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Der Schrei nach Sinn

vom Suizidversuch zum Pastor. Mit Dave Krohn
08.07.2022

Ein Leben mit Sinn suchen

Das heißt, es bleibt nichts übrig, nichts, nada – und alles war umsonst. Was bringt also ein Leben, das in Ewigkeit nichts bewirkt, während ich innerlich immer mehr sterbe? Pornographiesüchtig, mit Minderwertigkeitskomplexen – ich habe gesagt: Ich kann nicht mehr, das kann nicht alles sein. Wenn das das Leben ist, dann will ich nicht, ich will nicht.

Also bin ich raus aus dem Haus, aus der Wohnung, in der wir waren. Ich bin aus dem Ort gelaufen, auf die Landstraße, und habe gesagt: Das erste Auto, das kommt, nehme ich. Davor werfe ich mich davor. Ich war wie ein wildes Tier, du kennst das aus dem Zoo, das hin und her läuft.

So stand ich da an der Straße und habe geschrien, ich habe geschrien wie am Spieß. Dabei habe ich für mich gemerkt, dass mir in meinem Leben Spaß einfach nicht reicht. Nur das Gefühl, glücklich zu sein, ist irgendwie wankelmütig, hält nicht und erfüllt mich nicht.

Ich will das Leben, das wahr ist. Ich will keiner Lüge glauben, und ich will mich nicht selbst belügen. Das habe ich zu lange gemacht. Ich will etwas tun, das Sinn macht. Es gibt eine Möglichkeit, dieses Leben nicht an sich selbst zu verschwenden.

Einführung in das Bibelfit-Projekt

Um Nachfolge zu verstehen, mach dich Hashtag Bibelfit. Ich bin Markus Voss, und hier machen wir drei Dinge.

Wir versuchen, tiefer in die Bibel einzusteigen. Außerdem überlegen wir, wie du und ich Jesus im modernen Alltag nachfolgen können. Und wir beantworten taffe Fragen, die die Gesellschaft uns Christen stellt.

Zu all dem gibt es Dutzende kostenfreie Tools. Es gibt Hörbücher, Online-Kurse, Tageschallenges und praktische Alltagsgegenstände, die du dir auf der Website gratis mitnehmen kannst.

So transparent: Finanziert wird all das hier durch kleine monatliche Spenden von Menschen wie dir und mir aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das ist sehr hilfreich, weil dieses Projekt langsam Fahrt aufnimmt.

Neues Format: Heute werde ich gar nicht so viel sagen, sondern ich übergebe das Wort an unseren besonderen Gast. Der eine oder andere hier kennt ihn schon, nämlich einen jungen Mann in meinem Alter, vor dem ich viel Respekt habe.

Unser geschätzter Mitstreiter im Glauben, Dave Krohn. Er ist ein kluger junger Theologe und Familienvater, der viel, viel bescheidener auftritt, als er müsste, und von dem ich selbst einiges lernen kann.

Es wird sehr persönlich. Es wird tiefgründig. Und das Ende von unserem Gespräch ist nichts für schwache Nerven.

Bevor wir starten, kannst du ganz kurz der Community hier helfen, dass solche christlichen Inhalte in sozialen Medien nicht verborgen werden? Bist du gerade auf Instagram, dann doppeltipp doch mal rasch auf dein Handy.

Und auf YouTube kannst du das Video gerne liken. Indem du diese Glocke unter dem Video drückst, bekommt YouTube ein Signal und zeigt auch nichtchristlichen Nutzern mehr christliche Inhalte, die sie ansprechen können.

Bist stark, oder? Deswegen lass uns die Glocke gerne nutzen, solange wir können. Vielen Dank!

Vorstellung von Dave Krohn und seiner Arbeit

Hey Dave, herzlichen Dank, dass du dich heute eingeschaltet hast. Es ist mir eine ganz große Ehre, dass du hier dabei bist. Ich freue mich wirklich sehr. Danke fürs Dabeisein. Vielen Dank, Markus, vielen Dank!

Für Leute, die dich noch nicht kennen: Die christliche Welt in Deutschland ist ja überschaubar, und vieles läuft über Mund-zu-Mund-Empfehlungen, über Buschfunk. Woher könnte es also sein, dass der eine oder andere vielleicht schon mal von dir gehört hat oder dich sogar gesehen hat, online oder offline?

Also, meine Online-Präsenz ist in letzter Zeit wohl am stärksten auf dem Projekt Apologetik Channel. Auf Instagram findet man uns unter dem schönen Namen – das ist kein Hashtag, sondern der Account – Apologetik Channel. Genau dort bin ich Mitarbeiter. Wir produzieren momentan sehr viel Content. Es ist ein Projekt, das stark wächst. Simon Garricht ist dabei die Speerspitze, und ich bin eher der Mann in der zweiten Reihe. Dort könnten manche schon etwas von mir gesehen oder gelesen haben. Ich bin eher derjenige, der die Tippsachen macht und die Texte schreibt. Also hat man wahrscheinlich etwas von mir mitbekommen.

Wenn man das Projekt nicht kennt – es ist ja auch noch überschaubar, sage ich mal – könnten manche mich vielleicht aus der Royal Ranger Arbeit kennen. Ich habe es immer wieder erlebt, dass mich Leute angesprochen haben, gerade eher aus Süddeutschland. Dort habe ich schon einige Events als Camp-Pastor mitgemacht.

Sonst bin ich jetzt keine Berühmtheit, sage ich mal. In meinem kirchlichen Kontext kennt man mich vielleicht noch. Letztes Jahr hatten wir als Familie einen Artikel in der idea, da könnte man vielleicht auch ein bisschen etwas von uns gesehen haben. Aber sonst bin ich alles andere als eine Person des öffentlichen Interesses.

Stimmt, da gab es ja ganz früher bei Facebook so eine Karte, auf der man angeben konnte, wer man ist und wo man steht – persönlich oder öffentlich. So ein Premium-Account. Bei Instagram gibt es ja auch diesen blauen Haken.

Stimmt, ja genau. Das hatten damals fast alle irgendwie auf ihren Social-Media-Accounts stehen: „Persönliches öffentliches Interesse“. Ja, genau, alle sind Personen, die ganz wichtig sind. Ich habe keinen blauen Haken. Ich auch nicht. Ich glaube, den werde ich in diesem Leben auch nicht mehr bekommen. Das ist auch nicht mein Ziel, muss ich sagen. Es gibt Wichtigeres in der Tat.

Alltag und Aufgaben als Jugendpastor

Und wo wir von Wichtigerem sprechen: Du hast gesagt, du bist in deiner Gemeinde aktiv und arbeitest als Jugendpastor. Wie sieht denn so dein Alltag aus, wenn du als Pastor tätig bist? Wie gestaltet sich das?

Also, die Aufgaben sind vielfältig. Man ist sozusagen eine eierlegende Wollmilchsau, so sagt man das, glaube ich, auf Neudeutsch. Ich war eine ganze Zeit lang hauptsächlich im Jugendbereich der Friedenskirche Memmingen tätig. Dort habe ich die Jugendarbeit mit aufgebaut. Es gab schon einen Stamm, und meine Frau und ich sind kurz nach unserer Hochzeit eingestiegen.

Der Fokus lag hauptsächlich darauf, Jugendarbeit zu machen – wobei das natürlich vieles sein kann. Unser Schwerpunkt war, dass Jugendliche Jesus kennenlernen. Es ist also vielleicht nicht ganz die typische Jugendarbeit wie in einem Sportverein, sondern sehr stark darauf ausgerichtet, den Jugendlichen ein Fundament für ihr Leben zu geben und nicht nur eine Unterhaltung, sage ich mal.

Das heißt, viele Jahre meines Dienstes war es meine Aufgabe, besonders junge Leute mit Potenzial zu finden und sie in Verantwortung hineinzunehmen. Inzwischen hat sich mein Aufgabenbereich ein bisschen gewandelt. Ich bin jetzt in unserer Tochterkirche, die wir vor über zehn Jahren gegründet haben, mit eingestiegen und versuche dort pastoral etwas zu bewegen.

Von daher bin ich jetzt tatsächlich ein bisschen in der Position, zu schauen, was ich mit dem, was Gott mir gegeben hat, machen kann. Ja, in der Tat.

Und wenn ich das so sagen darf: Wer deine Inhalte noch nicht kennt – du hast ja auch Videobeiträge zum Beispiel beim Apologetik Channel und Texte, die du geschrieben hast, wie schon erwähnt. Wer das noch nicht kennt, sollte es sich unbedingt anschauen. Es ist hochwertiger apologetischer Content.

Wenn ich in der Liga mitspielen könnte, wäre das cool.

Na ja, also ich muss sagen, ich glaube, wenn du dich damit beschäftigst und du sehr aufnahmefähig bist, wäre das, glaube ich, kein Problem für dich.

Die Motivation hinter der Jugendarbeit

Und jetzt hast du gesagt, du wolltest in der Jugendarbeit nicht nur Bespaßung machen. Jeder, der schon mal versucht hat, Jugendarbeit zu machen, weiß: Nur Bespaßung, das ist ja schon schwer genug. Du wolltest aber wirklich versuchen, Leute zu Jesus hinzubringen. Dave, woher kommt denn diese Leidenschaft dafür?

Also, ich glaube, dass es erst mal aus meinem persönlichen Erleben kommt. Ich habe gemerkt, dass ich ein Lebensfundament brauche. Ich bin schon immer jemand gewesen, der nicht leichtfertig Dinge hinnimmt und sagt: Ich will schon wissen, was Sache ist. Für mich reicht Bespaßung im Leben nicht aus. Einfach nur zu sagen: Hauptsache, ich fühle mich glücklich, das ist irgendwie wankelmütig und hält nicht. Es erfüllt auch nicht, wenn ich immer nur meinen eigenen Spaß suche.

Ich glaube ehrlich gesagt, dass es Jugendlichen auch so geht, auch wenn es manchmal nicht so wirkt.

Ja, denkst du?

Genau, und das habe ich erlebt. Ich habe erlebt, was gerade durch Jugendarbeit in Jugendlichen vorgeht. Ich merke, dass man eben nicht weit kommt mit „Hey, wir geben euch eine gute Zeit, ihr geht nach Hause und das hilft euch in eurem Leben“. Jugendliche und alle Menschen – nicht nur Jugendliche – haben existenzielle Probleme.

Ich denke, das existenzielle Problem ist, dass wir nicht bei Gott sind. Das ist für mich das Hauptproblem: Wir haben eine Gottesentfremdung. Es gibt Wahrheiten, denen wir ausgesetzt sind und mit denen wir konfrontiert werden, zum Beispiel, dass wir sterben oder dass Menschen um uns herum sterben.

All diese existenziellen Dinge haben mich in meinem Leben dazu geführt, dass ich sage: Ich will das leben, was wahr ist. Ich will keiner Lüge glauben, und ich will mich nicht selbst belügen. Das habe ich zu lange gemacht. Ich will etwas tun, das Sinn macht.

Wir haben hier 80 Jahre, vielleicht noch weniger. Vielleicht habe ich auch nur 30 Jahre. Aber was bleibt, wenn ich sterbe? Dieses Memento mori – Gedenke, dass du stirbst – ich bin glaube ich so ein Memento-mori-Typ. Das hat mich sehr getroffen, auch weil der Tod immer wieder eine Fragestellung in meinem Leben war.

Genau, ich will an diesem Punkt noch nicht so viel ausführen oder gleich voll loslegen. Aber genau das ist, denke ich, etwas, was mich sehr stark antreibt.

Ich habe einen sehr großen Schmerz, wenn ich merke, dass Menschen eigentlich nicht den Sinn ihres Lebens entdecken.

Jugendliche ernst nehmen und fördern

Du würdest also sagen, dass vieles von dem, was wir aus guter Absicht häufig mit Jugendlichen kommunizieren, eher als Bespaßung oder Ablenkung dient, aber nicht das ist, worum es eigentlich geht. Diese existenzielle Not – ich höre das so ein bisschen heraus, korrigiere mich gern, lieber Dave – dass du meinst, wir sollten Jugendliche und vielleicht sogar Kinder ernster nehmen, als wir es oft tun. Nicht einfach nur für Zerstreuung oder Entertainment sorgen, sondern wirklich spüren, dass sie ähnliche Fragen haben wie wir. Vielleicht nicht so verkopft oder voll ausformuliert, aber es ist das gleiche Herz, das in uns schlägt.

Genau, gerade das, was du am Schluss gesagt hast: dieses gleiche Herz. Ich denke, viele Jugendliche haben gar nicht so konkrete Fragen, weil sie diese gar nicht formulieren können. Und das kennen wir als Erwachsene ja auch: Wir wissen, dass wir ein Problem haben, können es aber nicht benennen. Das gilt für Jugendliche noch mehr, weil sie in ihrem gesamten Persönlichkeitswandel noch nicht gelernt haben, alles zu ordnen oder überhaupt mal anzuschauen.

Da denke ich schon, dass es sich bei diesen Fragen des Herzens nicht immer um Fragen des Kopfes handelt. Es sind Fragen des Herzens, des Zentrums unseres Seins, die jeden beschäftigen. Jeder Mensch wünscht sich Liebe und Anerkennung, und jeder hat die Frage: Wie bekomme ich das? Natürlich ist das eine egoistische Frage, aber sie ist bei jedem vorhanden.

Und bei Jugendlichen gibt es vielleicht niemanden, der ihnen im Leben gesagt hat, dass sie wertvoll sind. Ich kann ihnen zwar vermitteln: „Hey, schön, dass du da bist“ und ihnen eine gute Zeit verschaffen. Aber vielleicht brauchen sie auch jemanden, der ihnen einfach mal unter vier Augen in die Augen sieht und sagt: „Weißt du was, ich sehe ein riesiges Potenzial in dir.“ Oder: „Ich habe Lust, mich mit dir zu treffen, ich will in dich investieren.“

Solche Geschichten habe ich erlebt, und sie können sehr stark verändern.

Familie und Pflegekinder

Krass, nun ist es so: Du machst das Ganze ja nicht nur beruflich mit der Stelle, die du hast, sondern ich weiß nicht, ob ich das dir sagen darf. Wenn nicht, ist es auch okay. Aber deine Frau und du lebt das ja durch und durch privat in eurer Familie.

Ich weiß nicht, ob du da kurz drauf eingehen möchtest?

Ja, gerne. Also genau, wir haben fünf Kinder. Es ist immer ganz witzig, wenn ich irgendwo eingeladen bin zum Predigen. Ich bin jetzt achtundzwanzig und seit acht Jahren verheiratet.

Vor ein paar Jahren, als ich sieben Jahre verheiratet war, war mein ältester Sohn acht. Dann sage ich zum Beispiel: „Ich bin sieben Jahre verheiratet, mein ältester Sohn ist acht, ich bin Christ.“ Dann sind alle so: „Hä?“ Oder sie denken gleich: „Oh, der hat ein Vorleben gehabt, es gab schon Geschichten vor seiner Bekehrung.“

Dann erkläre ich: „Nee, spätestens wenn man meine Kinder sieht – das ist nämlich ein bisschen so, alle möglichen Schattierungen von Hautfarben – dann merkt man schon: Ah, okay, das ist ein bisschen was anderes.“ Wir haben Pflegekinder. Genau, alle fünf sind Pflegekinder. Das haben meine Frau und ich in den letzten Jahren aufgenommen, und das ist ein Abenteuer für sich.

Krass. Das heißt nochmal, damit ich das richtig verstehe: Du bist 28, sie ist 30, oder?

Genau.

Und ihr habt fünf Pflegekinder?

Genau.

Das ist, wenn ich das so sagen darf, sehr, sehr ungewöhnlich.

Ja.

Kannst du so ein bisschen erzählen? Ihr habt ja nicht nur „in Anführungsstrichen“ ein Pflegekind oder zwei, sondern ihr habt euch bewusst dafür entschieden. Ihr habt ja auch nicht alle fünf auf einmal bekommen, sondern das ist etwas, wo ihr euch bewusst, intentional, absichtlich dafür entschieden habt – in Abwägung, im Gebet – weil ihr gesagt habt: „Jawohl, das halten wir für eine sinnvolle Sache.“

Willst du ein bisschen darüber reden, was euch damals dazu motiviert hat? Denn der eine oder andere denkt jetzt vielleicht: „Oh Mann, ich habe ein oder zwei leibliche Kinder zu Hause, und das reicht mir schon voll und ganz. Wenn ich fünf Pflegekinder hätte, das geht über die Vorstellungskraft von vielen Menschen hinaus, mir eingeschlossen.“

Also, die Hintergründe von uns als Ehepaar sind so, dass meine Frau selber sieben Geschwister hat. Das heißt, sie kennt Großfamilie, sage ich mal, aus ihrem gesamten Familienkontext. Und ich meine wirklich Großfamilie. An unserer Hochzeit waren, glaube ich, 250 geladene Gäste, allein von ihrer Familie – also mit Cousins und so. Sie hat über sechzig Cousins und Cousinen. Das war für mich so mind blowing. Ich musste erstmal die ganze Familie kennenlernen, alle an einem Tag.

Auf unserer Hochzeitsfeier im Juni waren hundertzwanzig, hundertdreißig Leute eingeladen, weil meine Verlobte eine größere Familie hat als ich. Das war echt schon krass, so viele Menschen gibt es auf der Welt. Aber es ist nochmal eine andere Nummer.

Genau, also das heißt, wir sind beide total kinderverliebt. Wir wussten schon, als wir geheiratet haben – auch natürlich davor –, dass es für junge Paare ganz wichtig ist, vor der Hochzeit darüber zu sprechen, ob ihr Kinder wollt. Bitte nicht danach, das kann echt in die Hose gehen.

Genau, also wir wussten beide, wir wollen Kinder. Und wir wollen uns nicht nur reproduzieren, sondern wir wollen uns vermehren. Das heißt mindestens drei Kinder. Kein Vorwurf an Leute, die weniger als drei Kinder haben.

Und ja, dann wollten wir relativ schnell Kinder. Dann haben wir gemerkt, dass es irgendwie nicht klappt. Es lag, glaube ich, nicht an meinem fehlenden Biologieunterricht, sondern sie wurde einfach nicht schwanger.

Dann haben wir Ärzte aufgesucht und gemerkt, dass es aus medizinischer Sicht relativ unwahrscheinlich ist, dass sie schwanger wird. Dann haben wir überlegt, was wir machen. Wir hatten zwei Möglichkeiten: Entweder wir gehen in die Auslandsmission nach Haiti – das war so eine Idee, weil meine Frau dort während des Erdbebens war. Es gab dieses große Erdbeben damals, da war sie währenddessen und hat das miterlebt. Ihr ist das Land sehr ans Herz gewachsen. Wir waren auf den Flitterwochen dort, auch ungewöhnliche Flitterwochen.

Wir haben überlegt: Entweder wir machen das oder wir nehmen jetzt Kinder auf. Ihre Schwester hatte schon Pflegekinder, ich hatte selber mal einen Pflegebruder. Das heißt, wir kannten das.

Dann haben wir gebetet und Gott gefragt: „Gott, was willst du von uns?“ Wir haben gemerkt: Okay, wir wollen Kinder. Dann haben wir angefangen, Kinder aufzunehmen und uns beim Jugendamt beworben. Dort muss man einen kleinen Kurs absolvieren, und dann kann man sich bewerben.

Das ging wahnsinnig schnell, viel schneller als gewöhnlich. Wir bekamen gleich eine Anfrage, zwei Kinder aufzunehmen – auf einmal. Das war für uns: Okay, wir haben noch nie Kinder gehabt, jetzt gleich mal zwei. Auch ein relativ krasser Fall, weil das Jugendamt bringt nicht Kinder, die in Urlaub wollen, sondern Kinder, bei denen schon Sachen vorgefallen sind. Aus Datenschutzgründen nenne ich hier keine Einzelheiten.

Aber genau da hat es angefangen. Seitdem haben wir Kinder aufgenommen.

Krass. Wie alt wart ihr damals, wenn ich fragen darf?

Ich war frisch zweiundzwanzig. Ich hätte es eigentlich gar nicht dürfen, weil man erst ab dreiundzwanzig darf. Aber meine Frau ist älter, deswegen ging es.

Wie alt waren die ersten beiden Kinder, die ihr damals aufgenommen habt?

Die waren eins und zwei. Nicht im Säuglingsalter, aber noch nicht so, dass man sagen kann, sie sind richtig selbstständig oder können richtig reden. Das war so ein magischer Zwischenzustand.

Hattest du jüngere Geschwister oder wusstest du so ein bisschen, wie man mit Kleinkindern umgeht? Oder war das für euch neu?

Ich habe die perfekte Rolle des Zweiten. Der Erste muss ja alles durchkämpfen, der Zweite genießt, was der Erste durchkämpft hat. Aber er bekommt nach einer relativ strengen Erziehung, und dann bekommen die Kleineren gefühlt alles erlaubt. So habe ich es als Kind empfunden.

Ich habe sowohl eine ältere Schwester als auch jüngere Geschwister, und davon erkannte ich das schon. Aber klar, wenn plötzlich zwei Kinder da sind, musst du dich um sie kümmern. Das war am Anfang schon so: Okay, krass, jetzt haben wir Kinder. Wie kann man sie hochheben? Die sind jetzt wirklich da, schlafen bei uns, wir müssen Essen machen – das Leben geht plötzlich los und wird anders.

Ja, klar, Kinder verändern alles.

Na klar, sie verändern dich.

Genau. Was hat euch damals motiviert, dass ihr nach diesen zwei Kindern nicht gesagt habt: „Okay, wir kümmern uns jetzt darum und hören auf“? Für jemanden, der das nicht weiß: Pflegekinder sind in der Regel nicht darauf ausgelegt, dass sie die ganze Kindheit bei einem bleiben. Das ist meistens ein Konzept auf Zeit.

Kannst du dazu kurz was sagen, falls jemand den Begriff Pflegekind nicht kennt?

Man muss erst einmal unterscheiden zwischen Adoption und Pflege. Bei Adoption wird die Geburtsurkunde quasi umgeschrieben. Das Kind ist rechtlich und in allem dein Kind. Da gibt es nichts mehr zu rütteln, keine leiblichen Eltern, die kommen und sagen: „Das geht nicht mehr.“ Das ist einfach dein Kind.

Bei Pflege ist das anders. Das ist nicht dein Kind rechtlich, aber es wohnt bei dir wie dein Kind. Es geht zur Schule, und wir als Pflegeeltern haben bestimmte Rechte. Wir dürfen Lehrergespräche führen, ohne das Jugendamt anrufen zu müssen. Wir nehmen elterliche Rollen wahr.

Aber wie gesagt, das Ziel des Staates ist, dass das Kind wieder in seine Ursprungsfamilie zurückkehren kann. Die Realität ist oft anders, weil sich Dinge ändern müssen. Die Eltern müssen bestimmte Auflagen erfüllen, sonst kann das Kind nicht zurück. Es gibt viele Gründe, warum Kinder rauskommen, und oft passiert keine Veränderung. Dann bleibt das Kind bei uns.

Sind die beiden Pflegekinder von damals noch in eurer Obhut?

Nein, die ersten gingen wieder zurück.

Das war nicht einfach, das hat man vielleicht unterschätzt. Was bedeutet es, wenn ein Kind eine Zeit lang bei dir lebt und dann plötzlich nicht mehr da ist? Für uns war dann die Entscheidung: Machen wir weiter oder nicht?

Man sagt ja: Wenn man vom Fahrrad fällt, muss man gleich wieder drauf, sonst macht man es nie wieder. So haben wir es gemacht. Wir haben gesagt: Wir machen weiter und nehmen weitere Kinder auf.

Es kam relativ schnell ein neues Angebot vom Jugendamt, ein neuer Fall, und dann ging es immer weiter. Ab da haben wir konstant Kinder aufgenommen.

Was hat euch motiviert, nach diesen ersten sicherlich sehr schönen, aber auch sehr anstrengenden und am Ende sehr schmerzhaften Erfahrungen – ihr musstet sie ja ziehen lassen –, nach all diesen emotionalen Dingen zu sagen: „Okay, wir machen weiter“?

In aller Offenheit: Ich wüsste nicht, ob ich die Kraft dafür hätte.

Ich glaube, es sind zwei Sachen. Erstens hatten wir ganz stark das Gefühl, dass Gott uns dazu beruft. Das ist für mich ein ganz entscheidender Gedanke. Wir haben dieses kurze Leben, und wenn Gott sagt: „Hey, ich gebe dir hier eine Aufgabe“, wer bin ich, dass ich sage: „Oh, ich finde was anderes sinnvoller“?

Wir haben es als Aufgabe und Leidenschaft empfunden. Zweitens hat uns der Satz von Jesus sehr motiviert: „Wer einen dieser kleinen Meinen Nächsten aufnimmt, der nimmt mich auf.“ Das hat uns sehr motiviert.

Wir glauben, dass wenn Kinder in ein Umfeld kommen, wo Gott ist – Gott ist allmächtig und allgegenwärtig –, wo Menschen mit Gott zusammenleben wollen und ihm erlauben, Dinge zu bewegen, wo eine Atmosphäre von Liebe, Annahme und bedingungsloser Wertschätzung herrscht, dann verändert das Leben.

Diese Kinder haben einen sehr schweren Start. Wir glauben nicht, dass wir diese Kinder verändern oder die absoluten Toppädagogen sind, die alles wissen, was man mit Kindern machen muss. Wir glauben, dass Gott diese Kinder verändert und uns dazu benutzt.

Krass, krass. Das ist ein sehr starkes Zeugnis. Ihr seht eure Rolle als Eltern, als Pflegeeltern – das ist ja auch ein fließender Übergang im Rollenverständnis – wirklich als Dienst?

Ja, das ist uns ganz wichtig. Das haben wir auch im IDEa-Artikel damals geschrieben. Da hat sich etwas geändert bei uns.

Am Anfang denkt man schnell: „Oh toll, jetzt haben wir Kinder bei uns, die wie unsere eigenen sind im Alltag.“ Natürlich wissen wir, dass wir den leiblichen Eltern gegenüber respektvoll sind und sagen: „Hey, wir wissen, ihr seid die leiblichen Eltern.“ Aber im Alltag macht das für uns keinen Unterschied.

Wir haben gesagt: Wenn ein Kind zu uns kommt, geben wir ihm alles, was es braucht, und halten uns emotional nicht zurück. Wenn sie es wollen, fragen wir die Kinder auch, ob wir für sie Mama und Papa sein dürfen, solange sie bei uns sind.

Also dieses Erleben eines behüteten Zuhauses ist uns wichtig.

Was hast du noch mal gefragt?

Ich wollte auf das Thema Dienst hinaus. Seht ihr das als Dienst?

Genau. Ich habe gerade umgedacht. Es gab einen Wechsel. Wir haben gemerkt, dass wir unseren Egoismus ablegen müssen. Das heißt, wir können nicht sagen: „Oh, wir bauen jetzt unsere schöne Familie, weil es biologisch nicht geklappt hat.“

Wir sagen: „Gott, diese Kinder gehören erst mal dir. Das sind deine Geschöpfe, und du hast einen Lebensplan für sie, nicht wir.“

Wir wollen das als Dienst sehen. Das hat unsere Haltung verändert. Wir ertragen Herausforderungen, weil wir wissen, es ist eine von Gott gegebene Aufgabe, ein Dienst an diesen Kindern.

Es ist nicht nur: „Gott hat uns so sehr beschenkt“, was auch stimmt, weil es wunderschön ist, mit Kindern zusammenzuleben. Aber es darf nicht unser Hauptfokus sein, zu sagen: „Oh, das ist unser Geschenk von Gott.“ Es ist unsere Aufgabe von Gott.

Krass, das setzt wirklich ein sehr starkes, emotionales und spirituelles Pflichtbewusstsein voraus. Das ist nichts Selbstverständliches.

Total.

Unterstützung der Community und Rückkehr zum Thema Leben und Ewigkeit

In wenigen Sekunden geht es weiter. Es gibt eine Möglichkeit, dass christliche Inhalte in sozialen Medien nicht verborgen bleiben. Das ist wichtig, denn es spricht sich inzwischen herum. Indem man die Glocke unter diesem Video drückt, bekommt YouTube ein Signal. So zeigt die Plattform auch nichtchristlichen Nutzern mehr christliche Inhalte an, die sie ansprechen können. Ist das nicht stark? Deshalb sollte die Glocke gerne genutzt werden, solange es möglich ist. Vielen Dank!

Ich glaube, es gibt eine Möglichkeit, das Leben an sich selbst zu verschwenden. Das klingt zwar hart, aber ich sehe das so: Man kann sein Leben an sich selbst verschwenden oder es gewinnen. Das klingt oft wie eine religiöse Phrase – etwa „Du musst sterben, damit du lebst“. Viele fragen sich dann: Was heißt das jetzt ganz praktisch?

Man könnte sich auch vorstellen, jemand steht auf dem Marktplatz und schreit herum: „Ich lösche dich rein!“ Ein Atheist denkt dann vielleicht: „Was willst du genau? Was willst du von mir?“ Oder wenn Leute sagen: „Du musst dein Leben Jesus geben“, fragt man sich: „Okay, aber wie? Und warum?“

Jesus ist für viele Menschen so etwas wie ein Mythos oder eine Erfindung, also etwas, das es gar nicht gibt. Das ist natürlich ein anderes Thema. Aber die Idee, das eigene Leben als etwas zu sehen, das man tatsächlich verlieren kann, wenn man versucht, alles nur für sich selbst zu gewinnen, bewahrheitet sich. Jesus sagt, dass man alles verliert, wenn man alles für sich selbst gewinnen will.

Das bedeutet: Wenn ich einmal weg bin, bleibt nichts mehr von mir. Vielleicht sagen alle bei der Beerdigung: „Der hat sich ein schönes Leben gemacht.“ Aber mehr bleibt nicht. Wenn ich Jesus nicht kenne, habe ich nicht einmal ewiges Leben. Dann bleibt nichts – nichts, nada – und es war umsonst.

Was bringt also ein Leben, das nichts für die Ewigkeit bewirkt? Das ist, glaube ich, der Gedanke, der mich in meinem Leben am meisten antreibt: Dass sich die Ewigkeit von Menschen verändern kann.

Gegenargumente und Umgang mit Hedonismus

Das ist wahr. Gleichzeitig könnte man aus der Perspektive des einen oder anderen Lagers sagen: Ewigkeit schön und gut, aber ich lebe ja jetzt. Ich will mein Leben jetzt genießen und kann mir ruhig etwas gönnen – Hedonismus, sinnliche Genüsse und so weiter.

Was würde man Menschen antworten, die vielleicht aus Selbstschutz solche Dinge vorbringen und sagen: „Ach, ich bin 33 Jahre alt, 25 Jahre alt oder 22, was schert mich da die Ewigkeit?“ Je nach Kontext dieser Person würde ich zunächst herausfinden, was sie überhaupt glaubt, denn manche Antworten machen für sie keinen Sinn.

Ich würde mit einem Wort antworten, das ich in der Bibel finde, nämlich im Prediger. Der Prediger sagt: Genieße dein Leben. Am Ende des Buches steht, gerade wenn du jung bist, genieße dein Leben, mach ruhig einen drauf und so weiter. Aber sei dir bewusst, dass irgendwann eine Zeit kommen wird, in der du nicht mehr rumspringen kannst, nicht mehr einen draufmachen kannst oder sportlich aktiv sein kannst, wie du willst. Du wirst Probleme haben.

Sei dir außerdem ganz bewusst, dass du irgendwann vor einem Gott stehen wirst, der dich fragen wird, was du mit deinem Leben gemacht hast. Dieser Gedanke ist für mich ein schöner Ausgleich. Ich will nicht sagen, Christen sind Spielverderber und du darfst nichts machen. Es gibt Dinge, die einfach unklug sind. Zum Beispiel finde ich Besaufen nicht besonders sinnvoll. Die Bibel sagt, das ist einfach unklug.

Aber es gibt viele Dinge, die man tun kann. Ich spiele zum Beispiel gerne Schach. Das ist nicht etwas, wo Gott sagt: „Du verschwendest dein Leben, jetzt strafe ich dich mit dem Blitz.“ Nein, wir dürfen dieses Leben auch genießen – das ist auf jeden Fall so.

Nur sollten wir uns bewusst sein, dass dieses Leben nicht nur aus Genuss besteht und dass es endet. Dann öffnet sich vielleicht eine Perspektive, in der man sagt: Vielleicht geht es wirklich um mehr als nur um meine Belustigung.

Das Bewusstsein für Ewigkeit im Alltag

Krass, das klingt so, als ob du das wirklich in der Tiefe durchdacht und durchgefühlt hast. Wie machst du das, dass dir das im Alltag gegenwärtig ist? Oder brauchst du das vielleicht gar nicht? Das ist ja auch Typensache.

Hast du das Gefühl, dass dir das in manchen Situationen im Alltag bewusster wird? Hast du bestimmte Gewohnheiten, mit denen du dir das vor Augen hältst? Was würdest du jemandem sagen, der meint: „Okay, dieses Bewusstsein im Leben der Ewigkeit, dass es ein Gericht Gottes gibt und ich vor meinem Schöpfer stehen werde – das muss man sich ja mal auf der Zunge zergehen lassen: Ich werde vor meinem Schöpfer stehen.“ Hast du das Gefühl, es gibt etwas, womit man sich das mehr klarmachen oder mehr vor Augen führen kann?

Für mich hat das im Alltag sehr viel mit Prioritäten zu tun. Für mich ist die Priorität Nummer eins Gott, und die zweite Priorität ist meine Frau. Das heißt, da weiß ich schon mal: Das sind Dinge, die Sinn machen, die wichtig sind und auch von Gottes Seite her als wichtig festgelegt sind.

Oh, bei mir geht es gerade richtig ab, ja. Vielleicht hört man es leicht im Hintergrund – gerade wird das Bett für die Kinder gemacht. Also dieses Bewusstmachen, was im Leben wichtig ist, ist für mich eine tägliche Herausforderung. Denn ich könnte mich mit ganz vielen, tollen Sachen beschäftigen. Ich bin so jemand, der auf YouTube stundenlang verbringen könnte. Ich habe schon gesagt, ich spiele gerne Schach, da kann ich stundenlang investieren. Ich mache gerne Musik, ich kann viele Sachen machen.

Nur wenn ich jetzt sagen würde, ich verbringe die meiste Zeit meines Lebens mit Schachspielen, aber investiere nicht in die Beziehung zu meiner Frau, dann mache ich etwas falsch. Ich glaube, es ist sehr wichtig, sich bewusst zu machen, was bleibt und was nicht bleibt. Wenn ich 90 Prozent meiner Zeit mit Dingen verbringe, die nicht bleiben, dann muss ich mich schon fragen: Ist das sinnvoll?

Natürlich müssen wir alle arbeiten, und wir tun Dinge, die erledigt werden müssen. Die Spülmaschine bleibt nicht von alleine leer. Die muss man ausräumen. Die Spülmaschine – das hat mich jetzt erwischt. Also klar, es gibt Dinge, die müssen wir machen. Aber auch in diesen Dingen ist es mir sehr wichtig, dass ich sage: Gott, ich möchte dich repräsentieren.

Das verändert wirklich etwas. Egal, wo ich bin, ich kann meine Arbeit machen. Mein Betrieb wird nicht ewig bleiben. Wenn ich irgendwo in einem Wirtschaftsbetrieb oder in einem Supermarkt arbeiten würde – klar, der bleibt nicht ewig. Da könnte man sich fragen: Ist das alles sinnlos? Was mache ich hier?

Aber ich glaube, es macht Sinn, wenn wir merken, dass wir dort, wo wir sind, etwas verändern können – nämlich bei Menschen. Das heißt, es macht einen Unterschied, zum Beispiel, ob ich an der Kasse sitze und diesem Menschen freundlich begegne oder nicht. Es macht für sie einen Unterschied.

Gerade wenn ich Christ bin, könnte ich beten: Gott, schenke mir Worte für diesen Menschen, damit ich ihm Ermutigung geben kann – einfach zur Verabschiedung oder so. Da merke ich, dass ich selbst – obwohl ich natürlich den Luxus habe, in der Kirche zu arbeiten und alles schön vergeistlichen zu können – leicht reden habe. Aber auch ich möchte das im Alltag leben. Da bin ich herausgefallen. Es ist kein Automatismus, und da versage ich oft.

Aber ich glaube, es muss eine Priorität sein, auf Dinge zu schauen, die bleiben, und Dinge zu erkennen, die wirklich in Ewigkeit verändern. Manchmal heißt das auch, Dinge wegzuwerfen, bei denen ich sage: Okay, das ist halt nicht so wichtig.

Bekehrungsgeschichte und persönliche Herausforderungen

Wäre es zu persönlich, wenn ich dich frage, ob du uns ein bisschen in deine Bekehrungsgeschichte mitnehmen könntest? Also, wie du zum Glauben gekommen bist?

Das kann ich gern machen. Ihr müsst euch aber ein bisschen gedulden, denn ich hole sehr weit aus, um einige Dinge zu erklären. Ich fange nämlich bei meiner Geburt an. Keine Sorge, ich lasse manche Passagen aus.

Also, bei mir fing das schon als Kind an. Ich bin christlich aufgewachsen, meine Eltern sind gläubig und haben sich bekehrt. Sie kommen selbst nicht aus christlichen Verhältnissen. Ich wäre fast am Mutterleib gestorben, es gab Komplikationen. Doch dann kam ich zur Welt, und es war alles gut.

Meine Eltern hatten eine christliche Hebamme. Ein paar Tage nach meiner Geburt hatten sie einen Impuls von Gott, eine Intuition, dass mit mir etwas nicht stimmt. Nicht im Sinne von „wie es heute meine Freunde sagen, die sagen auch bestimmt, da stimmt was nicht“, sondern wirklich, da ist ein Problem mit diesem Kind. Sie sollten bitte zum Arzt fahren.

Meine Eltern fuhren zum Arzt. Der Arzt hörte mich ab und sagte, der Herzschlag sei leicht unregelmäßig, aber nichts Besorgniserregendes. Falls sie sich Sorgen machten, sollten sie ins Krankenhaus fahren, dort könne man genauer untersuchen.

Also fuhren meine Eltern ins Krankenhaus. Ich komme aus Hamburg, damals im hohen Norden. Im Krankenhaus wurde ich auf den Untersuchungstisch gelegt. Gerade wollten die Ärzte erklären, was sie machen, als mein Gesicht blau wurde.

Ich war ein paar Tage alt, und plötzlich wurde mein Gesicht blau. Zuerst vermuteten sie eine Hirnhautentzündung, bis sie herausfanden, dass ich einen schweren Herzfehler hatte. Wäre ich zu Hause geblieben, wäre ich gestorben.

Das heißt, es war ein Wunder, dass Gott durch die Hebamme meine Eltern gewarnt hat, denn es gab keine sichtbaren Anzeichen. Wenn ich zu Hause plötzlich da gelegen hätte und mein Gesicht blau geworden wäre, hätte ich keine Chance gehabt. Damals starben 95 Prozent der Kinder an diesem Herzfehler, und in Deutschland konnte man das noch nicht operieren.

Deshalb musste ich nach London verlegt werden, wo ein Herzspezialist mich operierte. Während dieser Zeit betete die Gemeinde, in der meine Eltern waren, für mich. Eine ältere Frau bekam ein Wort aus dem Psalm: „Er wird leben und die Werke des Herrn verkündigen.“

Das haben mir meine Eltern nie erzählt, bis ich nach meinem zwanzigsten Lebensjahr meine erste Predigt hielt und dieses Wort sich bewahrheitete.

Das Problem war: Klar, ich wurde operiert, aber es gab immer noch Nachwirkungen. Auch jetzt merke ich sie wieder, frisch aus einer Corona-Erkrankung. Etwas im Herzen wird dadurch ausgelöst. Ich bin also nicht ganz gesund. Für meine Befunde bin ich sehr gesund, aber ich war nie ganz gesund.

Ich war immer jemand, der viel gelesen hat. Ich konnte sehr früh rechnen, viel schreiben und lesen – all die kognitiven Fähigkeiten. Aber Sport konnte ich nicht machen, ich war körperlich eingeschränkt.

Jeder Junge weiß, wie das in der Schule ist: Die coolsten Jungs sind meistens die Sportler. Und ich war das nicht. Ich war immer ein bisschen der Freak, sehr gut in der Schule, aber eher Außenseiter.

Das zog sich durch die Schulzeit. Ich konzentrierte mich auf die kognitiven Sachen, entwickelte aber einen schlechten Selbstwert. Obwohl meine Eltern alles taten und mich sehr unterstützten, hatte ich nie viele Freunde.

Mit zwölf oder dreizehn Jahren kam ich in Kontakt mit Pornografie, rutschte da rein und wurde pornografiesüchtig. Das steigerte sich im Laufe meines Lebens so sehr, dass ich irgendwann merkte: „Hey, das Ganze mit Gott und der Liebe – ich habe nie geglaubt, dass Gott mich liebt.“

Mein Name bedeutet „der Geliebte“ – also David. Doch ich habe das nie geglaubt. Ich fand den Namen sogar schrecklich, weil ich mich nie geliebt fühlte. Ich dachte immer, ich sei schlecht, anders, komisch.

Ich spielte eine Zeit lang Tennis, war sehr gut und hätte in einen Verein gehen können. Doch in diesem Jahr sagte mein Arzt, ich müsse mit jedem Sport aufhören. Das war ein Schlag ins Gesicht für mich.

Ich fragte Gott: „Warum hast du mich nicht gleich sterben lassen als Kind? Was soll das Ganze?“ Ich versuchte, etwas zu finden, woran ich Freude habe, versuchte herauszufinden, wer ich bin, hatte aber nur das Gefühl, ein Versager zu sein.

Das Einzige, was ich gut konnte, war reden, wie man merkt. Das steigerte sich so sehr, dass ich irgendwann sagte: „Mit Gott will ich nichts mehr zu tun haben, das ist alles Quatsch.“

Das sagte ich niemandem. Nach außen war ich der Pastorensohn, konnte alle Bibelverse zitieren, war in der Jugendarbeit aktiv. Innerlich aber starb ich mehr und mehr, war pornografiesüchtig und hatte Minderwertigkeitskomplexe.

Irgendwann hatte ich eine Freundin, zwei Jahre später heiratete ich mit 19 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir so schlecht wie nie, obwohl man von außen hätte denken können: „Der hat doch alles!“

Pastorensohn, Jugendmitarbeiter, frisch verheiratet, studiert Lehramt, gut in der Schule – alles prima. Aber der äußere Schein ist nicht alles.

Ich war immer ein guter Schauspieler. Meine Frau und ich lernten uns im Theater kennen, wo wir beide in einem christlich umgeschriebenen Stück „König Drosselbart“ spielten. Ich war der Prinz, sie die Prinzessin. Nach der ersten Aufführung fragte ich sie, ob sie meine Freundin sein möchte – richtig kitschig.

Ich konnte schon immer gut schauspielern. Als Jugendlicher übte ich jeden Abend vor dem Spiegel zu lächeln, perfektionierte meine Mimik und Gestik, weil ich auf keinen Fall abgelehnt werden wollte.

Ich wusste, ich bin schlagfertig, konnte Leute um mich scharen, die viel lachten. Das habe ich gut hinbekommen. Aber wenn ich nach Hause ging, weinte ich. Niemand wusste das, nicht mal meine Geschwister. Meine Eltern ahnten es, das haben sie mir später gesagt.

Als ich frisch verheiratet war, hatte ich mit Gott eigentlich schon abgeschlossen, obwohl ich kleine Andachten hielt. Eines Nachts wurde ich um drei Uhr wach und dachte: „Das macht alles keinen Sinn. Was mache ich hier?“

Ich war unglücklich, süchtig, obwohl verheiratet, und ich konnte nichts richtig. Ich konnte vieles, aber nichts richtig. Ein bisschen Theater spielen, aber nicht richtig, ein bisschen Klavier spielen, aber nicht richtig. Irgendwie machte alles keinen Sinn.

Ich ging raus aus der Wohnung, lief auf die Landstraße und sagte: „Das erste Auto, das kommt, nehme ich, davor werfe ich mich vor.“ Ich stand wie ein wildes Tier an der Straße, schrie und schrie.

Am Ortseingang sah ich ein Schild mit einem Kreuz und einer Aufschrift. Ich weiß nicht mehr, was darauf stand. Ich lief dorthin, sank vor dem Kreuz zusammen, schrie und weinte. Ich sagte: „Ich kann nicht mehr, das kann nicht alles sein. Wenn das Leben so ist, dann will ich nicht.“

Ich schrie zu Gott: „Ich gebe dir noch eine Chance. Du musst irgendwas machen, sonst bringe ich mich um.“ Dann lief ich nach Hause. Ich hatte überlegt, Gott noch eine Chance zu geben.

Er gab mir diese Chance. Zuhause wartete meine Frau auf mich. Das war eine riesige Krise, denn ich musste ihr erzählen, was los war.

Dann begann ein Heilungsprozess. Ich fing wieder an, die Bibel zu lesen und sagte: „Ich werde die Bibel lesen und einfach mal versuchen zu glauben. Ich lasse mich darauf ein, auch wenn ich das früher für Quatsch hielt. Aber wenn es die Wahrheit ist, probiere ich es noch einmal.“

Ich wurde nicht sofort von allem befreit. Die Pornographiesucht dauerte noch eine Weile, weil Gott mir erst einige Dinge zeigen musste. Aber es gab etwas, das sich für immer veränderte.

Ich bekam plötzlich Hoffnung, und diese Hoffnung hält bis heute an. Deshalb ist mir das Thema so wichtig: Es muss etwas geben, das uns trägt.

Für mich ist es die Hoffnung auf ewiges Leben, auf diesen Gott, der die Wahrheit sagt. Er sagt, wir werden bei ihm sein, er wird alle Tränen abwischen, es wird kein Leid und kein Geschrei mehr geben. Er wird uns zeigen, was wir tun sollen. Er ist das Ziel, und es gibt keinen anderen Weg.

Das erlebe ich bis heute. In den letzten acht Jahren hat Gott mich sehr verändert. Auch in meinen theologischen Anfängen war ich sehr eifrig im Bibellesen.

Es war wie ein Pendel: Ich las sehr viel Bibel, studierte viel und verurteilte andere Christen, weil sie nicht so viel lasen oder nicht so viel wussten. Ich sagte: „Ihr müsst doch mehr lesen!“

Das ging mir komplett so. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie viele Leute ich in meinen Anfangsjahren verprellt habe. Ich habe viel Mist gebaut.

Ich habe sicher auch viele gute Dinge aus dem Wort Gottes gesagt, aber ich war auch unreif. Und in zehn Jahren werde ich wahrscheinlich sagen, dass ich jetzt unreif war. Wir wachsen alle, zum Glück.

Dann musste Gott mir zeigen, dass er mich liebt. Das hatte ich immer noch nicht verstanden. Das zeigt er mir gerade in den letzten Jahren sehr deutlich.

Ich kann jetzt über die Liebe Gottes predigen und habe eine andere Sicht auf Gott bekommen. So geht er weiter mit uns.

So, jetzt habe ich euch einen schönen Vortrag gehalten. Ich bin dabei aufzustehen und „Amen“ zu schreien, aber ich glaube, das machen einige hier vielleicht schon.

Zum Schluss möchte ich einfach sagen: Vielen, vielen Dank für deine Ehrlichkeit und Offenheit. Das ist überhaupt nicht selbstverständlich.

Fragen nach dem Leben vor und nach dem Tod

Wenn ich eine weiterführende Sache dazu ergänzend fragen darf: Du kennst es wahrscheinlich auch, dass ganz viele Menschen in sich die Frage tragen, was nach dem Tod kommt. Das ist ja ein toller Gesprächsaufhänger, um mit Menschen über das Evangelium ins Gespräch zu kommen, auch mit apologetischen Inhalten und so weiter.

Natürlich. Aber eine Frage, die wir uns manchmal gar nicht so sehr stellen – ich zumindest nicht, oder ich erlebe es nicht, dass viele Leute sie offen aussprechen –, ist die Frage: Was kommt vor dem Tod? Ganz häufig suchen wir nach Sinn und Nachhaltigkeit nach dem Tod. Aber was ist mit dem Leben vor dem Tod? Können wir unser Leben vor dem Tod jetzt schon leben? Spinoza würde sagen: im Angesicht der Ewigkeit.

Hast du dafür einen, ja, wie soll ich das sagen, einen Gedankenanstoß? Wo du sagst, wenn jetzt jemand diesen Schrei nach Sinn, diese Sehnsucht nach dem Echten, nach dem Wahren, nach dem Authentischen spürt – also auch wenn es vielleicht nicht immer schön ist, aber es ist wahr –, wie kann ich da näher dran kommen, ohne alles durchleiden zu müssen, was du durchlebt und durchlitten hast?

Anders gesagt: Wie kann ich als Person, als Mensch weiter auf Jesus hinwachsen, ohne das Rad neu erfinden zu müssen? Ich frage dich in gewisser Weise einfach nach einer emotionalen Abkürzung.

Ich könnte jetzt ein paar Sachen aus der Bibel sagen oder das Ganze theologisch formulieren, aber ich sage es mal aus meiner Biografie. Was ich mir festgelegt habe für mich – und das ist mein Hauptsatz Nummer eins in Predigten – klingt vielleicht ein bisschen komisch, weil manche sagen würden, der Hauptsatz Nummer eins in Predigten sei „wortgetreu“ oder so. Natürlich ist das auch wichtig. Aber mein Hauptsatz in Predigten, den ich mir festgelegt habe, ist das Wort, das du schon verwendet hast: authentisch. Denn genau das habe ich gemacht: Ich habe allen etwas vorgemacht.

Und ich glaube, wenn Jesus sagt: „Wer mich sucht, wird mich finden“, dann liegt es vielleicht manchmal nicht daran – ohne dass ich jetzt jemandem einen Karren fahren will –, dass Gott sich nicht finden lässt und dass wir nicht suchen. Sondern es liegt daran, dass wir nicht ehrlich suchen und nicht ehrlich mit uns selbst sind.

Das würde ich jedem empfehlen: Wenn man sagt, „Hey, ich sehne mich danach“ oder „Ich suche da etwas“, dann sollte man erst mal ehrlich sein. So oft sind wir nicht ehrlich mit uns selbst. Wir glauben, dass wir ach so toll sind, und sind es nicht. Wir glauben, dass wir kein Problem haben, und haben eins.

Was ich mir eingeredet habe in meiner Pornografiesucht: „Ich bin nicht süchtig, ich bin nicht süchtig“, obwohl ich jeden Tag geguckt habe, weißt du? Und irgendwann merke ich: Diese Traumblase platzt. Ja. Und ich meine, natürlich bin ich süchtig. Ja, ich bin zutiefst gefangen. Ich komme da einfach nicht mehr raus.

Ich erlebe so viele Menschen, die das, was ich jetzt hier gemacht habe, noch nie gemacht haben – nicht mal in einem Zweiergespräch. Die zwanzig Jahre lang Probleme und Fragen mit sich herumtragen und sie noch nie ausgesprochen haben.

Was ich erlebe, ist Folgendes: Wenn ich das hier zum Beispiel erzähle – und ich will nicht sagen, dass mein Leben irgendwie ganz krass ist, weil das ist es nicht –, jeder hat Probleme im Leben. Aber wenn ich hinstehe und ein paar Dinge aus meinem Leben erzähle, einfach das, was ich erlebe, dann merke ich, gerade auf Jugendveranstaltungen, dass sich eine Schlange von Jugendlichen bildet. Sie sagen mir Sachen, die sie noch nie jemandem gesagt haben. Das sind richtig krasse Dinge.

Sie kommen zu mir und sagen: „Ich habe das jetzt noch nie jemandem gesagt.“ Ich höre immer denselben Satz: „Das habe ich noch nie jemandem gesagt.“ Und dann sagen sie es mir. Und ich merke, was für eine Last von ihnen abfällt. Was für eine Last abfällt, wenn endlich mal diese Wahrheit ans Licht kommt, was eigentlich los ist.

Jesus sagt, er ist der Arzt. Aber ein Arzt kann nur etwas machen, wenn ich auch zum Arzt gehe. Mein Hausarzt jedenfalls kommt nicht jede Woche und fragt: „Und, wie sieht’s aus?“, sondern erwartet auch, dass ich komme.

Die meisten gehen zum Arzt, wenn es schon zu spät ist und wenn man schon operieren muss. Dann wird es schmerzhaft. Das heißt, manche müssen durch Schmerzen hindurch. Ja, das ist so. Aber besser, ich bin danach gesund, als dass ich in zehn Jahren tot bin.

Lieber erfahre ich einen kurzen Schmerz, als dass ich einen ewigen Schmerz erlebe. Das rate ich ganz stark Leuten.

Vielleicht kennen mich Leute vom Apologetik-Channel. Das ist jetzt ein sehr anderer Ansatz, als ihr mich dort vielleicht seht. Obwohl wir dort immer sagen, Simon und ich sind Good Cop und Bad Cop. Ich bin schon eher der Good Cop. Stimmt wirklich.

Aber es ist eben auch so, dass wir unterschiedliche Geschichten haben und das auch zu unseren Persönlichkeiten gehört.

Neben all den Fakten, die mir sehr wichtig sind – und wo ich auch sage: „Okay, wenn du suchst, dann musst du auch Fakten suchen und nicht auf irgendwelche Traumblasen setzen“ –, ist das alles sehr wichtig. Deswegen mache ich apologetische Arbeit.

Du musst schon wissen, was du glaubst und warum du es glaubst. Aber du musst auch ehrlich sein, bevor du dir überhaupt diese Frage stellst.

In der Apologetik sagen wir: Das Hauptproblem ist nicht intellektuell, das Hauptproblem ist motivational. Leute wollen nicht, dass Gott existiert. Das heißt, da ist schon eine gewisse Unehrlichkeit.

Wenn jemand eigentlich gar nicht will, dass er Gott findet, warum erwartet er dann, dass Gott irgendetwas in seinem Leben tut? Wenn ich eigentlich gar nichts verändern will, warum soll ich dann erwarten, dass es mir irgendwann besser geht?

Ehrlichkeit und der Weg zu Gott

Dave spricht in seinem Beitrag viel über Sinn, über die Ewigkeit und auch darüber, was nach dem Tod kommt. Dabei habe ich mich mehrfach positiv ertappt gefühlt. Weißt du, was ich meine? Manchmal lebe ich einfach so in den Tag hinein und springe von einem To-Do zum nächsten. Dave fragt jedoch danach, worauf es wirklich ankommt und wie wir vor Gott treten werden – denn das werden du und ich beide.

Um daran anzuknüpfen, habe ich dir den Bibelfit-Leitfaden zur Versöhnung mit Gott erstellt. Dort findest du auch ein kurzes Audio für unterwegs, das auf den Punkt bringt, worum es im Christentum geht und was im Leben sowie im Sterben trägt. Du kannst es dir gern kostenlos herunterladen. Klicke dafür einfach auf den Link in der Videobeschreibung.

Und weiter mit Dave: Also das sind für mich solche Dinge, zum Beispiel, dass wir ehrlich sind in Beziehungen. Ich musste meiner Freundin, bevor wir verheiratet waren, sagen, dass ich pornografiesüchtig bin. Lieber Scholli, das war echt nicht einfach. Besonders schwer war, dass ich in der Ehe immer wieder gefallen bin – wieder und wieder und wieder. Ich habe ihr gesagt: „Ich werde es dir sagen. Wenn ich merke, dass ich nicht raus bin, dann sage ich dir, dass ich immer noch dieses Problem habe, dass ich Hilfe brauche und dich um Vergebung bitte.“

Das sind Dinge, bei denen ich merke, dass sie viel Kraft erfordern, die ich nicht habe. Ich muss bereit sein, dann gibt Gott mir die Kraft, und dann kann ich ehrlich sein. Das ist für mich mein Leitsatz: Ich will Menschen nichts vormachen, auch wenn ich predige. Ich will mich nicht so darstellen, als sei in meinem Leben alles perfekt und alle Probleme gelöst. Stattdessen sage ich: Ich glaube, dass Gott Recht hat, und das ist meine Hoffnung. Nicht, dass ich perfekt bin – das ist nicht meine Hoffnung.

Also, wenn jemand sagt: „Okay, ich suche das“, dann glaube ich, dass Gott es dir gibt. Das ist meine Antwort. Glaube, dass Gott es dir gibt, wenn du suchst. Das habe ich erlebt, das haben Tausende Menschen erlebt, Millionen Menschen haben erlebt, dass sie finden, wenn sie suchen.

Dave, jetzt hast du alle Fragen beantwortet, die ich schon zu deinen vorherigen Beiträgen stellen wollte. Ich hätte eine abschließende Frage an dich, wenn ich darf: Was glaubst du, kann jemand beten, der jetzt einen ähnlichen Schrei nach Sinn spürt wie du? Der diesen Hunger nach Authentizität und Ehrlichkeit so stark wahrnimmt?

Es gibt diesen einen Psalm von David, wo er sagt: „Prüfe mein Herz, ob ich auf dem richtigen Weg bin“ – so ganz grob zitiert – „ob ich es recht meine.“ Bete das! Bete das und hab keine Angst davor, dass Gott dir dein Herz zeigt. Das ist zwar richtig unangenehm. Da kommen Dinge an die Oberfläche, auch in meinem Leben. Weißt du, da dachte ich, da werde ich nie Probleme mit haben – boom! – und plötzlich merke ich, oh hoppla, da kann ich doch Probleme bekommen.

Manchmal denken wir, wir sind so gefeit vor menschlichen Schwächen oder vor Sünden, gerade im christlichen Kontext. Und plötzlich merken wir: Oh hoppla, so gut bin ich doch nicht. Ja, das kann schmerzhaft sein. Aber ich empfehle dir einfach, das zu machen, was Jesus sagt.

Jesus sagt: Wenn du betest, dann geh in deine Kammer, also in dein Zimmer, schließe die Tür zu. Du brauchst kein großes Tamtam. Das ist nicht schlecht, aber dafür brauchst du es nicht. Geh in dein Zimmer, schließe die Tür, geh auf die Knie oder setz dich hin, mach es dir bequem. Das ist, glaube ich, Gott nicht so wichtig. Und sag einfach das zu Gott, was ich gesagt habe: „Gott, wenn du die Wahrheit sagen willst, dann zeig sie mir.“ Und ich glaube, dass er das ernst nimmt.

Nur du kannst nicht entscheiden, wie er das macht. Das kannst du nicht. Aber du kannst ihm die Erlaubnis geben und sagen: „Ich vertraue dir jetzt.“ Dann wird er etwas tun, das glaube ich. Und es wird damit beginnen, dass sich nicht sofort die äußeren Umstände ändern, sondern dass eine Stimme in dir kommt – der Heilige Geist. Dieser Geist Gottes, das ist Gott selbst, wird dir etwas sagen.

Dann bist du herausgefordert, zu gehorchen oder nicht. Oder was heißt gehorchen? Das klingt ein bisschen militant, obwohl das auch ein wichtiges Wort ist. Aber ich sage mal, dich darauf einzulassen. Ich glaube, dass Gott das tut, wenn du ihn darum bittest, dass er dir Dinge zeigt. Und das bedeutet manchmal, dass du Menschen aufsuchen und ehrlich sein musst.