Serie•Teil 5 / 7Da berühren sich Himmel und Erde
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein persönlicher Einstieg und ein Hinweis auf ein kleines Buch
So, guten Abend miteinander! Jetzt müssen mich leider die Musiker da von hinten anschauen, aber da kann ich ja nichts dafür. Ich habe noch gedacht, mein Anblick ist zerknirscht. Was ihr jetzt denkt, wenn ihr das immer anschauen müsst, aber ich habe jetzt keinen anderen da, der nicht so zerknirscht ist.
Genau, ich wollte euch nochmals auf mein kleines Büchlein aufmerksam machen. Es hat noch einige Exemplare: „Sünde im Griff“. Ich weiss, der Titel ist vielleicht nicht sehr ansprechend, aber der Inhalt, finde ich, ist sehr wichtig.
Ein Kapitel, in dem ich über das Schicksal der Sünde schreibe, ist ganz wichtig, um überhaupt zu verstehen, warum wir das Problem mit der Sünde haben. Und dass das kein Problem ist von Menschen, die schlechter sind als die anderen, sondern dass es eigentlich das Schicksal von uns Menschen schlechthin ist, egal, wo wir aufgewachsen sind.
Und ein Kapitel, das ich denke, für unsere Zeit auch sehr wichtig ist, kann die Liebe zur Sünde sein. Und die ganze Frage, wie gehe ich mit Anfechtung um, wie kann ich treu bleiben, wenn ich einen Ehepartner habe und so, zeige ich da auf, wie man so mit Anfechtungen umgehen kann, was auch der Unterschied ist zwischen Anfechtung und Sünde.
Und dann noch ein Kapitel: Bei Rot über die Strasse gehen, ist das Sünde oder nicht? Genau so.
Das ist mal so. Es hat noch einige Exemplare. Schreibt ihr gern. Es kostet 9,95 Euro. Also ich habe, glaube ich, noch ein paar Fünfer dann bei mir, wenn ihr das wollt. Den Preis habe nicht ich gemacht, das hat der Verlag gemacht.
Eine alte Geschichte als Bild für spätere Sabotage
Ein Bauer, der sein Vieh auf fremden Landweiden ließ, wurde vom Landbesitzer angezeigt und dafür bestraft. Nun erzählt der arme Bauer, wie er sich dafür rächte.
Am Ende des Sommers ging ich ins Tal hinunter, in dem Schilfgras wuchs, und ich pflückte die Rispen und entnahm die Samenkörner. Als mein Feind Abu Yasin seinen Acker gepflügt hatte, der an einer Quelle lag und somit genügend Feuchtigkeit hatte, warf ich den Schilfgrassamen hinein.
Ehe das nächste Jahr kam, war der Acker von Schilfgras überwachsen, und von jenem Tag bis heute sind zwanzig Jahre vergangen, ohne dass der Besitzer darin eine Furche ziehen konnte. So dicht war das Schilf, dass auch die Ölbäume auf dem Acker verdorrten, und er hieb sie ab.
So rächte sich dieser Bauer offensichtlich. Eine einfache und doch effektive Methode. Jesus erzählte eine ähnliche Geschichte. Es ist die Geschichte vom Unkraut im Acker.
Der Rahmen des Gleichnisses und die überraschende Pointe
Jesus sitzt im Boot am Ufer des Sees Genezareth in Kapernaum. Kapernaum war übrigens sein Hauptort, wo er gewohnt hat. Es liegt schön am See.
Damals war das allerdings noch nicht so wichtig, wegen der Sicht und so. Dort saß er also auf einem Boot, denn das ist wegen der Schallwellen immer von Vorteil. Wenn er ein Stück vom Ufer weggeht, trägt der Schall besser. So hatte man gewissermaßen eine natürliche Verstärkeranlage.
Lesen wir aber zuerst einmal diesen Abschnitt:
Jesus erzählte der Menge noch ein anderes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Eines Nachts, während die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut zwischen den Weizen und machte sich davon. Als dann die Saat aufging und Ähren ansetzte, kam auch das Unkraut zum Vorschein.
Da gingen die Arbeiter zum Gutsherrn und fragten: Herr, hast du nicht guten Samen auf den Acker gesät? Woher kommt jetzt dieses Unkraut? Ein Feind von mir hat das getan, gab er zur Antwort. Die Arbeiter fragten: Möchtest du, dass wir hingehen und das Unkraut ausreißen und einsammeln? Nein, entgegnete der Gutsherr, ihr würdet mit dem Unkraut auch den Weizen ausreißen.
Lasst beides miteinander wachsen, bis die Zeit der Ernte da ist. Dann werde ich zu den Erntearbeitern sagen: Reißt zuerst das Unkraut aus, sammelt es ein und bündelt es, um es zu verbrennen. Und dann bringt den Weizen in meine Scheune.
Warum diese Erzählung bei den Zuhörern ankommt
Vermutlich spielten schon viele Zuhörer von Jesus einmal mit dem Gedanken, sich auf diese Weise an ihren Feinden zu rächen. Das war offensichtlich eine Möglichkeit. Deshalb erwähnt Jesus das auch, weil die Zuhörer dazu einen Bezug haben.
Man konnte so auf einem einfachen Weg unbemerkt ein erlittenes Unrecht vergelten. Ohne dass der andere es merkte, und man konnte sich dann ein wenig darüber freuen, welchen Schaden der andere dadurch erleidet. Schadenfreude nennt man das ja.
Jesus berichtete nun von einem solchen Fall: Eines Nachts, während die Menschen schliefen, kam ein Feind, säte Unkraut zwischen den Weizen und machte sich davon. Das Hinterhältige an diesem Vorgehen war, dass der angerichtete Schaden erst später, viel später, sichtbar wird. Niemand merkt das zunächst. Erst dann, wenn die Ähren blühten, hat man den Schaden gesehen. Als dann die Saat aufging und Ähren ansetzte, kam auch das Unkraut zum Vorschein.
Warum das Unkraut erst entdeckt wurde, als der Weizen Ähren ansetzte, lag daran, dass das Unkraut dem Weizen sehr ähnlich war. Die Ausleger sind sich einig darüber, dass es sich hier um den Taumellolch handeln muss, denn diese Pflanze sieht dem Weizen verblüffend ähnlich. Erst im späten Wachstumsstadium kann erkannt werden, dass es sich um diese giftige Pflanze handelt.
Als die Arbeiter das schädliche Kraut entdeckten, fragten sie ihren Gutsherrn: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt denn das Unkraut? Hast du irgendetwas Falsches eingekauft? Die Dichte des Unkrauts hatte sie verblüfft. Sie vermuteten, dass das Saatgut verunreinigt war durch diesen Samen des Taumellolchs. Doch der Gutsherr war sich sicher, dass er erstklassiges Saatgut gekauft und gesät hatte. Und er sagt: Ein Feind von mir hat das getan.
Das war ein Sabotageakt. Und nun wollen die Arbeiter den Schaden beheben und fragen ihren Herrn, was wir ja alle erwarten würden: Möchtest du, dass wir hingehen und das Unkraut ausreißen und einsammeln? Sie wollten den Acker vom Taumellolch befreien, alles beseitigen, was störend und zerstörend war. Eigentlich eine gute Idee und schließlich ganz normal.
Schließlich gehört das Jäten zu den wichtigsten Aufgaben im Garten. Wir haben bei unserem Garten einen Nachbarn, der nicht jätet. Und dann haben wir die Bescherung bei uns, weil das alles zu uns rüberwächst. Jetzt haben wir es ihm aber gesagt. Ich habe ihm schon mal einiges ausgerissen, und jetzt hat er auch angefangen, das zu machen. Das ist ganz wichtig. Wenn man nicht jätet, dann hat man ein Riesenproblem. Ständig ist man beschäftigt, das Unkraut zu beseitigen. Und die Arbeiter waren bereit, zuzupacken und den Acker von diesem lästigen und giftigen Unkraut zu befreien.
Die Rolle der Jünger und die Versuchung zur Gewalt
Die Arbeit in dieser Geschichte, so denke ich, sind die Jünger von Jesus. Damit sind die Nachfolger von Jesus gemeint, die sich um das Wachstum der Kirche kümmern. Und die Jünger von Jesus hatten schon oft bewiesen, dass sie bereit waren, tatkräftig zuzupacken.
Einmal, als Jesus von Segenetzareth nach Jerusalem reiste, ging es durchs Gebiet von Samarien. Dort sollten die Jünger eine Unterkunft suchen. Doch die Samariter waren nicht bereit, ihm ein Bett zur Verfügung zu stellen. Darüber ärgerten sich die Jünger maßlos.
Jakobus und Johannes wollten nun Ordnung schaffen und eine Unterkunft erzwingen. Sie fragten Jesus: „Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?“ Krass, ich finde das echt krass. Er hat einfach kein Zimmer bekommen. Ich meine, wenn ich jetzt nach Annaberg fahre und dort kein Hotelzimmer bekomme, dann sage ich doch nicht: Soll ich jetzt Feuer vom Himmel holen und das ganze Annaberg vernichten? Ich meine, wie überdreht ist denn das?
Aber da sehen wir, wie sehr sie vom Eifer gepackt waren. Sie meinten es mit dem Herrn gut. Sie dachten: Wir haben schon viel erlebt, jetzt können wir denen das auch zeigen. Wir sind mächtig, und Feuer vom Himmel wäre jetzt das richtige Mittel. Aber gut, sie fragten zuerst noch Jesus.
Sie wollten sozusagen das Unkraut ausreißen, das sich ihnen in den Weg stellte und ihre Bewegungsfreiheit einschränkte. Sie wollten ihren Platz behaupten, denn sie meinten, er würde ihnen zustehen.
Das ist hart, zu Recht. Das wollt ihr auf keinen Fall zulassen. Sie sollen diese Situation akzeptieren, wie sie ist.
Wir können die Jünger natürlich gut verstehen. Stoßen wir auf Widerstand, dann wollen wir ihn auch gern und möglichst schnell beseitigen. Wir schätzen aufgeräumte Verhältnisse. Fühlen wir uns in irgendeiner Weise benachteiligt oder herabgesetzt, verletzt uns das zutiefst. Und am liebsten würden wir, wenn wir könnten, dem anderen zeigen, dass ich es ihm zeigen kann.
Die Sehnsucht, die Urheber solcher Herabsetzung aus dem Weg zu schaffen, ist tief in uns drin. Dem drehe ich den Kopf um. Oder der wird schon noch mich kennenlernen.
Wir wollen die Welt um uns herum besser und angenehmer gestalten. Das ist ja an sich gar nichts Falsches. Nur wenn wir das mit Gewalt für das Evangelium tun wollen, dann sind wir auf der total falschen Fährte. Das Evangelium kann und darf nicht und nie mit Gewalt verbreitet werden. Nie dürfen Gegner vernichtet werden. Es ist Geduld angesagt, ob uns das gefällt oder nicht.
Die Gefahr religiöser Härte und der Blick auf die Geschichte
Selbst wenn man den sogenannten fundamentalen Christen immer wieder unterstellen möchte, dass sie gewaltbereit seien, und sie mit Extremisten vergleicht, dann ist das schlicht und ergreifend in meinen Augen eine Verleumdung.
Wer sich an die Fundamente des christlichen Glaubens hält, und das sind ja dann eigentlich die Fundamentalisten, egal welche konfessionellen Namen sie haben, der wird nie Gewalt anwenden wollen. Und das ist im Evangeliumswillen nie.
Und doch ist die Versuchung sehr groß, das kennen wir aus der Geschichte. Kaum wurde der christliche Glaube im dritten Jahrhundert nach Christus quasi legitimiert, ging es nicht lange, bis dann die Christen die Heiden mit Gewalt unterdrückten. Aber das waren keine Fundamentalisten, weil sie es sonst nicht getan hätten.
Man kann nicht aufgrund der Bibel das Evangelium mit Gewalt verteidigen und verbreiten. Natürlich würden wir gerne alles Falsche entlarven, an den Pranger stellen und dafür sorgen, dass es beseitigt wird. Weg mit den Sekten, weg mit den Irrlehren, weg mit dem, was sich auch immer gegen das Reich Gottes in den Weg stellen will, um die Entfaltung zu verhindern. Wenn doch alle der gesunden Lehre folgen würden, dann hätten wir den idealen Zustand hergestellt.
In der Geschichte gab es immer wieder solche Bewegungen, die dachten, sie könnten eine heile Welt herbeiführen, den Himmel auf dieser Welt mit Macht und Gewalt erzwingen. Das ist aber ein großer, großer Irrtum, der zu viel Elend führt und das Evangelium total in Verruf bringt.
Die Antwort des Gutsherrn ist unmissverständlich: Nein, ihr würdet mit dem Unkraut auch den Weizen ausreißen. Das würde natürlich ein Bauer nicht akzeptieren, diese Antwort, aber es ist ja auch ein Gleichnis.
Das Gleichnis erleben wir immer wieder mit überraschenden Momenten. Dann werden die Zuhörer aufmerksam. „Nein, das kann doch nicht sein, das hat der Christus nicht gesagt“, dann fangen sie an zu überlegen. Wenn alles normal ist, denkt man nicht weiter darüber nach. Man legt es einfach beiseite. Aber wenn so etwas Überraschendes kommt, dann merkt man: Hier will er jetzt etwas Besonderes sagen.
Das kannten die natürlich. Man hat viel mit Geschichten gelernt, nicht nur Jesus hat mit Geschichten gelernt. Das war auch ein Stil, ein Lernstil damals.
Also, ich muss ja sagen: Nein, ihr würdet mit dem Unkraut auch den Weizen ausreißen. Die Gefahr, dass mit dem Unkraut auch Weizen mit ausgerissen wird, schätzt der Gutsherr zu hoch ein. Zu wertvoll scheint ihm der Weizen. Der Weizen darf in keinem Fall beschädigt werden.
Die Deutung der einzelnen Bildelemente
Doch bevor wir uns nun weitere Gedanken über die Bedeutung der Erzählung machen, müssen wir zuerst aufschlüsseln, welche Bedeutung Jesus den einzelnen Personen und Gegenständen gibt.
Der, der den guten Samen aussät, das ist der Menschensohn, also Jesus. Der Acker symbolisiert die Welt. Der gute Same, das sind die Kinder des Himmelreichs, also die, die Jesus nachfolgen, jetzt im Neuen Testament, oder einfach die, die Gott dienen. Der Feind ist der Teufel, der das Unkraut sät. Und für das Unkraut steht der Mensch, der sich gegen Gott auflehnt oder gottlos lebt.
Im Neuen Testament bedeutet das überhaupt nicht, dass jemand einfach nicht religiös ist. Gottlos heißt vielmehr, dass jemand losgelöst vom Gott Israels lebt. Er kann durchaus andere Götter haben. Also einer, der den Baal verehrt, hat ja auch einen Gott. Aber aus der Sicht der Bibel ist er gottlos, weil er eben nicht an den lebendigen Gott glaubt, sondern an einen Götzen. Also der gottlose Mensch.
Mit diesem Gleichnis zeigt Jesus, dass die Christen in dieser Welt von vielen Menschen umgeben sind, die die Werte des Reiches Gottes nicht teilen. Auf den ersten Blick sieht es zwar so aus, als wären alle gleich, als würden sie die gleichen Werte teilen oder dieselben Ziele verfolgen. Heute wird das oft mit der Aussage ausgedrückt: „Wir glauben ja alle an denselben Gott.“ Das ist ja das schöne Bild: Alle glauben irgendwie an denselben Gott, wir laufen alle auf einen Berg hoch, von verschiedenen Seiten, und oben ist dann eben dieser eine Gott, an den wir alle glauben, egal wie er heißt.
So ist man dann schon als Christ in einer schwierigen Lage. Wenn man dann sagt: Ja, aber ich glaube, das stimmt nicht so, kommt man nicht so gut an. Wobei die Leute, die das sagen, meistens auch nicht Leute sind, die wirklich etwas glauben. Die glauben nicht einmal an einen anderen Gott, sie glauben eigentlich gar nichts wirklich. Deshalb können sie das sagen. Jemand, der auch an einen anderen Gott glaubt, wird das nie sagen: Es ist derselbe Gott. Das ist eigentlich widersinnig, es ist gar nichts. Wenn er das jemals sagt, dann hat er keine Ahnung von Religion, von verschiedenen Glaubensüberzeugungen. Dann hat er einfach null Ahnung. Er plappert einfach etwas dem anderen nach.
Paulus weist auch darauf hin, dass sich der Widersacher Gottes täuschend ähnlich einem göttlichen Wesen verhalten kann. Er schreibt, dass sich der Satan selbst als Engel des Lichts tarnt. Also kann man am Anfang Unkraut und Weizen gar nicht so recht auseinanderhalten, weil eine Täuschung geschehen kann.
Natürlich könnte man sagen, man sollte gegen solche Täuschungen etwas tun. Wir müssen das Plagiat unbedingt entlarven und beseitigen. Doch Jesus sieht das völlig anders: Lasst beides miteinander wachsen, bis die Zeit der Ernte da ist. Die Gefahr ist zu groß, dass wir durch unseren Eifer das Wachstum der Kirche behindern, wenn wir radikal durchgreifen würden.
Paulus als Beispiel für einen anderen Umgang mit dem Falschen
Paulus gab uns ein sehr anschauliches Bild dafür, wie das in der Praxis aussehen kann, wenn wir das Unkraut stehen lassen, als er in Athen all die Götterstatuen sah. Athen war ja das Mekka der Götter. Er war entsetzt. Überall Götzenkult.
Lukas berichtet in der Apostelgeschichte, dass Paulus, während er in Athen war, sich in der Stadt umsah. Empört und erschüttert stellte er fest, dass ihre Straßen von zahllosen Götterstatuen gesäumt waren. Und dann bekam Paulus die Gelegenheit, öffentlich auf dem Areopag zu sprechen und seinen Glauben zu erklären. Die Gelegenheit! Jetzt kann er voll Gas geben. Diese Chance muss er jetzt nutzen. Das wäre so, als würde mich jemand im Bundestag einladen und sagen: Jetzt kannst du mal nach vorne kommen und sagen, was du glaubst. Das war so der Platz in Athen, der Areopag, wo so etwas stattfand.
Nun könnte man erwarten, dass Paulus die Gelegenheit wirklich beim Schopf packt und zuerst einmal seinen Zuhörern erklärt, dass sie durch die vielen Götter in die Irre geführt werden, dass die ganze Götterwelt eine Illusion ist. Am besten würden sie alles beseitigen, denn das bringt sie in eine ganz falsche Richtung. Es gäbe schließlich nur einen wahren, lebendigen Gott, und diesen sollte eigentlich jeder verehren. Und in dieser Stadt sollte dieser eine Gott allein verehrt werden. Und jetzt sage ich euch, warum ihr diesen einen Gott verehren sollt. Der Gott, von dem ich euch berichte, ist der einzige Gott.
Doch das Erstaunliche ist, dass Paulus sich nicht um das Unkraut kümmerte. Er konzentrierte sich auf den guten Samen, und er begann seine Rede so: Bürger von Athen! Ich habe mich mit eigenen Augen davon überzeugen können, dass ihr außergewöhnlich religiöse Menschen seid. Zuerst machte er ihnen also ein Kompliment und brachte ihnen Respekt entgegen. Er würdigte in gewisser Weise ihr Interesse am religiösen Leben. Ich finde das fantastisch! Das begeistert mich jedes Mal, wenn ich das lese.
Und dann fuhr er fort: Als ich nämlich durch die Straßen eurer Stadt ging und mir eure Heiligtümer ansah, stieß ich auf einen Altar mit der Inschrift: „Für einen unbekannten Gott.“ Ihr verehrt also ein göttliches Wesen, ohne es zu kennen. Nun, gerade diese euch unbekannte Gottheit verkünde ich euch heute.
Das ist doch einfach sensationell. Hätte er zuerst über die Götter hergezogen, dann hätte er die Menschen nur verletzt. Die hätten schon die Ohren zugemacht und wären davon gelaufen, bevor er überhaupt etwas über seinen Gott hätte sagen können. Aber er hat die Menschen nicht verletzt, sondern er hat sie abgeholt.
Die Botschaft des Evangeliums ist so gut, dass wir nicht zuerst alles andere schlechtreden müssen. Es ist ganz wichtig, dass uns das bewusst ist. Die Botschaft des Evangeliums ist so gut, dass wir nicht zuerst alles andere schlechtreden müssen.
Die Gemeinde zwischen Abgrenzung und Offenheit
Auch in Ephesus sagten die Christen nichts gegen das berühmte und in der Stadt dominierende Heiligtum der Diana. Und das war wirklich, wirklich dominant. Es war ein riesiger Wallfahrtsort für diese Göttin.
Aber die Christen, obwohl die Gemeinde wuchs, sprachen nicht gegen diese Göttin. Sie sagten nichts gegen sie. Denn als sich dort die Leute gegen die Christen auflehnten, geschah das ja deshalb, weil der Absatz der Statuen zurückging. Es war nicht, weil sie öffentlich gelästert hätten. Aber diese Andenkenverkäufer oder, wie sie heißen, diese Heiligtumsverkäufer, die haben die Statuen, die die Leute gekauft haben, um sie mitzunehmen, nicht mehr so viele verkauft. Weil sich das Evangelium in Kleinasien so stark verbreitet hatte, hatten sie diesen Rückgang. Deshalb bekämpften sie die Christen.
Und dann, als dort ein richtiger Sturm gegen die Christen losbrach, versuchte der Stadtpräfekt oder Bürgermeister von Ephesus, den Aufruhr gegen die Christen zu stoppen. Er rief in die aufgewühlte Menschenmenge: Die Männer, die er hierhergeschleppt hat, haben schließlich weder den Tempel entweiht noch unsere Göttin verhöhnt.
Und niemand konnte ihnen widersprechen und sagen: Doch, das haben sie getan. Nein, sie haben es nicht getan. Das Evangelium steht für sich selbst. Auch wenn die Christen natürlich mit dem Kult der Diana nicht einverstanden waren, konzentrierten sie sich nicht auf das Unkraut, sondern auf den guten Samen.
Einmal schrieb Paulus den Christen in Korinth, sie sollten nichts mit Menschen zu tun haben, die sich Christen nennen und in Unzucht, in moralischer Verwerflichkeit leben, stehlen usw. Offensichtlich hatten die Christen Paulus falsch verstanden, sodass er sich veranlasst sah, seine Anweisung richtigzustellen. Er schrieb sinngemäß: Ich dachte natürlich nicht an Menschen, mit denen ihr zwar in dieser Welt zu tun habt, die aber Gott nicht kennen. Ihr habt mich falsch verstanden, wenn ihr meint, ihr müsst jetzt jedem sagen, was er zu tun hat. Ich habe nicht von denen gesprochen.
Wenn ihr den Kontakt mit allen vermeiden wolltet, die ein unmoralisches Leben führen, geldgierig sind, andere berauben oder Götzen anbeten, bliebe euch nichts anderes übrig, als die Welt zu verlassen. Luther übersetzt: die Welt zu räumen. Dann könnt ihr da nicht mehr leben. Du kannst nicht einmal mehr, ich weiß nicht, ob der Bäcker hier gläubig ist, aber dann könntest du bei uns wenigstens bei unserem Bäcker kein Brot kaufen, bei Joachim schon. Versteht ihr, was die gedacht haben?
Und Paulus sagt: Wenn ihr das meint, dass ihr dann mit diesen anderen Leuten, die nicht Christen sind, nicht mehr verkehren könnt, dann habt ihr mich komplett falsch verstanden. Denn dann könnt ihr gar nicht mehr auf dieser Welt leben. Weil alles Unkraut auszureißen, ohne dass wir keinen Erfolg haben, diese Arbeit ist gar nicht zu bewältigen. Wollte man dieses Problem lösen, müsste man die Welt verlassen. Aber Gott möchte, dass wir in dieser Welt bleiben, denn wir sollen den guten Samen ausstreuen. Wer soll es denn sonst tun?
Paulus ging es also nicht um die Menschen, die nicht zur Gemeinde gehören. Deshalb schrieb er Folgendes, um jedes Missverständnis zu beseitigen: Jetzt schreibe ich euch noch einmal unmissverständlich: Habt mit niemandem etwas zu tun, der sich zur Gemeinde zählt und trotzdem ein unmoralisches Leben führt, ein Geldgieriger ist, Götzen anbetet, Verleumdungen verbreitet, ein Trinker ist oder andere beraubt. Lasst einen solchen Menschen also auch nicht mehr an euren gemeinsamen Mahlzeiten teilnehmen.
Das wäre jetzt wieder einmal ein Thema für sich, aber nur, um zu sagen, wie Paulus das sieht. Er macht einen großen Unterschied zwischen Menschen, die in der Welt leben, ohne Gott oder mit einem anderen Gott, und zwischen Menschen, die mit Jesus leben. Er macht einen klaren Unterschied zwischen denen, die zur Kirche gehören, und denen, die nicht zur Kirche gehören.
Innerhalb der Gemeinde ist es wichtig, dass Irrlehren, unmoralisches Leben usw. nicht geduldet werden. Die Kirche soll als Orientierungspunkt und Licht in einer gefallenen Schöpfung in Erscheinung treten. Und wenn in der Gemeinde, und um das ging es Paulus, alles durcheinandergeht, wenn es zwischen Gemeinde und Welt, zwischen drinnen und draußen, keinen Unterschied mehr gibt, dann werden die Menschen nicht erkennen, dass die Gemeinde eine besondere Botschaft hat. Und darum ging es Paulus.
Paulus sagt es ganz deutlich: Über die, die draußen sind, wird Gott selbst das Urteil sprechen. Schließt also den, der Böses tut, aus eurer Gemeinschaft aus.
Es ist also nicht so, dass wir als Christen die Moralapostel sind und jedem auf die Finger klopfen und sagen: Das darfst du nicht, das darfst du nicht, das ist falsch, das ist falsch, nur wie ich es mache, ist richtig. Wir sind keine Moralapostel, wir sind auch keine Richter. Wir spielen uns in der Gesellschaft nicht als Richter und Moralapostel auf.
Wie der Gutsherr sagt: Ihr würdet mit dem Unkraut auch den Weizen ausreißen. Ihr würdet so viel kaputt machen, so viel ausreißen, was am Wachsen ist. Lasst das lieber bleiben! Würden wir den Taumellolch ausreißen, würden wir mit seinen starken Wurzeln die feineren Wurzeln des Weizens verletzen oder im schlimmsten Fall mitreißen. So sagt der Gutsherr: Lasst beides miteinander wachsen, bis die Zeit der Ernte da ist. Dann werde ich zu den Erntearbeitern sagen: Reißt zuerst das Unkraut aus, sammelt es ein und bündelt es, um es zu verbrennen. Und dann bringt den Weizen in meine Scheune.
Alles soll miteinander wachsen, und erst wenn die Erntezeit gekommen ist, soll der Weizen vom Taumellolch getrennt werden. Das Unkraut wird verbrannt, und der Weizen kommt in die Scheune. Die Erntezeit steht für das Ende der Welt, für das Gericht, dem kein Mensch entfliehen wird. Und die Erntearbeiter symbolisieren, habe ich da wieder verpasst, ist jetzt schon zum Schluss da geworden, also die Erntearbeiter sind die Engel Gottes.
Mit anderen Worten: Gott selbst wird die letzten Entscheidungen und Urteile treffen. Er wird richten, nicht wir. Und wenn Gott richtet, dann werden die Urteile garantiert gerecht sein.
Und bis es so weit ist, gilt für uns, was Paulus den Christen in Rom schreibt: Wenn es möglich ist und so weit es an uns liegt, lebt mit allen Menschen in Frieden. Also redet nicht herum wie die, die meinen, sie seien die Polizisten auf dieser Erde, sondern habt, soweit es an euch liegt, mit allen Menschen Frieden.
Oder was er den Christen in Galatien schreibt: Solange wir also noch Gelegenheit dazu haben, wollen wir allen Menschen Gutes tun, allen, ganz besonders denen, die wie wir durch den Glauben zur Familie Gottes gehören, aber allen Menschen, nicht nur denen, die zur Familie Gottes gehören.
Die Kirche und somit wir Christen müssen Spannungen ertragen und aushalten können. Wir müssen der Versuchung widerstehen, andere anzuklagen oder gegen sie vorzugehen. Das können wir getrost Gott überlassen.
Die abschliessende Auslegung und der Blick auf das Ende
Als die Jünger mit Jesus allein waren, baten sie ihn, das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker zu erklären. Mit dieser Erklärung vom Unkraut und vom Acker, die Jesus gibt, möchte ich abschließen.
Der Mann, sagt Jesus, der den guten Samen sät, ist der Menschensohn, also Jesus. Der Acker ist die Welt, der gute Same sind die Kinder des Himmelreichs. Das Unkraut sind die Kinder des Bösen. Der Feind, der das Unkraut sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt, und die Erntearbeiter sind die Engel.
Das Unkraut wird eingesammelt und verbrannt. So wird es auch am Ende der Welt sein. Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere zu Fall gebracht haben und deren gesetzloses Leben geführt haben, und werden sie in den Feuerofen werfen, dorthin, wo es nichts gibt als lautes Jammern und angstvolles Zittern und Beben.
Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters leuchten wie die Sonne. Wer Ohren hat, der höre.
Freuen wir uns auf diesen kommenden Tag, an dem wir im Reich Gottes sein werden. Bis dahin bleiben wir geduldig und ertragen die spannungsvollen Situationen, mit denen wir immer wieder konfrontiert sein werden. Denn Kirche hält Spannungen aus, und das wisst ihr viel besser als ich. Hier drin sitzen viele, die das miterlebt haben, wenn Kirche unter Druck kommt. Wenn Glaube zurückgedrängt wird, wenn man in einem feindlichen Umfeld lebt, wenn man nicht das lernen kann, was man will, nur weil man Christ ist, ihr wisst das viel besser als ich.
Kirche hält Spannungen aus und vertraut auf den Herrn, der gerecht ist. Und er wird es am Schluss garantiert richtig machen. Wir müssen nicht richten, wir sind keine Moralapostel, wir reißen das Unkraut nicht aus. Wir verkündigen das Evangelium.
Ein Gebet zum Schluss
Bitte mit uns.
Ich danke dir, Vater, dass du uns nicht die Aufgabe zugeteilt hast, dass wir auf dieser Erde wie Polizisten herumspringen müssen und Menschen sagen, was sie falsch machen und wie sie sich verhalten sollen. Sondern dass wir dein Evangelium verkündigen können, dass dein Evangelium für sich selbst steht.
Ich danke dir auch für die Vorbilder, die wir haben, und für Paulus, wie er sich in Athen in dieser Situation verhalten hat. An seinem Beispiel sehen wir ganz praktisch, was es heißt, das Unkraut stehen zu lassen und uns auf den Weizen zu konzentrieren.
Hilf uns in unserem Umfeld, dass wir das auch tun. Dass wir uns auf diesen Weizen, diesen guten Samen, konzentrieren. Dass wir auch erzählen, wie gut er ist. Aber dass wir uns nicht anmaßen, das Unkraut ausreißen zu wollen, denn das ist nicht unsere Aufgabe.
Wir beten dich an. Amen.

