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Einführung und Vorstellung des Gastes
Dieses Video ist für dich. Viele Menschen haben dafür gebetet, dass du dieses Gespräch jetzt sehen kannst.
Unser heutiger Gast ist Heinrich. Wie du gleich sehen wirst, ist er Arzt im Vorruhestandsalter. Für einige Zeit in seinem Leben hat Heinrich Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Dabei hat er lebendige Menschenkinder im Bauch getötet – und wie viele seiner Kollegen auch über die gesetzlichen Fristen hinaus.
Er und ich haben uns schon einige Male darüber unterhalten. Heinrich wird dir gleich aus erster Hand als direkter Augenzeuge berichten, wie es bei ihm dazu kam, was dabei wirklich passiert ist, wie er heute über seine Taten denkt und fühlt und was er Frauen wünscht, die über eine Abtreibung nachdenken.
Ich bin Heinrich dankbar für seine Offenheit. Es würde mich sehr freuen, wenn auch du Heinrich auf deine Gebetsliste setzen kannst.
Hinweis für sensible Zuschauer und falls Kinder in der Nähe sind: Du wirst gleich herausfordernde Schilderungen hören. Wir haben uns gegen Originalaufnahmen entschieden, aber einige Situationen mit animierten Illustrationen nachgestellt.
Der Weg zum Arztberuf und erste Prägungen
Vielen Dank, dass wir uns hier unterhalten können. Ja, meine erste Frage wäre ein bisschen, vielleicht kannst du uns ein Stück weit in deine Biografie mitnehmen. Wie ist es denn ganz am Anfang dazu gekommen, dass du überhaupt den wichtigen Beruf eines Arztes gewählt hast?
Ich bin in einer kleinen Stadt geboren, die tatsächlich in der Siebenberge liegt und Burgenberg heißt. Es war eine ganz kleine Welt. In Burgenberg gab es einen Doktor, der noch aus dem Großen Krieg stammte. Er war Stabsarzt gewesen. Es gab immer wieder Anekdoten über diesen Doktor, die Stadtgespräche waren voll davon. Immer wenn irgendetwas passierte, war der Doktor natürlich dabei. Er hatte mir sogar mal das Leben gerettet. Die Bewunderung für ihn war grenzenlos.
Der Doktor hatte Bücher – er war wahrscheinlich der Einzige in der Stadt, der welche besaß. Er hatte einen ganzen Bücherschrank. Man ging immer ganz leise an seinem Haus vorbei und sagte: „Klick, es ist der Doktor.“ Er war nicht der letzte Albeda im Siebenbürgerland. Also bewunderte ich ihn sehr und wollte nicht Kosmonaut werden, sondern Doktor. Ich wollte genau so sein wie der von mir bewunderte Doktor. Das war der ganze Grund.
Das ist sehr nachvollziehbar. Es gibt viele Leute, die ein Vorbild haben, das sie reizt und anzieht. Das kann auch eine Berufung sein.
Wie ist dann dein Weg gewesen? Entschuldigung, ich wollte noch etwas zu dem Doktor erzählen. Ich will mein Beispiel erzählen: Eines Tages sollte meine Oma, bei der ich aufgewachsen bin, eine Spritze bekommen, eine Impfung oder so. Jedenfalls klopfte der Doktor ans Fenster und rief: „Bürgersteige rufen euch, ich habe kein Kind, nun müsst ihr den Noah finster heilen.“ Da reckte meine Oma tatsächlich den Hintern aus dem Fenster und bekam die Spritze.
Wie gesagt, das war Doktor Niemetz. Ob das nun wirklich ein Vorbild für einen Arzt ist, sei dahingestellt. Aber ich wollte, wie gesagt, Doktor werden. Obwohl die Wahrscheinlichkeit damals genauso gering war, als ob ich wirklich Kosmonaut hätte werden wollen. Aber ich habe es doch geschafft.
Danach kam die Wende. Ich habe Abitur gemacht, nach 15 Jahren Schule. Ich hatte die Schule mit einer Vier abgeschlossen. Dann hatte ich Erziehungszeit, das Babyjahr. Ich habe meine Tochter ab dem dritten Monat aufgezogen. Abends ging ich jeden Tag in die Schule.
Dann habe ich studiert, so war das. Ich habe einfach gemerkt, wenn man so weitermacht, wird man irgendwann eine merkwürdige, komische Figur. Und ich wollte auch selbstwirksam sein. Die Freiheit, die ich damals hatte, war wirklich absolut. Ich hatte keine Verpflichtungen. Ich musste nichts. Ich konnte das ganze Leben nicht wollen. Aber es war dann mehr oder weniger so eine Art Lehre, die sich dann ausgebreitet hat, also kein Sinn.
Ich habe das alles auf mich genommen, das war eine schwere Zeit. Ich war auch kein guter Schüler, als ich Abitur gemacht habe. Aber ich habe es geschafft und dann habe ich Medizin studiert.
Stationen im Medizinstudium und Berufsleben
Und wie ist dein Weg durch die Medizin dann weitergegangen? Wir haben uns ja schon ein paarmal unterhalten, und du hast eine ganze Reihe von Stationen durchlaufen.
Ich hatte immer noch die Vorstellung von unserem Doktor. Dass die Medizin aber ganz anders ist als meine Vorstellung, habe ich ziemlich schnell gemerkt – schon im Studium. Es ist Lernen, Lernen, Lernen; das ist eine Art Hochleistungssport. Man hat Testate, man muss die ganzen Scheine machen – Dutzende. Wenn man einen Schein nicht schafft, kann man nicht weitermachen.
Ja, ich habe es trotzdem gemacht, und dann wusste ich immer noch nicht, was ich eigentlich werden sollte. Mir hat damals bei den Seminaren die Gynäkologie ganz gut gefallen, auch die Leute, die dort waren. Dann habe ich das AEP, das Ärztepraktikum, in der Gynäkologie gemacht, auf einer operativen Station.
Danach habe ich alles Mögliche ausprobiert: Ich habe Anästhesie gemacht, insgesamt drei Jahre, dann Psychosomatik für anderthalb Jahre. Danach war ich lange Zeit hauptamtlicher Notarzt. Ich war leitender Notarzt mit ein paar tausend Einsätzen.
Dann habe ich gedacht, ich müsste jetzt wirklich mal den Abschluss machen und habe die Facharztausbildung zum Allgemeinen Mediziner begonnen. Gut, das gehört dazu.
Also, ich bin jetzt Facharzt für Allgemeine Medizin, und damit halte ich meine Karriere für beendet.
Erfahrungen mit Schwangerschaftsabbrüchen
Und jetzt gab es ja mal – das hast du mir, glaube ich, bei unserem ersten Treffen gleich relativ direkt gesagt – eine Zeit in deinem Leben in der Gynäkologie, über die wir jetzt ein Stück weit sprechen wollen. Es ging dabei um eine ganz andere Art von Behandlung, in Anführungszeichen. Kannst du uns erzählen, wie es dazu kam?
Es handelt sich dabei um Schwangerschaftsabbrüche. Tatsächlich ist es keine andere Art der Behandlung. Ich werde mal erklären, wie das gemacht wird.
Das ist eine Zwei-Komponenten-Narkose, wobei das Relaxans weggelassen wird. Dann wird der Muttermund an elf Uhr und zwei Uhr mit Haken angehakt und davor gezogen. Anschließend wird der Muttermund mit sogenannten Hegerstiften aufgedehnt. Das sind einfache Stifte, bei denen der eine immer etwas dicker ist als der andere. Damit wird der Muttermund vorsichtig aufgedehnt, bis etwa anderthalb Zentimeter, wenn ich mich recht erinnere. So kann die Saugkürette eingeführt werden.
Mit der Saugkürette wird dann die Frucht abgesaugt. Das Ganze ist durchsichtig, sodass man die Passage durch diese Kürette sehen kann. Man hört auch ein Klacken – das sind die Knorpel.
Danach folgt die Nachtastung. Dabei werden die Plazentareste entfernt. Das ist eine durchaus anspruchsvolle Angelegenheit, denn ein schwangerer Muttermund ist so weich wie Butter. Man kann ihn schnell perforieren. Deshalb muss man sehr sorgfältig nachtasten, damit nicht alles wiederholt werden muss, falls noch Reste zurückgeblieben sind.
Man muss wirklich sehr geschickt vorgehen, um der Patientin nicht zu schaden.
Ja, und ich war dann stolz auf mich, weil ich als Operateur immer damit anfange, bevor ich andere Sachen mache.
Die innere Erkenntnis und moralische Auseinandersetzung
Ja, und als ich dann gemerkt habe, dass es nicht gut ist – ich glaube, vielen Menschen geht es so –, kommt irgendwann im Leben eine harte Erleuchtung, eine blitzartige Erkenntnis. Das ist keine Sache des Nachdenkens oder der Gedanken, sie ist plötzlich da. So geht es vielen Menschen.
Das hat nichts mit der Angst zu tun, ertappt zu werden, oder damit, dass etwas verboten ist. Es kommt tatsächlich aus dem Herzen. Mir ging es so: Als kleiner Junge hatte ich einmal einen Vogel, der aus dem Nest gefallen war und in meiner Hand gestorben ist. Ich war noch nicht in der Schule, es ist mir ganz früh passiert. Es gibt solche tiefen Erinnerungen. Der Vogel war plötzlich tot, und ich merkte, dass die Seele nicht mehr da war.
Später hat mir mein Stiefvater beigebracht, mit dem Luftgewehr auf Vögel zu schießen. Die Jungs damals hatten fast alle Gefühle, nichts Besonderes, aber er war manchmal dabei und kam mit. Ich fand das auch spannend. Die Vögel waren immer gleich tot, aber einmal lebte einer noch. Er hatte sich gerade so geputzt, wie ein Vogel das tut. Als er dann da lag, putzte er sich immer weiter, aber das wurde immer schwächer. Das war wieder so ein Moment, in dem ich dachte: Lass es sein, es macht viel mehr Spaß, auf Flaschen zu schießen.
Und die Geschichte von der letzten Operation: Da musste ich in einer späten Schwangerschaftswoche einen Abdruck machen. Ich glaube, das war die 16. Woche oder sogar später. Das war eine soziale Indikation, keine kriminelle, so etwas gibt es ja auch.
Erklärung der sozialen Indikation und statistische Hintergründe
Die Formulierung „soziale Indikation“ sollten wir wahrscheinlich kurz erklären, damit jeder folgen kann. Es handelt sich dabei um einen strafrechtlichen Begriff, der auch in den Sozialwissenschaften verwendet wird. Für unseren Zusammenhang hier bedeutet er Folgendes:
Beide Eltern haben miteinander, bei einvernehmlichem Sex und mit dem Partner der Wahl, ein Kind gezeugt. Die Mutter ist gesund, und auch das Kind ist gesund. Es gibt keinen Grund, von etwas Gegenteiligem auszugehen. Dennoch entscheidet man sich, das lebende Kind im Bauch töten zu lassen.
Als Begründung gibt man gegenüber den Personen, die die Abtreibung durchführen, an, dass die derzeitigen Lebensumstände als belastend empfunden werden. Man möchte in dieser Situation dieses Kind nicht. Also muss es sterben.
Laut Bundesinnenministerium und Statistischem Bundesamt trifft das in Deutschland auf 96,1 Prozent aller Kindstötungen im Bauch zu. Das ist also nicht die Ausnahme oder ein obskurer Einzelfall, sondern die absolute Regel.
Und laut Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit, das früher die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung war, sowie laut Statistischem Bundesamt, haben wir in Deutschland seit 2009 über 1.490.309 verschiedene Kinder unter dieser sozialen Indikation vorsätzlich im Bauch getötet.
Dabei sehe ich ein Auge, eine kleine Hand, mein Hirn – schade. Wie in einem schrecklichen Puzzle zusammengesetzt. Das hatte ich im Hospital. Ich habe von diesem Effekt geträumt. Ich habe ihn im Traum gesehen.
Und da habe ich gemerkt, es war wieder so eine Eingebung, ganz plötzlich: Das ist mein Kind, mach es nicht. Mir wurde überhaupt klar, was ich getan habe. Es wurde ja immer verändert, und es wurde einem ja auch eingeredet, selbst im Studium: Das sei nur ein Zellhaufen. Wir haben ja die ganze Entwicklung gelernt, und es sei eben kein Mensch.
Deshalb hat sich auch niemand dabei etwas gedacht – bis zu diesem Augenblick.
Entwicklung des Kindes im Mutterleib und Methoden der Abtreibung
In der sechzehnten Woche sind Jungen und Mädchen so groß, dass sie in deine ausgestreckte Hand passen. Ihre Augen sind mit über zwanzig Millionen Zellen so leistungsfähig, dass sie durch die Bauchdecke der Mutter hindurch Licht wahrnehmen können.
In diesem Alter reagieren die Kinder bereits deutlich auf Berührungen. Sie tasten, greifen und spielen mit der Nabelschnur. Außerdem trinken sie Fruchtwasser und reagieren auf unterschiedliche Geschmäcker dessen, was die Mutter gegessen hat.
Das Herz pumpt täglich mehr als vierundzwanzig Liter Blut durch den Körper und schlägt über zweihunderttausend Mal am Tag. Jede Minute entwickeln sich über zweihundertfünfzigtausend neue Gehirnzellen. Die Kinder können sogar schon Musik hören. Allein der Kopf hat einen Umfang von zwölf Zentimetern. Keine Absaugkanüle der Welt kann ein Kind dieser Größe absaugen.
Wie bekommen Abtreibungsärzte also lebende Kinder in diesem Alter aus der Mutter heraus? Und das möglichst so, dass die Kinder am Ende nicht mehr leben, sodass niemand dem Kind Schmerzensgeld oder lebenslangen Unterhalt zahlen muss?
Es gibt unterschiedliche Methoden, aber Heinrich und seine Kollegen haben unter anderem die sogenannte D&E (dilation and evacuation) praktiziert. Diese Methode wird bis zum heutigen Tag so angewandt.
Zuerst wird der Muttermund der Mutter erweitert. Dann wird eine sogenannte Sofer-Zange, auch Ovum-Zange oder Uterus-Fass-Zange genannt, in die Mutter eingeführt. Anschließend wird der lebende Junge oder das lebende Mädchen Stück für Stück aus der Mutter herausgezogen: erst die Beine, dann die Arme, anschließend die Rippen und schließlich der Kopf.
Zum Schluss kommt die Absaugkanüle zum Einsatz, um restliche Körperteile, Blut und die Plazenta herauszusaugen. Am Ende muss protokolliert werden, ob alle Körperteile draußen sind, besonders die Wirbelsäule und spitze Teile der Schädelknochen, die dabei zerbrochen wurden.
Diese Befunde werden dokumentiert. Die Körperteile des Kindes werden in einen medizinischen Abfalleimer geworfen und auf Müllverbrennungsanlagen zur Stromerzeugung beseitigt. Damit ist diese Abtreibung abgeschlossen, und der Arzt kann zum nächsten Eingriff übergehen.
Persönliche Erlebnisse und emotionale Belastungen
Und ich habe auch – es kam erst später – einige besondere Reaktionen, die mir in Erinnerung geblieben sind. Das war zu der Zeit, als ich bereits Assistenzarzt in der Anästhesie war und sozusagen auf der anderen Seite stand, weil ich die Narkose für die Interruption, also den Abbruch, durchgeführt habe.
Man stellt sich die Situation so vor: Der Patient ist im Vorraum, wird vorbereitet und dann in den OP geschoben. Dort beginnt die eigentliche Narkose. In einem Fall hat sich eine Frau in diesem Augenblick anders entschieden. Unmittelbar vor der Narkose und dem Eingriff sagte sie: „Nein, ich will das Kind haben.“
Man muss sich vorstellen, dass wenig Zeit ist, denn Zeit kostet Geld, und der Ablauf darf nicht unterbrochen werden. In dieser Situation habe ich – und ich sage das hier offen – versucht, sie mit Gewalt festzuhalten und die Narkose zu setzen. Ich habe dann aber davon abgelassen. Zum Glück kam die Operatorin und hat die Situation entschärft. Ja, so ist es passiert.
Ich hatte danach wirklich ein großes Schuldgefühl. Ich versuche, das nicht zu übertreiben, um nicht so zu wirken, als hätte ich die große Schuld und sei deswegen etwas Besonderes. Man muss die Frage erst einmal erreichen. Ich versuche, ja, ich habe es auch versucht, durch meine spätere Arbeit wieder gut zu machen. Ich habe viele Leben gerettet und auch bei den Gesprächen mit den Patientinnen, bei denen ich den Ultraschall durchgeführt habe, habe ich, wenn ich meinte, dass es Sinn macht, auch mal das Herz des Fötus hörbar gemacht.
Ich habe es tatsächlich wahrscheinlich geschafft, dass sich einige dadurch anders entschieden haben. Aber noch heute geht es mir so wie bei manchen Bildern aus dem Notarztdienst – die wird man einfach nicht los. Nur ist es anders, denn bei den schrecklichsten Situationen ist man immer aktiv, man springt zu und handelt.
Das Schlimme ist dieses Nichtstun-Können. Als Notarzt kann man immer handeln, immer. Aber wenn ich keine große Menschenansammlung sehe, dann denke ich: „Die hast du alle.“ Sie werden jetzt alle so alt wie die, die du tatsächlich „umgebracht“ hast. Ich kann es einfach nicht verhindern. Es kommt immer wieder.
Umgang mit Schuld und das Bedürfnis nach Gebet
Danke für die große Offenheit. Das weiß ich sehr zu schätzen, und ich bin sicher, dass viele Menschen, die das gerade sehen, das ebenfalls tun. Sie denken an dich und beten mit dir.
Das ist ein wichtiger und tiefgehender Punkt von Heinrich. Unterstütze gerne dabei, dass mehr Menschen diesen Beitrag sehen.
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Gründe für Schwangerschaftsabbrüche aus Sicht der Mütter
Was würdest du sagen, wenn wir mal ein bisschen die Seite der Mütter beleuchten? Du hast ja auch mit den Frauen Gespräche geführt. Was waren nach deiner Erfahrung die häufigsten Gründe für die Schwangerschaftsabbrüche?
Das waren die häufigsten neuen Vorgeschichten. Das heißt, man musste sie einbinden. Der eigentliche Grund war, dass das Kind nicht gewollt war.
Es gab verschiedene Gründe: Manche Frauen fanden die Pille zu teuer oder die Zuzahlung zu hoch. Sie sagten sich dann lieber, dass sie ein- bis zweimal im Jahr für einen Tag in die Klinik gehen und so das Geld sparen. Das kommt nicht selten vor.
Manche Frauen hatten damals noch nicht so mit Drogen zu tun, aber einige hatten tatsächlich Traumata. Zum Beispiel durch Opioide. Diese beeinflussen die Stimmung. Ich denke, das spielt heute auch eine große Rolle. Sie meinten dann, das Kind hätte keine Chance, weil man die Medikamente nicht absetzt. Nicht wegen Schmerzen, sondern wegen der Stimmung wurden die Medikamente eingenommen.
Es gab Frauen, die gedrängt wurden. Die Partner waren meist junge Männer, die am liebsten noch mit in den OP gegangen wären, damit es auch wirklich klappt.
Dann gab es auch Frauen, die alleinstehend waren und schon vier Kinder hatten. Sie waren nicht mit besonderer Intelligenz gesegnet. Alleinstehende Frauen haben es schwer.
Also die Gründe sind vielfältig. Der Satz „Mein Bauch gehört mir“ gab es damals noch nicht.
Ratschläge an junge Ärzte und Beobachtungen zum gesellschaftlichen Wandel
Danke für die Einschätzung. Wenn du heute mit jungen Ärzten sprechen würdest, die überlegen, in die Gynäkologie zu gehen und vielleicht auch selbst Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen oder sich sogar darauf zu spezialisieren, was würdest du ihnen mit auf den Weg geben?
Ich würde sagen, man sollte nicht zu ehrgeizig sein. Man sollte nicht denken: „Ich kann alles, ich mache alles, ich darf alles“ und stolz darauf sein, ein Operateur zu sein. Die jungen Ärzte würden dann wahrscheinlich antworten: „Ja, aber ich will ja auch versorgt werden, und dann muss ich das machen.“ Es gab ältere Kollegen, die sich begeistert zeigten, doch dann kamen eben diese jungen Leute, die sagten: „Jetzt habe ich die Chance, jetzt darf ich.“
Ich sehe darin wenig Sinn. Du beobachtest ja auch das Zeitgeschehen recht aufmerksam und feinfühlig. Du hast selbst Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt, und in den letzten Jahren hat sich die öffentliche Meinung zu diesem Thema sehr stark verändert. Wie erlebst du das?
Ich erlebe, dass einige aus unserer Gemeinde zu diesen Veranstaltungen gehen, ich weiß nicht genau, wie sie heißen. In Berlin zum Beispiel gibt es den „Marsch für das Leben“. Dort möchte man für das Leben eintreten. Genau, und dann gibt es natürlich diese ganzen wilden Leute, die das bekämpfen und so weiter.
Ich hatte dir ja erzählt von der inneren Lehre, dass tatsächlich alles erlaubt ist. Es ist wie bei dieser klugen Schlange, die sagt: „Ihr werdet wissen, was gut und böse ist.“ Nur der Teufel ist ein Lügner. Das heißt, das, was man als böse erkennt, ist eigentlich das Gute und Begehrte. Ich werde also nicht wissen, was gut und böse ist, ob die Begriffe vielleicht vertauscht sind.
Die Leute denken sich oft gar nichts mehr dabei. Ich hatte ja, ich sage es noch einmal, diese große Leere erlebt. Es ist wirklich höllisch, da dringt kein Ruf mehr ein.
Rückblick auf persönliche Entwicklung und spirituelle Fragen
Was hättest du dir damals vielleicht gewünscht in der Phase? Du hast ja viele für dich und für andere sehr schwierige Phasen in deinem Leben durchgemacht. Was hättest du dir bezogen auf das Thema Schwangerschaftsabbrüche gewünscht? Was hättest du dir damals gewünscht, damit du früher zur Umkehr gekommen wärst?
Ich hätte früher nichts wünschen können, weil ich das ja gut fand, genau wie das Schwarzenchiessen. Es war für mich einfach spannend. Es gab kein Schuldbewusstsein, überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Ich habe ja nun, ich meine, wer jetzt Christ ist, der hat ja die Gebote, zum Beispiel „Du sollst nicht töten“. Daran kann man sich halten. Aber ich war damals kein Christ und ich hatte diese Gebote nicht. Für mich war das eben auch kein Töten.
Stell dir mal vor: Mit diesem Spatzenschießen – das war einige Jahre vorher in China. Da gab es eine große Hungersnot, und dann hat man gesagt, nicht die Regierung ist schuld, sondern die Spatzen. Dann hat man die, die den Reis fressen, verfolgt. Man hat die Spatzen gejagt, die sich zu Tausenden auf die Felder liefen. Man hat sie hochgescheucht, bis sie vor Erschöpfung vom Himmel fielen und totgeschlagen wurden. Natürlich gab es danach die große Insektenklage. Aber alle Leute, die da mitgeschrieben haben, fanden das gut.
Ja, und ich hatte eben gedacht, ich tue was Gutes. Wir wissen, was wir wissen, wir haben es teuer bezahlt, was nicht.
Wie geht es dir jetzt, heute, mit dem, was du erlebt hast, mit dem, was du getan hast, mit dem, was du entschieden hast, mit dem, was du auch selbst gesehen hast?
Es ist nicht so, dass jetzt plötzlich eine Erleuchtung kommt und alles gut ist, dass man plötzlich „weiß“ wird. Damit beginnt übrigens die Synergie, die Schäfer natürlich für Weißweine nutzen.
Was kam bei einem großen Lehrer und die Depression tatsächlich? Weil das, was man hat – Kai Gustav Jung nennt das die Persona – wenn die Persona verschwindet, dann ist das, was man meinte zu sein, weg. Eben dieser Stolz, einen Spatz zu schießen oder ein Kind wegzumachen oder was auch immer. Wenn das wegfällt, dann bleibt erst mal nicht viel.
Dann bleibt eben dieses Chaos, von dem ich erzählt hatte, die Gedanken, dass alles wahr ist. Und dass ich viele Dinge gesehen habe, die man wohl nicht sehen darf, habe ich auch gemacht.
Also es bleibt eine große Leere, und die muss sich erst wieder füllen. Denn wirklich alles, was man so im Leben erlebt hat, ist plötzlich wertlos, das hilft nicht mehr. Das ist der Preis.
Wünsche an Gott und abschließende Gedanken
Was wünschst du dir von Gott? Es heißt ja wohl in den Psalmen: „Denn deine Güte währet ewiglich.“ Ich wünsche mir Gnade und Barmherzigkeit für mich, der ich so etwas getan habe, und für die Frauen, die es haben tun lassen.
Zum Schluss möchte ich erst einmal danke sagen für deine Offenheit. Ich bin sehr bewegt. Ich werde das, was wir gerade besprochen haben, sicherlich nicht nur einmal nachschauen und noch einmal selbst durchgehen.
Appell an Frauen mit Schwangerschaftskonflikten
Zum Schluss eine sehr, sehr wichtige Frage: Stell dir vor – und das ist statistisch durchaus möglich –, dass uns beiden jetzt gerade ein oder zwei oder mehr junge Frauen zuschauen, bei denen die Frau gesund ist, das Kind gesund, und es ihnen körperlich gut geht. Dennoch tragen sie sich mit dem Gedanken, aus innerem oder äußerem Druck oder aufgrund der Lebensumstände, das Leben des Kindes beenden zu lassen.
Was würdest du diesen Frauen ans Herz legen?
Es gibt eine Alternative: die Möglichkeit, das Kind zur Adoption freizugeben. Diese Alternative besteht immer. Viele Eltern wünschen sich ein Kind, können aber selbst keines bekommen. Ich würde eine Adoption ausdrücklich empfehlen, denn das bedeutet, dass das Kind in guten Händen aufwachsen kann. Es gibt Familien, die sich das leisten können und wollen. Allerdings sollte die Adoption nur an Familien vergeben werden, die stabil und verantwortungsbewusst sind.
Es ist so, dass man das Kind nach der Geburt wahrscheinlich gar nicht oder nur kurz sieht. Das ist dann natürlich auch ein Schmerz, wenn einem das Kind quasi entrissen wird. Das merkt man oft erst später, denn das ist die Natur. Aber ich glaube, dieser Schmerz ist nicht so groß wie der Schmerz, das Kind aus dem Leib gerissen und abgesaugt zu haben. Denn dann hat man tatsächlich eine Schuld zu tragen.
Ansonsten lebt das Kind, und die Möglichkeit der Adoption besteht. Das ist überhaupt nicht schwer. Man muss es einfach mal aussprechen und sich überlegen. Ich würde wirklich davon abraten, den Eingriff der Abtreibung vornehmen zu lassen. So, wie es mir ging, als ich das getan habe, wird es auch einigen anderen Frauen gehen, die diesen Schritt gegangen sind.
