen. Unzüchtige Menschen sind Leute, die einfach Sex haben, mit wem sie wollen und wann sie wollen. So, und Paulus sagt: Haltet euch von denen fern. Und für ihn ist klar, dass man damit nur unzüchtige Christen meint, also Leute, die sich Christen nennen, aber noch an grober Sünde wie außerehelichem Sex, Habsucht, Diebstahl, Götzendienst usw. festhalten. Für ihn ist das klar: Habt keinen Umgang mit solchen Leuten.
Natürlich sollen die Korinther weiterhin Kontakt zu ihren ungläubigen Freunden haben, und natürlich schauen ihre ungläubigen Freunde Pornos und gehen ins Bordell, natürlich dreht sich deren Leben ums Geldverdienen, natürlich sind Lügen auf der Steuererklärung oder ein kleiner Betrug für sie kein Problem, und natürlich gehen diese ungläubigen Freunde ins Yoga-Studio, lassen ihre Warzen besprechen und glauben an Reinkarnation, ja logisch!
Für Paulus ist das klar, und für Paulus ist auch klar, dass wenn er das schreibt, habt keinen Umgang mit Unzüchtigen, dass diese Leute, die noch gar nicht gläubig sind, natürlich nicht gemeint seien, sonst, wie es im Text heißt, müsste der ja aus der Welt rausgehen, dann könnte er mit niemandem mehr reden. Für Paulus ist das klar, dummerweise für die Korinther nicht. Die Korinther hatten schon mal angefangen zu überlegen, wie kappen wir irgendwie alle Kontakte zu unseren ungläubigen Freunden. Zumindest fängt man dann an zu überlegen, die stellen dann auch schon fest, dass das nicht geht.
Und hier muss, weil Paulus es zu allgemein kommuniziert hat, er selber noch mal in einem zweiten Brief nachbessern und sagen: Nein, nein, Freunde, gemeint habe ich nur, dass ihr euch bitte, wenn jemand sich hinstellt, sagt: Ich bin Christ, aber in grober Sünde lebt, dass er dem deutlich macht, dass das nicht geht. Er muss im Nachhinein genauer erklären, was er gemeint hat, damit sie keine falschen Schlüsse ziehen. Und das ist das Problem mit dem geschriebenen Wort. Es ist viel zu oft erklärungsbedürftig.
Und deswegen glaube ich, war es ein unglaublich geschickter Schachzug, Judas und Silas zusätzlich zu diesem Brief, wo schon die Sachen drinstehen, noch mal mitzuschicken. Bei einem verzwickten und gleichzeitig wichtigen Thema wie der Frage, wodurch Heiden gerettet werden, nur durch den Glauben, oder doch dadurch, dass sie vorher noch zum jüdischen Glauben konvertieren, ja, bei so einem Thema braucht es Menschen, die Fragen beantworten und die Zusammenhänge erklären können. Da reicht es nicht, einfach nur zu sagen: Das ist rausgekommen, friss oder stirb.
Und ich sage das heute Morgen deshalb, weil die Bibel das rechte Wort zur rechten Zeit feiert. Zwei Verse aus den Sprüchen, da heißt es in Sprüche 25,11: Und das passt irgendwie zu Hochzeiten. Wir waren gestern auch auf einer Hochzeit, und ich bin ja wirklich der Dekomuffel. Also Dekomuffel sind Leute, die durch einen Raum gehen, sich das anschauen, was Leute alles an wunderschöner Dekoration vorbereitet haben, und sich nicht vorstellen könnten, die Zeit dafür zu investieren. Die das wertschätzen, die es schön finden, aber die auch gleichzeitig sehen: Boah, stundenlang irgendwelche Herzchen ausschneiden oder Anhänger bestempeln oder so, das ist eine andere Welt für mich. Ich kann das genießen, und ich kann es schön finden.
Aber die Bibel feiert das. Da gibt es diesen Vers in Sprüche 25,11, da wird dieses Motiv aufgenommen, dass etwas schön ist, nicht schwarze Stempelchen auf brauner Pappe. Die Bibel ist ja jetzt ein bisschen brutaler: goldene Äpfel in silbernen Prunkschalen. Das kostet schon mal ein bisschen mehr. Goldene Äpfel in silbernen Prunkschalen, wunderschöne, exquisite Deko: So ist ein Wort geredet zu seiner Zeit. Das richtige Wort ist interessant, da steht nicht der richtige Brief. Ich will nicht sagen, dass es da nicht hätte stehen können, aber das richtige Wort wird gefeiert, zur richtigen Zeit. Das passt einfach. Das passt wie eine richtig schöne Deko, und gestern war das wunderschön. Stehst du da vor und kommst ab und denkst: Boah, es passt einfach, es ist einfach schön.
Oder gleiches Kapitel, 25,23: Ein Mann hat Freude an der treffenden Antwort seines Mundes. Und das stimmt: Wenn du merkst, du sagst zum richtigen Zeitpunkt genau das Richtige, und du siehst das Leuchten in den Augen des anderen, du merkst, jetzt fällt von ihm die Last ab. Ein Mann hat Freude an der treffenden Antwort seines Mundes, und ein Wort zu seiner Zeit, wie gut! Das wird gefeiert in der Bibel: das richtige Wort zur richtigen Zeit.
Klar, die Bibel warnt davor, dass man zu viel redet. Die Bibel warnt davor, dass man mit Worten verletzt, zum Schwätzer wird. Man kann manches Falsche mit Worten machen. Aber gleichzeitig gilt: Ein Wort zu seiner Zeit ist ein unglaublicher Segen.
Ja, aber kann man das nicht auch mit dem geschriebenen Wort tun? Ich habe mir überlegt, was ich dazu sage, und dann fiel mir etwas ein. Jetzt werdet überrascht sein, ich werde mal einen Liebesfilm zitieren. Ich bin jetzt auch nicht der Typ, der zu viel Liebesfilme schaut, aber ich bin verheiratet, und verheiratete Männer schauen Liebesfilme, nicht unbedingt aus innerer Motivation des eigenen Antriebs, sondern sie schauen sie einfach mit und lassen sich zu Tränen rühren. Ich heule bei Liebesfilmen, wenn es dann am Ende gut ausgeht, ich kann da nichts dagegen tun.
Aber es gab einen Liebesfilm, ich nehme an, dass jeder von euch ihn kennt: Briefe an Julia. Nein? Ah, wenn ihr ihn nicht kennt, ist er nett, also ich empfinde ihn als nett. Jetzt nicht die Storyline, dass ihr jetzt nicht denkt, aber stellt euch vor, in diesem Film geht es darum, dass eine amerikanische Journalistin in Verona, der Stadt von Romeo und Julia, da eben, wo fängt die ganze Geschichte dann an, einen ganz bewegenden Brief schreibt. Und mit diesem bewegenden Brief, der dann jemanden erreicht hat, da geht die ganze Geschichte los.
Und das Spannende an diesem Film ist jetzt nicht, dass sie diesen Brief schreibt, sondern wie dieser Brief etwas bewegt und wie man in diesem Film sieht, dass wirklich romantisch die ganze Sache erst da wird, wo die Liebenden miteinander reden. Ein Brief kann viel bewegen, aber wirkliche Romantik beginnt da, wo man sich gegenüber sitzt, in die Augen schaut und den Mund aufmacht.
Und deswegen: Ja, ich bin für das geschriebene Wort. Und ich bin dafür, dass ihr weiterhin liebe SMS und liebe E-Mails schreibt, ihr dürft mir auch weiterhin eine Postkarte schicken, und manche davon kommen dann auch an meine Postkarten-Pinnwand im Badezimmer. Ja, ist so, alles gut. Aber bitte versteht den Unterschied: Das gesprochene Wort hat viel mehr Macht, Herzen zu berühren. Und das sieht man in diesem Film ganz schön.
Sprüche 16,24: Da heißt es: Freundliche Worte sind Honig, Süßes für die Seele und Heilung oder Medizin für das Gebein. Sprüche 16,24: Freundliche Worte sind Honig. Heute würde man sagen, freundliche Worte sind eine Lieblingsnachspeise. Vielleicht würdest du sagen, freundliche Worte sind Tiramisu. Oder jemand anders, so wie ich, würde sagen, freundliche Worte sind Snickers. Ich würde mein Leben mit Snickers zubringen, wenn das Zeug nicht so ewig viel Kalorien hätte. Aber das sind freundliche Worte, merkt ihr das? Freundliche Worte sind Honig, Süßes für die Seele und Heilung oder Medizin für das Gebein.
Da steckt in einem Wort so viel drin. Und ich kann mir vorstellen, wie in einer verfahrenen Gemeindesituation, wo Lagerbildung gibt und auf der einen Seite die sind, die so glauben, dass man die erst beschneiden muss, aber dann gibt es die, die nicht beschnitten werden wollen und hoffen, dass es nicht so ist, und dann gibt es vielleicht noch die in der Mitte, die sich noch nicht positioniert haben, und jetzt kommst du in so eine Situation und bringst einen Brief mit, wo du ganz klar sagst: Die Seite hat Recht. Wie da ganz viel Not entsteht auf allen Seiten, wie Fragen im Raum stehen, wie es viele heilende, gute Worte braucht, um in einer solchen Situation nicht dazu zu kommen, dass in der Mitte einfach eine Spaltung entsteht und sagt: So, jetzt haben wir halt plötzlich zwei Gemeinden.
Das gehört für mich zu den ganz traurigen Dingen auch unserer Gemeindebewegung, dass man sich oft über Dinge zerstreitet, wo ich mir die Frage stelle: Hat sich das echt gelohnt? Und wo ich im Nachgang so als Außenstehender sagen muss: Nein. Und wo ich den Eindruck habe, das, was eigentlich fehlt, das sind freundliche Worte, dass man es eigentlich nicht gelernt hat. Und das muss man lernen. Freundliche Worte muss man lernen, die sind uns nicht in die Wiege gelegt. Freundliche Worte, das muss man trainieren, das hat was mit Liebe zu tun, dass an dieser Stelle wir einfach nicht fähig sind, einander mit Worten gutzutun.
Und so möchte ich heute Morgen eine Lanze für Worte brechen, ganz bewusst in einer Zeit der E-Mails, der SMS, der Briefe, der Postkarten. Es ist so viel leichter, aneinander vorbei zu schreiben, als aneinander vorbei zu reden, jedenfalls dann, wenn man sich ausreden lässt und wenn man es bewusst darauf anlegt, einander zu verstehen. Es ist der Dialog, der Macht hat, Missverständnisse zu beseitigen.
Und jetzt kommt noch ein Punkt. Auch das ist mir aufgefallen bei diesem Thema: Es ist der Dialog, der gerade in der Gemeinde uns untereinander das Gefühl gibt, dass wir nicht nur verwaltet werden, sondern dass wir geliebt werden. Und jetzt wird es spannend. Ich werde an der Bereitschaft mit Menschen in ein persönliches Gespräch zu treten viel daran ableiten können, wie wichtig die mir sind. Ob sie eine Nummer sind, die mal eine SMS kriegt oder mal eine Postkarte, oder ob sie geliebte Geschwister sind, wo mich wirklich auch interessiert, wie es ihnen geht.
Und an dieser Stelle stocke ich und denke mir: Jürgen, was predigst du da? Was müsste das in meinem Leben bedeuten, wenn ich bereit wäre, mich nicht mehr hinter Texten zu verstecken, sondern das Wort von Angesicht zu Angesicht zu suchen, ein Wort, das Nähe schafft, das Verständnis und Miteinander weckt?
Und den Ältesten in Jerusalem war das irgendwie klar. Ihnen war es zu heikel, einfach nur einen Brief zu schreiben. Und ich wünsche mir für mich und ich wünsche mir für euch, dass wir die dahinterstehende Weisheit verstehen. Ich wünsche mir, dass wir vielleicht manches Missverständnis vermeiden und dass wir es schaffen, noch mehr die Geschwister in der Nachfolge zu motivieren, indem wir öfter mit ihnen einfach reden.
Deswegen ist das Fazit aus diesem Text für mich ein ganz einfaches: Lasst uns schnell sein, zum persönlich miteinander reden, und lasst uns langsam sein, zum vorschnellen E-Mail-Schreiben. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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