Einführung: Die Bedeutung des Evangeliums heute
Es geht um das Evangelium und darum, was die Apostel über das Evangelium sagen und wie sie es weitergeben. Das hat mich überrascht, denn damit hatte ich so nicht gerechnet.
Ich werde dir gleich die Ergebnisse zeigen. Doch vorher solltest du verstehen: Diese Informationen, die du jetzt bekommst, sind in der aktuellen Situation, in der wir als Christen in Deutschland leben, noch einmal deutlich wichtiger als vor fünf oder zehn Jahren.
Du wirst gleich etwas lernen, das du immer wieder brauchen wirst. Vor allem aber kannst du all das gleich selbst anwenden, ohne dass du mich dazu brauchst.
Persönliche Erfahrung mit einer christlichen Tagung
Kurzer Hintergrund
Vor einiger Zeit war ich auf einer christlichen Tagung. Der Hauptsprecher stand vorne, während ich als ganz normaler Teilnehmer zusammen mit vielen anderen im Publikum saß. In seinem Hauptbeitrag ging der Sprecher auf das ein, was er für die christliche Kernbotschaft hält. Dabei wurde ich natürlich hellhörig.
Zunächst erklärte er, wie wir als Christen seiner Ansicht nach über das Evangelium sprechen sollten. Einige Leute im Publikum neben mir wurden dabei unruhig, und das zu Recht. Der Sprecher behauptete, er habe viel gesagt, ich verkürze das jetzt und stelle es etwas schwarz-weiß dar: Das Evangelium sei hauptsächlich eine Grundhaltung, ein Gefühl und eine Ausstrahlung, die Menschen emotional verändert, insbesondere wie sie über sich selbst denken.
Anschließend begann er, Dinge aufzuzählen, die der moderne Mensch angeblich emotional braucht. Das ist ohnehin schon schwierig. Er sagte, wir als Christen hätten die Aufgabe, nicht geretteten Menschen diese emotionalen Dinge zu geben. Doch zwei Drittel der von ihm genannten Punkte haben mit dem biblischen Evangelium nichts zu tun. Sie kommen im Neuen Testament nicht vor und werden beim Jüngsten Gericht niemandem helfen.
Das heißt im Klartext: Wenn wir als Christen so handeln, wie ich diesen Sprecher dort verstanden habe, verkaufen wir den Menschen am Ende ein anderes Evangelium.
In der Pause ging ich also zu ihm hin. Zum Glück kannte er mich nicht, und ich fragte, ob wir uns kurz unterhalten könnten. Ich sagte ihm, dass ich das inhaltlich schwierig finde. Wenn wir den Menschen das vermitteln, was er gerade vorgestellt hatte, fühlen sie sich vielleicht im Moment wohl oder geben unseren Gottesdiensten gute Bewertungen, aber am Ende werden sie beim Jüngsten Gericht für immer verloren gehen.
Daraufhin wurde der Referent immer lauter, fiel mir ständig ins Wort und wurde sehr emotional. Auch andere Leute kamen in der Pause und nach der Konferenz hinzu, um mit ihm zu sprechen. Doch ich glaube nicht, dass wir ihn erreichen konnten. Vielleicht lag es an mir, vielleicht an uns, vielleicht habe ich nicht die richtigen Worte gefunden.
Reflexion über die christliche Botschaft und das Evangelium
Ich habe dann darüber nachgedacht, was das zu bedeuten hat.
Wir haben auf diesem Kanal das Video „Das Evangelium nach Jesus“ gemacht. Dort haben wir Vers für Vers gezählt, worüber Jesus wie viel gesprochen hat und was das Evangelium nur in seinen eigenen Worten ist. Das war eine absolute Gebetserhörung, dass wir das machen konnten. Vielen Dank an alle, die das unterstützt haben. Ich weiß, dass es sehr viele hier, auch mich selbst, im Glauben auf ein ganz neues Level gebracht hat. Falls du es noch nicht kennst, habe ich es hier unter diesem Video verlinkt.
Trotzdem, gerade nachdem ich von dieser Konferenz nach Hause gekommen bin, habe ich gedacht: Mal böse gesagt, wenn Jesus heute Anwälte hätte, würden diese gar nicht mehr fertig werden mit den ganzen Markenrechtsverletzungen. Warum? Weil heutzutage so viele Gruppen einfach Sachen erzählen, die ihnen persönlich wichtig sind – vielleicht ja auch zu Recht. Aber sie nennen das dann christlich und bezeichnen es als Evangelium.
Da habe ich überlegt: Gibt es denn in der heutigen, verwirrten Zeit irgendeine Richtschnur, irgendeine Richtlinie, woran wir uns festhalten können? Irgendwie vier bis fünf Punkte, mit denen wir sagen können, diese gehören einfach dazu, sobald wir Menschen das Evangelium erzählen. Der Rest ist nettes Beiwerk oder ein Nebeneffekt, ein „nice to have“, aber nicht entscheidend.
Mir geht es dabei darum, dass wir lernen, die Geister zu unterscheiden: Was ist wichtig? Was muss einfach dabei sein? Und was ist nachgelagert?
Dann ist mir eingefallen: Warum denken wir eigentlich immer, wir müssten das Rad neu erfinden? Wir stehen auf den Schultern von Glaubensriesen aus zweitausend Jahren Christentumsgeschichte. Und wir wissen heute mehr über die ersten Jahre der Christenheit als je zuvor.
Die Praxis der Apostel: Evangelisation in der Apostelgeschichte
Deswegen stellt sich die Frage: Was haben von Gott begabte und von Gott geleitete Menschen vor uns eigentlich getan? Wie haben die ersten Christen von Jesus weitererzählt?
In einem der allerfrühesten historischen Berichte heißt es dazu: Ug e pauonto – darin steckt das Wort „Pause“ – pauo. Sie hörten nicht auf. Womit hörten sie nicht auf? Mit dem Dasskontess kai euangelizomenoi Iesoun ton Christon. Sie hörten nicht auf, die gute Nachricht zu verkünden, dass Jesus der Christus ist. Das bedeutet, sie haben es buchstäblich pausenlos gemacht.
Aber was heißt das eigentlich? Worüber genau haben sie gesprochen? Haben die Apostel erzählt, sobald sie von Jesus berichteten und Menschen überzeugen wollten, Jesus nachzufolgen? Wie haben die Apostel selbst evangelisiert?
Ich habe dazu etwas vorbereitet. Und was ich jetzt zeige, dafür braucht man kein Theologiestudium, kein Altgriechisch, kein Hebräisch – all das nicht. Jeder von uns kann das ganz einfach zuhause mit der eigenen Bibel und einer Übersetzung machen.
Was wir jetzt tun, ist Folgendes: Wir nehmen das Buch der sogenannten Apostelgeschichte, das fünfte Buch im Neuen Testament. Dort findest du Berichte aus den ersten dreißig Jahren der Christenheit. Über zwanzig verschiedene Redebeiträge sind dort enthalten.
Einige ahnen schon, was jetzt kommt: Diese Redebeiträge kannst du Vers für Vers durchgehen. Dann kannst du notieren, worum es in dem jeweiligen Vers geht. So kommst du zu einer bemerkenswerten Aufstellung. Du siehst nämlich, sobald die Apostel selbst evangelisieren – wie machen sie das eigentlich, worüber reden sie dabei genau? Vor allem: Was können du und ich uns davon abgucken?
Darauf gibt es eine Antwort, und die zeige ich dir.
Damit heiße ich dich willkommen beim Bibelverdienst, wo wir versuchen, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und harte Fragen von Nichtchristen klar zu beantworten.
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Auswahl der relevanten Redebeiträge in der Apostelgeschichte
Zur Klarstellung: Die Apostelgeschichte hat achtundzwanzig Kapitel und eintausendundsieben Verse. Damit ist die Apostelgeschichte das drittlängste Buch im Neuen Testament, nach dem Matthäusevangelium und dem Lukasevangelium.
In der Apostelgeschichte gibt es über zwanzig verschiedene Redebeiträge, in denen Reden und Dialoge wiedergegeben werden. Es handelt sich aber auch um Berichte über alle möglichen Situationen, die mit unserer heutigen Frage nicht unbedingt zu tun haben. Diese brauchen wir zunächst nicht.
Deshalb konzentrieren wir uns jetzt nur auf die Situationen, in denen die ersten Christen mit Nichtchristen sprechen. Dabei wollen die Apostel die Nichtchristen davon überzeugen, Jesus nachzufolgen und Christen zu werden. Das nennt man evangelisieren. Außerdem wollen wir nur die Fälle betrachten, in denen überliefert ist, was sie tatsächlich gesagt haben.
Ich denke, das sind sachliche und faire Kriterien. Noch einmal: Wir schauen uns nur die Situationen an, in denen erste Christen mit Nichtchristen sprechen, sie überzeugen wollen, Christen zu werden, und wir überliefert haben, was die ersten Christen wirklich gesagt haben.
Das bedeutet konkret, dass eine Reihe von Situationen herausfallen. Zum Beispiel die Reden des Philippus in Samarien. Dort predigt Philippus zwar, es gibt Heilungen und Bekehrungen, alles super, aber wir haben keinen genauen Wortlaut überliefert, was er wörtlich gesagt hat. Deshalb fällt das hier heraus.
Auch die Abschiedsrede von Paulus in Milet an die Ältesten von Ephesus fällt heraus. Denn Paulus spricht dort als Christ mit Christen. Er will also nicht Nichtchristen überzeugen, Jesus nachzufolgen.
Genauso die Redebeiträge von Petrus und Jakobus auf dem sogenannten Apostelkonzil. Dort reden beide als Christen mit Christen und wollen niemanden überzeugen, Christ zu werden.
Auch die Situationen, in denen Paulus von Festus oder von seinen früheren Auftraggebern vom Synhedrion, dem Hohen Rat in Jerusalem, angeklagt wird, fallen heraus. Zwar ergreift Paulus dort das Wort, aber er versucht in diesen Momenten nicht, jemanden zu überzeugen, Jesus nachzufolgen.
Diese vier Beispiele zeigen, worauf wir uns konzentrieren, damit wir über dasselbe sprechen.
Methodische Herausforderungen bei der Auswertung der Reden
Okay, wie viele Situationen bleiben dann jetzt übrig, in denen die ersten Christen wirklich versuchen, Nichtchristen von Jesus zu überzeugen, und von denen wir auch den Wortlaut überliefert haben?
Das hängt ein wenig davon ab, wie man die Grenze zieht. Deshalb ein kurzer Einschub zur Transparenz, damit das jeder nachvollziehen kann.
Das Buch der Apostelgeschichte ist auf Altgriechisch geschrieben, genauer gesagt im Koine-Dialekt. Dieser Koine-Dialekt ist in einem gehobenen Stil verfasst. Lukas, der das Buch geschrieben hat, war ein gebildeter Muttersprachler aus der intellektuellen Oberschicht.
Das ist hier wichtig, weil es in diesem speziellen Koine-Dialekt des Altgriechischen aus dem Vorderen Orient im ersten Jahrhundert keine klare, schwarz-weiß Abgrenzung zwischen indirekter und direkter Rede gibt – und wir brauchen aber die direkte Rede.
Was ist der Unterschied? Vielleicht erinnert man sich noch aus dem Deutschunterricht: Indirekte Rede wäre zum Beispiel: Paulus sagte, sie sollen sich die Schuhe anziehen. Das ist eine Zusammenfassung dessen, was Paulus gesagt hat.
Direkte Rede hingegen wäre: Paulus sagte: „Zieht euch die Schuhe an.“ Hier haben wir den genauen Wortlaut dessen, was Paulus gesagt hat.
Normalerweise kann man das im attischen Altgriechisch, also etwa vergleichbar mit unserem heutigen Hochdeutsch, gut unterscheiden. Aber im Koine-Dialekt, in dem die meisten Teile des Neuen Testaments geschrieben sind, steht in beiden Fällen – sowohl in der indirekten als auch in der direkten Rede – die Konjunktion „hoti“.
Das führt dazu, dass wir gerade bei sehr kurzen Redebeiträgen die Unterscheidung zwischen indirekter und direkter Rede nicht treffen können. Wir wissen also nicht immer genau, ob hier eine Zusammenfassung wiedergegeben wird oder der genaue Wortlaut.
Ich sage das der Transparenz halber, weil auch einige Religionslehrer diese Beiträge anschauen, und ich möchte einfach reinen Wein einschenken.
Sprachwissenschaftlich bedeutet das: Bei drei bis vier sehr kurzen Stellen muss man eine Ermessensentscheidung treffen. Zählt man diese Stellen dazu oder nicht? Und natürlich ist eine solche Entscheidung nicht frei von subjektiven Einschätzungen.
Als ich diese Entscheidung getroffen habe, welche Stellen am ehesten zur wörtlichen Rede gehören und welche nicht, habe ich das mit meinen Sprachkenntnissen nach bestem Wissen und Gewissen getan.
Das Gute ist: Du wirst gleich sehen, dass diese Stellen keinen großen Unterschied machen. Das Fazit bleibt tatsächlich dasselbe.
Überblick über die ausgewählten Reden und deren Analyse
Deswegen, lange Rede kurzer Sinn: Am Ende hast du sechzehn verschiedene Situationen – sechzehn, eins, sechs – in denen die ersten Christen versuchen, Nichtchristen von Jesus zu überzeugen. Von diesen sechzehn Situationen ist uns der Wortlaut überliefert.
Diese kannst du nun noch präziser erfassen, indem du festhältst, wie viele Verse die jeweilige Stelle umfasst. Die Anzahl der Worte variiert je nach Übersetzung, aber die Verszählung ist heutzutage international weitgehend einheitlich.
Anschließend kannst du die sechzehn Situationen nach Oberkategorien aufteilen, was sehr nützlich sein wird – das wirst du gleich sehen. Ich habe dazu folgende Oberkategorien gewählt:
- Gehalten von: Wer hält eigentlich diese Rede, wer hält diese Predigt?
- Der Ort: Wo befindet sich das geografisch?
- Der Anlass: Was ist die Situation, wie ist es dazu gekommen?
- Gehalten für wen: Wer ist das Publikum, wer wird angesprochen? Das wird gleich sehr wichtig.
- Der religiöse Hintergrund der Menschen, die dort angesprochen werden.
Nun kannst du diese sechzehn Reden durchgehen und Vers für Vers notieren, worüber dort inhaltlich gesprochen wird.
Wir machen ein kurzes Beispiel, damit sich jeder etwas darunter vorstellen kann.
Beispielanalyse: Die Rede von Petrus in Apostelgeschichte 3
Wir nehmen die Rede von Petrus in Apostelgeschichte 3. Sie umfasst 15 Verse und wurde von Petrus gehalten, während Johannes danebenstand.
Der Ort, an dem das geschah, ist der Jerusalemer Tempel, genauer gesagt die Säulenhalle Salomos. Dort trafen sich die ersten Christen häufig zum Gebet.
Was war der Anlass? Ein stadtbekannter Mensch mit Behinderung saß regelmäßig in dieser Säulenhalle. Er wurde durch das Gebet und durch die Heilung, die Gott durch Petrus wirkte, geheilt.
Für wen war diese Predigt gehalten? Sie richtete sich an die Gottesdienstbesucher und die Stadtbevölkerung.
Welchen religiösen Hintergrund hatten die Zuhörer? Sie waren jüdisch, was gleich noch wichtig wird.
Was passiert nun inhaltlich in dieser Rede? Ich fasse es im Zeitraffer zusammen, denn dies ist natürlich keine vollständige Anleitung zum eigenen Bibellesen.
Petrus sagt in etwa Folgendes: Er betont, dass sie das Wunder nicht selbst getan haben, sondern dass Gott Jesus ins Recht gesetzt hat. Er richtet sich an die Zuhörer und sagt, dass sie Jesus ausgeliefert und verleugnet haben. Außerdem haben sie Jesus getötet, den Urheber des Lebens. Doch Gott hat Jesus von den Toten auferweckt.
Dann sagt Petrus weiter: „Wir sind Zeugen dieser Auferstehung.“ Er erklärt, dass Jesus derjenige war, der den Gelähmten geheilt hat, nicht er selbst. Dafür nimmt er keine Anerkennung an.
Er erinnert die Zuhörer daran, dass sie wussten, was sie getan haben, als sie Jesus ausgeliefert haben. Zudem sagt er, Jesus habe die Prophezeiungen erfüllt.
Anschließend fordert er sie auf, sich von ihren Sünden abzuwenden und einen neuen Weg einzuschlagen. Ihre Sünden müssten vergeben werden. Außerdem kündigt er an, dass Gott Jesus wieder schicken werde.
Dann spricht er von Prophezeiungen. Er erwähnt, dass Propheten von der Endzeit gesprochen haben. Dabei bezieht er sich auf Prophezeiungen aus dem jüdischen Alten Testament.
Er spricht über Prophezeiungen, die für die Zeit gelten, in der sie sich befinden. Schließlich sagt er, dass Gott Jesus zuerst zu ihnen geschickt hat, um sie zu segnen und jeden von ihnen von ihren Sünden abzubringen.
Erkenntnisse aus der Analyse der Reden
Wenn du jetzt selbst die Reden in der Apostelgeschichte Vers für Vers notierst, stößt du auf einige sehr interessante Stellen. Sonst würdest du darüber vielleicht einfach hinweglesen – so ging es mir zumindest. Zwei dieser Stellen, auf die ich gestoßen bin, sind für unsere heutige Zeit besonders bemerkenswert. Ich möchte sie dir zeigen, bevor wir zur Gesamtauswertung kommen.
Die erste Stelle findet sich in Apostelgeschichte 16. Paulus und Silas sind im Gefängnis, als ein Erdbeben das Gefängnis öffnet und sie frei werden. Der Gefängnisaufseher fragt, was er tun muss, um gerettet zu werden. Die Antwort lautet: „Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst gerettet werden, du und dein Haus.“ Zwei Verse später heißt es, dass er und sein ganzes Haus getauft wurden.
Du weißt vielleicht schon, was jetzt kommt. Diese Stelle wird oft als einer der Hauptbelege in der Bibel herangezogen, um die Säuglingstaufe zu rechtfertigen. Damit wir uns richtig verstehen: Ich unterstelle hier niemandem böse Absicht. Lass mich dir eine kurze Anekdote erzählen.
Als junger Mann hatte ich damals gerade das Neue Testament durchgelesen. Das war meine Hauptgrundlage, um mich über das Christentum zu informieren. Zu der Zeit lebte ich in einer Stadt mit vielen unterschiedlichen christlichen Glaubensrichtungen. Deshalb konnte ich verschiedene Gottesdienste besuchen. Am Wochenende ging ich mal zu der einen, mal zu der anderen Gemeinde, schaute mir an, wie sie das machten, und unterhielt mich mit den Leuten. Das war sehr interessant.
Eines Tages sah ich zum ersten Mal die Taufe eines Babys – eines schlafenden Säuglings. Das klingt für dich vielleicht kurios, aber ich wusste damals nicht, dass es so etwas wie Säuglingstaufe überhaupt gibt. Ich hatte nie davon gehört.
Vielleicht denkst du jetzt: Markus, bist du unter einem Stein aufgewachsen? Gerade wenn du aus Süddeutschland, Österreich oder der Schweiz kommst, wie kann man davon nichts wissen? Nun ja, so ähnlich. Ich wurde nicht in einem christlichen Umfeld groß, obwohl man das vielleicht vermuten würde. Nein, ganz im Gegenteil: Ich bin als Atheist aufgewachsen.
Das hängt damit zusammen, dass mein Vater Naturwissenschaftler war – Physikdozent – und in den 90er Jahren viel um die Welt reiste, während wir als Familie mitgingen. So besuchte ich internationale Schulen und wuchs in einem multikulturellen Umfeld auf. Ich hatte früh Kontakt zu Hindus, Buddhisten und später auch Muslimen. Christen gab es dort kaum.
Bevor ich Teenager wurde, hatte ich keine zwei Kirchen von innen gesehen und nie mit einem bekennenden Christen gesprochen. Ich hatte nur das Neue Testament und dachte damals schon darüber nach, mich vielleicht irgendwann taufen zu lassen.
Dann sah ich, wie jemand getauft wurde, der nicht darum gebeten hatte, kein Versprechen abgab und sich später nicht an die Taufe erinnern konnte. Das Baby schlief während der Taufe. Als es plötzlich mit kaltem Wasser übergossen wurde, fing es an zu schreien. Das war ein Anblick, der für mich nicht zu dem passte, was ich mir aus dem Neuen Testament über die Taufe zusammengeredet hatte.
Nach dem Gottesdienst ging ich nach vorne und fragte jemanden, der offiziell aussah, was da gerade passiert war. Er antwortete sofort, die Bibel befehle, Säuglinge zu taufen. Ich fragte, wo das denn stehe. Er sagte, weil in der Bibel steht, dass Menschen mit ihrem Haus getauft wurden.
Ich wusste nicht genau, was er meinte. Kurz überlegte ich, ob er jetzt auch eine Hauswand mit Wasser begießen wolle, weil er „Haus“ gesagt hatte. Er meinte damit eine Familiengruppe, einschließlich Säuglinge. Als Nichtchrist weiß man nicht, dass „Haus“ in der Bibel oft „Familiengruppe“ bedeutet. Man hört nur das Wort, das ausgesprochen wird. Das ist eine wichtige Lektion.
Jedenfalls wurde mir gesagt, Säuglinge werden getauft, weil das angeblich in der Bibel steht – in dem Vers, den wir gerade gelesen haben. Noch einmal: Ich unterstelle niemandem böse Absicht, das kannst du mir glauben. Ich habe mich später noch öfter mit diesem Menschen unterhalten – sachlich über die Säuglingstaufe.
Auf einem Vers wie diesem die Säuglingstaufe aufzubauen, hat zwei große logische Probleme.
Problem eins: Nicht jeder Haushalt hat Säuglinge. Wenn ich in Gemeinden frage, wer Säuglinge zuhause hat, bleiben vier von fünf Händen unten. Das kannst du gern selbst ausprobieren. Das Statistische Bundesamt gibt an, dass über 86 Prozent aller deutschen Haushalte keine kleinen Kinder im Kindergartenalter haben. Über 99 Prozent haben kein Säugling oder Neugeborenes zuhause.
Das heißt im Klartext: Ein durchschnittlicher Haushalt hat keine Säuglinge. Deshalb kannst du das Wort „Haus“ nicht automatisch mit einem Haushalt mit Neugeborenem gleichsetzen. Das Gegenteil ist der Fall.
Problem zwei ist noch viel größer: In Apostelgeschichte 16 heißt es zwar, der Gefängnisaufseher und alle, die zu ihm gehörten, wurden getauft. Aber wenige Verse vorher steht etwas Entscheidendes.
In Vers 32 wird ausdrücklich erwähnt, dass Paulus und Silas dem Gefängnisaufseher und allen, die in seinem Haus waren, „das Wort des Herrn“ verkündeten. Das heißt, sie erzählten ihnen von Jesus.
Das ändert die Gleichung erheblich. Denn nun wissen wir, dass die Menschen, die getauft wurden, zuvor Worte und Informationen über Jesus empfangen und aufgenommen hatten. Erst danach kam die Taufe.
Das bedeutet, diese Menschen waren vor ihrer Taufe in der Lage, die Botschaft zu verstehen und bewusst anzunehmen. Der schlafende Säugling, von dem ich erzählt habe, konnte das nicht.
Noch einmal: Ich unterstelle niemandem böse Absicht. Aber sprachwissenschaftlich betrachtet schießt sich jemand, der die Kindertaufe mit dieser Stelle begründen will, ein Eigentor. Das funktioniert so nicht.
Falls du möchtest, dass ich in den nächsten Wochen ein eigenes Video zur Taufe veröffentliche, kannst du die Glocke unten rechts an diesem Video aktivieren und einen Kommentar schreiben. Dann gebe ich mein Bestes – mit Gottes Hilfe.
Das mit der Glocke ist ernst gemeint. Ein Video über die Taufe wird umkämpft sein. Da brauchen wir keine Illusionen, sondern alle Unterstützung, die wir bekommen können.
Die Bedeutung der Trinitätslehre und Jesu Menschlichkeit
Und taufe hin oder her – egal, aus welcher Glaubensrichtung wir kommen, egal wie wir religiös geprägt sind, egal wie wir sozialisiert sind und egal, wie wir aufgewachsen sind: Für alle von uns gilt, dass wir jederzeit bereit sein sollten, das, was wir glauben, gegen das auszutauschen, was Gottes Wort sagt.
Dafür kannst du dir hier den Exkurs zu Meinung und Fakt mitnehmen. Das ist eine ziemlich spannende Sache, denn das kannst du einüben. Den Exkurs gibt es kostenlos über den Link unter diesem Video.
Für alle, die diese Übung jetzt selbst machen, während du und ich gerade sprechen, wird eine zweite bemerkenswerte Stelle ins Auge springen. Diese Stelle ist für uns als Christen wichtig, und wir tun gut daran, sie zu beherzigen.
In Apostelgeschichte 17 geht es darum, dass Paulus auf dem Areopag in Athen steht. Dort sagt Paulus Folgendes: Er sagt, estesen, hemeran, en he mene krinen, ten oikomen, in der Kursyne, en Andri „Ho horizen“. Das bedeutet, dass Gott einen Tag festgesetzt hat, an dem er die Welt richten wird – in Gerechtigkeit, durch den Menschen, durch den Mann, den er dazu bestimmt hat.
In diesem Vers steckt viel drin, aber bemerkenswert ist eine Sache: An anderen Stellen in der Bibel wird Jesus als göttlich bezeichnet. An dieser Stelle in Apostelgeschichte 17 sagt Paulus jedoch, dass Jesus ein Mensch ist, dass Jesus sogar ein Mann ist.
Das heißt, Jesus ist beides: Er ist gleichzeitig Gott und Mensch. Er ist Gott als Mensch, wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich. Das ist das, was frühe christliche Gelehrte die sogenannte Zwei-Naturen-Lehre genannt haben. Diese Lehre ist für die Trinität ganz wichtig.
Wie umkämpft und unbeliebt die Trinitätslehre ist, hast du wahrscheinlich selbst schon mitbekommen. Denn sobald wir die Trinität ernst nehmen, können wir Jesus nicht mehr einfach als Wanderprediger oder antiken Lifestyle-Guru abstempeln. Dann ist Jesus Gott, und wir können ihn nicht einfach abtun oder in irgendeine Ecke stellen. Jesus geht uns dann ganz konkret etwas an.
Deshalb ist die Trinität biblisch und wichtig – vertrau mir an dieser Stelle. Hier hast du schon eine von Dutzenden Stellen im Neuen Testament, die diese christliche Zwei-Naturen-Lehre bestätigt und unterstreicht.
Danke für deine Geduld, es war mir wichtig, diese Punkte zu machen.
Zusammenfassung der Auswertung: Umfang und Verteilung der Reden
Jetzt ans Eingemachte. Nachdem du das alles gemacht hast, die sechzehn Redesituationen Vers für Vers gezählt hast, kommst du am Ende auf 219 Verse, in denen die Apostel versuchen, Nichtchristen zu überzeugen, dass sie Jesus nachfolgen sollen.
Davon entfallen 52 Verse auf Stephanus, der sie bei seiner Verteidigungsrede kurz vor seiner Steinigung gehalten hat. 61 Verse entfallen auf Petrus in mehreren Reden und 106 Verse auf Paulus, ebenfalls in mehreren Reden. So hast du jetzt schon mal gehört, wer wie viel gesprochen hat.
Jetzt die Frage: Wer hat diese Worte gehört? 630 Verse sind an Menschen gerichtet, die aus einem nicht-jüdischen Hintergrund kommen. Das heißt, wenn du und ich heutzutage mit anderen Menschen über Jesus reden wollen, ist das der gleiche Hintergrund wie bei den Menschen, mit denen die Apostel in diesen 36 Versen gesprochen haben. Deshalb ist das für uns ganz besonders wichtig.
Aber 183 Verse sind an Menschen aus einem jüdischen Hintergrund gerichtet. Das heißt vereinfacht gesagt: Über vier von fünf Sätzen, die die Apostel sprechen, um Seelen vor der Hölle zu retten und Menschen anzuflehen, sich zu bekehren, sind an Israeliten mit jüdischem Hintergrund gerichtet.
Warum sage ich das? Es gibt in Deutschland eine große Kirche, die seit einigen Jahren behauptet, es sei grundfalsch, Juden von Jesus zu erzählen. Jetzt ist meine Rückfrage: Bedeutet das, dass die Apostel, die bei Jesus Christus höchstpersönlich in die Lehre gegangen sind und das über Jahre, ausgerechnet diese Apostel, die dreieinhalb Jahre mit ihm Tag und Nacht verbracht haben, Jesus völlig falsch verstanden haben? Und aus schierer Dummheit zu 83,6 Prozent den falschen Leuten gepredigt haben? Bildet euch euer eigenes Urteil.
Falls du möchtest, dass ich dazu ein eigenes Video herausbringe, in dem wir die Judenmission auseinandernehmen, dann drücke auf die Glocke hier unten rechts unter diesem Video und schreib einen Kommentar, dass du das möchtest. Mit Gottes Hilfe machen wir das.
Inhaltliche Schwerpunkte der Apostelreden
Okay, worüber reden die Apostel jetzt inhaltlich? Es ist sinnvoll, das auf die einzelnen Predigten aufzuteilen, denn es gibt einige Überraschungen.
In wie vielen Predigten kommt welches Thema vor? Das jüngste Gericht, das Endgericht, wird in fünf Predigten erwähnt. Das Thema Buße, Reue, Umkehr und Bekehrung erscheint in sechs Predigten. Das Zeugnisgeben, also Zeuge sein für Jesus, kommt ebenfalls in sechs Predigten vor. Jesus als tot wird in sieben Predigten erwähnt.
Nun zu den Favoriten: Die Auferstehung wird neunmal erwähnt. Neunmal geht es um die Auferstehung. Dass wir Menschen Sündenvergebung brauchen, dass Sündenvergebung möglich ist und dass wir Menschen gerettet werden müssen, wird zehnmal erwähnt. Ebenso werden Prophezeiungen zehnmal genannt.
Das heißt, in mehr als der Hälfte der Fälle, in denen die Apostel von Jesus erzählen, geht es um die Auferstehung, um Sündenvergebung und um Prophezeiungen. Faszinierend!
Das bedeutet für dich und mich, dass wir überlegen, wie wir anderen Menschen von Jesus weitererzählen und was zum Kern des Evangeliums gehört. Wir schauen zu den ersten Aposteln, also Männern, die Jesus höchstpersönlich ausgebildet hat. Dabei sehen wir: Auferstehung und Sündenvergebung sind Kernbestandteile.
Für dich und mich heißt das, dass du dir Auferstehung und Sündenvergebung schon mal fest abspeichern kannst. Sobald wir Menschen vom Evangelium Jesu Christi erzählen, gehören Auferstehung und Sündenvergebung unbedingt mit hinein.
Die Rolle der Prophezeiungen im Evangelium
Gehen wir einen Schritt weiter. Was hat es mit den Prophezeiungen auf sich? Das ist eigentlich logisch.
In vier von fünf Fällen sprechen die Apostel mit Menschen jüdischen Glaubens und möchten sie davon überzeugen, dass Jesus der Messias ist. Dabei liegt es nahe, die Prophezeiungen aus der jüdischen Bibel heranzuziehen. So gibt es eine gemeinsame Grundlage und eine Basis, von der aus man starten kann.
Jeder Zuhörer kann dann selbst überprüfen und erkennen, dass diese Prophezeiungen tatsächlich auf Jesus von Nazaret zutreffen. Dadurch wird deutlich, dass Jesus tatsächlich der Messias ist, der vorausgesagte Retter der Menschheit. Er wird ein neues Volk schaffen, indem er Menschen aus ihren Sünden herausführt.
So weit, so gut.
Evangelisation heute: Umgang mit Menschen ohne jüdischen Hintergrund
Aber was hilft uns das jetzt in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo die allermeisten, die du und ich erreichen wollen, nicht aus einem jüdischen Hintergrund kommen?
Das heißt ganz konkret gefragt: Wie würden die Apostel heute mit den Leuten umgehen, mit denen du und ich zu tun haben? Wie würden sie es machen?
Gut, dass du fragst. Deshalb lass uns jetzt eine letzte Zählung machen. Dieses Mal zählen wir nur, was die Apostel sagen, sobald sie mit Nichtjuden sprechen.
Auch hier haben wir zum Glück nicht nur ein oder zwei, sondern vier ganz konkrete Beispiele. In diesen Beispielen tun die Apostel genau das, was wir tun wollen. Daraus können wir lernen und uns abschauen, wie sie es gemacht haben.
Worüber reden sie also? Bei den Predigten der Apostel für Nichtjuden kommen folgende Themen vor:
Einmal das Thema Zeugnis geben, Zeuge sein. Sie sagen, sie sind die Zeugen von dem, was passiert ist. Das beruhigt mich, denn du und ich sind ja auch nicht direkt Zeugen der Auferstehung. Von daher scheint es auch ohne direkte Zeugen zu funktionieren.
Ein weiteres Thema ist der Tod von Jesus. Dann kommen die Kernthemen Buße, Reue und Umkehr vor – in zwei von vier Fällen. Außerdem geht es um Sündenvergebung und Rettung, ebenfalls in zwei von vier Fällen.
Die Auferstehung wird auch in zwei von vier Fällen erwähnt, ebenso Prophezeiungen. Und das jüngste Gericht, das Endgericht, wird in drei von vier Predigten thematisiert.
Für dich und mich heißt das: Wir überlegen, wie wir Menschen von Jesus weitererzählen können. Was würden die Apostel tun? Hier ist deine Antwort:
Sie würden Menschen von Buße, Reue und Umkehr erzählen. Falls du nicht genau weißt, was das bedeutet oder es jemandem erklären könntest, ist das kein Problem. Ich habe mehrere Videos dazu gemacht, die du unten verlinkt findest.
Die Apostel erzählen von Sündenvergebung und davon, dass Menschen gerettet werden können. Sie sprechen von der Auferstehung und würden auch Nichtjuden von Prophezeiungen berichten.
Das ist für dich und mich gut zu wissen. Deshalb sollten wir unser Altes Testament kennen.
Vor allem aber würden die Apostel auch heute, gerade heute, über das jüngste Gericht sprechen – über das Endgericht, an dem Gott alle Menschen zur Rechenschaft ziehen wird.
Dieses Gericht ist ein Gericht, bei dem du und ich keine Chance haben, solange die Unheiligkeit unserer eigenen Taten an uns klebt. Genau das ist der Punkt: Jesus starb für dich, du kannst freigesprochen sein.
Jesus Christus ist die Antwort auf das jüngste Gericht. Jesus Christus und seine Auferstehung sind die Antwort darauf, wie dir und mir unsere Sünden vergeben werden können.
Jesus Christus ist die Erfüllung unserer Gebete, er ist eine Gebetserhörung und die Erfüllung der Heiligen Schriften. Jesus Christus rettet – und zwar vor deinen Sünden und ihren Konsequenzen am Tag des jüngsten Gerichts. Punkt.
Alles andere – Rettung von Eheproblemen, von Süchten, von Krankheiten, von finanziellen oder emotionalen Problemen – ist dagegen nur eine nette Fußnote. Ohne Rettung von deinen Sünden ist alles andere nichts. Punkt.
In welcher Reihenfolge und mit welchen genauen Worten du das weiterzählst, ist unterschiedlich. Da führen verschiedene Wege nach Rom. Das ist okay.
Aber lass uns das regelmäßig weitererzählen. Daran führt kein Weg vorbei.
Hier siehst du, wie das die Leute gemacht haben, die bei Jesus selbst in die Lehre gegangen sind.
Deshalb zurück zum Anfang: An die Prediger, theologischen Lehrer und Kirchenleiter da draußen, die den Menschen ein anderes Evangelium oder etwas anderes als das Evangelium verkaufen wollen:
Frag dich selbst, was am biblischen Evangelium auf einmal so kaputt ist, dass du es reparieren willst, und was an Gottes Heilsbotschaft so falsch ist, dass Menschen eine neue erfinden wollen.
