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Titus 2,1+2

Titus 2,1-2,112.01.2020
SerieTeil 4 / 7Titus
Altwerden ist kein Selbstläufer: Wer im Alter klar glauben, lieben und durchhalten will, muss heute schon lernen, Jesus nicht zu verdrängen. Sonst wird aus Reife nur Starrsinn.

Einordnung des Themas und der Blick zurück auf die vorangegangene Warnung

Wir stehen im Titusbrief immer noch. Wir haben es tatsächlich ins zweite Kapitel geschafft, und der Predigtitel für heute Morgen lautet: „Altwerden ist nichts für Feiglinge“.
Ich mache noch mal einen kurzen Blick zurück. Letztes Mal haben wir uns am Ende von Kapitel 1 mit Irrlehrern beschäftigt, und heute geht es um das genaue Gegenteil. Heute geht es nämlich um gesunde Lehre.
„Du aber rede, was der gesunden Lehre entspricht.“
Und obwohl ich das schon oft gesagt habe, möchte ich es gern noch einmal sagen: Lehre entscheidet darüber, ob es mir im Leben gut geht oder nicht. Es gibt gesunde Lehre, und es gibt irre Lehre. Und irre Lehre macht irre. Sie schädigt wirklich das geistliche, das eigene geistliche Leben.
Das ist ein bisschen heutzutage verloren gegangen, diese Unterscheidung. Da schwappt auch so ein Stückchen übertriebene Toleranz in die evangelikale Szene hinein: Hauptsache, wir haben Jesus lieb. Das stimmt nicht. Es muss Klarheit geben im Leben. Und wer so ein bisschen unterwegs ist und wer so ein bisschen die Schicksale von gläubigen Leuten begleitet und sieht, was da im Moment alles passiert und wie viele Leute geistlich auf der Strecke bleiben, der bekommt vielleicht ein Gespür dafür, dass diese altbackene, urkonservative Formulierung von eben, ja, gesunde Lehre ist wichtig, vielleicht doch mehr dran hat.
Wir hatten das letzte Mal Irrlehre. Im Kolosserbrief tritt Paulus ähnlichen Leuten entgegen wie denen, die wir letztes Mal kennengelernt haben. Also auch Leuten, die sich hinstellen und sagen: Die Gemeinde muss sich mit den jüdischen Speisevorschriften und mit den Feiertagen beschäftigen.
Paulus beschreibt diese Irrlehre und sagt, sie treten besonders demütig auf, behaupten, in einer besonderen geistlichen Beziehung zu Gott zu stehen, und sie behaupten auch, geistliche Dinge besonders gut beurteilen zu können. Und trotzdem sind sie, und das zitiere ich mal aus dem Kolosserbrief, grundlos aufgeblasen. Das ist eine schöne Formulierung.
Da stellen sich Leute hin, und man denkt: Wow, der strahlt irgendwie etwas Nettes aus. Aber auch der Dalai Lama kommt irgendwie nett rüber. Das gehört einfach zu Irrlehrern dazu. Die machen ja vorne nicht ein Schild hin: Ich bin Irrlehrer. Und machen dann einen auf Reichskristallnacht, versteht ihr? Das ist nicht deren Ding.
Und trotzdem muss uns klar sein: Wenn man sich auf diese Irrlehrer einlässt, und das gilt egal für welche, dann teilt man ihr Schicksal. Genau die, die nämlich glauben, alles richtig zu machen, stellt Paulus im Kolosserbrief das Urteil aus, dass ihre Weisheit – man muss das Wort Weisheit eigentlich in Anführungszeichen setzen – nichts wert ist, dass ihr Gottesdienst eigenwillig ist, dass ihre Gebote Menschengebote sind, also menschlich.
Und während Paulus das sagt, schreibt er noch etwas. Das ist nämlich alles noch nicht das Schlimmste. Das Schlimmste bei Irrlehre ist, oder das Schlimmste für Irrlehrer und für die, die ihnen folgen, ist, dass sie ihre Verbindung zu Jesus verlieren.
Also wenn ich anfange, mir mein eigenes geistliches Leben zusammenzustricken nach meinen Ideen, und seien die noch so asketisch und hingegeben und scheinbar demütig, dann verliere ich das Wichtigste in meinem Leben. Jesus ist in diesem Moment nämlich nicht mehr Herr.
Und das Verrückte ist: Du kannst nicht wachsen, ohne dass Jesus Herr in deinem Leben ist. Du kannst geistliches Wachstum nicht machen. Dass du geistlich reifst, das liegt nicht in deiner Hand. Egal, wie viel du betest, Bibel liest – ich bin ja immer für Bibelverse auswendig lernen –, also egal, wie viel du das machst, du kannst dich nicht selber so unter Druck setzen, und dann kommt da irgendeine geistliche Tugend plötzlich aus dir raus. Das wird nicht passieren, solange Jesus das nicht in dir wirkt.
Und deswegen ist es so wichtig, dass Jesus Herr in unserem Leben bleibt und dass wir nicht irgendwann anfangen, Irrlehrern zu folgen, Regeln und Geboten zu folgen, die nicht mehr Jesus entsprechen, die uns nicht Jesus gegeben hat, sondern die wir selber gegeben haben, und wo wir dann anfangen zu sagen: Ja, das ist genauso wichtig. Das ist eine ganz gefährliche Richtung. Bitte passt da auf.
Und genau deshalb ist es wichtig, dass die Kreter – was wissen wir von den Kretern? Eine Kultur, die geprägt ist von Lüge, von Gewalt, von Faulheit – dass die Leute, die aus so einer Kultur kommen, eine Kultur, die in ihrem Leben Spuren hinterlassen hat, lernen, unter den Gehorsam Christi zu kommen.
Ihr könntet mal überlegen: Welche Spuren hat die deutsche Kultur in mir hinterlassen? Wir sind vielleicht nicht bekannt für Faulheit, aber ich habe manchmal den Eindruck, wir sind für eine Menge an Arbeit bekannt, wo man sich auch die Frage stellen muss: Ist das noch gesund? Man kann auch mal auf der anderen Seite vom Pferd runterfallen.
Wir kommen irgendwo her, wir bringen irgendeine Kultur mit. Und jetzt gilt es, diese Kultur unter den Gehorsam Christi zu stellen, zu sagen: Ich möchte, dass Jesus Herr wird. Ich möchte, dass er in dieser Kultur, in meinem Denken, in dem impliziten Gedächtnis, wo ich gar nicht mehr darüber nachdenke, was einfach nur da ist, dass Jesus das verändert.
Und die Frage ist: Wie macht man das? Dazu braucht man gesunde Lehre.
Und wenn wir jetzt in den Titusbrief hineingehen, Kapitel 2, dann werden wir merken: Wir kommen jetzt in den Bereich, wo jeder sein Fett wegbekommt. Also es fängt heute mit alten Männern an, und dann kommen in den nächsten Jahren auch die Frauen, und die jungen Männer kommen auch noch. Das ist jetzt so ganz praktisch, wo du am Ende sagst: Okay, vielen Dank.
Was ich am Anfang schon mal sagen möchte, ist: Es ist ganz praktisch. Wir denken manchmal bei Theologie in die falsche Richtung. Also wenn ich theologische Fragen gestellt bekomme, dann sind die so fifty-fifty. Die eine Hälfte sage ich: Die brauchst du mir nicht stellen, weil die einfach nicht relevant für dein Leben sind. Also das ist so die Frage: Wofür steht der weiße Reiter bei den vier apokalyptischen Reitern? Kann ich dir versuchen zu erklären, kann dir auch sagen, was ich denke. Spielt für dein Leben aber keine Rolle. Zumindest glaube ich das. Vielleicht sagst du: Doch, ich habe da noch nie ... ja.
Und dann gibt es Fragen, die sind richtig relevant. Da sitzt vor Kurzem ein kleines Mädchen, zehn Jahre alt, neben mir auf der Schaukel und fragt mich, und es ist ernst gemeint: „Jürgen, ich möchte mit Jesus leben, wie geht denn das?“ Da zuckst du erst mal und sagst: Okay, du hast jetzt drei Minuten, einem zehnjährigen Mädchen, das mit großen Ohren da sitzt und sich getraut hat, dem Ältesten diese Frage zu stellen, ein paar sinnvolle Sachen zu sagen.
Versteht ihr, das sind zwei Arten von Fragen. Und wir müssen uns mit den Fragen beschäftigen, die wirklich wichtig sind. Und das macht Paulus im Titusbrief. Und das ist eben nicht so diese theologischen Spitzfindigkeiten, wo du sagst: Ja, kann man auch noch wissen, sondern es sind diese ganz praktischen Fragen, die, wenn es hart auf hart kommt, über dein geistliches Leben entscheiden, und zwar über Leben und Tod. Und darum geht es jetzt.
Und deswegen ist so ein Vers wie Titus 2,2, ich bin davon überzeugt, den überliest man normalerweise bei der Bibellese. Das ist so eine Aufzählung. Hallo, was gibt es Langweiligeres in der Bibel als Aufzählungen? Nichts. Also vielleicht noch Aufzählungen von Namen. Also 1. Chronik, wenn man da mal ankommt bei der Bibellese und dann so nach dem ersten Kapitel denkt: Hm, das weiße Kapitel Namen. Mal schauen, wie das zweite Kapitel spannender wird. Und dann stellt man fest: Nein.
Und dann blättert man vor und sagt, man sieht das ja so schon vom Schriftbild her: Name, Name, Name, Name, Name. Dann blättert man und sagt: Sechs, sieben, acht, neun. Und dann endlich ... ja, also das mag noch ein Tick lang sein, aber da liest man drüber. Und das ist die Gefahr. Wir lesen manchmal über die Dinge hinweg, die wirklich wichtig sind.
Ich hoffe, dass ihr am Ende sagt: Ja, man kann aus diesem einen Vers tatsächlich eine Predigt machen, wo man am Ende rausgeht und sagt: Muss ich noch mal darüber nachdenken heute Abend. Das würde ich mir wünschen, weil die wichtigste Disziplin des geistlichen Lebens, die unseren Erfolg sichert, eben das Nachsinnen ist. Wir sinnen über das Wort, und indem wir das tun, bekommen wir die Gedanken und Impulse und die Ideen, die wir brauchen, um unser Leben zu verändern.
 Titus 2,2: Was ist gesunde Lehre, dass die alten Männer ...

Das Profil geistlich reifer Männer

Von jetzt an möchte ich eines: Alle, die nicht alte Männer sind, bitte weiter zuhören. Ich werde versuchen, ein paar Prinzipien herauszuarbeiten, die auch für junge Frauen gelten, also für alte Frauen und mittelalte und mittelalte Männer. Hört einfach weiter zu.
Dass die alten Männer nüchtern seien, besonnen, gesund im Glauben, in der Liebe, im Ausharren. Wie sollen alte Männer sein? Was zeichnet geistlich alte Männer aus? In der Bibel ist alt so etwa ab sechzig, damit man so eine Vorstellung bekommt. So etwa ab sechzig würde man als alt bezeichnet werden. Doch, doch, tut mir leid. Also, was zeichnet alte Männer aus? Ich sage mal: Der eine Punkt, unter dem ich all diese Begriffe zusammenfassen kann, sind Vorbilder. Alte Männer sind Vorbilder.
Der erste Punkt: Sie sind nüchtern. Es geht um den Umgang mit Alkohol, sie haben kein Alkoholproblem. Man kann das ein bisschen weiter fassen und könnte sagen: Ihr Leben wird nicht von einer Sucht beherrscht. Sie sind also nicht süchtig nach C2H5OH, aber auch nicht nach Arbeit, Glücksspiel, Selbstdarstellung, Extremsport und was uns sonst noch einfällt. Sie haben sich und ihr Leben im Griff.
Wenn du einen alten Menschen siehst, der das nicht hat, ist das ganz besonders traurig. Ganz besonders traurig, weil man denkt: Der hat jetzt so lange gelebt und hat irgendwie Selbstbeherrschung nicht gelernt. Und hier ist es anders. Selbstbeherrschung ist für geistliche alte Männer nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Sie kennen die Gefahren des Lebens, und sie wissen, wie man diesen Gefahren ausweicht oder sie meistert.
Ein zweiter Punkt: Sie sind ehrbar. Ein Mann ist ehrbar, wenn er durch die Art, wie er lebt, durch sein Verhalten den Respekt anderer Menschen gewinnt. Und es sind hier ganz verschiedene Aspekte, die zusammenkommen, wenn jemand ehrbar ist. Da ist so eine Portion Weisheit dabei, da ist eine Portion Integrität dabei. Also, dass jemand wirklich mit seinem Leben ehrlich für das einsteht, was er glaubt. Da ist ein Stück Barmherzigkeit dabei. Ich habe genügend selber ausgefressen, um zu wissen, dass ich mich nicht so leicht über andere erhebe. Ich weiß einfach, dass Menschen Liebe brauchen, und ein Stück geduldig mit Menschen umzugehen, das gehört dazu. Deswegen auch so eine Portion Gelassenheit und eine große Portion Gottesfurcht. Das macht Ehrbarkeit aus.
Der Ehrbare strahlt durch die Art, wie er lebt und wie er redet, Würde aus. Es gibt auch das Gegenteil. Aber hier geht es darum, dass wir uns einen Lebensstil angewöhnt haben, wo man merkt: Boah, der hat was. Der hat was, woran man sich orientieren kann und sagt: Ja, so möchte ich auch mal werden.
In den Apokryphen gibt es eine schöne, ich finde mutmachende Beschreibung von alten Menschen. Jesus Sirach 25,3-6: Wenn du in der Jugend nicht sammelst, wie kannst du im Alter etwas finden? Wie schön ist’s, wenn die grauen Häupter urteilen können und die Alten Rat wissen! Wie schön ist Weisheit bei den Alten und bei angesehenen Überlegungen und Rat! Die Krone der Alten ist reiche Erfahrung, und ihre Ehre ist die Furcht des Herrn.
Ich weiß nicht, wie ihr zu den Apokryphen steht. Sie sind nicht inspiriert, aber gut. Das sind Leute, da merkt man: Die haben mit Gott gelebt. Und dann haben sie ein paar Sachen geschrieben, wo man sagt: Okay, es ist nicht Gottes Wort. Wenn du dich nicht dran hältst, ist es keine Sünde. Aber die bringen manchmal Sachen auf den Punkt, wo ich sage: Schön getroffen. Und das ist so ein Teil davon.
Wie schön, wenn es alte Männer gibt, die in technischen Dingen vielleicht nicht so auf dem neuesten Stand sind, die dir nicht sagen können, welche App du herunterladen musst für dieses und jenes kleine Problem, die aber, wenn es um die wirklich wichtigen Dinge des Lebens geht, um die Frage, wie gehe ich mit Gott um, wie gehe ich mit Versuchungen um, wie löse ich Probleme in meiner Ehe oder wenn da echte Sorgen auf mich zukommen, was mache ich denn dann, wie schön, wenn es dann alte Männer gibt, wo man hingehen kann und sagen kann: Hey, hilf mir mal.
Ich hatte das Vorrecht, in den 90er Jahren mit so einem alten Mann mal zwei Wochen unterwegs zu sein. Ich war sein Kofferträger. Er ist nach Albanien gefahren, um dort ehemalige Schüler, die jetzt Missionare waren, zu besuchen. Und mit diesem alten Ami zwei Wochen zu verbringen und zu sagen: Das war wirklich so einfach saugen, ja, das war einfach so. In einem alten, zerbrechlichen Körper, der da morgens seine Pillen geschluckt hat und der nicht mehr in der Lage war, seinen Koffer selber zu tragen, weil er zu schwach dafür war, das war so Weisheit auf zwei Beinen.
Mein Ziel war: Fragen stellen, Fragen stellen, Fragen stellen, Fragen stellen, Fragen stellen, Fragen stellen, alles, was mir einfällt. Zuhören, schauen, was der macht, wie der lebt. Und das war einfach nur genial. Und ich frage mich, ob heute vielleicht so viele junge gläubige Schiffbruch im Glauben erleiden, weil es diese Ratgeber kaum noch gibt. Oder auch, weil man sie nicht fragt. Es kann ja auch andersherum sein, dass man gar nicht mehr glaubt, dass es sich lohnt, jemanden zu fragen, der älter ist, weil ja Google alle Antworten hat.
Jetzt muss man sagen: Wahrscheinlich stimmt das einfach nicht. Wahrscheinlich kann Google auf bestimmte Fragen gerade des Lebens keine Antwort geben. Wir brauchen diese Alten, die gelebt haben, Erfahrung gesammelt haben.
Ein dritter Punkt: Männer sollen, und das ist jetzt der Punkt, der gilt tatsächlich definitiv für alle. Das wird später im Text dann auch bei den Frauen und bei den jungen Männern noch einmal betont. Das hatten wir schon bei den Ältesten: Sie sollen besonnen sein. Das scheint so ein bisschen die Tugend zu sein, die auf Kreta am meisten gebraucht wurde. Man kann sich das vorstellen: Ich komme aus einer Gesellschaft, die mehr oder weniger von Boshaftigkeit beherrscht wird, und jetzt geht es darum zu überlegen: Okay, was bringen wir den Leuten bei? Und dann stellen wir fest, dass die Gnade Gottes gerade an dieser Stelle diese Kreter dazu erzieht. Wir werden das in Titus 2,12 lesen. Dazu erzieht, besonnen zu sein.
Und ich meine, das ist damals wie heute eine tolle Tugend: Besonnenheit. Was ist Besonnenheit? Womit hat Besonnenheit zu tun? Wenn jemand besonnen ist, dann ist er selbstbeherrscht, er ist irgendwie klug, er hat Unterscheidungsvermögen. Wenn ich besonnen bin, dann weiß ich, wie ich in einer bestimmten Situation, die mich jetzt herausfordert, reagiere. Egal, ob da einer vor mir im Straßenverkehr zu langsam fährt, also meiner Meinung nach zu langsam. Der fährt ja fünfzig, aber vielleicht will ich ein Stück schneller fahren oder habe mich ein bisschen in der Zeit verschätzt, dann müsste er eigentlich ein bisschen schneller fahren, versteht er. Ob das so eine Situation ist oder, was weiß ich, ich schaue ins Kinderzimmer und weiß: Ich habe da eigentlich schon gesagt, dass die aufräumen sollen. Es sind solche Momente, die mich für den kurzen Moment überfordern. Und ich komme zur Arbeitsstelle und stelle fest: Ich habe gestern meinem Chef versprochen, etwas zu machen, und ich habe es leider vergessen. War jetzt nicht böse gemeint, es ist passiert. Was mache ich jetzt?
So ganz blöde Situationen, wo der Besonnene weiß, wie man angemessen reagiert. Man kann immer panisch werden oder man kann sich immer versuchen, so passiv wegzuducken. Beides wäre nicht besonnen. In der Situation zu wissen, was mache ich jetzt, das ist Besonnenheit. Und das ist etwas, wofür alte Männer stehen sollen.
Jesus Sirach beschreibt das, finde ich, gut. Bei einem alten Mann, und manchmal werde ich jetzt auch sagen Menschen, weil ich glaube, das gilt auch für Frauen, auch wenn wir die Frauen noch einmal extra aufgelistet bekommen, aber jetzt bei einem alten Mann: Da ist reiche Erfahrung. Der hat genügend solche Situationen durch, der weiß, was das heißt, der weiß, wie man damit umgeht. Und er ist gottesfürchtig. Der kennt die Bibel, der kennt seinen Herrn, der weiß, wie man das anwendet, was er da so im Lauf seines Lebens in der Bibel gelesen hat.
Und jetzt merken wir schon: Ich komme von der Bibel. Also Besonnenheit ist nicht zu verwechseln damit, dass ich irgendwie bauernschlau das Leben meistere, um auch einen guten Schnitt zu machen. Die Männer, die ich versuche, evangelistisch zu erreichen, die haben in ihrem Leben eine Menge erreicht. Die sind größtenteils mein Alter und irgendwie finanziell gefettet. Die haben auch eine Form von Schlauheit, und die sind, wenn es um Dinge des Lebens geht, wirklich klug, die checken etwas. Und trotzdem ist es nicht das, was die Bibel Besonnenheit nennen würde.
Besonnenheit nach der Bibel heißt, dass ich Gottes Gedanken verstehe. Das ist Gottesfurcht, das steckt hinter dem Gedanken Gottesfurcht. Ich weiß, da gibt es einen Standard, den Gott setzt, und ich nehme diesen Standard ernst. Ich versuche, ihn zu verstehen, und ich lebe danach. Und ich weiß, wie das, was Gott will, in die Tat umgesetzt wird. Ich weiß, wie man Gottes Gedanken klug in die Tat umsetzt. Das ist Besonnenheit nach der Bibel.
Frage: Wie werde ich besonnen? Antwort: Und das ist jetzt ein bisschen mehr für die jungen Leute. Ich würde dem Buch der Sprüche eine besondere Aufmerksamkeit geben. Schaut mal her, in Sprüche 1 heißt es in den Versen 1, 2 und 4: Sprüche Salomos, des Sohnes Davids, des Königs von Israel, um zu erkennen Weisheit, dann gibt es eine Aufzählung, und in Vers 4: um Einfältigen, dem Einfältigen ist der, der noch nicht so viel Erfahrung gesammelt hat, Klugheit zu geben, dem jungen Mann und der jungen Frau Erkenntnis und jetzt kommt es: Besonnenheit.
Du möchtest Besonnenheit lernen. Jetzt haben wir gesagt, Besonnenheit ist die Fähigkeit, die Gedanken Gottes zu kennen und dann umzusetzen ins Leben. Das Buch der Sprüche ist genau dafür da. Das ist ein ganzes Buch, damit wir Besonnenheit lernen. Das war der Grund, warum ich auf Frogwords einen Kommentar zu dem Buch der Sprüche eingestellt habe.
Wenn ich mir frage, was ist für junge Leute gut? Tabea kommt zu mir, Praktikantin, was muss sie studieren? Das Buch Sprüche. Sie ist hundert Tage da, sie muss drei Sprüche am Tag studieren. Warum? Weil es ungefähr neunhundert Verse sind. Warum ist das wichtig? Weil sie als junge Frau dieses Buch braucht. Dieses Buch wurde für sie geschrieben. Und wenn man die Sprüche liest, dann stellt man fest: Die sind wirklich dazu gemacht, Besonnenheit zu lernen, wenn man sie mal verstanden hat.
Also, wie lernt man mit den Sprüchen Besonnenheit? Okay, man liest sie durch und denkt über sie nach. Jetzt sind biblische Sprüche nicht so wie ein Buch über Aphorismen, wo man einfach nur Sätze drin hat, sondern biblische Sprüche sind kleine Rätsel. Ich will euch das kurz erklären. Biblische Sprüche beschreiben das richtige Verhalten in bestimmten Lebenssituationen. Und jetzt habe ich da einen Vers, aber da steht nicht dabei, zu welcher Situation der gehört. Und das ist der Clou.
An dieser Stelle wird der Spruch zum Rätsel, wenn ich anfange, darüber nachzufinden: Zu welcher Situation gehört der denn, wie wende ich den denn an? Oder wenn ich unterschiedliche Sprüche habe, die sehr ähnlich sind, wie ergänzen die sich eigentlich oder wie grenzen die sich voneinander ab? Ja, oder vielleicht nicht der ganze Spruch, sondern das Prinzip, was hinter dem Spruch steht. Welche Lebenssituation wird beschrieben? Wenn man das so ein bisschen anfängt zu durchdenken, das macht wirklich Spaß. Ich möchte euch ein bisschen dafür gewinnen, es nicht nur runterzulesen und zu sagen: Okay, die Sprüche funktionieren wie die zehn Gebote. Nein, tun sie nicht. Sie sind situativ, und dieses situative Element macht sie so ein bisschen tricky.
So, ich will jetzt nicht hier weiter eingehen. Wenn euch das Thema interessiert, schaut mal auf Rockworks, da gibt es auch eine Einführung in die Art, wie hebräische Poesie funktioniert, und da rede ich mehr über Sprüche. Für euch nur so viel: Wenn ihr Besonnenheit lernen wollt, dann habt ihr die Möglichkeit, auf Rockworks zu gehen, den Kommentar anzuschauen, die Anwendungsfragen anzuschauen. Ihr könnt wirklich nur davon profitieren. Und nicht, weil ich so schlau es da reingeschrieben habe, sondern weil Gott dir ein ganzes Buch spendiert hat, um Besonnenheit zu lernen.
Ich habe nur versucht, den Sprung in das Buch ein bisschen leichter zu machen, also die eine oder andere Hürde für dich zu nehmen. Und ich denke, je früher wir anfangen, das Buch Sprüche zu studieren und wirklich ernst zu nehmen, umso besser. Wie hatte Jesus Sirach das so schön gesagt? Wenn du in der Jugend nicht sammelst, wie kannst du im Alter etwas finden? Das ist nicht Bibel, das ist nicht inspirierend, aber ich finde es ziemlich klug.
Sicherlich kann man auch mit sechzig noch anfangen, das Buch der Sprüche zu studieren. Du kannst ja neunzig werden, dann hast du noch ein bisschen Zeit gehabt. Aber ich vermute mal, wenn ich meine eigene Entwicklung gerade anschaue, dass die mentalen Fähigkeiten abnehmen, die Möglichkeit, etwas zu durchdenken, und auch die Möglichkeit, etwas ganz locker anzuwenden, auszuprobieren, sich zu merken. Das wird nicht schneller. Bei mir wird gerade alles langsamer. Und von daher: Wenn du noch nicht sechzig bist, fang damit an.
Der nüchterne, ehrbare und besonnene alte Mann ist das Ergebnis eines Lebens, das nachdenkt, Gott fürchtet und sich vom Bösen fernhält.

Geistliche Gesundheit als Kennzeichen des Alters

Machen wir weiter in Titus, Kapitel 2, Vers 2. Ich lese noch einmal vor: dass die alten Männer nüchtern seien, ehrbar, besonnen. Jetzt geht es weiter: gesund im Glauben, in der Liebe, im Ausharren.
Drei geteilte Aufforderungen. Und wenn es hier heißt, dass sie gesund sein sollen, ist nicht die körperliche Gesundheit gemeint. Es geht um eine geistliche Gesundheit. Gesund, und zwar im Blick auf die richtigen Glaubensinhalte, das ist der Glaube. Im Blick auf herzliche Liebe, das ist der Umgang mit anderen Menschen. Und im Blick auf die Standhaftigkeit, das ist der Umgang mit Problemen. In allen drei Bereichen sollen alte Männer ein Vorbild sein.
Und mir scheint, wenn das hier so steht, und jetzt müssten die Älteren mal sagen, ob das stimmt, also könnt ihr mir nachher sagen, mir scheint, dass das deshalb hier steht, weil es drei Bereiche sind, die im Alter angefochten sind. Bereiche, die vielleicht mehr Aufmerksamkeit brauchen, als man sich manchmal vorstellt.
Wie komme ich auf den Gedanken? Es sind im Alten Testament Könige wie Salomo, Asa, Usia, Joas, die im Alter von Gott abfallen. Sie haben auf der einen Seite wirklich etwas mit Gott erlebt. Salomo ist ja ganz dramatisch. Und dann machen sie im Alter irgendeinen Schnickschnack, wo du beim Lesen, das ist zum Teil ja nur kurz beschrieben, dir die Frage stellst: Wie bist du denn auf diese Schnapsidee gekommen? Denn das passt doch überhaupt nicht mehr.
Also ich frage: Kann jemand im Alter abfallen? Ja, ich habe keine Ahnung genau, wie das geht, aber ehrlich gesagt, ich habe vor dieser Idee Respekt. Also vor der Idee, dass das Alter nicht zwingend die Zeit der Glaubensfestigkeit ist, sondern vielleicht so eine Zeit, wo man seinen Glauben verliert. Und ich rede jetzt nicht von Altersdemenz. Wenn mein Gehirn kaputtgeht und meine Neuronen verrotten, dann ist das nicht meine Schuld. Gott kennt mein Herz, Gott kennt mich. Nur weil ich mich vielleicht nicht mehr an den Namen meiner Frau erinnern kann oder nicht mehr weiß, worum es im Titusbrief geht, heißt das noch lange nicht, dass Gott mich abgeschrieben hat.
Wenn die Maschine hier oben, das Gehirn, kaputtgeht, dann ist das nicht mein Geist. Auch wenn hier oben nichts mehr läuft, bin ich doch noch geistlich gesehen ein Mensch mit Gott. Und es bleibt dann völlig egal, ob ich am Sonntagmorgen fit bin, um eine Predigt zu halten, oder vielleicht sabbernd in einem Pflegeheim im Bett liege und der Pfleger mir gerade die Windel wechselt. Das macht zwischen mir und Gott keinen Unterschied.
Also: Es geht Paulus hier nicht um Demenz. Es geht ihm um alte Männer, die nicht mehr gesund sind im Glauben, die sich schon noch erinnern können, aber die plötzlich anfangen, Kompromisse einzugehen, die diesen eigenen Kampf gegen die Sünde einfach nicht mehr so ernst nehmen, die Überzeugungen verlieren. Ich weiß nicht, ob ihr solche Leute kennt. Ich finde das total dramatisch. Wo ihr denkt: Mann, du hast doch immer da und früher ... ja, war früher vielleicht sogar der ganze Glaube an Gott irgendwie in Frage gestellt. Auf das Leben zurückblicken und dann eben nicht sagen: Hey, das war, habe ich mit Gott gerockt, sondern eher so: Hm, ich weiß gar nicht, ob da wirklich was war. Vielleicht habe ich mir das die ganze Zeit irgendwie nur eingebildet.
Die Frage ist: Warum sollten die das tun? Antwort: Weil das Alter ans Licht bringt, was wirklich in mir steckt. Was meine ich? Was bleibt von meinem Glaubensleben noch übrig, wenn es nicht mehr so kritisch beäugt wird? Oder wenn ich raus bin aus der Verantwortung für Familie oder Gemeinde? Wenn ich plötzlich viel freie Zeit habe? Oder, und wir hatten das beim Buch Prediger: Wenn die Jahre herannahen, von denen du sagen wirst: Ich habe kein Gefallen an ihnen.
Versteht ihr? Das ist ja nicht eine easy Zeit. Deshalb auch dieser Titel: Altwerden ist nichts für Feiglinge. Ein Zitat von Mae West, müsst ihr nicht kennen, Filmstar in den Dreißigern, letztes Jahrhundert. Aber das stimmt irgendwie. Da kommt eine Zeit auf uns zu, auf die du dich vorbereiten musst. Du kannst nicht sagen: Mit 66 Jahren fängt das Leben an. Nein, mit 66 hört es langsam auf. Auch wenn du dir eine Harley kaufst, ich verspreche dir, es hört langsam auf. Und spätestens wenn du 76 bist, wirst du merken, dass ich recht habe.
Gesund im Glauben, das ist die Herausforderung Nummer eins. Heute so zu leben, dass ich im Alter ankomme als einer, der Überzeugungen hat, die wirklich Überzeugungen sind. Und nicht nur so oberflächlich aufgesetzte Verhaltensmuster, die dann in dem Moment, wo das Alter mich fordert, sich als das entpuppen, was sie sind: aufgesetzte Verhaltensmuster.

Liebe, die im Miteinander gelernt wird

Zweiter Punkt: gesund in der Liebe.
Gesunde Liebe ist, wer es gelernt hat, aus reinem Herzen, gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben zu lieben. Wisst ihr, wo ich das her habe? Hier: 1. Timotheus 1,5. Das Endziel der Weisung, also dafür sind Gebote da, das Endziel der Weisung oder des Gebotes aber ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben.
Wenn man jetzt diese ersten beiden Aufforderungen, gesund im Glauben und gesund in der Liebe, mal zusammennimmt, dann merkt man, dass hier ein alter Mann im Blick ist, der einerseits weiß, was er glaubt, andererseits aber auch nicht so ein altersstarrsinniger Grollkopf geworden ist.
Also im Alter nicht mehr wissen, wofür man steht, und sich dem Zeitgeist beugen, weil man nicht mehr kämpfen will oder vielleicht auch, weil man nie Zeit hatte, mal tiefe eigene Überzeugungen zu entwickeln, vielleicht auch nie vom Wort Gottes wirklich getroffen worden ist. Es gibt so diese Mitläufer. Immer so nicken, wenn der Prediger was sagt. Aber es geht nicht ums Nicken, es geht darum, dass man darüber nachdenkt, dass das meins wird, dass Wort Gottes, gesprochen von der Kanzel, sich in deinem Leben inkarniert. Das darf Fleisch werden, das darf bei dir wieder da sein. Das darf so präsent sein, dass du es weitergeben kannst, dass du morgen nicht hier hinstellst und sagst: Ich halte die Predigt noch mal aus meiner Perspektive, und es kommt das Gleiche dabei heraus. Darum geht es eigentlich.
Also dieses im Alter nicht mehr wissen, wofür man steht, ist genauso falsch wie im Alter nicht zu wissen, was es heißt zu lieben. Der grantige Alte ist kein Zeugnis für Jesus. Wenn wir ein Leben lang Besserwisserei und Sturheit und Härte und solche Sachen kultivieren, dann wird das spätestens im Alter ans Licht kommen. Vielleicht kannst du dein Leben lang nicht zurückhalten, ja, aber in dem Moment, wo du alt wirst, zeigt sich, wer du wirklich bist.
Und deswegen ist es so unverschämt wichtig, dass wir es lernen zu lieben, um dann im Alter liebevoll zu sein.
Frage: Wie lernt man lieben? Na ja, dazu gibt es ja auch ein Buch in der Bibel. Ich könnte jetzt sagen, ja, irgendwie das Hohelied kann man so ein bisschen übertragen, das habe ich mal gemacht, aber hm, ja, hm, nee: Liebe lernt man durch den Umgang mit den Geschwistern in der Gemeinde. Liebe lernt man durch Bruderliebe, das ist die biblische Botschaft. Und es sind die Geschwister mit ihren Macken, die uns zwingen, ein paar ganz wichtige Lektionen in Sachen Liebe zu lernen.
Da wäre zum Beispiel ganz vorne dabei diese unerhört wichtige Lektion, dass Beziehungen das Wichtigste sind. Oder dass Liebe Sünde gerne zudeckt, anderen gern vergibt, den anderen erträgt, sich auch nicht zurückzieht, wenn der mal was Komisches macht. Oder dass Liebe einfach da ist: Der andere braucht mich, und ich bin da, einfach nur da. Das ist so schön: Ich bin da, um Lasten zu schultern. Oder dass Liebe immer wieder neu auf Veränderung hofft. Oder dass Liebe zum Beispiel eigenen Groll als einen Angriff auf die Bruderliebe versteht, nicht als ein Recht, das ich habe, sondern eigentlich als ein Unrecht, das ich der Beziehung antue. Oder dass ich lernen muss, mich selber einfach so ganz grundsätzlich mal nicht so wichtig zu nehmen.
Einfach mal dieses: Lasst uns doch einfach mal Diener sein, so wirkliche Knechte Gottes, also nicht nur lesen und nicken, sondern einfach mal sein. Knechte Gottes, die einander dienen, kein Problem damit haben, übersehen zu werden, auch mal den Dreck wegzumachen. Es sind so diese Dinge. Ich kann es jetzt nur so skizzieren, ihr habt alle genug Gemeindeerfahrung, um zu wissen, wovon ich rede.
Geschwister sind dazu da, dass wir Liebe lernen, oder anders ausgedrückt: Die Kompetenz, so zu lieben, wie Gott liebt, entsteht aus Bruderliebe. Wer die Geschwister nicht liebt, lasst mich die Gegenseite kurz sagen, der hat biblisch gesehen wirklich gar nichts verstanden. Und ich würde wahrscheinlich sagen: Er ist nicht gläubig. Warum? Weil der erste Johannesbrief bei den Kriterien, woran man sieht, dass jemand gläubig ist, die Bruderliebe so hochsetzt. Also einer, der die Geschwister nicht liebt, nicht weiß, was er mit denen anfangen soll, ein großes Fragezeichen an sein geistliches Leben.
Und die moderne Tendenz, sich aus Gemeinde zu verabschieden, so etwas Individualistisches zu leben, heute gebe ich mir da das Lobpreiskonzert und morgen vielleicht die Predigt von dem und übermorgen dort unten noch eine Gebetsgemeinschaft in der Gemeinde, weil sie ein bisschen cooler ist, aber ich gehöre nicht wirklich irgendwo dazu, sondern das ist so ein Selbstbedienungsladen, wo ich mir eigentlich nur noch nehme, was ich für meine Bedürfnisse, ja, ich meine: mir, mich, brauche. Das ist der Tod im Topf. Diese Leute werden nie Liebe lernen. Die lernen einfach nur, sich um ihre Bedürfnisse zu drehen, wie so ein Brummkreisel, ja, ich, meiner, mir, mich, und stellen dann fest, dass das ihr geistliches Leben viel weniger voranbringt, als wenn sie sich in eine simple, kleine, ätzende Gemeinde hineinbegeben hätten mit ätzenden Geschwistern, die jede Woche genügend Probleme schaffen, dass man gerne eine Stunde früher aufsteht, weil man eine Stunde länger beten muss. Yeah!
Das ist es, ganz ehrlich. Lass dich auf die Gemeinschaft mit Geschwistern ein, sieh Geschwister nicht als Problem, sondern als Chance, nämlich als die Chance, Liebe zu lernen. So eine Liebe, wie wir es hatten in 1. Timotheus 1,5: aus reinem Herzen, reinem Herz, das heißt Liebe ohne Hintergedanken, aus einem guten Gewissen, also ohne Zwang. Ich mache das nicht, weil ich ein schlechtes Gewissen habe, nein, ich mache das ohne Zwang, und ich mache es aus ungeheucheltem Glauben. Das ist keine Show. „Ich mache das wirklich gern, das bin ich. Da steckt etwas von Christusliebe in mir drin, was raus will. Und dass du das abbekommst, na ja, dann hat sich Gott so ausgedacht, das hätte ich sonst nicht gemacht. Aber das ist dann halt so in der Gemeinde.“
Also in der Gemeinde kann ich lernen, ehrlich, freiwillig und echt zu lieben. Aber ich muss mich darauf einlassen. Und wenn ich das tue, ein Leben lang, dann werde ich ein alter Mann, der gesund in der Liebe ist, wo man merkt: Der war ein Leben lang für Menschen da, hat die Last der anderen getragen, und das hat ihn tatsächlich liebevoll gemacht.

Standhaftigkeit, die aus Leid und Gebet wächst

Letzter Punkt, dann habt ihr es geschafft: gesund im Ausharren. Der letzte Punkt ist, gesund im Ausharren zu sein. Das Leben eines alten Mannes soll geprägt sein von Standhaftigkeit. Das ist irgendwie logisch.
Ein geistlich alter Mann hat gelernt, mit widrigen Umständen, mit Entmutigung, mit Opposition, mit Schwierigkeiten und mit wechselnden Lebensumständen richtig umzugehen. Paulus sagt das mal so schön: Ich habe gelernt, wie es ist, wenn man arm ist und wenn man reich ist. Das kann passieren, es ist einfach unterschiedlich. Oder auch mit Niedergeschlagenheit und all diesen Dingen richtig umzugehen.
Ich weiß: Wenn ich gesund bin im Ausharren, dann weiß ich, wie ich bei Gott Trost finde. Und ich weiß, wie ich mich auch emotional schnell wieder in den Griff kriege.
Oder ich mag dem Psalmisten. Was ich jetzt mache, ist ein bisschen fies. Ich benutze einen Vers, obwohl ich eigentlich denke, dass er im Original ein kleines bisschen etwas anderes bedeutet. Aber er ist so schön in der deutschen Übersetzung. Und nachdem keiner hier im Raum weiß, dass es vielleicht nicht ganz zum Original passt, mache ich trotzdem etwas so Schönes hier: Psalm 84,6-7.
Also in einem im Her... Entschuldigung. Hast du da noch eine Folie für mich? Psalm 84? Diese Person hat so und so Dinge gibt es nicht drin. Okay, gut. Hört einfach zu.
Hört einfach zu, weil ein alter Mann jemand ist, in dessen Herzen gebahnte Wege sind. Ein gebahnter Weg ist von der Idee her so: Ich habe Schlamm, da fährt dann durch den Schlamm irgendwie ein Karren durch, und dann trocknet das an. Dann habe ich gebahnte Wege, und alle, die danach fahren, rutschen automatisch in diese Spur hinein.
Und die Idee ist, dass in unserem Herzen gebahnte Wege sind, um zu verstehen, wie man mit bestimmten Situationen umgeht. Ich habe also bestimmte schwierige Situationen, wo es um Ausharren geht, so oft gemeistert, dass ich automatisch, ich muss da gar nicht mehr groß drüber nachdenken, quasi in dieses richtige Verhaltensmuster hineinrutsche.
Und in Psalm 84 heißt es da mal: Glücklich ist der Mensch, dessen Stärke in dir ist, in dessen Herz gebahnte Wege sind. Und dann werden diese Leute beschrieben: Sie gehen durch das Tränental und machen es zu einem Quellort. Ja, mit Segnungen bedeckt es der Frühregen.
Und diese Idee: Ich weiß, dass Gott keinen Fehler macht, dass alle Dinge zum Guten mitwirken, dass er meine Stärke ist. Und das erlaubt mir, aus einem Tränental, etwas Negativem, einen Quellort zu machen, etwas Positives. Weil in meinem Herzen gebahnte Wege sind. Weil ich einfach weiß, wie man in bestimmten Situationen richtig reagiert, um nicht unterzugehen.
Das ist die Weisheit des Alters, die mich persönlich fasziniert: fähig sein, aus einem Tränental einen Quellort zu machen, gesund zu sein im Ausharren.
Gleich haben wir es: Wie lernt man Ausharren? Ganz einfach, durch Leid. So ist es. Leid, das uns zwingt, entweder Gott zu suchen oder vor ihm wegzulaufen. Entweder setze ich alles Vertrauen, alle Hoffnung auf Gott, dann werde ich Ausharren lernen, oder ich laufe von ihm weg, dann wird mich Leid umbringen.
Und wenn es uns zu Gott hinführt, also sprich ins Gebet treibt, weil mehr können wir dann nicht tun, dann werden wir im Gebet immer und immer wieder mindestens fünf Dinge finden, die ich euch kurz vorstellen möchte.
Erstens: Du wirst Trost finden. Ich halte persönlich Trost für mit das Beste, was diese Welt zu bieten hat. Wir brauchen ihn, und für mich ist Matthäus 5,4, dieses „Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden“, einer der ganz großen Verse der Bibel.
Ich habe das Recht, über das zu trauern, was mir zustößt. Und wenn ich das vor Gott tue, werde ich bei ihm übernatürlichen Trost finden. Und wann immer du das tust, wird es passieren. Und ganz ehrlich: Wenn du hundertmal erlebt hast, hier ist mein, ich bin fertig, ich weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll, ich gehe ins Gebet und ich kotze mich aus, heule und bringe das vor Gott, und irgendwann, ich mache das so lange, und wenn es eine Stunde dauert oder zwei, ist das völlig egal, bis dieser übernatürliche Moment passiert, der immer passiert. Oder sagen wir: fast immer. Manchmal muss man auch zweimal beten, aber fast immer passiert es.
In neun von zehn Fällen, in neunundneunzig von hundert Fällen, passiert dir, wo plötzlich, bling, ein Trost da ist über die Situation. Wo kommst du denn her? Das passt doch jetzt gar nicht. Ich war doch eben noch völlig fertig. Ja, das war eben, und jetzt kommt dieser Trost. Das ist das Erste, was wir immer und immer wieder erleben müssen.
Ein zweiter Punkt: Wir finden Weisheit im Gebet. Gott möchte uns helfen, richtig auf belastende Situationen zu reagieren. Manchmal erinnert er uns an einen Bibelvers. Manchmal braucht es vielleicht Vergebung, manchmal Mut, manchmal muss man ein deutliches Wort finden. Das ist das, was du im Gebet findest: Weisheit, um zu wissen, wie reagiere ich richtig. Wie gesagt, eben nicht Bauernschläue, sondern göttliche Weisheit.
Dritter Punkt: Was du findest, ist Dankbarkeit. Gott lädt uns nämlich im Gebet ein, das Leid, das wir erleben, aus einer anderen Perspektive zu betrachten und dafür dankbar zu werden. Und das klingt jetzt total irre, ich weiß. Das geht nur mit Epheser 5,20, dass wir allezeit für alles Gott, dem Vater, dankbar sind. Das ist ein bisschen schwierig, das ist schon so ein bisschen Christsein für alte Männer halt. Versteht ihr? Es ist Christsein für die, die wissen: Ich werde in jeder Situation für die Situation Gott danken.
Und wenn ich das tue, wenn ich im Gebet und Flehen mit Danksagung meine Sorgen bei Gott abgebe, wird sein Frieden mein Herz beschützen. Wovor? Vor Unglauben.
Wir reden über alte Männer. Wenn jetzt Jüngere im Glauben sagen, das ist mir alles noch ein bisschen zu taff, wir reden über alte Männer. Alte Männer wissen, wovon ich rede. Ich gehe mit meiner Sorge ins Gebet, und ich werde für meine Sorge danken, weil alle Dinge zum Guten mitwirken, weil Gott keinen Fehler macht, weil ich zwar keinen Plan habe, was das jetzt soll, aber weil ich weiß, dass Gott ihn hat.
Daraus entsteht Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, ein Leben der Gnade leben zu dürfen, was sich im Moment nicht nett anfühlt, aber was im Moment trotzdem Gnade bleibt.
Ein letzter Punkt, nee, ein vorletzter Punkt: Ich werde Stärke finden. Jesaja schreibt: In Stillsein und in Vertrauen ist eure Stärke. Eben nicht im panisch hektischen Überlegen und Googeln, sondern mal runterkommen, in den Wald gehen, beten.
Fünfter Punkt: Demut. Und der letzte Punkt ist der unangenehmste. Bei Gottsein hilft mir nämlich in vielen Fällen, meinen eigenen negativen Beitrag zu der jeweiligen schwierigen Situation zu erkennen. Oder manchmal auch meinen falschen Blick auf die Schwierigkeiten oder meine falschen Erwartungen an Menschen.
Oft lande ich in Schwierigkeiten nicht nur, weil die anderen so doof sind, und nicht nur, weil die Lebensumstände so schwierig sind, sondern ich habe irgendwie meinen Beitrag dazu geleistet. Und das im Gebet zu erkennen und dann zu sagen: Entschuldigung, Herr. Und ihr findet das in den Psalmen, ihr müsst das mal lesen, in vielen Psalmen so: Da wird geklagt, und dann wird trotzdem auch gleich Sünde bekannt. Und dann heißt es: Hallo, was denn jetzt? Willst du jetzt Befreiung von der schwierigen Situation und dann Sünde bekennen? Das ist irgendwie so ein Kuddelmuddel, Mischmasch, und das ist Leben.
Und diese fünf Punkte immer und immer wieder bei Gott zu finden, immer wieder zu sagen: Ich gehe ins Gebet und erlebe Trost, ich erlebe Weisheit, ich erlebe Dankbarkeit und den damit einhergehenden Frieden, ich erlebe Stärke, ich erlebe Demut.
Jetzt merkst du: Du machst das immer und immer wieder, mit jeder Sorge deines Lebens. Ob du eine Herzrhythmusstörung hast und plötzlich denkst: Wie lange geht das noch? Oder ob dein Kind nach Hause kommt und sagt: Versetzung gefährdet. Dann denkst du: Da wusste ich ja gar nichts davon. Keine Ahnung, ich weiß nicht, was dich gerade belastet.
Aber wenn du es lernst, immer wieder, wenn das ein Reflex wird, der Reflex: Hier kommt eine Schwierigkeit, ich kläre das jetzt mit Gott, ich suche jetzt seinen Trost, seine Weisheit, ich will dankbar sein, ich suche seine Stärke und ich will demütig sein. Wenn das immer wieder passiert, und du machst das fünf Jahre, zehn Jahre, du machst das hundertmal, zweihundertmal, dann ist irgendwann in deinem Herzen so eine Spurrille.
Und wenn die nächste Schwierigkeit kommt, wie auch immer, dann denkst du gar nicht mehr darüber nach, sondern du rutschst förmlich in die Spur und sagst: Okay, ich brauche auch eine Stunde im Wald. Und du weißt, was du im Wald tust, und du weißt, was du im Wald erwarten kannst. Und weil du das weißt, weißt du, dass dieses Problem, das jetzt so unüberwindlich zu sein scheint, überwindbar ist.
Warum? Weil ich schon 200 überwunden habe auf dem Weg. Und das ist nur 201 und auch nicht schlimmer als die anderen. Versteht ihr? Und das ist der Hintergrund von Standhaftigkeit: vor einem Problem zu stehen und zu sagen, das kriege ich hin, das kriegt Gott hin. Warum? Weil ich weiß, wer mit mir ist, und weil in meinem Herzen gebahnte Wege sind und ich Ausharren gelernt habe.
Also: Ausharren lernt man durch Leid, Leid, das mich immer und immer wieder ins Gebet treibt, um dort zu erleben, dass Gott ein genialer Gott ist, absolut treu. Er lässt mich wirklich nie im Stich. Und es ist diese Erfahrung seiner Treue über Jahre und Jahrzehnte hinweg, die in mir das schafft, dass ich gesund bin im Ausharren.

Ermutigung zum Vertrauen auf Gottes Geist

Das war es, das war es zu den alten Männern. Alt werden ist nichts für Feiglinge.
Ich finde es schön, wenn ich so etwas predige und jetzt am Ende sagen kann: In uns steckt Gottes Geist. Und das heißt in der Bibel: Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr der Heerscharen.
Wir können so einen Anspruch sehen und uns jetzt schon wegducken und sagen: Boah, das ist für die anderen. Oder wir können sagen: Das ist Gottes Chance für mich. Nicht weil ich so helle bin, nicht weil ich so stark bin, nicht weil ich in der genialen Gemeinde Hoffnung.de bin, sondern weil der Geist Gottes in mir am Wirken ist.
Und ich verspreche dir etwas: Wenn dieser Vers, Titus 2,2, dich nicht dazu bringt, dich wegzuducken, sondern ihn auswendig zu lernen und darüber nachzudenken, und du sagst: Hey, ich möchte so einer werden, ich gebe mir nochmal das Skript, das wird morgen oder übermorgen im Netz stehen, ich schaue mir das nochmal an, und ich picke mir mal die eine Sache raus, an der ich als Nächstes arbeiten möchte, und die kommt auf meine Gebetsliste, und darüber denke ich nach.
Wenn du das tust, wird der Geist Gottes dich verändern. Gott hat das allergrößte Interesse daran, dass alte Männer nicht nur alt werden, sondern geistlich gesund alt. Er hat das größte Interesse. Er wird es tun.
Also wenn du jetzt hier sitzt und sagst: Boah, das ist ein touch too much, ich weiß nicht, wie ich das umsetzen soll, ist völlig wurscht, das musst du auch nicht, weil Gott es in dir wirken wird, wenn du willst. Du musst nur sagen: Herr, ich will, und ich weiß nicht wie, hilf meinem Unglauben, hilf mir dadurch.
Und Gott wird an deine Seite treten und, wie bei Petrus aus den Fluten, wird dich packen, wird dich rausziehen und wird dir helfen. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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