Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 45: Messias – Gesalbter Christus.
Die Bedeutung eines Hirten für den Glauben
Gestern habe ich dazu ermutigt, darüber nachzudenken, was es bedeutet, einen Hirten zu haben. Es ist eine Sache, nur zu wissen, dass Gott mich leiten, versorgen und beschützen will. Eine andere Sache ist es, Psalm 23 zu lesen und darüber nachzudenken, wie sich wohl ein Schaf gefühlt haben mag, das seinem Hirten folgt.
Dieses Schaf wird zu frischen Wassern geführt, es grast sorglos auf grünen Wiesen und fühlt sich selbst im dunklen Tal sicher. Denn es weiß, dass sein Hirte mit seinem Stecken und Stab bei ihm ist.
Die Beschäftigung mit Poesie ist ein mächtiges Werkzeug, um Theologie aus der abstrakten Ecke des Verstehens und der Logik herauszuholen. So wird sie für das emotionale Erleben und die eigene Gewissheit zugänglich.
Die Hirten bei der Geburt Jesu
Zurück zu Maria, Josef und dem Kind in der Krippe, Lukas 2, Verse 16 bis 20.
Die Hirten kamen eilends und fanden Maria, Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie das Kind sahen, verkündeten sie das Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Alle, die davon hörten, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten berichteten.
Maria aber bewahrte all diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen. Die Hirten kehrten zurück und priesen Gott. Sie lobten ihn für alles, was sie gehört und gesehen hatten, genau so, wie es ihnen gesagt worden war.
Es ist nicht bekannt, wie viele Ställe die Hirten durchsuchen mussten, bevor sie den Säugling fanden. Sicherlich kannten sie alle Ställe in der Umgebung. Schließlich standen sie vor dem Kind, von dem sie wussten, dass es der Christus ist. Doch dabei blieb es nicht. Sie erzählten anderen von diesem Kind.
Sie berichteten, was der Engel ihnen gesagt hatte: dass dieses Kind der Retter, der Christus und der Herr sei. Dass sie es in einem Futtertrog finden würden – genau das war eingetroffen.
Die Hirten erzählten von dem Kind, und Menschen aus ganz Israel, Nachkommen Davids, hörten davon. Sie wunderten sich ein wenig und nahmen die Botschaft mit nach Hause.
Besonders Maria wurde von dem, was die Hirten berichteten, tief berührt. Im Text heißt es: „Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.“ Für sie waren die Hirten eine Bestätigung dessen, was sie bereits von Gabriel wusste.
Gabriel hatte ihren Sohn als Sohn Gottes beschrieben, als ewigen Herrscher. Die Hirten nannten ihn Retter, Christus und Herr. Man erkennt hier, wie eine Beschreibung in die andere übergeht und sich zu einem großen Bild fügt: Gott selbst wird Mensch, um als Retter und König eine ewige Herrschaft anzutreten.
Es ist kein bisschen verwunderlich, dass Maria darüber erst einmal nachdenken musste.
Die Bedeutung des Titels "Christus"
Lasst mich noch ein paar Worte zum Begriff Christus sagen. Christus ist ein Titel für den Herrn Jesus. Wenn wir „Jesus Christus“ lesen, dann ist Christus also nicht der Nachname, sondern es heißt: Jesus, der Christus. Dabei ist die Bezeichnung Christus zunächst die Übersetzung des hebräischen Wortes Messias.
In Johannes 1,41 spricht Andreas zu seinem Bruder Petrus: „Wir haben den Messias gefunden“, was übersetzt „Christus“ bedeutet. Auch in Johannes 4,25 sagt die samaritische Frau zu Jesus: „Ich weiß, dass der Messias kommt, der Christus genannt wird.“
Das hebräische Wort Maschiach, eingedeutscht Messias, bedeutet „Gesalbter“. Die Salbung mit Öl ist im Alten Testament vor allem bei der Einsetzung von Königen üblich. Man findet die Salbung auch bei Priestern und Propheten.
Vor allem aber ist ein Gesalbter ein zukünftiger König. Beispiele dafür sind Saul, David, Salomo, Jehu, Joasch, Joahas und Hasael. Sie alle wurden zum König gesalbt. Durch die Salbung wurde jemand zum Gesalbten.
Der Begriff Gesalbter, Messias oder Christus stammt also aus der Praxis, dass Könige bei ihrer Einsetzung in das Königsamt gesalbt wurden.
Die Erwartung eines besonderen Gesalbten im Alten Testament
Im Alten Testament zieht sich der Gedanke durch, dass es nicht nur Gesalbte im Sinne der amtierenden Könige gibt, sondern auch einen besonderen Gesalbten Gottes, nämlich den Messias.
So formuliert zum Beispiel Hanna in ihrem Lobpreis lange vor der Einsetzung des ersten Königs in Israel in 1. Samuel 2, Vers 10:
„Der Herr wird richten die Enden der Erde, er wird seinem König Macht verleihen und erhöhen das Horn seines Gesalbten.“
Ähnliches finden wir im Psalm 2, der sich prophetisch auf die Kreuzigung und die Auferstehung bezieht. Auch dort wird von Gottes Gesalbtem gesprochen. Psalm 2, Verse 1 und 2:
„Warum toben die Nationen, und die Völker ätzen vergeblich? Die Könige der Erde stellen sich auf, und die Fürsten lehnen sich zusammen gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten.“
Eine weitere wichtige Stelle für die zeitliche Einordnung der Kreuzigung ist die Prophezeiung im Alten Testament aus Daniel 9, Verse 24 bis 26. Ich möchte gleich sagen, dass dies ein schwieriger Text ist. Mir geht es nicht darum, euch diesen Text vollständig zu erklären, sondern darauf hinzuweisen, dass es auch hier um einen besonderen Gesalbten geht.
Daniel 9, Verse 24 bis 26:
„Siebzig Wochen sind über dein Volk und über deine heilige Stadt bestimmt, um das Verbrechen zum Abschluss zu bringen, die Sünde zu beenden, die Schuld zu sühnen, ewige Gerechtigkeit einzuführen, Visionen und Propheten zu versiegeln und das Allerheiligste zu salben.
So sollst du erkennen und verstehen: Von dem Zeitpunkt an, da das Wort erging, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis zu einem Gesalbten, einem Fürsten, sind es sieben Wochen.
Und zweiundsechzig Wochen lang werden Platz und Stadtmauer wiederhergestellt und gebaut sein, in schwierigen Zeiten.
Nach den zweiundsechzig Wochen wird ein Gesalbter ausgerottet werden und keine Hilfe finden.“
Das ist kein einfacher Text, aber hier spricht Gabriel, genau der Engel, der auch Maria besucht hatte, von der Zeit, die vergehen soll, um „den Sünden ein Ende zu machen, die Schuld zu sühnen und ewige Gerechtigkeit einzuführen“. Wie wird das geschehen? Durch einen Gesalbten, einen Messias. Dieser Gesalbte wird ausgerottet, er muss sterben, um sein Volk zu retten.
Das waren jetzt drei Stellen: 1. Samuel 2, Psalm 2 und Daniel 9. Ich habe euch diese Stellen vorgelesen, damit ihr versteht, dass es im Alten Testament die Erwartung eines besonderen Gesalbten gibt – die Erwartung des Messias, des Christus.
Die Rolle des Messias als Retter und König
Und dieser Gesalbte Gottes, der als Richter der Welt kommt, kommt auch als König Gottes. Er ist der Retter, der durch seinen Tod Schuld, Sünde und eine ewige Gerechtigkeit bringt. Wenn wir das verstanden haben, diese Erwartungshaltung, die im Raum steht, dann verstehen wir auch, warum es heißt: „Und die Hirten kehrten zurück, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie es ihnen gesagt worden war.“
Das ist doch logisch, oder? Was sollten sie auch sonst tun? Sie müssen zurück zu ihren Herden, doch sie hatten den Retter, den Christus, den König, gefunden. Sie hatten die Herrlichkeit Gottes gesehen, sich vor dem Engel gefürchtet und den himmlischen Heerscharen gelauscht. Was für eine Nacht!
Sie sollten einen Säugling in einer Krippe finden, hatten danach gesucht und waren fündig geworden. Was für eine verrückte Nacht! Verrückt für sie und für Maria und für alle, die davon hören – einfach nur verrückt. Wie Gott Mensch wird und dabei alle Konventionen auf den Kopf stellt.
Aber so fühlt es sich an, wenn die Zeit erfüllt ist und Gott selbst Geschichte schreibt. Er schickt seinen Christus, so wie Paulus es später in Galater 4,4-5 formuliert: „Als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter dem Gesetz, damit er die loskaufte, die unter dem Gesetz waren, damit wir die Sohnschaft empfingen.“
Einladung zum Dank und Gebet
Was könntest du jetzt tun? Du könntest dir Zeit nehmen, dem Herrn Jesus dafür zu danken, dass er für dich Mensch geworden ist.
Das war es für heute. Wenn du es noch nicht regelmäßig tust, bete doch heute für den Ort, in dem du wohnst.
Der Herr segne dich. Erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
