Anfangsverwirrung und erste Schritte im Glauben
Weißt du, als ich damals noch auf dem Weg war, Christ zu werden, war das am Anfang sehr verwirrend. Alle sprachen ständig vom Glauben. Du musst glauben, der Glaube hilft, mein Glaube hier, unser Glaube dort – und so weiter und so fort. Ich dachte nur: Okay, das mit dem Glauben scheint euch wichtig zu sein, aber was genau soll ich jetzt glauben?
Soll ich an Jesu Auferstehung glauben? Soll ich an die Jungfrauengeburt glauben? Soll ich an die Entrückung glauben? Oder soll ich daran glauben, dass Gott die Welt in sechs Kalendertagen geschaffen hat? Es kamen viele gut gemeinte Ratschläge von allen möglichen Seiten. Aber mich hat das am Anfang irgendwie überfordert.
Dann begann ich, den kleinen Katechismus von Martin Luther zu lesen. Der war hilfreich. Auch beschäftigte ich mich intensiv mit dem Apostolikum, dem apostolischen Glaubensbekenntnis: „Ich glaube an Gott, den Vater ...“ Das war wirklich wichtig, und ich kann es jedem nur empfehlen. Dort steht auch etwas von der Jungfrauengeburt, aber nichts von der Entrückung und auch nichts davon, dass die Welt in hundertvierzig Stunden geschaffen wurde. Theoretisch könnten beides vielleicht stimmen, aber dann stellt sich wieder die Frage: Wie zentral ist das?
Also zurück zum Anfang: Was genau soll ich eigentlich glauben? Ich erinnerte mich an die ersten Gespräche, die ich jemals mit Christen hatte. Sie wollten mich überzeugen und sagten: „Glaub daran, dass es einen Gott gibt.“ Du musst wissen, ich bin als Atheist unter Atheisten aufgewachsen. Das war nicht schlimm, aber als ich das hinterfragte, wurde ich skeptisch gegenüber meiner eigenen Skepsis.
Schrittweise musste ich einsehen, dass mein eigener Atheismus, sobald ich genauer hinsah, an vielen Punkten sehr unlogisch war und an vielen Stellen auch nicht zur Realität passte.
Der Weg dahin und das, was ich emotional auf dem Weg zum Christen durchgemacht habe, habe ich letztes Jahr in meinem Buch „Kein Gott ist auch keine Lösung“ zusammengefasst. Ihr scheint das Buch ziemlich gefeiert zu haben, denn es stand mehrere Wochen auf Platz eins der Amazon-Bestsellerliste für Fachbücher zum Thema Christentum.
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Erste Erkenntnisse zum Glauben und historische Fakten
Lange Rede, kurzer Sinn: An Gott zu glauben war für mich ab einem gewissen Punkt tatsächlich machbar.
Glauben, dass Jesus existiert hat? Das ist easy, ja – das meine ich sogar ernst. Jeder säkulare, atheistische Historiker auf diesem Planeten wird mittlerweile unterschreiben, dass Jesus wirklich gelebt und gelehrt hat. Ebenso, dass er an einem römischen Holzkreuz zu Tode gefoltert wurde. Das ist historisch sicher.
Aber worum geht es eigentlich? Was ist, wenn jemand nicht an Gott glaubt? Wenn ich nicht an Gott glauben würde, komme ich dann dafür in die Hölle? Ist das wirklich so? Das wäre ja irgendwie unfair. Denn was ist, wenn die Christen damals nicht genug Geduld mit mir gehabt hätten, um auf jede einzelne meiner Fragen zu antworten?
Oder: In den ersten Jahren meines Lebens hatte ich lange Zeit nichts mit Christen zu tun, weil ich einfach keine getroffen habe. Die gab es einfach nicht, wo ich war. Dann stellt sich die Frage: Was wäre, wenn ich niemals irgendwelche Christen getroffen hätte? Soll ich einfach nur glauben, dass es Gott gibt, und zur Belohnung komme ich dann irgendwie in den Himmel?
Du merkst schon, das klingt irgendwie schräg. Und das wäre auch ehrlich gesagt ganz schön unverhältnismäßig. Außerdem hat das mit Jesus nicht viel zu tun. Vor allem würde dann eigentlich jeder, der an Gott glaubt, automatisch in den Himmel kommen.
Da dachte ich mir: Lass uns das doch mal testen. Was wäre, wenn es im Christentum nur darum geht, dass jeder an Gott glauben soll und dass es Jesus wirklich gab? Passt das wirklich zur Bibel? Und was genau meint denn eigentlich Glauben in der Bibel selbst?
Und damit herzlich willkommen beim Bibelfit-Projekt, wo wir versuchen, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und harte Fragen von Nichtchristen zu beantworten.
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Die Frage nach dem richtigen Glauben
Was soll ich also glauben? Soll ich an Gott glauben? Ist es so, dass man nur an Gott glauben muss und dann gut ist? Und zur Belohnung komme ich in den Himmel? Oder steckt da mehr dahinter? Schauen wir es uns genauer an.
Im Neuen Testament findest du mehrere Beispiele von Menschen, die an Gott geglaubt haben und trotzdem in die Hölle kommen. Das bekannteste Beispiel ist Judas, der Jesus verraten hat. Von ihm heißt es, es wäre besser, wenn er nie geboren wäre. Ein nichtmenschliches Beispiel ist der Satan, der im Hiobbuch sogar von Angesicht zu Angesicht mit Gott spricht und trotzdem am Ende in die Hölle kommen wird.
Jesus selbst spricht sogar von Menschen, die an ihn glauben und ihn Herr nennen – und trotzdem werden diese Menschen in die Hölle kommen. Ist es also wirklich so einfach, dass es nur darauf ankommt, an Gott zu glauben, um in den Himmel zu kommen? Spätestens beim Jüngsten Gericht werden ja alle Gott sehen. Dort werden viele Menschen direkt in die Hölle verurteilt.
Auch Engel glauben von Anfang an an Gott. Sie wissen mehr über Gott, sein Wesen und seine Existenz als du und ich. Trotzdem gibt es gefallene Engel, die in die Hölle kommen.
Du siehst also, dass das einfache „Glaub nur, dass es Gott gibt“ nach dem Neuen Testament im biblischen Christentum ganz klar nicht ausreicht.
Zweifel und neue Einsichten zum Glauben
Also saß ich wieder da und begann, darüber nachzudenken: Kann es sein, dass ich vielleicht der Falschfahrer bin? Dass ich das vielleicht falsch verstanden habe? Ist das möglich? Und siehe da, ich fürchtete schon, dass ich es damals tatsächlich falsch verstanden hatte. Dann machte es langsam Klick.
Dazu möchte ich dir etwas sehr Spannendes zeigen, bei dem bei vielen Leuten schon ein Licht aufgegangen ist. Weißt du, wenn du aus einem nichtchristlichen Hintergrund kommst, sagen dir viele christliche Vokabeln zunächst erst einmal nicht viel.
Ein Beispiel, das zum Lachen ist: Als mir jemand das erste Mal sagte, er wolle mir sein Zeugnis geben, dachte ich, ich zeige dir meins aber nicht. Ich wollte nicht, dass du meine Chemienote siehst. Das ist ernst gemeint! Erst Wochen später dämmerte es mir, als mir jemand erklärte, dass Zeugnis geben nichts mit Noten zu tun hat, sondern bedeutet, dass man jemand anderem erzählt, wie man Christ geworden ist. Da musst du erst einmal draufkommen.
Also, lassen wir uns mal zum Duden greifen. Dort steht unter dem Begriff „Glauben“, dass es bedeutet, etwas für möglich und wahrscheinlich zu halten. Das hieße also, an Gott zu glauben, bedeutet, Gott für möglich und wahrscheinlich zu halten.
Sobald du dich mit dem biblischen Gott beschäftigst, musste ich zumindest als damaliger Atheist einsehen: Mein Atheismus war sehr, sehr unwahrscheinlich. Mehr noch, er hatte mehrere große logische Probleme in sich. Dass es Gott gibt, ist absolut möglich und sogar sehr wahrscheinlich. Den Weg dahin habe ich in meinem Buch skizziert. Wie gesagt, du kannst es dir gern als E-Book und Hörbuch herunterladen. An dieser Stelle überspringe ich das jetzt mal.
Im Duden steht weiter zum Begriff Glauben: „Von der Existenz einer Person oder Sache überzeugt sein.“ Klar, so hätte ich es auch verstanden. Wenn jemand sagt: „Ich glaube an Gott“, dann heißt das, ich bin überzeugt von der Existenz Gottes. Und wenn jemand sagt: „Ich glaube an Jesus“, dann heißt das, ich bin überzeugt von der Existenz von Jesus. So weit, so gut.
Glauben im Neuen Testament – eine andere Bedeutung
Aber jetzt kommt das Entscheidende, nämlich: Ist das, was im Duden unter „glauben“ steht, also was in der deutschen Sprache mit Glauben gemeint ist, wirklich das, was im Neuen Testament gemeint ist, sobald dort „Glauben“ steht?
Deswegen dachte ich mir, lass uns doch mal kurz zwei, drei Minuten nehmen, das ausprobieren und diese Vermutung einfach testen. Wir schauen uns ein paar Stellen aus dem Neuen Testament an, in denen es um Glauben geht, und prüfen, ob das, was im Duden steht, dazu passt – natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Das klingt erst mal ganz einfach, zum Beispiel in Johannes 6, wo Jesus sagt: Amen, leguhymin, also „Ja, ich versichere euch“, hoppistoion eis emet, „der, der an mich glaubt, echei zoen aionion“, „der hat ewiges Leben“.
Aber dann findest du ein bisschen später im Neuen Testament, im 2. Thessalonicherbrief, eine Stelle, wo es heißt: Ugar panton hepistis, „nicht jeder hat oder auch nicht jeder will glauben“. Da denkt man sich: Was hat das mit Willen zu tun?
Hm, schauen wir mal weiter. In Matthäus 27 ist die Rede davon, dass Jesus gerade gefoltert wird. Dann kommen ein paar Schriftgelehrte, Priester und Älteste dazu, sprechen zur Menge und sagen: „Katabato nyn, apotou staurou“, das heißt „Er soll doch jetzt vom Kreuz herabsteigen“, „kai pistoisomen auto“, „und dann werden wir an ihn glauben“.
Das ist irgendwie komisch, denn wenn man hier das einsetzt, was wir gerade aus dem Duden gelernt haben – nämlich Glauben als „für möglich und wahrscheinlich halten“ oder „von der Existenz einer Person überzeugt sein“ –, dann hieße das: „Soll er doch jetzt vom Kreuz herabsteigen, und dann werden wir ihn für möglich halten.“ Oder anders gesagt: „Soll er doch jetzt vom Kreuz herabsteigen, und dann werden wir von seiner Existenz überzeugt sein.“
Hä? Also wenn Jesus vom Kreuz heruntersteigen würde, dann wären sie überzeugt davon, dass er existiert. Aber solange Jesus noch am Kreuz hängt, sind sie nicht davon überzeugt, dass er existiert?
Will man mir also sagen, dass sie nicht denken, dass Jesus real ist – den sie vor wenigen Stunden zum Tod verurteilt haben, über den sie gerade selbst sprechen, den sie da sehen und vor dessen Kreuz sie stehen? Das macht keinen wirklichen Sinn. Da sieht man schon, dass irgendetwas kräftig nicht passt.
Eine andere Bibelstelle, wo wir das testen können, ist Johannes 4. Jesus ist in Galiläa, und es heißt: „Epen un ho Jesus“, also „Jesus sagte nun“, „pros auton“, zu ihm: „Ean me Semeja kai Terata edete u me Pistoisete“, „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder zu sehen bekommt, glaubt ihr nie.“
Das kann nicht damit zu tun haben, an Jesus zu glauben, denn er stand ja schon vor ihnen. Es kann auch nicht damit zusammenhängen, an Gott zu glauben, weil Jesus hier in Galiläa ist, in der Gegend von Kana, wo die Menschen gläubige Juden sind. Für sie ist es eine absolute Selbstverständlichkeit, dass Gott existiert.
Das heißt, es muss etwas anderes sein, was mit dem Wort „Glauben“ gemeint ist, und das muss etwas mit Jesus zu tun haben.
Eine weitere Stelle, die zum Nachdenken anregt, ist Johannes 12, wo es heißt: „Tosauta de autu sem meia pepoje kotos emprosten auton“, „Obwohl Jesus so viele Wunderzeichen vor den Menschen getan hatte, glaubten sie nicht an ihn.“
Setz hier mal das aus dem Duden ein: „für möglich oder wahrscheinlich halten“. Also: „Obwohl Jesus so viele Wunder vor ihnen getan hatte, hielten sie ihn nicht für möglich.“ Oder anders: „Obwohl Jesus so viele Wunder vor ihnen getan hatte, waren sie nicht davon überzeugt, dass er existiert.“
Okay, also muss „wahrscheinlich“ bedeuten, dass sobald im Neuen Testament „Glauben“ steht, wahrscheinlich etwas anderes gemeint ist, als das, was der deutsche Duden unter „Glauben“ versteht.
Weitere Beispiele für die besondere Bedeutung von Glauben
Drei letzte Beispiele zeigen, dass mit „Glauben“ im Neuen Testament etwas ganz anderes gemeint sein muss als in der normalen deutschen Sprache.
Zum Beispiel in Johannes 2, wo es heißt: „autoste ho Jesus, ou episteusen he auton autois, dioti auton ginosken“ – das bedeutet, Jesus glaubte nicht an sie, die Umstehenden. Jesus glaubte also nicht an die Umstehenden. Warum? Weil er alle kannte. Das heißt nicht, dass Jesus nicht glaubte, dass sie existierten oder real waren, sondern es meint etwas anderes.
Eine weitere Stelle findet sich in Johannes 7, wo es heißt: „Oudegar ho Adelfoi autou episteusan eis auton“, also auch seine Brüder, das heißt Jesus’ leibliche Geschwister, „wir glaubten nicht an ihn“. Hier wird glasklar, dass mit dem Wort „Glauben“ etwas ganz anderes gemeint sein muss.
Setzt man das Wort „Glauben“ laut Duden ein – also „davon ausgehen“ oder „überzeugt sein, dass eine Person real ist“ –, dann sind Jesus’ Geschwister natürlich davon überzeugt, dass er real ist. Also muss das, was dort mit „Glauben“ gemeint ist, etwas ganz anderes sein.
Schauen wir dazu auch in Johannes 6, wo Jesus sagt: „Hērate kai pisteuete“ – „Ihr habt mich gesehen und glaubt nicht an mich.“ Laut Duden würde das heißen: „Ihr habt mich gesehen und glaubt nicht, dass ich existiere.“
Zur Klarstellung: Für uns, die wir verstehen wollen, was in der Bibel mit „Glauben“ gemeint ist, ist das, was im Duden dazu steht, ehrlich gesagt ziemlich wertlos. Hier ist die falsche deutsche Vokabel verwendet worden. Eigentlich müsste dort etwas anderes stehen als „Glauben“, denn hier ist etwas ganz anderes gemeint als das, was der deutsche Duden unter „Glauben“ versteht.
Auf der Suche nach der richtigen Bedeutung von Glauben
Na toll, was genau ist nun gemeint mit „glauben“ im Neuen Testament? Ich bin da allein nicht weitergekommen und bin deshalb für dich zur Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek gefahren, um zu schauen, ob kluge Menschen vor dir und mir dieses Problem schon gelöst haben. Und schau mal, was ich da gefunden habe.
In Johannes 1 heißt es zum Beispiel: „Hosei de elabon auton“, das heißt „So viele aber, die ihn aufnahmen“ – also so viele, die Jesus in ihr Leben, in ihr Herz aufnahmen. Ja, „edoken autois exousian“, denen gab er das Recht, denen gab er die Vollmacht – was für eine Vollmacht? „tegnatiu genestai“, nämlich Kinder Gottes genannt zu werden, Kinder Gottes zu werden. Und zwar „tois pistoiusin esto onoma autu“, denen, die an seinen Namen glaubten. Das heißt, der Name ist eine Bezeichnung. Es geht um die Bedeutung Gottes und um die Bedeutung von Jesus. Glaube hat also etwas mit der Bedeutung und Rolle von Jesus zu tun.
Okay, schauen wir mal weiter. In Johannes 8 finden wir einen harten Vers, wo Jesus sagt: „Apothaneiste eistheis hamathiais hymon“, ihr werdet in euren Sünden umkommen. Es heißt weiter: „Ean ga me pistheusete hoti ego eimi“ – wenn ihr nicht glaubt, dass ich derjenige bin, dann „apothaneiste entheis hamathiais hymon“, dann werdet ihr in euren Sünden umkommen, sagt Jesus. Du denkst vielleicht, das ist nicht sehr christlich von Jesus, aber so steht es wirklich in der Bibel.
Das mit der Sünde habe ich damals als Atheist sofort verstanden. Aber zum Glauben lernen wir: Es hat wieder etwas mit der Rolle von Jesus zu tun, dass Jesus wirklich der ist, der er sagt, dass er ist, und wie wir dazu stehen.
Im selben Kapitel kannst du lesen, dass Jesus zu den Israeliten, die schon an ihn glaubten, sagte: „Ean hymes mehnete ento logo to emmo, alethos mathetai mu este.“ Wenn ihr in meinem Wort bleibt, dann seid ihr wirklich meine Jünger. Es hat also etwas damit zu tun, Jesus ernst zu nehmen und an seine Worte zu glauben.
Dann ein sehr wichtiger Dialog aus Johannes 11, wo Jesus sagt: „Ego eimi he Anastasis kai he zoe“ – ich bin die Auferstehung und das Leben. „Ho pisteuon eis emme kan apothanei, zēsetai.“ Der, der an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Also nochmal: Jesus sagt, ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Es hat also etwas mit Leben zu tun.
Und dann heißt es weiter: „Kai pas ho zōn kai pisteuōn eis eme ou mē apothanē eis ton aiona.“ Jeder, der lebt und an mich glaubt, wird niemals, in Ewigkeit nicht sterben. Und dann heißt es weiter: „Pisteueis touto?“ Glaubst du das? Die Frau, mit der Jesus spricht, antwortet: „Naikōde, nai, mein Meister, ja.“ Dann sagt sie weiter: „Ego pepistoika hoti sy ei ho Christos, ho huios tou Theou, ho erchomenos eis ton kosmon.“ Das heißt also: Ja, mein Meister, ich habe bereits angefangen zu glauben, dass du der Christus bist, der Messias, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.
Das heißt, sie hat angefangen zu glauben. Okay, jetzt wird es wärmer. Es geht irgendwie darum, dass Glaube im Neuen Testament bedeutet, an Jesus’ Worte festzuhalten, Jesus ernst zu nehmen und sich in seiner Haltung auf Jesus einzulassen. Und wer Jesus ist: nämlich der Retter der Welt, der in die Welt gekommen ist.
Und dann hat das etwas mit Leben, Tod und Auferstehung zu tun. Du merkst schon, bei unserem Topfschlagen wird es immer wärmer.
Schau mal rein in Galater 2, wo es heißt: „Hoti ou dikaioutai anthropos ex ergon nomou, ean me diapisteos Iēsou Christō.“ Ihr wisst, wir wissen, dass kein Mensch vor Gott gerecht gesprochen wird, dass kein Mensch vor Gott bestehen kann, wenn er versucht, das Gesetz selbst einzuhalten, also wenn er versucht, ein guter Mensch zu sein. Das funktioniert nicht. Sondern weiter heißt es: „sondern nur durch den Glauben an Jesus Christus.“ Das heißt, wenn ich an Jesus Christus glaube, dann kann ich vor Gott bestehen.
Warum eigentlich? Wieso muss ich irgendetwas glauben, um vor Gott bestehen zu können? Warum kann ich nicht einfach so vor Gott bestehen? Warum reicht das allein nicht? Die Antwort dazu findest du im Alten Testament, zum Beispiel an ganz vielen Stellen, aber zum Beispiel in Jesaja 59, wo es heißt: „Ki im avonothechem.“ Also auf Deutsch: Eure Verbrechen, eure Vergehen trennen euch von eurem Gott. Eure Verbrechen schieben euch weg von Gott.
Und dann heißt es noch weiter: Eure Sünden trennen Gottes Angesicht von euch. Mit euren Sünden schiebt ihr euch von Gottes Blick weg. Also hat das etwas mit Sünden zu tun und damit, dass diese nicht mehr da sein sollen. Und jetzt sind wir nah dran.
Glaube als Rettung vor Schuld und Gottes Zorn
Lassen wir uns in zwei der wichtigsten Kapitel des Neuen Testaments hineinschauen, um das Rätsel zu lösen.
Zunächst 1. Korinther 15. Dort heißt es: eidisch Christos ouk egertai – also wenn Jesus, der Christus, nicht von den Toten auferweckt wäre, was wäre dann?
Dann Matthäus, Herr Pistis Hymon – also „Dann ist euer Glaube total hohl“. Weiter heißt es: Warum? Jetzt wird es wichtig: eti este entai hamathiais hymon – „Denn dann seid ihr von eurer Schuld nicht frei“.
Wir sind also ganz nah dran. Das bedeutet, sobald im Neuen Testament von Glauben die Rede ist, ist etwas gemeint, das uns von Schuld freimacht.
Kommen wir nun zu unserer letzten Station auf der Reise durch die Bibel, nämlich Johannes 3, dieses so wichtige Kapitel. Dort sagt Jesus: „Wer nicht an den Sohn glaubt“ – Jesus sagt: „Wer nicht an mich glaubt, der wird das Leben nicht sehen.“
Und jetzt hör genau hin: „Sondern“, sagt Jesus, „al he orge tou Theou“ – also „sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm“.
Noch einmal: Wer nicht an den Sohn glaubt, wer nicht an mich glaubt, sagt Jesus, wird das Leben nicht sehen, sondern Gottes Zorn bleibt auf ihm.
Das heißt, Glaube hat etwas mit Gottes Zorn zu tun. Es ist nicht so, dass Gottes Zorn erst kommt, wenn ich nicht glaube, sondern der Zorn Gottes bleibt – das heißt, der Zorn Gottes ist jetzt leider schon da.
Das ist sehr, sehr wichtig. Weißt du, aus Römer 2 lernen wir, dass Gott seinen Zorn, der jetzt schon da ist, nur aufspart. Und durch das – ehrlich gesagt, da brauche ich nicht viel Erklärung – durch das, was wir an Leid, was du und ich an Leid, an Ungerechtigkeit und an Unheiligkeit in die Welt hineintun, da stocken wir Gottes Zorn nur auf.
Das heißt, dieser Zorn ist in der Bibel ein gerechtfertigter Zorn. Schon im ersten Buch der Bibel, in den ersten Kapiteln, heißt es: Haschophet kol hada adetz – „Sollte der Richter der ganzen Welt nicht gerecht richten?“
Das hilft uns viel weiter, denn durch das, was Glauben meint, muss dieser gerechtfertigte Zorn Gottes auf das, was du und ich an Leid, an Unrecht und an Unheiligkeit in die Welt hineingebracht haben, nicht bleiben.
Durch Glauben können wir diesen Zorn von uns abwenden.
Die zentrale Botschaft des Glaubens
So, genug mit dem Spannungsbogen. Was ist jetzt die Auflösung? Die Antwort findest du in Johannes 3,16. Das ist der wichtigste Vers der Bibel, in dem Jesus selbst sagt: "Hutos ga egapesen ho Theos ton Kosmon," also: So sehr hat Gott die Welt geliebt.
Was geliebt? Wen geliebt? Die Welt. "Hoste ton hyion autou edoken ton monogenēn," so dass er seinen einzigen Sohn gegeben hat, "hina pas ho pisteuōn eis auton me apolētai," damit jeder, der an ihn glaubt, nicht vernichtet wird, sondern ewiges Leben hat.
Das heißt: Glaube schützt vor dem jüngsten Gericht. Glaube bedeutet, sich auf Jesus einzulassen. Glauben hat etwas damit zu tun, Jesus ernst zu nehmen, so wie er ist. Glauben heißt, Jesus als den Retter der Welt anzusehen und sich an ihm festzuklammern.
Ich bringe es auf den Punkt: Wenn im Neuen Testament von Glauben die Rede ist, dann meint das nicht das, was wir im Deutschen unter Glauben verstehen. Das ist ehrlich gesagt sogar falsch übersetzt, denn eigentlich müsste dort etwas anderes stehen. Die Bibel, das Neue Testament, meint damit etwas ganz anderes.
Es geht um Gericht, um Gottes Zorn, aber auch um einen Ausweg und Vergebung. Vor diesem Hintergrund geht es darum, wie du zu Jesus stehst. Soll Jesus dein Richter sein oder dein Retter? Es geht darum, dich an Jesus für den Tag des jüngsten Gerichts festzuklammern – wie an einen Rettungsring.
Sprachlich und grammatikalisch richtig übersetzt heißt der wichtigste Vers der Bibel deshalb wörtlich Folgendes: "So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingegeben hat, damit jeder, der sich an ihn, den Sohn, festklammert, nicht vernichtet wird, sondern ewiges Leben hat."
Das ist die Bedeutung. Und genau das findest du in jeder Universitätsbibliothek, wenn du in einem theologischen Wörterbuch nachschlägst, was das griechische Wort pistos oder pistis im Neuen Testament meint. Du kannst das selbst nachschlagen.
Deshalb solltest du nicht auf das sogenannte fideistische Missverständnis des Christentums hereinfallen. Dieses Missverständnis besagt, dass es im Christentum angeblich darum ginge, etwas für wahr zu halten. Das ist aber gar nicht der Punkt.
Glaube als lebensrettende Entscheidung
Lass mich dir ein ganz einfaches Beispiel geben. Es ist so, als würde dir jemand sagen, in der Fahrschule geht es darum, wie du ausparkst. Klar, das kommt darin vor, und ohne Ausparken wird Autofahren auch schwierig. Aber das ist nicht der Hauptzweck.
Was du in der Fahrschule hauptsächlich lernst, ist etwas anderes. In der Fahrschule lernst du, wie du sicher ans Ziel kommst, ohne unterwegs verloren zu gehen und ohne dein Leben zu riskieren.
Deshalb bedeutet Glaube im Neuen Testament genau zwei Dinge. Erstens heißt es, anzunehmen, dass Jesus der ist, der er sagt, dass er ist – nämlich Gott in Menschengestalt. Zweitens bedeutet es, dich fest an diesen Jesus zu klammern und an das, was er für dich getan hat: stellvertretend für dich und für deine und meine Verbrechen zu sterben.
Das geschah für den Tag des Jüngsten Gerichts, damit du und ich freigesprochen werden können. Und das ist die neutestamentliche Botschaft in acht Worten: Jesus starb für dich, du kannst freigesprochen werden. Sehr wichtig.
Konsequenzen für das Verständnis des Christentums
Deswegen vorletzter Gedanke: Das, was du und ich hier gerade besprochen haben, hat große Konsequenzen. Es bedeutet, dass es im Christentum nicht hauptsächlich darum geht, dass du an Gott glauben sollst und fertig. Es heißt ja Christentum und nicht Gotttum. Der Christus kam erst später hinzu.
Lass mich das mal auf den Punkt bringen. Weißt du, das klingt jetzt provokant – denk mal drüber nach. Es geht nicht darum, ob du in die Kirche gehst. In die Kirche zu gehen macht dich nicht zu einem Christen. Es geht auch nicht darum, ob du glaubst, dass Jesus wirklich existiert hat. Dann wären ja so gut wie alle Menschen auf der Welt wirklich Christen, zumindest alle Historiker. Das ist leider nicht der Fall.
Es geht nicht darum, ob du an Gott glaubst. An Gott zu glauben macht dich nicht zu einem Christen. Denk an das Beispiel mit der Pfarrschule eben. Sondern Jesus nachzufolgen, das macht dich zu einem Christen. Wer sich an Jesus festklammert für den Tag des Jüngsten Gerichts, der ist Christ. Das ist sehr wichtig zu verstehen.
Die meisten Menschen, mit denen die Apostel gesprochen haben und mit denen Jesus selbst gesprochen hat, die haben doch schon geglaubt, dass es Gott gibt. Denk mal selbst nach: Wenn Jesus und die Apostel nur gewollt hätten, dass Menschen an Gott glauben, warum haben sie dann in den ersten Jahren hauptsächlich unter gläubigen Juden evangelisiert? Also ihnen die frohe Botschaft gegeben – für die gläubigen Juden, für die es doch schon eine Selbstverständlichkeit war, an Gott zu glauben. Das würde doch keinen Sinn machen.
Du siehst also schon, da muss mehr dahinterstecken. Warum melden sich denn jedes Jahr tausende Christen freiwillig, um in der arabischen Welt das Evangelium weiterzuerzählen? Muslime glauben doch schon an einen Gott, viele Hindus glauben sogar an mehrere. Wozu also? Weil genau das der Punkt ist.
Das klingt jetzt provokant, also denk mal selbst darüber nach: An irgendeinen Gott zu glauben macht dich nicht zu einem Christen. Und nur an Gott zu glauben rettet dich nicht. Stell dir das schon mal nur vor einem harmlosen weltlichen Gericht vor: „Ja, Herr Richter, ich beantrage Freispruch. Ich möchte nämlich zu meiner Verteidigung anführen, ich glaube, dass Sie existieren.“ So, kann ich jetzt gehen? Nein.
Wir wollen Freispruch von unseren Verbrechen. Dieser Freispruch ist das, was die Bibel Versöhnung nennt. Unsere Verbrechen sind das Leid, das Unrecht und die Unheiligkeit, die wir in die Welt hineingebracht haben. Das ist das, was in der Bibel Sünde heißt.
Und darum geht es. Das ist genau das, was die Propheten gelehrt haben, was Johannes der Täufer angekündigt hat und was Jesus im Neuen Testament über dreißig Mal nicht müde wird zu wiederholen: Gottes Gericht kommt. Klammern euch an mir fest, das wird euch freisprechen.
Glaube und Gefühle – eine Klarstellung
Und eine letzte Anmerkung für heute: Das Christentum hat ehrlich gesagt auch nicht viel mit Gefühlen zu tun. Das war nämlich eine andere Sache, die mir Christen damals sehr oft erzählt haben. Nach dem Motto: Du musst irgendwie etwas Bestimmtes fühlen, und nur wenn du dieses Gefühl in dieser und jener Ausprägung hast, dann bist du ein Christ.
Ist das wirklich so? Als Christ kannst du nämlich in Wahrheit sehr, sehr starke Gefühle empfinden – absolut. Aber du musst es nicht, es ist nicht notwendig. Nirgendwo in den 260 Kapiteln und 8 Versen im Neuen Testament steht, dass du irgendetwas Bestimmtes fühlen musst, um gerettet zu werden.
Es steht übrigens auch nicht in Gottes Gebrauchsanweisung, dass du Gott unbedingt emotional spüren musst. Du kannst beides, und das tue ich auch. Aber du musst nicht. Das will ich kurz klarstellen. Denn wenn du es nur einmal durchdenkst: Angenommen, man müsste immerzu irgendetwas fühlen, um Christ zu sein oder um gerettet zu werden – denk doch mal kurz darüber nach, wie viele Leute das vom Glauben ausschließen würde.
Was ist zum Beispiel mit Menschen, die in einem Unfall gewesen sind und deswegen emotional anders empfinden? Was ist mit Menschen, deren Nervensystem oder Gehirn beeinträchtigt ist? Was ist mit Männern? Nein, Spaß beiseite, mal mit leichtem Ernst: Ein mir sehr nahestehender Mensch ist mit Autismus geboren. Ich bin mit ihm schon durch dick und dünn gegangen, und ich kann dir sagen, er empfindet sehr wahrscheinlich anders, als du das tust.
Er hat ein Herz aus Gold, ist ein tiefgläubiger und unglaublich hilfsbereiter Mensch. Aber Gefühle – das ist so ein Ding. Und das ist okay, weißt du? Denn wenn man als Christ immer irgendetwas Bestimmtes fühlen müsste, dann würde das viele Menschen ausschließen. Und ehrlich gesagt auch dich und mich manchmal, oder?
Leben mit Jesus ist wie ein langer Lauf. Manchmal gibt es Höhen, und alles fliegt dir zu. Häufig ist es irgendwie neutral. Manchmal ist es anstrengend, und manchmal fühlt es sich an wie eine totale Durststrecke.
Lass mich dir einfach zum Schluss sagen: Das darf sein. Darauf kommt es nämlich nicht an. Zum Abschluss.
Abschluss: Hoffnung und Vertrauen in Gottes Gericht
Es gibt eine sehr schöne Bibelstelle, die erklärt, was Glauben bedeutet und worum es bei der guten Nachricht geht. Eine gute Nachricht macht nur Sinn, wenn wir verstehen, vor welchem Hintergrund sie überhaupt eine gute Nachricht ist.
Diese Stelle findet sich im Psalm 2. Dieser Psalm ist ein messianischer Psalm, der im Neuen Testament immer wieder auf Jesus bezogen wird. Auch im Judentum wird er schon sehr früh auf den Retter der Welt bezogen.
In Psalm 2 geht es um Gottes Gericht über die Welt. Das ist der Zusammenhang. In dem Vers, um den es hier geht, geht es um den Retter der Welt. Dort heißt es: "Achre kol Hose wo", was bedeutet: Gesegnet sind alle, die ihre Hoffnung auf ihn setzen.
