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Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer – Teil 2

Jesu Leben und Lehre | Episode 732
Matthäus 23,1509.07.2026
SerieTeil 2 / 3Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer
Glaubenseifer kann gefährlich werden, wenn er Menschen nicht zu Gott, sondern in religiöse Enge führt. Die Frage bleibt: Führst du andere in die Wahrheit – oder nur in deine Meinung?
Gott wird Mensch
Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 732
Wehe-Rufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer, Teil 2

Gott wird Mensch Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter Weg, Wahrheit und Leben ist Episode 732 Wehe Rufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer Teil 2

Der nächste Vorwurf im Zusammenhang der Weherufe

Wie ein alttestamentlicher Prophet spricht Jesus nun Wehe um Wehe über die Schriftgelehrten und Pharisäer aus. Eben noch hat er ihnen Heuchelei vorgeworfen und gesagt, dass sie das Reich der Himmel vor denen verschließen, die gern hineingehen wollen. Jetzt kommt er auf ein neues Problem zu sprechen.
 Matthäus 23,15: Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr durchzieht das Meer und das trockene Land, um einen Proselyten zu machen. Und wenn er es geworden ist, macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr selbst.

Was mit einem Proselyten gemeint ist

Der zweite Weheruf richtet sich gegen den missionarischen Eifer seiner Gegner. Wenn Jesus davon spricht, dass sie das Meer und das trockene Land durchziehen, dann will er damit den Aufwand beschreiben, den sie betreiben. Keine Mühe ist ihnen zu groß, um einen Proselyten zu machen.
Was ist ein Proselyt? Der Begriff bezeichnet einen Heiden, der zum Judentum übertritt. Dabei meint er den Vollkonvertiten, den man vom sogenannten Gottesfürchtigen unterscheiden muss. Ein Gottesfürchtiger sympathisierte mit dem Judentum. Er besuchte die Synagoge, las in der Tora und hielt sich auch, soweit ihm das richtiger schien und möglich war, an die jüdischen Gesetze. Dennoch galt er aus jüdischer Sicht nicht als vollgültiges Mitglied der Glaubensgemeinschaft.
Wir treffen in der Apostelgeschichte immer wieder auf solche Personen. Apostelgeschichte 10,1-2: Ein Mann aber in Caesarea mit Namen Cornelius, ein Hauptmann von der sogenannten italischen Schar, fromm und gottesfürchtig, mit seinem ganzen Haus, der dem Volk viele Almosen gab und alle Zeit zu Gott betete.
 Apostelgeschichte 13,16 und 13,26: Paulus aber stand auf, winkte mit der Hand und sprach: Männer von Israel und ihr, die ihr Gott fürchtet, hört! Ihr Brüder, Söhne des Geschlechts Abrahams, und ihr, die unter euch Gott fürchtet, uns ist das Wort dieser Rettung gesandt.

Gottesfürchtige und vollgültige Übertritte

Paulus spricht hier in der Synagoge. Dabei sieht man gut, wie er zwischen den Juden, „Männer von Israel, ihr Brüder, Söhne des Geschlechts Abrahams“, also den Juden auf der einen Seite, und den Gottesfürchtigen auf der anderen Seite unterscheidet. Beide Gruppen waren in der Synagoge anwesend.
Soweit zu den Gottesfürchtigen. Die Schriftgelehrten und Pharisäer wollten jedoch Proselyten, also Heiden, die ganz zum jüdischen Glauben übertreten. Geschichtlich umstritten ist dabei, ob zur Zeit Jesu bereits die für die spätere rabbinische Zeit gesicherte Proselytentaufe durch Untertauchen in einem Tauchbad vollzogen wurde. Das wissen wir nicht genau. Für die Zeit Jesu gibt es dazu keine gesicherten Belege.
Was jedoch klar ist: Männer, die Juden werden wollten, mussten sich beschneiden lassen. Für alle Proselyten galt außerdem die Unterordnung unter die Tora und die Teilnahme am jüdischen Gemeinschaftsleben.

Biblische Beispiele für Fremde, die sich Gott anschließen

Die Bibel kennt positive Beispiele für Proselyten.
 Rut 1,16: Aber Rut sagte: Dringe nicht in mich, dich zu verlassen, von dir weg umzukehren. Denn wohin du gehst, dahin will auch ich gehen, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.
Das sagt die Moabiterin Rut. Und in Jesaja lesen wir in Jesaja 56,3.6-7: Und der Sohn der Fremde, der sich dem Herrn angeschlossen hat, soll nicht sagen: Der Herr wird mich sicher von seinem Volk ausschließen. Und die Söhne der Fremde, die sich dem Herrn angeschlossen haben, um ihm zu dienen und den Namen des Herrn zu lieben, ihm zu Knechten zu sein, jeden, der den Sabbat bewahrt, ihn nicht zu entweihen, und alle, die an meinem Bund festhalten, die werde ich zu meinem heiligen Berg bringen und sie erfreuen in meinem Bethaus. Ihre Brandopfer und ihre Schlachtopfer sollen mir ein Wohlgefallen sein auf meinem Altar.

Das eigentliche Problem hinter dem missionarischen Eifer

Ein Proselyt ist an sich eine gute Sache. Jesus kritisiert also nicht, dass Heiden den Gott Israels suchen und finden und Teil der jüdischen Glaubensgemeinschaft werden.
Das Problem ist ein anderes: Die Schriftgelehrten und Pharisäer führen den Proselyten nicht in die Wahrheit des Reiches Gottes, sondern sie bringen dem Konvertiten ihre eigene verdrehte Form von Frömmigkeit bei. Der Proselyt übernimmt dann eben nicht nur den jüdischen Glauben, sondern auch die pharisäische Enge, Heuchelei und ihre Ablehnung des Christus.
 Matthäus 23,15: Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler, denn ihr durchzieht das Meer und das trockene Land, um einen Proselyten zu machen, und wenn er es geworden ist, so macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr.

Gericht statt geistlichem Leben

Hier steht, ihr macht ihn zu einem Sohn der Hölle. Sie nehmen den am jüdischen Glauben Interessierten und benutzen ihren Einfluss als Lehrer und Mentoren, um ihn nicht ins Reich Gottes, sondern in den Abfall von Gott hineinzuführen.
An sich ist missionarischer Eifer etwas Gutes, aber hier nicht. Und zwar deshalb, weil der Eifer der Pharisäer und Schriftgelehrten den Menschen, die Interesse am jüdischen Glauben zeigen, nicht die Tür zu Gott öffnet, sondern das Tor in die Hölle.
Das jüdische Konzept von Hölle habe ich etwas ausführlicher schon in Episode 189 behandelt. Hier nur eine Zusammenfassung. Mit Hölle wird das griechische Wort Gehenna übersetzt, das auf das Tal Hinnom südwestlich von Jerusalem zurückgeht. Im Alten Testament wurde dieser Ort mit schwerem Götzendienst verbunden, besonders mit Kindsopfern für den Götzen Moloch. In der jüdischen Überlieferung wurde Gehenna deshalb zu einem Bild für den endzeitlichen Gerichtsort Gottes.
In Matthäus 23,15 ist „Sohn der Hölle“ eine semitische Ausdrucksweise. „Sohn von“ bedeutet, jemand gehört zu etwas, ist davon geprägt oder steht unter dessen Bestimmung. Sohn der Hölle bezeichnet also jemanden, der dem endzeitlichen Gericht Gottes entgegengeht.
Der missionarische Eifer der Schriftgelehrten und Pharisäer produziert kein geistliches Leben, sondern Verdammnis.

Warum Neubekehrte besonders anfällig sein können

Und warum sind die Proselyten dann doppelt so schlimm wie ihre Lehrer? Das liegt vermutlich daran, dass Neubekehrte oft besonders eifrig, besonders streng und besonders blind gegenüber Korrektur werden. Sie haben ja endlich die Wahrheit erkannt und sind sich ihrer Sache jetzt besonders sicher.
Man muss sich nur anschauen, mit welchem Sendungsbewusstsein zum Islam bekehrte Namenschristen ihre neue Religion im Internet präsentieren. Wovor warnt Jesus? Davor, dass suchende Menschen auf Irrlehrereien hereinfallen, sie zum Vorbild nehmen und am Ende nicht bei der Wahrheit landen, sondern sich hoffnungslos in der Lüge verheddern.
Der Eifer, den Missionare an den Tag legen, um Proselyten zu gewinnen, ist leider noch kein Beleg für die Aufrichtigkeit ihrer Motive und erst recht nicht für die Brauchbarkeit ihrer Theologie.

Schlussgedanken und praktische Anwendung

Was könntest du jetzt tun? Auch wenn die Pharisäer ein schlechtes Vorbild sind, bleibt trotzdem die Frage: Bist du in deinem Umfeld missionarisch aktiv?
Das war’s für heute. Überarbeite und aktualisiere jetzt deine Fürbitte-Liste für stagnierende und entmutigte Christen in deiner Gemeinde. Bete dafür.
Der Herr segne dich, lass seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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