Serie•Teil 3 / 7Regionalkonferenz Schweiz 2020
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein überraschender Anfang
Wir wollen uns heute Abend einen Bericht über ein evangelistisches Gespräch ansehen, bei dem Jesus scheinbar alles falsch macht. Alles fängt eigentlich sehr hoffnungsfroh an, aber am Ende sehen wir lauter betroffene, betrübte Gesichter. Und doch ist das ein Bericht, der uns sehr viel zu lehren hat und uns letztendlich zum Evangelisieren ermutigen sollte.
Unser Predigttext, ihr seht das hier, findet sich im Markus-Evangelium in Kapitel 10, es sind die Verse 17 bis 27. Ein sehr bekannter Text, tatsächlich mein Lieblingstext, wenn es so etwas geben kann, wenn es um das Thema Evangelisation kommt. Ich predige diesen Text jedes Jahr circa fünfmal. Aber nie so wie heute Abend. Von daher ist die Gefahr, dass ich heute Abend auf die falsche Spur komme, extrem groß, weil ich heute mal etwas Neues tun werde.
Normalerweise predige ich diesen Text bei Evangelisationen. Das heißt, dreimal im Jahr führe ich einen Christianentdeckenkurs durch, wo wir Menschen einladen, die Jesus noch nicht wirklich kennen, und an einem dieser Abende predige ich diesen Text. Immer vor unterschiedlich zehn bis dreißig Leuten. Und zweimal im Jahr habe ich diesen Text in den letzten Jahren gepredigt in einer christlichen Schule, wo die Eltern Kinder anmelden, weil sie es irgendwie gut finden, dass da Moral gelehrt wird, aber die Kinder sind größtenteils nicht unbedingt Christen, die Lehrer sind Christen, und ich bin quasi der Hausevangelist. Einmal im Jahr beziehungsweise an zwei unterschiedlichen Tagen werden alle Eltern eingeladen von neun Schülern in dieser Schule zu einer Pflichtveranstaltung, damit ich sie evangelisieren darf. Sehr cool! Und diesen Text nehme ich mir jedes Mal vor.
Aber heute wollen wir uns den Text ein bisschen anders anschauen, aus einem anderen Blickwinkel. Ich möchte mit uns schauen, was wir für unsere eigene Evangelisation von Jesus lernen können. Wohlgemerkt, ich werde jetzt keine persönlichen Erfahrungen weitergeben darüber, was ich so alles erlebt habe, wenn ich den Text gepredigt habe. Nein, wir wollen Jesus in Aktion sehen und von Jesus lernen.
Und so habe ich diese Predigt überschrieben mit dem Titel: Eine Lektion in Sachen Evangelisation. Und streng genommen sind es wirklich Lektionen, mehrere Lektionen.
Bevor ich jetzt für diese Predigt bete, lese ich uns den Text. Und vielleicht mögt ihr aufstehen und Gottes Wort die Ehre erweisen, während ich den Text lese, und dann stehenbleibend zum Gebet. Und dann dürft ihr euch wieder setzen zum Zuhören auf die Predigt. Ist das nicht gut?
Und als er, Jesus, sich auf den Weg machte, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?
Aber Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein. Du kennst die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch Zeugnis reden, du sollst niemanden berauben. Ehre Vater und Mutter.
Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf.
Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach.
Er aber wurde unmutig über das Wort und ging traurig davon, denn er hatte viele Güter.
Und Jesus sah um sich und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen!
Die Jünger aber entsetzten sich über seine Worte. Aber Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie schwer ist es, ins Reich Gottes zu kommen! Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.
Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann dann selig werden?
Jesus aber sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.
Ich bete mit uns:
Himmlischer Vater, wir wollen dir danken für dein heiliges Wort. Wir wollen dir dafür danken, dass du der große Sucher bist, der Menschen sucht und findet und rettet. Herr, wir wollen beten, dass wir bereit sind, uns aus deinem Wort belehren zu lassen. Herr, so möchte ich beten für mich selber, dass du mich davor behütest, etwas zu sagen, was du nicht sagen willst. Hilf mir, ein treues Werkzeug zu sein. Hilf mir, dir das Mikrofon zu geben, so dass du reden kannst. Und wirke du durch deinen Geist an uns, an unseren Herzen, so dass wir Acht haben auf das, was du uns zu sagen hast, so dass dein Wort tief in uns eindringen und uns verändern und uns zu jedem guten Werk zurüsten kann. Und das erbitten wir in Jesu Namen. Amen.
Ihr dürft euch gerne setzen. Und ich hoffe, meine Stimme hält. Ich lag den Großteil der Woche im Bett mit Grippe, von daher bitte verzeiht mein vielleicht etwas unklares Reden heute Abend.
Der Mann, der alles zu haben scheint
Hier kommt ein Mann zu Jesus, scheinbar reif für die Bekehrung. Ja, wir haben das gesehen: Dieser Mann kommt zu Jesus, das ist schon einmal ein super Startpunkt.
Wir wissen aus den Parallelberichten im Matthäusevangelium und im Lukasevangelium, dass dieser Mann jung und beim Volk hoch angesehen war. In Vers 22 sehen wir, dass er ein Jüngling war und ein grosses Vermögen hatte. Also sehen wir: Dieser Mann hat eigentlich alles. Er war jung, reich, hatte einen guten Job und war hoch angesehen. Was kann man eigentlich mehr wollen?
Und doch ahnt dieser Mann, dass ihm noch etwas fehlt. Und so macht er sich auf, um nach etwas Grösserem zu suchen. Er sucht nach ewigem Leben, einem wahrhaft erfüllten Leben, einem Leben, das über den Tod hinausreicht, einem Leben, das, wie er denkt, nur bei Gott zu finden ist.
Wir merken hier, dass dieser Jüngling also schon ganz viele Dinge glaubt und versteht, die wir sicherlich in der Evangelisation nicht als bekannt voraussetzen sollten. Also wenn ich über Lektionen von Evangelisation spreche, dann kommen wir jetzt zu Lektion Null, nämlich zu dem, was wir aus diesem Text nicht direkt lernen können, aber was wir in diesem Text schon sehen.
Dieser Mann glaubt daran, dass es einen Gott gibt. Die Existenz Gottes ist für ihn keine grosse Frage. Zum Zweiten erkennt er an, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Und er versteht, dass wir das nicht von vornherein haben. Und drittens geht er davon aus, dass Jesus ihm irgendwie helfen kann, diesen Weg zum ewigen Leben zu finden.
Wohlgemerkt: Das sind Dinge, bei denen wir gut daran tun, sie zu bedenken. Wie wir vorhin schon beim Vortrag von Daniel gehört haben, muss man manchmal damit anfangen, überhaupt erst einmal über die Existenz Gottes zu reden. Das ist längst nicht jedem klar. Hier haben wir einen Mann, der das schon versteht.
Was wir auf jeden Fall aber erkennen können, ist, was diesen Mann treibt. Es ist etwas, was wir bei jedem Menschen voraussetzen dürfen. Dieser Mann hat scheinbar alles. Menschen investieren alles, um sich irgendwie Jugend zu erhalten, um irgendwie reich zu werden, um Karriere zu haben. Und was auch immer sie anstreben: Irgendwie merken Menschen immer wieder, vollkommene Erfüllung, dauerhafte Erfüllung, vollkommenes Glück, tiefen inneren Frieden finden wir in dieser Welt nicht.
Das heisst, ein Mensch kann dir noch so zufrieden gegenüberstehen, noch so sehr behaupten, er brauche nichts, er sei vollkommen glücklich, er lügt. Vielleicht für einen Moment nicht, aber langfristig ist keiner da. Sie alle sind irgendwo auf der Suche nach etwas.
Nun, von Natur aus, das haben wir vorhin gehört, sucht keiner nach Gott. Das lesen wir in Römer 3 ganz deutlich. Und doch dürfen wir eine gewisse Suche nach etwas voraussetzen: nach Frieden, nach Angekommensein, nach wirklicher Erfüllung.
Nun, dieser Mann sucht also nach etwas. Er sucht nach ewigem Leben. Er erwartet, dass Jesus ihm helfen kann, und so kommt er zu ihm, ganz ehrerbietig. Wir lesen hier, wie er ihn anspricht: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?
Wow, hey, dann geh mal auf die Knie! Wir dimmen das Licht, ich lege meine Hand auf deine Schulter, schliesse die Augen und ich spreche dir ein Übergabegebet vor. Sprich mir einfach nach, bekenne deine Schuld, vertraue auf Gott, und du wirst gerettet. So würden wir das heutzutage oft machen, oder?
Das ist doch das ideale Bekehrungsobjekt, besser geht es doch gar nicht. Den muss man nicht mehr einladen, der kommt von alleine. Dem muss man nicht einmal sagen, welche Fragen er stellen soll, sondern er stellt die richtigen Fragen. Dann würden wir ihm natürlich am Ende sagen: Herzlichen Glückwunsch, du bist jetzt Christ.
Und ja, er ist natürlich ein erfolgreicher Geschäftsmann. Das heisst, er wird nicht so oft in den Gottesdienst kommen können, aber wir freuen uns, dass er überhaupt da ist. Und weil er ein erfolgreicher Geschäftsmann ist, werden seine Spenden, selbst wenn er keinen Zehnten gibt, wahrscheinlich recht hilfreich sein. Und so ein Mann ist ein Pfeiler der Gemeinde, vielleicht würde man ihn sogar für den Ältestendienst vorschlagen.
Könnt ihr euch das vorstellen? Ich kann mir das vorstellen. Ich glaube, dass in vielen Kirchen und Gemeinden solche Leute herumlaufen, die einst so gekommen sind und die vorschnell zu einem Übergabegebet eingeladen wurden, indem man ihnen den Stempel Christ auf die Stirn gepackt hat. Ich denke, Jesus tut das hier interessanterweise nicht.
Die erste Korrektur: Wer Jesus wirklich ist
Jesus reagiert ganz anders. Er stellt erst einmal eine Gegenfrage. Das klingt fast ein wenig scharf: Was nennst du mich gut? Und dann ergänzt er: Niemand ist gut als Gott allein.
Was macht Jesus hier? Jesus macht deutlich, dass bei diesem Mann schon ein Denkfehler vorliegt. Er hält Jesus für einen guten Meister, und Jesus macht klar: Wenn du mir das Attribut „gut“ verleihen willst, dann ist „Meister“ nicht die ganz richtige Anrede. Denn niemand ist gut als Gott allein. Oder anders gesagt: Jesus ist nicht einfach nur ein halbwegs guter Meister. Natürlich gibt es sehr nette, moralische Menschen, die in gewisser Weise gute Bürger sind. Aber wirklich gut ist eben keiner.
Das ist es, was Jesus hier betont. Gleichzeitig deutet er indirekt an, wer er wirklich ist. Das ist die erste Lektion: Erkläre, wer Jesus ist. Menschen müssen verstehen, dass Jesus mehr ist als nur ein guter Meister.
Erst nachdem Jesus die Anrede des Mannes hinterfragt hat, geht er auf die Frage des reichen Jünglings ein: Was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? Jesus sagt dem Jüngling: Okay, wenn du etwas tun willst, dann halte doch einfach die Gebote. Dann erwähnt er nur einige davon. Er erwähnt nicht alle. Du kennst die Gebote. Und dann greift er aus dem zweiten Teil der Zehn Gebote einige heraus: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch Zeugnis reden, du sollst niemanden berauben, ehre Vater und Mutter.
Ist das legitim? Ist das ein guter Weg? Ja, natürlich. Wie lesen wir in den Mosebüchern? Die Zehn Gebote: Du musst dich entscheiden, halten oder nicht halten. Leben oder tot, oder? Also theoretisch ein guter Gedanke. Wenn du etwas tun willst, dann halte doch einfach die Gebote.
Das Problem ist nur: Wer könnte mal schnell die Zehn Gebote aufzählen? Also komm, wir sind bei der Evangelium-21-Konferenz, also ihr alle könnt das, oder? Darf ich jemanden einfach mal aufrufen? Oh, jetzt werdet ihr alle nervös. Es ist erstaunlich, wie schnell Menschen sagen: Ja, ich halte die Gebote. Aber wenn man dann fragt: Was sind denn die Zehn Gebote? Dann wird es schon schwieriger. Nur die zehn, man muss ja nicht alle nennen, die so in der Bibel stehen.
Menschen tun sich so schwer damit, sich diese zehn einfachen Gebote zu merken. Im Hebräischen heißt es ja sogar „zehn Worte“. Aber das ist nicht das größte Problem. Wie funktioniert es denn mit dem Halten? Sagen wir immer die Wahrheit? Haben wir noch nie etwas begehrt, was uns nicht gehört? Und wenn wir die Zehn Gebote in ihrer ganzen Tiefe verstehen, dann merken wir, dass das Gebot gegen Ehebruch schon damit anfängt, dass wir jemanden lüstern anschauen. Autsch. Ein böses Wort im Zorn, und schon hast du das Gebot gebrochen: Du sollst nicht töten.
Was wir dann merken, wenn wir den Zehn Geboten Raum geben, ist: Wir erkennen erst, wie sündhaft wir wirklich sind. Und das ist die zweite Lektion, die wir hier sehen. Jesus führt uns durch die Gebote vor Augen, wie sündhaft wir sind. Menschen müssen ihre Sündhaftigkeit erkennen.
Das Interessante ist: Wenn ich diesen Text typischerweise predige, verfehlt er nie seine Wirkung. Am Anfang gibt es noch Leute, die vielleicht sagen: Wer würde von sich sagen, er hält die Zehn Gebote? Manchmal sagen das ein paar Leute: Ja, ich. Dann sage ich: Kannst du mir kurz aufzählen? Nö. Okay, darf ich sie hier kurz aufzählen, und wir gehen sie miteinander durch? Und ich mache das natürlich sehr freundlich und spaßig. Dann lächeln wir beide und sagen am Ende: Ja, okay, natürlich, nobody is perfect. Genau, nobody is perfect.
Das Interessante ist: Wie reagiert dieser junge Mann? Er sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. Okay, hier haben wir ein kleines Problem. Niemand ist gut als Gott allein. Also entweder war dieser junge Mann völlig verblendet oder ein extrem geübter Heuchler, vielleicht eine Mischung aus beidem.
Stell dir vor, du hältst eine Evangelisation ab und stellst diese Frage, und jemand sagt: Habe ich alles gehalten. Wie würdest du reagieren? Ich weiß, wie ich reagieren würde. Ich würde sagen: Du bist so ein Heuchler. Also, das passiert mir nicht. Das habe ich noch nie erlebt, das ist noch nie passiert. Aber wenn einer mir steif und fest ins Gesicht gesagt hätte: Ich habe noch nie gelogen, ich habe noch nie ein Gebot gebrochen, ich habe noch nie in Sünde gelebt, dann glaube ich, würde ich langsam sagen: So langsam fängst du an, mich ein bisschen zu nerven.
Aber wie reagiert Jesus? Das ist die dritte Lektion. Ich finde das sehr beeindruckend. Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb. So ist Jesus: die Liebe in Person. In seinem Bemühen, dem Menschen zu helfen, seine Not zu erkennen und seine Sündhaftigkeit zu erkennen, wird Jesus nicht böse. Sondern er hat den Menschen lieb. Geduldig und liebevoll geht er mit diesem Menschen um und zeigt nun seine Liebe für diesen Jüngling. Und seine Geduld mit diesem Jüngling zeigt sich darin, dass er ihm noch ein weiteres Mal seine Grenzen aufzeigt.
Jesus sagt weiter: Eins fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach.
Was macht Jesus hier? Legt er die Latte noch ein Stück höher? Ich glaube, in letzter Instanz hilft Jesus diesem Mann, endlich seine eigene Sündhaftigkeit zu erkennen. Wir sollen keine anderen Götter haben. Was ist mit Mammon? Jesus kennt das Herz des Mannes. Er weiß, was das grundlegende Problem dieses Mannes ist. Er ist ein selbstbewusster Mann. Sicher war er mit vielen Qualitäten ausgestattet, wahrscheinlich ein relativ moralischer Mann. Da waren ja wahrscheinlich Leute dabei, die mit ihm unterwegs waren; die Jünger sind dabei, das lesen wir ja im Fortgang, und vielleicht auch noch ein paar Freunde, vielleicht noch ein paar Diener dieses reichen Jünglings. Und wenn der sagt: Ich habe die Gebote gehalten von Jugend auf, dann können wir, wenn nicht alle um ihn herum auf einmal losprusten, davon ausgehen, dass das wahrscheinlich ein relativ moralischer Typ war. Moralisch, gesetzt, treu, erfolgreich im Leben, hoch angesehen, reich.
Das Problem ist: Genau darauf setzt er. Er war bereit, etwas zu tun, um noch etwas zu bekommen, um etwas zu erreichen, was er meinte, seine Bedürfnisse noch mehr befriedigen zu können. Aber das hatte Grenzen. Denn sein Herz hing an seinem Reichtum. Das war sein Götze. Und er ist nicht bereit, diesen Götzen loszulassen. Und Jesus zeigt ihm das.
Hier kommt das Gebot, an dem jetzt alles zusammenbricht. Wie heißt es hier? Er aber wurde unmutig oder, wie es in anderen Übersetzungen heißt, betroffen oder entsetzt. Er war betroffen über das, was Jesus sagte, und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter. Das ist tragisch, oder? Das fing alles so hoffnungsfroh an. Wir hätten wahrscheinlich schon dreimal das Übergabegebet mit ihm gebetet und ihn vielleicht schon zum Ältesten berufen. Und Jesus fährt diese Extraronde, und jetzt geht er traurig weg.
Aber wir sehen hier eine vierte Lektion: Jesus enttarnt zum einen den Götzen dieses Mannes und zum anderen hilft er ihm zu verstehen, was die Kosten der Nachfolge sind. Das ist die vierte Lektion. Er verdeutlicht die Kosten der Nachfolge. Und das ist wichtig. Wir haben so viele Menschen in unseren Gemeinden, die Jesus gut finden, die Jesus toll finden, die Jesus in ganz vielen Bereichen ihres Lebens nachfolgen, aber nicht in allen. Das heißt: Jesus ist ein unheimlich guter Ratgeber, ein guter Meister. Aber wenn es dann an den einen Punkt kommt, an vielleicht die Frage des Umgangs mit Geld, Gier, Geiz, vielleicht die Frage nach dem Umgang mit meiner Sexualität, dann kommen wir an den Punkt, wo Jesus zwar ein guter Ratgeber ist, aber an dieser Stelle habe ich eine bessere Idee.
Und dann bleibt Jesus nichts anderes als ein Consultant. Gute Vorschläge gemacht, acht davon nehmen wir an, zwei nicht. Dann ist Jesus nicht der Herr. Aber entweder ist Jesus der Herr deines Lebens, und dann ist er wirklich Herr deines ganzen Lebens, oder er ist eben nur ein guter Ratgeber, nur ein guter Meister. Und Jesus enttarnt die Götzen und verdeutlicht die Kosten der Nachfolge.
Die Unmöglichkeit beim Menschen und die Möglichkeit bei Gott
Nun, es endet hier erst einmal in einer ganz traurigen Situation. Wir lesen dann auch, wie Jesus, tief bewegt, zu den Jüngern sagt, wie schwer es für die Reichen ist, in das Reich Gottes zu kommen. Da sagt Jesus sicherlich nicht triumphierend: „Hat der den Dämmling jetzt los.“
Also, uns muss klar sein: In seiner allgemeinen Retterliebe möchte Gott nicht, dass irgendwer verloren geht. Ich bin ganz bei Felix in seiner erwählenden, besonderen, spezifischen Liebe. Das ist eine andere Geschichte. Aber in seiner allgemeinen Retterliebe hat Jesus als der ewige Sohn Gottes keinen Gefallen daran, dass Menschen in ihrer Sünde verharren und weggehen. So ist Jesus betroffen, und wir lesen, die Jünger sind bestürzt.
Und Jesus wird noch deutlicher. Er sagt: „Liebe Kinder, wie schwer ist es, ins Reich Gottes zu kommen. Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt.“ Was für ein absurder Vergleich!
Natürlich gibt es jetzt Theologen, die sehr klug sagen: Ja, das muss man ja richtig verstehen. Also Nadelöhr, das war ja so ein Tor in Jerusalem. Wer hat das schon mal gehört, mit diesem Tor in Jerusalem, die Geschichte? Also so ein Tor in Jerusalem.
Ich habe dann irgendwann mal so eine Kinderbibel gesehen, die ist dann bei uns relativ schnell im Müll gelandet. Meine Frau hat die gesehen und hat gesagt: Matthias, guck mal, was da für ein Schrott drin ist. Dann so: Oh ja, schnell wegwerfen. Da war ein wunderbares Bild, und das Nadelöhr war dann so ein ganz kleines Tor. Und dann war da ein Kamel davor, und man konnte sehen: Das kann da niemals durchgehen. Da musste das Kamel auf die Knie gehen, und da musste man den Sattel abnehmen und alle möglichen Sachen. Und dann musste einer das Kamel ganz doll ziehen, und andere haben es so gedrückt. Und dann irgendwann flutschte es dann offensichtlich durch. Die Lehre daraus war: Es ist fast unmöglich, aber mit ganz, ganz, ganz viel Anstrengung geht es. Das ist die Story mit dem Tor.
Also wenn das in irgendeiner Kinderbibel oder in irgendeiner Predigt irgendwo auftaucht, schnell Ohren zuhalten und weglaufen. Es ist völliger Schwachsinn.
Was ist der Punkt? Nadelöhr – also ich weiß nicht, wie es bei euch ist, ich habe so eine Tendenz zu leicht zittriger Hand. Also ein Faden durch ein Nadelöhr ist für mich meist schon eine fast unüberwindbare Hürde. Also wenn es ganz gut läuft, wenn der Faden gut angespitzt ist und das Nadelöhr ein bisschen extra groß, dann vielleicht zum zehnten Versuch. Kamel?
Und wer jetzt sagt, man muss sich halt doll anstrengen, dann sage ich mal: Lies mal weiter. Was steht denn da? Was sagt Jesus danach? „Beim Menschen ist es unmöglich, unmöglich, unmöglich, unmöglich.“ Alles klar, geht nicht. Und das ist genau der Punkt.
Und dann stellt sich ja die Frage: Macht Evangelisation dann überhaupt Sinn? Das ist genau die Frage, die sich die Jünger auch stellen. Wer kann dann selig werden, in gut lutherischem Deutsch, also wer kann dann überhaupt gerettet werden? Und Jesus antwortet jetzt auch nicht: Naja, die, die nicht so reich sind. Könnte man ja noch denken, weil bisher ging es ja um diesen Reichen. Aber da denken wir dann falsch.
Uns muss klar sein: Für die Jünger war eigentlich klar, wenn es überhaupt einen gibt, der die Chance hat, gerettet zu werden, dann ist das der. Weil der moralisch hoch angesehen ist, hoch angesehen im Volk. Der hat in jungen Jahren schon so etwas gebracht. Der ist reich. Also wenn einer überhaupt, dann ist das dieser reiche Jüngling. Und selbst für den ist es schwer. Nein, es ist unmöglich. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr. Und die Jünger sagen: Wer denn überhaupt?
Und Jesus sagt: „Bei den Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott. Bei Gott oder für Gott ist alles möglich.“ Und genau das ist es, was Jesus doch versucht hatte, dem Jüngling deutlich zu machen: Vertrau nicht auf das, was du tun kannst oder was du hast. Der Weg ist nicht, gut genug zu sein, alle Gebote zu halten. Das schaffst du nicht. Niemand ist gut als Gott allein. Der Weg ist auch nicht, genug zu geben, genug zu haben. Jesus sagt: Verkauf alles.
Nein, wir können es nicht tun, Gott muss es tun. Und das ist die Lektion, die wir heute Nachmittag ausführlich gehört haben von Felix. Vielen Dank für den hervorragenden Vortrag. Bedenke, dass nur Gott allein Menschen bekehren kann. Bekehrung ist immer das Werk Gottes.
Und mir ist völlig egal, ob du jetzt sagst oder es mit der Erwählung und mit der vorherbestimmten ... Da tue ich mich schwer damit. Hoffentlich tut sich erst mal keiner mit Begriffen schwer, die sind einfach biblisch, aber das verstehe ich ein bisschen anders. Okay, lassen wir mal dahingestellt sein. Da will ich mich jetzt gar nicht drüber streiten. Aber ich hoffe, dass du anerkennst: Der Grund, dass du heute hier bist als Christ, ist Ausdruck der Gnade Gottes.
Ich habe am Sonntag, witzigerweise, wusste ja noch nicht, was mich hier erwartet, ich bin gerade in der Predigt durch das erste Buch Mose und kam zu 1. Mose 25,12-34, Jakob und Esau. Das Interessante in dem Text ist: Wir sehen, dass Jakob und Esau, als sie geboren werden, Eltern haben, die den einen beziehungsweise den anderen bevorzugen, lieber mögen. Ich weiß nicht, ob ihr das vor Augen habt. Isaak und Rebekka sehen ihre Söhne, und Isaak sagt: Also der Esau, das ist ein richtiger Kerl. Das ist so, der macht sich die Knie schmutzig, der ist so ein richtiger Draufgänger. Und Isaak sagt: Das ist mein Junge. Also da ist Isaak hatte Esau lieb, und Rebekka hat den schöngeistigen Jakob, der zu Hause Suppe kocht, und so: Ach, der schöne Jakob.
Und ganz ehrlich: Wollen wir, dass Gott Menschen mit seiner erwählenden und mit seiner rettenden Liebe auserwählt, basierend auf solchen Kategorien? Mal ganz davon abgesehen, dass Jakob ein Betrüger war. Sind wir nicht froh und dankbar dafür, dass Gott uns trotz allem zu seinen Kindern gemacht hat, dass er uns gerettet hat?
Und das muss uns klar sein in der Evangelisation: „Gott muss retten.“
Das Gebet für die Menschen und der Blick auf Christus
Das bringt mich zur ersten Extralektion. Ich habe noch zwei Extralektionen, das sind die fünf Lektionen aus dem Text. Aber ich habe noch zwei Zusatzzahlen, die fünf Gewinnzahlen, und wir kommen zur Zusatzzahl eins.
Was folgert ganz logisch daraus, wenn ich evangelisiert habe, wenn ich jemandem die Kosten der Nachfolge erklärt habe? Ich habe versucht, mit ihm darüber zu reden, wer Jesus ist. Ich habe ihm gezeigt, wer er ist, dass er ein Sünder ist. Ich habe in aller Geduld und Liebe versucht, ihm nahezubringen, sich selbst realistisch vor Gott zu sehen. Ich habe ihm seine Götzen gezeigt und ihm seine Not gezeigt, ihm die Kosten der Nachfolge erklärt. Und ich erlebe, dass jetzt noch nichts passiert. Was ist die logische Konsequenz?
Das ist etwas, was wir Evangelisten ganz oft vergessen, nachdem wir mit den Menschen über Gott geredet haben. Lasst uns mit Gott über die Menschen reden, vielleicht sogar vorher auch. Lasst uns mit Gott über die Menschen reden, so dass die Menschen, mit denen wir über Gott reden, von Gott bewegt werden. Das ist die nächste Lektion: Sprich nicht nur zu Menschen über Gott, sondern auch mit Gott über die Menschen und bitte Gott, dass er eingreift.
Schließlich sollten wir bedenken, was noch geschehen musste. Unser Predigtext ist fertig, aber noch nicht das Markusevangelium. Es geht ja weiter. Wir wissen übrigens nicht, was mit dem reichen Jüngling noch geschieht. An meinen besseren Tagen stelle ich mir vor, dass er an Pfingsten bei der Menge mit dabei war, die es endlich verstanden hatte. Als die Menschen zu Petrus riefen: Was sollen wir tun?, dachte er vielleicht: Ich glaube, ich habe eine Idee. Als Petrus dann geantwortet hat: Ja genau, das hat doch Jesus damals schon gesagt, wissen wir nicht. Der Mann verschwindet für uns im Nebel.
Aber wir wissen, was im Nachgang passiert. Wir sehen: Jesus setzt sein Werk fort. Und wir sehen: Jesus allein hält alle Gebote, er ist vollkommen gut. Niemand ist gut als Gott allein, aber Jesus ist Gott. Er tut immer das, was Gott in den Geboten von uns fordert. Und dann, kurz nach seiner Begegnung mit dem reichen Jüngling, erklärt Jesus seinen Jüngern, wozu er eigentlich wirklich gekommen ist. Nicht primär, um als guter Lehrer zu lehren. Er ist gekommen, ja, und er hat die Gebote gehalten. Aber er sagt dann in Vers 45 im gleichen Kapitel, nur einige Verse weiter: Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.
Das Lösegeld für die Sünden war viel zu hoch, viel zu hoch selbst für diesen reichen Jüngling. Das konnte der nicht bezahlen. Wir haben das vorhin von Daniel schon gehört: Der Sünde Sold ist der Tod. Die gerechte Strafe für die Sünde ist der Tod, die Todesstrafe. Und nur Jesus war in der Lage, diesen Preis zu bezahlen. Er gab nicht nur allen Reichtum, den er beim Vater hatte, auf und ließ das los, und er erniedrigte sich und wurde Mensch. Nein, er war bereit, sogar sein Leben zu geben, um das Lösegeld zu zahlen, so dass Menschen wie der reiche Jüngling und du und ich gerettet werden können. So dass jeder, der sich ihm im Glauben zuwendet, die Vergebung seiner Schuld findet.
Und dann ist er siegreich über Tod und Sünde auferstanden, um zu zeigen, dass er allein in der Lage ist, ewiges Leben zu geben, denn er hat Leben über den Tod hinaus. Und das ist die letzte Lektion, die wir noch lernen sollten. Wir sollten Menschen verdeutlichen, was es mit Jesu Tod und Auferstehung auf sich hat. Die kommt nicht mehr. Na ja, ihr könnt euch das so vorstellen: Wir sollten den Menschen erklären, wir brauchen Jesus, denn er allein hat immer alle Gebote Gottes gehalten. Wir brauchen Jesus, perfekten Gehorsam. Wir brauchen Jesus, denn er allein war bereit, den ultimativen Preis zu bezahlen. Verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, und komm, folge mir nach. Er allein hat das perfekt gelebt. Und wir brauchen Jesus, denn er allein hat den Tod überwunden und ewiges Leben. Jesus hat all das getan, so dass jeder, der sich ihm im Glauben zuwendet, gerettet werden kann.
Ihr Lieben, unser Auftrag ist es nun, das mutig und treu und in aller Liebe und in aller Klarheit zu verkündigen und Menschen zum Glauben zu rufen und dann zu Gott zu rufen, dass er ihnen diesen Glauben geben möge, und dann auf Gott zu vertrauen, dass er tun wird, was gut und richtig ist. Amen dazu? Dann lasst uns das Tun nicht begegnen für uns.
Schlussgebet und Fürbitte
Himmlischer Vater, wir wollen dir danken, dass du ein gnädiger und barmherziger Gott bist. Das Leben eines jeden Einzelnen hier in diesem Raum, der dich kennt als seinen Retter und Herrn, ist ein Zeugnis deiner großen Barmherzigkeit und Liebe. Denn du hast uns die Ohren aufgetan, sodass wir achteten auf das, was du uns zu sagen hattest. Du hast unsere Augen geöffnet, damit wir deine Herrlichkeit sehen konnten. Du hast uns, die wir tot waren in unseren Sünden und Übertretungen, lebendig gemacht.
Wenn du Menschen wie uns bekehren kannst, wen dann nicht? So gib uns den Mut, dich weiter den Menschen zu verkündigen, die so dringend von dir hören müssen. Gib uns Eifer in der Verkündigung des Evangeliums. Gib uns Vertrauen darauf, dass du uns gebrauchen willst, um dein Werk zu tun.
Du weißt, welche Menschen uns vielleicht vor Augen stehen, denen wir dein Wort gesagt haben und die traurig weggegangen sind, so wie dieser reiche Jüngling. Herr, wir wollen dich bitten, für sie: Erbarme dich ihrer. Es ist nicht zu spät. Tu ihr Herz auf, rufe sie zu dir.
Herr, du weißt, wer mir gerade auf dem Herzen liegt. Du weißt, wen jeder hier gerade im Kopf hat und auf dem Herzen hat. Herr, erbarme dich um Jesu willen. Amen.

