Serie•Teil 2 / 4Dienen
Generierte Mitschrift
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Einleitung und grundlegende Prioritäten
Dann noch zwei, drei Sätze zur Einleitung: Ich habe gesagt, nicht jede Gelegenheit ist ein Auftrag. Das Gute kann der Feind des Besten sein.
Noch ein Satz: Unsere Charakterentwicklung ist wichtiger als unser Wissen und unser Dienen. Gott hat noch ein größeres Anliegen, unseren Charakter zu verändern, als unseren Dienst zu haben. Das ist noch wichtiger.
Dienen ist wirklich wichtig, keine Frage. Aber wenn ein Mensch im Charakter nicht von Jesus Christus verändert wird, was hilft dann das Dienen? Gott hat in erster Linie vor, uns Christus ähnlich zu machen, und das ganze Leben ist dazu da, uns Christusähnlich zu machen.
Das heißt nicht, dass wir nicht dienen dürfen, wenn wir nicht christusähnlich sind. Denn dann würde niemand dienen, dann gäbe es gar niemanden auf der Erde, der dienen dürfte. Nein, aber es muss eine Priorität in unseren Wünschen und in unseren Begehren sein, Christus ähnlich zu werden. Nicht die erste Priorität muss sein: Herr, was kann ich für dich tun? Das ist ein schöner Wunsch, ja, klar. Die erste Priorität muss sein: Herr, ich möchte so gern so werden wie du.
Diese Art, die du hast, diesen Charakter, die Liebe, diese Geduld, diese Freundlichkeit, diese Güte, diese Treue, diese Sanftmut, diese Selbstbeherrschung. Genau diese Dinge sind es. Das sind wahre Werte. Diese Dinge sind es, die dein Ehepartner vor dir sucht und an denen er sich freut, wenn er sie findet. Die die Kinder sehen und die Eltern sehen: Charaktereigenschaften Jesu Christi.
Ja, das war jetzt eine etwas lange Einleitung, aber ich denke, eine sehr wichtige Einleitung.
Der Maßstab für echten Dienst
Wie jetzt, habe ich noch einen Punkt: Wie sollen wir dienen? Wie sollen wir dienen?
Und jetzt schauen wir uns den Römer 12 noch einmal an. In Römer 12 hat Paulus zu einem Gottesdienst aufgerufen. In Vers 1 am Ende heißt es: Das sei euer Gottesdienst. Römer 12,1. Das sei euer vernünftiger oder logischer oder voll gerechter, schuldiger Gottesdienst, dass ihr eure Leiber dargebt als lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer.
Aber wie? Ja, ich möchte dem Herrn meinen Leib auf den Altar legen. Nun, er sagt hier: Formt euch nicht nach dem Schema dieser Welt. Im Griechischen steht es so da: Formt euch nicht nach dem Schema dieser Welt, also lasst euch nicht gestalten, nicht gleichgestalten mit dieser Weltzeit. Der Sinn ist: Gestaltet oder formt euer Leben nicht so, dass es dieser Welt gleicht. Passt euch nicht an diese Welt an, sondern lasst euch umgestalten durch die Erneuerung eures Denkens, eures Denksinnes, damit ihr prüfen könnt, was der Wille Gottes ist.
Und jetzt kommt in Vers 3, dass er über dieses Wie spricht: Wie dienen? Wie verhält sich das? Also nicht anpassen, klar, umgestalten lassen, ja. Gut, aber wie? In welcher Haltung hat denn der Dienst, der Gottesdienst, zu geschehen?
Da lesen wir jetzt nochmals Vers 3: Ich sage einem jeden unter euch durch die Gnade, die mir gegeben wurde, dass er sich nicht für hoch halte, nicht mehr von sich halte, als sich zu halten gebührt, sondern dass er darauf bedacht sei, besonnen zu sein oder eine gesunde Haltung einzunehmen, im Griechischen: gesunden Sinnes und züchtig zu sein, so wie Gott einem jeden ein Maß des Vertrauens zugeteilt hat.
Demut, Selbstbild und gesunder Sinn
Hier steht, das Erste, was hier erwähnt wird, ist, dass er sich nicht für hochhalten soll. Gerade wenn wir dienen wollen, sind manche von uns, und ich schließe mich da ein, gerne geneigt, höher von uns zu denken, als es sich gebührt.
Das liegt irgendwie im Wesen der Sünde: Man will hoch hinaus. Ich bin jemand, ich bin wichtig. Wir sind wichtig in den Augen Gottes, aber nicht so, wie wir es in unseren Augen sehen. Unser Bild, das wir von uns haben, passt auch nicht in den Rahmen. Gott hat einen Rahmen, und da ist unser Bild drin. Unser Bild, das wir haben, will den Rahmen sprengen, über den Rahmen hinaus. Und Gott muss uns dann wieder herunterholen und sagen: Moment einmal, komm zurück, so nicht.
Demut heißt die richtige Selbsteinschätzung. Demut, im Griechischen, heißt: eine niedrige Gesinnung von sich selbst haben. Demütig sein heißt also, eine niedrige Gesinnung von sich selbst zu haben. Das heißt, ich muss mich richtig einschätzen.
Manche von uns schätzen sich zu wenig ein. Die sagen: Ich bin eine Null. Das stimmt gar nicht. Die Bibel sagt nirgends, dass wir eine Null sind. Also sind wir wenigstens eine Eins. Oder von mir aus eine Null. Aber wenn ich dem Herrn Jesus als Einer gegenüberstehe, dann wird das gar keine große Zahl. Wenn ich viele Nullen bin und dann kommt die Eins vor dem Herrn Jesus, dann bin ich sehr viel wert. Mit dem Herrn Jesus bin ich wirklich etwas wert. Das darf jeder Christ sagen: Mit dem Herrn Jesus bin ich viel wert.
Aber manchmal denken wir hoch von uns. Von Natur aus haben wir ein zu großes Selbstbild. Und da ist es wichtig, dass wir dann in die Bibel hineinschauen und dass der Herr uns auch demütigen kann. Manchmal lässt der Herr gewisse Dinge in unserem Leben geschehen, die uns demütigen, die uns auf den Boden der Realität wieder bringen. Und wenn wir in die Bibel hineinschauen, wenn wir die Bibel lesen, merken wir: In mir, das heißt in meinem Fleisch, wohnt nichts Gutes. Das haben wir in Römer 7 gelesen.
Also müssen wir uns schon im Klaren sein: Ohne Christus sind wir für das Reich Gottes nichts wert. Für das Reich Gottes sind wir nur etwas wert, wenn Jesus Christus etwas durch uns wirkt. Und nur das, was er in unserem Leben gewirkt haben wird, nur das wird bleiben.
Wir müssen nicht zu viel von uns halten, sondern realistisch sein. Das bedeutet natürlich Abhängigkeit vom Herrn. Nicht ich, Herr, sondern du. Und das ist ein Prozess. Immer wieder muss uns der Herr daran nehmen und sagen: Komm wieder in meine Gegenwart. Und wenn wir in seiner Gegenwart sind, merken wir das. Dann bekommen wir ein besseres, realistisches Bild von uns.
Das ist nicht besonders. Von uns ist nichts zu holen im Sinne von etwas, das brauchbar ist für den Herrn. Aber der Herr macht uns brauchbar. Also grundsätzlich brauchen wir eine demütige Haltung.
Vertrauen, Mut und das Entfalten von Gaben
Zweitens: Was steht noch hier? Dass er sich nicht mehr für hoch halte, sondern dass er bei ihnen stets recht besonnen sei.
Wie heißt es bei Ihnen in der Luther- oder Elberfelder-Übersetzung? In Römer 12,3. Wie heißt es da? Wie? Bescheiden, bescheiden! Das ist nicht, das gefällt mir nicht so gut. Das Wort bescheiden passt hier nicht ganz. Es stimmt auch mit dem griechischen Wort nicht ganz überein. Luther hat sich schon bemüht, aber bei Schlachter ist es auch nicht ganz so. Oder doch? Auch bei Schlachter so mäßig? Das ist schon gut. Mäßig ist das Wort hier.
Es ist ein griechisches Wort, das bedeutet gesund im Denken. Du kannst mal sagen: Ja, bescheiden ist ja gesund im Denken. Ja, okay, aber es ist noch mehr. Gesund im Denken heißt: Dieses Wort wird in der Bibel oft verwendet und bedeutet so viel wie diszipliniert, würden wir sagen, mit einem Fremdwort: diszipliniert, züchtig, maßvoll. Das ist gut, weil maßvoll ist einer, der diszipliniert ist, ist maßvoll. Also von Herrn to beinen ist maßvoll recht gut übersetzt. Besonnen hat die Elberfelder Übersetzung, Herbert Jantzen hat gesunden Sinnes und züchtig, dass man sich selbst in der Zucht hat.
Das Wort Selbstzucht ist ja ein altes Wort. Heute wollen ja die Menschen nicht mehr züchtig sein, sie wollen ja unzüchtig sein, oder? Deshalb streichen sie all die Wörter, die nicht mehr ins Leben passen. Die werden aus dem Wortschatz gestrichen. Keusch wird auch gestrichen, man will ja nicht mehr keusch sein.
Aber wir müssen die biblischen Wörter noch bewahren, das ist wichtig. Also züchtig, diszipliniert, mäßig ist gut. Ich habe gesagt, mäßig ist ein gutes Wort, maßvoll, eben nicht über das Ziel hinausschießen. Züchtig und mäßig ist sehr prominent, sehr gut übersetzt.
Also, ich muss da gesund sein in meinem Denken. Das griechische Wort heißt so: phron. So heißt gesund, und phron heißt sinnen, gesund denken, gesunde Gesinnung haben. So wie Gott einem jeden das Maß des Glaubens oder Vertrauens zugeteilt hat.
Was heißt das? Jeder hat ein Maß bekommen. Nicht alle haben alles bekommen, jeder hat ein Maß bekommen. Aber hier geht es nicht um die Gnadengaben, hier geht es zuerst einmal um den Glauben. Aber welchen Glauben denn? Das Wort für Glauben heißt auch Vertrauen in der Bibel. Jeder hat ein besonderes Maß an Vertrauen. Ja, Vertrauen worauf denn? Das ist hier ein bisschen schwierig, denn Paulus sagt es nicht. Worauf soll ich denn vertrauen? Was ist denn das Maß des Glaubens und des Vertrauens?
Manche meinen, Gott hat es einem gegeben, dass ich Gott glaube. Ja, gut, dass wir Gott glauben, das sind ja alle. Alle Christen glauben Gott, alle Christen sind Gläubige. Das kann es nicht sein. Da spricht er hier von Gaben im Zusammenhang nachher, und dann spricht er hier von Dienen.
Und denken wir daran: Was ist, wenn wir einen Dienst tun? Und bevor wir einen Dienst tun, was müssen wir da haben? Da ist jemand, der soll Kinderstunden halten. Und was sagt sie oder er? Ich, ich kann das nicht. Und dann sagt der andere: Du musst vertrauen. Zweierlei Vertrauen: Du musst dir das zutrauen, dass Gott dir, dass du mit der Hilfe Gottes das tun kannst. Es braucht ein Maß, um dienen zu können. Es braucht ein Maß an Vertrauen, Vertrauen im Blick auf Gott. Jetzt vertrau doch, dass du diese Dinge tun kannst. Gott hat dir etwas gegeben, und er hat dir ein gewisses Maß von Fähigkeiten gegeben. Aber du musst jetzt vertrauen.
Manche tun deshalb keinen Dienst, weil sie sich nichts zutrauen und weil sie dem Herrn nicht vertrauen, dass er ihnen dabei helfen kann. Wenn man immer von vornherein sagt: Ich kann ja nichts, ich kann gar nichts. In Österreich gibt es ein Sprichwort, das heißt: Ich bin ein kleines Winkel und stelle mich ins Winkel, und weil ich nichts kann, fange ich nichts an. Kennt ihr das? Das heißt: Ich bin ein kleines Irgendetwas und stelle mich in die Ecke, und weil ich nichts kann, bleibe ich dort stehen und warte, bis das Leben vorübergegangen ist. Das geht nicht so, das ist nicht das Leben.
Im Geistlichen auch: Ich tue gar nichts, ich setze mich einfach dahin und halte den Stuhl warm. Ich bin ein Stuhlwärmer in der Gemeinde. Der Herr hat sich das anders vorgestellt. Der Herr möchte jeden in seinem Königreich und im Leib Jesu Christi gebrauchen. Und dazu hat er Fähigkeiten gegeben. Und er hat auch Dienste gegeben, aber er gibt auch seine Kraftwirkung. Wir kommen noch darauf zu sprechen.
Also, es ist ein gesundes Maß an Glauben nötig, um einen Dienst zu tun. Und das gibt der Herr. Man muss es sich aber holen, man muss beim Herrn das abholen. Man muss sagen: Herr Jesus, ich vertraue dir jetzt in dieser Sache. Und manchmal werden wir hineingeworfen in eine Arbeit, die niemand tut, aber ich muss sie jetzt tun, es ist niemand anderer da. Und dann betet man: Herr, bitte mach mich fähig. Ich kann das alles nicht, aber mach mich fähig. Und was macht der Herr? Er macht uns fähig, mehr und mehr und mehr.
Also, es ist ja wohl ein Wachstum hier. Es ist nicht so, dass man von Anfang an sagt: Ja, dem einen ist es gegeben und dem anderen ist es nicht gegeben, fertig. Nein, es hängt auch ein bisschen davon ab, es hängt auch in ziemlich großem Maße davon ab, wie viel ich jetzt dem Herrn vertraue, dass er hier etwas geben kann, was ich vielleicht jetzt noch nicht so gut kann. Aber ich fange jetzt einfach mal an.
Wachstum durch Übung und geistliche Disziplin
Es gibt ja Menschen auf der Welt, die können sehr schnell laufen. Manche laufen die 100 Meter in unter neun Sekunden oder in unter acht Komma irgendwas. Und dann denkt man sich: Wie kann es denn sein, dass jemand so schnell die 100 Meter laufen kann?
Der war doch auch mal ein kleines Kind. Die Mutter hat ihm auch mal das Gehen beigebracht, und irgendwann ist er dann alleine gelaufen. Vielleicht hat er dann öfter mit den Kindern Fangen gespielt. Und irgendwann musste er seine Muskeln trainieren. Und irgendwann hat er gemerkt: Oh, ich bin recht schnell. Wenn ich mich fest anstrenge, dann bin ich noch schneller. Und dann hat er vielleicht irgendwelche Sportwettkämpfe gemacht. Und dann hat er gemerkt: Wenn er sich ganz gut anstrengt, dann ist er noch schneller. Ja, und dann hat er vielleicht trainiert.
Er hatte ja auch etwas mitbekommen. Vielleicht die richtige Größe und die richtige Länge seiner Oberschenkel und Unterschenkel. Und warte mal, da braucht man ja schnell laufen. Aber dann hat er eben auch noch die Muskeln trainieren müssen. Und mit der Gabe, die er bekommen hat, hat er zusätzlich noch üben müssen. Und dann wurde er noch besser.
Im Geistlichen ist es genauso. Wir müssen unsere geistlichen Muskeln trainieren. Und wir haben geistliche Gaben. Einige haben etwas mitbekommen, lassen es aber brachliegen. Timotheus zum Beispiel musste von Paulus aufgefordert werden. Paulus musste ihm schreiben: Halte am Brennen, fache die Gnadengabe an, die der Herr dir gegeben hat. Das ist in 2. Timotheus 1,6-7. Vielleicht lese ich das kurz vor. In 2. Timotheus 1,6 sagt der Apostel: Aus diesem Grunde erinnere ich dich weiterhin, die Gnadengabe Gottes, die durch das Auflegen meiner Hände in dir ist, zu fachen.
Was heißt fachen? Fachen heißt: Wenn du ein bisschen Feuer hast, wenn da schon eine Glut ist, dann versuchst du, dieses kleine Feuer oder diese Glut noch mit Sauerstoff zu versorgen, so dass es wieder richtig zum Brennen kommt. Genau dieses Wort wird hier verwendet. Das heißt, Timotheus war begabt, aber er stand in Gefahr, das, was er eigentlich kann, brachliegen zu lassen.
Er war nämlich ein Menschentyp, der nicht von vornherein so mutig war. Es gibt ja einige Menschen, die sind mutig. Die sehen überhaupt nirgends eine Gefahr. Ich kenne also einen Menschen in meiner eigenen Familie, der sieht überhaupt nirgends eine Gefahr und stürzt sich überall hinein. Das tut ihm natürlich dann auch weh. Aber dann gibt es andere, die sehen überall nur Gefahr, und die tun fast keinen Schritt.
Timotheus war eher so einer, der zurückhaltend und schüchtern war und sich nicht so viel zugetraut hat. Da musste ihn der Apostel Paulus ermutigen. Lass es nicht außer Acht, was Gott dir gegeben hat. Setz dich ein, und du wirst sehen, Gott wird dich mächtig gebrauchen. Gott hat ihn ja auch mächtig gebraucht.
Also, wir sollen uns einsetzen. Und wir sollen mit einem gesunden Denken sagen: Herr, hier bin ich, und in Vertrauen auf dich mache ich das jetzt. Und wenn es eine neue Herausforderung ist: Ja, ich bin mir noch unsicher, aber Herr, ich vertraue dir, und ich gehe jetzt an die neue Herausforderung heran. Und dann erfährt man: Der Herr hilft.
Es ist also wichtig, bescheiden zu sein. Aber man kann auch in falscher Weise bescheiden sein und sich einfach unnötig zurückhalten. Mutig uns in die Sache des Herrn einzubringen, dann kann der Herr etwas daraus machen. Im Dienen, im Lehren, im Barmherzigkeit üben, im Helfen, im Leiten. Er zählt hier nur eine ganze Reihe von Dingen auf in Römer 12.
Miteinander als Leib Christi
Nächstes: Wie sollen wir dienen?
Also, wir haben jetzt gehabt: Wie sollen wir dienen? Wir haben gehabt, wir sollen demütig sein, eine gesunde, demütige Haltung haben. Wir sollen im Denken züchtig und massvoll sein. Wir sollen aber nach dem Mass des Glaubens uns doch einsetzen, das heisst, wir sollen dem Mass des Glaubens entsprechend handeln. Wir sollen nicht in falscher Weise bescheiden sein, das war drittens. Und viertens, das kommt jetzt in Vers vier und Vers fünf, wir sollen uns bewusst sein, dass wir Glieder voneinander sind.
Vers vier, Römer 12,4: Denn gleich wie wir an einem Leibe viele Glieder haben, nicht aber alle Glieder dieselbe Verrichtung tun, so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, als einzelne aber Glieder voneinander.
Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Manche Christen haben das noch nicht verstanden: Wir sind ein Leib. Die Gemeinde Jesu ist ein Leib in Christus. Gemeinde ist nicht eine Organisation, sondern ein Organismus. Es ist ein Unterschied. Eine Organisation, das ist ein Verein oder irgendetwas; das stellt man auf die Beine, und das ist künstlich, menschlich durchorganisiert. Die Gemeinde Jesu nicht. Die Gemeinde Jesu ist von Herrn Jesus abhängig. Es ist ein Organismus, wo alle Glieder von dem Haupt abhängig sind, und dann funktioniert Gemeinde Jesu.
Die Gemeinde Jesu besteht aus vielen, vielen Gliedern, wie unser Körper. Unser Körper ist ein wunderbares Beispiel. Unser Körper hat einen Kopf, und wenn der Kopf weg ist, funktioniert der Körper nicht. Alles ist vom Kopf abhängig. Vom Kopf gehen die Nerven aus, über das Rückenmark, in alle Glieder. Und manche Glieder bewegen wir bewusst, manche Glieder arbeiten unbewusst, ohne unser Denken. Aber sie werden trotzdem vom Gehirn gesteuert, nur auf unbewusste Weise. Zum Beispiel meine Milz, meine Bauchspeicheldrüse, mein Magen und mein Darm und all diese Sachen funktionieren, ohne dass ich das bewusst steuere. Ich sage jetzt nicht immer: So, jetzt Darm, jetzt musst du arbeiten, und jetzt Magen, jetzt musst du verdauen. Das geschieht alles automatisch, aber nur deshalb, weil es vom Kopf aus gesteuert wird.
Und in der Gemeinde, in der Gemeinde Jesu, ist es genau so, dass der Kopf Jesus Christus ist. Aber in der Gemeinde Jesu müssen die einzelnen Glieder mit dem Kopf in Verbindung stehen. Wenn das nicht geschieht, wenn wir mit dem Herrn Jesus Christus, dem Haupt, keine Verbindung pflegen, funktioniert die Sache nicht. Da liegt irgendwie die Sache brach. Wenn ich jetzt hier einen Finger abschneiden würde und ich würde ihn da hinlegen, dann ist dieser Finger nicht mehr mit dem Kopf in Verbindung, und ich kann dem Finger nicht mehr sagen: Du beweg dich jetzt. Er wird sich nicht bewegen. Und so ist es geistlich auch: Wenn ich mit dem Herrn Jesus keine Verbindung pflege, wie kann der Herr Jesus den Leib Jesu Christi bauen? Es wird nicht funktionieren. Ich bin wie ein totes Glied, das abgeht, wo die Nervenverbindung abgeschnitten ist.
Also: Gemeinde ist keine Organisation, sondern ein Organismus. Das Haupt ist zwar unsichtbar, aber es ist genauso wirklich. Und kein Gemeindeglied ist das Haupt, sondern der Herr Jesus ist das Haupt. Natürlich haben wir Älteste in den Gemeinden, aber die sind nicht das Haupt. Das sind die grössten Diener, das sind die, die sich sehr, sehr einsetzen. Und wir sollen ihren Diensten mit grosser Wertschätzung achten, aber sie sind nicht das Haupt. Nirgends in der Bibel steht, dass die Ältesten das Haupt sind.
Was sagt Paulus? Nicht, dass wir Herren sind über euren Glauben, sondern wir sind Mitarbeiter an eurer Freude. 2. Korinther 1,24. Wir sind Mitarbeiter eurer Freude. Das Haupt ist Jesus Christus. Und die Glieder sind jetzt, als Glieder hängen wir an dem Haupt. Und wenn jedes Glied am Haupt hängt und mit dem Haupt in Verbindung ist, dann ist das das eine. Dann sollen die Glieder miteinander zusammenarbeiten, dass etwas geschieht.
Also die Finger zum Beispiel: Meine fünf Finger, der Daumen und die vier Finger, die arbeiten zusammen und halten den Schreiber. Da brauche ich nur drei, und die anderen stützen noch ein bisschen und halten den Schreiber, so dass ich jetzt schreiben kann. Aber wenn nur der Daumen schreiben will, alleine, dann wird es nicht funktionieren. Können wir mal probieren? Das geht nicht. Er braucht mindestens noch einen Helfer zum Schreiben, mindestens den Zeigefinger oder den anderen Finger. Jedenfalls ist in der Gemeinde Jesu ein Miteinander.
Aber nur in lebendiger Verbindung mit dem Herrn Jesus und untereinander kommt es zur Entfaltung der vielerlei Möglichkeiten im Leib Jesu Christi. Es braucht also beides: Jedes Glied am Herrn Jesus und die Glieder mit Verbindung untereinander. Wenn ich keine Verbindung habe mit den anderen Christen, dann kann ich ihnen nicht dienen. Wenn ich aber anrufe, da habe ich Verbindung. Oder wenn ich ihnen einen Brief schreibe, habe ich Verbindung. Oder wenn ich sie treffe. Oder wenn wir in der Versammlung miteinander sprechen. Oder wenn wir füreinander beten und uns dann irgendwie begegnen und dann austauschen. Oder wenn ein Bruder zu einer Schwester geht und ihr das Holz hackt für den Holzofen im Winter. Dann geschieht das so, dass das eine Glied eine Verbindung hat mit dem anderen. Und so geschieht der Bau der Gemeinde Jesu.
Das Wachstum des Leibes in Liebe
Bevor ich jetzt hier noch weitermache, schlagen wir Epheser 4 auf, Epheser 4, Vers 16. All diese Sachen, die wir jetzt leben, die wir jetzt tun, haben alles mit Dienen zu tun. Und es sind so wichtige, grundlegende Dinge, aber genau das fehlt oft in den Gemeinden.
Dieser Abschnitt bei Paulus ist so stark betont in Epheser 4, Vers 16. Ich lese ab Vers 15:
Als solche aber, die wahrhaftig sind in der Liebe, sollen wir in Liebe in allem wachsen zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus. Von ihm aus wird der ganze Leib, wohl zusammengefügt und zusammen verbunden, durch jedes versorgende Gelenk, entsprechend dem Wirken eines jeden Teils, das Wachstum des Leibes zustande bringen, so dass er sich selbst erbaut in Liebe.
Jetzt müssen wir atmen. Wie war das? Paulus hat manchmal lange Sätze geschrieben, damit wir ein bisschen stehen bleiben und nicht so schnell lesen, damit wir mehr nachdenken. Aber es ist wichtig, was hier steht. Also zerlegen wir den Satz. Das ist ein schwieriger Satz, weil er lauter Nebensätze und Verschachtelungen hat, aber er ist ganz einfach, wenn wir ihn zerlegen.
Also zerlegen wir den Satz: Von ihm aus, vom Haupt aus, Herr Sechze am Anfang, von ihm aus, also von Jesus Christus aus, er ist das Haupt. Wo geht es weiter? Ganz zum Schluss vollbringt der ganze Leib das Wachstum, so dass er sich selbst erbaut in Liebe. Das ist der Hauptgedanke: Von Christus aus vollbringt der ganze Leib sein Wachstum.
Also lesen wir den Anfang und den Schluss, dann haben wir den Gedanken: Von ihm aus, von Christus aus, vollbringt der Leib das Wachstum des Leibes, so dass er sich selbst baut in Liebe. Der Leib vollbringt sein eigenes Wachstum, aber nicht ohne Christus, sondern von Christus aus.
Der Leib, das ist ja bei uns im Körper auch so, oder? Wie machen wir es beim Mittagessen? Die Hand nimmt den Löffel und hilft dem Mund. Sie bringt das Essen zum Mund, sonst müsste der Mund sich da hinunterbeugen. Die Hand hilft und bringt das Essen zum Mund. Die Zähne helfen dem Magen, und der Speichel hilft auch noch dazu dem Magen, so dass die Speise zerkleinert wird und schon vorverdaut wird durch Speichel. Der erste Teil der Verdauung geschieht schon im Mund. Mit Speichel versorgt, zerkleinert, dann kommt es in die Speiseröhre, kommt in den Magen, und dann freut sich der Magen, wenn es schon gut gekaut ist. Dann hat er nicht mehr so viel Arbeit, und dann wird das dann zerlegt und so weiter und zersetzt. Die wichtigen Stoffe kommen dann über den Darm, über die Darmwände ins Blut, so dass das Blut wieder versorgt wird mit wichtigen Nahrungsstoffen, Nährmitteln, so dass das Blut wieder den ganzen Körper mit diesen Stoffen versorgen kann. Und dadurch kann der Körper leben, hat er wieder Kraft.
Das hilft alles zusammen. Der Leib selber hilft sich, dass er wächst, und das Kind wächst, und der Erwachsene wird stark usw. Das heißt also, der Leib selber bewirkt sein Wachstum, aber er tut das alles in Verbindung mit dem Kopf. Der Kopf ist der, der steuert. Von Christus aus vollbringt die ganze Gemeinde, der ganze Leib, das heißt alle Christen, das Wachstum. Und so wächst die ganze Gemeinde, weil sie mit Christus verbunden bleibt.
Das heißt, wenn wir nichts tun, schaden wir uns selber und der Gemeinde. Wenn die Hand oder nehmen wir die Zähne: Wenn die Zähne nichts tun beim Essen, was geschieht dann? Dann kriegt der Bauch Schmerzen, weil der Magen es überfordert. Mit solchen Brocken kann er nichts anfangen. Jetzt schadet sich der Leib selber. Denn die Zähne gehören auch zum Leib, der ganze Leib leidet darunter, weil die Zähne nichts arbeiten wollen.
Das heißt also, wir müssen lernen: Gemeinde Jesu Christi funktioniert nur in dem Maß, in dem jedes Glied seine Funktion ausführt. Jedes Glied, wenn ich jetzt im Bilde spreche, auch jedes spielt seine Rolle. Es ist kein Spiel, aber jetzt hat jeder seine Rolle, seine Aufgabe.
Und da geht es weiter in dem Vers: Von ihm aus, von dem aus der ganze Leib, und jetzt kommt ein Nebensatz oder Nebengedanke, gut zusammengefügt und zusammengeschlossen durch jedes versorgende Gelenk. Was haben wir? Beim Leib haben wir ein Ganzes. Die Glieder liegen nicht lose dran, sondern die sind noch recht fest dran. Und zwar: Wo sind die fest dran? Beim Gelenk. Die sind zusammengefügt und bilden ein festes Ganzes, sind zusammen verbunden durch die Gelenke.
Also gerade dort, wo das Gelenk ist, da ist die Begegnung von einem Glied mit dem anderen. Also das erste Glied des Zeigefingers mit dem hinteren Glied verbindet sich genau da beim Gelenk. Und am Ellbogen ist das auch so: An dem Ellbogengelenk, Arm, Unterarm oder Oberarm, die verbinden sich genau beim Gelenk. Dort geschieht die Begegnung. Also beim Ellbogen geschieht die Begegnung von diesen zwei Gelenken.
Und genauso ist es im Christenleben. Wir haben eine Begegnung, Christen begegnen sich einander, und überall, wo Christen sich begegnen, ist ein Gelenk. Da geschieht etwas, und das muss aber verbunden werden. Wenn die sagen: Nein, ich habe mit dem nichts zu tun, wenn der Unterarm sagt, ich habe mit dem Oberarm nichts zu tun, dann geschieht nichts.
Entsprechend der Wirksamkeit eines jeden Teils. Jedes Teil hat eine Wirksamkeit, jeder kann etwas besonders gut. Der Daumen kann etwas besonders gut, der hat ein Kugelgelenk, der kann sich rundherum drehen, und das braucht er. Aber in einer Richtung kann er sich nicht bücken, nach hinten beugen. Warum nicht? Weil es nötig ist. Wenn er das Glas nimmt und dann nach hinten umknicken will, dann könnte er das Glas gar nicht nehmen. Das heißt, er muss in der Richtung fest sein, und er hat seine Aufgabe. Er passt genau an diese Stelle des Leibes, er hat Gott so gemacht.
Und so ist es bei allen Gliedern, die wir haben am Leib, und in der Gemeinde Jesu ist es auch so. Es gibt gewisse Dinge, die Sie äußerst gut können, die ein anderer aber nicht kann. Und es gibt einige Dinge, die Sie nicht können, aber es ist gut, dass Sie diese Sache nicht können. Denn wenn Sie das auch noch können würden, wäre das eine Schwierigkeit. Wenn der zum Beispiel in die Richtung sich beugen könnte, wäre das eine Schwierigkeit, dann könnte der Leib nicht so funktionieren.
Das heißt, es ist genau richtig: Die Gnadengaben, die wir haben, sind genau von Gott sehr weise verteilt. Jeder kann etwas besonders gut, jeder hat eine Funktion im Leib Jesu Christi. Und wenn ich jetzt dienen möchte, muss ich Ja sagen zu dem, was ich kann, und das einsetzen, was ich kann.
Es gibt gewisse Gnadengaben in der Gemeinde, und bei Paulus führt er einige Sachen auf. Zum Beispiel: Der eine ist einer, der kann ermuntern, aufrufen, und der andere ist einer, der lehrt, und der andere ist einer, der dient praktisch mit der Hand. Einer ist ein Helfer, der ist immer unterstützend da. Es braucht Unterstützer. Wenn die Unterstützer nicht da sind, die Helfer, dann können die anderen nicht funktionieren.
Deshalb ist es wichtig, dass jeder merkt: Was bin ich eigentlich? Wenn das Auto steht, kann man es nicht lenken. Wenn man das Auto schiebt und ein bisschen anfährt, dann kann man es lenken. Also auch wenn es in die falsche Richtung steht, dann kann man so lenken, dass es in die andere Richtung kommt.
Und wenn wir im Geistlichen auch nicht genau wissen, was eigentlich mein Dienst ist, dann dürfen wir mal anfangen, aber beten. Wir beten und wir fangen an. Und dann merken wir, einige Dinge können wir besser als andere. Und vielleicht kommt jemand anderer zu uns und sagt: Mach das weiter, das ist gut, das hast du gut gemacht. Und vielleicht haben wir dann, wenn wir etwas gut machen, wenn wir merken, das gelingt uns, dann haben wir Freude dabei.
Ein Bruder hat mich gefragt. Ich habe gesagt, ich hatte einen Dienst, ich hatte eine Freizeit, ich hatte einen Dienst heute, ich wusste, dort zwei, drei Tage zu sprechen. Und dann fragt mich der Bruder, ich habe ihm davon berichtet, er sagte: Und hattest du Freude? Dann sagte ich: Ich hatte große Freude. Aha, dann mach das weiter. Das ist auch ein Zeichen, dass wir in eine Richtung arbeiten sollen.
Haben wir hier Pause? Also wenn noch Fragen sind, können Sie auch nach der Pause die Fragen stellen.

