Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und Anlass der Ansprache
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Es war eine Freude, auch einmal „Vesterburg“ auf Deutsch zu singen. Ich kenne das Lied natürlich, aber bisher habe ich es nur auf Englisch gesungen. Es ist für mich eine Erinnerung daran, wie viel wir Deutschland schulden. Die Reformation ist zu uns nach Großbritannien gekommen, und sie hat unsere Geschichte verändert.
Martin Luther hat geglaubt und gepredigt, dass das Evangelium auch heute noch geglaubt wird und Leben verändert. Es ist dieses Evangelium, das Nationen aus aller Welt zusammenbringt. So komme ich hier als Ausländer und fühle mich sofort willkommen. That’s great, because we’re going to spend a lot of time together in eternity.
Es war ein Vorrecht für mich, in diesen letzten Tagen über biblische Theologie zu sprechen. Und jetzt werde ich etwas sehr Gefährliches tun: Ich werde eine Predigt aus dem Alten Testament halten. Natürlich besteht da die Gefahr, dass ich jetzt alle Regeln breche, die ich euch in den letzten Tagen beigebracht habe.
Ich werde heute ganz einfach eine Predigt aus Daniel 1 halten. Ich werde euch keinen Einblick geben, wie ich dabei vorgehe. Ich hoffe, das entspricht dem, was ich in den letzten Tagen gelehrt und euch vermittelt habe. Aber wie ich eben unten schon den Pastoren gesagt habe, gibt es nicht einen einzigen Weg, eine einzige Art, einen alttestamentlichen Text zu predigen. Natürlich gibt es einige Gefahren, die man vermeiden sollte, und das hoffe ich zu tun. Aber es gibt keinen einzigen Weg.
Wie ihr sehen werdet, predige ich jetzt aus Daniel 1 angesichts des Kommens Jesu Christi. Natürlich muss ich das tun, denn die ganze Bibel ist ein christliches Buch.
Die Spannung zwischen Anpassung und Rückzug
Aber lasst mich damit anfangen, euch von einem psychologischen Experiment in Amerika zu erzählen. Solomon Asch hat dieses Projekt geleitet und untersucht, wie Peer Pressure Jugendliche beeinflusst.
Er sagte zu einer Gruppe von zehn Personen: Ihr seht hier drei Linien. Die Linien sind unterschiedlich lang, und ich werde jeweils eine aufzeigen. Ich will, dass ihr eure Hand hebt, wenn ich auf die längste Linie zeige.
Vor dem Experiment nahm er aber neun dieser Personen zur Seite und sagte ihnen: Meldet euch, wenn ich auf die zweitlängste Linie zeige. Und dann wollen wir sehen, was der Zehnte tut.
So zeigt er also auf die zweitlängste Linie, und neun der Personen melden sich. Oft hat die zehnte Person dann ein wenig nervös geschaut und schließlich auch langsam die Hand gehoben.
Dann wiederholt er noch einmal die Anleitung und sagt: Nein, ich will, dass ihr euch meldet, wenn ich auf die längste Linie zeige. Und sie haben es wiederholt. Trotzdem hat der Zehnte immer wieder gezögert, sich dann aber ebenfalls gemeldet.
Es war dieser Person wichtiger, einfach dazuzupassen, als richtig zu liegen.
Wir Christen im Westen sind in einer Minderheit. Wir als Christen sind im Westen in der Minderheit. Wenn ich hier in Deutschland mit euch rede, dann bemerke ich, dass ihr in vielem dem sehr ähnlich seid, wie wir es auch in England empfinden. Und als Minderheit stehen wir unter viel Druck.
Ich bemerke auch, dass Christen in dieser Gemeinschaft auf zwei Arten reagieren. Ich denke, die meisten Christen reagieren hier auf eine von zwei Weisen. Für einige wird der Druck einfach zu viel. All die Fluchwörter der Kultur werden uns entgegengeworfen. Das schlimmste Fluchwort unserer Kultur ist jetzt: intolerant. Und dann heißt es: Be God, okay. How can you possibly say there's only one way to God? How can you possibly say that gay marriage is not okay? You're intolerant. And so some Christians end up just fitting in or being quiet.
Einige Christen reagieren darauf, indem sie einfach versuchen, sich anzupassen und den Mund zu halten. Wir sehen bei vielen Evangelikalen auch, dass sie in ihrer Theologie Kompromisse eingehen. In Großbritannien sehen wir, dass es von Jahr zu Jahr schwieriger wird. Es ist gar nicht so lange her, dass die meisten noch in einer christlichen Weltanschauung gedacht haben. Und das Einzige, worüber sich die Gesellschaft beschwert hat, war, dass sie es einfach ein bisschen zu ernst gemeint haben.
Die Welt denkt jetzt, dass die Moralvorstellung der Christen unmoralisch ist. Und so ziehen sich die Christen zurück und wollen eigentlich nur noch mit anderen Christen zu tun haben. Wir wollen so wenig wie möglich mit der Welt zu tun haben, außer dass wir ab und zu mal einige Kanonen auf die anderen abschießen. Hauptsache, wir ziehen uns von ihnen zurück.
Die große Herausforderung ist für uns Briten, zumindest, wie wir mit der Kultur umgehen sollen. Einige passen sich viel zu sehr der Kultur an, und andere ziehen sich zurück. Und so denke ich, haben wir viel von Daniel 1 zu lernen.
Das Exil als Deutungshorizont
Denn Daniel lebt hier in der Situation, dass er sich im Exil befindet, wie wir hier in Kapitel 1, Vers 1 sehen: Im dritten Jahr der Regierung Jojakims, des Königs von Juda, kam Nebukadnezar, der König von Babel, nach Jerusalem und belagerte es.
Wir befinden uns also im Jahr 609 v. Chr. Es war also noch vor dem großen Exil. In nur wenigen Jahren würde das babylonische Reich Jerusalem vollständig zerstören und dann die Menschen mit ins Exil nehmen. Aber Babylon dominiert bereits schon über Juda und hat schon einige der jungen Männer mit ins Exil genommen, wie wir dann in Vers 4 lesen. Dies waren die potenziellen Leiter und Führer der Nation in der Zukunft. Und so wurden sie herausgenommen aus diesem Kontext und jetzt ausgebildet, damit sie dem heidnischen König dienstlich sein könnten.
Eigentlich ist das ein schlaues Vorgehen. Es ist genau das, was auch zum Beispiel die Briten in Indien getan haben. Wir haben die Söhne des Maharajas genommen und haben sie in Oxford und Cambridge ausgebildet, um sie dann nach Indien zurückzuschicken, sodass sie, wenn sie dann zurückkehren würden, dort anglisiert, also beeinflusst aus England, wären. Und dort dann auch eine Rebellion führen würden. Und genau das war jetzt hier der Plan von Nebukadnezar.
Und so haben wir jetzt die Bürger Jerusalems, die in Babylon leben. Bewohner von Jerusalem, die jetzt mittlerweile in Babylon leben. Aber wie sollen sie dort leben? Wir befinden uns in einer sehr ähnlichen Situation. Man könnte sagen, die Bibel ist eine Geschichte von zwei Städten. Da ist Jerusalem, die Stadt Gottes. Da haben wir zum einen Jerusalem, die Stadt Gottes, die von ihm gegründet und zu seiner Ehre existiert. Jerusalem steht für das Königreich Gottes, wo seine Stimme gehört und gehorcht wird.
Aber dann gibt es noch eine andere Stadt, Babylon, die die Stadt der sündigen Menschlichkeit ist. Es geht direkt zurück in die Sünde von 1. Mose 11 und dem Turm zu Babel, wo die sündige Menschheit sich einen Turm für sich selbst, zu seiner eigenen Ehre, gebaut hat, um sich selbst einen Namen zu machen. Ab diesem Zeitpunkt steht Babylon für den Widerstand, die Rebellion gegen Gott.
Am Ende der Zeit erläutert dann die Offenbarung für uns, dass der Zeitpunkt kommt, wo Babylon fallen wird. Aber Johannes sieht in Offenbarung 21, wie ein neues Jerusalem aus dem Himmel herabkommt. Now we belong to that city through faith in Jesus Christ. Nun durch Jesus Christus gehören wir dieser Stadt an. Wir sind Bürger des Königreichs Gottes, Bürger des neuen Jerusalems. Und eines Tages, wenn Jerusalem kommt und die neue Schöpfung kommt, dann werden wir dort für alle Zeit existieren.
Aber bis dahin leben wir noch in dieser gefallenen Welt, ja, wie Petrus es auch in seinem ersten Brief sagt: Wir leben in einem Exil, wir sind Ausländer. Und so stellt sich die Frage auch uns, die sich Daniel und seinen Freunden stellte: Wie sollen wir hier in Babylon leben, wenn wir doch Jerusalem angehören?
Und es scheint sicher sinnvoll, dass wir hier in Babylon leben, wenn wir doch Jerusalem angehören. Und natürlich würde es Sinn machen, hier an der Oberfläche einfach sich anzupassen, wie es auch heißt: Wenn du in Rom bist, dann handle so wie die Römer, und wenn du in Babel bist, dann leb so wie die Bewohner Babels.
Und vielleicht wurde damals das Folgende zu Daniel und seinen Freunden so etwa gesagt: Oh sure, when you're in Jerusalem, live for that God of yours. Natürlich, wenn du in Jerusalem lebst, dann lebe dort auch für den Gott Jerusalems. He seems to have authority there, there is his big temple. Denn dort steht ja auch sein Tempel. But no one takes him seriously in Babylon. Aber hier in Babel wird ihn doch niemand ernst nehmen. We don't know that God. Den Gott kennen wir nicht. And so if you're wise, you'll live for our gods and for our king. Wenn du also weise bist, dann lebst du für unsere Götter hier und für unseren König.
Aber wir finden hier in Vers 2 einen Hinweis, dass das ein großer Fehler wäre. Wo es heißt: Und der Herr gab Jojakim, den König von Juda, in seine Hand, auch einen Teil des Geräts des Hauses Gottes. Diese führte er hinweg in das Land Schinear, in das Haus seines Gottes, und er brachte die Geräte in die Schatzkammer seines Gottes.
So nimmt er jetzt also die Gegenstände aus dem Haus Gottes, aus dem Tempel Gottes, und stellt sie in seinem eigenen Tempel in Babel auf, um damit aufzuzeigen: Ich habe diesen Gott, dieses Tempels, besiegt. Er sagte: Ich bin derjenige, der hier alles kontrolliert. Aber das Wort Gottes sagt: Er ist es nicht. Nein, es war Gott, der Juda in seine Hand gegeben hat. Dies war nicht ein Sieg Babels, sondern es war, dass Gott Babel zu einem Werkzeug seines Gerichtes gemacht hat.
Schon gleich am Anfang dieses Kapitels wird uns also hier eine Botschaft kommuniziert. Es ist eine Botschaft, die eigentlich das ganze Buch Daniel zusammenfasst. Trotz des Anscheins, wider alles Anscheins, Gott ist es, der hier die Kontrolle hält. Und deshalb ist es weise, ihm zu gehorchen, auch wenn es bedeutet, dass du sehr anders bist als die Menschen um dich herum, auch wenn es bedeutet, dass du viel Leid auf dich nehmen musst.
Wie sieht es aber jetzt ganz praktisch aus, für Gott zu leben inmitten von Babel? Wir werden heute Nachmittag drei Lektionen darüber lernen, und hier ist die erste.
Erste Lektion: Nähe zur Welt ohne Verlust der Identität
Daniel 1 lehrt uns: Zieh dich nicht zurück. Das ist etwas, was viele Christen instinktiv machen. Sie ziehen sich von der Welt weg.
Ich habe einmal von einer unserer Gemeinden gehört, die früher einer Sekte gehörte, die sich so verhielt. Wir kauften ein Gebäude für eine unserer Gemeinden, das früher zu einer solchen Sekte gehört hatte. Eine Sekte wie jene, die sich zurückzieht, eben nicht wie diese. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, sagte er, wir hätten ein Gebäude von einer solchen Sekte gekauft. Ich wusste zunächst nicht, was das bedeutet. Aber gut, jetzt ist es klar. Er meinte also, wir haben ein Gebäude von einer Sekte gekauft, die sich so zurückgezogen hatte.
In diesem Gebäude gab es keine Fenster, außer im Dach. Und dort hing ein kleines Schild mit der Aufschrift: Wenn du zu unserer Konfession, zu unserer Sekte gehören willst, dann ruf zuerst diese Telefonnummer an. Sie wollten nichts mit irgendjemand anderem zu tun haben.
Da ist etwas falsch. Und letztendlich ziehen wir uns oft doch zurück. Es ist, als ob wir wie Kaninchen unterirdisch leben. Wir wollen nur so wenig wie möglich mit der Welt da draußen zu tun haben.
Ab und zu sagen uns unsere Pastoren, wir sollten Freunde zu einer evangelistischen Veranstaltung einladen. Und so kommen wir aus unseren Löchern heraus und sind vom Licht geblendet. Wir erkennen viele der Menschen nicht wirklich, weil wir sie nicht gut kennen. Aber aus Schuldgefühlen versuchen wir, sie einzuladen, mit uns in dieses Kaninchenloch zu kommen. Und sie schauen in dieses Loch hinunter und erkennen dort auch nicht wirklich viele, die sie kennen. Sie verstehen die Sprache nicht, die dort gesprochen wird, und sagen sich: Nein danke. Dann gehen wir zurück in unser Loch und sagen: Boah, es ist echt schwer zu evangelisieren. Und dann tun wir es für ein weiteres Jahr nicht, und wir meinen, wir seien treu.
Aber Petrus fordert uns auf und sagt: Lebt solch ein Leben unter den Heiden! Nicht nur in eurem Kaninchenloch, sondern in der echten Welt!
Ich habe schon viele Predigten über Daniel 1 gehört, die sich auf seine Entschlossenheit konzentrieren. Ich habe viele Predigten über die Entschlossenheit von Daniel gehört, über Daniel 1 und darüber, wie er eine klare Linie gezogen hat. Auch darauf kommen wir gleich noch zu sprechen.
Aber ist dir bewusst, oder ist dir jemals aufgefallen, zu wie vielen Dingen er zuerst Ja sagt, bevor er anfängt, Nein zu sagen?
Er hat Ja gesagt zu einer heidnischen Ausbildung. In Vers 4 lesen wir, dass sie das Wissen und die Weisheit der Babylonier lernen sollten. Das Wort ist hier eigentlich Chaldäer, was auch mit Magier übersetzt werden kann, denn die Chaldäer waren bekannt für ihre Magie. Sie waren eine sehr fortgeschrittene Zivilisation, bekannt für ihre Literatur, ihre Wissenschaft und ihre Mathematik. Aber auf jeder Ebene war ihr Lernen von Heidentum und Magie geprägt.
Und trotzdem haben sie sich nicht geweigert, an diesen Lernveranstaltungen teilzunehmen. So ist es auch bei uns: Wir wollen vermeiden, von der Welt beeinflusst zu werden. Aber dabei müssen wir uns damit auseinandersetzen, wie die Welt denkt. Die meisten Vorlesungen zum Beispiel in Oxford sind beeinflusst vom Götzendienst unserer heutigen Welt.
Materialismus: Es ist nichts wirklich wahr, was ich nicht anfassen kann.
Relativismus: Es gibt keine absolute Wahrheit.
Und wir können uns dem nicht einfach entziehen, sondern wir müssen Christen dazu zurüsten, dass sie sich damit auseinandersetzen und hier Wahrheit hineinsprechen können.
Hier sehen wir also: Sie haben zuerst einmal Ja gesagt zu einer heidnischen, zirkulären Ausbildung.
Und dann haben sie in Vers 5 Ja gesagt zu einer politischen Karriere. Sie sollten zugerüstet und ausgebildet werden für den Dienst des Königs, eines heidnischen Königs, der sein Volk unterdrückt. Und so mancher meint, das wäre vielleicht ein Kompromiss. Andere sagen vielleicht: Wozu das Ganze? Es bringt doch nichts. Das Königreich Gottes kommt, das neue Jerusalem wird aufgebaut. Warum soll ich mich dann überhaupt noch hier in Babel einbringen?
Aber Gott hat durch den Propheten Jeremia zu den Exilierten gesprochen. Er hat ihnen einen Brief geschrieben, in dem er das Folgende aussagt. Wir finden es in Jeremia 29; wir müssen jetzt nicht hinblättern. Er sagte: Baut euch dort Häuser, heiratet, habt Kinder und sucht das Beste und das Wohl der Stadt, in die ich euch ins Exil gebracht habe.
Es gibt nichts Wichtigeres als Evangelisation. Wir wollen, dass die Menschen in Babylon bereit sind für das neue Jerusalem. Aber das heißt nicht, dass wir nur evangelisieren und nichts anderes tun sollten. Wenn wir in einer gefallenen Welt leben, dann sollten wir alles tun, um den Menschen in dieser gefallenen Welt zu dienen. Und das steht ja nicht in starkem Kontrast zur Evangelisation. Sondern es ist der beste Zusammenhang, der beste Kontext, in dem wir evangelisieren können.
Denn wenn wir uns liebevoll mit Menschen engagieren, ist es viel wahrscheinlicher, dass sie uns auch zuhören, wenn wir evangelisieren. Aber wenn sie den Anschein bekommen, dass wir nicht an den normalen Dingen des Lebens interessiert sind, warum sollten sie dann auf uns hören?
Und so haben sie also hier Ja gesagt zu einer politischen Karriere. Und sie waren sogar bereit und haben Ja gesagt zu einer Änderung ihres Namens. Davon lesen wir dann in Vers 6 und 7. Zwei der Namen endeten ursprünglich auf „el“ und zwei auf „ia“. Beide sind Referenzen auf den Namen Gottes, „el“ oder „Jahwe“, und sowohl „iel“ als auch „ia“ sind ein Bezug auf den Gottesnamen.
Und jetzt erhalten sie stattdessen Namen, die mit heidnischen Göttern assoziiert werden. Und sie haben entschieden, dass dies kein Grund ist, diesen Namen abzulehnen.
So ist also die erste Lektion hier: Zieh dich nicht zurück. Es ist sicherlich schwierig und schwer, in Babel zu leben, aber so weit wie möglich sollten wir uns anpassen.
Zweite Lektion: Klare Grenzen im richtigen Moment
Aber mancher meint jetzt vielleicht, dass immer die Gefahr besteht, dass wir zu weit gehen. Und natürlich ist es gefährlich, zu weit zu gehen. Nachdem wir nun gesehen haben, dass wir uns nicht zurückziehen sollen, ist jetzt eine zweite Lektion, eine zweite Wahrheit sehr wichtig.
Wenn wir als Bewohner Jerusalems hier in Babel leben, sollten wir keine Kompromisse eingehen. Und jetzt kommen wir zu Vers 8, wo es heißt: Daniel aber nahm sich in seinem Herzen vor, sich nicht mit der feinen Speise des Königs und mit dem Wein, den er trank, zu verunreinigen. Er erbat sich vom obersten Kämmerer, dass er sich nicht verunreinigen müsse.
Die Kommentatoren sind sich nicht wirklich einig, warum Daniel genau hier den Strich gezogen hat. Die jüdischen Reinheitsgebote zum Beispiel haben den Wein nicht verboten, das kann also nicht der Grund sein. Es ist unwahrscheinlich, dass der Grund war, dass diese Speise den Göttern geopfert wurde, denn das würde auch auf das Gemüse später zutreffen. Am wahrscheinlichsten ist es, dass er, wenn er diese Speise am Tisch des Königs zu sich nimmt, dort eben mit dem König in Kontakt kommt, vielleicht sogar an einem Bund irgendwo teilhaben muss.
Später in der Prophetie Daniels finden wir dann Bezug auf diejenigen, die am Tisch des Königs essen. Es ist Kapitel 11, Vers 26. Am Tisch des Königs, ja. Es wäre in Kapitel 11, Vers 26, aber das lesen wir jetzt auch nicht nach. Und das wären seine nächsten Nachfolger gewesen.
Vielleicht sagt Daniel sich hier: Ich nehme die Ausbildung an, aber ich gehöre dir nicht an. Und deshalb ziehe ich hier die Linie. Wir wissen es nicht ganz genau. Aber manchmal ist es gar nicht so wichtig, dass wir wirklich nachvollziehen, warum er das getan hat. Wichtig ist hier, dass er eine klare Grenze gesetzt hat.
Stell dir vor, du bist am Klettern in den Bergen und befindest dich auf Glatteis. Du fängst an, herunterzurutschen, und bist drauf und dran, über die Klippe zu gehen. Du nimmst deine Hacke und haust sie ins Eis. Es ist egal, wo du sie einschlägst, ob da, hier oder hier. Hauptsache ist, dass du, bevor du über die Klippe gehst, die Hacke einschlägst.
Manchmal ist es sehr offensichtlich, wo die Grenze gezogen werden soll. Wenn die Bibel sagt, wir sollten etwas nicht tun, dann sollten wir es nie tun. Wenn die Bibel klar sagt, dass wir etwas ganz Bestimmtes nicht tun sollen, dann sollten wir es nie tun. Wenn ich also auf der Arbeit aufgefordert werde zu lügen, dann muss ich sagen: Ich kann nicht lügen. Aber Jesus sagte: Du kannst nicht Gott und Geld dienen.
Wo ziehen wir hier die Grenze? Wo hört das auf und wo fängt es an? Der Materialismus ist wahrscheinlich der größte Götzendienst in unserer heutigen Welt. Was für ein Auto kann ich noch als gottesfürchtiger Mensch fahren? Können Christen einen Porsche fahren? Einen Mercedes? Einen brandneuen Volkswagen? Einen nagelneuen Volkswagen? Einen 25 Jahre alten Volkswagen? Wo ziehen wir die Linie, wo ziehen wir die Grenze?
Du kannst es nicht wirklich sagen, aber irgendwo muss eine klare Grenze gezogen werden. Wenn ich mein Geld genauso nutze und einsetze wie auch die Nichtchristen um mich herum, dann habe ich nicht wirklich irgendwo die Grenze gezogen. Die Linien, die Grenzen müssen gezogen werden.
Und auch hier gibt es jetzt zwei Gefahren. Einige ziehen viel zu viele Grenzen. Sie sagen, alles ist ein Prinzip, es geht nicht, und als Resultat sind sie in ständiger Opposition zur Kultur. Letztendlich ziehen sie sich total von der Welt zurück, und auch von anderen Christen, weil sie so viele Kompromisse eingegangen sind.
Aber es gibt dann auf der anderen Seite Christen, die überhaupt nicht genug Grenzen ziehen. Sie reden vielleicht darüber, wie notwendig es ist, die Grenze zu ziehen, aber sie tun es nie wirklich, und sie verschieben ihre Markierungen immer weiter.
Was trifft auf dich zu? Teilweise ist es einfach unser Charakter, unser Wesen, wohin wir eher neigen. Auch Kirchenkulturen und Gemeindekulturen haben eher die Neigung in das eine oder das andere. Aber Daniel zeigt uns hier ein ganz anderes Vorbild. Er zieht sich nicht zurück und er geht keinen Kompromiss ein, sondern er involviert sich, und das mit Überzeugung. Und wir sollten diesem Beispiel folgen.
Dritte Lektion: Mut aus Gottes Souveränität
So lasst uns zum dritten Punkt, zur dritten Lektion kommen: Don't withdraw, don't compromise and don't be afraid.
Zieh dich nicht zurück, geh keinen Kompromiss ein und fürchte dich nicht.
Daniel gehört zum Teil des Alten Testaments, den wir auch als die Schriften bezeichnen. Teil dieser Schriften ist auch die Weisheitsliteratur. Dies ist ein Buch, das uns aufzeigt, wie wir weise in einem fremden Land leben können.
Ich denke, wenn wir uns in einer Minderheit befinden, dominiert uns oft unser Verhalten. Dann werden wir häufig von Furcht bestimmt. Wir fürchten uns davor, dass wir von Freunden, die uns nicht lieben, nicht verstanden werden. Wir fürchten uns davor, ausgeschlossen zu werden. Wir fürchten uns davor, dass wir als extrem oder als Fundamentalisten betrachtet werden. Wir fürchten uns davor, dass wir nicht die Karriereleiter hinaufsteigen.
Wovor wir uns also fürchten, beeinflusst dann auch, wie wir handeln. Und das fundamentale Prinzip der Weisheit ist: Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit.
Wer sind also die wichtigsten Menschen, mit denen wir weise sein wollen? Wenn wir den Herrn nicht wirklich kennen, dann sind es die Menschen um uns herum, denen wir gefallen wollen. Aber wenn wir erkennen, dass der Herr souverän und gut ist, dann müssen wir ihn fürchten.
Die Welt denkt, wir seien absolut verrückt, wenn Gehorsam viel kostet. Als ich einem Familienfreund erzählt habe, dass ich Pastor wäre, hat er gesagt: Du bist absolut verrückt. Du wirst dein Leben vergeuden. Als ein Freund von mir sich geweigert hat zu lügen, haben seine Kollegen zu ihm gesagt: Du bist absolut verrückt. Und er hat letztendlich auch seinen Job verloren.
Wenn junge Christen nach Oxford kommen, um zu studieren, und nicht trinken, sagen Leute, sie seien verrückt. Wenn junge Christen nach Oxford kommen, um dort zu studieren, und sie betrinken sich nicht, sagen ihre Kommilitonen: Du bist verrückt. Du musst Freunde finden, also sollst du das tun, was alle anderen machen.
Und natürlich denken die Menschen in den Ländern, in denen unser Gehorsam gegenüber Gott vielleicht sogar zum Tod führen kann, dass wir verrückt sind. Aber die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit, denn der Herr ist in Kontrolle. Denn es ist Gott, der alles kontrolliert. Also fürchte dich nicht. Es ist weise, ihm zu gehorchen.
Immer wieder sehen wir diese weise Entscheidung in diesem Kapitel. Dreimal finden wir hier im Originaltext das Folgende wiederholt: Gott gab, Gott gab, Gott gab.
Da haben wir in Vers 2 gelesen, dass es Gott war, der Juda in die Hand des Königs gab. Gott ist souverän über nationale Macht und militärische Stärke. Gott ist souverän über den Wohlstand einer Nation, eines Königreichs.
Und dann in Vers 9 war es Gott, der Daniel Gnade und Barmherzigkeit vor dem obersten Kämmerer gab. Gott ist souverän über die Herzen von Einzelnen. Und selbst in diesem heidnischen Palast waren die Augen Gottes über Daniel. Wir sehen also: Gott ist absolut involviert in dem, was hier geschieht.
Daniel isst eine sehr schlechte Diät, and yet he still grows and is strong. Und trotzdem geht es ihm gut, er wächst weiter, er ist gesund, und Gott ist souverän darüber.
Und dann in Vers 17 lesen wir, dass es Gott war, der diesen vier jungen Männern Wissen und Verständnis gab. Obwohl also diese Grenze, die sie gezogen haben, sie großem Risiko ausgesetzt hat, hat Gott doch sichergestellt, dass sie so gute Studenten sind, dass sie trotzdem prosperieren. Sie gelangen an eine Spitzenposition im Land, und als Resultat, als Auswirkung, sind sie es, die an erster Stelle in der Regierung landen.
Immer wieder wird uns in diesen ersten Kapiteln vermittelt: Es ist Gott, der auf dem Thron sitzt und alles unter Kontrolle hat. Und so macht es Sinn, dass wir ihm gehorchen.
Überlege einmal, in welchem Bereich deines Lebens du das wirklich lernen musst zu glauben. In welchem Bereich in deinem Leben bist du versucht, einen Kompromiss einzugehen? Weil du nicht wirklich weißt, ob Gott wirklich noch alles unter Kontrolle hat.
Vielleicht bedeutet das für diejenigen in der Gemeindeleitung, dass sie geben, was die Leute wollen, anstatt das Wort Gottes zu sagen. Es könnte sein, dass wir bei der Arbeit versucht sind, uns einfach anzupassen, statt danach zu fragen, was Gott will. Und deshalb müssen wir uns daran erinnern: Es ist Gott, der die Kontrolle innehat. Fürchte dich nicht, vertraue auf ihn.
Das bedeutet nicht, dass Babylon nicht großen Schaden anrichten kann. Daniel endete in einer Löwengrube, und seine Freunde endeten in einem Feuerofen. Sie wurden behütet und bewahrt, aber das muss nicht immer eintreten. In Kapitel 11, Vers 33 erfahren wir, dass viele für ihren Glauben sterben müssen. Aber selbst dann brauchen wir es nicht zu fürchten, denn Gott wird die Toten wieder auferstehen lassen.
Was auch immer es dich kosten wird, tu das Richtige.
Das Vorbild Christi und der abschließende Ruf
Und wir haben das vollkommene Beispiel von jemandem, der das für uns getan hat. Natürlich ist Daniel ein grosses Vorbild, aber der Herr Jesus ist das vollkommene Beispiel. Er hat sich nicht zurückgezogen. Er hat die grossartige Herrlichkeit des Himmels verlassen, um hier in diese Welt zu kommen. Und hier hat er sich umgeben von Sündern, von Steuereintreibern, von Prostituierten. Und er hat sich mit dem Chaos dieser Welt involviert und auseinandergesetzt. Aber er ist nie einen Kompromiss eingegangen. Er hat sich umgeben von Sündern, aber dabei ist er nie zum Sünder geworden. Er war wie wir in jeglicher Hinsicht, aber ohne Sünde.
Und er hat sich nicht gefürchtet, denn er hat seinem Vater vertraut. Und selbst als er auf dem Weg zum Kreuz war, hat er sich nicht gefürchtet, sondern hat das getan, was richtig ist. Er wusste, was es ihn kosten würde. Und er hat gebetet: Vater, wenn es dein Wille ist, dann lass doch diesen Kelch an mir vorübergehen. Aber er ehrte und respektierte seinen Vater mehr als er die römischen Autoritäten und die Juden, die Juden und die Politiker seiner Zeit ehrte und respektierte. Und so ist er in seinen Tod gegangen. Er ist gestorben und hat gelitten als der grosse Leidende.
Aber preis den Herrn, er hat ihn wieder auferstehen lassen. Und die Auferstehung ist die grosse Proklamation Gottes, dass er alles unter Kontrolle hat. Und selbst wenn es für uns treu zu sein heisst, dass wir in den Tod gehen, dann würde er auch uns auferstehen lassen.
Aber in uns selbst werden wir niemals so treu sein wie er. Wir alle fallen. Für einige ist es die Sünde, dass wir uns zurückziehen. Es fehlt uns wirklich an Liebe und an Bereitschaft, involviert zu sein. Für andere ist es die Sünde, dass wir uns zurückziehen. Der Mangel besteht darin, dass wir Kompromisse eingehen und dass wir uns nicht abheben. Und wir haben uns gefürchtet, wir haben gesündigt, und wir müssen Jesus Christus vertrauen als demjenigen, der das getan hat, was wir nie getan haben.
Preis den Herrn, er hat ein vollkommenes Leben für uns gelebt. Und er hat einen aufopfernden Tod für uns gestorben. Und jetzt lebt er. Seine Kraft ist für uns durch den Heiligen Geist erhältlich. Und er sagt zu uns: Tu das, was ich getan habe.
Geh, involviere dich mit der Welt. Aber halte die Unterscheidung aufrecht. Und sei inspiriert durch mein Beispiel. Und bevollmächtige dich durch meine Kraft, die in euch lebt. Wenn du das tust, dann kannst auch du einen Unterschied machen. Denn du wirst ein Agent, du wirst ein Bote meiner Kraft sein. Ich werde dich als einen Zeugen gebrauchen, um viele Bewohner Babels zu mir hinzubringen.
Möge der Herr so in uns wirken, dass wir das in diesem Land und in Briten, so in uns wirken, dass wir das in diesem Land und in dieser Welt tun können, zur Ehre Gottes. Lass uns bitten.
Schlussgebet
Lieber Himmlischer Vater, vergib uns, dass wir einen Kompromiss eingegangen sind und dass wir uns nicht wirklich in dieser Welt eingebracht haben. Wir preisen und danken dir für den Tod Jesu Christi für uns. Vergib uns auch, dass wir uns dieser Welt angepasst haben.
Aber wir danken dir für den Tod Jesu Christi und wir preisen dich, dass er lebt. Wir danken dir auch dafür, dass er uns nicht aufgetragen hat, allein in dieser Welt zu gehen, sondern uns verheißen hat: Ich bin bei euch bis zum Ende aller Tage.
So hilf uns, dass wir, bevollmächtigt durch seinen Heiligen Geist, standhaft bleiben und ein gutes Leben unter den Heiden führen. Hilf uns, dass selbst dann, wenn sie über uns lästern, sie dich doch noch verherrlichen müssen und viele zur Ehre seines Namens erlöst werden.
Amen! Amen!
