Serie•Teil 33 / 64Apostelgeschichte
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Einleitung und Rückblick
Ich freue mich, bei euch zu sein, und wir machen heute, obwohl Pfingsten ist, in der Apostelgeschichte weiter. Ihr müsst mir das nachsehen, aber ich dachte mir irgendwie: Wir haben das letzte Mal so mittendrin in Apostelgeschichte 15 aufgehört, und jetzt so eine ewig lange Pause, das wollte ich nicht.
Wir betrachten im Moment gemeinsam, jetzt mal im Jargon der Theologen gesprochen, das sogenannte Apostelkonzil. Der Name ist eigentlich ein bisschen witzig, denn es sind eben nicht nur Apostel, die an diesem Konzil teilnehmen. Und ganz am Ende, wenn so ein Fazit unter der Veranstaltung gezogen wird, dann ist es gar kein Apostel, der das letzte Wort hat. Aber trotzdem müssen wir uns dieses Wort einfach merken: Apostelkonzil.
Wie kam es dazu, zu diesem Apostelkonzil? Ihm liegt wirklich ein Lehrstreit zugrunde. Und für alle, die jetzt bei dem Wort Lehrstreit so einen inneren Impuls haben, nach dem Motto: Schon wieder Lehre, Lehre ist eigentlich gar nicht so wichtig, das Entscheidende ist einfach nur die Liebe, an der Stelle ein ganz kleines bisschen Vorsicht.
Die ersten Christen haben diese beiden Aspekte, Lehre und Liebe, nicht voneinander getrennt. Die gehören ganz eng zueinander. Und wir sollten da vorsichtig sein und auch nicht eine willkürliche Trennung vornehmen. Liebe ohne Lehre ist einfach nur Gefühlsduselei. Und wenn man lehrt, ohne zu lieben, dann ist das einfach nur kaltherzige Orthodoxie. Und beides ist falsch.
Wir müssen also mehr sein als solche Leute, die einfach nur das Gutmenschentum irgendwie fördern wollen. Und wir müssen auch mehr sein als solche, die sagen: Uns geht es nur um die wahre Lehre. Wir brauchen irgendwie beides zusammen. Wir brauchen gute Lehre, damit wir ein Leben führen können, das Gott gefällt. Und wir brauchen Lehre, die uns fähig macht, so zu lieben, wie es Gott sich wünscht.
Ich möchte euch das kurz zeigen aus dem ersten Timotheusbrief: 1. Timotheus 1,5. Das ist so ein Vers für Prediger, also für alle, die regelmäßig hier vorne stehen. Das wäre so ein Vers zum Auswendiglernen. 1. Timotheus 1,5. Da heißt es: „Das Endziel der Weisung“ oder des Gebotes – hier geht es mir darum um den, der Gebote predigt – „das Endziel der Weisung aber ist Liebe.“ Also es geht nicht darum, dass wir predigen, um dicke Köpfe zu produzieren. Leute, die viel Wissen haben, aber das Wissen nicht anwenden. Sondern das Endziel der Weisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben.
Also gute Lehre schließt die Gebote Gottes auf und macht uns fähig, zu lieben. Und zwar aus einem reinen Herzen, aus einem guten Gewissen und einem ungeheuchelten Glauben. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: Gute Lehre ist dazu da, um das Herz zu reinigen. Da, wo in unserem Herzen, unserem Denken, falsche Ideen sind, diese zu identifizieren und zu sagen: Schmeiß die raus, dann kannst du einfach besser lieben. Sie ist auch dazu da, unser Gewissen zu schärfen. Wir brauchen ein geschärftes Gewissen, um gut lieben zu können, um zu wissen, was richtig ist und was falsch. Und wir brauchen natürlich auch rettenden Glauben, einfach um zu lieben. So ist gute Lehre da.
Und deswegen ist so das Apostelkonzil, auch wenn das für uns ein bisschen fremd erscheint, wichtig. Mir geht es ja auch so, dass ich manchmal denke: Christen haben sich in der Kirchengeschichte so oft gestritten und so oft auch über Dinge in die Haare gekriegt, wo ich heute zurückdenke und denke: Mann, das kann nicht euer Ernst sein.
Wir haben ja gerade 500 Jahre Reformation. Ihr müsst mal anschauen, wie Reformatoren miteinander umgegangen sind. Da raufst du dir die Haare und denkst dir: Ehrlich, ihr habt euch über die Frage zerstritten, ob man das Abendmahl, wie man das genau bis so in die zweite Nachkommastelle zu verstehen hat, das war euer Thema? Ja, das war zum Beispiel das Thema zwischen Luther und Zwingli. Deswegen sind die nie zusammengekommen. Und ich denke: Rrr, was soll das?
Man braucht schon die Weite des Herzens bei diesen geistlichen Themen, man muss wissen, worauf es nicht so ankommt. Aber auf der anderen Seite ist es auch wichtig zu sagen: Es gibt manchmal Themen, da muss man miteinander ringen. Da darf man nicht einfach sagen: Schwamm drüber, jetzt soll jeder machen, wie er will. Und hier ist so ein Thema.
Das Apostelkonzil ist kein sinnloser Streit rechthaberischer Bibellehrer, sondern es ist Ringen um biblische Wahrheit. Und bis heute, ich möchte das mal hier so sagen, ist das Aufgabe von Leitung. Älteste haben diese Aufgabe, zu sagen, wo ist ein Thema wirklich wichtig, und dann darum zu ringen, zu sagen, was machen wir in der Gemeinde damit. Denn falsche Lehre macht tatsächlich kaputt.
Damals traten Irrlehrer auf und behaupteten, ihr könnt nur gerettet werden, wenn ihr euch beschneiden lasst, also wenn ihr zum jüdischen Glauben übertretet. Heute würde wahrscheinlich keiner mehr sagen: Das ist also definitiv nicht mehr unser Thema, dass einer hier vorne steht und sagt: Hallo, ihr lieben Männer, ich habe da eine frohe Botschaft an euch. Ich habe für jeden von euch einen Termin gemacht hier im Krankenhaus. Wir müssen da noch etwas nachholen, das habt ihr vergessen. Das wird heute keiner sagen.
Aber es gibt natürlich trotzdem noch Irrlehrer. Warum sollten die ausgestorben sein? Die kommen nur mit anderen Botschaften. Und deswegen ist es umso wichtiger, dass Gemeindeleiter zum Schutz ihrer Gemeinde immer wieder um biblische Wahrheiten ringen. Wie gesagt, nicht um die Kleinigkeit, nicht um die zweite Nachkommastelle. Lasst uns ein weites Herz haben und im geistlichen Leben miteinander auch Dinge benennen, wo wir sagen: Da soll jeder machen, was er will.
Das ist für uns unter der großen Rubrik gesetzliche Streitigkeiten, die wir einfach wegschieben sollen nach Titus. Wo steht das? Titus 3,9-10, glaube ich. Aber wir müssen halt wissen: Nicht alles ist unter gesetzliche Streitigkeiten zu fassen, die wir nicht beachten. Es gibt Dinge, die sind einfach wichtig.
Wenn es um die Frage geht, wie wird man gerettet, oder wie lebt man so, dass es Gott ehrt und dass Gott, also eigentlich der Geist Gottes, weil wir das heute hatten, sich im Leben wieder spiegelt. Oder wenn es darum geht, wer Jesus ist. Wie spricht Gott zu uns? Welchen Wert hat die Bibel? Das sind so ganz grundlegende Themen, wo wir echt aufpassen müssen, dass, egal wohin uns der Zeitgeist gerade hinführt, wir immer wieder sagen: Stopp, da bleiben wir Fundis.
Also nicht in diesem negativen Sinn, sondern Fundis im Sinne von: Da bleiben wir unseren Wurzeln treu. Da bleiben wir konservativ, weil wir wollen, dass das, was wir haben, an gutem geistlichen Schatz, unverfälscht weitergegeben wird. An unsere Freunde, an unsere Kinder. Wir wollen, dass das, was wir haben, nicht auf dem Weg kaputt geht.
Vielleicht noch ein letzter Vers dazu: 1. Timotheus 4,16. Paulus schreibt an Timotheus eine Ermahnung, eigentlich eine doppelte Ermahnung. Er sagt: Habe Acht auf dich selbst und auf die Lehre. Hier schreibt der Gemeindegründer, oder einer, der zumindest viel in dieser Gemeinde gearbeitet hat, an den, der jetzt gerade dort vor Ort Probleme lösen soll, die sich durch eine, sagen wir mal, wahrscheinlich nicht ganz so kompetente Ältestenschaft eingeschlichen haben.
Und Paulus sagt: Habe Acht auf dich selbst. Pass auf, dass du in dem ganzen Prozess nicht unter die Räder kommst, dass dein Glaube keinen Schaden nimmt. Habe Acht auf dich selbst und auf die Lehre, beharre in diesen Dingen. Denn wenn du dies tust, wirst du sowohl dich selbst erretten – und hier geht es nicht um ewige Errettung, hier geht es darum, dass wir in unserem geistlichen Leben kluge Entscheidungen treffen. Das ist die Errettung vor der Dummheit, die Errettung vor blöden Entscheidungen, die uns in die falsche Richtung führen – du wirst sowohl dich selbst erretten als auch die, die dich hören.
Es ist gut, auf gute Lehre zu achten und nicht zu sagen: Wer braucht das immer so theoretisch? Und es sind auch manchmal Themen dabei, wenn man den ganzen Ratschluss Gottes predigt, wo man natürlich zu Recht sagt: Na ja, was mache ich denn heute mit dem Thema? Vielleicht noch nichts. Vielleicht wirst du mit der Predigt heute – wir haben heute auch so ein, zwei Themen dabei, wo man sagt: Braucht man die wirklich so, um glücklich zu werden? Vielleicht nicht. Vielleicht nicht heute. Aber nimm es mit, nimm den Gedanken mit, speicher ihn ab.
Es wird der Tag kommen, wo das Wort Gottes sich in deinem Leben entfaltet. Und dann wirst du froh sein, es zu kennen, weil dann wirst du womöglich nicht mehr die Zeit haben, in Ruhe darüber nachzudenken.
Der langsame Weg des Lernens
Aber kommen wir zurück zum Apostelkonzil. Ich hatte letztes Mal den Schwerpunkt darauf gelegt, dass unser Leben vor unserer Bekehrung unsere Theologie womöglich mehr prägt, als uns das lieb ist.
Frage: Was rettet uns, damit sich unser altes Leben möglichst wenig in unserem heutigen Leben als Christ widerspiegelt?
Die Antwort lautet: Das einzige, was uns auf Dauer rettet, ist das Wort Gottes. Genau genommen: Das einzige, was uns rettet, ist, dass wir immer wieder das Wort Gottes lesen, darüber nachdenken, auch mit anderen zusammen, und es dann wieder lesen und wieder nachdenken. Dadurch bekommen wir theologisches Wissen.
Ihr müsst euch das so vorstellen: Theologisches Wissen ist nicht so, dass man gläubig wird und dann kommt einer wie bei der Ice Bucket Challenge – ich weiß nicht, wer das kennt, das gab es früher mal auf YouTube, so ein viraler Hit. Da hat man einen Eimer mit Wasser und Eiswürfeln genommen und ihn über jemanden ausgegossen. Man könnte jetzt denken: Christsein heißt, Ice Bucket Challenge, ich werde Christ, und dann kriege ich so einen Bottich mit theologischem Wissen auf einmal. Aber so ist es nicht.
Es ist in Wirklichkeit ein ganz langsamer, zyklischer Prozess. Ich fange als junger Christ an, die Bibel zu lesen, und verstehe am Anfang nur die groben Linien, die groben Zusammenhänge. Dann gehe ich einmal durch. Beim zweiten Mal Lesen verstehe ich schon ein bisschen mehr. Beim dritten Mal auch. Dann höre ich noch Predigten dazu, lese vielleicht mal ein gutes Buch, habe einen schönen Hauskreis, nehme an einem Seminar teil. Und allmählich, im Laufe der Jahre, prägt sich immer mehr von dem Wort Gottes in mir ein. Ich verstehe die Zusammenhänge immer besser. Ich verstehe immer mehr, wie Gott ist und wie Gott seine Geschichte mit dieser Welt schreibt.
Ich möchte euch ermutigen, diesen Prozess zuzulassen. Dieses immer wieder Wort Gottes lesen. Und zwar im Alten Testament heißt es mal, dass Leute zittern sollen vor dem Wort. Ich würde vielleicht sagen: mit einer Erwartungshaltung ans Wort Gottes herangehen. Dass es da Dinge gibt, die ich noch nicht verstanden habe, die mich neu herausfordern, die mich neu begeistern, vielleicht sogar alte Zusammenhänge, die mich neu faszinieren. Wie du es mit dem einen Lied vorhin sagtest: Ihr kennt das Lied, aber lasst euch noch mal neu darauf ein. Wo wir merken: Hier wird etwas durch Gottes Geist in meinem Leben aktualisiert, was vorher gar nicht so präsent war.
Und deswegen hätte ich drei Tipps für diesen Umgang mit der Bibel:
Punkt eins: Hör nicht auf, die Bibel zu lesen.
Das ist für junge Christen klar. Junge Christen müssen die Bibel lesen. Bitte lest, lest, lest. Aber auch reife Christen brauchen die ganze Bibel, und sie brauchen nicht nur ihre Lieblingsstellen. Wir dürfen auch als reife Christen nicht denken: Okay, ich habe das jetzt zehnmal durchgelesen, ich kenne alle Geschichten, ich weiß, wer bei David und Goliath gewinnt, und jetzt bringt mir das nichts mehr. Falsch! Ich glaube, wir brauchen mehr Umgang mit der Bibel, als dass wir Bücher über die Bibel lesen. Bitte macht das einfach: Lest Bibel.
Punkt zwei: Denk nicht, dass du zu dumm bist für die Bibel.
Man kann manchmal Bibel lesen und denken: Ich verstehe nur Bahnhof. Ja, weiß ich. Aber der Gedanke, ich bin zu dumm für die Bibel, ist falsch. Du musst nicht, wenn du eine Bibel liest, gleich alle Antworten haben. Aber ich bitte dich: Stell Fragen und such nach Antworten. Und nutz Typen wie mich. Ihr dürft mir gerne immer mal eine E-Mail schreiben, wenn euch bei der Bibellese irgendwas auffällt und ihr sagt: Verstehe ich nicht. Ja, dann schreib mir eine E-Mail. Es kostet mich im Allgemeinen zwischen einer und drei Minuten, deine E-Mails zu beantworten. Deswegen sind die auch immer so kurz. Und manchmal ist es auch nur: Schauen Sie bitte auf Rockwood sowieso nach, weil viele Fragen ja schon irgendwann mal gestellt worden sind und beantwortet wurden.
Also, was ich will, ist: Halt dich nicht für zu blöd. Gerade am Anfang, wo du denkst: Boah, ich bin eigentlich vorher eher der Comicleser gewesen, jetzt habe ich mich bekehrt und jetzt nur die Bibel lesen, boah, das ist ganz schön kompliziert. Und wenn du dann noch mit Elberfelder anfängst, boah, das ist ja so wie eine Fremdsprache lernen. Ja, ein bisschen ist es so. Aber stell Fragen, denk nach. Wenn es dir hilft, mir hilft das auch. Lern Bibelverse auswendig. Es ist eine tolle Möglichkeit, einfach mit Gott im Gespräch zu bleiben. Aber bitte, bitte, bitte halte dich nicht für zu dumm. Lies die Bibel, halte dich nicht für zu dumm.
Und der dritte Punkt: Setz dich nicht unter Druck, alles verstehen zu müssen.
Da, wo du etwas verstehst, genieße das. Feiere die Zusammenhänge, die dir neu deutlich werden. Und glaube mir, dass, wenn du einfach nur liest, der Geist Gottes – und wir feiern heute Pfingsten, deswegen passt das doch irgendwie – in der Lage ist, dich auf die Aspekte hinzuweisen, die ihm in deinem Leben wichtig sind. Lass ihn machen. Sei du einfach nur einer, der sagt: Ich möchte von dem Herrn Jesus lernen. Und das dürfen wir ein Leben lang tun.
Also drei Dinge: Lies deine Bibel, halte dich nicht für blöd und setz dich nicht unnötig unter Druck. Und entwickle einfach nur, weil du am Wort Gottes dranbleibst, eine eigene Theologie, indem du tatsächlich das glaubst, was in der Bibel steht. Und wenn man dich fragt, warum glaubst du das, dann bist du auch fähig zu sagen: Ich glaube das, weil ich das da gelesen habe. An dem Bibelvers mache ich das fest.
Und das ist auch der Grund, warum ich, wenn ich predige, immer wieder Bibelverse zitiere. Ihr sollt nicht glauben, was ich sage. Das ist mir ganz wichtig. Bitte glaubt nicht, was ich sage, sondern glaubt nur, was das Wort Gottes sagt. Es geht überhaupt nicht darum, was ich glaube, sondern nur darum, ob das, was ich predige, ob mein Glaube eine Begründung findet, eine Legitimation findet in der Bibel. Erst dann dürft ihr es annehmen.
Wir sehen das Prinzip in unserem Text heute. Wir sind in Apostelgeschichte 15 und gehen da mal weiter. Wir waren beim letzten Mal bei Vers 11 stehen geblieben. Petrus hatte argumentiert, dass Juden und Heiden beide durch den Glauben an Jesus gerettet werden, dass es keinen separaten Heilsweg für Heiden gibt. Und dann erzählen im Apostelkonzil Barnabas und Paulus – das waren die zwei, die vorher auf der ersten Missionsreise miteinander unterwegs waren – sie berichten von ihren Erlebnissen.
Vers 12: Die ganze Menge aber schwieg und hörte Barnabas und Paulus zu. Die erzählten, wie viele Zeichen und Wunder Gott unter den Nationen, also unter den Heiden, unter den Nichtjuden, durch sie getan habe.
So, jetzt haben alle das gehört, und jetzt kommen wir tatsächlich schon, zumindest in der Zusammenfassung, zum Schluss des Apostelkonzils. Und ganz am Ende hält jetzt Jakobus so eine Art abschließendes Plädoyer. Die Frage ist im Raum: Müssen sich die Heiden beschneiden lassen? Und jetzt kommt die Antwort.
Wer ist dieser Jakobus? Jakobus ist nicht der Apostel Jakobus. Ihr kennt Johannes und Jakobus, Söhne des Zebedäus. Der Jakobus, also der Bruder von Johannes, der ist schon in Kapitel 12 gestorben. Bei diesem Jakobus bitte an den denken, der den Jakobusbrief geschrieben hat, und das ist ein Halbbruder Jesu. Also dieser Jakobus, der jetzt spricht, ist ein Sohn von Maria und Joseph. Und der sagt Folgendes:
Vers 13 und Vers 14: Als sie aber schwiegen, antwortete Jakobus und sprach: Ihr Brüder, hört mich! Simon hat erzählt, wie Gott zuerst darauf gesehen hat, aus den Nationen ein Volk zu nehmen für seinen Namen.
Gott war also darauf aus, aus den Nationen, also hier: Petrus erzählt davon, wie er bei Cornelius war und wie plötzlich den Juden klar wird, auch die Heiden können gerettet werden. Und Jakobus sagt: Gott war es wichtig, dass er sich aus den Heiden, aus den Nichtjuden, ein Volk nimmt. Genau genommen vollendet Gott das, was er selber angekündigt hatte.
Ich möchte das jetzt nicht lesen, aber ihr erinnert euch an das Matthäusevangelium, Kapitel 21. Da gibt es ein Gleichnis von Weingärtnern, von einem Weinberg, der Leuten weggenommen wird. Also Jesus warnt die Hohenpriester und die Pharisäer, und er endet mit einer Verheißung. Matthäus 21,43 heißt es: Deswegen sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, die seine Früchte bringt.
Also Jesus selber sagt zu Juden, und zwar zu den Verantwortungsträgern: Weil ihr euren Job nicht richtig erledigt habt, wird man das Reich Gottes von euch als Volk wegnehmen und einer Nation geben, die seine Früchte bringen wird. Immer noch im Bild des Weinbergs. Also das Volk Israel verliert seine Sonderrolle, und Jesus verheißt ein neues Gottesvolk. Und diesmal eben nicht ein ethnisches Volk, in das man nicht hineingeboren wird, weil die Eltern das sind, sondern eine Gemeinschaft aus Glaubenden.
Es ist klar: Man musste nicht mehr Jude werden, um zum Volk Gottes und zu diesem neuen Volk der Glaubenden dazuzugehören. Genau das hatten die Irrlehrer falsch verstanden.
Die biblische Begründung für den neuen Weg
So, und jetzt kommt es. Ich habe ja vorhin gesagt: Wenn wir etwas glauben, dann lasst uns doch schauen, dass nicht nur die Erfahrung stimmt, sondern gibt es jetzt womöglich auch einen Hinweis in der Bibel, dass das, was ich glaube, richtig ist? Und wenn ich immer Bibelstellen zitiere, das machen die hier auch.
Jakobus wird jetzt ins Alte Testament gehen, und es ist witzig zu sehen, wie dann immer wieder Stellen ausgegraben werden, wo wir heute sagen: Boah, ey, habe ich noch nie gelesen oder wüsste ich auf Anhieb gar nicht, was da steht. Also er zitiert mal so ganz locker flockig aus Amos, Amos letztes Kapitel, Amos 9. Und sagt: Da steht es eigentlich schon. Also wenn wir uns jetzt Gedanken machen, wo kommt das her, dass Heiden zum Glauben finden, dann sagt er: Das ist eigentlich im Alten Testament schon angelegt.
Apostelgeschichte 15,16-18. Achtet mal darauf, ob ihr die zwei Dinge erkennt, die hier prophezeit werden. Hier heißt es: Und hierin stimmen die Worte der Propheten überein, wie geschrieben steht: Nach diesem will ich zurückkehren und wieder aufbauen die Hütte Davids, die verfallen ist, und ihre Trümmer will ich wieder bauen und wieder aufrichten, damit die übrigen der Menschen den Herrn suchen und alle Nationen, über die mein Name angerufen ist, spricht der Herr, der dies tut, was von jeher bekannt ist. Apostelgeschichte 15,15-18. Also zwei Dinge.
Er zitiert aus Amos 9, die Verse 11 und 12. Habt ihr die zwei Dinge entdeckt? Erstens sagt er: Gott wird die Hütte Davids aufbauen. Und zweitens sagt er: Nichtjuden werden anfangen, Gott zu suchen. Das fällt in eins.
So, jetzt die Frage: Was ist die Hütte Davids? Ja, und an so einer Stelle dürft ihr mir gerne eine E-Mail schreiben. Wenn du davor stehst und sagst: Bitteschön, wat meint dat? Schreib mir einfach eine E-Mail: Was ist die Hütte Davids? Und ich werde dir sagen, das ist eine Beschreibung für das Haus Davids, ja, Haushütte, und eigentlich geht es um seine Dynastie, um das davidische Königshaus.
Es gibt nämlich seit Nebukadnezar, ungefähr sechshundert vor Christus, keinen jüdischen König aus der Familie Davids mehr auf dem Thron. Die Hütte Davids, das Haus Davids, war zerstört. Und Jakobus zitiert jetzt Amos, um zu zeigen, dass es eine Zeit geben wird, wo Gott selber die Hütte Davids, also sein Königtum, wieder aufrichten wird.
Frage: Wie hat er das gemacht? Und es ist zwar nicht Weihnachten, aber lasst uns mal kurz in Lukas 1 in ein Gespräch reinhören, wo Gabriel mit Maria redet. Lukas 1,31-33. Das ist auch noch nicht Weihnachten, das weiß ich schon, das ist ungefähr neun Monate vor Weihnachten oder, ich glaube, zehn rein rechnerisch. In solchen Sachen bin ich nicht so bewandert. Aber da sagt Gabriel: Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen. Okay, haben wir verstanden. Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden, und der Herrgott wird ihm was geben: den Thron seines Vaters David, und er wird über das Haus Jakobs, also über Israel und damit über ein geistliches Israel, herrschen in Ewigkeit, und seines Königtums wird kein Ende sein.
Also Gabriel sagt: Es wird jemand geboren, Gott wird Mensch, und Gott arrangiert seine Menschwerdung so, dass seine beiden Eltern von David abstammen. Er hat zwei Stammbäume im Neuen Testament, und es spricht viel dafür, dass der Stammbaum bei Matthäus der von Joseph ist und der Stammbaum bei Lukas der von Maria ist. Beide sind sehr unterschiedlich, aber sie treffen sich dann, beide gehen zurück auf David.
Und dann, Gott wird Mensch, wird er durch Kreuz und Auferstehung zu dem ewigen König der Könige eingesetzt. Ich will diesen Gedanken nicht vertiefen, aber wir haben das hier miteinander schon über Apostelgeschichte 13 gesprochen und schon miteinander betrachtet. Paulus erklärt, wie Psalm 2 die Intronisation, die Einsetzung Jesu als den König der Könige, als den ewigen König feiert.
Gott wird Mensch, und dieser Mensch, Jesus, wird König, ewiger König als ein Nachfahre Davids. Er baut quasi in alle Ewigkeit, weil er ja nicht mehr sterben kann, das davidische Königshaus wieder auf. Und Jakobus sagt: Wenn das passiert, was mit Jesus, mit Kreuz und Auferstehung passiert ist, dann kommt der zweite Punkt.
Der zweite Punkt lautet: Die Heiden werden Gott suchen. Die Heiden werden Gott suchen. Aber sie müssen dazu nicht mehr Juden werden. Das jedenfalls beweist die Erfahrung. Petrus hatte das erzählt, Barnabas und Paulus hatten das erzählt: Heiden werden gläubig, sie bekommen den Heiligen Geist durch den Glauben, ohne dass sie vorher Juden werden müssen. Aber das beweist eben auch diese Prophezeiung hier.
Die praktischen Konsequenzen für die Gemeinde
Apostelgeschichte 15,19 heißt es dann: „Deshalb urteile ich, man solle die, welche sich von den Nationen zu Gott bekehren, nicht beunruhigen.“ Beunruhigen betrifft vor allem die Männer: Ihr müsst euch nicht beschneiden lassen. Das ist ja genau die kritische Frage.
Wenn der Vers hier zu Ende wäre, wäre das Leben leicht beim Bibellesen, weil dann alles klar wäre: Aha, wir müssen das nicht. Der Vers geht aber weiter, und das, was jetzt kommt, hat manche Leute erst einmal stutzen lassen. Also: Aha, ich habe das verstanden, ich muss mich nicht beschneiden lassen. Aber dann kommt Vers 20: „Sondern ihnen“, das sind die Christen, die vorher Heiden waren, „schreiben, dass sie sich enthalten von den Verunreinigungen der Götzen und von der Unzucht und vom Erstickten und vom Blut.“
Ich weiß nicht, ob es euch auch so geht: Der Vers will irgendwie nicht passen zu dem, was vorher gesagt wurde. Es ging um die Frage: Müssen Christen, die vor ihrer Bekehrung keine Juden waren, sich nach ihrer Bekehrung beschneiden lassen? Antwort: Nein. Aber was sollen dann bitteschön diese Verbote?
Hier steht: Vier Dinge sind für die Heidenchristen in Antiochia tabu: Verunreinigung der Götzen, Unzucht, Ersticktes und Blut. So was ist das?
Verunreinigung der Götzen, das ist Götzenopferfleisch. Ihr merkt, es ist ein bisschen weit weg von unserer Erfahrung, aber damals war es so: In heidnischen Zeremonien wurde den Göttern ein Opfer gebracht, da wurde ein Tier geschlachtet. Und dieses Fleisch, das man den Göttern geopfert hatte, wurde dann verkauft oder verschenkt. Und was Jakobus sagt, ist: Kauft es nicht, ihr habt mit dieser ganzen Praxis nichts zu tun.
Dann Unzucht. Unzucht ist als Begriff erst einmal Sexualität außerhalb einer Ehe zwischen einem Mann und einer Frau. Unzucht ist immer Sünde. Aber hier ist Unzucht aufgenommen, nicht weil man sagen soll: Passt auf, dass ihr das nicht tut, sondern aus einem anderen Grund. Die alten, antiken heidnischen Kulte haben wie selbstverständlich Dinge eingeschlossen, die mit Sexualität zu tun hatten. Es gab Kultprostituierte, es gab Orgien, es gab alles Mögliche. Und deswegen taucht das hier auf. Die Christen sollen sich von diesen Praktiken so weit wie möglich distanzieren, sodass jeder erkennt: Die haben damit nichts mehr zu tun.
Dann ist da das Wort Ersticktes. Das sind Tiere, die nicht regulär geschlachtet wurden, sondern eines natürlichen Todes gestorben sind. Wir würden sagen: Aas. Solches Fleisch durften die Juden nicht essen. Wenn man noch ein Stück weiter geht: Im rabbinischen Judentum war darüber hinaus alles Fleisch, das nicht von einem jüdischen Metzger ordnungsgemäß geschlachtet, also geschächtet wurde, als erstickt betrachtet. Und das Essen von solchem Fleisch war Juden verboten.
Und das letzte: Blut. Genau genommen durften Blut und Fett von Juden auch nicht gegessen werden.
Wir merken: Diese Regeln haben sehr viel mit Religion zu tun, mit der Art, wie Juden ihre Religion gelebt haben, und wie Heiden ihre Religion gelebt haben. Jakobus sagt: Ihr braucht euch nicht beschneiden zu lassen, aber ihr dürft auf keinen Fall Götzenopferfleisch essen, Aas essen oder Blut essen. Und es muss außer Frage stehen, dass ihr in Sachen Unzucht einen ganz klaren Schnitt in eurem Leben gemacht habt.
Jetzt verstehe ich relativ gut das mit der Unzucht. Frage: Wozu diese doch unglaublich ans Judentum erinnernden Speisevorschriften? Wird hier nicht so ein Stück durch die Hintertür das Judentum wieder ins Christentum eingeführt, so nach dem Motto: Beschneiden lassen müsst ihr euch nicht, aber an die Speisevorschriften müsst ihr euch schon halten, so ein bisschen Blutwurst tabu?
Tja, Frage: Gibt es Speisevorschriften für Christen? So, jetzt Achtung: Ich denke ja. Aber nicht die!
Ja, es gibt Speisevorschriften für alle Menschen. In 1. Mose 9,3-4 steht, dass das Essen von lebendigen Tieren verboten ist. Also wir beißen nicht in etwas, was sich noch bewegt. Tiere werden erst geschlachtet und dann gegessen. Daran müssen sich 1. Mose 9,3-4 tatsächlich alle Menschen halten. Gott ist gegen jede Form von Grausamkeit. Das ist eine Speisevorschrift, an die sich alle halten müssen.
Aber hier, wenn Jakobus das sagt, dann geht es ihm um etwas anderes. Und deswegen lasst uns den nächsten Vers ganz genau noch einmal anschauen. Der nächste Vers beginnt nämlich mit dem Wörtchen „denn“. Also: Der nächste Vers erklärt, warum Jakobus hier sagt, es gibt Dinge, aus dem jüdischen Selbstverständnis heraus, an die ich euch bitte, euch zu halten.
„Denn Mose hat von alten Zeiten her in jeder Stadt solche, die ihn predigen; er wird ja an jedem Sabbat in den Synagogen gelesen.“
So, und jetzt wird es spannend. Das Argument, das Jakobus bringt, geht etwa so: Die spezifisch jüdischen Gesetze des Alten Testaments haben für Christen keinerlei Bedeutung. Trotzdem ist es für die frühe Kirche – wir sind ja hier ganz am Anfang, wo sich gerade Heidenchristen und Judenchristen in einer Gemeinde noch miteinander tummeln, das haben wir heute nicht mehr – ganz wichtig darauf zu achten, sich so zu verhalten, dass die Judenchristen in ihrer Gemeinde weiterhin ihre jüdischen Freunde mit dem Evangelium erreichen können. Darum geht es.
Also Vers 21 macht deutlich, dass die Einschränkungen aus Vers 20 gegeben wurden, weil es in ihrer direkten Umgebung, in ihrer Gesellschaft, ungläubige Juden gibt, die es zu erreichen gilt. Die einzelnen Gebote beziehen sich auf Verhaltensweisen, die eine unnötige Behinderung des Evangeliums unter Juden verhindern.
Man kann sich das vorstellen: Stell dir vor, du bist Judenchrist und möchtest in den Gottesdienst jemanden einladen, der sagt: Ich würde ja grundsätzlich auch mal kommen. Und dann kommt er in den Gottesdienst, und danach isst man noch gemütlich, und dann steht jemand so mit seinen Schweinenackensteaks am Grill. Und der Jude schüttelt sich innerlich nur und sagt: Ihr esst das? Boah! Und mit einem Mal brauchst du mit dem auch nicht mehr über das Evangelium reden.
Ich habe einen Freund, der in Berlin unter Moslems missioniert. Und natürlich isst er ganz grundsätzlich in seinem Leben kein Schweinefleisch und trinkt keinen Alkohol. Warum? Weil er einfach aufhören könnte mit seiner Missionstätigkeit. Er würde überhaupt nicht ernst genommen werden, wenn er sich daran nicht hält.
Das heißt, das Prinzip hinter den beiden Versen Apostelgeschichte 15,20 und 21 lautet: Wir wollen oder wir sollen unser Leben so gestalten, dass wir keine unnötigen Hindernisse für die Evangelisation der Menschen aufbauen, die um uns herum leben.
Paulus wird es in 1. Korinther 9 genau so darstellen, wenn er sagt: Ich bin allen alles geworden. Ich bin bereit, mich anzupassen.
Und hier geht es darum, dass Jakobus sagt: Ihr seid eine Gemeinde, da sind Judenchristen und Heidenchristen. Ihr müsst euch nicht beschneiden lassen, hey, ihr müsst nicht Juden werden. Aber bitte: Da gibt es Dinge, die sind für Juden absolute No-Gos. Die werden mit euch nie über das Evangelium reden, wenn ihr Götzenopferfleisch esst. Was grundsätzlich kein Problem ist. Aber wenn ihr Zerrissenes esst, wenn ihr Blut esst – alles kein Problem, weil die Speisegebote haben mit uns nichts zu tun –, dann lass es sein. Denn du wirst als Gesprächspartner nicht ernst genommen. Du wirst es den anderen, die ihre jüdischen Freunde erreichen, unmöglich machen, sie zu erreichen. Deswegen lass das bitte.
Das bedeutet: Wir haben auf der einen Seite Verbote, wir haben auf der anderen Seite aber auch eine Begründung für die Verbote. Wo diese Begründung nicht greift, wie zum Beispiel in Oberkrämer, da gelten diese Einschränkungen auch nicht.
Es könnte aber sein, dass andere Einschränkungen gelten. Wenn ihr über euer Leben nachdenkt, sagt ihr vielleicht: Zerrissenes und Blut, Götzenopferfleisch ist es nicht. Aber vielleicht gibt es andere Dinge, wo ich mit meinem Leben, weil ich da eine Freiheit habe, den Menschen um mich herum zum Fallstrick werde, sodass die plötzlich mich nicht mehr ernst nehmen, weil ich da meine Freiheit auslebe.
Anwendung und Schluss
So, was nehmen wir heute mit? Mir sind zwei Dinge ganz besonders wichtig.
Der eine Punkt: Ich wollte heute mal wieder eine Lanze für Lehre oder für gute Lehre brechen. Lehre ist wichtig. Und ich wünsche mir so sehr, dass jeder von euch seine Bibel liest, in dieser Freiheit liest, von der ich gesagt habe: dass man sich selber nicht unter Druck setzt, auch nicht liest, weil man irgendwo nur so eine To-do-Liste abhaken will, sondern mit einem offenen Herzen liest, mit dem Wunsch, Gott zu begegnen, mit dem Wunsch, ihn kennenzulernen, von ihm zu lernen. Und dass wir alle miteinander Menschen werden, die wissen, was wo steht, warum wir was glauben.
Und dass, wenn uns jemand fragt: Wo kommt es her, dass du das so machst in deinem Leben?, du sagen kannst: Hey, der Vers hat mich geprägt. Das Schöne daran, wenn man das macht, ist, dass man sich gegenseitig befruchten kann. Denn du kannst mir sagen, welche Verse dich bei einem Thema prägen, ich sage dir, welche Verse mich prägen, und dann kann eine gemeinsame Entwicklung stattfinden.
Der zweite Punkt: Die jüdischen Speise-, Fest- und Opfervorschriften wie auch die Beschneidung haben für uns keine Bedeutung. Wir leben im Neuen Bund. Und Jesus hat gesagt: Neuer Wein muss in neue Schläuche. Aber das heißt nicht, dass wir leben können, wie wir wollen. Auch wir laden fremde Menschen in diese Gemeinde ein, zu einer Begegnung mit Gott. Und deswegen ist es ganz wichtig, darüber nachzudenken: Gibt es Dinge in meinem Leben, die ich darf – es geht hier nicht um Sünde –, gibt es Dinge in meinem Leben, die ich darf, die meinen Lebensstil prägen und die trotzdem Menschen davon abhalten könnten, das Evangelium als Lösung ihrer Probleme in Betracht zu ziehen?
Ich weiß nicht, mit wem du zu tun hast, aber ich würde euch unglaublich gerne mit dieser Frage heute entlassen. Mit dieser Frage: Wenn jemand mich erlebt, so wie ich lebe, mit meinem Lebensstil, mit meinem Umgang mit Geld, mit den Prioritäten, die ich setze, mit meinem Umgang mit den Kindern, wie wertvoll Arbeit für mich ist und Karriere, was ich für ein Auto fahre, überhaupt: Wenn jemand mich erlebt, ist mein Lebensstil für den anderen so, dass er sagt: Wow, mit dem würde ich mich gern mal unterhalten, um zu hören, was der für einen Hintergrund hat. Warum der das so lebt, das sieht irgendwie gut aus, das funktioniert.
Oder gibt es Dinge in unserem Leben, die Menschen womöglich davon abhalten, abschrecken, so dass sie, wenn sie uns sehen, gar nicht so begeistert sind, sondern sich denken: Na ja, wenn das Christsein ist, dann will ich mal lieber woanders suchen. Das ist so die Frage, mit der ich euch gerne entlassen würde.
Vielleicht habt ihr heute Nachmittag bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen Zeit, darüber nachzudenken. Wenn meine Nachbarn mich betrachten, und ihr könnt nicht vermeiden, dass ihr komisch wirkt – das müsst ihr sogar, Christen müssen komisch wirken –, aber die Frage ist: Ist unser Leben, außer dass wir ein bisschen komisch sind, darüber hinaus noch ein Hindernis, dass Menschen gar nicht mit uns ins Gespräch kommen wollen? Dass wir so ganz komisch für den Teil, übertrieben komisch, weil wir eben nicht mehr allen alles werden, um einige zu erretten, sondern weil wir unterm Strich nur noch uns selbst gefallen wollen.
Mit dieser Frage würde ich euch gerne entlassen und am Ende noch mit euch beten. Wir stehen dazu auf.
Vater im Himmel, wir wollen dir danken dafür, dass wir dich kennen dürfen. Wir wollen dir danken dafür, dass wir in deiner Nähe leben dürfen. Ich möchte dir von Herzen danken dafür, dass wir dein Wort haben, dass wir darin lesen dürfen. Und bei allen Fragen, die übrig bleiben, Herr, ist so, so viel Gutes und Richtiges. Und, Herr, wie oft habe ich das erlebt, dass in Zeiten der Not und der Zweifel und der Angst es dein Wort war, einzelne Bibelworte, die mich wieder aufgerichtet haben, die mir die richtige Perspektive aufs Leben geschenkt haben, die mir Mut geschenkt haben. Ich möchte dir von Herzen dafür danken, dass du dich durch dein Wort bezeugst in unserem Leben, Herr, und dass dein Geist und dein Wort zusammenwirken, um uns immer wieder das an Schlagkraft zu geben und an Klugheit zu geben, was wir zum Leben brauchen.
Und dann, Vater, möchte ich beten darum, dass du uns zu Menschen machst, die ihr eigenes Leben gerne einsetzen, um andere mit dem Evangelium zu erreichen, und dass du uns darauf hinweist, ob es in unserem Leben Dinge gibt, die ein Hindernis darstellen. Und dass du uns Gnade gibst, wenn sich da wirklich etwas zeigen sollte, dass du uns Gnade gibst, dann die richtigen Schritte zu tun und so zu verändern, dass wir niemandem zum Anstoß werden, dass wir auf der persönlichen Glaubensentwicklung anderer niemandem im Weg stehen. Bitte gib du dazu Gnade.
Und Herr, ich möchte noch ein Stück weitergehen. Wir wollen dich bitten um Erweckung. Wir wollen darum beten, dass Menschen in einem viel größeren Maß in Berlin und Brandenburg zum Glauben finden. Wir wollen dich bitten, dass ein neuer Hunger entsteht unter den Menschen, die dich nicht kennen. Und wir wollen dich darum bitten, dass du, wie zu Pfingsten, deinen Geist ausgießt, dass du es uns noch einmal sehen lässt, dass wirklich viele, viele Menschen zum Glauben kommen, dass das Evangelium in Deutschland noch einmal läuft, dass das, was im Moment auf eine so traurige Weise eingeschlafen ist, Vater, dass das noch einmal aufwacht. Bitte belebe du jede einzelne Gemeinde, die in Deutschland ist, belebe du sie mit deinem Wort. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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