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Einleitung und Hinführung zum Gebet Jesu
Johannes 17,9-19 ist ein Abschnitt aus dem Hohepriesterlichen Gebet Jesu. Normalerweise hören wir von diesem Abschnitt immer in der Passionszeit. Aber es ist gut, von Ostern noch einmal zurückzublicken auf dieses wichtige Gebet Jesu.
Ab Vers 9 heißt es: Ich bitte für sie und bitte nicht für die Welt, sondern für die, die du mir gegeben hast, denn sie sind dein. Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein. So redet Jesus mit dem himmlischen Vater. Und ich bin in ihnen verherrlicht.
Ich bin nicht mehr in der Welt, sie aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater, erhalte sie bei deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, erhielt ich sie bei deinem Namen, den du mir gegeben hast, und ich habe sie bewahrt. Und keiner von ihnen ist verloren gegangen, außer dem einen, der verloren gehen muss, damit die Schrift erfüllt wird.
Nun aber komme ich zu dir und sage dies in der Welt, damit sie meine Freude, meine volle Freude, in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, denn sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte dich nicht, sie aus der Welt zu nehmen, sondern sie vor dem Bösen zu bewahren. Sie sind nicht von der Welt, so wie auch ich nicht von der Welt bin.
Heilige sie durch die Wahrheit. Dein Wort ist die Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie in Wahrheit geheiligt sind.
Herr, lege du uns selbst dein Wort aus. Amen.
Liebe Schwestern und Brüder, wir haben im Evangelium nur einige wenige Erscheinungen des Auferstandenen berichtet. Eine haben wir vorhin in der Schriftlesung gehört, es waren noch einige mehr. Das ist jetzt eigentlich nicht sehr viel, was wir haben, obwohl das doch wichtig ist: Was tut jetzt Jesus, nachdem er auferstanden ist?
Aber wir wissen, was Jesus tut. Das hat Jesus oft angekündigt: Er ist zur Rechten des Vaters. Das ist also da, wo die großen Aktionen Gottes sind, dort, wo gehandelt wird. Dort ist Jesus jetzt beim ewigen Vater.
Und was tut Jesus? Heute Morgen, bevor sie aufgestanden sind, hat Jesus für sie beim Vater Fürbitte getan. Und nachts, wenn sie schlafen, betet Jesus für sie. Das haben sie sicher oft vergessen. Und es hätte sie trösten können und mutig machen können, da, wo sie verzweifelt waren.
Das ist das Amt Jesu. Er will der Anwalt sein beim Vater. Und selbst dann, wenn über unserem Leben so viel Dunkles, Böses, Gottloses sichtbar wird, da tritt Jesus noch ein und bittet für uns: Vater, lass ihn noch, vielleicht kehrt er um. Jesus ist unser Anwalt, darum ist er auferweckt, und dieses Amt hat er.
Da steckt so viel drin, dass man das jetzt in solch einer Zeit gar nicht alles wiedergeben kann. Der große, wie soll ich sagen, Kirchenvater und prägende Leitfigur des Pietismus, der Erweckungsbewegung, Philipp Jakob Spener, hat sich geweigert, über ein Wort dieses Hohepriesterlichen Gebetes auch nur zu predigen. Es sei zu groß, man könne es nur immer wieder lesen und andächtig davorstehen. Und er hatte sich vorbehalten, dass in seiner Sterbestunde dieses Gebet Jesu an seinem Sterbebett gelesen wird.
Es ist ja immer etwas Großes, wenn man dabei sein darf, wenn andere beten. Vielleicht sind sie auch ganz geniert beim Beten und sagen: Ich kann das nicht. Aber wenn Sie einmal daran denken, was es für andere bedeutet, wenn Sie mit denen beten, dann fällt es Ihnen vielleicht leichter. Es ist ja ein Intimbereich, wo wir einen anderen hineinblicken lassen. Das vertrauteste Verhältnis, das man hat mit dem ewigen Gott, und wir, wo wir auch die heimlichsten Dinge vor ihm ausbreiten dürfen.
Aber Jesus lässt uns hineinblicken in seine Gebetsarbeit. Doch darüber predigen und will meiner Übung treu drei Dinge herausgreifen, damit sie die behalten.
Der erste Blick: Gottes Name in einer gottfernen Welt
Das Erste, was mir besonders auffiel, war, was Jesus wichtig war: dass der Name Gottes hell leuchte in der Welt. Dass der Name Gottes hell leuchte in der Welt.
Wenn Sie im Johannesevangelium lesen, dann spüren Sie auch in den Johannesbriefen, wie er das von Jesus sorgfältig bewahrt hat. Wie Jesus uns die Welt als eine gottferne Größe zeigt. Die Welt ist etwas Unheimliches, etwas Schweres. Wenn wir auch durch diese Frühlingsnatur gehen, dann kann uns das natürlich nicht verständlich sein: Die Welt ist doch wunderbar. Wir erleben so viel Schönes. Ich hoffe, dass Sie sich heute Morgen gesund fühlen und dass Sie Freude haben.
Aber Sie werden diese Welt kennenlernen als eine Welt, die mit ihrer ganzen Bewegung, mit allem, was sie tut, uns weit von Gott wegzieht. Diese Welt, die sich nicht öffnet für den Geist aus Gott, die den Geist von Gott gar nicht empfangen kann. Darum sind wir oft auch von dem Wesen und der Art dieser Welt geprägt, wenn wir nicht beten können, wenn wir nicht glauben können, wenn uns Gott so ferner rückt. Das ist so typisch für diese Welt.
Und als Jesus in diese Welt kam, wird gerade am Anfang des Johannesevangeliums noch festgehalten: Er kam in sein Eigentum. Die Welt gehört doch Gott. Und die Seinen nahmen ihn, den Sohn Gottes und den Bevollmächtigten, den Boten Gottes, nicht auf. Die haben die Türe zugeschlossen. Es ist so unbegreiflich, dass Menschen in dieser Welt, und zwar in ihrer großen Masse, in der großen Zahl, sich weigern, die Stimme des Gottes zu hören, der sie doch geschaffen hat. Und jeder müsste darüber nachdenken, dass sie in der kurzen Zeit ihres Lebens doch bewusst werden, dass sie einmal vor Gott stehen.
Diese Welt ist fremd Gott gegenüber, eine Welt, die Gott nicht kennt. Wir haben gerade bei unserer Missionskonferenz Licht im Osten viel gehört, wie in den Staaten, in denen die Gottlosigkeit zum Regierungsprogramm gehört, die Christen viel Feindschaft ertragen müssen. Wenn die jetzt ausgesiedelten Deutschen anfangen zu erzählen, das kann man immer gar nicht glauben, wie sie sich da zur Wehr setzen müssen. Da hat gestern einer erzählt, wie er da zum Schulleiter gegangen ist und dem das vorgehalten hat. Er hat gesagt: Das kann doch nicht sein, dass Lehrer das Kindern sagen. Da gibt es mutige Zeugen, aber das sind Fremdkörper in solch einer Welt.
Nur wäre es falsch, wenn wir meinen, das sei nur die östliche Welt. Unsere westliche materialistische Welt ist ja genauso weit von Gott weg, unsere Welt des Wohlstands und des Reichtums. Vielleicht vollzieht sich bei uns die Ablehnung viel höflicher, viel eleganter. Man kann das ja fast noch gemeiner machen, wenn man einen freundlich empfängt und ihm sagt: Du interessierst mich dennoch nicht. Man kann einen abblitzen lassen, auch wenn bei uns noch unsere westliche Welt von Christlichkeit trieft.
Und dann sagt Jesus, dass seine Leute, seine Gemeinde, in diese Welt hineingestellt ist. Das ist unser Platz. Wir sollen in der Welt sein, aber nicht von der Welt, nicht die Art der Welt an uns tragen. Aber nach der Auferstehung hat Jesus seine Jünger noch einmal in diese Welt hinein gesandt. Das bringt viele Christen in Unruhe, warum sie denn immer wieder so viel durchmachen müssen und so viele Schwierigkeiten zu erleiden haben. Weil Jesus uns in die Welt hinein sendet, damit wir sein Licht dort leuchten lassen, damit wir das Licht hineinstrahlen lassen in die Welt.
Ich bitte nicht für die Welt, sondern für die, die du mir gegeben hast, so fängt es im Vers 9 an. Denn sie sind dein. Ich bin in ihnen verherrlicht, sie aber sind in der Welt. Dass wir in der Welt die große Herrschaft des auferstandenen Jesus weitersagen und überall bekannt machen.
Jesus sagt von seinen Leuten etwas sehr Schönes in diesem Gebet: dass wir von Gott Jesus anvertraut sind. Das ist schön. Das ist nicht bloß unsere Entscheidung, dass wir uns zu Jesus geschlagen haben durch unseren Glauben, sondern der ewige Vater hat das gewollt, dass wir Jesusleute sind, die ihm gehören. Wir sind Jesus vom ewigen Vater anvertraut. Du hast sie mir gegeben, jeder einzelne vom Vater in die Hand Jesu gegeben.
Wir reden oft über diese unserem Auge verborgenen Zusammenhänge, aber das ist jetzt wichtig, dass unser christliches Leben nicht bloß auf unserer Willensentscheidung ruht, sondern dass der ewige Gott will, dass wir Jesus gehören und Jesus unser Leben prägen kann.
Und dann sagt Jesus: Sie sind ja dein Eigentum, sie sind dein, die du mir gegeben hast, sie gehören dir. Darum sind es Leute, die in dieser Welt immer nur auf kurze Zeit sind, auf der Durchreise. Sie sind auch Fremdkörper in der Welt, sie passen nicht ganz hinein, obwohl wir uns bemühen, in der Kleidung, in unserer Redeweise so zu reden wie die anderen Leute auch. Wir wollen ja nicht mit einer frommen Sprache und schon vom Äußeren her als Fremdkörper erscheinen, aber in der Art passen wir gar nicht hinein, weil wir anders sind. Hoffentlich sind wir solche, die das Eigentum Gottes sind.
Das andere, was Jesus noch von ihnen sagt: Ich bin in ihnen verherrlicht. Das ist der Plan Jesu, dass er als der auferstandene Herr in unserem Leben seine Spuren hinterlässt, verherrlicht. Das drückt ja noch aus, dass da Schönheit Jesu sichtbar werden soll, dass das unser ganzes Wesen, Tun und Denken prägt. Sie sind in der Welt, aber Gottes Eigentum, verherrlicht in Jesus.
Und nun bittet Jesus den Vater: Erhalte sie in deinem Namen. Was ist denn der Name Gottes? Ist das das Aussprechen eines bestimmten Titels? Aber das kennen die Bibelleser ja sehr gut, dass mit dem Namen Gottes immer gemeint ist das, was Gott mit seinem ganzen Wesen ist und tut. Erbarmer ist sein Name, heilend ist sein Name, dass er zerbrochene Menschen ruft und heilt, dass er Gestrandete holt und ihr Leben umändert. Erhalte sie in deinem Namen.
Das ist das Gebet Jesu heute an diesem Tag, dass wir im Namen Gottes erhalten werden, dass das, was Gott tut und will, doch in unserem Leben sich vollziehen kann und zu Ende kommt, dass das sich vollzieht. Gott hat sich ja etwas Schlimmes aufgehalst mit uns, ein problematisches Eigentum. Was hat er denn mit den Christen für große Nöte, mit den einzelnen Leuten, wie untreu sind wir? Und das ist das Gebet Jesu: Lass doch deinen ewigen Gottesnamen, der du der Vater bist, der Menschen verändern kann, auch bei diesen Leuten, die sich da heute Morgen in der Hofhacker Gemeinde versammeln, zum Siege kommen. Vater, erhalte sie in deinem Namen.
Da ist gleichzeitig für uns das Ziel angegeben. Das ist so wichtig, dass wir darin bleiben, in dem, was Gott, der ewige Vater, heute mit uns tun will. Und Gott in seiner großen Treue handelt so mit uns und geht uns nach und sucht uns.
Einheit, die aus der Bindung an Christus wächst
Herr, dass sie eins sind in dir, wie du in mir.
Das ist heute ein aktuelles Thema: Wie kann man die Einheit der Christen bewerkstelligen? Und ich sage Ihnen freimütig, dass ich von all den vielen gut gemeinten Bemühungen um eine organisatorische Einheit der Christen nicht viel halte.
Gestern hat Landesbischof Dr. Hans von Kehler von seinen Begegnungen mit den lutherischen Christen in Russland erzählt. Er sagte, man verstehe überhaupt nicht, wie es bei Christen zugeht. Sie kommen aus der schlimmsten Verfolgung heraus, so hat er es in einer lutherischen Gemeinde erlebt. Und da hat sich die Gemeinde über eine Frage so zerspalten, ob man aufstehen muss, wenn der Pfarrer in die Kirche hineinkommt, oder sitzen bleibt. Nicht beim Gebet, da stehen Sie auf, da sind Sie alle eins. Nicht bei der Frage, ob man aufsteht beim Verlesen des Predigttextes, nicht bei der Frage, ob man aufsteht, wenn der Pfarrer reinkommt. An dieser Frage haben sie sich, obwohl sie in der Verfolgung in der Sowjetunion lebten, so zerstritten, dass sich die Gemeinde gespalten hat.
Darum meine ich: Es ist immer gut, wenn wir uns in äußerlichen Fragen frei geben, wenn wir sagen: Das ist keine Heilsfrage. Wir gehen in der Evangelischen Allianz sogar so weit, dass wir sagen: Wie wir das Taufverständnis haben, da geben wir uns frei. Oder wie wir es mit dem Abendmahl halten. Die einen verstehen darunter ein Brotbrechen, die Heilsarmee feiert überhaupt kein Abendmahl. Wir geben uns frei.
Aber was uns wichtig ist: dass wir im Namen Gottes, in seinem Werk und in dem Werk Jesu Christi geeint sind. Nicht, dass wir alles recht großzügig nehmen, sondern dass das gilt, was Jesus erfüllt: „Vater, wie wir beide vereinigt sind“, sagt Jesus. Wie sein Wille, der Wille Jesu, im Willen des Vaters ruht, so wollen wir uns als Christen finden, über die Konfessionsgrenzen hinweg, in Jesus. Das ist die Einheit, wie sie Jesu Jünger schon seit Jahrhunderten praktizieren. Dort fragen sie nicht: Wo kommst du her? Aus welcher Gemeinde bist du? Sondern: Gehörst du wirklich Jesus? Bist du neugeboren? Bist du einer, der sich ganz Jesus verschrieben hat?
Das ist die Einheit, die auch zeugnishaft in die Welt hinausgehen soll. Darum darf ich da sagen, dass ich sehr zweifelnd bin, ob alle anderen Versuche, auch das ein wenig mehr durch eine bessere Einheitsorganisation darzustellen, etwas erreichen können. Es wird nichts erreichen. Man kann im gleichen Kirchengemeinderat sitzen und doch verstritten sein. Da können zwei Pfarrer in einer Gemeinde sein, und sie können sich überhaupt nicht verstehen.
Die Frage der Einheit ist nicht eine Frage der Organisationen oder des Kirchenbuchs. Die Frage der Einheit ist immer eine Sache des Glaubensgehorsams. Dafür hat Jesus gebetet, und das ist das Siegel der Einheit, dass wir eins sind, so wie Jesus im Vater eins ist. Dass wir uns alle unter Jesus stellen, das ist der einzige Weg zur Einheit. Dann ist der einzige Weg zur Einheit wirklich nur, dass wir näher zu Jesus hinrücken. Und wo wir näher zu Jesus hinrücken, sind wir auch näher beieinander.
Alle anderen Einheitsbemühungen führen doch von diesem Ziel weg. Keine künstliche Einheit, sondern dieses Siegel gibt uns Jesus hier: dass wir eins sind, so wie er im Vater eins ist, in dieser Willens- und Glaubenseinheit. Das war mein erster Punkt, das, was Jesus hier bewegt hat.
Nach der Auferstehung ist dieses Gebet auch noch das Gebet Jesu beim Vater. Vater, lass sie leuchten in dieser finsteren Welt, setze sie zum Segen, aber so, dass sie in dir sind und nicht von der Welt.
Jetzt hätte ich Ihnen gern noch konkreter gesagt, aber das müsste man dann im Blick auf all Ihre Aufgaben tun. Da, wo Sie sind, viele von Ihnen sicher an ganz schwierigen Plätzen, wo Sie Zeuge Jesu sein sollen, draußen in der Welt, dass der Name Gottes hell leuchte in dieser Welt.
Heiligung durch Wahrheit und Kreuz
Und das Nächste, was Jesus bittet, ist, dass sie geheiligt werden, dass sie geheiligt werden.
Die Feinde Jesu sind gar nicht eine Gefahr für die Kirche. Wir haben das immer wieder ausgesprochen, obwohl das auch oft bei uns so anders hörbar wird. Das stimmt nicht. Die schlimmsten Verfolgungen haben die Gemeinde Jesu nie schwächen können. Und das, was wir gestern wieder neu gehört haben, auch über harte Verfolgungen in der Sowjetunion, hat doch die Gemeinde Jesu nie zerstört, nie zerstört. Selbst die orthodoxe Kirche, die ihre ganzen Führungskräfte im Märtyrertod verloren hat, ist über diesen Leiden eine gereinigte Kirche geworden, die zurückgefunden hat zu den Quellen des Evangeliums, zum Wort, und ist heute eine lebendige Gemeinde, in vielen Punkten sichtbar und spürbar für alle, die dorthin kommen.
Es ist nie so, dass die Feinde des Reiches Gottes auch nur etwas zerstören können. Darum ist es immer falsch, wenn wir uns fürchten vor Menschen, die so groß spotten oder die die Sache Jesu in den Dreck treten wollen.
Wissen Sie, was die Gemeinde Jesu immer nur zerstört? Das ist das große Heer von halbgläubigen, unentschiedenen Menschen. Man meint ja manchmal, man sei schon ganz treu in der Nachfolge Jesu, bloß weil man sich vergleicht mit anderen und sagt: „Ach, ich gehe doch wenigstens häufiger zur Kirche als andere“ oder „Ich habe ja ab und zu noch meine stille Zeit und lese in der Bibel“. Als ob das das Kennzeichen wäre.
Jesus hat die Bitte, dass wir geheiligt werden. Was meint das? Dass unser Leben ganz durchzogen wird von der Gegenwart Gottes, unsere Gedankenwelt, unsere Planungen. Das will Jesus. Nichts anderes will er. Wir sollen immer wieder hier an diesem Gebet Jesu die Zielvorstellung hören. Solch große Absichten hat Gott.
Und es geht Jesus auch nicht bloß darum, dass wir uns reinigen. Das ist wichtig, dass wir Sünden wegtun. Sondern dass wir uns heiligen lassen von dem Heiligen Geist, der in uns wohnt. Es darf an uns nichts Unreines mehr geben. Nun wissen wir, dass wir alle viel Unreinigkeit an uns haben, aber Gott will es nicht. Darum bittet Jesus beim Vater: Heilige sie, dass die unreinen Stellen unseres Lebens ganz neu von Jesus in Besitz genommen werden.
Und das wollen wir heute tun in diesem Gottesdienst, als eine Frucht der Auferstehung Jesu, dass jetzt alle Bereiche unseres Lebens hineingenommen werden in den Dienst für Gott.
Wie geschieht denn diese Heiligung? Vers 17: Heilige sie durch die Wahrheit. Ja, wie denn sonst? Man kann sich ja auch wieder betrügen und kann sich meinen, heilig zu sein durch seine Tüchtigkeit, durch seine Maßstäbe, die man sich anlegt. Heilige sie durch die Wahrheit. Dein Wort ist die Wahrheit. Jene unbestechliche Wahrheit, die uns durchleuchtet, wenn wir uns dem Wort Gottes aussetzen, wenn wir das wieder lesen, wie Jesus selbst unsere Gedanken prüft und unsere Taten richtet. Das ist gut, das muss sein, damit wir unser Leben ganz neu ihm ausliefern, damit er unser Leben prägt und bestimmt. Heilige sie in der Wahrheit, in dieser Wahrheit seines Wortes.
Ich sagte, es sei so viel drin in diesem hohenpriesterlichen Gebet. Ich bin froh, dass Jesus an verschiedenen Stellen immer wieder deutlich gesagt hat, was wir von seinem Wort zu halten haben. Wenn Jesus sagt, dass sein Wort die Wahrheit ist, dann ist für mich auch die Bibel die Wahrheit. Und da mag es Leute geben, die sich viel auf ihre Klugheit einbilden, dass sie sagen, was in der Bibel nicht die Wahrheit sei, aber sie stehen gegen Jesus. Sie müssen wissen, an wen sie sich halten.
Jesus hat sich auf viel gegründet. Er hat sich sogar noch auf das vom Jona gegründet und hat gesagt, dass das Gottes Wort sei und das Zeichen, das wirklich geschehen sei, das sei nicht eine Legende, das Zeichen, das den Menschen gegeben sei. Jesus hat viel vom Wort der Bibel gehalten als dem Wort der Wahrheit.
Das ist ein Trick, dass wir manchmal das Wort der Wahrheit da, wo es uns trifft, ausschalten wollen, damit wir uns nicht mehr heiligen müssen. Dass wir sagen, die Bibel gibt ja gar keine konkreten Anweisungen. Doch, sie gibt sehr konkrete Anweisungen für alle Bereiche unseres Lebens. Wir wissen genau, wo die Unreinheit beginnt, und die Lüge und die Untreue und wo unser Wesen falsch ist.
Herr, heilige sie in deiner Wahrheit. Dein Wort ist die Wahrheit.
Wir wollen nicht Trägheitschristen sein, sondern solche, die sich immer wieder am auferstandenen Jesus ausrichten, deren Leben in Besitz genommen wird von dem auferstandenen Herrn und benützt wird zum Dienst in dieser Welt.
Und wir wollen auch nicht so tun, als ob wir uns selbst bessern könnten und damit heiligen, indem wir uns kasteien und mühen. Das schaffen wir nicht. Sondern indem wir uns unter der Wahrheit des Kreuzes Jesu heiligen, das Kreuz, das immer wieder aufdeckt: Ich bin ein sündiger Mensch.
Auch in der Nachfolge Jesu wollen wir uns nie etwas einbilden auf unser Tun, sondern wir werden geheiligt durch das Blut Jesu, das unsere Sünden wegnimmt. Aber der uns in Dienst nimmt, das ist keine billige Gnade, sondern eine Gnade, die uns fordert zur Hingabe an ihn.
Heilige sie vollkommen und ganz.
Vollkommene Freude inmitten von Leid und Tod
Und noch das Letzte, was Jesus wichtig war: dass unsere Freude vollkommen sei. Es ist nicht das Letzte, was drinsteht, sondern das Letzte, was ich Ihnen heute auslegen will. Um die Freude geht es Jesus, darum, dass unsere Freude vollkommen sei.
Jesus hat das vor der Passionsnacht gebetet. Und da kann man nur den Kopf schütteln, dass die Jünger Freude haben sollen, gerade weil sie hineingehen in so viele Erschütterungen ihres Glaubens. Jesus hat das ja vorausgesehen, wie ein Petrus an sich selbst scheitern wird. Gib ihnen vollkommene Freude.
Es gibt in dieser Welt unsagbar viel Trauriges. Wir sind auch in der vergangenen Woche in Erschütterungen hineingeführt worden, durch uns, in unsere Gemeinde. Trauriges, die Macht des Todes wütet, wütet furchtbar. Und das sollen sie nicht erst sagen, wenn ihr Glaube erschüttert ist. Davon hat Jesus gesprochen, wenn er in so nüchternen Worten von der Welt redet, von dieser Welt, die Gott sich nicht öffnet. Wir leben in einer Welt, die zum Untergang reif ist, so sehr sie uns auch manchmal noch Spuren zeigen lässt, dass sie doch eine Schöpfung Gottes war.
Aber wenn man dann viel Schweres erleben muss in dieser Welt, dann sagt man: Wo ist die Freude, Herr, dass die Freude vollkommen sei? Was ist denn dann die Freude, die vollkommene Freude? Dass ich bewahrt werde durch Jesus, den Herrn.
Als sie den Stephanus später gesteinigt haben und diese Brocken ihm ins Gesicht geschleudert haben, da ging doch noch ein Leuchten über sein Gesicht. Er sah den Himmel offen. Es ist doch eine große Sache um den christlichen Glauben, dass wir selbst vor der Macht des Todes den Herrn preisen. Und wenn man dann an Gräbern steht, so wie wir es in diesen Tagen tun, an Gräbern steht und dann fragt: Was kann ich denn tun? Dann kann ich nur noch vom Auferstandenen reden. Ich will kein Wort versuchen, die dunklen Dinge dieser Welt zu erklären. Ich habe mich noch nie bemüht, zu sagen, warum und wieso das alles noch sein könnte. Nein, ich weiß es auch nicht. Mein Herz ist auch voller Fragen. Aber ich kann ihn preisen, dass Jesus uns das Reich bereitet hat und dass er uns dazu berufen hat und dass er uns bewahren wird und die, die an ihn glauben, den Tod nicht schmecken. Da sind so viele Zusagen da, dass unsere Freude vollkommen sei.
Dass wir heute ihn schon loben und ihn preisen und uns freuen in seiner Nähe und in seiner Gegenwart, dass wir gebraucht werden von ihm, so setzt Jesus seine Leute in diese Welt. Es war ein trauriger Moment, als Jesus sie verlassen hat und als sie ihn nicht mehr sichtbar unter sich hatten. Aber er steht beim Vater. Da ist er viel nötiger jetzt gebraucht, damit wir heute und morgen hier in dieser Welt unseren Platz einnehmen können und dem Herrn dienen, bis er uns heimholt. In sein Reich!
Amen.

