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Einleitung und Rückblick auf die bisherige Betrachtung
Die letzten drei Verse dieses Kapitels, 27-30: Bereitschaft der Gemeinde zum Leiden für Christus.
Wandelt nur würdig des Evangeliums Christi, damit, ob ich komme und euch sehe oder abwesend von euch höre, ihr in einem Geist steht und einmütig mit uns kämpft für den Glauben des Evangeliums. Und lasst euch in keinem Stück erschrecken von den Widersachern, was ihnen ein Anzeichen der Verdammnis ist, euch aber der Seligkeit, und das von Gott. Denn euch ist es gegeben, um Christi willen nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden. Habt ihr doch denselben Kampf, den ihr an mir gesehen habt und nun von mir hört.
Wir sind das letzte Mal ganz hängen geblieben bei diesen offenen Worten, die Paulus da schreibt, über seine doch ziemlich ausweglose Lage. Er erwartet seine baldige Hinrichtung, aber sagt: Ich bin eigentlich völlig frei, ob ich nun sterbe oder ob ich noch eine Zeit auf Erden bleibe und diene unter den Gemeinden. Ich möchte nur machen, was der Herr von mir will, was mehr Frucht bewirkt.
Das war der Anlass, warum wir auch über die Todesfrage gesprochen haben. Und ich habe mich gefreut, dass vielen das eine Hilfe war, dass wir das mal so praktisch angesprochen haben. Ich bitte Sie herzlich: Machen Sie sich täglich auch mit dem Gedanken vertraut, dass Ihr Leben sehr begrenzt ist, damit Sie es auch in Ihrer Planung immer wieder ein bisschen besser im Kopf haben.
Es ist auch gar nicht erstrebenswert, Ruhestand zu erreichen. Es ist auch gar nicht erstrebenswert, alt zu werden, weil es immer eine Mühsal, eine Last ist. Sondern wichtig ist, dass unser Leben für Christus gelebt werden soll, mit Christus gelebt werden soll. Und zwar bis zur letzten Stunde. Mein Leben hat eine Bedeutung von Christus her.
Es war wichtig: Einer, der bettlägerig ist, hat seine Würde, dass Christus ihn gebraucht, dass sein Leben Frucht bringt, ob sterbend oder lebend. Und das ist eigentlich eine Frage der Regie: Wie braucht mich der Herr?
Wir haben dann auch über das Martyrium gesprochen, immer wieder eindrucksvoll, wenn man an Leute denkt, die das Martyrium durchlitten haben. Ich habe ja in einem Büchlein das mal zusammengestellt, Zum Leben hindurchgedrungen, wo Leute gerade so angesichts des Todes davon reden, besonders junge Leute, auch junge Soldaten, die ihren Abschiedsbrief geschrieben haben. Das ist tief eindrücklich, was mich als junger Mensch sehr bewegt.
Ich glaube, die jungen Menschen denken mehr an die Begrenztheit ihres Lebens und setzen sich mehr damit auseinander. Das war der Grund, warum wir sagen: Wenn mir der Herr Leben gibt, möchte ich es für ihn gebrauchen. Und jetzt sagt er doch: Ich will eigentlich nur fragen, was bringt mehr Frucht? Wenn der Herr mich braucht für euch, für die Gemeinden, dann möchte ich im Fleisch bleiben. Sonst bin ich bereit, heimzugehen.
Die Hoffnung des Glaubenden angesichts von Tod und Vergänglichkeit
Sterben ist für gläubige Christen keine Not und keine Trauer. Wenn irgendwo in Ihrem Kopf noch heidnische Vorstellungen herumspuken, dann muss man sagen: Es gibt leider immer wieder sehr viele heidnische Vorstellungen. Die biblischen Aussagen sind dagegen klipp und klar: Wer an Christus glaubt, wird im Tod nicht von Christus geschieden und geht vom Tod zum Leben hinüber.
Und wie soll ich mir das vorstellen? Das geht nicht. Ich kann mir die Welt, die über diese Zeit hinausgeht, überhaupt nicht vorstellen. Ich kann es auch nicht richtig einordnen. Es steht da vom Gerichtsernst und davon, dass die, die Christus gehören, nicht mehr ins Gericht kommen. All das ist da. Deshalb ist es ein Triumph.
Ich habe neulich in unserem Hilfe-für-Brüder-Blatt davon erzählt, von dem Doktor John Harris in Nebobongo. Da ist unser Doktor Markus Müller aus Esslingen, dann Ossair, dem beim Autofahren Eisenstangen durch das Armaturenbrett geschlagen sind. Sie haben ihm das ganze Gesicht aufgerissen. Er wurde noch gepflegt, die Ärzte haben ihn noch versorgt, die Afrikaner haben noch gespürt, er hat immer die Hand gedrückt, aber er konnte gar nicht mehr reden und ist dann heimgegangen.
Dann wird bei den Afrikanern da ein Jubel gemacht, wenn ein Mensch beerdigt wird. He went with the Lord, er ging mit dem Herrn, heißt es immer. He went with the Lord. Oder: Er wurde in die himmlische Herrlichkeit versetzt. Und es ist ein Jubelfest, gar nichts von Trauer.
Und das sollten wir uns angewöhnen, obwohl es sicher sehr viele schmerzliche Situationen gibt, ganz besonders, wenn es sich um Kinder oder junge Leute handelt. Aber wenn es um reife Christen geht, dann sollten wir wirklich sagen: Wir sollten eine Siegesfeier daraus machen. Auch wenn es schmerzlich ist oder wehtut, auch wenn die Umstände, auch die Unfälle oder so, schwer sind, sollen wir wissen: Wir Christen haben eine Hoffnung. Und nichts redet so stark wie das.
Sie müssen wissen, selbst die Japaner oder so, die sind ja alle noch im Ahnenkult. Das ist eine ganz komische Sache, wenn sie in Japan sind, wie sie überall ihre Vorfahren verehren und meinen, sie seien ihnen in einer Verpflichtung. Eine furchtbare Last ist das. Die können gar nicht frei handeln, weil sie sagen: Die gucken doch da immer zu, und die leben da noch um uns herum und so.
Und was ist das für eine herrliche Sache, dass wir klar wissen, was es ist: die herrlichen Aussagen des Apostels Paulus. Aber ich möchte jetzt mehr und mehr davon sagen: Wenn unsere irdische Hütte zerbrochen wird, dann haben wir einen Bau von Gott gemacht, im Himmel, einen neuen Leib und so.
Und jetzt sagt er: Mir wird das gelingen, Vers 25 und 26 noch, was der Herr vorhat. Ich weiß, er wird mich gebrauchen, wenn ich noch eine Zeit hier bin. Solange wir auf dieser Erde sind, wollen wir sie zum Lobe Gottes und zum Dienst für die Menschen, unter denen wir sind, benützen.
Weil ich noch Stunden auf Erden zähle, will ich Lob singen meinem Gott. Und wenn es noch Stunden sind, will ich sie ausnutzen zum Lobe Gottes.
Am schönsten ist mir das immer wieder bei dem Neandertaler, dem Schulrektor von Düsseldorf-Mettmann, der nur 30 Jahre alt wurde und einer der größten Lobsänger Gottes war im jungen Leben. Das klingt weiter: Lobe den Herrn, den mächtigen König der Erde, wunderbarer König, Herrscher von uns allen, Himmel, Erde, Luft und Meer. Und all die herrlichen Lieder, die er uns geschenkt hat, damit euer Rühmen in Christus Jesus Größe werde.
Und ich glaube, Daniel hat sein Leben erfüllt gehabt. Der hat uns alle zum Loben gebracht. Wie viele Menschen haben seine Lieder des Gotteslobes eingestimmt.
Der Blickwechsel: weg vom Ich, hin zu Christus und den anderen
Und jetzt kommen wir zum nächsten Teil. Jetzt bricht Paulus ab und bringt ein neues Thema. Die Hauptnot eines Menschen ist ja für uns alle, dass wir ichbezogene Leute sind. Jetzt soll es nicht um die Frauen gehen, aber das Wort Selbstverwirklichung ist natürlich so ein typisches Wort meiner Sehnsüchte. Wenn ich eine Berufswahl habe, ja, wie komme ich zu mir? Und wenn wir eine Wohnung suchen, dann geht es immer wieder um mich. Ich, ich muss mir ja zurechtfinden. Ich bin ja ein ichbezogener Mensch, das ist meine Natur.
Und wir sehen beim Apostel Paulus eine ganz wunderbare Veränderung. Wenn Jesus Christus Herr eines Menschen ist, sagt er nicht mehr: Es interessiert mich, was ich kriege. Das ist die ganze Sache. Vorher hat er nie gefragt, was er will. Er sagt: Von meiner Natur her wünsche ich mir manches. Ich würde lieber bei Christus sein als noch in der Welt und so. Aber es geht nicht um das, was ich will, sondern was Christus von mir will. Und das macht ihn frei von seinem Ich.
Liebe Schwestern und Brüder, das ist der Hauptkampf eines Christen bis der Sargdeckel zu ist: wie man mit unserer Ichsucht fertig wird, mit unserem Egoismus. Das ist ganz furchtbar. Der Egoismus ist das Allerschlimmste. Und deshalb sagt Paulus, dass die, die Christus angehören, ihr Ich kreuzigen. Sie kreuzigen ihr Ich im Gehorsam Jesu, lassen es durchgestrichen sein: nicht was ich will, sondern was du willst. Und das ist oft ganz schwer zu lernen, und zwar erst recht in den schwierigen, kritischen Entscheidungen.
Wir sehen in ihm ein Musterbeispiel dafür, wie Paulus ein Mensch war und wie das überhaupt gelingen kann. Das sagt er: Das gelingt mir durch Christus, durch den Geist Christi. Der wird auch mit unserer störrischen Natur fertig, sodass ich plötzlich sage: Wie wird mein Leben brauchbar für andere? Und jetzt denkt er bloß an die Gemeinden.
Und wenn Sie wissen wollen: Das Einzige, was unser Menschenleben befriedigt, ist nicht die Ichsucht. Die Ichsucht hinterlässt immer nur Unzufriedenheit. Sie werden nie einen zufriedenen, glücklichen Egoisten treffen. Es sind immer Unzufriedene, immer mehr, immer mehr, immer mehr, und sonst überhaupt nichts.
Und, Brüder und Schwestern, es ist ja interessant: Wenn Sie manche Leute fragen: Wie geht es? dann hört es vor einer Dreiviertelstunde überhaupt nicht mehr auf. Da erzählen die Ihnen alles von den Ärzten, jenen Ärzten, von großen und kleinen Zehen und allem. Die können gar nicht aus einem anderen Horizont herausdenken. Es gibt andere Leute, die sind so für andere. Wenn man sagt: Ja, wie geht es dir?, dann sagt der: Ach, das weiß ich gar nicht, meine Hüfte tut niemand was. Der vergisst sich ganz.
Das Schönste, was es im Leben gibt, ist, für andere da zu sein. Wie sind meine Enkel glücklich, wenn sie für mich ein Bild malen können. Das ist doch das Beglückendste. Ich darf mal anderen Freude machen. Und wenn ich mal anderen etwas geben darf, das ist so bereichernd und schön. Und das ist so wichtig, dass ich rauskomme aus der Ichbezogenheit, auch in der ganzen Todesfrage und Krankheitsfrage, sondern mein Leben soll Frucht tragen für andere. Das war der vorige Abschnitt, egal ob sterbend oder lebend. Und jetzt das Nächste: Er kümmert sich um euch und sagt, jetzt interessiert mich bloß, wie es euch ergeht. Und der Paulus lebt für die anderen, für die Gemeinde.
Ich möchte Ihnen auch danken, wo Sie Ihr Ich bezwingen können. Und immer wieder sonntags, so wie Sie in die Kirche kommen, denken Sie: Wo kann ich heute jemand anderem eine Freude machen? Setzen Sie sich zu jemandem hin, den Sie nicht kennen. Sie werden immer wieder merken, es sind Leute, die ganz vereinsamt sind. Sie freuen sich, dass mal einer ein nettes Wort sagt und einen netten Gruß. Und das ist so bereichernd für uns, so ein Geschenk. Sicher, wir kennen ja auch uns und treffen uns kaum, aber das ist ganz wichtig: immer gucken.
Und jetzt: Was bewegt Paulus in dieser Frage, was wird aus den anderen? Es interessiert ihn überhaupt nicht, wie seine Häftlingszeit ausgeht. Keine Wehleidigkeit, und selbst die Situation als Strafgefangener interessiert ihn nicht. Er hat selber immer nur gefragt. Jetzt sage ich es mit einem Wort aus dem Philipperbrief, 3,20: Unser Wandel ist im Himmel. Da hat man ja heute immer Angst und sagt: Dann ist der gar nicht mehr mit beiden Füßen auf der Erde. Ja doch, mit beiden Füßen steht der Paulus natürlich auf der Erde. Da habe ich gar keine Angst, dass einer von Ihnen nicht mehr Bodenhaftung hat. Also wenn man bloß eine Mahlzeit auslässt, dann kommt die Bodenhaftung schon ganz von allein wieder, und so, und mit Geld und allem Möglichen, was da abläuft, und Nachrichten und Zeitung und alles, wir haben ja genügend Bodenhaftung.
Der Paulus hat bloß: Ich habe eine Sehnsucht, mein Wandel ist im Himmel. Und das fehlt unserer Generation ganz stark: eine Ewigkeitsbeziehung, dass ich sage, ich möchte doch so leben, dass mein Leben heute in die Ewigkeit einmündet. Wenn man auch mal die begrenzte Zeit denkt. Wir hatten ja den schönen Jugendmissionstag am Sonntag. Vielen Dank auch für alles daran. Denken Sie: Der Herr hat uns einen Tag geschenkt, von dem wir unheimlich glücklich sind. Nachts habe ich gedacht, es geht nicht gut mit der Schneedecke, aber es ging alles herrlich. Dreitausend junge Leute waren da, und das auch in dieser Beschränkung. Wir hatten ja gar keine Musikgruppe dabei, ganz bewusst nur das Wort, und in einer ungeheuren Dichte. Und die jungen Leute so ernsthaft. Wo hat es das gegeben? Wenn es das in meiner Jugend gegeben hätte, hat es nie gegeben, dass junge Leute sich so informieren können.
Es freut mich auch, dass es noch nie wahrscheinlich in der deutschen Geschichte so viele evangelische Missionare in der Welt gab wie heute. Ganz wunderbar, dass man sich daran freuen darf und dass die Zahl weiter wächst und dass die Weltverantwortung hier wahrgenommen wird. Es ist doch einfach schön, dass die jungen Leute hören. Und ich habe in der Schlussansprache auch gesagt: Das ist doch eine ganz kurze Zeit. Wer weiß, wie lange es noch dauert, bis wir vor dem Thron Gottes stehen, in der großen Schar aus allen Nationen und Völkern. Wir wollen ja bloß möglichst viele mitbringen. Und Leute, die der Ewigkeit zuwandern, das sind in dieser Welt die Wertvollsten. Das sind Leute, die anderen dienen, die nicht an sich denken.
Die Würde des Evangeliums und die Freude der Gnade
Und so kommt es hier bei Paulus auch heraus, wie er sich um die anderen sorgt, würdig des Evangeliums.
Was ist denn würdig des Evangeliums? Was meint er? Wir können uns da vieles vorstellen. Er meint ganz bestimmt nicht das, was viele meinen, nämlich dass man als Christ feierlich oder gar gemessen daherkommt.
Was ist das Evangelium? Das Evangelium ist die Botschaft, dass Gott verkrachte Leute unverdient annimmt und ihnen alle Schuld vergibt. Das ist das Evangelium.
Peter Wiegand aus Schloss Klaus hat es nach seiner Bibelarbeit ebenso oben im Foyer da im Killesberg getroffen. Er sagt doch: Was mich fast mutlos macht: Du kannst Jahre predigen, und Menschen verstehen das Evangelium immer noch nicht. Die hören immer nur Gesetz, Gesetz, Gesetz: was ich tun muss. Und sie nehmen die Freude des Geschenks nicht an. Christus schenkt mir heute alles gratis, so wie der Vater des verlorenen Sohnes den Lumpensohn an sich zieht, ihm alle Schuld vergibt und ihm das schöne Kleid anzieht.
Und das ist das Wunder des Evangeliums. Lebt doch die Freude des Evangeliums! Das war Paulus wichtig, würdig, so wie es dem Evangelium entspricht.
Und ich kann Ihnen sagen: Das ist nicht nur in jeder Generation so, sondern fast nach ein paar Jahren rutscht in jeder Gemeinde und in jedem Hauskreis alles wieder in die Gesetzlichkeit. Da sagt man: Wir müssen als Christen mehr tun, statt dass man sich an den Gaben Jesu freut. Fortwährend aus der großen Freude heraus.
Sie fangen am Morgen eines Tages an zu staunen: Wie groß ist der ewige Gott und Herr, der uns in Jesus an diesem Morgen beschenkt, der uns all seine Güte zuwendet, der in unserer Schwachheit wirken wird. Wir können nur sagen: Herr, ich staune.
Na, ich habe mich gehabt wie Mose mit dem Lichtschein am Gesicht. Und jetzt gehe ich in den Tag hinein, gar nicht mehr mit dem Gedanken: Ich muss was machen. Ich bin bloß noch gespannt, welche Situation der Herr mir schenkt. Ich darf aus dem Geschenk der Gnade leben.
Wandelt würdig des Evangeliums und achten Sie doch bitte darauf, dass nicht dauernd dieses verkrampfte, krampfhafte Christentum da ist, sondern dass wir fröhliche Leute sind.
Ich kann immer wieder Zinzendorf zitieren, der zu jungen Leuten kam und sagte, was sie denn tun sollen. Da sagte er: Seid des Heilands fröhliche Leute. Das ist richtig. Bleibt’s doch! Freut euch doch einfach daran, dass er euch lieb hat.
Und das ist ja immer wieder so: Gerade Zinzendorf war ja ein Held darin, dass er das Evangelium immer wieder so betont hat. Es ist nur ein Geschenk. Und er hat es etwa gegenüber John Wesley, der so immer ein bisschen krampfhafte Art hatte und alles so minutengenau in seinem Leben verplanen wollte, gesagt: Wir können gar nichts weiter tun, als uns einfach zu freuen, was uns der Herr schenkt.
Du kannst nichts machen. Ja, ich muss doch auch was machen. Nein! Der Herr schenkt mir es, und ich lebe das.
Und das werden Kinder merken, wenn eine Mutter in der Familie täglich beschenkt ist von der Vergebung Jesu. Dann darf sie die Liebe weitergeben, und dann darf sie die Freude weitergeben.
Lebt würdig des Evangeliums: also nichts Stolzierendes, nichts Verkrampftes, sondern die empfangene Vergebung, die Freude des Evangeliums.
Jesus hat ein Evangelium verkündet, das uns durch das Wort Gottes immer auch wieder die Schuld zeigt, das ist klar. Da gibt es immer wieder auch, dass unser Gewissen getroffen ist, das ist nötig. Aber der Mittelpunkt unseres Glaubens, auch der Verkündigung, auch unserer Bibelstunden, soll die Freude des Evangeliums sein.
Wir werden beschenkt. Und es ist doch auffallend, dass Jesus immer bloß lauter gestrandete Leute hat das Geheimnis des Evangeliums klar machen können und gerade die Schriftgelehrten es nicht begriffen haben, weil sie immer meinten, sie müssten es selber erkämpfen.
Und das steckt so tief immer wieder in den Christengemeinden drin, dass man sagt: Wir müssen das mit eigener Kraft erarbeiten, und wir wollen das ja nicht bloß so einfach nehmen.
Und gehen Sie mal durch das ganze Neue Testament, wie Paulus gekämpft hat: Im Galaterbrief sagt er, wer etwas anderes predigt als dieses Evangelium, der sei verflucht. Es gibt kein anderes Evangelium, auch wenn es ein Engel vom Himmel predigt. Es gibt nur dieses eine Evangelium.
Das ist eine Frohbotschaft, eine befreiende, glücklich machende Botschaft.
Also Paulus löst sich von seinen Haftproblemen. Er klagt nicht über die Ratten, die in der Zelle da durchrennen. Er klagt nicht über die Kälte und die Wassertropfen usw. Er klagt nicht, sondern er sagt: Lebt die Freude des Evangeliums. Das ist die Würde des Evangeliums. Ihr seid begnadigte Leute, und deshalb auch nie mehr stolz.
Menschen, die des Evangeliums würdig leben, die können nie mehr auf andere herabgucken, weil sie wissen: Einen solchen Armen, welchem alles fehlt, den hat er zu seinem selben Eigentum erwählt. Ich bin einer von denen, die er geholt hat, und ich werde nur durch die Gnade gerecht.
Und dann weiß ich: Ich kann das anderen erzählen, die genau dasselbe erfahren durch das Evangelium. Und wir werden genauso gerettet wie jeder andere gestrandete Mensch.
Also keine Einbildung mehr, kein Selbstlob, kein Hochmut mehr. Eigentlich alles kein Platz mehr. Auch keine falsche Heiligkeit mehr.
Das hat ja Auswirkungen, dass unser Gottesdienst, unsere Gemeinde ganz nüchtern und schlicht ist, dass wir auch über unsere Fehler offen reden können. Da müssen wir uns auch packen, weil wir da empfindlich sind. Da muss ja auch ich darauf hinweisen, weil wir das nicht ganz schlicht voneinander sagen können: Wir sind Leute, die täglich vielfach versagen und von der Gnade Jesu leben, aber fröhlich sind und eine Gewissheit haben.
Ich konnte nicht schlafen. Ein bisschen der Kürte war so, Süddeutscher Rundfunk, vielleicht so zwei Morgenandachten, dass also ein Mensch, der irgendeine Gewissheit in seinem Leben hat, schon ein militanter Fundamentalist sei. Dann bin ich das, das kann sein. Bin ich mit meinem Evangelium militanter Fundamentalist?
Aber darin bin ich ganz sicher: Jesus hat mir vergeben, darum kann ich fröhlich sterben, weil ich eine Gewissheit habe.
Das ist heute furchtbar, wie da alle uns sagen, wer wir eigentlich sind und was wir nicht sein dürfen. Die ordnen uns irgendwo in ihre Kästchen ein. Aber freuen sich? Gewissheit dürfen wir haben, müssen wir haben, aber das Evangelium trägt uns.
Der geistliche Kampf um den Glauben und die Einheit der Gemeinde
Und dann das Nächste: Also egal, ob ich bei euch bin oder fort bin, kämpft, kämpft!
Ja, kämpfen ist doch nicht schön. Wie ist das denn mit dem Kämpfen? Kämpfen, wir wollen doch Frieden. Warum müssen Christen kämpfen? Weil der Glaube des Evangeliums fortwährend verdreht wird. Das war schon in der urchristlichen Gemeinde genau so. Der Glaube wird dauernd ins Gegenteil verkehrt.
Was ist der Glaube? Im Neuen Testament steht doch so klar, was der Glaube ist. Was ist der Glaube? Da ist es zum Beispiel die Frau, die Jesus am Saum seines Gewandes packt und sich einfach an ihn hält. Oder der Blinde, der schreit: „Jesus, erbarme dich meiner!“ Oder der Schächer, der zu Jesus spricht. Glauben heißt: auf Jesus bauen, auf Jesus vertrauen. Das ist doch biblischer Glaube. Es gibt ja gar keinen anderen Glauben.
Und jetzt, ich weiß, überall heißt es: Glauben heißt fragen. Oder nein, Glauben heißt nicht fragen. Glauben heißt, auf Jesus sein Vertrauen setzen. Glauben ist eine gewisse Zuversicht dessen, was man hofft, Hebräer 11. Nicht zweifeln an dem, was man nicht sieht. Nicht zweifeln!
Sie sind Theologiestudenten, da weiß man ja, wie wir alle vollgepfropft wurden: Nur wer zweifelt, glaubt. Nein, das ist nicht biblisch. Es gibt genau das Gegenteil. Das ist so, als würden Sie sagen: Rot ist grün. Das kann man sagen. Sie können sagen, ein Stuhl ist ein Hut oder was auch immer. Das kann man ja sagen, in einer Welt, wo alle Freiheit herrscht. Aber es ist Quatsch. Die biblische Definition ist eindeutig. Es gibt in der Bibel überhaupt keine andere. Da haben Sie Ihre Sinne doch.
Und deshalb noch einmal: Dass der Glaube des Evangeliums verdreht wird, ist eine solche Not. Der Glaube wird verdreht. Was verstehen Menschen um uns her unter Glauben? Ach, jeder hat seinen Glauben, oder alle glauben dann an den Herrgott, oder was? Nein, der Glaube heißt, dass ich einen brauche, der mich im Gericht freispricht, der mein Leben aus dem Verderben erhält. Ich brauche einen. Die Bibel ist ganz simpel, das können Sie in der Bibel lesen. Dieser schlichte Glaube wird verdreht.
Und wo es immer wieder in der Christenheit neues Leben gab, war immer der Punkt des Glaubens dran. Ob in der Reformation bei Martin Luther, da war es der Punkt. In der Erweckungsbewegung war es so. Wir glauben alle an einen Gott, so sprechen Christen, und so weiter. Und doch sagen sie alle: Wir glauben doch alle an einen Gott. Nein, Menschen, die die Kraft Christi erleben und erfahren in ihrem Leben, und zwar da, wo sie ihr altes Wesen kreuzigen lassen, sagen: Ich will aus meiner alten Art raus. Und den Kampf kann nur Christus aufnehmen, der mit mir und mit meinem bösen Wesen fertig wird.
In der württembergischen Landessynode gab es einen Pfarrer, der war auf der Schwäbischen Alb. Er war viele Jahre seines Lebens in Argentinien und ist jetzt wieder hinausgegangen in den Chaco, das ist das letzte Ende der Welt. Seine Frau ist vor ein paar Jahren tödlich bei einem schweren Autounfall verunglückt. Und der Herr dort draußen hat eine Armensiedlung gebaut für die Ärmsten der Armen.
Er schrieb in einem Brief, der mir erst am Samstag in die Finger gefallen ist, ein ganz mutiger Mann mit der Ziehharmonika. Er macht ein tolles Leben, ein Gemeindeleben mit den Leuten. Die Siedler sind ja dort furchtbar verarmt im Chaco. Die sind alle mal rausgezogen mit der Hoffnung, und jetzt hungern sie sich durch. Und das schaffte er. Er hat gesagt: Wenn ich mein Leben überblicke, das ist jetzt über siebzig, die vielen Jahrzehnte, in denen ich mit diesen armen Menschen gearbeitet habe, dann ist doch alle materielle Hilfe immer noch zu wenig. Man müsste viel mehr tun. Aber alles, was man tut, ist für die Katz, es ist alles umsonst, bis ein Mensch unter dem Kreuz Jesu neu geworden ist. Sonst lügt er weiter, stiehlt er weiter, betrügt und faulenzt er weiter, wenn nicht Christus etwas Neues aus seinem Leben gemacht hat.
Und dann hat die Hilfe auf einmal einen Boden. Dann hat er gesagt: Da hast du fast endlich einen Boden. Das finde ich so toll, das darf man hier sonst gar nicht sagen, so ein klarer Ansatz. Aber es ist doch bei uns genauso. Wenn in unserem Leben nicht endlich die Ernsthaftigkeit Gottes eingeht, oder die Bibel sagt: wenn die Gerechtigkeit Gottes in unserem Leben herrscht, so wie vorher die Sünde geherrscht hat. Genau so. Die Sünde macht es ja auch so ganz spontan. So soll jetzt die Gerechtigkeit Gottes aus dem Leben Sieg werden.
Und dafür muss man kämpfen. Das ist ein Kampf, bei dem man auf der Hut sein muss, weil man sich, ehe man es versieht, verschiebt. Und dieser Kampf ist so wichtig: Kämpft für den Glauben des Evangeliums! Das wäre eigentlich wichtig, wenn wir Gespräche über den Glauben führen. Nicht über Gott reden, denn es ist doch klar, dass es einen Gott gibt, sondern wir müssen den Menschen sagen, dass wir verloren sind, wenn wir nicht eine lebendige Vertrauensbeziehung zu Jesus Christus haben. Das müssen wir den Menschen erzählen, das ist aufregend. Da fragen die Leute uns: Ja, hast du die Sache? Ja, die habe ich durch den Glauben, und das Wort Gottes schenkt mir diesen Glauben, weckt diesen Glauben in mir.
Also: Kämpft für den Glauben des Evangeliums!
Und jetzt kommen die Widersacher. Lasst euch in keinem Stück erschrecken von den Widersachern. Was sind denn das für Widersacher? Mir ist es diesmal erst am allermeisten aufgefallen bei unserer Missionskonferenz auf dem Killesberg, dass ich gesagt habe: Warum war es eigentlich so schön? Wir haben diesmal überhaupt nicht versucht, irgendwo in der Öffentlichkeit groß darauf hinzuweisen, also in der Presse oder so. Was soll so ein armer Pressemann mit so einer Veranstaltung? Da müssen sich hirnverbrannte Leute treffen, die ihren Glauben anderen aufschwatzen.
Dass dann natürlich sogar Judenchristen da waren, die gesagt haben, dass gerade sie als Juden erst durch das Evangelium die Freude gefunden haben, das neue Leben, und so, das ist ja alles bloß Provokation gewesen. Ich denke immer wieder: Wir müssen wieder lernen, dass wir unsere Sache, die wir vertreten, gar nicht durch die öffentlichen Medien irgendwo verständlich machen können. Wir können das auch den Ungläubigen nicht deutlich machen. Die Leute müssen einfach sagen: Das sind die letzten Geisteskranken, die da so etwas glauben, was da in der Bibel drinsteht. Vom Denken des normalen Menschen her ist das einfach irrsinnig. Wie soll er das denn auch verstehen können?
Was hat einer vorhin erzählt? Dass dann in Stuttgart in einem evangelischen Gymnasium in der Morgenandacht die Mutter Erde angebetet wird und Erde ausgestrahlt wird. Das ist alles normal, das regt niemanden auf. Aber dass man Jesus Christus, den Gekreuzigten, anbetet, das ist provokativ. Und es war zu allen Zeiten so. Es hat sich niemand aufgeregt, wo der Papst von Rom hundert Kinder gehabt hat. Das hat die Welt toleriert, und er hat gesagt, das ist einer von uns. Oder am allerschönsten beim Harald Juhnke. Den hören ja die Leute so furchtbar gern, weil der sagt: Der ist genau so einer wie wir, der macht es auch so. Ich trage ja auch immer über alle Stränge. Wie hat die Süddeutsche Zeitung geschrieben? Er sündigt für uns alle. So tröstlich, so angenehm.
Leiden um Christi willen und die Kraft der Gemeinschaft
Der Kampf ist entbrannt, und das sagt die Bibel. Das sind Mächte. Da müssen Sie ja immer wissen: Da können wir gar nichts steuern. Sie können das Dritte Reich nur begreifen, wenn Sie sehen, dass es Mächte sind, Geistesmächte dieser Welt. Können Sie reden, was Sie wollen, doch setzen Sie sich gar nicht durch. Gott freigibt unheimliche Dinge, einen Lügengeist und was es alles gibt. Es gibt unheimliche Bewegungen und Entwicklungen, die über die Zeit hinweggehen. Und in dieser Welt gibt es eine Grossmacht, die gegen Gott kämpft.
Das ist ein Wunder, wenn überhaupt ein Mensch durch die Wahrheit durchbricht. Durch was geschieht dieses Wunder? Durch den Heiligen Geist, der uns erleuchtet, und durch das Wort, das wir verkündigen. Aber es ist ein Kampf. Wenn ihr euren Strasseneinsatz macht, Andreas oder so, merkt doch, dass es ein Kampf ist. Dass man sagt: Das ist so unheimlich.
Ich bin kein Prophet, wie die Weltgeschichte ausgeht. Aber ich weiss doch, dass es in der hinduistischen Gesellschaft keine Bekehrung gibt, die von den Menschen nicht das grösste Martyrium verlangt. Und ebenso im Islam, der das grösste Martyrium von einem Menschen verlangt, wenn er diesen Weg des Glaubens über die Umwelt nicht erträgt. Und es kann auch bei uns wieder bald so weit sein, dass die Feindschaft viel, viel stärker wird. Wir können nicht darauf hoffen, dass es eine grosse Toleranz gibt, sondern man wird ausgeschieden sein. Und lasst euch nicht von den Widersachern...
Sie müssen das wissen: Die Leute, die oft so gehässig gegen Sie reden, sind gar nichts Schlimmes. Wir hatten im Schwarzwald, wo ich Bezirksjugendfahrer war, in der Bezirksbibelstunde etwa einen jungen Mann gehabt. Der war so furchtbar, dass er die Bezirksbibelstunde mit seiner dummen Frage gestört hat. Das hat sie richtig explodieren lassen wollen. Das war so schlimm, bis sie gesagt hat: Wir reden nicht mehr öffentlich, ich mache es nachher mit dir. Es hat gar keinen Wert, du bringst die ganzen Dinge auseinander. Da haben natürlich alle gesagt: So darf man doch einen Fragen nicht wegtun usw.
Und so, wie es die Zufälle wollen, taucht er viele Jahre später hier im Gemeindehaus wieder auf, und zwar bei dem Missionsteam junger Christen, das sich damals hier gesammelt hat und gesagt hat: Ich habe Jesus gefunden, ich habe mein Leben geändert. Sie hatte ja damals völlig recht gehabt, ich habe ja bestören wollen. Das ist übrigens heute Mitarbeit auf dem Oberkircherat.
Wenn Sie es oft im Leben einfach erleben, dann würden Sie den Menschen lieb haben, der oft ganz anders redet und sagt: Du redest ja so, aber ich liebe ja dich. Ich merke, wir haben ja in unserem Leben selber... Ich weiss doch noch, wie meine Mutter versucht hat, mit uns, und wir haben sie bekämpft mit einer Leidenschaft. Und wir haben doch alle diesen Kampf auch mal durchgestanden, wo wir Dinge vertreten und verteidigt haben. Das sind Widersacherdinge, die unser Leben belasten, und wir müssen wissen: In diesem Geisteskampf hilft mir nur die Einheit des Geistes. Steht in einem Geist, bitte nicht in einer Form. Das wird immer wieder verwechselt.
In der Bibel gibt es nie eine Uniformität. Ganz furchtbar, dass heute wieder neue Kirchen entstehen, die sagen: Nur unsere Kirche ist selig machend, die dürfen sich gleich links liegen lassen. Denn in der Bibel gibt es nie eine Uniformität, und die Gemeinde in Korinth hat anders ausgesehen als die in Rom und die in Antiochien und die in Jerusalem. Das macht da gar nichts aus. Formen sind ganz egal. Mir gefällt das auch immer, einmal in einem anderen Gottesdienst einer bibeltreuen Gemeinde zu sein, einer evangelischen Gemeinde zu sein, egal welcher Gruppierung. Aber der Geist muss herrschen. Es ist der Geist Jesu Christi, der das Wort Gottes liebt und Christus gross macht. Dieser Geist muss herrschen. Es ist der Geist Gottes, der da sein soll.
In einem Geist wollen wir stehen, in verschiedenen Formen. In verschiedenen Arten, wie wir das leben. Deshalb wird es auch immer verschiedene Gemeinden geben, weil wir einfach Menschen dieser Welt nur in verschiedenen Formationen leben. Wir haben auch verschiedene Geschmäcker und verschiedene Kulturempfindungen und so weiter. Das ist alles nicht schlimm. Da wird auch die Gemeinde Jesu gar nicht zertrennt, sondern Sie wissen, dass man in einer Gemeinde leben könnte. Zum Beispiel in vielen kirchlichen Gemeinden, glücklicherweise bei uns nicht, gibt es Spaltungen. Also nicht die Organisation garantiert die Einheit, sondern der Geist, der herrscht.
Und jetzt kann es wieder einmal sein: Wir sind in einem Geist. Da kann man sich ja einmal darum streiten, aber man streitet in einem Geist um die Sache, und dies geht um das Evangelium. Kämpft in einem Geist für das Evangelium, lasst euch nicht von dem Widersacher durcheinander bringen, der euch wegtreiben will.
Die Bereitschaft, für Christus zu leiden, und der Auftrag der Gemeinde
Und auch das Letzte: Das Leiden muss sein, das Leiden um Christi willen.
Jetzt haben wir doch sehr viel Zeit auf diesen Abschnitt verwendet vorhin, aber es hat sich gelohnt, meine ich, so gründlich hingegangen zu sein. Es ist euch auch gegeben, um Christi willen nicht bloß zu glauben, sondern auch zu leiden. Ein Glück, dass wir nicht leiden müssen. Wir sollten uns das Leiden nicht herbeiwünschen, aber es sind doch mehr, die für Christus leiden.
Also, ich habe mich gefreut: Der Herr Haburger, den kennen manche noch, der in der Danningerstraße gewohnt hat, hat sich sehr vor Herrn Tschernke eingesetzt, vor dem Pfarrer, den er vor die Tür gesetzt hat. Der Tschernke ist der einzige, der nach der Ordnung unserer Kirche korrekt gehandelt hat. So sind die Ordnungen unserer Kirche. Der Oberkirchenrat hat um der Wohlgefälligkeit willen und um der Anpassung an die Welt ihn über die Klinge springen lassen.
Ich bin immer nicht so konsequent und kann an diesen Punkten großzügig sein. Oder wir haben auch diesen Fall nie gehabt, dass wir einen Kirchengemeinderat gehabt hätten, der nicht bekenntnismäßig hereingehört. Aber mich hat es einfach immer wieder gefreut, denn das brauchen solche Leute. Wenn sie es manchmal spüren, ist es schon ein harter Punkt. Und wer den Pfarrer Zern gekannt hat, weiß, dass er ein ganz treuer Zeuge Jesu ist. Und das ist auch bei uns manchmal schon bitter.
Wer im Dritten Reich hingestanden ist, hat kein positives Echo bekommen. Es müssen ganz wenige Echos sein, weil die meisten gesagt haben: Warum hat er es auch so provoziert? Hat Niemöller heute auch nicht die Bemerkung am Telefon machen müssen, wo ihn gerade die Gestapo abgehört hat? Sie müssen immer wissen: Wenn es Kampf gibt und wenn einem Leid ist, dann ist immer die Bruderschaft ganz nötig, weil man Mitgefühl haben muss und weiß, das sind Abläufe, die sich dort abspielen.
Da kann man natürlich sagen, manche sind ungeschickt. Aber das haben wir ja dann bloß, wenn wir es durch die Presse hören. Wenn wir es dann genauer hören würden und merken, dass es alles gar nicht stimmt, was in der Presse drinsteht. Aber dass man mit denen mitträgt, die heute oft um des Evangeliums willen geprügelt werden. Und so ist es eine schöne Sache, wenn man irgendwo bei einer Straßenversammlung einem Mann eine Ermutigung gibt. Da habe ich mich gefreut, dass sie hier stehen. Und so manches Evangelium kriegt oft viel Fußtritte ab.
Wir stehen heute noch in einem geschützten Raum in unserer Volkskirche und haben diese Feindschaft noch nicht zu spüren. Aber in vielen Teilen der Welt geht dieses Leiden wieder über die Christen hinweg, und sie werden verspottet und verlacht. Ich wundere mich ja, was heute unsere jungen Leute oft schon in den Schulen aushalten müssen, die oft vorgeführt werden im Religionsunterricht usw. oder wie kann man so etwas noch haben usw. Also da ist manchmal schon eine sehr intolerante Welt da.
Und das Leiden für Christus ist ein Orden, weil es in die Fußstapfen Jesu hineinführt. Und da sind so viele große Verheißungen da. Es ist merkwürdig, dass man anders noch nie neues Leben hat erreichen können als durch den Kampf, wo es bis zum Leiden ging. Und bevor der Herr große Aufbrüche schenkt, hat er immer erst seine Gemeinde durchs Leiden geführt.
Wir haben letztes Mal schon davon gesprochen, da, wo ich erzählte vom Kongo, wo die Gemeinden so furchtbar durchs Leiden gingen, oder auch in Mosambik und in Angola und so weiter, wo sie besonders in Mosambik verfolgt waren, oder in Madagaskar, genauso hart. Da war ja auch die marxistische Herrschaft auch in den siebziger Jahren und so weiter, wie das ungemein gewirkt hat. Und da muss man durch, und da gibt es keinen Ausweg. Und da kann man auch politisch nichts machen, sondern das ist oft da, dass man weiß: Um was es geht.
Wir müssen bloß aufpassen, dass der Anstoß sich nicht an unserem Wesen entzündet, sondern dass es wirklich um des Evangeliums willen ist. Und man glaubt ja schon gar nicht mehr, dass der große Kirchenkampf im Osten nur geführt wurde ums Evangelium. Und es lohnt sich auch, immer wieder zurückzublicken im Dritten Reich. Warum beginnt der Kampf? Weil sich Christen nicht dem Führerprinzip untergeordnet haben.
Der Freisler hat beim Prozess gegen Graf Moltke geschrien: Woher nehmen Sie Ihre Befehle, vom Führer oder vom Jenseits? Natürlich hat er gesagt: von Gott. Das kann man geantwortet brauchen. Das konnte nicht ertragen werden, dass einer sich nicht unter das Führerprinzip unterordnet. Und irgendwo geht es dann ums Leiden.
Der Moltke sagt: Ich war so froh, ich habe nichts mit einem Attentat zu tun gehabt, ich wurde nur noch deswegen zum Tod verurteilt. Das ist ja so ergreifend in seinem Abschiedsbrief an seine Frau. Und wenn das manchmal so klar wird: In unserer Zeit heute ist es ja nicht weniger christusfeindlich oder antichristlich. Bei uns wird es bloß nicht so deutlich.
Und Sie werden wissen, dass es da manchmal sogar darum gehen kann, bei Ihnen, dass Sie sagen: Ich kann das als Christ nicht mehr machen, und ich will das nicht tun. Und dann müssen Sie die Konsequenzen tragen, und der Herr wird Sie segnen. Und es wird auch Dinge geben, wo Sie heute in Geschäftslinien nicht mitmachen können, um christlich willen, ohne dass Sie da etwas Pathetisches machen.
Und dann haben Sie den Kampf, wie der Paulus sagt, wie ich ihn gehabt habe. Wo hat der Paulus den Kampf gehabt? In Philippi. Was hat er denn getan? Er hat dieser Magd mit dem Wahrsagegeist den Freispruch Jesu verkündet, und dann haben sie ihn gestäupt, weil er einen armen, gebundenen Menschen freigemacht hat. Und dann ist er im Gefängnis gewesen, bis der Herr ihn herausgeholt hat.
Oder, meint er, mit demselben kam die Verhaftung von Cäsarea. Die war genauso absurd, wie er in Jerusalem auf dem Tempelplatz verhaftet wurde. Da wird Paulus sich nicht zu Schulden kommen lassen. Er hat sogar Timotheus noch beschnitten, obwohl er eigentlich gegen Beschneidung war. Er hat alles getan, um die Juden zufrieden zu stellen, und wurde trotzdem gejagt und gehasst.
Man kann es gar nicht vermeiden. Und wer meint, man könne daran vorübergehen, mit dem Evangelium könne sie auf die Dauer keine Lorbeeren ernten, und sie könne mit einem Unternehmen wie ProChrist oder so in der Welt gar kein Verständnis haben mit jeder Evangelisation. Aber was mir vom ganzen Abschnitt wichtig ist: Der Paulus sagt, unser Leben soll missionarisch sein.
Und ich glaube, die wirkungsvollste Evangelisation ist nicht eine besondere Veranstaltung, sondern ist das Leben von Christen ganz natürlich, ungezwungen, ohne dass sie sagen: Ich bin im Schaufenster. Sondern sie leben ihres Glaubens, sie leben fröhlich, eine Gemeinde macht ihre Gottesdienste. Und ich glaube, dass es auch Nichtchristen am allermeisten anspricht, wie sie ihres Glaubens leben, ganz schlicht. Und dass man ein Licht in der Welt wandelt, so wie es dem Evangelium entspricht: lebt eure Sache.
Ich habe Ihnen ein paarmal jetzt erzählt, dass mich das so gepackt hat, wie da neulich wieder jemand darauf hinwies, etwa in China, wie diese Gemeinden gar nichts machen. Wie da sogar drinsteht, das seien oft ganz altmodische Gemeinden, das seien auch verknöcherte und zerstrittene Gemeinden, aber wie ungeheuer viele Leute zum Glauben kommen, weil einfach in der chinesischen Kultur das, was die ganz schlicht in ihren Hausversammlungen machen, die Menschen anzieht.
Und ich bin auch so überzeugt: Wenn Sie einen Hauskreis haben, leben Sie einfach so, wie Sie über den Glauben reden. Das interessiert andere am allermeisten. Seien Sie so wandelwürdig wie das Evangelium, und dann kriegen Sie mal etwas ab. Und so macht es Ihnen nicht viel aus, und Sie sind nicht viel verletzt. Und dann machen Sie fröhlich weiter. Und so wird der Herr uns zum Segen setzen. So hat es der Paulus für die erste Gemeinde in Europa, in Philippi, auch geordnet, und diese Gemeinde hat so viel austragen dürfen.

