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Lukas 9,27-36: "Herrlichkeit Jesu: Berg der Verklärung"

Lukas 9,27-9,3629.11.2009
Serie•Teil 20 / 53Lukas-Evangelium
Warum wird Jesus im Alltag so schnell klein? Wer ihn neu sehen will, braucht stille Zeit mit ihm – sonst bleibt er nur ein netter Lehrer statt der Herrliche.

Einleitung: Zwischen Ergriffenheit und Alltag

Und ich möchte eigentlich genau da, wo wir jetzt sind, wo wir emotional sind, bei dieser Frage: Jesus, dir gehört mein Lob.
Wir stehen jetzt hier, und ich hoffe, wir sind alle ein Stückchen ergriffen von dem, was wir eben erlebt haben. Und ich möchte mit euch weiter darüber nachdenken, wie wir das in unserem Leben ganz praktisch schaffen. Denn es ist eine Sache, am Sonntagmorgen hier zu sitzen und nach dem dritten, vierten Lied zu sagen: Ja, Jesus! Es ist aber eine ganz andere Sache, am Montag, nach sagen wir mal der ersten Besprechung mit dem Chef, wenn man sich wieder an seinen Schreibtisch setzt und gerade den Kopf zurechtgerückt bekommen hat, immer noch zu sagen: Ja, Jesus!
Also, das ist einfach dieser Unterschied, in dem wir leben. Und ich möchte mit euch darüber nachdenken: Wie bleibt Jesus für uns der Eine, der allein zählt, dem unser Leben gehört, dem wir dienen und folgen wollen? Wie bleibt er das?
Und wir befinden uns in Lukas 1,1-50. Wir wollen den Text heute zum zweiten Mal unter der Überschrift betrachten: Sieben Tipps, damit ich nicht vergesse, wer Jesus ist. Oder anders ausgedrückt: Was kann ich tun, damit mein geistliches Leben nicht verflacht und am Ende vielleicht nur noch eine Karikatur von dem ist, was ich irgendwann mal leben wollte? Wie schaffe ich das?
Und der erste Tipp: Ich werde die ersten beiden Tipps wiederholen, und wir werden uns heute mit Tipp drei beschäftigen.

Erste Orientierung: Gottes Kraft und unser Auftrag

Der erste Tipp hieß: Lass dich immer wieder auf wunderbare Weise gebrauchen.
Wir haben in Lukas 9 das letzte Mal als Erstes diese Geschichte betrachtet, diesen Bericht von der Speisung der Fünftausend. So ein Bericht, über den man vielleicht schnell hinweglasst und sagt: Was hat der mir zu sagen?
Wir lesen, wie Jesus seine Jünger auffordert, mit fünf Broten und zwei Fischen eine riesige Menge von Menschen sattzumachen. Wie er an dieser Stelle erst einmal nur auf Unverständnis und auf Hilflosigkeit stößt. Und wie sich das Unvermögen, wie dieses Unmögliche, in Triumph verwandelt. Wie die Jünger die Leute zu fünfzig sich hinsetzen lassen und am Ende mehr übrig ist, als sie am Anfang eingesetzt haben. Wie aus fünf Broten und zwei Fischen am Ende zwölf Handkörbe voll Reste werden, die man weiter mitnehmen kann.
Und der erste Tipp, den ich euch mitgeben wollte, war: Lass dich immer wieder auf wunderbare Weise gebrauchen. Beziehungsweise: Der erste Tipp hat mit dieser Tatsache zu tun, mit dieser ganz praktischen Tatsache, dass in mir, wenn ich mir die Größe der Aufgabe anschaue, die Gott mir, die Gott uns als seinen Kindern gegeben hat, immer zu wenig Kraft ist.
Deswegen heißt es auch, bevor wir in Matthäus 28 lesen: Geht hin in alle Welt und macht zu Jüngern alle Völker, genau der Satz davor, das, was wir eigentlich als Eingangsvoraussetzung begriffen haben müssen, bevor wir sagen: Was für ein Job, hinaus in die Welt, Zeugen Jesu. Bevor das kommt, steht da: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden.
Wir müssen erst begreifen, wer Jesus ist. Wir müssen immer begreifen, dass in uns zu wenig Kraft steckt. Und erst wenn Jesu Kraft durch uns hindurch leben kann, wenn wir abhängig bleiben, wenn wir uns auf seinen Auftrag einlassen, weil wir wissen, wir haben diesen Auftrag nicht alleine zu erfüllen, wenn dieses „Gebt ihr ihnen zu essen“ hier zu den Jüngern sagt, wenn wir begreifen: Boah, ich soll mit meinem Leben einen Unterschied machen, ja, aber wir müssen begreifen, dass dieser Auftrag nicht losgelöst davon ist, dass Jesus sagt: Ich möchte dich darin auf wunderbare Weise unterstützen, wenn du mir vertraust, wenn du dich darauf einlässt, diesen ersten Schritt zu gehen, wenn du sagst: Okay, Herr, ich werde mal die 50 da sich lagern lassen, und dann schauen wir mal, was passiert.
Und das ist immer wieder der Auftrag an uns: den Auftrag zu hören und zu sagen: Okay, ich gehe im Vertrauen den ersten Schritt, und ich werde sehen, was Gott durch mich hindurch bewirkt.
Das war der erste Tipp: Wenn du möchtest, dass Jesus groß bleibt in deinem Leben, dann lebe das.

Nachfolge als Weg durch Leiden und Verzicht

Der zweite Tipp war: Führe ein Leben, das durch Nachfolge Jesus imitiert.
Es gibt immer zu viel Leid, und Jesus ist Realist. Wenn wir ihm nachfolgen, dann werden wir sein Schicksal teilen. Der Apostel Paulus schreibt in seinem Vermächtnis an seinen Schüler Timotheus im zweiten Timotheusbrief, in 2. Timotheus 2,3-4 Dinge wie: „Nimm teil an den Leiden als ein guter Streiter Christi Jesu. Niemand, der Kriegsdienste leistet, verwickelt sich in die Beschäftigungen des Lebens, damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat.“ Das ist ganz normal.
Im gleichen Brief, in 2. Timotheus 3,12, heißt es: „Alle aber auch, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden.“ Das ist eine Realität. Das heißt: Wenn wir mit Jesus leben wollen, dann steht uns nicht nur im Blick auf die Größe der Aufgabe unsere eigene Schwäche im Weg, sondern das Leben selbst.
Und in uns steckt diese Neigung, genau wie wir das letzte Mal bei Petrus gesehen haben, dass wir uns eine ganz eigene Vorstellung von dem Messias zusammenstricken. Dass wir uns einen Messias bauen, wie er uns gefällt, und dass das, was Jesus als Messias darstellt, hinter diesem Bild zurücktritt, verschwindet. Und vielleicht fällt es uns auch manchmal schwer, die Wahrheit zu hören, aus Lukas 9,22: Wenn Jesus dann zu diesem Petrus sagen muss: „Der Sohn des Menschen muss vieles leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohen Priestern und Schriftgelehrten und getötet und am dritten Tag auferweckt werden.“
Ich glaube, wir lesen das und wir wissen instinktiv: Ich habe Angst davor, das zu lesen. Weil wenn das gilt, dann gilt es auch für uns.
Ich möchte euch noch eine andere Stelle zeigen aus Matthäus 10,24-25. Wenn Jesus das über sich sagt, dann hat Jesus an anderer Stelle gesagt: Matthäus 10,24: „Ein Jünger ist nicht über seinem Lehrer und ein Sklave nicht über seinem Herrn. Es ist dem Jünger genug, dass er sei wie sein Lehrer und der Sklave wie sein Herr. Wenn sie den Hausherrn Beelzebul genannt haben, wie viel mehr seine Hausgenossen?“
Beelzebul ist ein Name für den Obersten der Dämonen. Wenn sie Jesus so genannt haben, wie viel mehr seine Hausgenossen?
Das Mittel, das Gott benutzen möchte, um diese Welt zu retten, sind Christenleben, die sich selbst verleugnen, die ihre eigene Selbstverliebtheit und den Wunsch nach Selbstverwirklichung kreuzigen, um dadurch echtes Leben zu finden, indem sie ihr Leben verlieren.
Nochmal Lukas 9,23-24 vom letzten Mal: „Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es retten.“
Wisst ihr, das sind die AGBs im Christsein. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt. Wenn man ein Computerprogramm neu installiert, und ich habe das jetzt ein paar Mal getan, dann kommt immer so ein: Stimmen Sie den AGBs zu. Das ist so ein kleiner Button. Man muss da anklicken und sagen: Ja, ich will das, ich will die allgemeinen Geschäftsbedingungen akzeptieren. Bei jedem Internet-Einkauf musst du irgendwo dieses Häkchen setzen.
Und das sind unsere AGBs: „Wenn jemand mir nachfolgen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und folge mir nach.“
Die Frage, die ich letztes Mal gestellt haben wollte, war: Haben wir für uns diese Entscheidung getroffen? Haben wir dazu wirklich ein ganz klares Ja gefunden? Denn wenn du möchtest, dass Jesus dauerhaft in deinem Leben das Zentrum bleibt, die Sonne bleibt, um die sich alles dreht, dann kann ich dir nur diesen Tipp geben: ein Leben zu führen, das sich an seinem Leben orientiert. Weil das echte Nachfolge ist, wenn das Leben des Meisters sich im Leben des Schülers wiederfindet.
Und wenn es über Jesus heißt, dass er vieles leiden und verworfen werden und getötet werden musste, dann ist dieses „musste“ das Erschreckende, um die Welt zu retten. Was heißt das dann für uns? Es heißt, dass wir auch leiden werden, dass wir auch verworfen werden und womöglich getötet werden. Und es heißt, dass wir zu einem solchen Schicksal bewusst Ja sagen. Dass es für uns eine ganz bewusste Entscheidung ist, dass wir sagen: Ja, ich möchte in die Nachfolge Christi eintreten. Ich möchte an dem, was Gott dieser Welt zu schenken hat, an Rettung und Glück, Anteil haben. Und wenn mich das mein Leben kostet, na Mann, was kann ich denn sonst investieren? Ja, ich möchte Jesus folgen. Ich möchte das, weil ich will, dass er sich nicht für mich schämen muss. Dass, wenn ich ihm begegne, er sagt: Du guter und treuer Knecht. Und ich vor ihm stehe, ein Stückchen stolz, ein Stückchen froh, ein Leben gelebt zu haben, das sich wirklich lohnt.
Und ich möchte euch noch mal vom letzten Mal sagen: Wenn wir das nicht wollen, wenn uns das eigentlich unbequem ist, wenn wir Jesus und Rettung wollen, aber nicht Nachfolge, dann werden wir unser Jesusbild anpassen, so wie Petrus mit einer ganz falschen Vorstellung von Jesus unterwegs ist. Und am Ende werden wir unsere Begeisterung verlieren, ganz einfach deshalb, weil andere Dinge unsere Begeisterung fangen werden. Wir werden unser Herz hängen an Dinge, die uns wichtiger werden.
Vielleicht sind das so banale Dinge wie der Fußball. Vielleicht sind es Sorgen, gutes Essen, Technik, Gadgets, was gibt es Neues zum Runterladen, um zu machen. Vielleicht ist es Sport oder Gesundheit, Wissen, keine Ahnung, welche der modernen Götzen unser Herz fängt. Aber das werden wir tun: Sie werden unser Herz fangen, und Jesus wird uns immer weniger wichtig.
Deswegen die ersten beiden Tipps: Erstens, lass dich immer wieder auf wunderbare Weise gebrauchen, lass dich ein auf diese Berufung. Und der zweite Punkt: Führe ein Leben, das durch Nachfolge Jesus imitiert. Es ist nicht immer einfach, aber es ist das Leben, das sich hier auf dieser Erde lohnt und in alle Ewigkeit Belohnung erfahren wird.

Der Blick auf die Herrlichkeit Christi

Kommen wir zum dritten Tipp. Der dritte Tipp heißt, wirf immer wieder einen Blick auf die Herrlichkeit Christi.
Ich möchte einen längeren Abschnitt lesen, um den es mir heute geht: Lukas 9,27-36. Da heißt es:
 Lukas 9,27: Ich sage euch aber in Wahrheit, es sind einige unter denen, die hier stehen, die den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes gesehen haben.
Es geschah aber etwa acht Tage nach diesen Worten, dass er Petrus und Johannes und Jakobus mitnahm und auf den Berg stieg, um zu beten. Und als er betete, veränderte sich das Aussehen seines Angesichts, und sein Gewand wurde weiß strahlend. Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm; es waren Mose und Elija. Diese erschienen in Herrlichkeit und besprachen seinen Ausgang, den er in Jerusalem erfüllen sollte.
Petrus aber und die mit ihm waren, waren vom Schlaf beschwert. Als sie aber völlig aufgewacht waren, sahen sie seine Herrlichkeit und die zwei Männer, die bei ihm standen. Und als es geschah, dass sie von ihm schieden, sprach Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Und lass uns drei Hütten machen, dir eine und Mose eine und Elija eine. Und er wusste nicht, was er sagte.
Als er aber dies sagte, kam eine Wolke und überschattete sie. Sie fürchteten sich aber, als sie in die Wolke hineinkamen. Und es geschah eine Stimme aus der Wolke, die sagte: Dieser ist mein geliebter Sohn, ihn hört! Und während die Stimme geschah, war Jesus wieder allein. Und sie schwiegen und verkündeten in jenen Tagen niemand etwas von dem, was sie gesehen hatten.

Die Verheißung des kommenden Reiches

Nochmal Vers 27: Ich sage euch aber in Wahrheit, es sind einige unter denen, die hier stehen, die den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes gesehen haben.
Es ist ganz interessant: Dieser Satz kommt auf die eine oder andere Weise auch in Matthäus und in Markus vor. Und interessanterweise kommt er, ich lese ihn mal aus Markus vor, in Markus 9,2. Da heißt es: Und er sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, es sind einige von denen, die hier stehen, die den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes in Kraft haben kommen sehen.
Und glücklicherweise gibt uns Markus für die Auslegung hier einen kleinen Tipp, indem er nämlich diese Ergänzung bringt: das Reich Gottes in Kraft. Und jedes Mal, wenn dieser Satz kommt: Hier stehen einige, die werden sterben, bis sie das Reich Gottes kommen sehen, folgt direkt im Anschluss bei Matthäus, bei Markus und bei Lukas derselbe Bericht. Und jedes Mal kommt die Geschichte von Jesus auf den Berg der Verklärung.
Wenn Markus schreibt, dass Jesus sagt, es gibt hier einige unter meinen Jüngern, die werden das Reich Gottes in Kraft sehen, dann meint er, dass Petrus, Johannes und Jakobus auf dem Berg erleben werden, wie es ist, einen kurzen Blick in die Zukunft zu werfen. Die drei dürfen einen exklusiven Blick auf das Reich Gottes in Kraft werfen.
Ich möchte diesen Begriff Reich Gottes kurz erklären. Was heißt Reich Gottes? Wir denken bei Reich an geografisch irgendetwas Abgegrenztes. Die Bibel verwendet den Begriff Reich, um Herrschaft zu bezeichnen. Das Reich Gottes ist der Bereich oder die Summe der Herzen, über die Gott herrscht.
Und das Reich Gottes ist etwas, was die Jünger damals erwarteten. Sie erwarteten das Reich Gottes, und sie erwarteten, dass der Messias wiederkommt und sein Reich in Macht und Herrlichkeit sichtbar in Israel aufrichtet. Wenn Petrus davon träumt, dass der Messias kommt, alle Probleme beseitigt sind, die Römer ins Meer getrieben werden und was weiß ich nicht alles, dann ist das ja grundsätzlich nicht falsch. Nur das Wann und Wie ist falsch.
Dass Jesus wiederkommt, ja, das stimmt. Dass Jesus in Macht und Herrlichkeit wiederkommt, ist genauso richtig. Nur nicht jetzt, sondern in der Zukunft. Und der Messias richtet sein Reich nicht auf, indem er an der Spitze einer siegreichen Armee kämpft, sondern erst einmal, indem er an ein Kreuz geht, verworfen wird und aufersteht.
Also ich hoffe, dass wir alle erwarten, dass Jesus wiederkommt, so wie wir es weiter vorne in Vers 26 gelesen haben, in seiner Herrlichkeit und in der des Vaters und der der heiligen Engel. Wir erwarten, dass Jesus wiederkommt. Und wenn der Herr Jesus wiederkommt, werden wir das Reich Gottes in seiner schönsten Form, was diese Erde angeht, erleben.
Wir erwarten, dass Jesus wiederkommt und hier auf der Erde ein Reich, ein Friedensreich, aufrichtet. Und warum glauben wir das? Wir glauben es, weil es die Apostel uns gesagt haben.

Augenzeugenschaft und die Hoffnung auf Wiederkunft

Ich möchte mit euch einen Sprung wagen in den zweiten Petrusbrief. Schlagt mit mir mal 2. Petrus 1 auf.
Zu dieser Zeit ist Petrus ein alter Mann. Es ist so etwas wie sein Testament. Er schaut noch einmal zurück, und es ist spannend zu sehen, woran dieser alte Apostel sich erinnert.
 2. Petrus 1,16 sagt er: Denn wir haben euch die Macht und Ankunft unseres Herrn Jesus Christus kundgetan. Dieser Begriff, die Macht und Ankunft, das ist ein Fachbegriff, ein terminus technicus. Es ist der Begriff, den die Apostel verwenden, wenn sie sagen möchten: Wir reden jetzt mal über das zweite Kommen Christi, über das Wiederkommen Christi in Macht und Herrlichkeit. Dann sprechen sie von Macht und Ankunft.
Also nochmal: Denn wir haben euch, und er meint die Apostel, die Macht und Ankunft des Herrn Jesus Christus kundgetan. Also wir haben davon geredet, dass Jesus wiederkommt, nicht indem wir ausgeklügelten Fabeln folgen. Wir haben uns das nicht ausgedacht, sondern weil wir Augenzeugen seiner herrlichen Größe gewesen sind.
Und jetzt denkt er zurück an den Moment, wo er etwas von dieser zukünftigen Herrlichkeit schon gesehen hat, wo er einen Blick durch das Schlüsselloch auf den Christus in seiner verherrlichten Form werfen durfte.
Vers 17: Denn er, Jesus, empfing von Gott dem Vater Ehre und Herrlichkeit, als er von der erhabenen Herrlichkeit eine solche Stimme an ihn erging: Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. Und diese Stimme hörten wir vom Himmel her ergehen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berg.
Petrus denkt zurück und sagt: Ich verkündige euch, dass Jesus, der auferstanden ist, wiederkommt. Warum? Ich habe es gesehen. Ich durfte zu Lebzeiten einen Blick tun auf das Reich Gottes in Kraft.
Er ist davon überzeugt, dass Jesus wiederkommt, weil er auf dem Berg war und weil er Dinge gesehen hat. Er hat gesehen, wie sich das Aussehen Jesu verändert hat, wie etwas von seiner heiligen Göttlichkeit und überirdischen Reinheit, dieses Strahlen, mal durchbricht. Wie du sonst immer nur Jesus siehst und mit einem Mal quasi dahinter schaust, was sich hinter der Fassade an Herrlichkeit verbirgt.
Und er hat gesehen, dass Jesus eingetaucht ist in die Herrlichkeit dieser alttestamentlichen Heiligen, Mose, Elija. Und wenn die miteinander reden, dann reden sie über die Zukunft. Im Text stand: über seinen Ausgang, den er in Jerusalem erfüllen sollte. Gemeint ist damit sein Sterben in Jerusalem, über das, was kommt. Sie reden nicht über: Wie hat Hertha BSC gestern gespielt?, sondern über die Zukunft.
Petrus erinnert sich daran, an diesem Moment, wo er da steht, noch ein bisschen schlaftrunken ist, und dann kommt dieses lächerliche Ansinnen: Herr, sollen wir denn eine Hütte bauen? Und wenn wir schon beim Hüttenbauen sind, auch noch Mose und Elija eine.
Und damit stellt er Jesus auf eine Stufe mit Mose und Elija. Und man hat förmlich den Eindruck: Jetzt reicht es dem Himmel. Jetzt kommt die Wolke, kommt sehr schnell, kommt da drüber und sagt: Schluss.
Dieser ist mein geliebter Sohn, ihn und keinen anderen hört. Jesus ist der Heilige, Jesus ist der Herrliche, er ist der ewig einzige geliebte Sohn Gottes.

Die Gefahr, Christus zu verkleinern

Und deshalb lautet mein dritter Tipp: Wirf immer wieder einen Blick auf die Herrlichkeit Christi.
Wir waren am Berg der Verklärung nicht dabei. Aber ich denke, wir haben eine andere Chance, die Herrlichkeit Jesu zu erfassen. Wir haben einen anderen Ausgangspunkt. Im zweiten Korintherbrief schreibt Paulus einmal, dass wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen. Und wir haben etwas, was Petrus damals noch nicht hatte: Wir haben die Bibel.
Wenn ich diesen Tipp so sage, also: Wirf immer wieder einen Blick auf die Herrlichkeit Christi, dann ist die Gefahr die, dass Jesus in einem Leben klein wird, wenn wir uns nicht mit seiner Grösse beschäftigen.
 2. Korinther 5,16 sagt Paulus einmal einen Satz, der erst komisch klingt. Er sagt: Wenn wir Christus auch nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr so. Das ist ein komischer Satz. Habt ihr den da drangeworfen, den zweiten Teil? Ja? Wenn wir Christus auch nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr so.
Und wenn die Frage ist, warum, dann schreibt er im Vers davor: weil er gestorben und auferstanden ist.
Petrus war jemand, der Jesus nach dem Fleisch kennengelernt hat. Wisst ihr, nach dem Fleisch heisst: Stell dir mal vor, das wäre Jesus. Und du begegnest Jesus. Du kannst Jesus anfassen, du kannst mit ihm reden, du kannst mit ihm essen. Danke. Aber du siehst immer nur diesen Menschen. Es ist nach dem Fleisch: etwas zum Anfassen, aber du blickst nicht dahinter.
Auf dem Berg der Verklärung strahlt das mal kurz. Aber nach dem Fleisch. Und die Gefahr, die Paulus sieht, ist, dass wir da stehen bleiben. Und er sagt: Hey, nach der Auferstehung haben wir einen anderen Zugang. Es ist nicht nur dieses Greifbare, dieses Menschliche, Gott wird Mensch, sondern wir können diese versteckte Göttlichkeit wahrnehmen.
Wir können ihn nach der Auferstehung als mehr sehen, als einen Wanderprediger. Und wenn Paulus das schreibt, dann sagt er: Wir wissen, wer er ist. Wir haben uns mit seiner Herrlichkeit beschäftigt. Und wir sollten eigentlich nicht mehr in der Gefahr stehen, dass wir ihn auf eine Stufe stellen, so wie Petrus auf dem Berg der Verklärung mit Mose, Elija, von mir aus Buddha, Konfuzius, Platon oder irgendeinem anderen Propheten. Eigentlich sollte uns das nicht mehr passieren.
Und trotzdem glaube ich, dass wir in der Gefahr stehen, dass wir da, wo wir mit Jesus reden, genau wie Petrus manchmal nicht wissen, was wir sagen. Ich glaube, wir stehen in der Gefahr, aus dem Auferstandenen, aus dem verherrlichten, heiligen, ewig einzigen Sohn Gottes wieder einen Moralapostel zu machen, der sich mit seinen Weisheiten in unser Leben mischen möchte. Ihn wieder runterzuziehen. Ihn wieder nur als Wanderprediger zu sehen, als den, der uns mit seinen Sprüchen beglücken möchte, aber der uns sonst eigentlich nicht wirklich wichtig ist. Den wir als einen weisen Lehrer verehren, aber mehr nicht.
Ich glaube, dass wir in der Gefahr stehen, dass die Alltagssorgen unseren Blick gefangen nehmen und dass wir nicht mehr ab und zu mit dem betenden Jesus auf einen Berg steigen, um ihn dort zu sehen, wie er wirklich ist: heilig, herrlich, geliebt vom Vater.
Und wenn diese Momente ganz persönlicher, intimer Gemeinschaft mit dem Auferstandenen in unserem Leben fehlen, dann verspreche ich euch, wird er immer weniger wichtig werden. Und irgendwann ist er kaum mehr als ein x-beliebiger religiöser Lehrer, dem wir folgen.

Persönliche Gemeinschaft als geistliche Erneuerung

Ich habe über ein Bild nachgedacht, und ich finde: Wenn es um Gott geht, ist für mich meine Ehe ein gutes Bild.
Diese persönlichen Zeiten intimer Gemeinschaft, auf die Ehe übertragen, würde ich sagen, sind wie ein Eheabend. Ich muss Zeit reservieren, in der ich allein mit meiner Frau zusammen bin, in der ich sehr persönliche, intime Gemeinschaft habe. Wenn ich das nicht tue, dann wird Bärbel irgendwann einfach nur zur Frau an meiner Seite. Und nicht mehr.
Ich möchte mal Salomo zitieren, der, glaube ich, immer die besten Bilder bringt. Wenn Salomo im Hohen Lied von Sulamit schwärmt, dann sagt er: Meine Schwester, meine Freundin, meine Taube, meine Vollkommene. Ach, das ist schöner. Und das finde ich einfach toll. Da sage ich: Das möchte ich. Ich möchte dieses leidenschaftliche Kribbeln im Bauch für meine Frau bewahren. Ich möchte sie anschauen und sagen: Meine Schwester, meine Freundin, meine Taube, meine Vollkommene. Wow, das wünsche ich mir.
Aber das wird nicht einfach so passieren. Das braucht Eheabende. Das braucht Momente persönlicher, intimer Gemeinschaft. Das braucht Kommunikation.
Und wenn du sagst: Ich möchte das auch mit Jesus haben, ja, dann ist das genau richtig. Ich glaube, dass diese Zeiten der Zweisamkeit mit Jesus, dieses Bibellesen, Beten, Singen, Nachdenken, Hören, dass das die Zeiten sind, die zu den wichtigsten in meinem geistlichen Leben gehören. Und wenn ich ehrlich bin, dann gehören sie auch zu den am meisten angefochtenen Zeiten. Denn es sind die Zeiten, in denen wir am meisten lernen und in denen wir am meisten verändert werden.
Ich kann euch versprechen: Ihr werdet das öfter, um in diesem Bild zu bleiben, auf den Berg steigen müssen. Ihr werdet den Alltag hinter euch lassen müssen. Vielleicht müsst ihr den Computer ausmachen. Vielleicht geht ihr in den Keller, um einfach mal ungestört zu sein. Oder ihr zieht euch früh morgens zurück, bevor die Kinder wach sind. Ihr werdet euch solche Momente erarbeiten müssen.
Und trotzdem: Mein Tipp ist, nimm dir diese Zeiten, diese stillen Zeiten. Und noch etwas: Niemand wird dir diese stille Zeit schenken. Ich verspreche dir, dass die Umstände, die Gefühle, der Zeitgeist, wenn du darauf wartest, bis sie dich unterstützen, bis sie dich anschieben, wirst du nie etwas erreichen.
Und wenn du sagst: Ja, ich möchte, dass Jesus in meinem Leben wirklich der eine bleibt, der allein zählt, dem mein Leben gehört, dem ich dienen und folgen will, dann mein Tipp: Verpasse diese Momente nicht. Diese zarten Momente, wenn der Geist Gottes anklopft und sagt: Komm, lass uns jetzt auf den Berg gehen und beten.

Ein persönlicher Ruf zur Entscheidung

Und wenn du jetzt denkst: Früher hatte ich das, aber irgendwie ist das verloren gegangen, eigentlich hat mein Leben im Moment nicht mehr diesen Tiefgang an der Stelle. Irgendwie ist Jesus tatsächlich mehr Moralapostel als Geliebter. Irgendwie war da früher mehr Pepp in meinem Leben, war da früher mehr Tiefgang.
Dann möchte ich dich einladen: Heute ist erster Advent, der König kommt. Lasst uns diesen Tag benutzen, um Ja zu sagen. Ja, stimmt, ich möchte jetzt für mich eine Entscheidung treffen, dem Herrn zu begegnen. Ich möchte mir jetzt vornehmen, mich zu ändern.
Und ich sage dir: Ich weiß genau, wie du dich fühlst. Ich hatte vor ein paar Wochen auch so ein Ja, und ich merkte: Mein Gebet ging langsam runter, und ich hatte irgendwie nicht mehr so den Antrieb. Und es war meine Novembermelancholie, die kam noch obendrauf, und alles war so ein bisschen arg. Eines Tages lag ich da mal im Bett und dachte mir: Nee, nee, ja, und dann ...
Und das wünsche ich euch: Gebt euch den Ruck, den Ruck zurück in die Beziehung, den Ruck zurück, um einen sehr persönlichen, intensiven Blick auf die Herrlichkeit Christi zu werfen.
In diesem Sinn wünsche ich euch frohe Weihnachten. Ich werde erst im Januar wiederkommen, zumindest hier vorne. Die Jugend werde ich vorhersehen, und dann werden wir uns mit den Tipps Nummer vier und sieben beschäftigen. Aber der eine reicht ja schon mal für Weihnachten.
Dieses: Hey, Weihnachten ist da, du hast die Chance. Unser Gottesdienstmotto heißt heute Licht. Knipst dieses Licht wieder in eurem Leben an, dass ihr einen klaren, tiefen, persönlichen Blick auf Jesus werft und schafft diese Zeiten der persönlichen Zweisamkeit.
Und ich verspreche dir eins: Jesus wird in deinem Leben tatsächlich der eine bleiben, von dem du dir wünschst, dass er es ist: der Heilige, der Herrliche, der einzig ewige Sohn Gottes. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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