
Johannesevangelium 5,1-13 Der Tag, an dem Gott nur einen heilte
Johannes 5,1-1324.01.2021
Serie•Teil 27 / 44Johannes-Evangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Rückkehr nach Jerusalem und die besondere Szene am Teich
Hallo, liebe Geschwister!
Letztes Mal waren wir mit Jesus in Kana in Galiläa, heute geht es zurück nach Jerusalem. Johannes 5,1-4.
Danach war ein Fest der Juden, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. Es ist aber in Jerusalem bei dem Schaftor ein Teich, der auf Hebräisch Bethesda genannt wird und fünf Säulenhallen hat. In diesen lag eine Menge kranker, blinder, lahmer und ausgetrockneter Menschen.
Ich glaube, wir können uns die Szene gut vorstellen: ein Teich, genau genommen eine Zisterne, außen herum Säulenhallen, und in diesen Säulenhallen liegen kranke, blinde, lahme und ausgetrocknete Menschen.
Die Frage ist: Warum liegen sie da? Die Antwort lautet: weil sie gesund werden sollen. Dem Teich wurden nämlich heilende Kräfte zugesprochen. Spätere Handschriften ergänzen unseren Text deshalb auch mit den Worten, die sich in der Elberfelder Bibel in der Fußnote finden: In diesen lag eine Menge kranker, blinder, lahmer und ausgetrockneter Menschen, die auf die Bewegung des Wassers warteten. Denn jetzt kommt die Begründung: Ein Engel des Herrn stieg zu bestimmter Zeit in den Teich herab und bewegte das Wasser. Wer nun nach der Bewegung des Wassers zuerst hineinstieg, wurde gesund, mit welcher Krankheit er auch behaftet war.
Coole Sache, oder? Alle starren auf das Wasser, und wenn es sich bewegt, kommt der große Run. Wer zuerst hineinsteigt, wird gesund, völlig egal, welche Krankheit er hat.
Nun zum Problem. Ich nenne es mal Chancengleichheit. Bewegt sich das Wasser, haben die Blinden und die Lahmen einen echten Nachteil. Die einen, weil sie nicht sehen, dass es sich bewegt, und die anderen, weil sie, selbst wenn sie es sehen können, sich nicht selbst bewegen können. Und damit ist das echt problematisch.
Die Frage Jesu und die verlorene Hoffnung
Johannes 5,5-7. Es war aber ein Mensch dort, der achtunddreißig Jahre mit seiner Krankheit behaftet war. Als Jesus diesen daliegen sah und wusste, dass es schon lange Zeit so mit ihm stand, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden?
Wir wissen nicht ganz genau, was der Mann hatte, der da lag. Was wir aber erfahren, ist, dass er schon achtunddreißig Jahre lang krank war. Keine Ahnung, wie lange er schon in der Säulenhalle lag, aber auch das dürfte schon lange gewesen sein.
Und jetzt kommt Jesus, betritt die Säulenhalle, schaut sich um, sieht den Mann daliegen, weiß, dass er schon sehr lange krank ist, und fragt ihn: Willst du gesund werden?
Komische Frage, oder? Natürlich will er das. Deshalb liegt er doch in der Säulenhalle. Aber ich glaube, so einfach ist die Sache nicht. Denken wir an Chancengleichheit. Der Mann weiß, dass er keine Chance hat, und er hat mit der Idee, irgendwann einmal geheilt zu werden, also in diesem Teich durch dieses Wunder des Teiches geheilt zu werden, schon lange abgeschlossen. Er liegt noch da, aber eigentlich erwartet er nichts mehr. Ich würde es so formulieren: Er liegt noch da, weil er keinen Plan B hat. Seit Jahren, vielleicht seit Jahrzehnten, ist er dort. Das ist sein Leben, und er hat sich daran gewöhnt. Heilung? Na ja, das war früher sein Traum.
Aber hören wir ihn selbst. Vers 7: Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, dass er mich, wenn das Wasser bewegt worden ist, in den Teich wirft. Während ich aber komme, steigt ein anderer vor mir hinab.
Mit meinen Worten: Herr, ich habe keine Chance. Ich kann nicht laufen. Ich brauche jemanden, der mich trägt und in den Teich wirft. Und selbst wenn das jemand tun würde: Bis ich ruckepack am Teich bin, hey, hier liegen so viele Kranke, bis ich dort bin, ist ein anderer schon längst hineingesprungen.
Dieser Mann ist Realist. Er weiß, dass er keine Chance hat. Willst du gesund werden? Ja, will ich schon. Ich weiß bloß nicht, wie das noch gehen soll. Aber ja, der Wunsch grundsätzlich ist da. Und für Jesus ist das in diesem Moment genug.
Das Wunder und der beginnende Konflikt
Die Verse acht und neun:
Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett auf und geh umher. Und sofort wurde der Mensch gesund, nahm sein Bett auf und ging umher. Es war aber an jenem Tag Sabbat.
Herrlich, oder? Herrlich, wie unspektakulär das beschrieben ist. Geht es euch auch manchmal so, dass ihr denkt: Mann, wie wenig Brimborium wird eigentlich um die Wunder Jesu gemacht?
Achtunddreißig Jahre lang krank, wahrscheinlich einer, den wir in die Gruppe der Lahmen zählen. Jedenfalls jemand, der nicht mehr selber laufen kann. Weißt du, was passiert, wenn du jahrelang liegst? Was das mit deinen Muskeln und deinen Gelenken macht? Wie schnell Muskelmasse sich abbaut, wie schnell Gelenke versteifen?
Ich muss zugeben, ich mag die Wunder Jesu. Die sind einfach mal so unglaublich radikal. Hier steht: Und sofort wurde der Mensch gesund. Herr Jesus sagt: Steh auf, und sofort wurde der Mensch gesund. Ohne monatelange Physiotherapie. Er wurde gesund, nahm sein Bett, wohl eher eine Matratze, und ging umher. Bang, das war’s.
Ich weiß, wie ich etwa eine Woche nach meiner Herz-OP einige wenige Schritte mit dem Rollator im Flur gemacht habe, einfach nur deshalb, weil meine Muskeln so schwach waren. Wisst ihr was? Nach achtunddreißig Jahren ist da nichts mit Matratze schnappen und umhergehen, es sei denn, Gott hat an dir ein Wunder gewirkt. Wenn Gott dich gesund gemacht hat, dann geht es.
Und warum macht Gott diesen Mann gesund? Vielleicht gefällt uns die Antwort nicht, aber der Vater wirkt durch den Sohn hier an dieser Stelle, um einen Konflikt heraufzubeschwören. Es steht nämlich im Text: Es war aber an jenem Tag Sabbat.
1. Korinther 5,3-12
Johannes 5,10: Es sagten nun die Juden zu dem Geheilten, also sie sehen den Rumlaufen mit seiner Matratze: Es ist Sabbat. Es ist dir nicht erlaubt, das Bett zu tragen.
Wenn Jesus einen Menschen, der achtunddreißig Jahre lang krank war, heilen soll, dann spielt es eigentlich keine Rolle, ob der noch einen Tag länger krank bleibt. Ich sage das deshalb, weil, wenn es hier um die Heilung selber gegangen wäre, dann hätte Jesus problemlos auch noch einen Tag warten können. Wisst ihr, nach 38 Jahren kommt es auf ein paar Stunden einfach nicht an.
Aber hier in dem Text geht es gar nicht um die Heilung, es geht um den Konflikt, den die Heilung hervorruft. Gott provoziert, darum geht es. Gott provoziert. Er tut etwas, wovon er weiß, dass die Gesellschaft, in der Jesus lebt, dass diese Gesellschaft es nicht gutheißen wird, was er getan hat. Es ist Sabbat, es ist dir nicht erlaubt, das Bett zu tragen.
Mag sein, dass diese Interpretation des Sabbatgebots ein wenig pharisäerhaft eng ist, das kann sein, aber die Leute dachten damals so. Und Gott wusste das. Er wusste, wie sie dachten. Er hätte ohne Not den Konflikt vermeiden können, tut er aber nicht.
Hört noch einmal, was Jesus sagt. Jesus sagt: Steh auf, nimm dein Bett auf und geh umher. Explizit geht es ihm nicht um die Heilung, sondern darum, dass der Geheilte etwas tut, das bei den Religiösen aneckt.
Die eigentliche Frage der religiösen Gegner
Johannes 5,11-13. Er antwortete ihnen: Der mich gesund gemacht hat, der sagte zu mir: Nimm dein Bett auf und geh umher. Sie fragten ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir sagte: Nimm dein Bett auf und geh umher? Der Geheilte aber wusste nicht, wer es war; denn Jesus hatte sich entfernt, weil eine Volksmenge an dem Ort war.
Merkt ihr, was im Zentrum steht? Nicht die Heilung, sondern die Frage, wer es ist, der sich erdreistet, die anerkannten Sabbatregeln in Frage zu stellen. Wer ist der Mensch, der zu dir sagte: Nimm dein Bett auf und geh umher? Das ist die Frage, um die es geht. Dumm nur, dass der Gelähmte keine Ahnung hat. Jesus war weg. Jesus wollte keine Probleme bekommen. Und man kann sich gut vorstellen, warum.
Da liegen, und wir haben es in Vers 3 gelesen, eine Menge Kranke, Blinde, Lahme, Dürre. Aber Jesus heilt genau einen. Fünf Säulenhallen voller Menschen mit dem Wunsch, gesund zu werden. Und Jesus heilt genau einen.
Es gibt im Leben Jesu diese Momente, in denen er alle Kranken heilt, das stimmt. Da ist zum Beispiel die Schwiegermutter des Petrus, die gesund gemacht wird. Und dann heißt es direkt danach in 1. Matthäus 8,16-17: Als es aber Abend geworden war, brachten sie viele Besessene zu ihm, und er trieb die Geister aus mit seinem Wort, und er heilte alle Leidenden. Damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: Er selbst nahm unsere Schwachheiten und trug unsere Krankheiten.
Also sehen wir hier ganz schön, warum Jesus an dieser Stelle so viele Menschen heilt. Er erfüllt eine Prophezeiung. Jesus hatte davon gesprochen, dass der Messias Schwachheiten und Krankheiten wegnehmen würde. Daran würde man ihn erkennen, an besonders vielen Heilungswundern. Und deshalb gibt es im Leben Jesu diese, ich nenne das mal, Heilungshotspots.
Aber es gibt auch das Gegenteil: Fünf Säulenhallen voll von Kranken, die nicht gesund werden. Und genau ein Lahmer, der das erste Mal seit Jahrzehnten wieder laufen kann. Das gibt es auch.
Heilung, Leiden und die tiefere Mission des Messias
Gott wurde ganz offensichtlich nicht Mensch, um alle Kranken gesund zu machen. Er hat Gründe dafür, warum er manchmal Menschen heilt, auch manchmal ganz viele, ja. Aber er hat auch Gründe dafür, warum er manchmal unerkannt einen Ort verlässt, an dem ganz viele weiterhin darauf warten, geheilt zu werden.
Die Mission des Messias ist Heilung. Aber nicht Heilung unseres Körpers, sondern Heilung unseres inneren Menschen. In Jesaja 53,5 lesen wir: Doch er, das ist der Herr Jesus, doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünden willen; die Strafe lag auf ihm zu unserem Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden.
Merkt ihr, worum es geht? Es geht um Frieden mit Gott. Es geht um die Heilung von Vergehen und Sünden. Und Petrus wiederholt diesen Gedanken. 1. Petrus 2,24 heißt es: der unsere Sünden an seinem Leib selbst an das Holz, gemeint ist das Kreuz, hinaufgetragen hat, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben; durch dessen Striemen ihr geheilt worden seid.
Geheilt wovon? Von unseren Sünden, von dem, was Sünden in unserem Leben angerichtet haben, also von unserer Schuld und Verlorenheit. Jesus heißt: „Gott rettet“. Das ist der Name Jesus, so wie der Engel dem Josef im Traum sagt: Du sollst seinen Namen Jesus nennen, denn er wird sein Volk retten von seinen Sünden.
Was unseren Körper angeht, müssen wir damit leben, dass wir wie der Rest der Schöpfung leiden werden. Oder mit den Worten des Apostels Paulus, Römer 8,23: Nicht allein aber seufzt die Schöpfung über ihre Vergänglichkeit, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir selbst seufzen in uns selbst und erwarten die Sohnschaft, die Erlösung unseres Leibes.
Wir warten. Wir warten auf Auferstehung. Wir warten auf das Ende von Leid und Schmerz, wenn die neue Schöpfung anbricht.
Es kann sein, dass Gott heute auf wundersame Weise rettet. Ich bin wirklich nicht dagegen. Ich bete gern für Kranke. Und als Älteste stehen wir jederzeit bereit, euch zu salben, euch in dieser Zeit zu besuchen.
Aber lasst uns bitte eines nicht vergessen: Am Teich Bethesda wurde einer geheilt, und viele blieben zurück. Eine Heilung war Gott wichtig, weil er sie benutzen wollte, um damit zu provozieren. Und deshalb werde ich weiter für jeden beten und auch für mich beten lassen. Gott kann heilen. Aber ich will einfach auch kein Problem damit haben, wenn Gott meine Säulenhalle verlässt und ich krank zurückbleibe. Er ist Gott, er darf das.
Und übrigens gehen wir lieber nicht davon aus, dass unser Ex-Lahme, der jetzt laufen kann, nie wieder krank wird. Einmal geheilt heißt nicht, dass er auf wundersame Weise vor allen zukünftigen Erkrankungen irgendwie geschützt wäre. Nein, das ist nicht der Fall.
Wir seufzen. Wir seufzen mit der Schöpfung, und wir erwarten die Sohnschaft. Wir erwarten, dass das Beste noch kommt, nämlich die Erlösung unseres Leibes.
Mit dem Leid leben und im Glauben bleiben
Das ist die überwältigende Realität unseres Lebens. Und deshalb lasst uns heute in den Gruppen miteinander über das Seufzen sprechen.
Drei Aufgaben an euch:
Aufgabe Nr. 1: Bitte lest Römer 8,18-23, um den Zusammenhang zu sehen. Und dann vielleicht reihum: Wo macht dir die Vergänglichkeit der Schöpfung besonders viel Not? Wo nimmst du sie besonders deutlich in deinem Leben wahr?
Zweite Frage: Wie gehst du damit um, dass Gott dir unheilbare Krankheiten, Altersschwäche, schlechte Augen, Vergesslichkeit, Asthma, Allergien, Hormonschwankungen, Zahnschmerzen, traumatische Entgleisungen, psychische Erkrankungen, eben die Leiden der jetzigen Zeit zumutet? Zweifelst du manchmal an seiner Güte und Liebe?
Dritter Punkt: Was hilft dir mitten im Leid, um in einer engen Beziehung mit Gott zu bleiben? Vielleicht sogar dafür zu sorgen, dass das Leid dich in eine noch tiefere Beziehung mit Gott führt?
P.S.: Kleine Werbung in eigener Sache: Podcast übernächste Woche. Dann wird es um den Segen von schwierigen Zeiten gehen, fünf Punkte, die du wissen solltest.
Das war's für heute. Der Herr segne dich. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.
Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.
